Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-03-30 · 13-14 (30.3.1923) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
13-14 (30.3.1923)
Date
1923-03-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630012--0900-2632596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

ffr. 13/14 JUDISCHE PRESSE Seite 77 All diese Spenden wurden im einzelnen, durchschnittlich in vierzehntägiger Berichtsperiode, in der jüdischen Presse (Wien-Bratislava) und in den deutschen Agudablättern veröffentlicht. Den Löwenanteil tragt Palästina, das ist 0nser größter Stolz. Gesandt wurden - 1641 Lebensmittelpakete für 16.410 Dollars zirka 1200 Millionen Kronen. Die Pakete gingen an 69 Orte im Hungergebiete. Von allen Adressaten waren nur 12 unauffindbar. Da die geographische Läge und leichtere Verkehrsmöglichkeit es als naturlich erscheinen ließ, die in Polen gesammelten Gelder nicht erst nach Wien überweisen zu lassen, hat der Zentralrat der Agudas Jisroel der polnischen Landesorganisation für die Art und Weise der Verwendung vollkommen freie Hand gelassen. Unsere Landesorganisation in Warschau hat im „Jud" genaue Rechenschaft abgelegt. Ueber die Ausgaben für Dollarankauf gibt nachstehende Tabelle Aufschluß, wobei zu bemerken ist, daß die jeweiligen Eingänge fremder Valuten nach Clearingkurs des Einlaufstages jeweils auf Kronen umgetauscht wurden. Aus gaben für Ankäufe für Dol lnr. Datum Dollar ä K K 11. IV. 100-— 7.689-— 768.990 12. IV. 10 — 7.675 — 76 750 21. IV. i05-- 7.680-- 806.400 22. IV. 25 — 7.961S0 191.045 4. V. 180 — 8 325 — 1,498.500 14. V. 23 — 7.375-65 1G9.640 18. V. 80-— 7.687-50 615.000 19. V. HO- 9.800-— 1,666.000 27. V. IS'— 8 400 — 126.000 28. V. 8-— 11.000-— 88.000 5. VI. 70 — 16.700-— 1,175.430 8. VI. 520 — 11.350-— 5,952.167 14. VI. 75 — 19.600-— 1,470.000 15. VI. 500'— 15.100-— 7,617.982 19. VI. 67-- 19.600-— 1,313.200 13. VII. 260-— 27 856 — 7,304.168 18. VII. 100-- 36.794-— 3,679.400 20. VII. 3-— 37.544-— 112.632 22. VII. 325'— 37.556 — 12,321.716 23. VII. 318 — 35.800-— 11,384.400 24. vir. 500 — 37.700-— 19,019.730 29. VII. 2 — 34.250 — 68.500 10. VIII. 125 — 25.356-— 4,476 051 16. VIII. 4 — 52.773-50 240.950 22. VIII. 1- 70.000-— 70.000 16. XI. 112-— 78.317-— 8,211.600 18. XI. 305 — 73.750 — 22,493.750 3. XII. 222 — 72.434-95 16,085.000 4. XII. 3- 74.333-33 223.000 5. XII. 456-— Tausch gegen Pfund 105 33,778.500 5. XII. 7-— 71-350-— 499.450 27. XII. 20-— 79.990-— 1,599.800 24. I. 18920 71.500 — 10,136.931 25. I. . 0-05 71.500-— 4197 13. II. 10 — 71.500 — 715.000 24. II. 10-— 71.225-— 712.250 28. VIII. 4 34-— 80.950 — 2,752.800 495425 179,393.829 Gaissiw (25) Glintzesk (10) Hornel (20) Jekaterinoslaw (25) Kiew (249) ' Kaminecz (34) Kaminka (13) Kasatin (18) Koristeschew (15) Koseletz (8) Kremenschtig (45) Kriwoi-Rog (12) Lipowetz (16) Malew (22) v Medzibusch (12) Minsk (13) Mohilew a. Dneywer (10) Mohilew Pod. (23) Moskau (12) Nieslim (15) Neu-Nikolowska (3) Nieslim (15) Nikolajew (16) Odessa (82) Pawlowitcz (10) Petersburg (72) Pogrebitsehtscho (2) Poltawa (14) Priluky (20) Prethikowko (1) Prischtsv-Wodiza (1) Rado;.iy>»i —Romny (37) * Rostow a. Don (60) Ruzyn (20) Samara (4) Slatoj'd (3) Sk wiera (29) Seharograd (7) Schatawo (1) Sinkow (1) Sudrin (1) Schkloff (31) Spola (23) Tschernobyl (4) Tscherkassy (20) Trostianetz (22) Tarascbtschä (1) Uman (40) Ufa (24) Winnitza (36) Witebsk (21) * Zitomir (59) Die gesamten Verwaltungsspesen (Bureau, Porti, Telegramme, Abhaltung dreier Sammeltage, Fahrtspesen, Druckspesen, Publizistik, Bankspesen, Per^ sonalunkosten) betrugen K 21,404.028, also nicht ganz l8/4 Prozent der Eingänge. Die folgende Tabelle enthält die russischen und ukrainischen Städte, in welche Pakete verschickt wurden. Die in Klammern befindlichen Zahlen bedeuten die Zahl der Pakete. Bachmut (35) Bar (6) Bardiansk (2) Berdyczew (104) Biala-Zerkow (10) Charkow (65) Cherson (10) Chmelnik (22) Choral (11) Czernigow (16) Czerwonny (18) Czudnow (11) Derazina (10) Elisabethgrad (20) Ewpatoria (12) Fastow (2) Der Ausweis über die einzelnen Spenden ist jeweils in den deutschen Agudablättern und in der Wiener Jüdischen Presse veröffentlicht worden. Ueber jedes Paket liegt Quittung sowohl seitens der American Relief Administration als seitens der Empfänger in Sowjetrußland bei den Akten des Zentralrates. Indem wir den obigen Rechenschaftsbericht der Oeffentlichkeit. übergeben, geben wir dankend der Hoffnung Ausdruck, daß wir auch fürderhin von edlen Herzen in den Stand gesetzt werden, zu geben und zu helfen. Das thoratreue Erziehungswerk in Wien und Oesterreich. Der Aufschwung der Ghadorim und der Talmud Thora-Schulen in Wien datiert seit dem Kriege. Der Krieg, der in Osteuropa auf dem Gebtete der jüdischen Erziehung so ungeheure Verheerungen angerichtet hat, war für das Thoralernen in Mittel- und Westeuropa von Nutzen. Dieser Gewinn hat zwei Ursachen. Erstens brachte der Krieg einen großen Strom von ostjüdischen Flüchtlingen nach Wien, die von ihren irdischen Schätzen und Gütern nicht viel retten konnten, aber den .WiMen, ihre Kinder im Thorawissen zu erziehen, mitgebracht haben. Sofort nach ihrer Ankunft hat sich die Ostgalizische Landesorganisation der Agudas Jisroel, die dank der Fürsorge ihres Präsidenten, Herrn I. I. Thumim, nach Wien gebracht wurde, zur Arbeit gestellt. Nebst vielen anderen Agenden auf dem Gebiete des Wohlfahrtswesens war ihre erste Aufgabe Ghadorim zu errichten und es haben 22 solche Thoralehranstalten bereits im Jahre 5674 dafür gesorgt, daß die Flüchtlingskinder nicht der größten Gefahr, der sie ausgesetzt werden könnten, preisgegeben werden, nämlich, daß sie ohne Thora, aufwachsen. Das war e i n Grund. Der zweite ist ein allgemeiner; der Krieg hat. viele belehrt, wie schal und wertlos die weltliche Kultur und Gesittung ohne Thora ist, und so ist vielen auch von den westlichen Juden eine tiefe Sehnsucht nach den Thorastudium gekommen, nebst dem Wunsche, ihren Kindern möglichst viel Thora zu lehren. So entstanden in Wien neben den Ghadorim für die Flüchtlingskinder auch solche für die Einheimischen. Selbstverständlich mußte* man dem staatlichen Schulzwang Rechnung tragen. In Oesterreich umfaßt die Lehrpflicht die Kinder vom 6. bis zum 14. Lebensjahr. Um nun den jüdischen Kinderneine hin- , reichende Unterweisung in Thorakenntnissen angedeihen zu lassen, hat sich die Aufmerksamkeit der Thoratieuen auf die einzige jüdische Volksschule gelenkt, die bis dahin bloß ein kümmerliches Dasein geführt hat. Die Führer der Orthodoxie haben mit ihrem geistigen und finanziellen Einfluß erwirkt, daß diese Schule, die den Namen Talmud Thora führt, im neuen Glanz erstanden ist. Ihre Klassen umfassen jetzt däs ganze schulpflichtige Alter der Kinder. Die Zeugnisse der Schule gelten auch vor den Staatsbehörden. Die Schule bietet noch den Vorzug, daß die Kinder den heiligen Schabboth beachten können. Wenni.jemand das ganze Elend und religiöse Not der Wiener Judenheit erkennen will, so genügt es, hervorzuheben, daß .kaum 500 jüdische Kinder in Wien einen wirklichen Schabboth haben, denn jene Kinder, die eine öffentliche Schule besuchen, selbst wenn sie sich von den Schreibarbeiten entheben lassen, können von dem Anblick, wie ihre jüdischen Kameraden im Einverständnisse deren Eltern den Sabbat entweihen, doch nicht enthoben werden. Ueberdies geht, den Kindern in der öffentlichen Schule die Weihe und die Freude des Tages verloren, dadurch, daß sie die Schule überhaupt besuchen müssen und vielfach sind sie sogar dem Spott der Kameraden und dem Druck ihrer Lehrer ausgesetzt. Selbstverständlich haben die Kinder, welche die Talmud Thora-Schule besuchen, nicht nur den Gewinn des Sabbattages, sondern auch eine reiche Ernte von jüdischen Kenntnissen. Diese Schule ist jetzt in stetiger Entwicklung begriffen und es ist zu hoffen, daß sie immer mehr jüdische Kinder für das ewige traditionelle Judentum gewinnen wird. Nebst diesem Hauptstützpunkt gibt es noch viele kleinere Bollwerke unter dem Namen „Tomehe Thora, Or Thora, Jessod Hathora, Thoras Ghairn* in den verschiedenen Bezirken Wiens und es ist mit Freude hervorzuheben, daß es in Wien viele jüdische Kinder gibt, die den ganzen Tag ausschließlich Thora lernen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß dank der agilen Arbeit der Agudas Jisroel auch für die schulentwachsene Jugend, die schon im Berufe steht, Abendkurse zur Verfügung stehen, um ihre Kenntnisse in Thora zu ver-, mehren. Die Tätigkeit der Führer der thoratreuen Judenheit erstreckt sich aber noch.auf weitere Gebiete. So wurde in letzter Zeit erwirkt, daß die berühmten Anstalten für Taubstumme und Blinde von nun an, was Erziehung und innere Einrichtung betrifft, den Wünschen der Orthodoxie entsprechen. Auch das Beginnen der Agudas Jisroel, eine große Lehrwerkstätte zu errichten, in welcher Hunderte Kinder, die der Schule entwachsen sind, in ein Handwerk und gleichzeitig auch in Thorakenntnissen ausgebildet werden, ist vielversprechend. Um all diese Versuche zu einem guten Gelingen zu bringen und um das Bestehende zu erhalten und auszubauen, haben sich alle thoratreuen Lehranstalten zusammengeschlossen und einen Erziehungsrat (Waad Hachinuch) für das thoratreue Schulwesen in Wien gegründet. Die Aufgabe des Erziehungsrates ist, die Interessen der thoratreuen Lehranstalten zu wahren und überhaupt die Propaganda für eine thoratreue Erziehung und für Beachtung des Sabbattages zu führen. Diethoratreuen Lehranstalten hätten nicht diese Entwicklung nehmen und die furchtbare wirtschaftliche Nachkrieg?.krise nicht überdauern können, wenn unsere amerikanischen Brüder und hauptsächlich das Zentral-Relief-Comitee nicht ihren um die Thora besorgten Wiener Glaubensgenossen ihre hilfreiche Hand geboten hätten. Aber nicht nur Wien allein bietet dieses erfreuliche Bild des Anwachsens jener, die nach Thora dürsten, Sabbat Haggadol.* Der Sabbat vor dem Pessachfeste führt den Namen: Sabbat Haggadol, der große Sabbat. Diese Bezeichnung wird im Tur Orach Chäjim Kap. 430 durch ein großes Wunder erklärt, das am Sabbat vor dem Auszug aus Aegypten sich vollzogen hatte. Das Pessachlamm, heißt es an genannter Stelle, das unsern Vätern in Aegypten zu opfern geboten war, mußte bereits am 10. Nissau beschafft werden, wie es geschrieben steht: „Am 10. dieses Monats sollen sie sich ein Lamm nehmen für das Haus der Väter, ein Lamm für jedes Haus." Der Pessach, an welchem unsere Väter aus Mizrajim gingen, war, wie es in Seder Olam heißt, am fünften Tage der Woche. Der 10. des Monats war somit ari einem Sabbat. Da nahm sich ein jeder ein Lamm für sein Pessachopfer und band es an seinen Bettpfosten. Die Aegypter fragten: „Was soll das Euch?" „Wir wollen es als Pessachopfer auf Geheiß unseres G-ttes schlachten," lautete die Antwort. Da knirschten sie die Zähne, weil die Israeliten ihre Götter schlachteten, und sie waren nicht im Stande ihnen auch nur mit einem Wort entgegenzutreten. Wegen dieses Wunders nennt man ' den Sabbat: Sabbat Haggadol, den großen Sabbat." \ Gegen diese Begründung wird geltend gemacht, \laß ihr zufolge, nicht dem Sabbat vor Pessach, sondern dem 10. Nissan das Prädikat „groß" zukäme, während wir den Sabbat vor Pessach so bezeichnen, auch wenn er nicht auf den 10. Nissan fällt. Der Umstand, daß der 10. Nissan damals auf einen Sabbat fiel, scheint doch mit dem erwähnten Wunder in keinem inneren Zusammenhang zu stehen. Ein tieferes Eingehen auf die Bedeutung des Sabbat und auf diejenige des uns hier beschäftigenden Wunders dürfte jedoch den innigen Zusammenhang beider leicht ergeben. * Dieser Aufsatz ist dem ausgezeichneten Werke vom Rabbiner Dr. H. Ehrmann „Durch's Jahr" entnommen. „Durch's Jahr* ist jetzt im Verlage von A. J. Hofmann, Frankfurt a M., in zweiter Auflage erschienen. Es kostet 8 Mark X Schlüssel des Börsenvereines. Dieses Buch ist als wertvolles Familienbuch allen Freunden gutjüdischer Literatur warm empfohlen. Zunächst möge daran erinnert werden, daß nach der durch die Weisen vermittelten Ueberlieferung, unsere Väter selbst unter dem schwersten Druck dennoch den Sabbat hielten. Moscheh habe nach dieser Ueberlieferung bei Pharao den siebenten Tag als Ruhetag für seine Brüder erwirkt, indem er dem Tyrannen nahe legte, daß ein solcher Ruhetag in seinem eigensten Interesse sei. Seine Sklaven würden sich aufreiben, wenn sie ohne Pause, Tag -und Nacht unablässig ihrer Arbeit nachgehen müßten, während die Einbuße eines Arbeitstages i-eichlich durch die neugewonnene Kraft der von ihren Mühen erholten Arbeiter ersetzt würde. Moscheh hatte den bereits in der Schöpfungsgeschichte von G-tt geheiligten Tag, noch lange bevor seine Feier Israel durch göttliches Gesetz geboten worden war, bei seinem Volke eingeführt. Wenn es für einen treuen Diener, der den Willen seines Herrn ahnt, ohne daß derselbe ihn ausspricht, keine freudigere Genugtuung gibt, als auf die Intentionen seines Gebieters einzugehen, so hat man einen Maßstab für die Beglückende Freude, die einen Moses erfüllt haben mag, als später die steinernen Bundestafeln die Heilighaltung des Sabbat als G-ttgebotene Pflicht enthielten. Freilich konnte der ägyptische Sabbat, als bloßer Ruhetag, noch nicht das göttliche Sabbat-Ideal verwirklichen, welches die von ihm Durchdrungenen zu Zeugen G-ttes als Schöpfer von Himmel und Erde weiht. Unter dem ägyptischen Druck konnte der Sabbat nur ein MPllJÖ DT1» em Tag der Ruhe, aber nicht ein Ht^Tlp DV> em Ta£ der Heiligkeit sein, welche ihm G-tt allein verleihen konnte. Der Segen und die Heiligkeil, mit welcher G-tt seinen Sabbat ausgestattet hat, wird erst denjenigen zuteil, die ihn nicht aus Erholungsbedürfnis feiern, sondern die ihn als das Zeichen hüten und ehren, als welches ihn G-tt zwischen sich und sein Volk gestellt hat. Der sorgende, ringende und den Kampf ums Dasein kämpfende Mensch, der sich für seine und der Seinen Erhaltung auf seine Sorge und Arbeit angewiesen sieht, ist nur allzuleicht geneigt seine Tätigkeit und seine Intelligenz als die Schöpfer seiner Welt zu vergöttern und darüber zu vergessen, daß G-tt der Schöpfer und Erhalter von Himmel und Erde und der auf ihr lebenden Menschenwelt ist. Deshalb gebietet der Sabbat dem arbeitenden, ringenden Menschen in G-tt^s Namen halt, zieht seine Hand von aller gestaltenden, produzierenden Tätigkeit zurück und lenkt den Blick auf G-tt als Erhalter von Himmel und Erde. Der jüdische Mensch, der diesem Rufe folgt, der sechs Tage emsig gearbeitet und mit Eintritt des siebenten die schaffende Hand sinken, den eilenden Fuß rasten läßt, nicht um zu ruhen und sich zu erholen, sondern um seine Anerkennung G-ttes als Schöpfer und Meister der Natur und Menschenwelt durch die Tat, durch die Sabbatfeier zu besiegeln, erst dieser wird des Segens und der Heiligkeit teilhaftig, die aus der treuen Beobachtung des Sabbat fließen. Bei einem Sabbat, wie er in Aegypten von unseren Vätern eben gefeiert werden konnte, war jedoch alles ausgeschlossen, was der Sabbatfeier den Charakter einer G-tteshuldigung verleihen konnte. Eine solche hätte auch Pharao nie zugegeben und scheint auch bei dem schweren Druck, der auf dem Volke lastete, von vornherein ausgeschlossen. Aber am letzten Sabbat, den sie in Aegypten verlebten, sollten sie mit ihrem Opferlamm sich den Geist und die Gesinnung aneignen, die unerläßlich sind, um einst den Sabbat, der ihnen ja nicht erst am Sinai, der ihnen schon in Mara geboten wurde, voll und ganz zu feiern. Was ist es denn, das die G-tteshuldigung des Sabbat zu einer so schweren Prüfung macht, daß sie so viele nicht bestehen? » Verdienen, erwerben, genießen ist die Parole, Verdienst, Erwerb und Genuß sind die Götzen des Tages, denen alle und alles huldigen. Das Kind wird in die Schule geschickt, um etwas zu lernen, um sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, damit es später einmal selbst etwas verdienen und erwerben, und dann genießen kann. Alle Wissenschaft und alle Kunst, alle Industrie, alles Denken und Wissen zielen darauf hin. Alle Ideale werden in den Dienst dieser Idole gejocht, und müssen ihre Nützlichkeit nachweisen, wenn sie nicht als Ueberspanntheit verlacht und verfehmt werden sollen. Je mehr daher jemand verdient, desto mehr besitzt er, je mehr er besitzt, deslo geachteter ist er. So entsteht der mörderische Ringkampf, den man beschönigend freie Konkurrenz nennt, in dem der'Freund nicht mehr den Freund, der Bruder nicht mehr den Bruder kennt, und der Refrain, der aus diesem Getümmel in allen Variationen herausklingt, lautet: Erwirb und verdiene, rühe nicht und raste nicht, bis du so viel an diel»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.