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Jüdische Presse · 1923-05-18 · 20-21 (18.5.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
20-21 (18.5.1923)
Date
1923-05-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20/21 Seite 129 JÜDISCHE PRESSE J׳ugcn wurde diese Aguda zur erlösenden Tat. Sie haftten endlich eine Organisation, von der sie ihre Interessen vertreten wusste und für die sie ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen konnte. Die nicht fremd und entrückt an den Tagesereignissen, die ja für die Jugend schliesslich doch von wesentlicher Bedeutung scheinen, vorbeiging, sondern rege Teilnahme an ihnen zeigte und ohne auch nur für einen Augenblick ihre Warte der geläuterten religiösen Ueberzeugung zu verlassen in das jüdische soziale und individuelle Leben eingriff. Begeistert arbeitete die Jugend an dem grossen Werke mit und man braucht nur auf die erspriessliche und eifrige Tätigkeit der Jugendgruppen der Aguda in allen Ländern liinzuweisen, um die Haltlosigkeit der anfangserwähnten Behauptungen der Agudagegner zu beweisen. Und wenn die ehrwürdigen in Glauben und Gottesdienst gealterten Führer der thoratreuen Juden das Haupt der Aguda sind, so bedeutet die Jugend, die kampffreudige und begeisterte Jugend ihr mächtiges Rückgrat. Ein grosses Ereignis steht der allweltlichen Orthodoxie bevor, ihre Führer rüsten sich zu einer •imposanten Kundgebung, einem den Grossteil des Judentums vertretenden Kongress. Die Kenessio GedauJp naht. Und hier wird der Jugend, der othodoxen Jugend Gelegenheit geboten werden, mit den Repräsentanten der überlieferungstreuen Judenheit in Berührung zu kommen und eine für beide Teile nützliche Aussprache zu pflegen. Hier, wo die grossen jüdischen Tagesfragen besprochen werden sollen, werden die Gereiften ihre Erfahrung, die Jungen ihre Tatkraft und Begeisterung verwenden können. Und durch die Vereinigung beider wid ein mächtiger Faktor im jüdischen Leben entstehen, wird ein grosses Werk vollbracht und ein Wendepunkt in der jüdischen Geschichte herbeigeführt werden. I Die ״Kenessio Gedaulo“ 0 Der erste Aguda-Weltkongress wird | vom 16. bis 26. August in Wien iagen t Die Vorarbeiten werden vom Zentralbureau I der ״Kenessio Gedaulo“, Wien, II., Malz•!״ gasse 12 a (Telephon 49541־0־, geführt. Anfragen, Anregungen usw. sind an dieses Bureau zu richten. Wir empfehlen allen Agudisten sich ihren Sommerurlaub so einzuteilen, dass sie sich während der Kongresszeit ganz in dessen Dienst stellen können. Wir werden ungefähr 2000 unserer Gesinnungsgenossen aus der ganzen Welt als Gäste empfangen kön en und werden alle Hände voll zu tun haben, um ihuen den Wiener Aufenthalt als bleibende angenehme Errinnerung l.ebevoll zu gestalten. Die Delegiertenwahlen haben spätestens Ende Juni stattzufinden. Si eitert Eucli Euer Wahlrecht! Zahlet rechtzeitig Mitgliedsbeitrag und Kopfsteuer! Das Zentralbureau der ״KENESSIO* GEDAULO“ Wien, II , Malzgasse 12 a. Die Rüstufigsarbeiten in Oesterreich. Die Vorbereitungen zu der Kenessio Gedauk) haben den Agudaarbeitern in Wien einen neuen Impuls gegeben. Der geschäftsführende Ausschuss des Zentralrates, dessen Sitz derzeit in Wien ist, arbeitet mit vergrösserten Apparat, um der grossen Aufgabe gewachsen zu sein, welche der erste Weltkongress der Agudas Jisroel ihrer Zentralileitung auferleglt. Aber auch die österreichische Landesorganisation und hauptsächlich die Wiener Ortsgruppe entfaltet eine fieberhafte Tätigkeit, um die Kenessio Gedaulo würdig beherbergen zu können. Es ist schon heute fesltzustellendass die Kenessio Gedaulo über den parteimassigen Kreis von Agudas Jisroel bereits hinausgewachsen ist. Wie denn nicht? Die Tatsache, dass der vierte Ehiltag viele Hunderte Führer der thoratreuen Judenheit und eine stattliche Anzahl von den grössten, jetzt lebenden Thoragrössen und Chassidim Rabbis in Wien beherbergen wird, wirkt auf daf Gemüt eines jeden Juden, der noch irgend einen Zusammenhang mit Thora und Tradition bewahrt hat. Auch derjenige, der für die historische Grösse dieses Tages nicht das richtige Verständnis hat, fühlt es, dass es für die Judenheit Wiens von unschätzbarer Bedeutung ist, wenn unsere Stadt der Schauplatz der Beratungen!ist, an der die Führer des treues'ten Teiles des jiidisehen Volkes teilnehmen. Führer die durch ihren Lebensgang, durch ihre Lebensanschauung und durch ihre Gelehrsamkeit schon rein menschlich das Interesse von einem jeden einzelnen ohne Parteiunterschied mit vollem Rechte beanspruchen können. Die Versammlungen, die ■bis jetzt in Wien im Interesse der wiirdigen Ausgestaltung der Kenessio Gedaulo veranstalltet wurden, standen alle im Zeichen dieser Erkenntnis. Wir hoffen, dass auch in der Hinkunft es so bleiben wird־. Nachstehend der Bericht über zwei Kenessio- Versammlungen in Wien. Sonntag den 13. Mai (27. ijar) fand im Bethause ״Emuas Owaus“, XIV. Bezirk, Storcliengasse Nr. 21 eine Ver- Sammlung der Agudas Jisroel statt, zu der die glaubenstreue Judenschaft der Bezirke VI., VII., XIII., XIV., XV. überaus zahlreich erschienen war. Herr Bethausvorsteher Thurner eröffnete die Versammlung um 10 Uhr vormittags, begriisste die zahlreichen Anwesenden und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die heutige Versammlung einen Markstein in der Reorganisation der glaubenstreuen Judenschaft dieser Bezirke bilden wid. Der erste Redner, Se. Ehrwürdigen Herr Rabbiner W e i s s sprach sodann zu Herzen gehend׳) Worte und schilderte die Lage des thoratreuen Judentums, das trotz der Kämpfe und Widerwärtigkeiten aUpnthalben zu neuem blühenden Leben erwacht sei. In geistreicher Anlehnung an die talmudisehe Erzählung, dass Rabbi Akiba — im Gegensatz zu Rabbi Jeschua und den anderen Rabbinern, die da weinten, al!s sie den Fuchs den Platz des Allerheiligsten betreten sahen — lachte, schloss der Redner seine Ausführung, indem er der Hoffnung Ausdruck verlieh, dass unsere Trauer über die Zustände des Judentums uns neue Freuden zuführen wird. Als nächster sprach, lebhaft begrüsst, Herr Dr. Ioel PoM-ak über die Ziele und Zwecke der Agudas Jisroel, schilderte den Verfall und das Wiederaufleben echten jüdischen Lebens allüberall, wo sich die Aguda Jisroel ihren Aufgaben entsprechend eingerichtet hat. Ohne Grossrederei und Wichtigtuerei, wre es einer von der wahrhaft jüdischen Idee getragenen Bewegung geziemt, hat die Agudas Jisroel ihre Aufgaben leharomos kerem Hathauro erfüllt und wenn sie heute vor die breite jüdische Masse hintritt, so wirbt sie nicht als neue Bewegung um Mitglieder, sondern fordert von ihren Anhängern und Verehrern ihren Tribut. Redner schloss seine überaus beifällig aufgenommenen Ausführungen auf die Worte des Hohepriesters am Jotn-Kippur anspielend mit den Worten: Mehr noch, als ich Ihnen sagen konnte, steht in der Idee, die die Aguda Jisroel vertritt, für die sie kämpft und die sie zum Sieg führen muss, für die Idee des thoratreuen Judentums. Als nächster sprach Se. Ehrwiirden Herr Rabbiner Fl e sch eindringliche Worte der Ermahnung und Erbauung an die Anwesenden, die in d׳ie Aufforderung ausklangen, nach ganzem Können und Vermögen beizutragen, zum Wiederaufbau des jüdischen geistigen Heiligtums der Souveränität der Thora und sich einzureihen und mitzukämpfen mit der Agudas Jisroel für ihre hohen Ziele. Anschliessend sprach noch Herr Felsenbürg, der den Anwesenden diie Pflicht in Erinnerung brachte, nicht nur einmal im Jahr, wenn hiezu aufgefordert wird, ihren minimalen Beitrag zu leisten, sondern jeder einzelne muss als Träger der Idee einstehen, arbeiten und kämpfen. In der anschliessenden Diskussion versuchte ein Herr den Standpunkt der nicht gesetzestreuen Organisation und der mit ihnen verbundenen zu vertreten, wurde jedoch durch Herrn Gustav Pappenheim logisch und rasch von der Haltlosigkeit seiner Auffassung vom Standpunkte des gesetzestreuen Judentums überzeugt. Fast alle Anwesenden schlossen sich der Bezirksgruppe 6 der Agudas Jisroel an, so dass sich dem moralischen ein ebenbürtiger materieller Erfolg zur Seite setll'te. Am gleichen Tage fand im Bethause der Chassidim (Sadagorer Klaus, II. Herminengasse 8) eine glänzend verlaufende Kenessio Gedaulo-Ver- Sammlung statt, Herr Moses Blech referierte über die Ziele und Zwecke der Aguda Jisroel und ihrer Knessio Gedaulo und erntete mit seinen geistreichen von seinen umfassenden talmudischen Kenntnissen Zeugnis gebenden Ausführungen lebhaften Beifall. Jedes einzelne seiner Worte erzwang bei den zahlreichen Anwesenden Beifallskundgebungen, insbesonders aber seine Aufforderung zum Anschluss an die organisierte thoratreue Judenschaft, was im Interesse unserer Zukunft unerlässlich sei, die er an die Worte des Midrasch: ״Altikro beausaus eloh beausiaus“ es ist nicht genug mit Abzeichen, sondern in den 22 Buchstaben, in denen die heilige Lehre geschrieben sit, anlehnte. Die Anwesenden schlossen sich ausnahmslos der Agudas Jisroel an, so dass der Abend ein angenehmer und zugleich erfolgreicher für alle Teilnehmer war. Gedenket bei allen Anlässen der Armen in Erez Jisroel! In keinem Hause fehle die מאיר הגם Büchse! •ferS* «rossen Rabbi von Drohobycz um Rat und Hilfe zu wenden. Als er das Zimmer des Rabbi, den er nicht erkannte, betrat, erblickte er seine Tochter im selben Kleide, welches sie beim Verlassen des Elternhauses getragen hatte, worauf sie verschwand, ohne auf den Aufschrei des entsetzten Vaters zu achten. Der Rabbi beruhigte ihn und gab sich zu erkennen. Rabbi Izchok hatte von der Ankunft seines Schwiegervaters Kenntnis erhalten, weshalb er dessen Tochter kn Bettlerkleide vor ihm erscheinen liess. Das sollte die Sühne für sein Vergehen sein. Nun erschien die Frau des Rabbis in herrlicher Kleidüng und begrüsste ihren Vater, der auf Wunsch des Rabbis mit seiner Familie nach Drohobycz iibersiedelte. Des Satans Zustimmung. Rabbi Lewi Iczchok aus Benütschew wünschte einmal seinen Chassidim am ersten Januar ein ״Gesegnetes Jahr!“ Da sie darüber sehr erstaunt waren, erklärte er: ״Am Rosch-Haschanah verlangt der judenfreundliche Engel im Himmel fiir das jüdische Volk, das diese Festtage mit inbrünstigen Gebeten in den Bethäusern verbringt, ein gutes Jahr. Der Satan aber bekämpft diesen Antrag mit der Begründung, nicht bei allen Juden wäre es der Fall, es gebe auch viele, die. auch an diesen hohen Feiertagen der Synagoge fernbleiben. So disputieren sie bis zum 1. Januaf, an dem der gute Engel dem, Satan zuruft: ״Sieh, auch andere Völker haben ihre Neujahrsfeste. Aber während nie Juden den Rosch-Haschanah so feierlich-ernst begehen, die schlechten Taten bereuen, wird am Neujahrsfeste (Sylvesterabend) mehr gelumpt, als im ganzen Jahre,“ Darauf hat der Satan nichts zu erwidern und muss, wenn auch unwillig, zustimmen, Judas-Krone. Ein Berditschewer Jude kam einst am Erew-Rosch- Haschanah nach Uiheby. Sein Geschäftsfreund, bei dem ex' logierte, meinte, er möge sich glücklich schätzen, dass er Gelegenheit haben werde, die Predigt des berühmten Rabbi Mosche Teitelbaum anzuhören, 'die ihn gewiss zu Tränen rühren werde. Der Berditschewer jedoch bezweifelte dies und sprach: ״Mich konnte nur der grosse Rabbi Lewi Izchok von Berditschew zum Weinen bringen.“ ״Wfr werden sehen,“ sagte hierauf der Geschäftsfreund. Am ersten Festtage bestieg der Rabbi die Kanzel und rief ergreifend aus: ״Sehet die Mauern, sie weinen, vergiessen bittere Tränen ob unserer Sünden!“ Die ganze Gemeinde schluchzte, nur der Berditschewer Jude blieb tränenlos. Sein Geschäftsfreund, der dies bemerkte, wandte sich an ihn mit den Worten: ״Ich bin neugierig, ob Sie auch morgen standhalten werden.“ Am zweiten Tage betrat der Rabbi wieder die Kazel und begann: ״An jedem Rosch-Haschanah erscheinen die Sariin (die Vertreter der irdischen Könige im Himmel) vor dem himmlischen Thron und verlangen eine Bestätigung ihrer Herrschaft fürs kommende Jahr. Alle erscheinen in prunkvoller Kleidung, jeder trägt Krone und Szepter. Da naht nun auch ein armer gebrechlicher Jude in abgerissenen Kleidern und verlangt die Krone des jüdischen Volkes. Die Sarim brechen in Hohngelächter aus und rufen spöttisch: ״Auch dieser schäbige Jude will eine Krone!“ Nun, meine Freunde, unserer Sünden wegen lachen siebzig Nichtjuden einen Juden aus!“ Bei diesen Worten konnte sich der Berditschewer nicht mehr zuriickhalten. Heile mein Herz. Der Lubliner Rabbiner Esriel, der seiner grossen Talmudgelehrsamkeit wegen der ״Eiserne Gegner“ genanrit wurde, war bekanntlich ein Gegner des Chassidismus. Einst sagte er zu dem Lubliner Chassidim-Rabbi Jakob Iczchok: ״Es kommen zu Euch täglich tausende Chassidim, die Euch Geld geben, damit Ihr für sie betet. Wo nehmt Ihr die Zeit her, für jeden Einzelnen, zu beten, und mit welchem Rechte nehmt Ihr von jedem Einzelnen Geld, wenn Ihr nicht genug Zeit findet?“ Rabbi Jakob Iczchok erwiderte: ״Jeder Besucher durchbohrt mir mit seinem Jammer das Herz, so dass es ganz durchlöchert wird. Wenn ich dann im Achtzehngebet zum Allmächtigen flehe: ״Refaenu!“ (Heile uns), so denke ich dabei an mein durchbohrtes Herz. Und dieses kann nur heilen, wenn die Wünsche aller, die zu mir gekommen sind, erfüllt werden. Somit bete ich für jeden Einzelnen. ^*w^****^*^*^^^***^*^**A^A^*<fc^A**>* * ■ *»-1^ ד *■!■*!*■ ■^■ן^^*rvvvvvnr1r>ru־xfLri, Schiff’ Pelzwarenhans Gedenket der Waisenkinder! Spendet für die Waisenhäuser der Aguda Jisroel Sekretariat: Wien, II. Malzgasse Nr. 12a. En gros und Erzeugungx UBauernmarkt,24 (£cke Fleischmarkr Tel. 67-302 Detail verkauf s - Niederlage 8!י, Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelz£ufhewahru(1g gegen Versicherung über die Sommermonate

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