Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-04-27 · 17 (27.4.1923) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
17 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630015--0933-2632642
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 17 JÜDISCHE PRESSE Seite 107 G0 €0 00 Q3 C0 Cß G0 TSCHECHO-SLOWAKEI. au■ AAfcBMi asae wbaAM RCJ fdCj R3 RCJ Rfl R3 Km 0□ 03 □ס □0 □ם ro 0□ 03 Die zionistische Hetzpresse über Karpathorussland. Die jüdische Oeffentlichkeit hat sich allgemach daran gewöhnt, Nachrichten in den zionistischen und ״jüdisch“־nationalistischen Zeitungen über innerjüdische Angelegenheiten, namentlich aber über Vorgänge in der verhassten glaubenstreuen Judenheit (von den Zionisten in liebenswürdiger Weise konsequent ״Trennungsorthodoxie“ genannt) mit einem Lächeln zu übergehen. Man weiss, dass die Kenntnis vom Judentum unter unseren Zionisten so minimal ist, dass in ihre Darlegungen, selbst wenn sie von gutem Willen eingegeben wären, immer etwas Verkehrtes und Potzdummes hineingeraten muss. Die Wenigsten unter uns ahnen jedoch, dass wir es hier nicht mehr und nicht immer mit jener Sorte jüdischer Journalistik zu tun haben, die!in einfältiger Unschuld das Opfer bemitleidenswerter Dummheit und Unwissenheit geworden ist, sondern mit einer wohlorganisierten Hetzpresse schlimmster Art, deren Räder ganz planmässig ineinandergreifen und deren Ziel es ist, das ortodoxe Ju dentum, die Rabbiner, die Talmide Chachomim und alle diejenigen, von denen sie weiss, dass sie unter keinen Umständen ihr altbewährtes Judentum mit dem neuen zionistischen ״Nationalismus“ vertauschen wollen, nach Innen, ganz besonders aber nach Aussen systematisch herabzusetzen und ihren moralischen und politischen Einfluss zu brechen, um dann selber im Trüben fischen zu könn e n. Die jüdischen Gemeinden im Podkarpatsko-Russ haben das zweifelhafte Glück, von den Zionisten als geeignetes ״Arbeitsfeld“ befunden worden zu sein. Die eigenartigen religiösen Verhältnisse in diesem Gebiete, die Unerfahrenheit und die bedauerliche Un- Selbständigkeit der dortigen Massen, denen sich ein jeder ״moderner“ Thoraverächter als prädestinierter מנהיג בישראל auf den Nacken zu setzen wagt, ohne dass es ihnen in den Sinn käme, ihn abzuschütteln, machen es den zionistischen Demagogen verhältnismässig leicht, als Wortführer des ״jüdischen Volkes“ aufzutreten und die Saat der Zwietracht und der organisatorischen Verwilderung in das öffentliche Leben zu streuen.. Trifft es sich eigmal, dass in irgend einem Bruchteile der Orthodoxie, wie es im Podkarpatsko-Russ bedauerlicherweise der Fall ist, kleinlicher Hader die Reihen der Führer verwirrt, so erscheinen bald die zionistischen ״Kulturträger“ auf dem Plan und wühlen und hetzen so lange, bis es ihnen gelingt, bewährte Führer der Orthodoxie in den Hintergrund zu drängen und mit Hilfe der פנים 'TJJ שבדור und ihrer nicht ungeschickt eingeordneten Presse den Boden für ihre ״Tätigkeit“ günstig zu gestalten. Jeder Aufschwung der Orthodoxie,( jeder Schritt zur Selbstbesinnung der Massen, jede Massnähme zur Konsolidierung der religiösen und wirtschaftlichen Verhältnisse erscheint den Zionisten und ihren Schrittmachern begreiflicherweise als eine Gefahr für ihre sauberen Pläne. Die gesamte in- und ausländische zionistische Presse, der gesamte reiche Wortschatz der Verleumdung und Verhetzung wird aufgeboten, um diese Gefahr der inneren Erstarkung und organisieretn Zusamenfassung der Orthodoxie im Lande zu verhindern. Dass es ihnen trotzdem nicht gelingt, ist nicht ihr Verdienst, sondern hat seine Ur- Sache in der moralischen Macht der Thoratreue, die sich auch unter den ungünstigsten Verhältnissen durchsetzt. Als ein kennzeichnendes Beispiel für diese Taktik der Zionistenpresse mag ein Artikel aus der zionistisohen ״Wiener Morgenzeitung“ vom 22. April hier im Wortlaut abgedruckt sein. Er lautet: Der Kampf der Trennungsorthodoxie gegen die hebräische Schule. ״Ujkelet“ meldet: Es wurde bereits kurz berichtet, dass die Prager Regierung die orthodoxe Landeskanzlei für Karpathorussland aufgelöst und das Tätigkeitsgebiet der Pressburger orthodoxen Landeskanzlei auch auf Karpathorussland erstreckt hat. Die karpathorussische Presse erklärt diese Regierungsmassnahme damit, dass die trennungsorthodoxe Kanzlei in Bratislawa die Juden von Karpathorussland in Prag denunziert habe. Diese Trennungsorthodoxen behaupten nämlich, dass die Juden, die sich an die Schulen mit ungarischer Sprache klammern, sowie die der Zionistischen Partei angehörigen Juden der tschecho-slowakischen Republik gegenüber illoyal seien. Die Landeskanzlei von Bratislawa habe sich in Prag verpflichtet, die jüdischen Schulen mit hebräischer oder ungarischer Unterrichtssprache in Karpathorussland einzustellen und die jüdischen Kinder den städtischen Schulen zuzuführen. Oegen diese unerhörte verleumderische Denunziation der Trennungsorthodoxen richten sich jetzt die massenhaft besuchten Protestkundgebungen in ganz Karpathorussland. Bisher wurden solche Kundgebungen in Hust, Eckermezö, Toronya und in anderen Städten veranstaltet. Die Empörung gegen das Verhalten der Oarde des Führers der Trennungsorthodoxie Oberrabbiners Weber ist in ganz Karpathorussland so allgemein, dass an den Pro* testen nicht nur die Jüdischnationalen und Zionisten, sondern auch solche Kreise teilnehmcn, die bisher nicht mit den Zionisten zusammen gingen. Bezeichnend hlefür ist die Haltung des Munkaczer Oberrabbiners Spira, der in allen seinen Predigten gegen den Zionismus Stellung nahm und jetzt sich an die Spitze des Kampfes gegen den schädlichen Einfluss der Pressburger Landeskanztei gestellt hat. Das unjüdische Vorgehen der Pressburger Orthodoxen wird um so mehr verurteilt, als die In Karpathorussland errichteten hebräischen Schulen sich des besten Besuches aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung und steter Fortschritte erfreuen. Diese Schulen finden übrigens auch in den Kreisen der griechisch-katholischen Bevölkerung Verständnis und Unterstützung. Das österreichische Zionistenblatt entnimmt also seinem würdigen rumänischen Bruderorgan einen Bericht über Vorgänge, die sich angeblich in Bratislava und Prag zugetragen, ja sogar über Aeusserungen, die in den diskreten Bureaus der Ministerien gefallen sein sollen. Ueber Ton und Ausdrucksweise des Artikels wollen wir kein Wort verlieren; sie bilden das auf Grund des Gewohnheitsrechtes erworbene Privilegium der Zionisten im Kampfe gegen das religiöse Judentum. Den Eingeweihten braucht auch nicht erst gesagt zu werden, dass an den Behauptungen des Artikels nicht ein Wort wahr ist. Für diejenigen jedoch, die mit den Verhältnissen weniger vertraut sind, soll im folgenden der Artikel Satz um Satz durchgenommen werden, um die Verleumdungen im einzelnen festzunageln. ״Es wurde bereits kurz berichtet, dass die Prager Regierung die orthodoxe Landeskanzlei für Karpathoruss- Iand aufgelösst hat etc.“ Wort für Wort unwahr. Die Regierung hat nichts aufgelöst, denn es gab bisher noch niemals eine Landeskanzlei für Karpathorussland. Wahr ist vielmehr, dass auf eine Rundfrage der Regierung sämtliche jüdische Gemeinden des Landes, mit Ausnahme von zweien, deii‘ Anschluss an die Pressburger Kanzlei v e r 1 a n g t haben. Die Regierung hat daraufhin diese Willenskundgebung zum Landesgesetz erhoben. ״Die Karpathorussische Presse erklärt etc.“ Unwahr. Die Karpathorussische Presse hat derartiges niemals erklärt. ״Dass die trennungsorthodoxe Kanzlei in Bratislawa die Juden von Karpathorussland in Prag denunziert habe“. Unsinnige zionistische Erfindung. ״Diese Trennungsorthodoxen behaupten nämlich, dass die Juden, die sich an die Schulen mit ungarischer Unterrichtssprache klammern, sowie die der Zionistischen Grand Sanatorium iüa$$crb«ilan$talt Bratislava (Pressburg), derer Weg Erstklassige diagnostische, diätetisehe u. physikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Ohren-, Kehlköpfu, Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische u. bakterio- // logische Laboratorien. // Täglicher Pauschalpreis v. ßK 55 aufw. Pauschalpreis für Entbindung v. cK 1100 bis 5K 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige CK 15 FREIE ÄRZTEWAHL. Rituelle כשר Verpflegung unter Aufsicht des Pressburger orthodoxen Rabblnates. Partei angehörigen Juden, der tschecho-slowakischen Republik gegenüber illoyal seien“. Niemals haben die orthodoxen Juden andere Juden als illoyal bezeichnet Das Ganze ist zu hetzerischen Zwecken von Zionisten erfunden worden. Nicht die Unterrichtsspräche einer Schule bildet für die Orthodoxie das Kriterium, sondern der Geist, der in der Schule gepflegt wird und die jüdisch-religiöse G e s i nnung, die der Lehrer an den Tag legt. ״Die Landeskanzlei in Bratislawa hat sich in Prag verpflichtet etc.“ Die Landeskanzlei in Bratislava hat sich zu nichts derartigem verpflichtet. Es ist ihr auch niemals ähnliches zu gemutet worden. ״Oegen diese unerhörte verleumderische Denunziation der Trennungsorthodoxen richten sich jetzt die massenhaft besuchten Protestkundgebungen'!!! ganz Karpathorussland*. Pure Erfindung. Es hat nicht eine einzige solche massenhaft besuchte Protestkundgebung stattgefunden. ״Bisher werden solche Kundgebungen in Husch, Eckernfezö, Toronya (!) und anderen Städten veranstaltet“. Bisher haben zwei zionistische junge Leute, Martin Berger und Moritz Guttmann (manchmal tritt er auch als Moses, zuweilen auch als Mosche auf, gemeint ist aber immer derselbe), mit Namen, als zionistische ״Kommission“ diese drei Orte besucht. Rabbiner und jüdische Bevölkerung sind und bleiben treue Anhänger der Orthodoxie. Von Protestkundgebungen gegen die Kanzlei wissen nicht einmal die zionistischen Zeitungen im Inlande, die über den Besuch dieser ״Kommission“ sensationelle Berichte veröffentlichen, ein Wort zu bericht e n. ״Die Empörung gegen das Verhalten der Oarde des Führers der Trennungsorthodoxie Oberrabiners Weber ist in ganz Karpathorussland so allgemein etc. etc.“ Lächerliche Erfindung. Die orthodoxe Bevölkerung lehnt unter allen Umständen jede Förderung des Zionismus und jede Zusammenarbeit mit dessen Agitatoren entschieden ab. ״Bezeichnend hierfür ist die Haltung des Munkacser Oberrabbiners Spira etc.“ Die einzige Behauptung der Zionisten, die offenbar in allen Teilen der Wahrheit entspricht. Nach dem Talmud vermag eine Lüge nur Fuss zu fassen, wenn ihr etwas Wahres angefügt wird. Der Rabbiner von Munkacs als führender Parteigänger der Zionisten im Kampf gegen die organisierte Orthodoxie ist in der Tat eine Kampfgenossenschaft, die beider Bundesgenossen würdig ist. Dem günstigen Zeugnisse für die zionistischen ״hebräischen“ Schulen in Karpathorussland bedauern wir uns keineswegs anschliessen zu können. Vielleicht tut dies nächstens der Rabbi von Munkacs. B. Rabbi Leb Rubinstein זצ״ל• Die Pressburger jüdische Gemeinde und mit ihr das Judentum des ganzen Landes hat einen schweren Verlust erlitten. Rabbi Leb Rubinstein זצ״ל ist aus ihrer Mitte gerissen worden; nach kaum 24stündiger Krankheit hat er seine reine Seele ausgehaucht und sie ihrem Urquell wiedergegeben, nachdem sie in 69jährigem Erdenwallen dem heiligen Willen ihres Schöpfers in treuer Pflichterfüllung gedient hatte. Weit über die Grenzen unseres Landes hinaus war der Name dieses grossen Mannes bekannt und verehrt und überall בכל תפוצות ישראל, wo die Kunde von seinem Hinscheiden hindringen wird, werden Tausende von tiefer, aufrichtiger Trauer ergriffen sein. Denn er war ״ein Fürst, ein Grosser in Israel״. Und nun trauert ganz Israel ob der Lücke, die in der ersten Reihe seiner Lehrer und Wegebahner entstanden ist. Ein צדיק in des Wortes edelster Bedeutung, ein תלמיד חכם von alljüdischer Weise und Tiefe, ein איש אמת von unbeugsamer Geradheit, ein ירא שמים von grenzenloser Bescheidenheit und ein נעל מדות reinster Erlesenheit ist mit ihm aus dem irdischen Leben geschieden. Tausenden, die aus seinem Munde Thora gelernt und in der Lauterkeit seines Charakters und der Uneigennützigkeit seines u־njn_<־rr*u~rr,—,-־—■ —^ —* —»• ■■■ . *■■ ■ י■».. — ». —»—**“ ‘ *“—*L-^—1_uru1r— —■■•— -•— - — -mfirflf—1r— ו־_ך-ן, cher*eucr Wahlrecht׳Thnrotroiio liirlon s 1 HUI Bll CUC UUUCII zur Kenessio Gedaulo i Tretet der Agudas Jisroel als Mitglieder bei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.