Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 15 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 88 JÜDISCHE PRESSE Nr. 15 schäftigung mit der Thauroh, mit der Erfüllung ihrer Gebote, unter denen die Pflichten gegen den Nächsten, gegen die Gesamtheit obenan stehen, zeugte Generationen von g-ttgläubigen, edlen Menschen, die sittlich und moralisch hoch stehen. Mit dem Falle der Ghettomauern (die politischen Ghettomauern stehen noch in vielen Ländern unerschüttert), mit der, wenn auch vielseitig nur papierenen Emanzipation verließ ein Teil der Judenschaft den Boden der Thauroh und opferte seine moralischen Güter, der Jagd nach Geld und Gut, nach Genuß und Wohlleben. Die Erfindung eines areligiösen Judentums, einer rein nationalen Judenschaft, wird uns auf das Niveau aller heidnischen Völker des Altertums bringen, die trotz ihrer politischen, kulturellen und militärischen Größe spurlos verschwunden sind. Das kleine, über den Erdball zerstreute jüdische Volk erhält sich seit zwei Jahrtausenden ohne Land, ohne König, weil: Der ewige G-tt unser König ist. Um den fortschreitenden Verfäll der Religiösität, dem dadurch drohenden Untergang zu steuern, wurde vor einem Jahrzehnt Agudas Jisroel gegründet. Für ethische Schöpfungen bedeutete der Weltkrieg Stillstand und die ganze Tätigkeit der Aguda umfaßt mir wenige Jahre. Trotzdem ist der zurückgelegte Weg bedeutend. Der Gedanke, daß eine Vereinigung der orthodoxen Kräfte dringende Notwendigkeit und durchführbar ist, faßt immer mehr an Boden, schon heute ist die Aguda ein Machtfaktor, dem Rechnung getragen wird. Die positiven Leistungen der Aguda auff allen jüdischen Gebieten sind achtunggebietend. Die Kenessio Gedaulo wird bahnbrechend wirken. 1 Darum, auf zur Arbeit für dieselbe! Jereim, schart euch um das Banner der Aguda, tretet in Massen bei, fördert die Organisation, die Institutionen der Aguda, deren Presse, deren Palästinawerk. Bringet diesem hehren Gedanken Opfer an Arbeit, an Geld und verbreitet den Gedanken der Aguda, damit wir die Jüdischkeit in all ihren Verzweigungen, Thauroh Awaudoh und Gemilus Ghessed stärken, die Schwankenden festigen, die Fernstehenden heranziehen zur Ehre G-ttes, seiner Thauroh, seines Volkes und seines Landes, ßj iZnm Hochschnl^tisemitisfi * .... —Sri Die Hetze der Rassenreinigurigshelden hat ihr erstes Opfer gefordert. Ein blühender junger Mensch, ein Kind fast noch, 18jährig, hat es vorgezogen seinem Leben, seinem geplagten, gehetzten, gedrückten jüdischen Leben ein Ende zu machen und freiwillig den Hepp-Hepp-Brüllern aus dem Wege zu gehen. 18 Jahre! Das Alter der Hoffnungen, der Pläne und großen Lebensprojekte, das glückliche Alter in dem der Himmel noch voller Geigen hängt, man alles im rosigsten Lichte sieht . .. Uns Juden ist es nicht beschieden eine Jugend zu haben. Früh werden wir reif. Ueberreif. Schon unserem Kinde werden die Flügel gestutzt, mit einem höhni- - sehen „Jud" wird es in seine Schranken zurückgewiesen, wenn es sich etwa angemaßt hat am fröhlichen Spiele der „anderen" teilnehmen zu wollen. „Jud, Jud" gellt es uns in die Ohren seit unserer frühesten Kindheit. Was wollt ihr an Schulen, was an Universitäten, ihr Juden? Zurück in euer Ghetto, 'bleibt in euren schmutzigen Gassen, geht mit dem Händlerpacken' von Haus zu Haus, denn dann stört ihr uns nicht, dann können wir über euch spotten, lachen, ihr Lumpenpack. Jud, Jud!... Er war eine empfindliche Natur, der junge Mann, der sich aus Angst vor dem numerus clausus, vor zerstörten Jugendidealen aus dem dritten Stock- Rabbi Izchok Nannes. Von Ahron Jeruchem. In Konstantinopel lebte ein großer Rabbi, namens Izcbok Nannes. Er war dos Sultans Günstling und kein Tag durfte vergehen, ohne daß er bei demselben erschien. Zur großen Verwunderung des Sultans blieb Rabbi Izchok eines Tages aus. Als der Abend hereinbrach, machte sich der Sultan selbst auf den Weg zum Rabbi, um die Ursache dessen Fernbleibens zu. erfahren. Er traf seinem Freund in feierlichem Gewand an der festlich geschmückten Tafel, es war nämlich Sederabend. Als Rabbi Izchok seinen Gönner erblickte, erhob er sich rasch und dem Sultan einen Sitz anweisend, entschuldigte er sein Versäumnis, in dem er auf das Pessachfest hinwies, das ihn an seinem täglichen Besuche gehindert hatte. Er bat den Sultan, ihm die Ehre zu erweisen, ein Stückchen ungesäuerten Brotes zu genießen, was der Herrscher auch tat. Der Monarch fand an der Mazzo einen noch nie gespürten, feinen Geschmack und bat seinen Schützling, ihm einige der Brote mitzugeben. Er äußerte die Absicht seinen Höflingen ein Fest zu geben, bei denen er die Mazzoth als Ueberraschung verabreichen wollte. . Nach einigen Tagen wurde die Festlichkeit abgehalten. Neugierig versammelten sich die Herren vom Hofe, denn der Sultan hatte angekündigt, daß anläßlich des Festes ihnen eine bisher unbekannte Speise von wunderbarem Geschmack gereicht werden würde. Sie waren daher nicht wenig erstaunt, als der angesagte Leckerbissen sich in Form der vertrockneten und zusammengeschrumpften Mazzoth präsentierte. Noch immer glaubten sie jedoch eine Speise von außergewöhnlich feinem Geschmack vor sich zu haben. Nachdem sie aber gekostet und von der Fadheit der ungesäuerten Brote sich überzeugt hatten (da sich die Mazzoth nicht mehr im Besitze des Zaddiks befanden), saßen sie verblüfft da. Der Monarch, der begeisterte Gesichter erwartet hatte, wandte sich an die neben ihm sitzenden Priester und fragte sie, wie ihnen das Pessaoh-Brot seines Freundes Naunes schmecke. Doch die ergriffen die Gelegenheit, den ihnen verhaßten Juden zu verleumden. Sie werke stürzte,; zu empfindlich für einen schäbigen Juden. Lächerlich! Warum steckte' er die furchtbare Ohrfeige nicht ein, mit welchem Rechte wollte auch er, der Jud, am geistigen Leben teilnehmen?! Wundert ihr euch, ihr Judenhasser, daß die Juden zusammenhalten, daß sie zäh bleiben, daß sie unausrottbar sind? Ein Band hält sie zusammen, ihr heiliger Glauben, ihre Ueberlieferung und jedes Opfer, das. euer blindes Wüten erheischt, ist ein Knoten mehr in dieses Band, ist der Kitt der ewig und unverbrüchlich sie zusammenhalten wird. Sinnlos ist diese ganze blutige Hetze, sinnlos macht die Masse sie mit, doch dort, wo die Fäden des Ganzen zusammenlaufen, dort wo die Parolen zum Judenmord ausgegeben werden, weiß man was man will und kein Mittel ist ihnen zu schlecht, diese verlogene und raffinierte Hetze dem Volke einzuimpfen. Verlogen und falsch ihre Argumente, verlogen und feig ihre Kampfmittel, verlogen selbst ihre Symbole. Falsch die Argumente, denn es ist bewußte Täuschung, wenn von Rassenreinheit gesprochen wird, der Reinheit einer Rasse, die gar keine solche ist, denn es gibt, wissenschaftlich betrachtet, keine arische Rasse und hat nie eine gegeben. Ebensowenig wie es eine jüdische Rasse gibt. Feig sind die Kampfmittel dieser Siegfriednachkommen, deren Spezialität es ist in Haufen von fünfzig Bewaffneten über einen Wehrlosen herzufallen, von Galerien aus Stühle auf harmlose, schwache Frauen im Parkett zu werfen. Warum demonstriert ihr nie gegen Breitbart, ihr Verteidiger reiner germanischer Kraft, warum schont ihr diesen russischen Juden? Ja Bauer, das ist was anderes! Denn da . . . könnte man am Ende Prügel erwischen . . . alte wehrlose Jüdinnen zu überfallen, Krawalle in Hörsälen zu machen, das ist weitaus leichter und bequemer. Ja verlogen sind selbst die Symbole: numerus clausus schlechtes Latein, das Hakenkreuz ein ursprünglich harmloses Gerät, das in keinerlei Beziehung zum Judenhaß je gestanden ist. Nichts als Lüge, Verleumdung, Haß. Jüdische Studenten in Bukarest verprügelt, numerus clausus an polnischen Hochschulen, Verfolgungen in Lettland, Estland, Litauen^ man denkt sich Halbasien, es ist zu begreifen. Doch wie? Deutschland, die Hochburg der Intelligenz, Deutschösterreich, das alte Kulturland, ja England das, Land der Freiheit und Toleranz, alle, alle tanzen sie den wahnsinnigen Reigen! Wie, Deutschland, das Land, das seinen Juden, das einem Wassermann (Blütreaktionen), einfem Freud, einem Mendelssohn, einem Einstein, einem Gustav fylahler, tausend anderen das Höchste zu verdanken hat, was ein Landyvon seinem genialsten Staatsbürgern erwarten darf, Deutschland macht diese blutige Hetze mit?! „Eben darum" ist die Antwort des skeptischen, grinsenden Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts. „Ihr seid uns zu gescheit, ihr Juden, fort mit Euch!* Das ist die Losung, das ist das wahre Argument des Antisemitismus. Darum sucht man uns von den Hochschulen fernzuhalten, darum mit aller Gewalt vuns aus dem Geistesleben der Menschheit herauszudrängen. Entsetzt greift sich der Mensch, der noch nicht völlig den Glauben an ein Ethos in der Menschheit verloren hat, an den Kopf, wenn er eine Zeitung in die Hand nimmt, wenn er die obenerwähnten Schauerberichte liest und in Verzweiflung wandelt sich sein Entsetzen, wenn er sich die Gründe des bestialischen Treibens veranschaulicht, wenn er sich die Ursachen dieser furchtbaren Massenpsychose vergegenwärtigt und in die wahren Motive und Absichten der Rädelsführer eindringt. Täuschen wir uns nicht. Der Haß gegen unsere schleuderten die Mazzoth vom Tische und riefen: '„Majestät! Nannes, der Dir so vieles zu verdanken hat, hat Dich aufs Schmählichste hintergangen!" Der Sultan, der nicht wußte wohin die Priester hinaus wollten, starrte sie mit großen Augen an. Diese aber fuhren fort: „Weißt Du, warum Dir , dieses Judenbrot so gut schmeckte? 'Weil Du als Muselmann noch nie Schweinefett genossen hast, das in diesem jüdischen Brote enthalten ist und den außergewöhnlichen Geschmack verursacht." Blaß vor Wut und Beschämung hob der Herrscher die Tafel auf in dem er ausrief: „Wenn Eure Beschuldigungen wahr sind, dann wehe dem Nannes!" Am nächsten Tag ließ er den Verbrecher mi sich kommen und empfing ihn mit den Worten:?Du Heuchler und Scheinheiliger, der Dich erfrecht hast, mir Verbotenes zu reichen, obwohl Du wußtest, daß der Koran uns den Genuß von Schweinernem verbietet, hast Du etwa geglaubt mich hintergehen zu können?! Verteidige Dich oder Du bist ein Kind des Todes!" Keines Wortes mächtig und wie zu Stein erstarrt stand Bäbbi Izchok vor dem Sultan. Endlich faßte er sich und erbat drei Tage Frist zu seiner Verteidigung. Betäubt und verwirrt von der ungeheuerlichen Anklage langte er zu Hause an und unfähig, einen Gedanken zu fassen, legte er sich hin und schlief bald ein. Doch über Nacht kam ihm die Erleuchtung. Frei und selbstbewußt stand er am Morgen vor seinem Herrscher und fragte ihn: „Wie^kommt es, daß Eure strenggläubigen Priester, denen der Genuß des Schweinefettes ja auch verboten ist, dieses am Geschmack erkannt haben?" „Wie, Unverschämter", schrie der Monarch, „Du wagst es meine Priester zu verleumden?!" Rabbi Izchok lächelte: .Komm, sagte er, komm und sieh wer die Verleumder und Betrüger sind." Der Sultan folgte ihm durch eine lange Zimmerreihe und stand schließlich in einem Gemach, das nur die eine Türe besaß, durch die sie gekommen waren. An der gegenüberliegenden Wand stand ein mächtiger Kasten, der nach einer altüberlieferten Vorschrift der Priester nicht von der Stelle gerückt werden durfte, da sonst Unheil über das Volk einbrechen würde. Auf diesen geheimnisvollen Kasten deutend, bestand Rabbi Izchok darauf, man solle ihn beiseiteschieben, da «r nur auf diese Weise Intelligenz, denn das ist ja kn Grunde genommen diese ganze Bewegung, datiert nicht von gestern, ist nicht nur ein Ergebnis des Krieges, nicht nur ein Ventil für die aufgewühlten Leidenschaften des Pöbels. Tiefere Ursachen liegen zugrunde. Wie ein roter Faden zieht sich die Angst vor der jüdschen Konkurren z durch unsere Geschichte und diese Angst war die Triebfeder sämtlicher Judenverfolgungen vom grauen Altertume an. Diese Angst, mehr oder weniger verschleiert, war die Ursache der Ausweisung der Juden aus vielen Ländern, der Einsperrung in ein Ghetto, wo man die Geisteskräfte eindämmen zu können geglaubt hat, der Entziehung der Gewerbebewilligungen und vieler anderen Schläge gegen das Judentum. Und da man die Juden nicht ausrotten konnte, ihnen irgend einen Arbeitszweig zuweisen mußte, stieß man sie mit aller Gewalt in den G.eldhandel. Glaubte mit dem „HandeljudenK leicht fertig zu werden, glaubte, daß er die Verachtung, die sein Gewerbe mit sich brachte, nicht überleben, sich nie zu »Höherem aufraffen würde. Und die Juden? Dank ihrem fabelhaften Anpassungsvermögen lebten sie sich rasch in die ihnen aufgezwungene Merkantilität ein, stürzten sich darauf mit ihrer ganzen Energie und Intelligenz und vollbrachten abermals das Kunststück ihrer ungeheueren Vitalität. Erhoben den Handel zum mächtigsten Faktor des Sfaatslebens, machten eine Wissenschaft daraus, eine Kunst. Verblüfft sahen die Judenfeinde auf ihr Werk, ein Licht ging ihnen auf, sie sahen welch ungeheure Waffe sie selbst in die Hand des Juden gedrückt hatten und suchten sie ihm zu entwinden. Der Jude wurde als Blutsauger, als Schieber und Wucherer verschrien. Was nicht hinderte, ihn, dem doch sein Geld alles sein sollte,^ gleichzeitig als Revolutionär, Aufwiegler und Umstürzler zu Brandmarken. Mit der gleichen Begründung sucht man sie nun von den Wissensstätten zu verjagen. Unsinnig, brutal und eben deshalb als demagogische Schlagworte unfehlbar sind die Argumente der Judenfeinde. Und der Antisemitismus der Hochschulen ist nichts als ein neuer Ausbruch dieses latenten Hasses, ein Ausbruch der Jahrhunderte alten Angst, die sie immer geplagt hat. Nur daß sie diesmal „aufrichtiger" ist, diese Hetze, daß die Drahtzieher der ganzen Bewegung (denn die Teutschen Studentenbuben, die nach unzähligen Bierkrügeln ihr „Haut die Juden!8 brüllen, die würden mit ebensolchem Genuß „Alles neu macht der Mai" singen, und die sind höchstens zu bedauern) ihre Ziele mehr durchscheinen lassen, offen die Angst vor jüdischer Intelligenz äußern. Das Husarenstückchen hat sich da wohl seine Magnifizenz geleistet, die ihr Bedauern darüber äußerte, daß nur die wissenschaftliche Eignung, nicht aber die Abstammung bei der Berufung eines Professors die Hauptrolle spielt, vielmehr spielte (denn diesem Uebelstand ist ja nun gründlich abgeholfen). Das sagt der Rektor einer der ältesten deutschen Kulturstätten, an deren Ruhm Juden einen Löwenanteil haben, das sagt das Oberhaupt einer autonomen Hochschule, deren vornehmste Aufgabe die Erziehung der Jugend ist. Ein weiterer Kommentar ist da wohl überflüssig. Nein, meine Herren; im Kampf der brutalen Gewalt mit der reinen Geistigkeit muß und wird schließlich doch die letztere siegen. Mit Gummiknütteln hat man noch nie Ideen totgeschlagen. Galilei hat man verbrannt, aber die Erde in ihrer von ihm erkannten Bewegung aufzuhalten, das hat man wohl nicht vermocht! Aber traurig ist es, furchtbar zu sehen, wie Zehntausende junger Leute in ihrer Lauibahn gehemmt, brutal und niederträchtig mit ihrem Lerneifer und For- Aufklärungen geben könnte. Nach anfänglichem Sträuben gab der Sultan nach und den erstaunten Blicken der Anwesenden bot sich eine geheime Tür. Der Rabbi öffnete diese und man sah eine Stiege in die Tiefe führen. Der Monarch betrat sie auf Wunsch Rabbi Izchoks. Kaum war er jedoch einige Stufen hinuntergegangen, als ihm eine Schar junger Priester entgegeneilte, die das Kreuz über ihn schlugen und ihn mit Weihwasser besprengten. Erschrocken fuhr der Sultan zurück und blickte verblüfft auf den Rabbi. „Wir müssen beide hinunter, dort werdet Ihr alles erfahren", sagte dieser und der Monarch überließ sich seiner Führung. Unten angelangt schaute der Sultan sich um und entsetzt über den Anblick, verlor er die Besirinung: sie standen in einer katholischen Kirche. Die ersten Worte nach Erlangen seines Bewußtseins waren, eine Bitte an Nannes um Lösung dieses Rätsels. Rabbi Izchok begann: „Als Du, durch die Priester aufgehetzt, mich rufen ließest und mich beschuldigtest, Dich hintergangen zu haben, zog Trostlosigkeit in mein Herz ein. Ich sah mich in einer Intrigue verstrickt, ohne dich von meiner Unschuld überzeugen zu können. Ich kehrte nach Hause zurück, wo ich erschöpft auf mein Ruhebett hinsank. Sobald ich eingeschlafen war, erschien im Traume mir ein Engel, der mir folgendes verkündete: „Sei unbesorgt. Die Wahrheit wird ans Tageslicht gelangen. Das Grab, welches die judenfeindlichen Priester für dich gruben, werden sie für sich selbst gegraben haben. Zum Scheine nur sind sie Mohammedaner, in Wirklichkeit sind sie Katholiken. In der Burg des Sultans haben sie in einer Höhle ihre geheime Kirche. Vor der Tür, die zur Höhle führt, steht ein großer Kasten. Nach Beendigung des mohammedanischen Gottesdienstes begeben sie sich in ihre Kirche. Um ihr Heiligtum nicht zu entweihen, werden sie gleich beim Betreten der Stiege von den in der Kirche sich befindlichen jungen Priestern mit Weihwasser bespritzt, das sie von der Unreinheit des mohammedanischen Gottesdienstes reinwascht.» Der Monarch warf sich hierauf zu Füßen des Rabbi und bat ihn um Verzeihung. Die Priester ließ er, trotz der Fürbitte des Rabbi Izchok Nannes, noch am selben«Tage, nachdem sie ein Geständnis ablegten, hinrichten.