Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 10 (9.3.1923)
- Date
- 1923-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 60 JÜDISCHE PRESSE Nr. 10 Der Anschluß des Podkarpatsko-Ruß an die Preßburger Kanzlei. Haben die Zustände, die im ersten Teil dieses Artikels geschildert wurden, die Beziehungen der jüdischen Gemeinden in Podkarpatsko-Ruß zu staatlichen Aufsichtsbehörden und den anderen Regierungsstellen, die in wichtigen, die Juden besonders interessierenden Fragen ein entscheidendes Wort zu sagen haben, nicht recht in ruhige Bahnen lenken lassen, so erwies sich Verwirrung und vollständige Zerfahrenheit für das Innenleben des podkarpatischen Judentums geradezu als verhängnisvoll. So traurig und beschämend es auch sein mag, die Tatsache kann nicht aus der Welt geschafft werden, daß im innerjüdischen Leben des Podkarpatsko-Ruß seit Jahr und Tag völlige Anarchie herrscht. In der Provinz wirken Rabbiner, die als Menschen sowohl als auch als Talmide Chachomim hervorragende D^TU sind und im gesamten Judentum Verehrung genießen. Nach Hunderten sind die Baale Batim zu zählen, die an PHVV und PttCT» sowie an verfeinertem Gemeinsinn einem jeden orthodoxen jüdischen Gemeinwesen zur Zierde gereichen würden. Trotzdem war es den Gegnern eines soliden friedlichen jüdischen Lebens möglich geworden, diese U e b e r g a n g s z e i t zu benutzen, um alle diese Männer in den Hintergrund zu drängen oder doch einige Zeit zu völliger Ohnmacht und Tatenlosigkeit zu zwingen. Denn es ist wahrlich nicht jedermanns Sache, sich in den Strudel wild aufschäumender und leidenschaftlich gärender Gegensätze zu werfen und die Zügel an sich zu reißen. Diejenigen, denen der Umsturz der Novembertage ihr bisheriges öffentliches Wirken oder ihre in der Stille gehegten Ideale öffentlicher Betätigung unversehens über den Haufen geworfen hatte und auf der Suche nach-neuen Idealen das Judentum „entdeckt" hatten und nun mit ihrem ganzen Entdecker-Ungestüm sich auf die naiven, auf so viele Liebe gar nicht gefaßten Massen in Podkarpatsko-Ruß stürzten und ihnen eine Menge Schlagwörter, wie sie gerade vom Zeitungswirbel in die Höhe getrieben wurden, durcheinander in die Ohren schrien, 'hatten nichts zu verlieren und durften von der Resignation der berufenen Führer mit gutem Instinkt nur Vorteile, für sich erhoffen. Die manigfaltigsten Interessen fanden auf diese Weise Annehmer und Förderer im Podkarpatsko-Ruß, die sich gegenseitig bekämpften und aufs härteste befehdeten. Gemeinsam war all diesen Gruppen und Grüppchen das nur oberflächlich verschleierte Bestreben, die Basis des religiösen Lebens, die G e m e i n d e und die A u t or i t ä t der pTllrt und i h rer Träge r, der Rabbiner, zu untergraben. Der Anfang schien ihnen Erfolg zu' versprechen. Bei den bisherigen deutschen Assimilanten in Prag und bei manchem bisherigen ungarischen Patrioten war jüdischer Nationalismus mit einem Male „Trumpf" geworden.. Die nationalistische „Rückkehr zum Judentum" war ihnen ein sehr bequemer Weg geworden, um sich den Opfern und Pflichten, die das Judentum seinen Bekennern auferlegt, ganz nach der Art der jetzt verpönten „Assimilanten" auch weiterhin zu entziehen und trotzdem innerhalb der jüdischen Gasse, in den jüdischen Vereinen und Gesellschaften kühn das große Wort zu führen und mit derZeit — nachdem sie die wenigen orthodoxen Mitläufer abgeschüttelt haben würden —■ vielleicht auch wiederum zum höchsten Gipfel ihres heißesten Sehnens zu gelangen, nämlich, zu der Anwartschaft auf, eine Vertretung des Judentumsnach Außen. In den Zwischenphasen böte sich jedenfalls Gelegenheit, in diesem Winkel der Republik Judentum (behüte, nicht zu „reformieren", sondern) zu „erneuern", „regenefieren", „nationalisieren", „zionistisieren". „hebräisieren" und manch Sonstiges zu leisten, was auf einem Zionistenkongreß. oder zumindest auf einem Misrachi-Delegiertentag in Zilina ein freundlich aufgenommenes Referat liefert. Für die erste Zeit ist eine „hebräische" (nicht „jüdische") Schule im chassidischen Munkacs immerhin ein Erfolg, dessen sich der nationalistische Zionismus in der gesamten westlichen Orthodoxie (in London, in Paris, in Berlin oder Frankfurt, in Wien, in Prag oder Preßburg) nicht rühmen kann. Nicht übergangen kann an dieser Stelle der C h i 1 u 1- H a s c h e m werden, der sich inmitten der orthodoxen Kreise abgespielt und vielleicht m e h r als jede der angeführten Aktionen von seilen der grundsätzlichen Gegner der Verwilderung der inneren Verhältnisse und dem Auftauchen und Fortschreiten religionsfeindlicher zionistischer Tendenzen Vorschub geleistet hat. Wir wollen heute über diese traurige Episode der Kämpfe, die im Podkarpatsko-Ruß die Gemüter in Erregung hielt und den Gedanken an die Gemeinsamkeit der bedrohten Güter nicht aufkommen ließ, in diesem Zusammenhange nicht rechten. Ungebändigte Eigenmächtigkeit eines von Skrupeln nicht gehinderten Einzelnen erklärt vieles, entschuldigt aber kaum' etwas. Wir wollen Wunden nicht aufreißen. Die orthodoxen Gemeinden und die orthodoxen Rabbiner des Podkarpatsko-Ruß haben inzwischen mit ihrem fast einhelligen Beschluß, d i e 1' r e ß b u r g e r Kanzlei zur S a c hwalterin der podkarpatischen orthodoxen Interessen zu machen, auf das deutlichste kundgetan, daß in der Verwaltung der gesamten orthodox konstituierten Gemeinden der tschechoslowakisch e.n Republik die große Linie wieder gefunden ist und daß sie entschlossen sind, den zerstörenden Hader aus unserer Mitte zu bannen und in der Abwehr gegen jegliche Anfeindung des orthodoxen Judentums ohne Wanken und Schwanken auch innerhalb der Gemeinden die ehrliche Richtung innezuhalten. Der Anschluß der podkarpatischen orthodoxen Gemeinden an die offizielle Vertretung der slowakischen Orthodoxie schafft somit eine einheitliche Phalanx der überlieferungstreuen jüdischen Gemeinden, wie sie sonst das Judentum an Größe und an Kompaktheit derzeit nicht besitzt. In der Preßburger Zentrale sind dadurch die wertvollsten Lebenskräfte des Judentums in allen Spielarten wieder zusammengefaßt und zu früchtbarem Wirken wieder vereinigt, nachdem unselige Verhältnisse und hinterlistige Anfeindung zum großen Schaden der gemeinsamen Daseinsziele wenige Jahre die Bande gelockert hatten. Und wenn sich die Gesamtheit der treuen Kämpfer für die Erhaltung des heiligen Erbes unserer Väter über den weiten Erdenrund zu gegenseitiger Lehr und gemeinsamer Wehr die Hand reichen, so wird diese engere Vereinigung' innerhalb der Grenzen unserer Republik gerade in ihrer historisch verwurzelten und auf gemeinsame Erfahrung sich gründenden ausgeprägten Festigkeit auch i m eine Auswirkung finden, wie sie des Andenkens unserer großen Lehre r d e r vorigen Generation w ü r d i g istundwiesievonviele n Tau senden begeisterten Mitgliedern unserer o r t h o d o x e n G emei n den sehnsüc ht i g erhofft wir d. - g e r a d e Jemini. Tag Adar März Notizen Sonntag 23. n. Tod Dawid Oppenheim, Temesvar 5581 Montag 24. 12. Tod R, Eisek Margolies, Prag 5285 — Tod R. Chaim Algasi, Konstantinopel (Nessiwoth Mischpot) 5400 — Tod R. Abraham, Berlin 5490 — Czar Alexatider I. Ukas gegen Ritualmärchen 5578 Dienstag 25. 13. Ewil Merodach befreit König Joachim (Jeremia 52) — Tod R. Isaak Drohobycz, Lemberg 5578 — Tod Jehüde Leb Galicienstein, Aba (Ung.) 5599 Mittwoch 26. 14. Autodafe in Granada, Sevilla 54C8 — Tod R. Abraham Fasselberg, Prag 5475 — Tod R. Issachar Ber, Wien-Nikolsburg 5513 — Tod R. Menachem Manele 5581 Donnerstag 27. 15. Jörn Kippur Koton — Tod R. Juda A. di Modena, Venedig 5408 — Tod R. Arje Leb, Meseritsch und Boskowitz 5515 — Tod R. Mose Leb Mezerits, Batorkesz 5562 Freitag 28. 16. Tod R. Simcha Rofe (Leibarzt Sobieskys) 5462 — Tod Machazis haschekel 5567 Samstag 29. 17. Wajakhel-Peküde — Parschas-ha-Chodesch — Hal'tora: Ko omar Haschern — Roschchodesch-Benschen — Tod R. Arje Juda Thumim (Rabbiner von Czortkow-Jartschuw) 5558 — Tod Rabbiner Ahron Moses-Amsterdam (Proselyt aus schwedischem Adel) 5563 Berichtigung: In das erste Kapitel >haben sich bedauerlicherweise einige sinnstörende Druckfehler eingeschlichen. Seite 50, Rubrik 2, statt „Nicht mehr um Einzelheiten der ..Kultur', richtig: „Kultus'"; Rubrik 3, statt .,nur verkehrstechnische Hindernisse standen ihrem Ersatz'', richtig: ihrem Erscheinen; daselbst statt ..Die direkten Massen'*, richtig: dichte n Massen. Aguda in der Slowakei. In einem ausführlichen Rundschreiben, das soeben an die Orts- und Jtfgendgruppen und alle Vertrauensmänner der Agudas Jisroel in der Slowakei versandt wird, richtet die Leitung der slowakischen Landesorganisation einen dringenden Appell an alle Anhänger der Agudas Jisroel, ungesäumt an die Vorarbeiten für die bevorstehende Kenessio Gedaulo zu schreiten. Die Empfänger des Rundschreibens werden auch auf diesem Wege aufgefordert, den beigelegten „Fragebogen" schnellstens zu beantworten und das Inkasso der fälligen Jahresbeiträge in die Wege zu leiten. Der Landesverband der Jugendgruppen richtet einen besonderen Aufruf an die angeschlossenen Gruppen, sich den Ortsgruppen zur Durchführung der notwendigen technischen Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Das „große Verhör". Wie alljährlich-fand auch diesmal am 11. Adar das große Verhör an der hiesigen Jeschiwah unter reger Teilnahme der Preßburger Talmide Chachomim statt. Eine Vertretung des Gemeindevorstandes und der Repräsentanz, die Mitglieder des Rabbinats und viele jüngere und ältere Baale Batim waren erschienen, um ihr Interesse an dem Gedeihen dieser segensreichen Lehrstätte der Thora zu beweisen. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Schreiber nahm jeden einzelnen der Schüler vor und behandelte in seinen Kreuzfragen das ganze durchgenommene Pensum. Am Schlüsse richtete Se. Ehrw. warme Worte der Anerkennung für das Geleistete und Ermutigung und Aneiferung für die Zukunft an seine Schüler, die ihrerseits mit Kundgebungen ihrer Dankbarkeit und Verehrung erwiderten. Grand Sanatorium (Ua$$eriKilai$falt Bratislava (Preßburg), tiefer Sieg Chirurgie, Geburtshilfe, Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Öhren-, Kohlkopf- und Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische und bakteriologische Laboratorien. Täglicher Pauschaipreis von ÖK 55 aufwärts Pauschalpreis für Entbindung von ÖK 1100 bis 5K 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige cK 15. Freie Aerztewahl. Rituelle Verpflegung unter Aufsicht des Preßburger orthodoxen Rabbinates. Agudas Jisroel Jugend-Grappe Bratislava. Unterrichtssektion. SchiurimeinteiluTi g. Jeden Abend, 7 Uhr, jHin3D"K*lÖa Vortragender Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Hirscbler. ttHlp rOttf nachmittags y,4 Uhr, Vortrag Sr. Ehm. Herr Rabbiner Hirschler. p"tt7tt abends Va8 Uhr, Melave Malko. Gäste gerne gesehen. Adas Jisroel jScliilfschul), 11., GroOs SchiffgnssB 8. Gebetstunden: vom 21. bis 28. Adar. Freitag, den 21. Adar, J-Q^ ftfap: 545 Uhr. Samstag ^Wl 'S Morgengebet 6*45 und 9-30, Mincha 12-15 und 3-30, puW "»NüflÖ: 6'30 Uhr. An Wochentagen Morgengebet 620, Mincha 5-45 Uhr. Donnerstag mplü Tftp *y\EO üV'.t 1215 Uhr und mit?m mnp: s-iöW 1 Eigentümer und Herausgeber: „Jüdischer Verlag G. m. b. H.u, II., Rembrandtstraße 41. — Verantwortlicher Redakteur: Jakob Deutsch, II., Franz Hochedlingergasse 3. Für die Tschechoslowakei : Heinrich Schwarz, Bratislava. — Druck: Genossenschafts - Buchdruckerei, Wien, VIII., Hernalser Gürtel 20. — Telephon Nr. 19.772.