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Jüdische Presse · 1923-02-23 · 8 (23.2.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
8 (23.2.1923)
Date
1923-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE Seite 4» eigene Mittel besitzen, oder denen sie die Mittel 2ur Verfügung stellen kann, die zu einer Existenz ausreichen. Menschenopfer bringen, um mit großen Zahlen zu flunkern, ist ein Verbrechen, dessen sich die Aguda nie schuldig machen wird. Unsere Gegner, die nach Balfour und San Remo von der Erlösung sprachen und airh in religiösen Kreisen einen Geulah-Taumel auslösten, sind ernüchtert und unsere religiösen Juden haben wohl schon den Glauben, daß uns die Politik die Geulah bringen wird, verloren. Wir können und werden in Erez Israel mit aller Kraft arbeiten; aber auch wenn die Judenheit ihre ganzen materiellen Kräfte diesem heiligen Ziele widmen will, wird das Tempo so wenig zu beschleunigen sein, daß wir sicher hoffen dürfen, die wirkliche Geulah weit früher zu erleben, als auf natürlichem Wege Bedeutendes erzielen zu können. Interessant ist, daß von Oberkommissars wegen die jüdischen Staatsbeamten am Sabbat nicht ins Amt gehen müssen. Die national orientierten Herren gehen aber doch hin, weil sie das Beispiel geben wollen, man darf. \V. Das Schicksal dar burgenländischen Kultusgemeinden. Unser Artikel über das Schicksal der burgenländischen Kultusgerneinden hat auf die interessierten Kreise einen tiefen Eindruck gemacht. Wir erhalten von unseren Lesern zahlreiche Zuschriften, von denen wir folgend einen Brief eines alten, ehrwürdigen und nun in schweren materiellen Sorgen lebenden Rabbiners veröffentlichen: Hochgeehrte Redaktion der „Jüdischen Presse" Wien. Ihr Artikel bezüglich des Burgenlandes muß jedes jüdische Herz tief bewegen, doch entspricht es noch nicht der wahren Wirklichkeit; man muß es selbst sehen, die vielen Ruinen im jüdischen Vierfei, die baufälligen Häuser einstiger Heimstätten von min!TTDJ?1 wie die alten, ehrwürdigen flVDJS TO aussehen, alles hat die Gestalt eines pmn. Die reichen DTD "^JD sind weggezogen,. die zurückbliebenen sind nicht imstande die Renovierungen vorzunehmen. Die Angestellten darben und hungern, sind abgehärmt, nicht imstande sich ordentlich zu kleiden, die armen Gemeinden können nichts leisten und honorieren Ihre Angestellten nicht so hoch, daß diese auch nur bedürftig leben könnten. Vielleicht wird die amerikanische Hilfe doch bald eine Rettung bringen, doch möchte man wünschen, daß dies bald geschehen möge. N. N. Die Wahrheit setzt sich durch. Herr Salman Rubaschow hielt im Zionistischen Klub in Berlin einen Vortrag über seine Eindrücke in Polen. Herr Rubaschow ist sicher nicht voreingenommen für die Orthodoxie und daher verdienen seine Aeußerungen erst recht. Beachtung. Er sagte: Der Zionismus in Polen hat in den letzten Jahren Erfolge in einem Ausmaße gehabt, wie sie früher nicht vorzustellen war. Dennoch, wenn man in zionistische Versammlungen kommt, spürt man keinen frischen Luftzug und sieht keine Jugend. Die Massen sind nicht zionistisch, aber sie sind von einer glühenden Pal.'tstinasehnsucht getragen. Die Zahl der organisierten Zionisten steht in gar keinem Verhältnisse zur Zahl derjenigen, die bei den Wahlen zum Sejm den Zionisten folgten. Ganz anders ist die polnische Orthodoxie, deren wichtigster Teil die Ghassidim sind. Ich war bei einem Rabbi und sah, daß der Chassidismus besteht wie vor 25 Jahren. Es war ein gewöhnlicher Sabbat. Hunderte von Juden drängten sich dort und was das Charakteristische war, j dort waren junge Menschen von 18 bis 20 Jahren. Noch ein ■ anderes ist zu erwähnen. Das ist die MusBar-Bewegung. Hier handelt es sich um eine wirkliche religiöse Neuschöpfung, die im Gegensatz zur bisherigen Methode der Jeschiwoth, den Nachdruck auf das ethische Problem und die ethischen Bücher der jüdischen Literatur legt. Diese Bewegung ist in Rußland entstanden. Als die Bolschewisten ihre Verbote geeren die jüdische Religion erließen, waren es die Trager der Mussar- Bewegung, die mit Todesverachtung, wie unsere Vorfahren im Mittelalter, getrotzt haben. Sie sind schließlich nach Polen gekommen und üben einen großen Einfluß aus. Die Mussar- Bewegung vermag einen ungeheuren Fanatismus großzuziehen, auch gegen uns, auch gegen Erez Jisroel, weil sie die jüdische Religion nicht geachtet fiadet. Solche Worte müssen festgehalten werden. Mit Freude sehen wir die Erkenntnis bahnbrechen, daß nicht etwa Trennungsorthodoxen, wie das schöne Wort klingt, und nicht Frankfurter Ideologen die thoratreue Judenheit aufwiegeln, sondern die grundehrliche und elementare Entrüstung gegen Abfall und Irreligiosität, die es mit. Jezerhora - Künsten verstehen, sich in den Mantel von Zion und Erez Jisroel-Liebe zu hüllen. Die Bolschewisten im Kampfe gegen die Religion. In englischen Zeitungen lesen wir folgende Nachricht: Die Sowjetregierung ist nach und nach gezwungen, auf wirtschaftlichem Gebiete den kapitalistischen Theorien sich zu nähern. Um so schärfer praktiziert sie ihr Programm auf dem Gebiete des Kulturkampfes. In Moskau hat sich am Neujahrstag, der dort auf den 18. Jänner fällt, folgendes begeben. Es fand eine Massendemonstration statt, an der sich Arbeiter, Studenten und Schüler mit ihren Lehrern beteiligt haben, unter dem Schlachtruf: „Weg mit jeder Religion, der Giftquelle der Menschheit.* Um die Demonstration eindrucksvoll zu machen, hat man die hölzernen Figuren von den Stiftern der christlichen, mohamedanischen und budhistischen Religion öffentlich verbrannt. Als der Demonstrationszug vor einer Synagoge anlangte, mußte Moses, unser großer Lehrer, das gleiche Schicksal erleiden. Doch ein kleiner Unterschied war doch festzustellen. Als die Masse der Statue Moses gewahr wurde, brach sie in Schmahrufen „Zyd, Zyd" aus. Das Kulturprogramm der Bolschewiken scheint ja nur bis zur Abschaffung der Religionen und Verbrennung der Religionsstifter in effigie zu gedeihen. Ansonsten bleibt selbst auf diesem Gebiete das zaristische System aufrecht. Was ist Eenessio Gedaulo? Sie ist die Erfüllung eines alten Traumes. Endlich soll die jüdische Gemeinschaft vor aller Welt den innigen Zusammenhang des Lebens jedes einzelnen Juden und der jüdischen Gesamtheit mit G-ttes Wort bekunden. Die Kenessio Gedaulo ist eine Demonstration für die Ewigkeit unserer heiligen Lehre. Die Kenessio Gedaulo wird die Antwort, geben auf alle Fragen, welche heute jedes jüdische Herz belasten. Die Kenessio Gedaulo wird zeigen, daß in engster Anlegung an unsere heiligen Gebote die Judenfrage gelöst werden kann. Die Kenessio Gedaulo wird uns den Weg weisen nach Erez Jisroel. Sie wird uns Klarheit geben darüber, wie wir am Besten die Möglichkeit, die der Allmächtige in so wunderbarer Weise erschlossen hat, zur Ehre des Judentums und seines Heiligtums benützen können. Dazu ist aber nötig, daß jeder, dem es einst ist um den Sieg der Thora in Israel, sich an den Wahlen der Kenessio Gedaulo betätigt. Es hat kein ehrlicher Jehudi das Recht, gleichgültig beiseite zu stehen, wenn es sich um die ganze religiöse Zukunft seines Hauses und seiner Kinder handelt. Man erwirbt das Recht für die Kenessio Gedaulo zu wählen oder gewählt zu werden,' dadurch, daß man Mitglied der Ortsgruppe der Agudas Jisroel wird. Für uns Wiener ist die Sache deshalb doppelt bedeutsam, weil wir die Ehre haben werden, die seit Jahrtausenden zum ersten Male stattfindende Heerschau der Thora in unseren Mauern zu beherbergen; da muß natürlich Wien in entsprechender ^j&ise"« vertreten sein. Wir Wiener, die wir eine sq srtaillich^ Anzahl ernster und gelehrter Juden zu deß u'nsern zählen dürfen, müssen auch bei dieser Versamjnljr dasjenige Maß von Einfluß uns sichern, welches;/ drittgrößten jüdischen Gemeinde' der Welt gebührt. Wir erwarten deshalb, daß die Wahlbeteiligung eine sehr rege sein wird. Jeder einzelne Bezirk wird eine besondere Orf^ gruppe bilden und die Männer seines Verträuens zur Kenessio Gedaulo entsenden. Deshalb eile jeder sich als Mitglied in die Listen der Aguda eintragen zu lassen, um zur gegebenen Stunde sich an der Kenessio Gedaulo zu betätigen. Dtutscbfcferrticl). Eine Berufungins Zentralbureäu der Aguda. Herr M. G. Wölk, Mitglied des Zentralkomitees der Agudas Jisroel in Littauen, hat einer Berufung des Zentralbureaus der Agudas Jisroel -Wien Folge geleistet und Avird nun seine wertvolle und erprobte Arbeitskraft im Dienste der Aguda in der Wiener Zentrale entfalten. Der Wiener Oeffentlichkeit stellt sich Herr Wölk mit einem Vortrage vor, der unter dem Titel „Das orthodoxe Judentum und Erez Israel", Sonntag, den 9. Adar (25. Februar), um 3 Uhr nachmittags, im Turnsale der Talmud- Thora-Schule, IL, Malzgasse 16, stattfindet. (Wir beglückwünschen herzlichst den neuen Agudaarbeiter in Wien.) Sijum-Feier im Beth Hamidrasch der Stumpersynagoge. Sonntag, den 2. Adar (18. Februar), versammelten sich die Thoratreuen des VI. und VII. Bezirkes, um den Sijum nach dem ersten NACHRICHTEN. Traktat des Talmuds, der von dem gelehrten und eifrigen Rabbiner der Stumpersynagoge Herrn Rabbiner Fies'ch i"} in öffentlichen Schiurim im Beth Hamidrasch vorgetragen wurde, zu feiern. Um die weihevolle Stimmung und freudige Erregung der Anwesenden zu verstehen, muß man in Betracht ziehen, daß in den westlichen Bezirken Wiens die Thoratreuen und die Talmudbeflissenen nur sehr spärlich gesät sind. Umso größer ist das Verdienst des Herrn Vereinsrabbiners M. Presch und des Vereinsvorstandes. Der Obmann der Adas Jisroel (Schiffschul) Herr Siegmund Bondi hat in warmen Worten diesem Verdienste im Namen der Schiffschul Dank gezollt. Diese Anerkennung gilt aber nicht nur der Vergangenheit. Sowohl der Schlußvo^rag des Herrn Rabb. Flesch, der mit herrlichen Thoraworten geschmückt war, wie die Begrüßungsansprache vom Obmann Herrn Moritz Felsenburg, haben den Anwesenden die Gewißheit gegeben, daß die Thoratreuen dieses Bezirkes von dem unerschütterlichen Willen getragen sind, auch in der Hinkunft für Thoraverbreitung zu arbeiten. Herr Rabbiner Dr. Pinchas Kohn hat in kernigen Worten den Ewigkeitswert der Thora gefeiert, der nun auch in diesen Bezirken Wiens gewürdigt, verstanden, geschätzt und ajuch in täglichen Schiurim erworben wird. Nachdem noch die anwesenden Rabbiner H. Schenk (Talmud-Thora II.), Benedikt (Adas Jeschurun JX.), A. Weiß (Emunas Awes XIV.), seitens des-Vorstandes der Stumpersynagoge Herr Eduard Dttuj.sjji und Herr Geiringer gesprochen -haben, gaben die Zöglinge der TMlmud-Thor.a-Schule Benau »und Bjbring rfiit, \kv&n Vorträgen davöfrAZeugnis, ^fi^Sr Ehrw^te$t Rabbiner Flescly^s*-versteht, lü'ch't nur auf die Alten zu wirken, d* im .IJiiQMwissen mit Er weisen. Die Sijum-Feier,^deren Herr Oberkantoi^ßraun^if gediegerjJE^Chor^bestritt, da' * ^-^HBtfen. Das treffiir1ern auch untergehen Teil seinem 'die späten ffe'ment war das Weflffib'n Herrn Goldstei»^n&Be?Sg\i, dessen fromme MiUtejfoJn Anlehnung an die besten Traditionen •gutei^Tauen in Israel es sich nicht nehmen ließ, die Gäste in überaus reichlicher Weise zu bewirten. Eine interessante öharaischoosorfeier. In einer hebräischen Schule der westlichen Bezirke Wiens wurde selbstverständlich auch das Chamischoosorfest gefeiert. Hat doch dieses Fest palästinensischen Charakter. Die Richtung nach Palästina in dem Gebrauche der Sprache, wie in der Feier der Gebräuche hielt selbstverständlich die Teilnehmer, unter denen auch Rabbiner der Kultusgemeinde erster Marke nicht fehlten, davor nicht zurück, sowohl die hebräischen Lieder, wie die hebräischen Reden und die Ghamischoosorfrüchte ohne Kopfbedeckung zu genießen. Uns, die den Geist dieser Schulen und dieser palästinensischen Richtung wohl kennen, überrascht diese Sache nicht. Wir verzeichnen diese Begebenheit nur deshalb, weil einzelne Vorstände der Bethäuser in den westlichen Bezirken, die aus propagandistischen Gründen geladen wurden, mit tiefer Empörung uns von diesem, ihnen merkwürdig erscheinendem Vorfalle berichtet haben. Diese einfachen, braven Juden haben noch mit der hebräischen Sprache, mit Palästina ein Gefühl der Weihe und Heiligkeit verbunden. Als sie die Profanierung dieser heiligen Gefühle gesehen haben, entfernten sie sich mit der Erkenntnis, daß nicht alles was hebräisch, auch jüdisch sei; nicht alles was palästinensisch, auch wert ist, im heiligen Lande Erez Israel einen Platz zu finden. Das Internat für verlassene Knaben, Wien, III., Schimmelgasse 6, veransla.tet über Wunsch mein erer in der Umgebung wohnender Juden regelmäßigen G-ttesdienst. Es ist dies ein neuerlicher Beweis von dem steigenden Interesse, das die Institute des „Jüdischen Hilfswerks der Agudas Jisroel8 allseits gewinnen. Vergangene Woche hat sich überdies ein Landstraßer Komitee zur Förderung des Internates gebildet, dessen Vorsitzender Herr Schrötter ist. Spendet für das Internat für verlassene Knaben! m Agudas Jisroel-„B"-Gruppe, Wien. XVII. Im Rahmen der öffentlichen Veranstaltungen der Agudas Jisroel-„BH-Gruppe Wien XVII. fand am Samstag, den 17. Februar 1923 P. Mischpotim im Lokale des Bethausvereines Wien XVII, Thelemanngasse 8, ein Vortrag des in Jugendkreisen rühmlichst bekannten Herrn Moritz Spitzer aus Trnava statt. Vor einem großen Auditorium, das den Ausführungen des geschätzten Vortragenden mit sichtlichem Interesse folgte, erörterte Herr Spitzer unter Anlehnung an die im erwähnten Wochenabschnitte entwickelten Thesen über die jüdische Rechtsprechung in großen Umrissen die in jeder Beziehung hochwichtigen und heiligen Aufgaben, die sich die „B8-Gruppe bei ihrer in der Vorwoche stattgefundenen Gründung gesetzt und betonte, zur Besprechung der heute aktuellen jüdischen Tagesfragen übergehend, an der Hand statistischer Daten und überzeugender Tatsachen, die für die Ausbildung der heranwachsenden jungen Generation im traditionellen Sinne unerläßliche Notwendigkeit, echte Religiosität und jüdisches Wissen mit den Aufgaben des täglichen Lebens harmonisch in Einklang zu bringen. Nach anderthalbstündiger Dauer, schloß der Vortragende unter stürmischen Beifallskundgebungen seitens des zahlreich erschienenen Publikums seine äußerst eindrucksvollen und inhaltsreichen Ausführungen. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Brigittenau gedenkt am Rauschchaudesch Elul, zur Zeit der hier stattfindenden Kenessio Gedaulo, ein Sijumhaschaß zu veranstalten. Teilnehmer mögen sich schriftlich oder mündlich (jeden Mozeschabbes zwischen 7 und 9 Uhr abends) an die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Brigittenau, XX., Bäuerleg. 20, unter Angabe der von ihnen erwünschten Meserchte, > melden. Präses Tlinmim im Aguda-Waisenhause, Baden. Herr J. J. Thumim, Präses des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel, der zurzeit in Wien als Gast verweilt, besuchte am Montag, den 26. Schebat das Aguda-Waisenhaus, Baden. Gerade um die Mittagszeit angelangt, ergötzte sich der Präses an den erhebenden Anblick, wie die blühend aussehenden

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