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Jüdische Presse · 1923-04-27 · 17 (27.4.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
17 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 106 JÜDISCHE PRESSE Nr. 17 838383 Vom Tage. 830383 Die Krise in der Weithiifszentrale. Die jüngste Voll- Sitzung der Welthilfszentrale hat krisenhafte Erscheinungen gezeigt. Die ״Ika“ hat ihre Mitarbeit im vollsten Umfange der Welthilfszentrale zur Verfügung gestellt, und dies hat besonders für die Arbeiten auf dem Gebiete des Emigrations- und Kolonisationswesens ausschlaggebende Bedeutung. Die Vertreter der ״Ika“ waren aber unbescheiden und unbotmässig genug, hiefür einen ihrer Leistung entsprechenden Einfluss sowohl in den Zentralen, wie in den lokalen Komitees zu verlangen. Gegen diese Forderung haben gerade diejenigen die heftigste Opposition geleistet, die bei der Gründung der Weithiifszentrale zu Pate gestanden sind. Und dies kann ihnen nicht verargt werden; waren sie doch bei der Gründung der Welthilfszentrale bestrebt, zum erstenmale einen Versuch zu machen, die zionistische Aktionssphäre über alle anderen jüdischen Parteien auszubreiten. Sie sind an alle grossen Organisationen herangetreten mit der Aufforderung, Delegierte zu der ersten Welthilfskonferenz zu entsenden. Sie waren so gnädig, diesen Weltverbänden ein oder zwei — wenn man sehr zudringlich war, sogar drei — Delegierte zu bewilligen. Dafür ist aber bei der Welthilfskonferenz fast jeder zionistische Verein mit mehreren Delegierten erschienen. Die Vertreter der Agudas Jisroel haben die Situation gleich überblickt und die Herren sich selbst überlassen. Die ״Ika“ scheint erst jetzt Bemühungen zu machen, die eigenen Mittel wohl mit den anderen, aber nicht durch die anderen allein verwalten zu lassen. Es ist nur selbstverständlich, dass jene, die bei der Gründung der Welthilfszentrale mit dem Gelde anderer so schöne Pläne gemacht haben, jetzt durch den Vorschlag der ״Ika“ ihre Absichten vereitelt sehen und daher eine heftige Oposition entfalten. Man braucht kein Prophet zu sein, um eine ähnliche Zukunft dem ״Keren Hajessod“ vorauszusagen. Einstweilen war die Majorität der Welthilfszentrale doch praktisch genug, lieber das Geld der ״Ika“ als die Pläne des Herrn Motzkin in Verwaltung zu nehmen. Hierauf demmissionierte der Herr Präsident Motzkin und fuhr schleunigst* nach Paris zurück, sicherlich, um seine Tätigkeit im Komitee der jüdischen Delegationen fortzusetzen. Somit ist die Krise in■ der Welthilfszentrale akut geworden. Es ist zu hoffen, dass nun diese Vorgänge aufklärend wirken werden in all jenen Kreisen, denen die Klarheit über Absichten und Pläne dieser ragenden Herrn gefehlt hat. Die litauische Krise. Litauen war noch vor drei Jahren das vielbewunderte Land, das aus eigenen Stücken seinen jüdischen Bürgern vollkommene Autonomie gegeben hat. Somit ist Litauen das Schulbeispiel für die Möglichkeit der Verwirklichung der jüdisch-nationalen Pläne geworden. Ach, wenn man bedenkt, in Litauen war ein jüdischer Minister, jüdischer Sejmklub, jüdischer Nationalrat und weiter herunter jüdische Aemter und Organisationen bis zu der niedrigsten Stufe. Drei Jahre maohen aber in der Geschichte einer jungen Staatswesens sehr viel aus. Das Rad hat sich gedreht und fast alle Kostbarkeiten der jüdischnationalen Autonomie sind geraubt, gewaltsam geraubt worden. Dieser Gewaltakt wäre nun geeignet, eine Einheitsfront aller Juden Litauens zu schaffen. Es sind auch diesbezügliche Verhandlungen eingeleitet worden, doch scheiterte dieser Plan infolge der Gewaltpolitik der Links- Parteien, die das Recht für sich in Anspruch nehmen wollten, der Orthodoxie vorzuschreiben, welche Vertreter sie stellen dürfe. Diese linken Herren haben aus der Geschichte noch wenig gelernt. Sie haben geglaubt, dass die Orthodoxie noch immer so schwach ist, sich von Phrasen, wie ״jüdische Einheitsfront“, ״Zusammenschluss Aller“, widerspruchlos einschüchtern zu lassen, auch wenn die Einheitsfront die Ausschaltung der Orthodoxie, und der Zusammenschluss Aller die Kaltstellung der Orthodoxie bedeutet. Die Phrase hat die Wirkung verloren, und wieder hat die erstaunte Welt die Möglichkeit zu sehen, wie solche Phrasen lange Zeit hindurch ausgereicht haben die Bahn frei zu machen für Strebungen, die geradezu im Widerspruch zum heiligen Schlagwort standen, das sie an der Stirne trugen. Die Woche. IM Präsident Harding und mehrere angesehene Führer der Republikaner beabsichtigen bei der nächsten Kongresseröffnung einen Antrag auf Erleichterung der Einwanderungsgesetze zu stellen. Der ״Emigrant“ warnt eindrücklichst vor Aus- Wanderung nach Kuba und anderen tropischen Ländern, deren Klima und Lebensbedingungen besonders für die Familien der Emigranten unzählige Gefahren bergen. Die Bildungskommission des lettischen Sejm hat seinerzeit die Einführung eines numerus clausus abgelehnt. Nun arbeiten die Rechtsradikalen darauf hin, eine Volksabstimmung über eine Reihe von Fragen durchzusetzen, unter welchen sich auch die des numerus clausus befindet, und hoffen auf diese Weise zu dem Gesetz zu kommen. Die Warschauer Rabbiner schlossen sich dem allgemeinen Protest gegen die Hinrichtung der katholischen Geistlichen durch die Bolschewiken an, welchem Beispiel auch die ״Schlome Emune Isroel“ und der ״Jüdische Kaufmannsverband“ gefolgt sind. Durch die neue rumänische Verfassung wird allen Juden, die am 1. April 1918 in Rumänien wohnten, ohne weiteren Nachweis die rumänische Staatsbürgerschaft verliehen. Im englischen Budgetvoranschlag ist für Palästina ein Betrag von 1,500.000 Pfund vorgesehen, d. h. um zirka 400.000 Pfund weniger als im Vorjahre. In der Ukraine sind wieder einige Bauernaufstände ausgebrochen, deren erste Opfer natürlich wieder Juden waren. Zahlreiche jüdische Familien mussten flüchten und kamen aller Mittel bar an die Grenze. Anlässlich von Ausgrabungsarbeiten ist es gelungen, eine grössere Stadt blosszulegen, von der man begründetes Recht hat anzunehmen, dass sie die biblische Stadt Urkasdim, die Heimat Abrahams, sei. In Sachsen wurden die jüdischen Kinder von der manuellen Arbeit in Schulen am Sabbath dispensiert. Am 1. Nissan fand die erste feierliche Abgangsprüfung an der Warschauer Talmud-Hochschule Mesifta statt, bei der zehn Kandidaten, die bereits alle fünf Abteilungen der Schule absolviert haben, die Erlaubnis zur Bekleidung eines Rabbinerpostens erteilt wurde. In Palästina erscheint jetzt neben ״Doar Hajom“ und ״Haaretz“ eine vom Redakteur der letzteren S. Schwarz herausgegebene neue hebräische Tageszeitung ״Erez Israel“. Der amerikanische Gesandte in Berlin Mr. Allan soll mehrere deutsche Persönlichkeiten in nicht offiziellen Gesprächen auf die in letzter Zeit sich mehrenden Fälle von Antisemitismus in Deutschland aufmerksam gemacht haben. Die Russen, Weissrussen, Deutschen und Juden haben sich im litauischen Parlament zu einem Block der nationalen Minderheiten zusammengeschlossen. Infolge von Personsstreitfragen sind die Orthodoxen im Block bisher noch nicht vertreten und es ist sogar möglich, dass sie mit einer eigenen Liste zu den Wahlen gehen werden. Mitte April sollen alle rumänischen Hochschulen wieder eröffnet werden. Gegen die Studenten, die sich aktiv an den Krawallen beteiligt haben, soll scharf verfahren werden. NACHRICHTEN. Deuticböstweich. Von der Talmud-Thora, Wien, II. Malzgasse 16. Die Leitung der Talmud-Thora Volks- und Bürgerschule steht vor sehr wichtigen Entscheidungen. Mit dem kommenden Schuljahr soll der Ausbau der Schule weiter gefördert werden. Die Knabenbürgerschule soll bis zu der dritten Klasse, die Mädchen- Volksschule bis zu der vierten ausgebaut werden. Dieser Schritt bedeutet neue materielle Lasten. Die Talmud-Thora Volks- und Bürgerschule arbeitet schon heute mit einem Monatsbudget von 25 Mil- Honen Kronen. Ferner bildet die Gewinnung von neuen Lehrkräften eine grosse Schwierigkeit, da sowohl der Vorstand des Schulwerkes, wie die thoratreue jüdische Oeffentlichkeit Wert darauf legt, solche Lehrkräfte zu gewinnen, die nicht nur auf pädagogischem Gebiete auf der Höhe sind, sondern der Schuljugend auch in religiöser Hinsicht als Beispiel dienen können. Die jüngste Vorstandssitzung beschäftigte sich mit diesem schwerwiegendem Problem, auch das Damenkomitee, das besonders die Förderung der jüdischen Mädchenerziehung sich zum Ziele gesetzt hat, hatte Gelegenheit, diese Frage eingehend zu erörtern. Beide Körperschaften sind entschlossen, trotz der bedeutenden Opfer auf dem eingeschlagenen Weg weiterzuschreiten und den Ausbau weiter zu fördern. Es wird Sache des Vor- Standes und des Damenkomitees sein, die Wiener thoratreue Judenheit zu grösseren Opfern zu bewegen, um die materielle Grundlage für die Verwirklichung dieser grossangelegten Pläne zu schaffen. Eisenstadt. Am 29. d. M. wird hier eine Konferenz der Verbandsleitung der burgenländischen aut. orth. israel. Kultusgemeinden staatfinden. Hauptgegenständ der Beratung ist die Stellungnahme zu der Krise, die durch die Abbaupolitik der Regierung im jüdischen Schulwesen des Burgenlandes entstanden ist. Anschliessend an diese Beratung wird auch eine öffentliche Versammlung stattfinden, in welcher die jüdische Oeffentlichkeit über die Lage der jüdischen Gemeinden des Burgenlandes informiert wird. Baden bei Wien. Am Tage nach Pessach verschied hier plötzlich Herr Mayer Stern. Herr Stern hat lange Jahre in Abbazia gelebt und hat sowohl als Talmid-Hochom wie auch als Joreschomaim einen ausgezeicneten Ruf genossen. Pessach in der ,,Einheit“. Wer ein Herz für seine armen Glaubensbrüder hat, musste vor den Pessachtagen sorgenden Sinnes fragen: ״Wie werden heuer die Armen Pessach halten können, da die Teuerung so gross Ist?“ Der Sederabend war gekommen, und ich war neugierig, den Pessach jener jüdischen Männer und Frauen zu sehen, denen es nicht gegönnt ist, bei sich zu Hause den Seder zu feiern, und jener, die auf Mildtätigkeit angewiesen sind. Ich lenkte meine Schritte zur ״Einheit“ in die Malzgasse. Die Speisesäle, die Feiertagsgewand angelegt hatten, waren hell erleuchtet, die Tische festlich gedeckt und gut besetzt. In althergebrachter Art beginnt man, den Seder zu geben. So geht es in allem echt felertagsmässlg zu; so war auch das Essen ein pessachmassiges. Das konnte mit besonderer Befriedigung konstatiert werden. Wir freuten uns über das Gesehene und fragten ein Vorstandsmitglied der ״Einheit“, wie es zuwege gebracht wurde, in dieser schweren Zeit den Pessach herzustellen. Die Antwort lautete: ״Der Vorstand gab sich redliche Mühe und teilnahmsvolle Menschen unterstützten seine Bemühungen. Gesegnet seien alle, die in jüdischer Art beigetragen haben, diese erhebende Pessachfej!er zu bereiten. Ein Zeichen der Zeit. Ein Tempelverein in Wien versandte Einladungen zu einer Wohltätigkeitsakademie für den 21. April mit Musik und Tanz. Man scheint also . wirklich in Wien vergessen zu haben, dass das auch der 20. Omertag war und dass, abgesehen von dem religiösen Gebrauch, die geschichtliche Ehrfurcht vor den Gräbern der Märtyrer in Rücksicht auf die ernste Zeit es verbietet, zu einer derartigen Profanierung seine Hand zu leihen. Wenn eine' derartige Entartung eintritt, die nichts gelernt und alles vergessen hat, dann kann man sich füglich über die Not der Zeit nicht wundern. Weltkongress jüdischer Frauen. Der ״Council of Jewish Women“, Amerika, ladet die jüdischen Frauen Europas und Amerikas zu einem Weltkongress ein, der vom 6. bis 13. Mai in Wien stattfinden wird. Wie die Einberufer mitteilen, will der Kongress, der sich mit den Lebensfragen der jüdischen Frauen beschäftigen wird, den Jüdinnen Europas und Amerikas Gelegenheit geben, sich zu gemeinsamer Arbeit fester zusammenzuschliessen. Das Programm enthält Vorträge über Auswandererfürsorge (besonders für Frauen und Kinder), Kinder- und Frauenschütz, religiöse und' pädagogische Fragen. Der ״Council of Jewish Women“ bittet um rege Beschickung des Kongresses durch die jüdischen Organisationen, und hofft, dass auch viele interessante Einzelpersonen (jüdische Frauen, die von keiner Organisation delegiert werden) an dem En detail En gros Dauergewellte Perücken Othmar Schiff Wien, L, Kärntnerring 6 (gegenüber dem Hotel Bristol) Die grösste internationale Kunstwerkstätte für Perücken, Scheitel und Transformationen Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialist in Braut-Scheiteln. Diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht. Um vor Irreführung zu schützen, bitte den Vornamen und die Adresse genau zu beachtanl Weltkongress teilnehmen werden. Weitere Auskunft erteilt die Sekretärin des Council, Mrs. Elinor Sachs-Barr, c-0 Anglo Austrian Bank, Vienna. Perekvorträge für die Schuljugend.. Von Schabos, 12 Ijar (27 April) angefangen hält Rabb. S. Neuwirth jeden Schabos präzise 5 Uhr nachmittag-für die Schüler und Schülerinnen der ״Thalmud-Thora“, ״Jessod-Hathora“ im Schullokale der ״Thalmud-Thora״ einen Perekvortrag. Oberrabbiner der ״Ad&ss Jisroel*‘ im Aguda Waisenhause, Baden. Sonntag, den 6. Ijar kam Herr Oberrabbiner S. Fürst, Rabbiner der ״Adass Jisroel״ (Schiffschul) Wien, in Begleitung des Vorstandmittglieds Herrn Sdndor Adler, in das Aguda Waisenhaus, Baden, um das Ergebnis des im Winter-Semester durchgenommenen Pensums zu prüfen. Die Zöglinge des Waisenhauses lernten jede Woche die (סללף mit 1ךעף ausserdem 11 Blatt גמלא ביצה die reiferen Kinder lernten in der Jeschiwah des Rabbiner R. Schloime Friedmann ganz סלק כל הבשל: Der Oberrabbiner fand ein besonderes Vergnügen, sich mit den Kindern zwei Stunden lange zu unterhalten, und war erfreut über das gute Resultat des Unterrichtes. Kenessio Gedaulo-Marken. Das Kenessio Gedaulo-Bureau in Wien hat eine Serie geschmackvoll ausgeführter Propagandamarken für die Kenessio Gedaulo herausgegeben. Eine zweite Serie mit nur deutschem Druck erscheint demnächst. Orts- und Jugendgruppen sowie Privatpersonen erhalten über Wunsch solche Marken prompt zugesandt. Zuschriften; An das Zentralbureau der Agudas Jisroel mit dem Vermerk ״Kenessio Gedaulo״, Wien, II., Malzgasse 12a. A. Herzfeld Vor Schluss des Blattes erreicht uns die erschütternde Nachricht vom Ableben des Herrn Herzfeld, der in der Blüte der Jahre hinweggerafft wurde. Der jäh Verblichene war ein werktätiges Mitglied der Adas Jisroel und zahlreicher Vereine. Dieser Todesfall versetzte mehrere Familien der Wiener Orthodoxie in Trauer. unseres Blattes bevorzugt bei Einkäufen die Firmen, die hier annoncieren, und beruft sich bei Bestellungen in seinem und unserem Interesse auf die ,Jüdische Presse4!*•'*ך׳ SCHICHT-SEI FE Marke Hirsch reinigt und schont zugleich Ihre wertvolle Wäsche!

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