Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 20-21 (18.5.1923)
- Date
- 1923-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630018--0961-2632673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 132 JÜDISCHE PRESSE Nr. 20/21 der jüdischen Bevölkerung Jaffas und Tel-Awiws unbemittelt sind. Der Uberrabbiner von Hornel Barischanski hat auf Intervention Rabb. Kuks ein Visum nach Palästina erhalten und wird demnächst pussiand verlassen. In Witebsk sind weitere 5 Chadorim, die inoffiziell bestanden haben, von den Bolschewiken gesperrt worden. beit 1918 sind 27.000 Juden in Palästina eingewandert. .! . _ Die Zentralbehörde in Bessarabiett stellte jüdischen Bauern 25.000 Destjatinen Land, welches einen Wert von 20 Millionen repräsentiert, für 4,000.000 zur Verfügung. Die jüdischen bauern ersuchten den ״Joint“ um einen entsprechenden Kredit. Der ״Joint“ hat noch nicht geantwortet. In Tel Aviv fand eine Konferenz der jüdischen Lehrer von Palästina statt, in welcher die Lage der von der zionistischen Organisation angcstellten Lehrer debattiert wurde; einem Antrag auf Beginn eines Lehrerstreiks wurde nicht stattgegeben. Die zionistische Organisation begründet in einer ausführlichen Veröffentlichung die Tat- Sache der Nichtzahlung der Gehälter mit den mangelhaften Erträgnissen des Keren Hajessod; in Jaffa und in Tel Aviv haben 40 Prozent der ortsanwesenden Juden sich als arm erklärt und um Unterstützung bei dem Bezug von Mazzos gebeten. Ein englischer Diplomat drückte im ״Daily Telegraph“ die Meinung aus, dass die antireligiösen Strömungen in Sowjet-Russland damit begründet würden, dass die Juden englandfreundlich wären, so dass sich die ganze Verfolgung als eine antienglische Massregelung darstelle. In Kowno erscheint seit einem Monat wieder die Zeitung ״Das jiddische Leben“ als Organ der Orthodoxie. Es nimmt sehr sympathische Stellung ein zur Aguda’ und betreibt sehr ernste Propaganda für die Vorbereitung zu der Kenesio Gedaulo. In Lodz hatten, von der Aguda ausgehend, Verhandlungen stattgefunden, um ein einheitliches Vorgehen bei den Stadtratswahlen zu erzielen. Da durch die Schule der nationalen Partei diese Einigung nicht möglich war, geht die Aguda selbständig vor. Die religionstreuen Arbeiter in Lodz geben seit 8 Tagen eine eigene Arbeiterzeitung heraus unter dem Namen ״Der Jüdische Arbeiter“. Nach der neuesten Volkszählung, die jedoch sehr unverlässliche Daten geliefert hat, beträgt die Anzahl der in Kanada lebenden Juden 126.196. In Paris wurde eine Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus in Russland gegründet, der viele jüdische und russische Künstler und Politiker beigetreten sind. In Jaffa überfiel eine Bande Araber am hellichtcn Tag jüdische Männer und Frauen und beraubte sie. In der Tschecho-Slowakei wurde eine Tageszeitung wegen antisemitischer Propaganda konfisziert. Das Verbot erfolgte auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik. In den Vereinigten Staaten zählt man gegenwärtig gegen 75.000 jüdische Farmer. Das von ihnen bebaute Land repräsentiert einen Wert von zirka 100 Millionen Dollar. Der Redakteur der New-Yorker jüdischen Tages- | zeitung ״Der Tag“, Herr Morris Weinberg, hat eine Reise nach den Ländern Mittel- und Osteuropas und Palästina j angetreten, um die Verhältnisse daselbst zu studieren. Der Danziger Senator Jewelowski, dessen scharfer Kampf gegen den Einlass der jüdischen Flüchtlinge nach Danzig sattsam berüchtigt ist, entpuppte sich als — Jude aus dem Minsker Gouvernement. i Die ״Jewish Colonisation Association“ beabsichtigt einige Mihionen Dollar in Bodenkäufen für jüdische Kolonien in Kanada zu investieren. Um die Zahl der jüdischen Wählerstimmen zu ver• ringern, hat die litauische Regierung Wilnaer Juden aus Litauen deportieren lassen, wobei Beraubungen und Brutalitäten vorgekommen sind. Der Minister für jüdische An- Gelegenheiten, Friedmann, soll eine Intervention bei der Regierung verweigert haben. Im polnischen Heere dienen nach neuesten Statistiken durchschnittlich 6 Prozent Juden. Nach einer kürzlich aufgestellten Statistik sind“ in Amerika 1,600.000 Juden als Mitglieder religiöser Gemeinden organisiert. In Warschau wird in den nächsten Tagen eine Konferenz der Gemeindevorstände Polens stattfinden, die zu dem vom Bildungsmimisterium ausgearbeiteten Gemeinde- Wahlgesetz Stellung nehmen soll. ln Tiberia wird an der Vollendung derneuen Kolonie ״Brith Samuel“, die 35 Häuser umfassen soll, gearbeitet. Das von der ägyptischen Presse verbreitete Gerücht, Sir Herbert! Samuel wolle demissionieren, entbehrt nach Mitteilung kompetenter Kreise in Jerusalem jeder Grund• läge. Die arabische Presse, voran der ״Palestin", agitiert stark gegen die Teilnahme an der britischen Ausstellung, (an der bekanntlich auch die Palästina-Juden in einem eigenen Pavillon sich beteiligen werden), die er als englisehe Reklame für den Zionismus darstellt. Das Demissionsfieber in Palästina hält an. Es wird!jetzt, die Demission des ״Registrer General“, Herrn Raginsen, gemeldet. Damit bleibt ein für die Wirtschaft Palästinas wichtiger Posten vakant. NACHRICHTEN. PR Die nächste Nummer der ״jüdischen Presse“ erscheint am I. Juni 1923. Dent$cb§$ttmicl). Frau Wolf Pappenheim ע״ה♦ Donnerstag, den 2. Siwan in den späten Vormittagsstunden verschied plötzlich Frau Wolf Pappenheim. Der frische Schmerz ob dieser niederschmetternden Kunde macht uns nicht möglich auch nur flüchtig eine zutreffende Schilderung dieser grossen Frau zu geben, die geschmückt mit den lugenden einer Esches Chail, eine treue Gefährtin von unserem hervorragenden Führer Wolf Pappenheim שיח׳ war. Die הלף findet Freitag mittags statt. תנצ״בה Aufruf! Die ״American Relief Administration“ vergütete bis jetzt solchen bedürftigen Personen, namentlich Angehörigen geistig arbeitender Berufe die Hälfte des Abonnement- Preises in der Mittelstandsküche der ״Einheit“, Wien, II. Bez., Malzgasse .12, woselbst sie gute, schmackhafte, ausreichende und billige Kost erhielten. In wenigen Tagen hört die Tätigkeit des wohltätigst wirkenden amerikanischen Hilfswerkes auf lind die früher Unterstützten sind wieder der Not preisgegeben. Der Vorstand der ״Einheit“ will aber diese Bedrängten nicht hungern lassen und ihnen helfen. Daher bitten wir alle, die helfen können, dass sie helfen, wir bitten die guten Menschen von Wien, dass sie der ״Einheit“ Mittel geben, um den hungrigen Gästen ihrer Mittelstandsküche den Abgang der ״A. R. A “ zu ersetzen. Der Vorstand der ״Einheit“. Schriftführer: Obmann: Dir. Dr. S. Krenberger. Bernhard Hofbauer. Vor Dr. Josef Bondi Alexander Eiger Moritz Felsenburg Adolf Fischer Max Hofbauer Hermann Kurier Alfred Landesberger Ignatz Mehrer Univ.-Prof. Dr. H. Neumar t ände: Heinrich Pappenhelm Dr. Wolfgang Pollaczek Dr. Isidor Reiniger Architekt Ign. Reiser Dr. Dagobert Rybaczewski Nathan Schiff Hofrat Dr. Julius Schlag Frau Henny Schreiber Lipe Türkl Generalversammlung ״Einheit“. Die elfte ordentliehe Generalversammlung des Vereines zur Er riehtung und Erhaltung von Volksspeisehallen ״Einheit“, Wien, 2. Bez., Malzgasse 12, tindet Donnerstag den 24. Mai 1923 um 7 Uhr abends im Turnsaale, der Volksschule 2. Bez., Malzgasse 16, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Protokoll der letzten General- Versammlung. 2. Rechenschafisbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Neuwahlen. 5 Allfälliges. Silberne Hochzeit. Vergangenen Lag-Beoiner feierte Herr und Frau Dawid Bischofswerder die 25. Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Sie benützten diesen feierlichen Moment, um Werke der Wohltätigkeit im grossen Umfang zu üben. Frolke Slepak, in Berditscliew als Nachfolger des weltberühmten Nisse Berditschewer seit vielen Jahren tätig, blieb bisher infolge des Krieges und des nachfolgenden Umsturzes in Russland unseren Kreisen unbekannt. Erst bis ihn ein traurigesSchicksal aus seinem Neste trieb, bekamen die musikalischen Kreise des westlichen Judentums die erfreuliche Gelegenheit, sich an seiner ausserordentlichen Kunst zu ergötzen. Diese basiert zuvörderst auf dem alten, in Russland heimischen Chasones, von Slepak ln so formvollendeter, musikalisch stilgerechtester Art gemeistert, dass es selbst auf den Fachmann direkt verblüffend wirkt, wie er die schwierigsten Variationen und Passagen mit spielender Leichtigkeit in einer Weise zu Gehör bringt, wie sie selbst unter den alten berühmten Meistern dieses Kunslgesanges selten zu hören waren. Zu bewundern ist auch seine sich nie erschöpfende Gedankenfülle, die durch stete Abwechslung die bis zum Aeussersten gespannte Aufmerksamkeit des Zuhörers stets in Atem hält. In den Gesängen Froike Slepaks, der selbst ein Ueberlebendervon Proskurow ist, lebt und webt und klingt aber auch jenes echt׳ jüdische Gefühl, das aus tausend Wunden blutende jüdische Herz; und die traurigen Erfahrungen mit Denikin und Petljura und wie die sonstigen Judenschlächter heissen, sie tönen so wehmütig, so schmerzlich und anklagend aus dem Vortrag dieser jüdisehen Lieder heraus, dass der Zuhörer unwillkürlich mitgerissen, alle Schrecken dieser Zeiten im Geist miterlebt und mitempfindet, gleichzeitig aber auch fühlt, wie aus dem heiligen Atem des Gesanges ein lindernder Balsamtropfen besänftigend auf das erregte. Herz niederfliesst. Unvergesslich wird mir in diesem Sinne speziell der über allen Ausdruck ausgezeichnete ״Aw-Harachamim“ aus dem Munde Slepaks bleiben, der alle Schönheiten seiner Kunst in förmlich kondensierter Form wiedergibt. Lange noch wirkte der Eindruck seines Gesanges in mir nach und auf dem Heimwege hatte ich das hohe Gefühl, einen der grössten alten Meister heute gehört zu haben. Oberkantor Leopold Müll e r. En detail En groe ©auergewellte Perücken Othmar Schiff Wien, I.j Kärntnerring 6 (gegenüber dem Hotel Bristol) Die grösste internationale Kun-twerkstätte für Perücken, Scheitel und Tra!.s ormationen Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialist in Braut-Scheiteln. Diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nach ge macht. Um vor Irreführung zu schützen! bitte den Vornamen und die Adresse genau zu beachtanl Mattersdorf. Sonntag, den 27. Ijar (13. Mai) fand hier eine gut besuchte Versammlung der Mattersdorfer Judenheit im Schulhause statt. Gemeindepräses T r e b i t s c h begriisste die Anwesenden, besonders aber die auswärtigen Gäste, Herrn Oberrabbiner L ö w y, Frauenkirchen, und Herrn Überrabbiner Dr. Po llak, Wr. Neustadt. Den Vorsitz übernimmt dann Oberrabbiner Ehrenfeld, Mattersdorf, und erteilt das Wort Herrn Oberrabbiner L ö w y, n-auenkirohen, der die Wichtigkeit der tätigen Mitarbeit aller burgenländischen Juden am Ausbau des Verbandes der burgenländischen aut. orth. israel. Kultusgemeinden in warmen Worten betont. Danach ergriff Herr Überrabbiner Dr. P 0 11 a k, Wr. Neustadt, das Wort, um über die momentane Lage der burgenländischen Gemeinden, besonders aber der israel. konfessionellen Schulen zu referieren. Die Ausführungen beider Redner wurden mit grosser Sympathie aufgenommen. Sowohl Oberrabbiner Ehrenfeld wie Gemeindepräses Tre׳bitsch versicherten, dass die Bestrebungen des Verbandes in Mattersdorf immer kräftige Unterstützung finden werden. ״Jüdische Lehrwerkstätten." Die Leitung des ״Jüdischen Hilfswerkes“ der ״Agudas Jisroel״ gibt bekannt, dass sich alle Knaben, die sich zur Ausbildung in einem Handwerke vormerken Hessen, oder anmelden wollen, unverzüglich im Sekretariat Wien, II., Malzgasse 12a, sich zu melden haben. Schweiz. Schweiz. Seit Jahren hat in der Schweiz eine Institution bestanden, weiche sich zum Zwecke ge■■ macht hatte, jüdischen Kinder, welche auf Niederlassungen wohnen, Religionsunterricht zu erteilen. Leider ist vor Jahresfrist dem Wanderlehrer die Stelle gekündigt . worden, und ohne jeglichen Ersatz zu stellen, hat diese segensreiche Einrichtung aufgehört. Nun haben sich einige beherzte Männer gefunden, und ohne Rücksicht auf die pekunäre Seite der Sache wurde eine neue Vereinigung für den jüdischen Wanderlehrer in der Schweiz mit Sitz d׳n Luzern d׳ns Leben gerufen. Herr Rabbiner Ronath (Gemeinderabbiner des benachbarten Randegg in Baden) wurde im Nebenamte als Wanderlehrer engagiert und besucht von Sonntag bis Donnerstag die Kinder an den entlegensten Orten. Es!liegen viele Anmeldungen vor ׳und kann die Vereins, leitung bereits an das Engagement eines zweiten Lehrers schreiten. Es ist dies der beste Beweis, dass diese Institution ihre volle Berechtigung hat und wünschen wir derselben diejenige Unterstützung sämtlicher Glaubensgenossen der Schweiz, welche nötig ist, um den geregelten Betrieb dauernd aufrechtzuerhaliten. J. de. A. Luzern. Herr Hermann Schwab, Halberstadt, hielt im Rahmen der Agudas Jisroel!, Ortsgruppe Luzern, vor einer zahlreichen Hörerschaft einen Vortrag über ״Unser Weg“. Redner schilderte das Entstehen der Aguda Jisroel, die Leistungen während des Weltkrieges und endlich orientierte er Agudisten und Nichtagudisten über Zweck und Ziel der Kenessio Gedaulo. An dieser Steile sei dem verehrten Mitarbeiter gedankt für seine von heiligster Ueberzeugung getragenen Worte. Er hat es verstanden, auch in bisher der Aguda passiv gegenüberstehenden Herzen jenes Feuer zu entzünden, welches genügt, um als אש תמיד segnend weiterzuwirken. Nicht endenwollender Applaus bezeugte dem Redner, dass seine Worte verstanden und das dürfen wir hoffen, auch beherzigt worden sind. Vier Jahre jiid. Lungenheilstätte ״Etania“. In Zürich fand am 6. Mai die Generalversammlung des ״Hilfsvereines für jiid. Lungenkranke in der Schweiz“ statt, wobei das Budget per 1923, das 100.000 Schw. Frcs. beträgt, angenommen wurde. Der Verein unterhält in Davos, dem berühmtesten Kurort für Lungenkranke ein erstklassig eingerichtetes, streng rituelles Sanatorium, ״Etania“. In den vier Jahren seines Be- Stehens hat es unzähligen Menschen das Leben gerettet und zahllosen. Familien ihre Ernährer und Erhalter hergestellt und sich so einen hervorragenden Platz auf dem Gebiete der jiid. Hilfstätigkeit erworben. Dabei wurde Unbemittelten unentgeltlicher Aufenthalt und hervorragende ärztliche Pflege geholten. Der HUfsverein zählt heute 1000 Mitglieder und seine Be- Strebungen werden von der Bundesregierung und den jüd. Gemeinden und Organisationen unterstützt. Es ist zu hoffen, dass der Verein seine erspriessliiche Tätigkeit auch in den Dienst des Auslandes stellen und dass er mit Unterstützung der jüd. philantropisehen Weltorganisation zur Schaffung eines international-jüdischen Sanatoriums schreiten kann. Es