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Jüdische Presse · 1923-03-09 · 10 (9.3.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
10 (9.3.1923)
Date
1923-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10 JÜDISCHE PRESSE Seite 59 überhaupt existieren. Vor hundert Jahren haben 3ie eine Blüte erlebt dank der damaligen Zeitströmung, die alle Thoratreuen mit Angst und Bange für die Zukunft der Jüdischkeit erfaßt hat. Aus alten Schilderungen von jener Zeit strömt ein Siegesbewußtsein dieser Reformer über das thoratreue Judentum, das man heute kaum fassen kann. Sie haben die Jugend in ihrem Lager gehabt und somit haben sie geglaubt auch die Zukunft. Hundert Jahre genügten, um den völligen Bankerott dieser Richtung in der ganzen Welt zu vollenden. Die jüngste Konferenz der Reformgemeinden in Amerika scheint die letzte Zuckung dieser sterbenden Idee zu sein. Es lohnt sich aber dies zu verzeichnen, als Trost und Zuversicht, denn das neue Jahrhundert hat neue Ideen gebracht, die durch die Neuheit große Eroberungen, besonders in Kreisen der Jugend gemacht haben. Sie sprechen selbstbewußt und stolz auf ihre Jugend pochend. Das thoratreue Judentum bat aber aus der Geschichte gelernt. Das thoratreue Judentum ist alt genug, um solche Scheinblüten nicht mit wahrem Leben zu verwechseln und stark genug, die Zerflatterung des Blütenstaubes ruhig erwarten zu können. Ä*AYA WATA VATi^AWAWAW A f^fcVATATA VATAViAT A. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse" ▼ k79A T4W A? A ¥ AVAV A.TATAVA VATAVAYAVA WA9A * Die iUocbe. &&&& ZW* TWi?>P» rWi Der „Joint" bewilligte Dollar 50.000 für die Ausspeisung von 170.000 russischer Studenten, wobei keinerlei Unters.cb.ied zwischen Juden und Andersgläubigen gemacht werden wird. Anlaßlich des lünfundsiebzigsten Geburtstages Nathan Strauß ließ Präsident Harding ihm ein Glückwunschtelegramm zukommen, in dem er seine Tätigkeit im Dienste der Philantropie belobt und ihm weitere ersprießliche Arbeit wünscht. Der Gouverneur von Palästina General Stuart, ist in New York eingetroffen und bei Vahderbilt abgestiegen. Zweck seines Kommens ist die Aufnahme einer Anleihe für Palästina in der Höhe von 4 Millionen Pfund. ' Unter dem Druck der Kommunisten haben die jüdischen Lehrer von Kamenetz-Podolsk beschlossen, die Schulen am Sonntag zu schließen und dafür am Sabbath zu unterrichten. Oskar Grusenberg, jener berühmte Advokat, welcher seinerzeit so furchtlos Beilis verteitigt hat, liegt schwer krank in Berlin darnieder. In der englischen Zeitung „Evening Standard" eröffnet ein Herr Austin Harrissont einen Feldzug gegen die Schechita nach dem Muster der rohesten Judenfeinde Deutschlands. Das russisch-japanische Institut in Charbin errichtete einen Lehrstuhl für jüdische Literatur. Die Elektrifizierung des heiligen Landes macht rapide Fortschritte. Die Arbeiten leitet der Ingenieur Rutenberg. Die „Kooperativ-Bank", eine Gründung der „Jca* und des „J. D. C.\ hat eine Summe von Pfund 12.000 für Kredite an bedürftige Kolonisten bewilligt. Die jüdische archäologische Gesellschaft hat die nötigen Schritte eingeleitet, um die Rechte der Juden auf die alten Gräber, Denkmäler usw. festzulegen. Auch werden Vorbereitungen für die Ausgrabungen an der Stelle, wo man „ Davids Stadt" vermutet, gemacht. Im Laufe der letzten Monate sind zirka 140 amerikanische Juden nach Palästina ausgewandert und haben sich dort angesiedelt. Das mitgebrachte Gesamtkapital beläuft sich auf zirka Dollars 800.000, also durchschnittlich 5700 pro Person. Mit einem solchen Anfangskapital läßt es sich allerdings angenehm wandern. Die Araber entwickeln eine lebhafte Agitation gegen die Wahlen und versuchen sie zu boykottieren, so daß diese nur unter Schwierigkeiten vor sich gehen können. Am 1. Februar wurde hier die Gründung der Kolonie „Benjamina" (Stiftung des Barons Benjamin Rothschild) gefeiert. Mehrere angesehene Persönlichkeiten der jüdischen Oeffentlichkeit waren zugegen. Dcut$cfto$terrcicl>. Konstituierung des Erziehungsrates. Montag, den 17. Adar (5. März), fand im Beratungssaale der Jessode-Hathora, Wien, II., Nestroygasse 11, die konstituierende Sitzung des Erziehungsrates für das thoratreue Schulwesen in Wien statt. Der Erziehungsrat wurde bekanntlich durch die erste Konferenz der thoratreuen Lehrer und Lehranstalten in Wien, die während der jüngsten Ghanuka tagte, eingesetzt. Im Erziehungsrat hat nebst dem Oberrabbiner und Obmann der Adas Jisroel je ein Mitglied des Vorstandes und des Lehrkörpers der thoratreuen Lehranstalten in Wien Sitz und Stimme. Die konstituierende Sitzung, an der alle Mitglieder teilnahmen, wurde mit einer feierlichen Ansprache von Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Fürst eröffnet. Nach der Begrüßung referierte Herr Dr. Pollak über den Satzungsentwurf des Erziehungsrates. Der Erziehungsrat ist als oberstes, freigewähltes Organ der thoratreuen Lehranstalten gedacht, der die Pflicht und das Recht hat, im Namen dieser Lehranstalten und für dieselben zu sprechen. Aufgabe des Erziehungsrates ist femer, für eine thoratreue Erziehung überhaupt eine intensive Propaganda zu entfalten und das thoratreue Erziehungswerk in Wien zu fördern. Der Erziehungsrat soll sich ferner mit dem wichtigen Problem der Lehrerbeschaffung und mit der Hebung ihrer Stellung beschäftigen. Der Satzungsentwurf wurde nach eingehender Debatte als Grundlage der weiteren Arbeit angenommen. Darnach wurde das Präsidium und die Leiter der einzelnen Sektionen gewählt: (Die Liste der Gewählten bringen wir in unserer nächsten Nummer und behalten wir die Würdigung dieses wichtigen Fortschrittes auf dem Gebiete der Entwicklung des thoratreuen Schulwesens in Wien uns vor.) Für die Mädchenvolksschule der Talmud Thora. Der Knabenvolksschule der Talmud Thora, IL, Malzgasse 16, wurden mit diesem Schuljahr auch die zwei unteren Klassen einer Mädchenschule angegliedert. Um den weiteren Ausbau der Mädchenschule zu ermöglichen, hat sich ein Damenkomitee gebildet, dem einstweilen folgende Damen angehören: Frau Karoline Altmann, Frau S. Adler, Frau David Bischofswerder, Frau Ernestine Bondi, Frau David Bondi, Frau Oberrabbiner Fürst, Frau Josef Herzog, Frau Dr. S. Lemberger, Frau David Lemberger, Frau Recha Neurath, Frau Gustav Pappenheim, Frau Henny Schreiber. Das Komitee hat sich zur Aufgabe gemacht, für die Mädchenschule in weitesten Kreisen der thoratreuen Judenheit Propaganda zu machen. Das Komitee hat sich bereits mit Fachmännern in Fühlung gesetzt, die in Vorträgen die Bedeutung und Wichtigkeit der jüdischen Erziehung der Mädchen der Wiener thoratreuen Judenheit dartun werden. Der erste Vortrag findet Sonntag, den 1. Nissan (18. März), statt. Der Vorstand der Talmud Thora-Schule, wie all jene, die bisher die schwere Sorge für die Erhaltung der einzigen jüdischen Schule in Wien getragen haben, begrüßen es mit großer Freude, daß nun ein vornehmer Kreis von Damen, deren Zahl noch sicherlich sich vergrößern wird, zur aktiven Arbeit für den Ausbau der Schule schreitet. Es wird für alle Zeiten einen Glanzpunkt der Geschichte der Wiener Orthodoxie bilden, die Tatsache, daß diese Stätte einer echt jüdischen Erziehung trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht nur erhalten wird, sondern den Bedürfnissen der Zeit entsprechend ausgebaut werden konnte. Die Vorarbeiten zur Kenessio Gedaulo und die Jugend. Wie bereits gemeldet, ist die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien bemüht, alle Vorbereitungen für die Kenessio Gedaulo, die im heurigen Sommer in Vyien stattfinden soll, zu treffen. Insbesondere soll für die Zeit vor der Kenessio Gedaulo mit starker Propagandatätigkeit eingesetzt werden. Der gemeinsame Presse- und Prbpagandaausschuß der Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe veranstaltete bereits am vergangenen Sonntag eine Propagandaversammlung, über deren glänzenden Verlauf wir an anderer Stelle berichten. Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Mitgliedsbeiträge, die die Voraussetzung für das aktive und passive Wahlrecht sind, für das Jahr 1923 bereits fällig sind. Es ist Ehrenpflicht eines jeden orthodoxen Juden, seinen Beitrag unaufge" fordert an die Orts- oder Jugendgruppe zu ent" richten, wodurch unnütze Spesen und viel wertvolle Zeit erspart wird. Mitgliederversammlung' der Agudas Jisroel- Jugendgruppe, „B"-Gruppe, Wien. Mozze Schabboth, den 24. Februar, hielt die Agudas Jisroel-Jugendgruppe, „B"-Gruppe, ihre erste heurige Mitgliederversammlung ab, die überaus zahlreich besucht war und einen sehr anregenden Verlauf nahm, welche die angenehme Hoffnung zuläßt, daß dieser Abend allen Anwesenden neue Anregung und neue Begeisterung für die weitere Arbeit vermittelte. Der Obmann Weiß eröffnete, begrüßte die anwesenden Mitglieder und die Vertreter der Jugendgruppe. Siegmund Stern begrüßt für die Jugendgruppe die Versammlung, um dann die Frage der Jugenderziehung in Familie und Gesellschaft zu besprechen. Redner verwies darauf, daß in einar Großstadt, wie Wien unerläßlich ist, für jeden der die Familientradition auch im Leben verwirklichen will, sich einen Gesellschaftskreis zu schaffen, der die Fortsetzung in natürlicher Ergänzung der Familie sei. Genug oft hat es sich gezeigt, daß Kinder der besten Häuser schon in den jüngsten Jahren durch andersgesinnte Gesellschaft auf Abwege geraten sind und darin liegt die Bedeutung der „B"-Gruppe, daß sie es sich zum Ziel gesetzt hat, der Schuljugend und darüber hinaus der erwerbstätigen jüngeren Jugend Gelegenheit zu geben, die freien Stunden des Tages und der langen Winterabende in einem Kreise zu verbringen, dessen Grundlagen dieselben sind, wie die des orthodoxen Familienhauses. Nach den bei-, fällig aufgenommen Ausführungen ersuchte Redner die Erschienenen zu eifriger Tätigkeit für die Sammlung „Für die hungernden Kinder in Rußland", die über Beschluß des Vorstandes in den nächsten Tagen stattfand. Als Nächster sprach der Obmann der Jugendgruppe Herr David Baumgarten, an Anlehnung an drei Memroth der Gemoro, über die Wichtigkeit des Lernens, die höher stehe, als Hazolaus nefoschaus, der Bau des Heiligtums und schließlich Kibud aw weem, was der Redner* in geistreicher Weise dahin auslegte, daß gerade im Lernen selbst Kibut aw weem erst richtig zum Ausdruck kommt. Mit der eindringlichen Mahnung, alles andere zurückzustellen, nur jede freie Minute dem Studium der heiligen Lehre zu widmen, schloß Redner unter stürmischem Beifall seine begeisternden Ausführungen. Als Nächster sprach der Vortragende der „ß"-Gruppe Herr Moritz Spitzer heitere Worte zum bevorstehenden Purim, die in die ernste Mahnung ausklangen, die heiligen Ziele unserer Bewegung mit4 jugendlichem Eifer zu fördern, insbesondere dem Lernen mit allem Ernste zu obliegen und forderte die Anwesenden zur tatkräftigen Mitarbeit an der „Rußland-Aktion" auf. Die anschließende Diskussion, die zeitweilig stürmisch verlief, brachte eine schon längst geheischte Aussprache über Meinungsverschiedenheiten, die schließlich aber in einhellige Begeisterung ausklang. Allen Anwesenden hat es dieser Abend klargemacht, wie wichtig die Förderung unserer Jugendbewegung ist und wie notwendig es ist, gerade die Jüngsten schon zu erfassen, was uns mit G-ttes Hilfe in der „B"-Gruppe vollkommen gelang. Der 7. Adar. Als Ergänzung zu der von uns mitgeteilten Liste der im vorigen Jahre verstorbenen Rabbiner werden aus Leserkreisen die Namen folgender Rabbiner mitgeteilt: Menachim David Temkin, Pietrkow, der am 9. Marcheschwan verschied. Ferner Josef Altmann, Oberrabbiner von Mezö-Gsat, der am 2. Adar verschied. Die Eröffnungsfeier des neuen Heimes der Heimstätte für jüdische Kinder, XIV. Bezirk, Goldschlagstraße 84, findet Sonntag, den 23. Adar (11. März) statt. Gründungsversammlung der Union deutschösterreichischer Juden in Wr.-Neustadt. Die Sonntag, den 25. Februar, stattgefundene gründende Versammlung der Union deutschösterreichischer Juden zeigt ein Einlenken der vom überlieferten Judentum abseits stehenden verantwortlicheniPersonen. Sekretär Siegfried Fleischer, Wien, führte aus, wie die Betonung des Nationalismus von Seiten der Zionisten zu irrtümlicher, dem Gesamtjudentum zum Nachteil gereichender Auffassung bei unseren Wirtsvölkern geführt hat. Medizinalrat Dr. Heinrich Haase, Wien, betonte in seinen Ausführungen noch deutlicher die Verknüpftheit des Schicksals der Judenheit mit dem Thorajudentum. Dr. Erber (Zionist) aus Klosterneuburg findet eine gemeinsame Arbeit zur Abwehr der Verteidigung notwendig, nur mit der Aguda kann man nicht verhandeln. Dieser, der Orthodoxie äußerst feindselig gegenüberstehende Herr bedauert ferner, daß die Orthodoxie durch den Zuwachs aus dem Burgenlande Stärkung erfährt. Herr Rosenberger, Wr.-Neustadt, bemerkt, daß die Herren von der Union unerwarteter— jedoch erfreulicherweise das Thorajudentum als das Judentum bezeichnen; wie denn anders, haben sich doch die Juden der Diaspora in allen Ländern zu allen Zeiten, hauptsächlich zum Zwecke der gemeinsamen Thora- und Religionspflege zusammengefunden und er finde nach obigen Aeußerungen der Union, die eine gemeinsame Abwehr des Antisemitismus plane, den Beitritt zu verweigern. Redner wendet sich dann gegen die unberechtigte Kritik, welche Dr. Erber an der Aguda und an der burgenländischen Judenheit geübt hat. Auf Aufforderung von Seiten des Kultusvorstehers Gustav Ungar, mußte nun Doktor Erber seine beleidigenden Aeußerungen zurückziehen. Dr. Bauer (Zionist), Wr.-Neustadt, erklärte erst nach Einholung des Parteibeschlusses und wenn die Agudisten ebenfalls diese gemeinsame Plattform betreten würden, in die Union eintreten zu wollen. M. R. Purimfeier im Internat für verlassene Knaben. Sonntag, den 4. März, veranstaltete Herr Direktor B. Glück im Internate ein Purimspiel, dargestellt durch Zögljnge der Anstalt. Wiewohl die Feier nur internen Charakter hatte, waren zahlreiche Gäste erschienen, an deren Spitze der Obmann des Lokalkomitees Herr Schrötter und Gemahlin, Herr Gemeinderat Drr Schwarz-Hiller und Herr Engel standen. Purimfeier der Jessod Hathora. Die Schülerinnen der Jessod Hathora haben anläßlich des Purimfestes Sonntag, den 16. Adar (4. März), eine interne Feier veranstaltet, die äußerst gemütlich und stimmungsvoll verlief. Eingeleitet wurde die Feier mit einem Gedicht von Frau Grete Stern, das von Lina Pappenheim vorgetragen, noch an Schönheit gewann. Dann wurde das Purimstück „Das Geheimnis des Königs" von den Schülerinnen mit großer Geschicklichkeit und Charme vorgetragen. Nachher folgte ein kleiner Imbiß, der die lustige Schülerschar bis in die späten Abendstunden in fröhlichster Stimmung zusammenhielt. Ankündigung. Samstag, den 17. März, halb 8 Uhr abends, findet im großen Vortragssaal der Agudas Jisroel-Jugendgruppe ein Vortrag des Herrn Moritz Spitzer aus Trnava über das Thema: „Geist und Schrifttum des Judentums zur Zeit der •Charäer", statt. Gäste, auch Nichtmitgliedqr, herzliehst willkommen. Helfet den Hungernden!

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