Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-04-27 · 17 (27.4.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
17 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630015--0929-2632638
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

V. b.b (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE PRcaat Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 5000, Tschecho-Slowakei K<5. 70, Deutschland Mk. 16.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.0L0.—. Einzelnummer d.־ö. K 1600. Zahlungen fär Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.40&; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsparkassenamt Agram, Konto Nr. 40.217; für Rumänien; Banca Marmarosch Blanc & Co. für Josef Florenz & Co., Bukarest. Nr. 17 Wien-Bratislava, 27. April 1923 .בע״ה וינה־פדעססבות י״א אייר תי־פ״ג 9. Jahrg. Die Gemeindeverhältnisse in London. Vielleicht wird mancher Leser erstaunt fragen, welche Berechtigung es hat, die Verhältnisse einer fremden Gemeinde so ausführlich zu behandeln, noch dazu an leitender Stelle. Allein wir setzen voraus, es wird jedem bald einleuchten, dass in diesen Verhältnissen viel Typisches liegt und dass eine eingehende Würdigung sehr bald in allgemeine Gedanken und Erwägungen münden muss. Einen Gemeindezwang kennt England nicht, kennt infolgedessen den Gedanken nicht, dass die Umlage zur Erhaltung der gemeindelichen Einrichtungen durch staatliche Beihilfe eingetrieben werden soll. Es ist die absolute Basis der Freiwilligkeit, auf der sich die jüdische Gemeinde in London aufbaut. Das Experiment war deshalb nicht so gross, weil in England auch in nichtjüdischen Kreisen der Zug zum Konservativen stark ausgeprägt ist und weil man es andererseits in glücklicher Trennung der Dinge verstanden hat, wirtschaftlich vorwärtsdrängende oder wissenschaftlich forschende Bewegungen in direkte Kampfstellung zur Religion zu bringen. Das bedeutet zwar zunächst nur eine Anstandspflicht, auch äusserlich irgend einen Zusammenhang mit der Religion zu bekunden, gibt aber doch immerhin den verantwortliche^^ Möglichkeit, Crzififcfir risch zu wirken. NoclT ein anderer Grundzug des englischen Wesens kommt der Gemeindebildung zugute und das ist sowohl das Bedürfnis nach Re- Präsentation als auch die Tatsache, dass geschickt inszenierte und betätigte Repräsentation Geltung verschafft. Endlich liegt ein Anreiz für den Zutritt zur Gemeinde in dem Willen, am Ende seiner Tage sein Grab auf einem jüdischen Friedhofe zu finden. Ein Monopol der Gemeinde für irgend eine Einrichtung besteht nicht. Man kann nun füglich sagen, dass alle diese Voraussetzungen dem Gemeindeleben förderlich waren. Der breite und grösste Bruchteil der Londoner Juden ist unter dem Namen der ״United synagogue“ vereinigt, an deren Spitze die Repräsentationspersönlichkeit des gesamten englischen Judentums, der Chiefrabbi, steht. Daneben bestehen noch als vollkommen selbständige Körperschaften, die Zusammenfassung der portugiesischen Synagogen mit einem Chacham an der Spitze, und endlich die Federation of synagogues, eine Zusammenfassung von Synagogen, welche der United synagogue sich nicht angliederten. Ausserdem noch eine kleine Anzahl von Synagogen, die gleichzeitig eine Burial society, das heisst eine Gemeinschaft zur Erhaltung eines Friedhofes bilden. Dies die äussere Form der organisatorischen Gliederung, von der man sagen muss, dass sie gut funktioniert und auch eine Reihe von Einrichtungen geschaffen hat, die nicht in den allerengsten Rahmen ,der statutarischen Notwendig* keiten gehören. Zumeist unterhalten die einzelnen Synagogen eine Religionsschule und im grossen und ganzen ist die Schechita eine Einrichtung der United synagogue. Jedoch ergibt sich für den objektiven Beobachter, dass diese ganze Organisation, die immer mehr und mehr sich einer bischöflich organisierten Kirche anzuähneln versucht, der inneren Entwirklich nicht besonders förderlich war. Es liegt durchaus nickt an •der!gerr?n des Chief Rabbi ’ das möchten' wir' sagen,' um '1 rrtüme'rn r vorlubeugen — wenn unter dem schützenden Gehege der United synagogue sich alle möglichen Reformen breitmachen. So hat z. B. jetzt eine Zusammenfassung liberaler Synagogen beschlossen, Männer und Frauen in einem Raum zu vereinigen. So kommen auch sorgfältige Beobachter zu dem Resultat, dass die englische Gemeinde eigentlich eine repräsentative Körperschaft ist. .Zwar ist das religiöse Moment das Gemeinsame, allein nur in grossen Zügen, eine Bindung,• durch das Traditionelle geworden, ist nicht vorhanden. Vielleicht liegt die Erklärung dieser religiösen Flachheit, wenn das Wort gestattet ist, darin, dass die ganze United synagogue, mit wenigen Ausnahmen, keine eigentlichen Rabbiner hat, sondern etwa Prediger mit dem Namen Reverend, die jedenfalls in bezug auf die Fähigkeit zur religiösen Entscheidung eine abgeschlossene Bildung nicht besitzen. Es ist indessen eine sehr beachtenswerte Strömung vorhanden, welche auch für die Reverends eine zureichende rabbinische Vorbildung verlangt. Es wäre aber verkehrt, zu sagen, dass etwa nun die jüdische Gemeinde in England eine Volks* gemeinde wäre, denn so seltsam dies klingt, bei aller Begeisterung der offiziellen Kreise für den Zionismus, die ja für englische Juden selbstverstündlich, ist man sehr weit davon entfernt, die Konsequenzen des nationalen Bekenntnisses für sich in Anspruch zu nehmen oder gar zu ziehen. Es ist selbstverständlich, dass sich diese Inkonsequenz des Gedankens später oder früher einmal rächen wird Wenn auch die jetzige, durch die Vordringlichikeit der Alltagssorgen bedingte Müdigkeit hier, wie in so vielen Fragen, von entscheidender Stellungnahme abhält, so drängt doch alles auf Klärung dieser Dinge. Dabei kann man ruhig zugestehen, dass in London sowie in der ganzen englisehen Judenheit Faktoren vorhanden sind, die bedeutende Werte in sich bergen. Darin aber ist das Schicksal aller Gemeinden vorgezeichnet. Wenn auch die in den jüngsten 50 Jahren entstandenen, weltumfassenden Organisationen manchesmal die Bedeutung der örtlichen Gemeinden dem äusseren Anschein nach haben etwas in den Hintergrund treten lassen, so ist deren innere Bedeutung dadurch nicht gemindert. Die örtliche Gemeinde wird nach wie vor die Stätte bleiben müssen, in welcher und auf welcher sich das jüdische Wollen konzentriert Würde die Gemeinde schwach werden oder in das Wanken geraten, so wäre auch die Gemeinschaft verloren, schon deshalb, weil nur die Gemeinde die Trägerin des Erziehungs¬ Rabbi Juda Aszöd s. z. 1. (5556 — 5626.) (Fortsetzung.) Da hiess es ausdrücklich, dass Rabbi Moses Sofer gelegentlich der Rückkehr Rabbi Juda Aszöds von Nikolsburg nach Szerdahely dessen Besuch empfangen habe und während einer schier volle 24 Stunden ununterbrochen Tag und Nacht gepflogenen Diskussion, die sich auf die meisten Abhandhingen im Talmud und Schulchan-Aruch erstreckte, Anlass gehabt, ״über das ausserordentliche Wissen des jungen Rabbi Juda Aszöd in ungemeines Staunen zu verfallen“. Fünf Jahre verblieb Rabbi Aszöd in dieser Stellung, in der er mit Zustimmung des Oberrabbiners in der Lage war, selbst eine grössere Jeschibah zu leiten, als er von der Gemeinde R e t h e (im Pressburger Komitat) die Berufung auf ihren erledigten Rabbinatsitz erhielt. Er hatte Bedenken, diesem Rufe Folge zu leisten, denn er befürchtete, dass die an Zahl der Mitglieder nicht reiche Gemeinde keine Jeschibah werde erhalten können. Erst als er die Zusicherung hatte, dass die Gemeinde die Erhaltung von zehn Bachurim verbürge, nahm er die Berufung an. Aber er hatte die grosse Seelenfreude, dass die fromme Gemeinde mit jener Opferwilligkeit, die einen unverwelklichen Ruhmestitel der alten Kehilaus bildet, die Mittel zur Erhaltung von zwanzig Bachurim aufbrachte. Als Rabbi Juda Aszdd die Reise zu seinem Amtsantritte in R6the antrat, nahm er in Pressburg Aufenthalt, um Rabbi Moses Sofer zu begrüssen. Es war selbstverständlich, dass die beiden Rabbiner im Beth-Hamidrasch, wo sich auf die Nachricht von der Ankunft Rabbi Juda Aszöds viele der namhaftesten Talmudisten Pressburgs eingefunden hatten, bald in eine eifrige talmudistische Unterhaltung vertieft waren. Hier spielte sich eine Szene ab, die dem greisen, in ganz Israel als Autorität gefeierten Oberrabbiner Gelegenheit bot, dem jungen Rabbi angesichts *der versammelten Talmudgelehrten ein Zeichen seiner besonderen Hochschätzung zu geben. In der gelehrten Diskussion, die sich entspann, erwiderte einer der Talmudisten auf eine Antwort Rabbi Juda Aszöds: ״Der Reiher Raw möge entschuldigen, der Sinn Semrachi ist ein anderer.“ Da rief Rabbi Moses Sofer entrüstet: ״Sie dürfen Rabbi Juda Aszöd getrost ,Rebbe‘ nennen!“ Es kam auch eine Zeit, in der Rabbi Juda Aszöd von den Grossen nicht nur als ihresgleichen betrachtet wurde, sondern in der sie in ihm den Führer erblickten. So z. B. als im Jahre 1864 die ungarischen orthodoxen Rabbiner in einer wichtigen, ihre Lebens- Prinzipien berührenden Frage es für nötig erachteten, mit ihrem Ansuchen direkt an den Monarchen heranzutreten. Da riefen, als die Frage, wer die Petition überreichen solle, alle einstimmig, mit einer witzigen Anspielung: ״Jehuda jaaleh“, diese Aufgabe soll Rabbi Juda Aszöd übernehmen! Er war auch der Führer der Deputation, die in dieser Angelegenheit beim Monarchen erschien und die aus folgenden Rabbinern bestand: R. S. W. Schreiber (Pressburg), R. Jirmijah Löw (S. A. Ujhely), R. Menachem Eisen stadt (Ungvär), R. Jesaja Beneth (Nagy-Kallö), R. Meir Perls (Nagy Karoly), R. Dr. Israel Hildesheimer (Eisenstadt) und R. David Deutsch (Balassa- Gyarmat). Der Monarch empfing die Deputation mit grosser Auszeichnung und sagte: ״Es freut mich, solche ehrwürdige, grosse Rabbiner zu empfangen. Dieser Tag soll in der Chronik meines Hauses verzeichnet werden.“ Mit sichtlicher Ergriffenheit hörte der Monarch den traditionellen Segensspruch an, den die Rabbiner über ihn sprachen und der ihnen nicht nur vom Religionsgesetz, sondern auch von dankerfülltem Herzen diktiert wurde. Galt er doch dem Fürsten, der den Juden nicht Freiheiten, sondern die Freiheit gewährt hatte, der, mit Geisteskraft und Herzensadel ausgerüstet, die Vorurteile gegen die Juden mit Abscheu verurteilte und nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat bekundete, dass er in seinen Staaten keine Verfolgung der Juden dulde. Leiden und Schicksalsschläge, die das gemeinsame Los aller Menschen, mögen sie im Palaste oder in der Hütte geboren sein, sind auch Franz Josef I. nicht erspart geblieben. Aber der Segen, den die frommen Rabbiner auf sein gütiges Haupt erflehten, die Lobpreisung Gottes, der ein Stück von seiner Macht und Herrlichkeit auch Sterblichen verliehen, ist nicht unerfüllt geblieben, denn Kaiser Franz Josef I., dem die Israeliten dieser Monarchie die wahre und volle Anerkennung ihrer Bürger- und Menschenrechte dankten, der ihre patriotischen Verdienste rückhaltlos anerkannte, der den sittlichen Mut aufbrachte, in einer Zeit, in der in einem grossen Nachbarstaate den jüdi- Felzwarenhaus En gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel.67302־ Detailverkaufs-■ Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. PelzaafbewahruBg gegen Versicherung Uber die 80mmern0a«te. Ir-'r-t- ■. '<;':v

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.