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Jüdische Presse · 1923-05-11 · 19 (11.5.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
19 (11.5.1923)
Date
1923-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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(״JÜDISCHE KORRESPONDENZ«) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 5000, Tschecho-Slowakei Kß. 70, Deutschland Mk. 15.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 2C0 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.010.—. Einzelnummer d.-ö. K 1500. Zahlungen für Oesterreich: Postsp Nr. 13.458; für Polen: Postsparka Nr. 190.4^&; fiir Ungarn: Poslsparl Nr. 50.170; fiir Tschecho-Slowakei konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Konto Nr. 40.217; fiir Rumär Blanc 8t Co. für Josef Flor» »arkassenamt vonto ssenamt Warsclu Konto «assenamt Budapesr, Konto : Postsparkassenamt Prag, Poslsparkassenamt Agram, iten: Banca Marmarosch snz 8e Co., Bukarest. Np. 19 Wien-Bratislava, 11. Mai 1923 ,בע״ה וינה־פרעסםבורג כ״ה אייר תיפ״ג 9. Jahrg. Umkehr? Es wird' niemals festzustelien sein, ob der Zionismus seine gegensätzliche Stellung zur Religion, seine unaufhörlichen und ununterbrochenen Angriffe gegen das feste Bollwerk der religiösen Autoritäten, aus Gründen der Taktik, oder aus Notwendigkeit der inneren Ueherzeiigung heraus in seine Kampfmethode aufgenommen hat. Man sage uns nicht, dass angesichts der betrübenden Tatsache dies eine müssige Frage sei, namentlich da, wie wir selbst betonen, eine vollkommene, erschöpfende Antwort niemals gefunden werden kann. Es geht hier, wie bei allen Untersuchungen, die in geschichtlichen Ereignissen die psychologischen Momente aufzudecken versuchen; allein unsere Frage ist deshalb nicht miissig aus folgenden Gründen: Es könnten einmal die taktischen Erfordernisse bis zu einem gewissen Punkt der Sättigung gelangt sein, oder die Taktik selbst könnte eine andere werden müssen, so dass in diesem Zeitpunkt dieser Gegensatz zur Religion und zu ihren Vertretern gemindert werden könnte. Es hat ja auch Zeiten gegeben, in denen aus taktischen Gründen scheinbar hier und dort eine freundliche Verbeugung vor der Religion gemacht wurde. Das sind Augenblicke voll Gefahren für den religionstreuen Teil der Judenheit. Matte Seelen und kampfmüde Herzen lassen sich nüi' allzugerne von den Erlebnissen solcher Augenblicke täuschen und berauschen. Gerade deshalb ist umso notwendiger die sorgfältige, von jeder Parteileiden־ Schaft unbeeinflusste Untersuchung, ob in jener gegensätzlichen Stellung nicht eine Notwendigkeit lag und liegt. Dies ist aber vorhanden; wollte und will der Zionismus sich gedankenmässig durch־ setzen, dann wird er sich von allen Bindungen befreien, welche dieser Gedankenwelt entgegenstehen, muss sich von all den Menschen und Persönlichkeiten befreien, welche die traditionsmässige, in der Religion verankerte Auffassung von Judentum^ leben und lehren. Die einseitige, ausschliessliche, unbedingte Hervorhebung des nationalen Momentes war aber im Bereich der gedankenmässigen Erfassung des Judentums eine derartige revolutionäre Konzeption, welche gezwungen war, mit dem Alten zu brechen. Daran mussten und müssen alle Kompromissversuche scheitern, und, weil dies nicht von allen Seiten erkannt wird, darum wiederholen sich immer die Versuche, die in sich' selbst verbluten, Versuche der Art, dass sie glauben, in die neuen Schläuche den alten Wein füllen zu können. Auch der extremste Gegner wird zugeben müssen, dass es für diesen Gedankengang notwendig ist, sich über die Parteileidenschaften des Tages zu erheben, und der extremste Gegner wird zugestehen, dass diese weite Kluft zwei Welten erheischt. Zu den nach unserer Ansicht unfruchtbaren Versuchen in der oben angedeuteten Richtung gehört eine Aeusserung von Dr. Gottlieb in Warschau in dem ״Haint“ Nr. 17. Herr Dr. Gottlieb war einst einer der ersten Rufer Wir haben allen Grund, schon die Tatsache dieser Tagung aufsherzlk##e zü־begFÜssen. Es ist die erste solenne Kundgebung jüdischer Frauensolidarität in Fragen, die jeden Juden gleicherweise angehen — einer Solidarität, die den Männern trotz vielfacher Bemühungen bisher niemals gelungen ist. Und es ist der erste, prinzipiell vorbildliche Versuch, über die fatalen Gegensätze der politisehen Anschauungen hinweg das soziale Problem im weitesten Sinne mit vereinten Kräften zu lösen, also das Trennende und — nach unserer Meinung — auch Minderwichtige beiseite zu lassen, um wieder im Streite gegen die ״schwarze״ Gefahr, einer der Führer bei den Sturmtruppen, welches das Cheder zu entleeren, das Beth Hamidrasch zu verwüsten suchen; ihm und seiner rücksichtslosen Angriffsweise war und ist es zu verdanken, dass im Osten jene unselige Kluft zwischen Eltern und Kindern, zwischen Lehrer und Schüler gerissen“wurde; ohne Bindung und Hemmung verführte man die Jugend zur Verhöhnung der Alten und des Alten. Und nun kommt derselbe Dr. Gottlieb und führt bewegliehe Klage, dass die Gedankenwelt des Zionismus keine Jugend hat, dass vielmehr dieselbe Jugend, die man gewaltsam aus dem schützenden Gehege des altjüdischen Lehrhauses gerissen hatte, sich ganz und gar von Theodor Herzl zu Karl Marx, vom Zionismus zum Sozialismus geflüchtet und in sektenartige Parteizerklüftung sich begeben hat. Wir fürchten nur, der Ruf von Dr." Gottlieb an seine Jugend ist ein Ruf in die Wüste. Jedenfalls sollte er Freund und Gegner Anlass zum ernsten Nachdenken sein. P. K. zum Wesentlichen, zu den Grundlagen der jüdischen Gemeinschaft* zu ’gelingen. -Es: isf;endlich., wieder einmal ein Akt der allgemeinen jüdischen Sittlichkeit, eine Renaissance der durch mancherlei Vergiftungen in Verruf gekommenen jüdischen Humanität. Wäre durch diesen Kongress nur das Wort von der jüdischen Nächstenliebe wieder in sein altes, heiliges Recht eingesetzt worden, eingesetzt und verwirklicht durch die Frauen, wir Männer müssten ihnen schon dafür unsagbaren Dank wissen. Aber auch der bisherige Verlauf der Zusammenkunft hat unsere Erwartungen übertroffen. Der Frauenkongress und das ״.Jüdische Hilfswerk“ der Aguda. Von Universitäts-Professor Dr. Max Eisler. Rabbi Juda Aszöd s. 2. 1. (5556 — 5626.) (Schluss). So war Rabbi Juda Aszöd wohl ein unversöhnlicher Bekämpfer der Begründung von Rabbiner- Seminaren, deren Grundlagen, deren Lehrer, was religiöses Denken und Leben betrifft, ihm unverlässlich erschienen, aber er unterstützte mit seiner ganzen Autorität die bildungsfreundlichen Bestrebungen eines Dr. Hildesheimer, in dem er den von innigster Frömmigkeit und feurigen Glaubenseifer erfüllten Kämpfer für die Heiligtümer des Judentums erkannte und schätzte. Rabbi Juda Aszöd war zu klug, zu scharfblickend und zu fromm, um dort fanatisch zu sein, wo der Fanatismus vielleicht die Form schützen, aber dem Wesen schaden könnte. So schlicht das Auftreten Rabbi Juda Aszöds war, ferne von jedem pathetischen, feierlichen Gehaben — er verschmähte es auch nicht im Gespräche scherzhafte, witzige Wendungen und Einfälle einzuflechten — so ehrfurchtsgebietend war seine Erscheinung, ein solcher Glanz strahlte aus seinem Antlitz. Frühzeitig hatte sich der Ruf seiner ausserordentlichen Gelehrsamkeit und seiner bloss dem Höheren zugewandten Lebensweise verbreitet, auch war, ganz ohne sein Zutun, ja trotz seiner Abwehr die Kunde in weite Kreise gedrungen, dass Rabbi Juda Aszöd seit seinen Jünglingsjahren bereits sich in das Studium des Kabbalah vertieft habe. Verschiedene Vorfälle, von denen heute noch die Ueberiieferung im Munde des Volkes lebt, haben seine Gestalt mit einem Legendenkreis umgeben, sein Haupt mit einem wahren Glorienschein umhüllt. Er galt nicht nur als ein wunderbarer, durch menschliche Tugenden und Vorzüge ausgezeichneter Mann, sondern geradezu als Wundermann, dem geheime Kräfte zu eigen und dessen Blick in verborgenen Tiefen dringt. Einige dieser Fälle, an den sich auch ein geschäftliches Interesse knüpft sei hier in Kürze mitgeteilt. Es war im Jahre 1848 — zur Zeit, da Rabbi Juda Aszöd noch in Szenitz wirkte — als die Gemeinde durch eine Schreckensnachricht in grosse Aufregung gestürzt wurde. Wie fast alle grossen staatlichen Umwälzungen seit jeher mit Ausschreitungen gegen die Juden verbunden zu sein pflegten, wurde auch das Jahr des Freiheitskampfes der Völker durch blutige Exzesse gegen unschuldige Juden geschändet. Als die wilden Horden Hurbans sengend und mordend durch das Neutraer Komitat zogen, hatte die jüdische Bevölkerung von Szenitz zweifachen Grund zur Beängstigung. Denn nicht nur die wilden fremden Scharen waren zu fürchten, es war auch zu besorgen, dass der von Judenhass und Plünderungslust beseelte heimische Pöbel die günstige Gelegenheit benützen würde, die Juden zu misshandeln und zu berauben. Und in der Tat, als Hurban seine Marschroute ändernd, Szenitz mit blutrünstigem Gefolge nicht betrat, versuchte der Pöbel von Szenitz unter Führung eines dortigen Bäckermeisters, eines verworfenen, rohen Menschen, eine Judenhetze auf eigene Faust zu arrangieren. Die Losung lautete: alle Juden im Orte müssen totgeschlagen werden und der Anfang solle mit dem Rabbiner gemacht werden! Mit einem scharf geschliffenem Messer in der Hand stürmte der Bäckermeister in die Wohnung Rabbi Juda Aszöds, in die sich viele zitternde Frauen und Kinder geflüchtet hatten, die mit Entsetzen den mordgierigen Bäcker, gefolgt von seiner raublustigen Rotte, erblickten. Aber Rabbi Juda Aszöd, der in Talis'undTefillin gehüllt aus seinem Beth-Hamedrasch kam, trat ruhig auf den Bäckermeister zu, ohne ein Wort zu sprechen nur scharf ihm in die wildrollenden Augen blickend. Der holte mit aller Gewalt zu einem Hiebe gegen den Rabbi aus, aber traf mit seinem Messer seine eigene linke Hand, die blutig zu Boden fiel... war es auch nur ein glücklicher Zufall, so ist es doch kein Wunder, dass alle Zeugen dieser Szene, Juden wie Christen, in der Selbstzüchtigung des Menschen, der sich an den ehrwürdigen Rabbi herangewagt, ein Wunder erblickten, an das die Erinnerung in Szenitz noch ungeschwächt bis auf dem heutigen Tag lebt. Der Vorfall selbst hat sich zweifellos ereignet und der Bäckermeister mit der verstümmelten Hand hat im Jahre 1891 noch in Szenitz gelebt. (Wir entnehmen dieses Urteil wie so viele andere, der von Ober- Schilf5 Pdzwarenhaus En gros und Erzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detail verkauf s - Niederlage : I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaafbewahrung gegeifVtrsicherung über die Sommermonate

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