Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 20-21 (18.5.1923)
- Date
- 1923-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20/21 JÜDISCHE PRESSE Seite 131 zu erwarten, dass die Verbandsleitung sich mit dem ersten Erfolge nicht zufrieden geben wird, sondern ihre Aktivität fortsetzt und unermüdlich arbeitet, bis die burgenländischeti Gemeinden innerlich gefestigt, auch in dem neuen Staatsverbande als Bollwerke des alten überlieferten Judentums in ihrem alten Glanze dastehen. Peles. Unser Schulwerk. Am Wochenfest haben wir die Thora erhalten unter der bindenden Verpflichtung, unsere Kinder müssten unsere Bürgen sein. In dieser Festtagsstimmung sollten wir uns die Frage stellen, erhalten wir die Thora in diesem Sinne, sind unsere Kinder noch eine ausreichende Bürgschaft fiir kommende Zeiten? Leitet der Einzelne die Erziehung seiner Kinder so, dass ihm die Gewissheilt blüht, dieses Ziel zu erreichen? Sorgt unsere Gemeinde oder unsere Gemeinschaft durch Schule und Unterricht so׳ hinlänglich viel, dass uns um unsere Zukunft nicht bange werden muss? So strikte diese Fragen gestellt sind, so präzise Ant- Worten erheischen sie! Steht uns Rede, Ihr Führer der Gemeinde, Ihr Eltern schulpflichtiger Kinder, ohne Umrede und׳ ohne Ausrede. Wir haben ein Recht dazu, wir, die jahrelang Euch rufen und berufen zur Arbeit und Mitarbeit ׳für unser jüdisches Schulwerk. Noch ist es das Werk einzelner, und wir brauchen alle, die noch treu zur Fahne des überlieferten Judentums halten. Wir verlangen kein Geld, wir brauchen Interesse, Anteilnahme, Hingabe für unser Werk, das wie das Heiligtum das Werk aller sein muss, wenn es Bestand und Bestehen sichern soll. falmud-Thora, Volks- und Bürgerschule, Wien, II. Malzg. 16 jjj Mit Stolz können wir hinweisen auf die Erstlinge unserer Saat. Wir haben die Schule erweitetert durch Angliederung von drei Bürgerschulklassen, und schön im nächsten Schuljahre wird die dritte Klasse der selbständigen Mädchenschule eröffnet. Für entsprechende Lehrkräfte ist Fürsorge getroffen, und einmütiges Lob für die Lehr- und Erzieliungserfolge ist die Ernte dieses Jahres.. Noch stehen wir nicht am Ziele, das wir uns gesteckt haben, doch vorwärts sind wir gekommen; denn schon jetzt melden sich Eltern, die für nächstes Jahr ihre Kinder in die Talmud-Thora schicken wollen, die einsehen, dass diese Schule sich des rechten Weges wohl bewusst ist, um für unsere Sache würdige Bürgen und Bürger heranzuziehen. Judentum und Proselytenmacherei. Von Dr. Leo Nasch. ln Wien wird, wenn auch in schwächerem Masse, von den verschiedensten Seiten weiter Seelenfängerei betrieben. Aus diesem Grunde scheint uns folgender Artikel unseres g. Mitarbeiters doppelt interessant. In der von Lügen, Verdrehungen und Falschheiten üppig wuchernden Dornenkrone, die Hass- und Missgunst Andersgläubiger schon seit Jahrtausenden unermüdlich um die jüdische Stirne windet, fehlt seltsamerweise eine Anklage, trotzdem dieselbe allen Schmähern und Begreiferern des Judentums eine dankbare Ausbeute von Schlag- und Hetzworten geliefert hätte. Nur in einzelnen, ganz isoliert gebliebenen Fällen schleudert man uns den Vorwurf entgegen, dass wir Proselyten machen. Zu dem ständigen Inventar, zu dem immer frisch gescheuerten Rüstzeuge unserer werktätigen Feinde gehört jedoch diese Anklage nicht. Nun fragt es sich aber, warum sie uns eben diese Beschuldigung ersparen. Sind denn die anderen abgegriffenen Argumente, die sie gegen uns ins Treffen führen, der Wahrheit näher oder wären unsere Ankläger vielleicht sogar wählerisch, wenn es sich darum handelt, den Juden eins aufs Zeug zu flicken? Nein, unsere Widersaeher sind nicht im geringsten difficile und die diversen, längst entkräfteten und stets wieder neu zurechtgeputzten Anwiirfe sind um nicht viel Punkte alberner, als diese Anschwärzung es wäre. Die Beantwortung der aufgeworfeuen Frage — sie scheint nicht leicht zu sein — liegt aber augenblicklich nicht in der Absicht des Schreibers dieser Zeilen. Nur die Tatsache sei hier festgestellt, dass selbst jene, deren Brot es ist, uns aller erdenklichen Siinden zu zeihen, das Proselytenmachen nicht in unser allzureiches Solikonto aufnehmen. Alle Konfessionen, die uns, wie das brandende Meer eine einsame Insel umgeben, befleissigen sich wetteifernd mit den verschiedensten Mittel neue Anhänger zu werben. Wer kennt nicht die weitverzweigte, kostspielige, oft auch Lebensgefahren trotzende Tätigkeit der Mission? In Schulen und Krankenlüiusern, und überall, wo Not und Armut die Menschen schwächt, da schlägt die Bekehrungssucht׳ am liebsten ihr Zelt auf, und in dem würdigen. Kleide von Lehrern, Pflegern und Wohltätern gewinnen fanatische Sendlinge das Herz ihrer Schutzbefohlenen und drücken ihnen in schwachen Augenblicken das Symbol ihres Bekenntnisses an die bebenden Lippen. Das Judentum tat und tut nichts dergleichen. So durchdrungen wir auch sind, dass unsere Weltanschauung siegreich sein muss und einst von der gesummten Menschheit geteilt werden wird, so widerstrebt es trotz alledem unseren Traditionen dem Ideale in der allenthalben gepflogenen Art Bekenner anzuwerben. Wir harren geduldig der grossen Zeit, da sich alle Völker reumütig zu der Lehre des vielbefehdeten und vielgeschmähten Volkes Israel bekennen werden und wollen Gottes Ratschluss nicht ungestüm beschleunigen. Diese jüdische Auffassung von ״׳Bekehrung“ wird uns in dem Buche ״Ruth“ gerade am ״Tage der Gesetzgebung“ zu Gemiite geführt. Noemi, so heisst es dort, war am Heimweg nach .Bethlehem, nach der zukünftigen Wiege jenes Bekenntnisses, das dem Judentum viel Prüflingen auferlegen sollte, begriffen. Die Schwiegertöchter hatten sicli zu ihr gesellt und wie die drei Witwen miteinander miiden Fusses auf der Landstrasse pilgerten, hielt Noemi einen Augenblick jnne und beschwor beide ihr nicht zu folgen, sondern in das Moabiterland zurückzukehren. Die eine wlllfuhr .ihrer dringenden Bitte, doch Ruth, die andere, hing fest und treu an ihr und wollte sie nie und nimmermehr verlassen. Da versuchte Noemi es aufs Neue Ruth zur Umkehr zu bewegen: ״Sieh, deine Schwägerin kehrt zu ihrem Volke und zu ihrem Gotte zurück, wende auch du dich mit deiner Schwägerin.“ So sprach Noemi und hielt es nicht für ihre Pflicht die Schwiegertöchter ihrem Glauben abtrünnig zu machen. Der schmetternde Posaunenruf, der vor mehr als drei Jahrtusenden an einem denkwürdigen Sommermorgen am Sinai erdröhnte, wird, wenn die ,Zeit um ist, wieder erklingen und die ganze Menschheit wird ihn vernehmen, und wird der Wahrheiten innc werden, die das jüdische Volk als Segnung aller Sterblichen in Wandel der Zeiten ungeschmälert bewahrte. Bis dahin aber heisst es: ״Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, die Liebe nicht wachzurufen, bis es ihr gefalle.“ .(שיר השירים eBeigg Vom Tage, mmm Die Entdeckung des Burgenlandes. Dank den unglücklichen Verordnungen der burgenländischen Landesregierung, die die jüdischen Schulen des Burgenlandes überaus schwer treffen, ist die burgenländische Judenheit erwacht. Sie kommen zusammen, halten Versammlungen ab und protestieren. Bei solchen Zusammenkünften macht man die überraschendsten Entdeckungen. Die auswärtigen Redner entdecken die verborgenen Schätze der verborgenen burgenländischen jüdischen Gemeinden. Es sind dies Landgemeinden, die seit Jahrhunderten existieren und fast alle Institutionen einer jüdischen Gemeinde in Treue erhalten. Es ist ebenso überraschend wie angenehm; wenn in Deutsch-Kreuz, Frauenkirchen, und besonders in Mattersdorf, aus verschiedenen kleinen Stuben' wohlvertraute Melodien, mit denen das Thorastudium seit altersher begleitet wird, auf die Strasse dringen und das Ohr des Passanten berühren. Es sind dies die Werkstätten, wo die jüdische Zukunft geschmiedet wird. Sie sind wohl primitiv, verlassen, Ueberbleibsel alter Zeiten. Werkstätten sind sie doch, die für das Judentum produktivere Arbeit leisten, als manche Stätten, die mit allem Komfort ausgestattet stolz eine .jüdische Inschrift tragen. Aber nicht nur der Fremde macht Entdeckungen. Auch die braven burgenländischen Juden haben Gelegenheit gehabt, während solcher Versammiungen zu entdecken, dass auch ausserhalb der ״Schewa Khiloth“ Kräfte an der Arbeit sind, die das historische Judentum mit ungeheueren Opfern geistiger, moralischer und finanzieller Natur fördern. Es ist zu hoffen, dass nun Entdecker und Entdeckte sich innig zusammenschliesscn, um für eine bessere jüdischere Zukunft auf den alten Grundlagen unseres überlieferten Judentums zu arbeiten. « Kolonel Kish besucht die Führer der unabhängigen Orthodoxie In Palästina. Wie die palästinensischen Zeitungen melden, hat Kolonel Kish, Mitglied der Zionistischen Exekutive, dem die Rolle eines auswärtigen Ministers der zionistischen Organisationen zugedacht ist, in Begleitung von Prof. Dr. Deanti zuerst den Oberrabbiner Sonnenfeld, das Oberhaupt der unabhängigen orthodoxen aschkenasisehen Gemeinde in Jerusalem, dann Rabbi Horowitz, der erst jüngst als Vertreter der Weltorganisation Agudas Jisroel in Jerusalem eingetroffen ist, besucht. Diese Besuche haben wohl privaten Charakter getragen, doch dürfen sie a's Ausdruck des Willens bezeichnet werden, mit den Führern der unabhängigen Orthodoxie in Palästina in persönlichen Kontakt zu treten. Die Aussprache zwischen dem weltberühmten Oberrabbiner der aschkenasischen Getneinde und Kolonel Kish fand im Beisein von mehreren prominenten Persönlichkeiten der palästinensischen Orthodoxie statt und hat einen sehr friedlichen Charakter getragen. Oberrabbiner Sonnenfeld hat Kolonel Kish gegenüber erklärt, dass die orthodoxe Judenheit mit ihrer ganzen Kraft sich am Aufbau Erez Israel beteiligen will. Aber ebenso stark ist ihr Wille, unabhängig zu bleiben. Ein friedliches Verhältnis wird unter den jüdischen Parteien nur dann möglich sein, wenn keine der Parteien die Gesamtheit beherrschen will. Aeluilich war die Erklärung von Oberrabbiner Horowitz. Kolonel Kish, der ein feiner Diplomat sein soll, hat ohne Widerrede den Standpunkt der unabhängigen Orthodoxie vernommen. M’an ist wohl in zionistischen Kreisen noch nicht so weit, dass man die Notwendigkeit' und die moralische Berechtigung einer unabhängigen orthodoxen Weltorganisation, wie sie Agudas Jisroel darstellt, anerkennen würde. Allein . wie haben sich die Zeiten seit vier Jahren verändert, ' wo der Tatendrang und der' Siegesrausch die zionistischen Führer in Palästina verleitet haben, die Orthodoxie, auch die palästinensische, als einen toten Körper zu betrachten und ihm nicht einmal jenen Respekt erweisen zu wollen, der unter anständigen Menschen den Toten gebiihrt. Die zionistischen Führer haben es seither zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Orthodoxie lebt. Audi die palästinensische. Sie lebt und wirkt. Einstweilen buhlt noch wohl die zionistische Leitung um die Gunst jener Notablen, von denen sie Geld erhofft. Es ist dies in dieser materialistischen Welt nur allzu selbstverständlich. Es wird aber, so glauben wir, sehr bald die Zeit kommen wo auch das moralische Recht und das religiöse Gefühl, beide in der Thora verankert, beachtet werden müssen. Als Vorboten dieser neuen Zeit werten wir die Begegnung, die zwischen den Vertretern der unabhägigen Orthodoxie und der zionistischen Exekutive stattfand. 838383 Die Woche. mMM Der Automobilkönig Ford, der seit einiger Zeit als Antisemit auftritt und diesem ״edlen“ Zwecke gewaltige Summen zur Verfügung stellt, soll an die in Paris weilenden russischen Monarchisten fünf Millionen Dollar (!) zu antijüdischen Propagandazwecken überwiesen haben. In Witebsk sind weitere 5 Chadorim, die inoffiziell, in Betrieb waren, von den Bolschewiken gesperrt worden. 80.000 Juden haben zu Pessach an die Gemeinden in Tel-Awiw und Jaffa Bitten um unentgeltliche Zuteilung von Mazzen gerichtet. Diese Zahl zeigt, dass 40 Prozent ,Jllli, .4. .*...*. .*..(111. A. A .A, .,!11 ״ 1',״ I. 1;,:. \ין.. .,!In. im! f1 ■MS ' irüLtt/i i!OliatMi' MjSSS Alle Damen, die vorteilhaft aussehen wollen,Lagen Perücken, Transformationen, Naturscheitel und Teile aus feinstem dauergewellten Haare aus der Kunstwerkstätte fiir moderne Haarersazteil Wien, |a, Mahlerstrasse Nr. 5, Teleph. 6392. Katalog gratis, grösstes Haarlager, daher zivile Preise. Thoratreue Juden sichert euer Wahlrecht zur Kenessio Gedaulo | Tretet der Agudas Jisroel als Mitglieder bei.