Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 34 (24.8.1923)
- Date
- 1923-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(,״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ■ Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 48.000, Tschecho-Slowakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1,500. «mi ■mi n—u ■■■1111111—w^nrnrnw«mm—wrrrrn■» ■ ׳ — ....■rin■■ Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 13.453; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 1S0.40&; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N, 40.217; f.Rumänlen: Banca Marmarosch Blanc ß: Co für Florenz &C0, Bukarest; fürdieSchweiz: Postschcckk. Luzern Vif. 1470. Wien-Bratislava, 24. August 1923 ,יב״ אלול תי־פ״ג H*VDDDy*®"iW בע״ה Nach der Kenessio. Mittwoch nachmittags, nach der Vornahme der Wahlen in die Zentralorgane und nach Anhörung der Schlussworte, wurde die Kenessio Gedaulo geschlossen. Die Wunderbare Stimmung dieser ersten grossen Versammlung der thoratreuen Judenheit wird sicherlich noch lange nachwirken. Doch mehr als auf die Stimmung kommt es auf die neuen Grundlagen an, die die Kenessio Gedaulo für die zukünftige Arbeit geschaffen hat. Es soll vor allem die organisatorische Festigung hervorgehoben werden, die an der Kenessio Gedaulo zum Ausdruck kam. Alle jene Gruppen, die bisher der Agudabewegung wohl sympathisch gegenüberstanden, aber eine feste organisatorische Angliederung vermissen Hessen; die verschledenen Jugendorganisationen, die junge Arbeiterorganisation, Poale Emune Jisroel, in Polen haben bei voller Berücksichtigung ihrer speziellen Aufgaben den organisatorischen Zusammenschluss mit Agudas Jisroel vollzogen. Der neue, von der Kenessio Gedaulo gewählte, aus 25 Gliedern bestehende Geschäftsausschuss hat nun, auf eine festgefügte Organisation stützend, die hohen Ziele zu . verwirklichen, ״ die sich der, Kenessio Gedaulo __ ' ' ' ’ ' .- -־ die Gründung des Jawnefonds zur grosszügigen Forderung der Thoralehranstalten in Golus sowohl, wie im heiligen Lande beschlossen wurde, wird der neuen Leitung die moralische Stärkung geben, die für diesen Fond ausgesetzte Summe auch aufzubringen. Schon während der Tagung haben grössere Zeichnungen stattgefunden. Jedoch wird eine Summe von ungefähr 100.000 Pfund für diesen Zweck nur dann aufbringbar sein, wenn die neue Leitung sofort mit aller Energie sich an die Organisierung der Sammeltätigkeit macht, die sich durchans nicht auf Amerika allein beschränken darf. Schon aus moralischen Gründen muss jede jüdische Gemeinschaft, muss jeder Jude denen noch etw^s am Bestände der Thora, am Bestände des jüdischen j Volkes liegt, zum Jawnefonds beitragen. Auch in Bezug auf die soziale Arbeit hat die Kenessio Gedaulo Beschlüsse gefasst, welche der Leitung die Möglichkeit geben, das grosse ״Jüdische Hilfswerk“ in Wien mit Berücksichtigung der sozialen Fürsorgezentren der Landesorganisationen zu einer grossen Hilfsorganisation auszugestalten. Mit Freude stellen wir ferner fest, dass die Kenessio Gedaulo auch in Bezug auf Erez Jisroel eine positive Stelung eingenommen hat. Die Arbeit in Erez Jisroel soll alle Gebiete in Ereil" Jisroel umfassen, die nur irgendwie zur Vertiefung des religiösen Lebens und zur Festigung des heiligen Charakters vom Lande unserer Väter dienen könnten. Die Fülle von neuen Aufgaben, die sich Agudas Jisroel an ihrer ersten Kenessio Gedaulo gestellt hat, werden alle arbeitenden Kräfte zu positivem Schaffen zwingen. Diese schöpferische Arbeit wird neben den unmittelbaren wohltätigen Folgen auch mit sich bringen, dass die unfruchtbare Polemik anderen Organisationen gegenüber aufhören wird- Die festen Grundsätze, die unverrückbaren Prinzipien, auf denem sifhudec, ^itküj^ftig^B.s^LJ^ii -Agudas-^«Jtoel erSeben wird, sind positiv und plastisch genug zum Vorschein gekommen. Jeder Stein, den mar zur Vollendung des Werkes beiträgt, festigt auch das schützende Bollwerk, das jede fremde Bestrebung 1ernhalte11 soll. Die Kenessio Gedaulo war eine wunderbare Manifestation für das wahre Wesen des jüdischen Volkes. Die Kenessio Gedaulo hat eine. Tribüne geschaffen, von welcher aus der Ruf der Führer der thoratreuen Judenheit bittend und mahnend an alle Juden erging, an dem geistigen und physischen Aufbau des jüdischen Volkes und des heiligen Landes mit Einsatz aller Kräfte mitzuarbeiten. Wir hoffen, dass der Appell nicht wirkungslos verhalten wird. P. Rabbi Jakob Aschkenasy. Historische Erzählung aus den Tagen Chmielnitzkis. Von J. K r e p p e I. (Schluss.) Neuntes Kapitel. Rabbi Jakob begab sich festen Schrittes zum Richtplatz, als er erkannt hatte, dass auch er einer derjenigen ״Zehnten“ sei, deren Leben verwirkt war. Er war sich voll bewusst, zur Ehre und zur Heiligung des Namen Gottes sein Leben zu opfern und war von einer gewissen Genugtuung erfüllt, hierzu auserwählt worden zu sein. Einen Moment lang dachte er seiner Gattin mit Schmerz und- Weh, fasste sich aber bald lind sagte sich: Auch Sarah wird damit stolzieren, die Frau eines ״Kodesch“ zu sein, und auch sie werde sich in Ergebenheit dem Ratschluss Gottes beugen. Auf dem kurzen Weg zum Richtplatz murmelte er ununterbrochen Gebete, und als ein wilder Kosak seinen Säbel gegen ihn zückte, hob er seine Hände zum Himmel und rief: ״Deiner Hand, 0 Ewiger, vertraue ich meine Seele . . .“ Weiter kam er nicht, denn da traf ihn der Schwertstreich und er sank zu Boden. Was Rabbi Jakob nicht mehr aussprechen konnte, den Schlussatz des Verses, ״Du hast mich erlöst, Gott der Wahrheit‘‘, — das war dennoch geschehen. Der Kosak, der die Enthauptung vornehmen sollte, war total betrunken und er führte den Todesstreich mit dem stumpfen Rücken des Mordwerkzeuegs, so dass Rabbi Jakob wohl vor Schmerz bewusstlos niederstürzte, aber am Leben blieb. Als er aus seiner Ohnmacht erwachte, war es inzwischen späte Nacht geworden. Eine Zeit lang konnte sich Rabbi Jakob keine Rechenschaft über seine Lage abgeben. Nach und nach kehrte aber sein Bewusstsein voll wieder und er erinnerte sich der furchtbaren Ereignisse des vergangenen Tages. Nun befand er sich unter den enthaupteten Leichen seiner Brüder, lag in einer Blutlache und konnte kaum wahrnehmen, dass gar manche seiner Leidensgenossen bereits Raubvögeln und Hunden zum Frass gedient haben. Rabbi Jakob überdachte nun seine Lage und musste sich sagen, dass seine Rückkehr in die Stadt den sicheren Tod bedeuten müsste, da ja die wilden Horden dort noch ihre Orgien feierten. Wer weiss, ob ihm der Gott seiner Väter zum zweiten Male ein Wunder erweisen würde. Er gelangte zur Erkenntnis, dass es für ihn am ratsamsten sein muss, den Weg nach der Richtung einzuschlagen, aus der sicli die Flut der Kosakenhorden ergossen hatte. Dort, im Osten, haben die Söldlinge Chmielnitzkis ihr Zerstürungswerk bereits vollendet, dort haben sie nichts mehr zu suchen, und das Land dürfte von dieser Plage frei sein. Wenn einmal ruhigere Zeiten wiederkehren würden, würde er dann den Rückweg gegen Westen antreten. Nachdem Rabbi Jakob diesen seinen Entschluss nochmals überdacht und als den unter den gegebenen Verhältnissen einzig richtigen und möglichen erkannt hatte, nahm er weinend Abschied von den entseelten Brüdern, denen er nicht mehr helfen, und die er nicht einmal zu ״I<ewer Jisroel“, in ein jüdisches Grab, bringen konnte. Jedes' Geräusch müsste ja die in der Stadt raubenden und plündernden Horden herbeilocken. Dann trat er unter dem Schutze der Nacht seine.Wanderung an, nachdem er sich bei einem nahen Fluss vom Blut und Schmutz ein wenig gereinigt hatte. Der neugewfitilte GesmisiQlmde finsschnss. *W־ien: Rabb. Dr. Pinchas Kohn, Wolf Pappenfcelin, Rabb. Beer Friedmann, Rabb. Josef Baumgarten, Kalmann Pappenheim, Kommerzialrat Siegmund Bondi, Direktor Dawid Schlesinger. Frankfurt:: Jakob Rosenheim, Jakob Strauss, Leo Wreschner, Dr. J. Breuer, Dr. S. Ehrmann, Dr. Holländer, S. Eisenmann, War s 013. au 5 Sejmdep. Rabbiner M. Schapira, J. M. Lewin, i. Trockenkeim, Sejmdep. Kirschbraun, Senator Deutscher, G. M. Priwes, N. Rosenfeld. T5Zisal1ija.©־w ב Senator Oberrabfner Zirelsohn. Wilna: Rabbi Chaim Ojser Grodzenski. Kowno z Rabbi M. M. Eppstein. Ö-aliziezx ב J, j; Thuminij Przemysl. Slowakei z Rabbiner Aron Katz, Nitra. Salrweiz ב Israel Chaim Eis, Zürich. Für den durch die Kenessio Gedaulo geschaffenen Erziehungsfonds ״Keren Jawne“ spendeten: Der Gerer Rebbe . . . 100,000.000 P0111. Mk. Der Czortkower Rebbe 50,000.000 Kronen Der Kopyczyncer Rebbe 300 Dollar Tage und Wochen wanderte Rabbi Jakob. Eigentlich nicht. Tage, sondern Nächte. Denn die Tage hindurch musste er sich in den Wäldern versteckt halten, aus Furcht, auf Kosakennachzügler zu stössen.; Nur während der Nächte setzte er seinen Weg fort.׳ Während der Wanderung nährte er sich von Baumwurzeln und Obstresten, die die plündernden Hunnen hie und. da übriggelassen hatten. Sein Weg war mit Blut und Feuer bezeichnet. Ueberall niedergetretene und zertrampelte Felder, niedergebrannte Häuser, Schutthaufen und Blutspuren. So wanderte Rabbi Jakob einige Wochen hindurch, bis er die Grenzen der Ukraine erreichte. Dort waren . die Zerstörungen und Verwüstungen immer spltcner aiizutreffen. Hie und cla war in einem Dorfe noch ein Jude übriggebücben, der aber immer um sein Leben zitterte und es kaum wagte, dem Wanderer auch nur für Stunden Zuflucht zu gewähren. Immerhin gelang es dem Wanderer, sich cla Bauernkleider zu verschaffen, um nicht schon äusserlieh atifzufallen. Er erhielt auch die so lang und so schwer entbehrten Tallis und Tefilin, konnte auch hie und da etwas mehr zusagende Nahrung erhalten und seine arg mitgenommene Gesundheit wieder ein wenig auffrischen und neue Kräfte sammeln. Erst nach Monaten gelangte Rabbi Jakob in ein Gebiet, in welchem die Juden weniger schwer mitgenommen wurden, und wo es noch einige kleine Kehilloth gab. Freilich waren auch sie furchtbar verarint und lierabgekommen. Immerhin konnte er da ausruhen und das Ende des Kosakenautstaudes abwarten. (Fortsetzung auf Seite 8). <Se&riinde« 1884 etti* künstlerisch ausgeführte Scheitel, Perückan und 7?eBsS©rmaiio«aM ms aller bestem, dauernd geweittem Katurliaar• Versand der reich Illustrierten Frisurenmappe kostenlos,