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Jüdische Presse · 1923-05-18 · 20-21 (18.5.1923) · page 7

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
20-21 (18.5.1923)
Date
1923-05-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20/21 JÜDISCHE PRESSE Seite 133 ־wäre damit ein wirklich edler und hervorragender Dienst der Gesamtjudenheit geleistet, denn während man andere soziale Institutionen in jedem Lande errichten kann, ist ein Sanatorium in Davos, dem Dorado für Lungenkranke, nirgends sonst zu ersetzen. Man kann dem Verein, der in kurzer Zeit zu einer der grössten jiid. Organisationen der Schweiz geworden ist, herzlich ein weiteres Gedeihen wünschen. Russland. Kummunisten und sie bezeichnen sie als förmliche Bourgeois- (bekanntlich das ärgste Schimpfwort im roten Reich) Klubs. Zur F.tichtlingsfrage. Dio russische Sovjet Vertretung in Warschau erhielt amtlich einen Erlass des allrussischen Exekulivkommitees zugestellt, wonach alle in Polen weilenden B'lüchtlingen aus Russland und d* r Ukraine, die nach dem 12. Ok’ober 1920 Russland auf illegalem Wege verlassen haben, Ajnnestie gewährt und ihnen gestattet wird bis zum 1. Juli 1923 in ihr Heimatorte nach Russland und der Ukraine zurüc-k zukehren. Berditschew, die Stadt ohne Christen. Der bekannte Dr. Bogen, der eine Reise durch Sowjetrussland macht, schreibt nach Amerika über Verhältnisse daselbst. Obwohl erfreulicherweise im Ganzen eine entschiedene Besserung gegen das Vorjahr festzustellen ist, lässt die Lage der. jüdischen Bevölkerung noch sehr viel zu wünschen übrig. Die meisten sind nur auf die amerikanische Hilfe angewiesen und stünden, wenn ihnen diese entzogen würde, vor dem vollständigen Nichts. Diese traurige Aussicht ist in greifbare Nähe gerückt, da sich viele Philantropen, durch die günstigeren Nachrichten ans Russland irre- . geführt, vom Hilfswerk zurückzuziehen anfangen. Es sind namentlich die Berichte über eine zu erwartende reiche Ernte, die ein falsches Bild von der Lage geben könnten. Man darf nämlich nicht vergessen, dass diese Ernte, der man allerdings mit grossen Hoffnungen entgegensieht, noch nicht• eingebracht ist. und man von der schönen Aussicht a 11 e i n nicht leben kann. A 11 s o weitere Hilfe tut dringend not! Interessante Einzelheiten werden von der Stadt Berditschew mitgeteilt, die mit ihren 35.000 Juden von knapp 40.000 Einwohnern wohl eine rein jüdische Stadt genannt werden darf, umsomehr, als die Christen gesondert ausserhalb der eigentlichen Stadt wohnen. Eine einzige Fabrik ist ׳in Betrieb und der Kohlenmangel zwingt auch diese, nur einige Stunden täglich zu arbeiten. Ausser den paar Familien, die durch verschiedene Handwerke sich ernähren, ist der überwiegende Teil der Bevölkerung auf ausländische Hilfe •angewiesen. ,^Die verschiedenen Institutionen wie der ״Idgeskom“ suchen nach Kräften die Not zu lindern. So unterhält er 13 jüdische Kinderheime, in denen zirka 700 Kinder Platz gefunden haben, die wenigstens nach den primitivsten Geboten• der Bequemlichkeit und Hygiene untergebracht sind. Furchtbar ist die Lage von 1800 heimlosen Kindern, die ohne schützendes Dach, ohne Nahrung, barfuss und abgeschlissen durch ׳die Strassen bettelnd ziehen. Ein schreckliches Bild, das nur durch rasche und reichliche Hilfe von Aussen her verbessert werden kann. Die rührjenden Klagen des ״Emes“. Der ״Emes^T das schreierische Organ der jüdischen Bolschewiken, Tiates sichzür Äüfgäbe gemacht,’ di£ jüdische Religion,' dieses veraltete und reaktionäre System mit Stumpf und Stiel auszurotten. Seit Jahren führt es eine Hetze .:gegen alles, was mit Orthodoxie zusammenhängt, und die vielen Verfolgungen, denen, unsere Glaubensgenossen ausgesetzt sind haben ihren Ursprung nicht :zuletzt den Quertreibereien dieses Blattes zu verdanken. Es scheint aber, dass diese eifrigen Kämpfer •einsehen, dass sie sich da ein bisschen sehr viel zu- .,gemutet haben und dass eine Religion, die im Wesen -des jüdischen Volkes so!tief verwurzelt ist, nicht so mir nichts, dir ׳nichts abzuschaffen ist. In einer der letzten Nummern beklagte es sich bitterlich über die Starrköpfigkeit und Rückständigkeit der jüdischen Bevölkerung die zäh am Ueberliefertern festhält und sich durch keine Bitten und Drohungen ihre Ueberzeugung nehmen lässt. Es vergehe ■kein Schabbos, ״führt die Zeitung aus, an dem nicht in den Synagogen und Bitei Midraschim gepredigt und über so reaktionäre und gegenrevolutionäre Dinge, wie Mihlo, Mazes und Zdoko gesprochen wurde. Ueberliaupt sind die Bethäuser ein Dorn im Auge der jüdischen Palästina. Die A rbe;ts osigkeit in Plästina greift in letzte Zeit beängstigend um sich. Der jüdische Arbeiterführer B. Katzenelson äusserte sich letztens im Organ des ״Achduth Haaboda“ über diese Arbeitslosigkeit und malt sie in schwärzester Farbe. Die Arbeiter hungern, angefangen vom eben gelandeten Anfänger bis zürn hochqualifizierten Arbeiter. Allmählich greift eine Verzweiflung Platz, in die sich auch schon ein Groll gegen die Verantwortlichen mischt, ein Ruf nach den Institutionen, die helfend eingreifeii sollen, nach den Kreditbanken, auf die so grosse Hoffnungen gelegt worden sind. Die Lage wird immer ernster und es ist gar keine Besserung zu erwarten. Mit umso grösserer Besorgnis muss man dem S’trom der Emigranten zusehen, der jetzt aus Russland sich nach Palästina zu ergiessen droht. Es kann nicht genug vor übereilten Schritten gewarnt werden. Die judenfeindliche Verwaltung der Stadt Haifa. Die jüdische Bevölkerung Haifas beklagt sich fortwährend über die offen zur Schau getragene Judenfeindlichkeit der Munzipalität. Diese beschäftigt keinen einzigen jüdischen Arbeiter. Trotzdem z. B. die Vereinigung jüdischer Arbeiter in Palästina den günstigsteil Kositcnvoranschlag für den Bau einer Chausse anbot, gab die Stadt die Arbeit einem italienischen Unternehmer. Ja, als der Italiener auch einige jüdische Arbeiter anwerben wollte, drohte man ihm mit Ent- Ziehung der Konzession. In allen städtischen Betrieben werden nur arabische Arbeiter verwendet. Alle diesbezüglich Proteste an den Generalgouverneur und an die zuständigen Behörden blieben erfolglos. England. Aguda'-Bureau in London. Es wird uns mitgeteilt, dass die Agudazentrale in London ihre Adresse geändert ■hat. Die neue Adresse lauteit ״Agudath Jisroel“ 99, Carysfort Road Nr. 16, London und sind alle Anfragen und Mitteilungen dorthin zu richten. psndenaustveis. Spendenausweis für jüdische Hungernde Russlands. (Fortsetzung von Nr. 7 ) David Saphier vQ( 0 K, Max Korkisch, Bad Gastein iO.iOD K Sammlung durch Aba Goldfeld: Neumann 10 0'K, Meiseis 300 K. jnehrer.e Ungenannte 5 400 K zusammen 1,6 700 K) Frau Smolenski 30 000 K, Frl. Siibermann, Nowe Zamke (K. f. K. 20 000) durch Gruppen- SCHICHT-SEIFE Marke.Hirsch reinigt und schont zugleich Ihre wertvolle Wäsche! verband der Agudas Jisroel, Halberstadt Rmk. l£0000f Dollar 350, Bernhard Roth, Brasso. Rumänien 200 ß. K. G. P. 1 Dol., durch die Administration der ״jüdischen Presse“ 1488 <5 K (K. 1. K.) 38, G. P. 1CO0CO K, Isi Barbasch 5000 K. Moses Frostig 4C00 K, $. S. l(j."00 K, N. N. 2000 K, Marta Fattitscheck d Moritz Paprenheim 10.000 K, durch Bethaus־ verein ״Thora Ez Chaim“ 72 000 K, Max Kokisch, Bad Gastein 20 0)0, Sammlung d. Aba Goldfeld-Grünherg 2000 K, Neumann, Chaskel Sandei k 1000 K (20 0 K), Moses Lavendmann 1503 K. mehrere Ungenannte 4.250 K (zus. 9 750 K), Moses Schreiber, Sereth d. Akiba Schreiber 10 0('0 K d. Bethausverein ״Freundschafts־ und Brüderlichkeit“ 32 670 K. Sammlung d. Aba Goldfeld: Julius Braun 200. K, Blummenstock, Neumann, Schöps, Sinoer, Stadler, Schächter, Moses Schichter je 1000 K zus. (70.0 K), mehrere Ungenannte 19.990 K (28 990 K), Rabbiner Ur. Wil, Colmar 200 fr. Frcs., Jüles Gurary 600 0.10 K. Fischer 2C00 K, Taubmann 3030 K, Benjamin Felsenburg 260.000, Ignatz Klein 10.000 K, D. B. A , Jerusalem 9 Pfund. Kinder für Kinder. Die Zöglinge des Herrn Lehrers Eugen Kraus, Frauenkirchen (Burgenland 130 000 K. Gesamtsumme der Spenden: 1,258.110 österr. Kronen. 150 030 Rmk, 351 Dollar, 1726 ß. K, 200 fr. Frcs, 9 Pfund. Ankündigungen. 1-9) ש״ק פ׳ במדבר. Ma׳) um 5 Uhr nachmittags findet im Lokaie der Aguda, Jugendgruppe Brigittenau, XX. Bäuerlegasse 20, ein Vortrag Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners Hager aus Tlusta statt. Am ersten Tage 3) שבעותm 21. Mai) dortselbst um 5 Uhr Vortrag Sr. Ehrw. des rterrn Rabbiners B. Katz aus Borszczow. Am zweiten Tage שבעות um 530־ Uhr gesellige Zusammenkunft. B. Gruppe, Brigittenau. Am zweiten Tage 22) שבעות. Mai), um 4 Uhr spricht Herr Schabse Schönfeld 1111 Lokale der Jugendgruppe, XX. Bäuerlegasse 20, über die Ziele und Zwecke der B. Gruppe. Gäste willkommen. Zeire Agudas JfsrGef, Brigittenau. ש׳ק׳פ׳ב׳ב begann, wie angekündigt, die Reihe der ־שבת Nachm.uags-Veranstaltungen durch einen Vortrag Sr. hhrw. des Herrn Oberrabbiners Katz. Seine Rede, in welcher er der neugegriinde en Jugendgruppe wertvolle Anregungen gab, wurde von den zahlreichen Anwesenden — es war kein Plätzchen im Saale leer — begeisteit angenommen. Die lugendgruppe hat sofort nach der Eröffnung einige tägliche שעורים elnger chtet, die sehr gut besucht sind, doch fehlen noch viele notwendige ׳ספרים denn die durch Sammlungen aufgebrachten Beträge haben kaum zur blossen Einrichtung und Renovierung des Lokales gereicht. Es ergeht nun an alle Freunde und Gönner die ergebenste B׳tte, durch Srenlen oder auch nur durch leihweise Ueberlassung von ספרים d e Ausgestaltung der שעורים zu ermöglichen. Auf Wunsch werden die ספרים aogeiiolt, Zuschriften werden erbeten an: Agudas Jisroel, Jugendgruppe Brigittenau, Wien, XX. Bäuerlegasse 20. Konkurse. In der gefertigten aut. orth. isr. Kulfusgemeinde ist die Stelle eines ש״ר׳ב מומחה ומינקר! ב״ע״ת ב״ע״ק zu besetzen. Reflektanten mit Zeugnisse״ v״n drei aueikannten orth. Rabbinern, wollen ihre Offerten mit Angabe des Alters und Familienstandes, nebst Zeugnisabschriften längstens bis 25. Mai 1923 an den gefertigten Vorstand ei!senden. Gehalt nach Uebereinkommen. Nur Berufenen werden Reisespesen vergütet. Mattersdorf (Burgenland). H. Trebitsch Präses. Adas Jisroel (Schiffschul), 11״ Grosse Schiffg. 8. Oe betst enden All UW I vuiu J« Samstag ׳פ׳ במדבר Morgengebet 6 30 und 9 30, Minchoh 12.15״ Um 0 30 Vortrag von פרקי אמת anschliessend Minchoh 15 8 מוצאי ען״ק. Sonntag ערב שבעות Abendgebet und Feiertags*Eingang 7.40. Montag יום א' שבועת Morgengebet 6.15 und 9 Uhr, Minchoh 12.15, 0.30 8.15 מעריב. Dienstag יום ב׳ שבעות Morgengebet 6.15, Minchoh 12.15, 3.30 8 מוצאי י״ט.zu. An Wochentagen : Morgengebef 5.15, 6 h, Minchoh 7 h. Freitag, den 10. Siwan 7.40 קבלת שבת. Eigentümer und Herausgeber: ״Jüdischer Verlag G. m. b. H.“, II., Rembrandtstrasse 41. — Verantwortlicher Redakteur: Jakob Deutsch, II., Franz Hochedlingergasse 3. Für die 1 schecho-Slowakei: Heinrich Schwarz, Bratislava. — Druck:. Druckerei und Verlags-A.-G. Ig. Steinmann, Wien, IX., Universitätsstrasse 6. TSCHECHOSLOWAKEI Sabbat und Sonntag. Die Sonntagsruhe. In der Frage der Sonntagsruhe in der Slowakei ist eine Entscheidung noch nicht ■getroffen worden. Wie wir erfahren, wird diese Angelegenheit von den zuständigen Regierungsstellen nach allen Richtungen hin mit der notwendigen Gründlichkeit behandelt. Es ist zu hoffen, dass es gelingen werde, eine Entscheidung zu treffen, die auch den Interessen des Judentums bis zu einem besitimmten Masse Rechnung trägt. Die Aktionen der orth. Landeskanzlei und der Handelsgremien sind in vollem Gange und finden auch in nicht jüdischen Kreisen Verständnis und Förderung, ln mehreren Städten haben zahlreiche Christen die Resolutionen, tn denen auf die Schädigung des Wirtschaftslebens durch ׳eine etwaige vollständige Sonntagsruhe hingewiesen wird, mitunterzeichnet. Eine Eingabe aus Podkarpatsko-Russ an die Regierung legt <lie besonderen Verhältnisse dieses Gebietes dar. Dort sind 90 Prozentder gesamten Kaufmann- Schaft orthodoxe,־ sabbathaltende Juden. Diese müssten somit zwei volle Tage in der Woche gej schlossen halten, was eine vollständige Stillegung des . gesamten Handels während zweier Tage bedeuten würde. Aus diesem Grunde wird erwartet, dass dort auch in Zukunft die S 0 n n t a g s a r b e i t bis M i 11 a g freigegeben wird. Sowohl das Handelsministerium in Prag als auch der Referent in Uzhoröd begegnen diesem Verlangen mit grösstem Wohlwollen. Einiges Befremden erregt ein Schritt der n eol ogen Gemeinde in N o v e. Z a m k y. Diese wurde gleich allen Gemeinden des Landes ohne Unterschied des prinzipiellen Standpunktes gegenüber der religiösen Gesetzestreue, von der orthodoxen Landeskanzlei in Bratislawa ersucht, die Resolution in Angelegenheit der Sonntagsruhe mitzuunterzeichnen. Die Gemeinde, die selbst unter ihren eigenen Mitgliedern noch verhältnismässig zahlreiche sabbathaltende Kaufleute zählt, 1 e h n;t e es jedoch ab mit der O r t h 0doxie gemeinsame Sache zu machen, sondern verfasste eine Resolution, die in der Haupt- Sache den Standpunkt der Orthodoxie sich zu eigen macht und. wandte sich mit einem Rundschreiben an?Ile nichtorthodoxen Gemeinden des Laudes, worin diese aufgefordert werden, das gleiche zu tun und sodann bei der Regierung eine Sonderaktion der (einstweilen wegen ihrer geringen Zahl) nichtorganisierten neologen und status quo-Gemeinden einzuleiten. So sieht es •mit dem Gemeinschaftsgefühl unserer jüdisch-nationalistischen Neologie aus, wenn es. gilt; wirklich gemeinsames Interesse zu wahren! Man gewinnt eine Ahnung, wie ernst ihre Seufzer um die ״Einheit“ des Judentums gemeint sind, wenn prinzipielle Bedenken wegen des Abfalls der Neologie von der traditionellen Glaubenstreue eine Gemeinsamkeit von vorneherein a u s s c h 1 i e ss e n. Auch die Zionisten in Podkarpatsko-Russ ׳legen abermals Zeugnis von ihrer Reife ab. In Erez Israel ringen sie die Heiligkeit des Sabbat nieder und fordern durch ihr Verhalten die Entrüstung der gesamten frommen Bevölkerung aller Konfessionen heraus. Hier halten die meisten von ihnen die Sabbatgesetze für ״Golusblüten“ ohne jede pers ö n 1 i c h e Verpflichtung für ״befreite“ Nationalismen. Merken sie. aber, dass etwas im Judentum ״vorgeht“, so müssen sie auch dabei sein und sich ä tout prix als Vormünder des Judentums gebärden. Sie reichten ebenfalls einen ״Sondervorschlag“ ein, der unter

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