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Jüdische Presse · 1923-05-11 · 19 (11.5.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
19 (11.5.1923)
Date
1923-05-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 120 JÜDISCHE PRESSE Nr. 19 Was die Referenten, unter Führung der aktivsten Oruppe aus Arrtefikä* über did religiöse Fundierung des Oettieinlebfefts, über die Rettung der Familie, über die Frauen- und Kinderfürsorge und über die MassnahrHen zur Hebung der VolksgesUndHeit vorgebracht haben, das bot jene edle Mischung von Sachlichkeit und innerer Teilnahme, die zügleich belehrt und begeistert. Unser H0rl20rtf wurde erweitert, unser Arbeitswille gehoben. Auch das ״Jüdische Hilfswerk״ ist endlich 2ii seinem vollen Rechte gekommen. Die Referentin für Oesterreich hat vor dem Kongress den Charakter, die Leistung und die Ziele unserer Einrichtung kurz, klar und gütig erörtert, eine stattliche Anzahl von Damen hat nachher auf einer Rundfahrt unmittelbar Fühlung mit unseren Wiener Instituten gewonnen. Wir unterlassen es, die Eindrücke zu schildern, welche die verschiedenen Wohlfahrtshäuser bei den Teilnehmern an der mehrstündigen Wanderung hervorgerufen haben; denn wir möchten auch nicht einmal den Anschein einer Reklame erwecken, welche als Konkurrenz gegen irgendwelche andere Anstalten gedeutet werden könnte. Wir sind der Meinung, dass jede soziale Unternehmung nach ihrer tatsächlichen Leistung gewürdigt werden soll. Nicht verschweigen aber können wir das allgemeine Erstaunen unserer Gäste darüber, dass eine Einrichtung wie die unsere, welche nach Umfang und Ziel der ambulanten und aufbauenden Tätigkeit heute in vorderster Reihe steht, bisher geradezu unbekannt geblieben ist. Das Ausland hat fast nichts davon gewusst. Ist das nur unsere Schuld? Oder hat es hier die jüdische Publizistik, deren Aufgabe es ist, über jede soziale Bemühung im Interesse der jüdischen Gemeinschaft freudig zu berichten, an einer nur selbstverständlichen Objektivität fehlen lassen? Genug davon. Wir haben Gäste im Haus und wollen vor ihnen unsere kleinen lokalen Meinungs- Verschiedenheiten ruhen lassen. Der Kongress hat uns gezeigt, dass die jüdische Frau in Sachen des Herzens die reinste, höchste Instanz bedeutet. Freuen wir uns, dass das ״Jüdische Hilfswerk“ der Aguda vor diesem Forum bestanden hat, dass es von aller Welt nach Gebühr anerkannt worden ist. Wir hatten Gäste im Haus, sie sind unsere Freunde geworden, morgen werden sie unsere Helfer sein. Freuen wir uns! Zur Kenessio Gedaulo. Erez Jisroel und die Kenessio Gedaulo. Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld ist eine machtvolle Persönlichkeit. Wer je das Glück hatte, ihn zu sprechen, der verliert den tiefen Eindruck nicht mehr, den seine ehrliche schlichte Frömmigkeit auf jedermann ausübt. Jedes seiner Worte verrät gewaltige Konzeption, eine abgerundete, völlig geklärte, einheitliche Weltanschauung. Seine vornehme Art und der innige Ernst, den er selbst der kleinsten Frage entgegenbringt, hat auch bei Nichtjuden deren grenzenlose Achtung, ja eine förmliche Heiligenverehrung ausgelöst. Das heilige Land ist in eine traurige Krisis hineingedrängt worden. Seit zwei Jahrtausenden ist es das "Sinnen und Streben aller Frommen gewesen, in Erez Jisroel ein Judentum zu verpflanzen, das als Muster fürdie Diaspora gelten sollte. Wenn die Stürme des Golus der Jüdenheit die Möglichst eirtes Stehauslebens in religiöser Relfiheit Verwischten, so sollte sie zumindest in uflsefetfi Lände das Ideal erreichen uttd dort, wo nach tlflSerer Weise!! Aüsspfuch sogar die Luft weise macht, Wüfzel fassen. Diese Begünstigung des heiligen Landes darf nicht äls Frelbfief religiöser Vergehungen mit der Perspektive auf automatische Besserung ausgewertet werdeih Öie Thäuro stelt an die Bewohner Palästinas besonders Hohe Anforderungen, die sich nicht irt einer Reihe besonderer Mizwaus erschöpfen. Sie sagt uns in Aele Schmaus 18-3, 4: ״Nach dem Verfahren des Landes Mizrajim, in welchem ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht handeln und nach dem Verfahren des Landes Kanaan, wohin ich Euch bringe, sollt ihr nicht und sollt in ihren Satzungen nicht wandeln. Meine Rechtsordnungen und meine Gesetze hütet, ich bin G—tt, euer Herr.“ Das heilige Lanad muss aufgebaut werden im Geiste des Thauro. Nicht fremde Kulturen samt ihrer Kinodramatik und ihrer notorischen Liberalitätsduselei dürfen dorthin gebracht werden. Zu schrecklich klingt uns einige Verse später die Warnung entgegen: ״Dass euch nicht das Land ausspeie, dadurch, dass ihr es verunreinigt, wie es das Volk ausgespien, das euch vorangegangen.“ Wer blind oder verderbt genug ist, um angesichts einer so fürchterlichemDrohung noch immer nicht einzusehen, dass das Schlagwor^Peligion sei Privatsache, von der mangelnden Logik völlig abgesehen, tief an die Daseinswurzel seiner Mitmenschen rührt, wer überhaupt das heilige Land mit Entweihungen ätifbauen will, der bringt es in Erschütterungen, deren Folgen unabsehbar sind. Eine Ahnung erfasst jeden objektiv Denkenden von dem ungeheuren Schmerz, der die Seele eines Rabbi Chajim Sonnenfeld erfüllen muss, wenn dieser mit seinem klaren Auge die verheerende Krisis sieht, die über das Land hereingebrochen ist, dem auch, wie allen anderen Mizwaus, sein Leben geweiht ist. Einmütig erzählen Augenzeugen und Berichte, dass der greise Rabbi gemeinsam mit Rabbi Jizchok Jerucham Diskin oft viele Stunden ihrer liebsten Beschäftigung, des Thaurolernens opfern müssen, um wie junge Löwen unerschiitterlich für das unverfälschte jüdische Ideal zu kämpfen. Sie sehen die einzige Lösung in einer wohlorganisierten Agudas Jisroel, deren eifrigste Fürsprecher sie sind. Ihr Wort ist nicht nur der Masse der orthodoxen Laien massgebend, sondern zahllosen rabbinischen Autoritäten der Diaspora gilt ihre angesichts des Krankheitsherdes gefasste Diagnose als Richtschnur. Die letzte Nummer der ״Jüdischen Presse“ veröffentlichte einen offenen Brief der beiden greisen Rabbiner über die Bedeutijng der Kenessio Gedau- 10. Er wird zweifellos bei allen, denen die ״Lage des heiligen Landes im besonderen und die Lage des Judentums im allgemeinen nahegeht“ seine Wirkung nicht verfehlen. Der 4. Ellul soll es beweisen. Astro. Bursou der Kenessio Gedaulo in Ulen. Um die Vorarbeiten zur Kenessio Gedaulo in der wünschenswerten Raschheit und Genauigkeit durchführen zu können, wurde in j Wien unter Leitung des Herrn David Schlesinger, Mitglied des G. A., das ״Bureau der Kenessio Gedaulo“ errichtet. Sämtliche auf die Tagung selbst sowie auf die Wahlvorbereitung bezughabenden Zu- Schriften und Anfragen sind von nun ab an das Zentralbureau der Agudas Jisroel, Wien, n., Malzgasse 12 a, mit dem Ver- I merk ״Kenessio Gedaulo" zu richten. I Rtistungsarbeiten in Litauen. Dis litauische Orthodoxie erwacht. Mit Freude und Begeisterung saftttiteit sie sich um die Fahne der Aguda und die Arbeit der letzteren wird warm und dankbar aufgenommen. Das thofätfiüe Judentum hat ertdHch eine Organisation, an die es sich ärtlöfinen kann, von der es seine Wichtigsten Interessen vertreten Und gegen Aussen verteidigt weiss. Auch als wlfkS&tfWi Gegengewicht gegen die in den letzten Jahren sieh mehrenden zionistischen Vereine wird die Aguda von den Orthodoxen begrüsst. So wird eine eifrige Propaganda zugunsten der Aguda entfaltet und seit der Breslauer Konferenz macht auch die Werbetätigkeit für die Kenessio Gedaulo erfreuliche Fortschritte. Die treffliehen Führer der Orthodoxie, die Vorstandsmitglieder des ״Achduth“, unter ihnen der bekannte Dr. Raclimilewitsch machen auf die gewaltige Bedeutung dieses alhveltlichen Kongresses aufmerksam, und suchen so viel als möglich Stimmen zusammenzubringen, um eine wohlorganisierte, starke Landesgruppe repräsentieren zu können. Die Wahlen zum Sejm und die damit zusammenhängenden unerfreuliehen Vorgänge haben die Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkerung in erhöhtem Masse in Anspruch genommen. Aber es wäre ein Irrtum, zu glauben, dass sie darüber ihre Mitarbeit an der Schaffung einer mächtigen allweltliehen orthodoxen Organisation vergessen hätte. Im Gegenteil, eben diese unangenehmen Erfahrungen, die die thoratreue Wählerschaft beim Bilden des Minderheitsblockes machen musste, die kleinliche und intrigierende Politik der Nationaljuden, haben der Orthodoxie neuerlich bewiesen, wie notwendig es ist, sich endlich von der Bevormundung durch andere Parteien zu emanzipieren und selbständig zu werden. Eine solche Stärkung der überlieferungstreuen Judenheit bezweckt die Aguda, eine solche Selbständigkeit soll durch die Kenessio und ihre Beschlüsse erreicht werden. Doch das litauische Judentum und mit ihm die ganze Orthodoxie ist sich dessen bewusst, dass der eigentliehe Zweck der Aguda, das eigentliche Ziel der Kenessio ein höheres ist, als von blossen politischen Rücksichten gefordert. Sie sind sich dessen bewusst, dass es gilt nicht nur die Orthodoxie als politische Partei zu stärken und zu organisieren, sondern dass es um die Zukunft des Judentums überhaupt geht, um die Wahrung unserer heiligsten Güter, um die Schützung unserer überlieferten Lehre vor dem frechen Zugriff eines von den Schlagworten der Zeit verblendeten ״liberalen“ Nationalismus. Sie sind sich dessen bewusst, dass die heilige Sendung des jüdischen Volkes auf dem Spiele steht, die Rettung unserer Jugend vor den Lockungen der Demagogen. Die Gefahr eines Zusammenbruchs des religiösen Judentums, der jüdischen Ethik droht riesengross. Sie bannen zu helfen, 'ist heilige Pflicht eines jeden, der nicht der Mitschuld an dem Verbrechen der Vernichtung des wahren Judentums geziehen werden will. Pflicht und Selbstverständlichkeit, dann muss mai viele Ueberredungskünste dazu brauchen, um einen Menschen zu bewegen, sein in Brand geratenes Haus zu retten? Nur Blinde können ruhig in ihrem Bette liegen bleiben, wenn das Dach über ihren Köpfen lichterloh brennt. Diese Blinden sehend machen ist die Aufgabe des Kenessi« Gedaulo. Verstärkte Propaganda in Polen. Die Landesorganisation der Agudas Isroel in Pole» hat laut dem Beschluss, der in der Zentralratssitzung {siehe Nr. 18 der ״Jüd. Presse ) gefasst wurde, eine ״allgemeine Mobilisierung“ der Aguda-Organisatioa angeordnet. Selbstverständlich handelt es sich bei dieser Mobilisierung nicht um blutige Frontkämpfe, nichtsdestorabbiner Sigmund B ü c h 1 e r — einem Enkel Rabbi Juda Aszöds — verfassten interessanten ״Lebensgeschichte des Rabbi Juda Aszöd“ die 1901 im Drucke erschienen ist). Der Mann hat, wie man in Szenitz erzählt — nie mehr eine Hand zum Schlage gegen Juden erhoben... Rabbi Juda Aszöd selbst hat allerdings nie unterlassen diesen Vorfall, wie so manchen anderen, der mit seinem Namen in merkwürdiger Weise verknüpft ist, des Charakters des Wunderbaren zu entkleiden. Niemals hat er die Rolle des Wundermannes gespielt, im Gegenteil, er ging so weit, selbst seine Beschäftigung mit der Kabbalah in Abrede zu stellen. Er wollte, dass die Oeffentlichkeit nur von seinen talmudischen Studien Kenntnis erlange und mit welcher Hingebung er sich diesen gewidmet, dafür zeugen 50 Bände in Manuskript, die er hinterlassen. Im Drucke sind nur seine Responsen erschienen. Man kann sagen, dass der gelehrte Forscher mitten irn Studium, fast mit der Feder in der Hand, aus dem irdischen Leben schied. Gegen V«3 Uhmorgens, mit der Erledigung einer Anfrage beschäftigt, stiess er plötzlich einen Schrei aus, der seine Gattin aus dem Schlafe weckte. Eine halbe Stunde später hatte er seine reine Seele ausgehaucht. Es war dies am 23. Sziwan 5626. Aber sein Andenken lebt überall, wo Thorakenntnis und Thoraliebe blüht, gesegnet und gefeiert. G• E, -־rxs- Internat und Lehrwerkstätten für gewerbliche und kunstgewerbliche Frauenberufe ״Elisabetheini.“ Wien II., Mahgasse 7, Telephon 43-546־). Von Präsident Dr. Krüger. In der Erwägung, dass die private Wohltätigkeit dort einzugreifen verpflichtet ist, wo die staatliche Unter- Stützungsfürsorge einer Ergänzung seitens wohltätiger Korporationen und Personen bedarf, sowie des Umstandes, .dass vorbeugende Hilfe die Verhütung vor Verwahrlosung der Jugend sich als rationellste Unterstützungsart erweist, und in der schliessliohen Erkenntnis, dass es als dringende soziale Notwendigkeit erscheint, mittellose, der Schule entwachsene Mädchen, insbesondere Waisen, vor den ihnen drohenden Gefahren des Grosstadtlebens zu schützen, fand sich der Verein vor 25 Jahren bestimmt, an die Gründung eines Heimes für verwaiste Lehrmädchen und Arbeiterinnen zu schreiten. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen — in den für Heimzwecke gemieteten Räumen waren anfänglich bloss fünf Lehrmädchen untergebracht — wurde das Heim allmählich vergrössert, bis es im Jahre 1906 durch׳ werktätige Unterstützung edler Menschenfreunde gelungen war, ein eigenes Helm für die Zwecke des Vereines zu erwerben, dem Lehrmädchenheim ein Arbeiterinnenheim anzugliedern, in welchem die jugendlichen, unter dem Schutze des Vereines bereits ausgebildeten, mit Lehrbriefen versehenen Arbeiterinnen noch insolange verbleiben können, bis sie in der Lage sind, den Kampf um die Existenz erfolgreich aufzunehmen. Die Heimstätten beherbergten in den abgelaufenen 25 Jahren Hunderte von Schützlingen, teils Lehrmädchen, teils Arbeiterinnen, welche in den verschiedensten Zweigen weiblicher Erwerbstätigkeit Ausbildung und selbständige Existenz fanden. Den in dem Heime untergebrachten Schützlingen wurden während der Dauer ihrer Lehrzeit Unterkunft, gänzliche Verpflegung und Bekleidung sowie die Mittel zur Erlernung eines ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Berufes unentgeltlich geboten. Welch grossen moralischen Wert unsere charitativsoziale Fürsorge für unsere jugendlichen Arbeiterinnen hat, braucht wohl nicht des näheren erörtert zu werden und־ist jedermann klar, der die Verhältnisse der Grosstadt und die Gefahren, die sie für die weibliche Jugend in sich birgt, nur halbwegs kennt. Besonderes Augenmerk hat der Vorstand auch der Berufswahl der Heimschützlinge zugewendet. Bevor die Mädchen einem Berufe zugeführt werden, bleibe» dieselben durch einige Monate im Heime, wo sie sich mH wirtschaftlichen Arbeiten betätigen; während dieser Zelt hat der Vorstand Gelegenheit, die Fähigkeiten und Neigungen der Mädchen für bestimmte Berufe zu erkennen, so dass infolge dieses Vorganges fast niemals ein Fehlgriff in der Wahl der Berufszweige zu verzeichnen war. Der Vereinsvorstand begnügte sich auch nicht damH, den Mädchen geeignete Lehrstellen zu verschaffen, sonder» war in jedem einzelnen Falle bestrebt, sich durch Erkunde gungen seitesis eder jedem Säiütilinge zugeteilten Schutzjiirinr-ftrxir*r * ■» * *י** —*י * * * י * ft »>*****^»* PERÜCKEN chm <toUteflB«*fällt*1n *Ntfturhfte&r, ighiiht. undichtbar lim «n«9«hv ktüfift kurtNldlg RUBIIf SCHIFF Wien(il., lK8rntnarstra*s8‘8 COer B!v1gan«imtl!n GaacMHt «um«ate 8Mm3)

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