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Jüdische Presse · 1923-04-20 · 16 (20.4.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
16 (20.4.1923)
Date
1923-04-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 98 JÜDISCHE PRESSE Nr. 16 Dctit*cD9$terreicb. Pessach in Wien. Mit Bangen sah man dem heurigen Pessach in Wien entgegen. Die ungeheure Teuerung, die schwere Notlage und nicht in letzter Reihe die Stagnation im Geschäft, die auf die Gebefreudigkeit lähmend wirkt, Hessen das Schlimmste befürchten. Dank der aufreibenden Tätigkeit jener Herren und Damen, die seit Jahren die Pessach-Versorgung in die Hand nehmen, wurden schlecht und recht alle Bedürfnisse möglichst befriedigt. Die Gemeinde war durch eine grosse ausländische Spende in den Stand gesetzt, ihre Armen zu versorgen. Für den Schiffschul- und Agudah- Konzern — dessen Minder- und Mindestbemittelte von der grossen Auslandsspende nichts erhielten — wurden grosse Anstrengungen gemacht., um möglichst weitgehende Hilfe zu bieten. Die Adas Jisroel gab grosse Quantitäten Mazzes gratis oder mit grossem Nachlass ab, ebenso in bescheidenem Masse Agudas Jisroel- Kranken. Hausverein gab Pessachkost, Tomech Ewjonim, Frauenhilfe der Adas-Jisroel verteilten Lebensnüttel und Geld in bedeutenden Beträgen, „Einheit" sorgte für gute, billige Verköstigung, und die Privatwohltätigkeit wurde aufs Aeusserste angespannt. So ist es mit Gottes Hilfe gelungen, diesen schweren Zeitabschnitt zu überstehen. In den Synagogen wurden bedeutende Summen gespendet und so hat sich die altjüdische Opferwilligkcit, die im Wohltun und in der Förderung der Lehrstätten und Kultusanstalten ihre angenehmste religiöse Pflicht erkennt, wieder glänzend bewährt. Die rituellen Anstalten der Orthodoxie, die die Thauroschulen, die sich nach und nach über ganz Wien ausbreiten, die Wohlfahrtsinstitutionell, bedürfen immer der unermüdlichen Teilnahme aller jener, die noch Sinn für jüdisches Wesen haben. Der religiöse Geist wird nach und nach auch in solche Institute hineingetragen, die bis nun areligiös geführt wurden. Die Erstarkung dos echtjüdischen Geistes ist zugleich der Grundpfeiler, der die Existenz des jüdischen Volkes trägt, und ihn mit allen moralischen und materiellen Kräften fördern, heisst für die Erhaltung des Judentums bemüht sein. Nun die gewaltige Pessachsorgc von uns gewichen ist, wird Raum sein, grosse Anstrengungen zu machen für unser Kleinod Erez Jisroel. Der alte Jischuw, mit seinen Witwen und Waisen und Kranken und Talmide Chachonim leidet schwer und müssten die Gaben der Entwertung entsprechend vervielfältigt werden. Der neue Jischuw, den die Orthodoxie intensiv, aber mit der nötign Vorsicht betreiben will, erfordert riesige Mittel, die aufzubringen jedes Juden Pflicht ist. Das russische Hilfswerk, das bis nun tau sende jüdische Seelen vor dem Verhungern bewahrt hat, bedarf noch immer grosser Mittel. Es ergeht an die ganze Judenheit die dringende Bitte, bei j e der Mahlzeit, bei jedem Genüsse, bei freudigen und traurigen Anlässen zu gedenken, dass es viele tausende Juden, unzählige jüdische Kinder gibt, die tagelang ohne Nahrung sind und dem Untergang geweiht sind. Helfet! Rettet! Und Gottes reicher Segen wird Euch lohnen. Agudas Jisroel für russisches Hilfswerk, II., Malzgasse 12a, Postsparkassenkonto Nr. 124.904, Konto Wiener Bankverein, Filiale Hollandstrasse. Talmud-Thora-Verein im V. Bezirk. Sonntag den 29. Nissan, 15. April, fand in dem orthodoxen Bethause Wiedner Hauptstrasse 83 die Generalversammlung des Talmud-Thora-Vereines für den V. Bezirk statt. Anlässlich der Generalversammlung wurde die Prüfung der Talmud-Thora-Zöglinge vorgenommen. Von auswärtigen Gästen war Rabb. Dr. Mehrer als Rabbiner des Bezirkes, Herr Rabb. Fleischmann in Vertretung der Jessode Hathora und Herr Rabb. Doktor Pollak in Vertretung des Erziehungsrates für das thoratreue Schulwesen in Wien, anwesend. Die Gäste wurden von Herrn Kassier Schwarz begrüsst. Die Prüfung dauerte zwei Stunden und hat gutes Ergebnis gezeitigt. In Anbetracht der ungeheuren Schwierigkeit, der man in den westlichen Bezirken ausgesetzt ist, wenn man jüdische Kinder für die Thora erziehen will, ist das erzielte Resultat im V. Bezirk beachtenswert. Die anwesenden Herren Rabbiner haben in ihren Schlussansprachen besonders auf dieses Moment aufmerksam gemacht und die eifrig arbeitenden Vorstandsmitglieder zum weiteren Ausharren ange- NÄCHRICHTEN. spornt. Es ist zu hoffen, dass der neue Vorstand, unterstützt vom Erziehungsrat, seine segensreiche Arbeit mit erhöhtem Erfolg krönen wird. Eine neue Talmud-Thora im Prater. Dank den Bemühungen des Strosnitzer Rabbi gelang es, im Prater eine neue Talmud-Thora zu gründen, die bereits 60 Schüler zählt. In Anbetracht dessen, dass das Komitee, welches die weiteren Arbeiten für die Talmud- Thora übernommen hat, aus sehr eifrigen und der Idee einer echt jüdischen Erziehung ergebenen Herren besteht, ist zu erwarten, dass die Schülerzahl sich bald verdoppeln wird. Die neue Talmud-Thora wird dann für die thoratreue Bevölkerung im Prater ein wahrer Segen werden. Vortrag Dr. Schlesinger. Samstag den 28. Nissan hielt Herr Dr. Schlesinger, der anlässlich des Internisten-Kongresses in Wien war, einen tief durchdachten und mit überaus grossen Beifall aufgenommenen Vortrag im grossen Saale der Jugendgruppe der Agudas Jisroel. Redner sprach mit tiefer Begeisterung über die innere Vorbereitung zu Kenessio Gedaulo. Diese innere Vorbereitung ist die notwendige Voraussetzung zu Kenessio Gedaulo, soll die Kenessio Gedaulo wirklich die grosse Versamiimg werden, die imstande ist, die thoratreue Judenheit zusammenzufassen und zur Verwirklichung ihrer Aufgaben näher bringen. Federation oi czecho-slovakian Jews in America. Die Föderation der tschecho-slowakischen Juden in Amerika teilt mit, dass diese Federation in Anbetracht dessen, dass die österreichischen Juden hier noch keine Federation besitzen, provisorisch auch die Vertretung der Interessen der österreichischen Juden übernommen hat. Zuschriften sind zu richten: Federation der tschecho-slowakischen Juden. New York 222 E. 14 str. Ungarn. N. GrüiiTViild.^«yj Ableben eines Grossen in Israel. Am rj«^ verschied in Csorna >ut "frNIWU DTD D'lö Von weit und breit strömten die Iraueryäste herbei, um ihrem Führer, der hervorragendsten Gestalt der frommen Jehudim in Transdanubien die letzte Ehre zu geben. Ehrungen wurden ihm hiebei erwiesen, wie einem Heiligen. Und mit Recht. Er war eine Erscheinung von vorzeitlicher Grösse. Als Kaufmann q^ij mW> D"WD war er eine talmudische Kapazität. Ein ZaUik, dem man unter den Leoenden keinen an die Seite stellen konnte. In Zdokoh und Grmlas Chasudim grosszügiß. an "tfON OiTQN gemahnend. Eine r"euer.seele wie flfcOp DfDD w ie eln kugel mit dem flammenden Schwert trat er hervor überall, wo Jüdischkeit Angriffen, Anfeindungen ausgesetzt war. Wo alle betreten schwiegen, war dieser prjjj der unerschrockene Wortführer der Vätersitte, des unverfälschten überlieferten Judentums. Die Glut seiner Begeisterung verlieh ihm, dem schlichten Kaufmann, Worte und Töne, die überwältigend auf die Gegner, hinreissend auf Gesinnungsgenossen wirkten. An der Bahre sprach in herzerschütternden Worten im Namen der Familie der als TDJTI -MÖD, n'Tl bekannte fWD TAD Im Namen der Csornaer HTTp schilderte tneraul in meisterhafter Rede DIptPttD rOpy 'TO das segensreiche Wirken des Verblichenen. Wie er aus geringen Anfängen heraus die kleine Schar der CTN"Vt von Erfolg zu Erfolg führte, überall aneifernd, anfeuernd, unermüdlich tätig im Ausbau der Institutionen, für den Thoraunterricht bis zur Selbstverleugnung Opfer bringend, bis er Csorna zu jener Höhe gebracht die es heute erreicht hat als Zinne und Warte der Strenggläubigkeit, als Stätte des intensiven Thoralernens der heranwachsenden Jugend und der reifen Männer. Tief ergriffen war die viel tansendköpfige Trauerversammlung, als der Redner schluchzend um den bewährten Führer und välerl chen Freund Klage anstimmte. Nach dem -jdDD des NnNEH YDN ptODi der> selbst tiefgerührt, die Verdienste des Heimgegangenen würdigte, den wunderbaren Einfluss insbesondere, den der Feuereifer, von dem er d rchglüht war, auf seme Umgebung ausübte hielten noch nnDDPl die D^M D^HJJS p"pl T3K Brudersohn des pvjjj, feiner p"pl TDK und andere Persönlichkeiten Während der Leichenteier waren als Zeichen der Venhrung alle Geschäfte in der Stadt gesperrt. Selnst die Expositur der „Hangya" brachte diesen Tribut der Hochachtung dem auch in nichtjüdischen Kreisen wegen seiner vorbildlichen fchrenhaftigkeit in hohem Ansehen gestandenen grossen rflpp xwnwn na iro"" bmw rra fen Jugoslawien. Gemeindewahl. Bei der sefardischen (chasstdischen) Kultusgemeinde in Senta wurden am Cholhamoed-Pesach die Neuwahlen vorgenommen. Zum Präses wurde neuerdings Sandor Pollak, Vizepräses Nathan Krojnik, Kassier Samuel Ehrenfeld, Tempelvorstehern Ign. N. Klein, Leopold Fischer, Rüben Ungar, Elias Schick gewählt. In den Ausschuss sind folgende Herren gewählt: Salamon Braun, Pinchas Fleischmann, fiersch Stark, Tuda Ganz, Salamon Pollak, Ignatz Pollak, Salamon Rosenberg, Josef Fischer, Moses Leichter Zadok Hoffmann. Schweiz. Basel. Dem (zionistischen) „Israel. Wochenblatt für die Schweiz" entnehmen wir folgenden Bericht über die Palästinareise des Herrn Sally Guggenheim. Der vor kurzem erst aus Palästina zurückgekehrte Sally Gugenheim erstattete in einer von der Agudas Jisroel Ortsgruppe einberufenen Versammlung ein kurzes Referat über einige seiner Eindrücke in Erez Jisroel. Referate dieser Art wurden in dieser Zeit, wo das Problem Erez Jisroel in dem Vordergrunde jüdischen Interesses steht, von Rednern aller Schattierungen und Parteirichtungen behandelt. Ihnen allen lag ein gewisses Erlebnis zugrunde, dessen Grösse von der Grösse der die Eindrücke empfangenden Persönlichkeiten mit ihrer seelischen Einstellung zum heiligen Lande abhängig war. Der Vortrag des Herrn Guggenheim stellte ein gewaltiges Erleben einer tief im Glauben verwurzelten, von einer von Begeisterung und innigsten Liebe zum Judentum und zum heiligen Lande getragenen Persönlichkeit dar. In einer sehr vornehmen, von äusserster Sachlichkeit und ruhebeherrschten, dabei schlichten Sprache, wie sie allein der Wahrheit geziemt, entrollte der Redner in eineinhalbstündigem Vortrag ein farbenreiches Panorama des heiligen Landes. Er führte uns mit sicherer Hand von den schmalen, schmutzigen Gässchen, in denen Kanlol und Mensch friedlich nebeneinandergehen, bis zu den Stätten, die der Mensch in geweihten Momenten und innerster Ergriffenheit betritt, der Köthel Marowi, dem Wahrzeichen einziger und künftiger Grösse des jüdischen Volkes, führte uns von den Kinderschulen bis hinauf zu den grossen Jeschiwoth, und brachte uns in die geistige Nähe der führenden Persönlichkeiten, den weltlichen und verweltlichten und religiösen, von: welch letzteren er eine herrliche Charakteristik gab. Er nahm die Gelegenheit wahr, die im Auslande verbreiteten falschen Nachrichten über diverse Verhältnisse in Palästina auf das nötige Mass der Wirklichkeit zurückzuführen, beleuchtete scharf die herrschenden Gegensätze,' zeigte deutlich die mögliche gemeinsame Plattform, aber ebenso eindeutig die unüberbrückbare Kluft, die zwischen den einzelnen Part2ien herrscht, und trug so stark zur Klärung der Lage bei. Dass dabei manche unverantwortliche Fehler gebrandmarkt wurden, manches harte Wort fallen musste und manche Streiflichter grelle Flecken des sonst so herrlichen Gemäldes aufdeckten, verzieh auch der Gegner gern, zumal der Referent in der Lage war, treffende Bemerkungen und Aussprüche führender Persönlichkeiten zu zitieren. Dabei machte der Redner die für Viele sensationelle Mitteilung, dass Herr Oberrabbiner Kuck ihm zu der Erklärung ermächtigt habe, dass er voll und gan z auf dem Boden der Agudas Jisroel stehe. (Wir kommen auf diesen Vortrag noch zurück. Die Red.) Zürich. t)as Aguda-Bureau Zürich, teilt uns mit: Wir durften das Pesach-Fest zu Ende führen, mit dem schönen Bewusstsein, einer grossen Zahl unserer armen Brüder im Osten Mazzot verschafft zu haben. Nach Kowno, nach Kischenew, nach Leuw, nach Wien, Slobotka usw. konnten wir grössere Beträge senden, dank der opferwilligen Aufnahme, die unser Aufruf im ganzen Lande fand. Aus allen Kantonen, aus allen Familien flogen die Checks herbei, Gemeinden schlössen sich zusammen, um grössere Beträge aufzubringen und bis in die letzten Tage erhielten wir Zuwendungen, die uns zeigten, dass noch in jedem Juden die gebefreudige Güte wohnt, die sich an keinem Feste freuen kann, wenn irgendwo ein Bruder unter dem Joch des Hungers und der Not seuft. Noch rechtzeitig vor dem Feste gingen die Spenden ab und was fehlte, wurde von uns vorläufig ergänzt, so dass auch die Gaben der letzten Tage noch ihren Zweck erfüllten. Wir danken allen edlen Spendern im Namen der Unglücklichen, denen sicher die Mazot, das „Brot des Elends", zu einer Quelle der Freude wurden. Vortrag Dr. Rothschild in Zürich. Am dritten Tage vom Pessach hielt Herr Dr. R. Rothschild in der Agudas jisroel. Ortsgruppe Zürich, emen vielbemerkten Vortrag über d e Kenessio Gdaulo. Herr Rosenzweig eröffnete die Versammlung, alsdann sprach der Redner des „Abends" in einem ausführlichen Referate über die Aufsahen der Agudas Jisr el mit Berücksichtigung der bevorstehenden KenessioGdaulo Auf spez e'Jen Wunsch schilderte er zum Schlüsse ciie Verhältnisse der Frankfurter Jugendgruppe, wodurch gerade die Züricher Jugendgruppe vM Anregung für sich erhalten sollte. Zur Diskussion sprachen Herr Rosenzweig sen, Herr Weinstein, Herr Josef Rothschild, Herr Chajes, Herr M. Löwenstein, Herr D. Rosenzweig und Herr F. Goldschmidt. *i*i^^V*i*i*'i^i^N^^V'irtrvv'^^ * £9 P| * Y^fc WJP aus dauergewelltem Naturniirtfll f* (Iftlliri* 1b Bezirk, Kärntnerstrasse ff< £)RU(/K£NRüUULFSCHjFFein„ns"ÄL"Ä=v.!y*",,a"

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