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Jüdische Presse · 1923-03-30 · 13-14 (30.3.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
13-14 (30.3.1923)
Date
1923-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13/14 JÜDISCHE PRESSE Seite 79 Kleinen auf die Großen einwirken und können erstere den letzteren es an materiellen Spenden nicht gleichtun, so suchen diese sie zu übertreffen an religiöser Gleichgültigkeit und Schlaffheit. vAls Israel nach der dunklen Leidensnacht in Mizraim in das Laüd der Freiheit wanderte, da zogen ihm, wie unsere Weisen sagen, Josefs Sarg und die Bundeslade voran; einerseits das Symbol der Treue gegen einen Toten, andererseits der Inbegriff des wahren G-ttesglaubens. So sollen auch wir, die uns eine lange, bange Leidensnacht seit mehreren Jahren wieder umgibt, der Zukunft entgegengehen einerseits mit der Erinnerung an unsere Toten, an ihr Glauben, an ihr Streben, an das, wofür sie Gut und Blut freudig opferten, im treuen und dankbaren Familienherzen, anderseits mit dem unerschütterlichen Glauben an den Ewigen im Geiste, dem Glauben an den Allvater, der ewig und unwandelbar regiert als gerechter und liebender Vater der gesamten Menschheit. Dann werden wir erst voll und ganz der Bedeutung des Pessachfestes gerecht werden und die Worte der Haggada in Erfüllung gehen: „In diesem Jahre noch als Knechte, im nächsten Jahre als freie Männer". fc»^ t vg jy A dorn tage. &%msi t&*^?i>7it£»>% ESM? Rjä^äfr Professor Einstein und das Judentum. Angeblich soll Professor Einstein aus dem Verbände der Berliner israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten sein mit der Begründung, daß er, Professor Einstein, keinerlei religiöse Interessen habe. Relativ genommen ist das ein Ereignis von untergeordneter Bedeutung. Da aber Professor Einstein durch seine Relativitätstheorie eine weltberühmte Größe geworden ist, verfallen viele Juden in den Fehler, das Judentum mit dieser Größe heben zu wollen. Es ist dies keine neue Schwäche in unserer Mitte. Auch früher, in den guten Zeiten der Alleinherrschaft der Assimilanten, hat man Professoren, bedeutende Künstler, wenn sie sich nur nicht die Mühe genommen haben aus dem Judentum auszutreten, als Ehlenjuden überall zur Aufschmückung und Hebung des Judentums mißbraucht. Heute sind wir mit einem Schritt vorwärts gekommen, heute verlangt man von solchen Ehrenjuden mehr. Das passive Verbleiben im Judentum genügt nicht, man verlangt von ihnen ein positives Bekenntnis. Wenn sie dies geleistet haben, dann sind sie bereits jüdische Größen geworden. Das thoratreue Judentum ist etwas zurückhaltender und sagen wir selbstbewußter, Die Größe des Judentums wird nicht durch Persönlichkeiten gehoben, die wohl-ihre Begabung, ihre Energie, Ihre Tüchtigkeit aus den gesunden Quellen des jüdischen Volkes geholt,' dann aber der- Quelle vergessen haben, aus der sie schöpften; und wenn Professor Einstein nun einmal nicht nur seine Relativitätstheorie entdeckt hat, sondern daß er keine religiösen Interessen mehr habe, so glauben wir. daß Professor Einstein mehr verliert als das i Judentum. Ja wir hören die Einwendung, er bleibt ja der begeisterte völkische Jude, der ohne religiöse Interessen noch immer mit allen Fasern seiner Seele am jüdischen Volke hängt. So sagen wir, daß dies bloß ein relativer Trost für uns ist. Professor Einstein, den die Völkischen deutschnationaler Gilde verärgert haben, ist jetzt selbst völkischer jüdischer Prägung geworden. Er ist der neue Typus des assimilierten Juden, der heute so jüdelt wie es eben überall nationalchristelt. Er scheint aber doch ein großer Mann zu sein, er hat den Mut zur Klarheit. Er ist der moderne völkische Jude, der mit der jüdischen Religion eben als moderner Mensch nichts zu tun haben will. Wir begrüßen diesen Mut. Würde diese Klarheit eine allgemeine Erkenntnis werden, so würden die Treuen mehr Mut und mehr Stolz aufbringen in dem Kampfe gegen diese moderne Assimilation. Uschischkin und die 2000jährig;e Vergangenheit des jüdischen Volkes. Professor Einstein, der in Berlin der jüdischen Gemeinde den Rücken gekehrt hat, trat im neuen Palästina als Herold einer neuen jüdischen Zukunft auf. Von jenen Kreisen, die in Palästina mit der jüdischen Vergangenheit gebrochen haben, wurde er auch als solcher begrüßt und gefeiert. Er hielt in der heiligen Stadt Jerusalem an dem Berge Zofim, der noch in der späten jüdischen Geschichte durch den Grundstein der Universität (ein Stein des Anstoßes) zu zweifelhaftem Ruhm gelangen wird, einen Vortrag über seine Theorie. Selbstverständlich war die Aufmachung erstklassig.' Alles was heute Palästina beherrscht, war anwesend. Professor Einstein leitet seinen Vortrag mit einigen hebräischen Sätzen ein. Aber dort halten wir noch nicht. Vor allem begrüßt ihn der Präsident der palästinensischen Exekutive Herr Uschischkin. Er begrüßt ihn aber nicht im Namen jener jüdischen Zukunft, die mit der Vergangenheit offenkundig bricht und für alle, denen diese Vergangenheit heilig, ein Greuel ist, sondern er ruft ihm zu: „Professor Einstein betrete diese Stelle, die Deiner seit zwei Jahrtausenden harrt." Wir haben schon so manches aus dem neuen Palästina gehört und aus Schwäche nicht von Woche zu Woche registriert. Jedoch diesen Faustschlag ins Gesicht der jüdischen Vergangenheit wollen wir verzeichnen. Die 2000jährige Vergangenheit voll Blut und Tränen, aber immer getragen von einem durch seinen Glauben und durch seine Thora starkem Volke wird zynisch geleugnet und die heiligen Stätten in Palästina, die alle Blutzeugen dieser jüdischen Vergangenheit sind, werden als Podium hingestellt für eine Größe, die in Relation gebracht zu der Größe und Erhabenheit dieser heiligen Stätten, einen winzig kleinen Punkt bedeutet, selbst wenn man die Größe von Herrn Uschischkin dazufügt.jfg|$f.* Misrachistisches Schicksal. Es gibt in dem modernen Palästina G. s. d. noch Juden, die treu an der Thora und Tradition halten. Die waren selbstverständlich in den letzten Wochen mit der Vorbereitung auf das Pessachfest beschäftigt. Die Vorbereitung der Mazzo.th ist aber nicht nur eine religiöse Angelegenheit, sondern auch ein Geschäft, ein Geschäft, bei dem man verdient und wo selbstverständlich auch Arbeiter beschäftigt werden müssen. Bei der jetzt in Palästina herrschenden Wirtschaftskrise ist dies eine Möglichkeit, die nicht unbeachtet blieb. Der misracbistische Arbeitsverband hat selbstverständlich beansprucht, daß bei der Herstellung von rituellen Waren vor allem fromme Arbeiter beschäftigt werden sollen, Der allgemeine Arbeiterverband, der bloß marxistische Theorien und keine mosaische Vorschriften kennt, protestierte entschieden gegen die Monopolisierung der frommen Arbeiter. Die armen Misrächisten in Palästina mußten sich sagen lassen, daß sie ihre Religion, die strengstens Privatsache ist, zu politischen Zwecken mißbrauchen. Ungefähr so wie dies die europäischen Misrächisten ihren agudistischen Stiefbrüdern vorwerfen. Dieser Vorfall an und für sich wäre noch nicht so ganz charakteristisch für die Verhältnisse in Palästina, wenn das palästinensische Oberrabinat nicht in den Streit eingegriffen hätte. Dies tat das ehrwürdige Oberrabbinat gar zweimal. Zuerst als die misrachistischen Arbeiter kamen; unter dem Eindruck ihrer Petition hat das Oberrabbinat den Mazzothfabriken strengstens aufgetragen, nur religiöse Arbeiter zu verwenden. Als hierauf die allgemeinen Arbeiter kamen, hat sich das Oberrabbinat eines besseren belehren lassen und es griff zum zweitenmal ein. Es wurde den Fabrikanten freigegeben, auf die religiöse Differenzierung der Arbeiter keine Rücksicht zu nehmen; da aber diese Fabriken bereits mit den misrachistischen Arbeitern einen Vertrag geschlossen haben, wurde der Streit lokalisiert. Das Oberrabbinat wurde aus dem Spiel gelassen und bloß der misrachistische Arbeiterverband hat seinen Strauß mit den allgemeinen Arbeitern auszutragen. Also geschah es vor diesem Pessach in dem heiligen Lande Israels. ^5^^9£ $fl^?Ö^ SHKilHK 7m+ 7w* *w+ *w* Die (Uocbc. Die arabische Delegation hat London verlassen, nachdem ihre Bemühungen bei den Behörden keine greifbaren Resultate gezeitigt haben. In San Franzisko wird eine Synagoge gebaut, die eine der größten der Welt werden soll, wobei sich die Kosten auf zirka eine Million Dollar belaufen. Gleichzeitig erfahren wir, daß. in Moskau eine Synagoge kürzlich in einen Arbeiterklub verwandelt wurde. Hie und da Kulturfortschritte! Der bereits berichtete Plan, auf der Prager Ausstellung einen jüdischen Pavillon für Palästinaprodukte zu errichten, ist ausgeführt worden. Der Stand (Industriepalast 755) steht unter der Direktion des Herrn Uri Goldstein. Auch an der kommenden Britischen Handelsmesse sollen sich jüdische Kaufleute in einem Spezialpavillon beteiligen. Anläßlich der Anwesenheit N. Sokolows in Warschau is* daselbst eine Konferenz des Keren Hajessod einberufen worden- In Pisa fand Sonntag, den 11. März, die Enthüllung eines Denkmals für die im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten statt. Die Zeremonie ging in feierlicher Weise im Beisein der Vertreter der Stadtbehörden und der jüdischen Gemeinde vor sich. Die Talmud Thoras von Genua und Venedig veranstalteten interessante Purimfeiern, bei denen die jüdisch-orthodoxe Gesellschaft vollzählig vertreten war. wenn man ihm die gebührende Achtung erwies, wenn man von ihm überall als g-ttesfürchtigen, wohltätigen Mann sprach. Beim Gottesdienste liebte er es, ein prächtiges Talles umzuhaben und hatte nichts dagegen, wenn der Vorbeter respektvoll wartete, bis der Rabbi fertig war, um dann im Gebet fortzufahren. Und seltsam, auch zu dieser Zeit äußerte sich all das am stärksten in der Pessachnacht. Wie er so in einem prachtvollen, goldgestickten „Kittel" in seinem großen Lehnstuhl am Tisch saß, den Seder verrichtete, mit wohllautender und inbrünstiger Stimme die Hagadah vortrug und dabei ein bischen wohlgefällig den reich gedeckten Tisch, die schweren Silberleuchter und gediegenen Weinbecher musterte, war er wie ein richtiger mächtiger „Melech" anzusehen. Es sei jedoch nochmals betont, daß diese Prunkhaftigkeit seiner wahren und tiefen Frömmigkeit keinen Abbruch tat, er sie umgekehrt immer am liebsten in den Dienst G-ttes stellte. Und seit, einem bestimmten Tage schien er nun wie ausgewechselt'in dieser Hinsicht, vermied jede Pracht und das etwas pompöse Auftreten, das er bis dahin gewohnt war und wurde ein bescheidener, demütiger Mann, ein heiliger „Anuw": Und obwohl sie ihn deswegen noch mehr verehrten, so konnten die guten Chassidim diese Aenderung nie begreifen. So plötzlich, über Nacht gleichsam, war sie eingetreten, über die Pessachnacht. Erst viele, viele Jahre später, als der heilige Rabbi schon „niftar" geworden war und sein Sohn sein Amt weiterführte, pflegte dieser zu erzählen, was in jener Pessachnacht mit seinem Vater, dem heiligen Rabbi von Borinow „sichronoj liwracho* geschehen w.ar. Und so hatte es sich zugetragen: Im Hause des Rabbi saß man beim Seder. Obenan der Rabbi im feierlichen Ornat des Kittels und leuchtendem Antlitz. Man war schon am Ende. Mit heißer Andacht hatte der Rabbi die Hagada vorgetragen, G-tt für die wunderbare Rettung aua dem Land der Knechtschaft gedankt und gepriesen. Mit tränenerstickter Stimme hatte er von den Leiden seiner Brüder unter Pharaos finsterer Macht, mit jubelnder, über den Auszug und die Meerwunder berichtet. Stark und prächtig hatte seine Stimme beim Hallel und inbrünstig beim Nischmath geklungen. Und nun, da der heilige Dienst verrichtet war, schickte sich der Rabbi an in das fröhliche „Chad Gadjo" seiner Tischgenossen einzustimmen. Und als auch das vorüber, die Tafel aufgehoben war, legte sich der Rabbi zur Ruhe und bald war er eingeschlafen. In jener Nacht nun erschien ihm im Traume der Prophet Elijahu. Stolz und glücklich erkannte er ihn und glaubte nichts anderes, als daß er ihm die Belohnung für sein heißes Gebet bringen würde, .Wahrlich, rief er, gerecht ist der Allmächtige und belohnt das Gute, denn hat jemand in dieser Gemeinde ihm heute nacht besser gedient als ich!" Doch Elijahn lächelte und sprach: „Wohl hast Du Deinem G-tte gut gedient heute, doch wisse, hier in der Stadt wohnt ein Jude, Jizchak ben Zwi ist sein Name und sein Seder war G-tt wohlgefälliger als der Deine, mein Sohn." Der Rabbi erwachte, unbehaglich fühlte er sich und neugierig zugleich. Er war begierig den Heiligen kennen zu lernen, dessen Seder G-tt so genehm gewesen, der in sein Gebet noch mehr Inbrunst, noch mehr Hislahawuth zu legen verstanden hatte. Wars ein Einsiedler, der in seiner einsamen Klause Tag und Nacht G-tt diente, wars ein großer Talmid Chocham, der in den Worten der Hagadah einen tieferen verborgenen Sinn fand? Und ungeduldig erwartete er den Morgen, um in der „Schul" den Glücklichen zu treffen. Doch niemand kannte einen Jizchak ben Zwi, vergebens forschte der Rabbi nach, er war nicht zu finden. Und der Rabbi war traurig darüber, daß ihm nicht der „Zchus" zuteil ward, den großen Mann kennen zu lernen. Am Nachmittag aber, wie er beim „Lernen" saß, kam sein „Gabe" und meldete ihm, daß ein armer, schäbig angezogener Mann um die Erlaubnis bitte mit dem Rabbi zu sprechen. Der Rabbi ließ ihn eintreten, sich setzen und seine Bitte vorbringen. „Rabbi ich habe einen großen Kummer, fing der Besucher an und ich komme zu Euch, daß ihr mir einen Ratschlag gebt. Ich bin Holzfäller und arbeite schwer und mühsam um für mich und die meinen ein Stückchen Brot zu verdienen. Diese Woche war eine besonders schwere, meine Frau war erkrankt und die Medizin mußte bezahlt werden. So arbeitete ich vom Morgengrauen bis in die späte Nacht. Und gestern am Erew Pressach war ich so müde als ich nach Hause kam, daß ich kaum stehen konnte. Und, verzeiht mir Rabbi, ich brach ein Stück Mazze ab, machte die Broche, trank die vier Becher Wein und sprach in meinem Herzen zu Gott: „Herr der Welt, Du weißt wie es in meinem Innern aussieht, Du weißt, daß ich bereit wäre für Deine heilige Lehre mein Leben zu opfern, aber -die Glieder versagen mir den Dienst, ich kann Dir nicht nach den Vorschriften unserer Weisen dienen, vergebe mir!" Und ohne die Hagada zu sagen, ohne die andern heiligen Gebräuche, zu verrichten, legte ich mich bin und schlief ein. Nun plagt mich mein Gewissen, was soll ich tun, Rabbi?" Nachdenklich schaute dieser vor sich hin, erhob sich dann, um von einem Regale einen dicken Folianten zu nehmen. Da bemerkte er, daß der Mann ähnliche Züge hatte, wie der ihm erschienene Elijahn. Von einer plötzlichen Eingebung ergriffen, fragte er den Unbekannten: Wie heißest Du?" Und dieser antwortete: „Jizchak ben Zwi.* Und seit jenem Tage war der Borinower Rabbi ein „Anuw* wie es keinen zweiten gab; V~ Im Janner sind 1022 jüdische Immigranten in Palästina eingetroffen gegen 614 im Dezember v. J. Im Februar ist an einem einzigen Tage die Rekordziffer von 520 Einwanderern erreicht worden. Die jüdischen Akademiker haben einen „Offenen Brief" an die polnische Oeffentlichkeit plakatieren lassen, in dem an das Gewissen des polnischen Volkes appelliert wird, gegen den numerus clausus Stellung zu nehmen. Der „Deutsche Volkswille", ein Hetzblatt ärgster Sorte, kündigt in großer Aufmachung einen „entscheidenden" Schlag gegen das Judentum an in Form von einer Broschüre, die Ende März in Millionen von Exemplaren im deutschen Volke verbreitet werden soll nnd unverblümte Aufforderung zu Pogromen enthalten wird. Zugrundegelegt wird wieder das alte Märchen der „Weisen vonZion", das angebliche Bestreben der Juden zur Weltherrschaft zu gelangen. Vom 6. bis 13. Mai wird in Wien der vom „Council ot Jewish Women" einberufene Weltkongreß jüdischer Frauen tagen und es sind Einladungen an alle jüdischen Frauenvereine der ganzen Welt ergangen. Das Programm umfaßt Fragen der Religion, Erziehung und Auswanderung. Das „Council' of Jewish Wowen" ist die größte jüdische Frauenvereinigung der Welt und zählt 50.000 Mitglieder. Da die christlichen Missionen in Polen in letzter Zeit eine eifrige Bekehrungstätigkeit entfalteten, hat sich eine jüdische Gesellschaft gebildet, die die Missionäre zu einer öffentlichen Debatte herausforderte. Nachdem die letzteren ihre Argumente geltend gemacht hatten, erwiderten die jüdischen Vertreter mit solchem Erfolg, daß die Missionäre sich untergeben und zurückziehen mußten. Der Gouverneur von Jaffa, Kolonel Stirling, hat seine Demission eingereicht. Auch der Direktor des Palästinenser Handelsdepartement, Kolonel Salomon, hat sein Amt niedergelegt. Die Kandidatur des berüchtigten Professors Kusa für das~ rumänische Parlament, ist auf Anregung des Königs vereitelt worden. Der König äußerte sich dem jüdischen Abgeordneten Stern gegenüber, es sei sein dringender Wunsch, daß der Religions- und Rassenkampf endlich aufhöre. Der jüdische Abgeordnete Raw Lewin konferierte in Warschau mit einem Vertreter des Bildungsministeriums, zwecks Versendung eines Zirkulars an die Schulbehörden, betreffend die Befreiung der jüdischen Schulkinder vom Schulbesuch am Samstag. In New York ist zu Ehren des Rabbiners Hillel Klein eine „Beth-Hillel-Jeschiwa" gegründet worden, in der die Schiurim am Abend bis in die späten Nachtstunden abgehalten werden, um jenen Lernfreudigen Gelegenheit zum Studium zu geben, die tagsüber im Broterwerb beschäftigt sind. Wie dem ^Emigrant" gemeldet wird, hat der amerikanische Kongreß sich geschlossen, ohne die neubeantragte Immigrationsbill zu debattieren. Diese Bill bringt eine Reihe neuer Verfügungen, die für einwandernde Angehörige amerikanischer Bürget Erleichterungen, für andere Immigranten hingegen Verschärfungen bedeuten. Es ist nicht zu glauben, zu was für abgeschmackten und lächerlichen Mitteln die antisemitischen Hetzer greifen. Eine deutsche Zeitung, der „Hammer", entblödet sich nicht, zur Feier des nahenden Pessach das Ritualmordmärchen aufzuwärmen und in einem Leitartikel die Regierung aufzufordern „Untersuchungen", besonders gegen die Ostjuden einzuleiten. Der rührige „Verband ukrainischer Juden" in London hat in Odessa und Irhe.tiühjüsiaw je eine Kinderküche eröffnet, die 'zur Ausspeisung von 500 Kindern dient. Auch die Errichtung von fünf jüdischen Spitälern in der Ukraine " ist projektiert und wird nächstens in Angriff genommen werden. In einer furchtbaren Lage befinden sich 250 ukrainische Emigranten, denen kurz vor der Abfahrt aus Southampton auf dem Schiff eröffnet, wurde, die Quote sei schon voll und sie würden "vor dem 1. Juli keinen Einlaß ins gelobte Land Amerika finden. In Anbetracht der traurigen Umstände erteilte ihnen die englische Regierung die Aufenthaltsbewilligung, falls die englischen Juden für die Unterhaltungskosten aufkommen. Diese betragen 6000 Pfund, von denen 500 die Firma Roth-, schikl schon gespendet hat. Ar ATA WAVA VAY&TAVAVA WA VAVA TA WAWA VIT In keinem jüdischen Hause ü fehle die „Jüdische Presse "V AJVAYAVA? A fA.7AVATA?AT AT AT ATA7AVA TATA V Aufruf an die jüdischen Eltern! Die Zeit der geistigen Erlösung ist wieder gekommen. Wieder ruft uns ein frohes Fest jene Tage in Erinnerung, an denen unsere Altvordern dem Sumpfe ägyptischer Knechtschaft emporstiegen zu jenen geistigen Höhen, die die Vorbedingung zu den Empfang unserer heiligen Lehren am Sinai bildeten. Von damals her datiert die wohlverstandene, wohlbewährte und durch Jahrtausende getreulich erfüllte Pflicht jüdischer Eltern, ihre Kinder, bevor sie ins Leben treten, wenn nicht ganz so doch wenigstens für die kurze Zeit von ein paar Jahren ausschließlich dem Thorastudium zu widmen. Erst unserer traurigen Zeit blieb es vorbehalten, daß Eltern, die den guten Willen und das nötige Verständnis hätten, aus Mangel an Mitteln und umgekehrt, bemittelte Eltern aus Mangel an nötigen Verständnissen, ihre Kinder trotz der offenkundigen eminenten religiösen und sittlichen Gefahren in der Großstadt heranwachsen lassen. Wer weiß es nicht, daß diese Eltern später von ihren Kindern den bitteren Vorwurf hinnehmen werden müssen, ihre Pflichten verletzt und sie ohne Steuer und Rückhalt den Stürmen des Lebens preisgegeben zu haben. Ueber kurz oder lang wird und muß uns offenbart werden, daß Juden, die nicht mit der nötigen Kenntnis unserer heiligen Lehre ausgestattet sind, immer nur halbe Juden bleiben'werden und müssen. Es ist von würdigster Seite oft genug und eindringlich die Pflicht in Erinnerung gerufen worden und es bleibt uns nur die Aufforderung an alle jüdischen Eltern, dieser ihrer Pflicht durch Beisteuerung der nötigen Mitteln und Anmeldungen ihrer Kinder für die Jeschivos zu entsprechen. Ueberlege doch jeder jüdische Vater und jede jüdische Mutter, welche Opfer Sie zur Heilung eines körperlichen Gebrechens ihres Kindes bringen würden und ziehe daraus die Schlüsse für die geistige Entwicklung ihrer Kinder. Anmeldungen zur unentgeltlichen Aufnahme in die Jeschivo werden in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe von 7 bis 9 Uhr abends täglich entgegengenommen, woselbst auch die Anmeldeformulare erhältlich sind und Auskünfte bereitwilligst erteilt werden. Das gemeinsame Jeschivo-Koraitee. Verein Tife/es Bachurim. Agudas Jisroel-Jugendgrnppe. i

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