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Jüdische Presse · 1923-04-13 · 15 (13.4.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
15 (13.4.1923)
Date
1923-04-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE #%#ia#ia#^i ■■■ V Mt ftf» -v A. v.1 - * - >%XX % u\JX°* („JÜDISCHE KORRESPONDENZ ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. eiSSfci Redaktion and Administration: Wien, H., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag:, für Nachrichten Montag. Abonnemehtspreise: Ganzjährig:. ^Österreich£48.000,Ungarn K 1500, Tschechoslowakei Kc. 70Deutschland Mk. 5000--, Schweiz Frcs. 10'—, Amerika «2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 100 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Hk. 10.000'—. Einzelnummer d.-ö. K 1000, Kc\ 1*50. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkasaenamt Wi«n, Xtato Ir. 13.458; für Polen: Pestsparkasgenant Waraeban, Komta Hr. 190.400; für Ungarn: PoBtsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 58.386; für Jugoslawien: Postsparkassenamt Agra», Konto Nr. 40.217; für Rumänien: Banea Karmarosoh Blano tt Co. für Josef Florens * Co., Bukarest. Nr. 15 Wien-Bratislava, 13. April 1923 o-Enn pv td m^DDjnD" nn rrpr 1 « I 9. Jahrg. Bin Ausflug in das Gebiet der Politik. Der hohe Rabbi Low sagt einmal in seinem Werk „Gevuraus Haschern8, daß auch das Wunderbare sich in der Regel in die von den Menschen als normal empfundenen Formen kleidet und nur in ganz bestimmten Kulminationsmomenten als etwas Außerordentliches empfunden wird (jesch seder lanissim). Man geht deshalb wohl nicht fehl, wenn man in den Erlebnissen bei dem Auszug aus Aegypten auch Hinweise auf die Gestaltung des politischen Lebens sucht, und anderseits nachweist, welch ein großes Wunder das in Form des Staatswesens geübte Zusammenleben der Menschen ist. Anstatt langatmiger theoretischer Ausführungen möge ein lebendiges Beispiel aus unserer Zeit uns ahnen lassen, was in den Herzen und im Geist der aus Aegypten Ziehenden sich vollzog. Nehmen wir als dieses Beispiel Oesterreich. In schwerer Stunde geboren und doch allmählich, wenn auch noch nicht ganz, zu einem Gebilde mit festen Umrissen zusammengefügt, bietet dieser Staat uns das beste Beispiel, an dem wir sehen können, wie allen Gegenströmungen zum Trotz etwas Einheitliches sich zu gestalten anschickt. Da sehen wir, daß hauptsächlich drei Anschauungen um Geltung ringen, die aber alle drei einig sind in dem Bestreben, sich in den Staatsgrenzen heimisch einzurichten. Im großen und ganzen ist ferner festzustellen, daß keine der drei Anschauungen die andere vollkommen ausschließen will, sondern, daß sie nur verlangt, es soll der Staat sich in erster Reihe und vorwiegend an ihren Gesichtspunkten orientieren und derselben bei seinen Einrichtungen ä6n größten Einfluß einräumen. So wollen die einen, daß das Ganze sich in den Dienst des wirtschaftlichen Ausgleiches zwischen i^'M langen die Feststellung des religiösen Wollens als Mittelpunkt des Staatswollens. Die dritten endlich wollen an die Spitze aller Interessen das nationale Moment gestellt sehen. Solange man glaubt, daß diese drei Anschauungen einander widersprechen, oder sich ausschließen, solange wird es Kämpfe, zumindest parlamentarischer Art, geben. Gerade aber weil sich mit der Politik nicht immer die intelligentesten Leute befassen^ ist diese Dreiteilung nicht isoliert geblieben, sondern es haben sich sogenannte Mittelparteien gebildet, welche glaubten, die oben skizzierten drei Hauptmomente auf einer mittleren Linie ausgleichend verbinden zu können. Im übrigen bieten die österreichischen Verhältnisse für den Kenner der politischen Geschichte nichts neues, denn die heute mit dem Namen der christlichsozialen, der sozialdemokratischen und der großdeutschen Partei ausgestatteten Kreise sind in der und jener Form mit dem oder jenem Namen je nach den Voraussetzungen des Kulturzustandes und der ökonomischen Lage in allen Staaten der alten und neuen Zeit vorhanden gewesen. Wir meinen, daß heutzutage, nachdem die Wahlpflicht wahrscheinlich Gesetz wird, es Pflicht jedes Wählers ist, also auch jedes jüdischen Wählers, losgelöst vom individuellen Bedürfnisse, sich über seine Stellung zum Staatsganzen klar zu werden und sich darüber Rechenschaft zu geben, daß seine politische Stellungnahme von einem der drei obigen Gesichtspunkte bedingt ist. Speziell die jüdische Wählerschaft täte gut daran, darüber nachzudenken, damit sie nicht durch nicht gutzumachende Fehler sich schlimmstens kompromittiert. Wir sind immerhin berechtigt anzunehmen, daß auch in dem Denken der aus Aegypten befreiten Menschen diese drei Anschauungen wenigstens dem Kerne nach vertreten waren. Und schon damals war die Gefahr vorhanden, daß bei Außerachtlassung auch nur eines (fieser Momente, das Ganze dem Verfalle preisgegeben war. Deshalb wohl gab der -Allmächtige alsbald nach dem Auszug eine Richtlinie, die vorbildlich war für die große Linie, in der die Grundlage eines- Staates gelegt werden muß. Es wird ja bekanntlich erzählt, daß in dem Augenblick, in dem nach der großen Begeisterung an dem Ufer des Meeres das individuelle Wollen dräuend und zersplitternd sich erhob, bei Mara der Ewige Gesetz und Recht gab. Darunter wird nach heiliger Tradition verstanden der Hinweis auf den Sabbath, der Hinweis auf die Pflicht der Elternverehrung und der Hinweis auf das bürgerliche Recht. Man erkennt leicht, daß in jeder dieser Vorschrift die oben genannten drei Anschauungen als ein unlösbares Ganzes enthalten sind. Das Nationale äußerte sich in der Feier der Feste, in dem Entschluß, die von den Alten gegebene übernommene, von den Eltern verkörperte Tradition verehrend fortzupflanzen und in der Ausgestaltung der Beziehungen zwischen Mensch und Mensch das jGemeinsame zu betonen. Das Recht gibt die Normen des wirtschaftlichen Ausgleiches vor allen Dingen, und der Sabbat als Mittelpunkt des religiösen Wollens, erhebt den Menschen zu den Höhen, auf denen er erkennt, daß weit übel* den vergänglichen Besitz hinaus, der Menschheit höhere Güter überantwortet sind. So könnte die jüdische Gemeinschalt auch in ihren kleinsten Gruppen eine vortreffliche Lehre geben, der Politik in allen Staaten den Weg zur Ertüchtigung und zum Bestand ^zeigen. Mit der Befreiung Israels aus Aegypten soll auch die gesamte Menschheit die Bedeutung der wahren Frei-' heit ahnen, die sowohl dem Ganzen, wie den Einzelnen alles bietet. ._ P. K. Zwischen noa und hipnw ' Von Wolf Pappenheim. Der Auszug aus Mizraim, die Erlösung aus schwerer Sklaverei, die unsere Vorahnen durch Jahrhunderte schwer bedrückte, die deren von den Vätern ererbten reinen G-ttesglauben, deren hohe Ethik arg gefährdete, erhielt seine Krönung, seinen vollen Wert erst durch die Offenbarung am Sinai. Nur das G-ttesvolk war würdig, frei zu sein. Nach jüdischen Begriffen liegt die echte. Freiheit nur in der G-tteszugehörigkeit. - - Wer den richtigen Herrn, wer G-tt erkannt hat, sich von ihm und seiner Thauroh leiten läßt, wer dadurch Herr seiner Begierden wird, der ist der wirklich freie Mann. Dieser wahren Freiheit erfreuten sich durch die Jahrtausende des Golus die Ghettojuden. Die Be¬ Rabbi Juda Aszöd s. z. 1. (5556-5626.) Der kleine ungarische Marktflecken Aszöd gehörte schon zu einer Zeit, wo in Ungarn die Zahl größerer jüdischer Gemeinden noch eine ziemlich geringe war, zu den ansehnlichen Gemeinden, in denen G-ttesfurcht und G-tteslehre in gleichem Maße* heimisch waren. In diesem Orte wurde der große Lehrer Israels geboren, dessen Namen seiner Geburtsstätte so weithin leuchtenden Glanz verleihen sollte. Wo in der Welt Thorakenntnis blüht, kennt man heute noch das geographisch ansonst nicht hervorragende Aszöd, weil der Knabe Juda, der als Jünger der Jeschiwa Juda Aszod genannt wurde, diesen Namen auch als großer Rabbi bis an sein Lebensende beibehielt und auch als solcher noch zitiert wird. Juda Aszöd war, wie so viele der größten jüdischen Rabbinen, die lebendige Illustration zu dem Ausspruche: „Gebet acht auf die Kinder der Armen, denn von ihnen geht der reiche unerschöpfliche Strom der Thora aus." Seine Eltern waren tiefreligiöse, aber unsäglich arme Handwerksleute, deren einziger Reichtum ihr unermeßliches G-ttvertrauen bildete. Sein Vater war kein Gelehrter, sondern bloß ein schlichter Schneider, aber wir kennen einen Zug aus seinem Leben, der darauf schließen läßt, daß er trotzdem nicht zu den alltäglichen Menschen gerechnet, nicht mit dem gewöhnlichen Maße gemessen werden durfte. Vor seinem Tode sprach er den Wunsch aus, daß sein Sarg aus den- Brettern des Tisches gezimmert werden möge, auf welchem er aus den Stoffen, die ihm seine Kunden geliefert, deren Kleider zugeschnitten hatte, ohne daß er je auch nur einen zollbreiten Tuchrest sich davon angeeignet hätte. Nicht nur die Steine können sprechen, auch das sturnnie Holz dieses Sarges konnte vor Gott als beredter Zeuge der Redlichkeit des* frommen jüdischen Arbeiters dienen. Juda Aszöds Vater mochte wohl bei diesem Wunsche an ein schönes jüdisches Vorbild gedacht haben, an den frommen Mann, der seinen Sarg aus dem Tische anfertigen ließ, an dem er, in Erfüllung einer heiligen Pflicht, zeitlebens Arme und Hungernde gespeist hatte. Früh verwaist blieb Juda zurück. Er war erst acht Jahre alt, als er hinter dem Sarge seines Vaters trauernd ging. Aber man kann doch sagen, daß diesem Kinde trotzdem ebensowenig die Erinnerung an den Vater aus dem Herzen schwinden konnte, wie den Trauergästen die Erinnerung an diesen in so zartem Kindesalter stehenden Leidtragenden. Denn bei diesem Leichenbegängnis hat sich der wohl beispiellos stehende Fall ereignet, daß ein achtjähriger Knabe eine Trauerrede hielt, die alle Anwesenden nicht nur wegen der jugendlichen Person des Redners, sondern auch wegen der Reiie des Inhaltes der Rede auf das Tiefste erschütterte, Eine solche ans Fabelhafte grenzende Frühreife des Geistes verzeichnet die jüdische Literatur, die gewiß viele-„Wunderkinder" kennt, kaum ein zweitesmal. Die außerordentliche Begabung Judas wurde rasch bekannt und seine Mutter brachte ihn bald darauf zur weiteren Ausbildung nach Szügy, wo Rabbi Philipp Büchler, nachmaliger Rabbiner zu Szecseny, an der Spitze einer großen und angesehenen'Jeschiwa stand. Der gütige Mann, der die außerordentlichen Geistesgaben des Knaben zu würdigen wußte, nahm ihn zu sich ins Haus und hielt ihn wie ein eigenes Kind. Nachdem Juda große Fortschritte auf dem Gebiete des Talmüds gemacht, sorgte sein väterlicher Lehrer dafür, daß er an die Jeschiwa seines Bruders, des Rabbiners Ahron Büchler in Duna- Szerdahely, die damals als Sammelpunkt hervorragend begabter Talmudjünger galt, kam. An dieser Hochschule verblieb Juda Aszöd, bis zu seinem 18. Lebensjahre. Er war der gefeierteste durch Scharfsinn, Fleiß und Frömmigkeit gleichmäßig sich auszeichnende Schüler seines berühmten Lehrers. Mit einer Hingebung die keine Grenzen kannte, versenkte er sich in. die Tiefen des Talmuds, daß er kaum daß er das Jünglingsalter erreicht, schon die staunende Bewunderung - großer im Studium der G-tteslehre ergrauter Talmudisten erregte. Zu all diesen Gaben gesellte sich ein ungewöhnlich glückliches Gedächtnis, das das einmal Erfaßte auch dauernd behielt. Der Siebzehnjährige wußte bereits mehr als 500 Seiten aus dem Talmud und dem Schulchan-Aruch buchstäblich auswendig. Bei der unstillbaren Wißbegierde des Jünglings war es nur natürlich, daß er allmählich von der leidenschaftlichen Sehnsucht erfaßt wurde,, nunmehr auch die Jeschiwa des großen Landesrabbiner Rabbi Mordechai Benet in Nikolsburg besuchen zu dürfen, dessen Ruhm die ganze jüdische Welt erfüllte und zu dessen Lehrhaus Schüler aus der weitesten Ferne pilgerten. Unter diesen befanden, sich viele, die sich durch bedeutende Geistesgaben und reiches Wissen hervortaten und später Rabbinatssitze in den größten Gemeinden einnahmen. (Fortsetzung folgt.) Schiff1 Pelzwarenliaus Eiigros und Erzeugung i I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67-302 Detailverkaufs - Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karls»t>fcvcl, Alte Wiese. «■ '4* ill

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