Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 6 (9.2.1923)
- Date
- 1923-02-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 34 JÜDISCHE PRESSE Nr. 6 Die Gründung einer Agnda-Jugendgruppe in Lackenbach. Ueber Einladung des dortigen provisorischen Ausschusses entsandte die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien Sonntag, den 4. Jänner, einige Herren des Vorstandes nach Lackenbach im Burgenlande, um die Ortsjugend über die Ziele und Zwecke der Agudas Jisroel- Jugendgruppe zu informieren. Eine zu diesem Zwecke einberufene Versammlung, die überaus zahlreich besucht war, bot den Gästen Gelegenheit mit der gesamten Ortsjugend in Fühlung zu treten und im Laufe der Diskussion Unklarheiten zu bereinigen, was zur Gänze gelang, so daß die am gleichen Tage gegründete Agudas Jisroel-Jugendgruppe Lackenbach nicht nur den überwiegenden Teil der Anwesenden in ihre Mitgliederliste aufnehmen konnte, sondern auch die Sympathien sämtlicher Anwesenden gewann. Namens des vorbereitenden Komitees begrüßt Herr Moriz Schey die unter Führung des Obmannes Herrn David Baumgarten erschienenen Gäste, denen er Dank sagte für die Mühewaltung. Als Erster sprach hierauf Herr David Baumgarten, über die Ziele der Jugendbewegung innerhalb der Orthodoxie, die er dahin zusammenfaßte, daß es Aufgabe der gesetzestreuen Jugend ist, sich vorzubereiten für die Belastung, die ihr späterhin im Dienste der großen Sache aufgebürdet werden wird und es ist heute unerläßlich, daß diese Erziehungsarbeit gemeinsam und einheitlich in einem Verband aller Gleichgesinnten geschehen muß. Alle Geistesrichtungen des modernen Judentums haben sich zu Machtverbänden zusammengeschlossen für ihre Ziele, die alles eher denn klar sind, und um so mehr ist es notwendig, daß auch wir, die wir nie auf Quantität, sondern nur auf Qualität gesehen haben, uns zusammenfinden zur Verfechtung der gemeinsamen Ziele. Daß hiebei nicht Einer fehlen darf ist für den, der sich der Verantwortung bewußt ist, klar. Unter Beifall aller Anwesenden schloß Redner mit der Aufforderung, rasch und entschlossen zur positiven Arbeit überzugehen. Der Vorsitzende, Herr Schey, dankte dem Redner und erteilte einem zweiten Herrn der Wiener Jugendgruppe das Wort. Ausgehend von der Tatsache, daß Lackenbach als eine der ehemalig ungarischen Kehillos ein Beweis für die Tragfähigkeit der Idee des selbständig organisierten orthodoxen Judentums ist, führte Redner aus, daß die „Agudas Jisroel" in den ehemals ungarischen Gegenden gegenüber dem Status quo nicht im Wesen, sondern nur in der Form etwas Neues bildet. Während große und mächtige orthodoxe Massen, die nicht die reinliche Trennung der grundsätzlichen Unterschiede auch in der äußeren Form durchführten, heute wesentlich gelichtete Reihen aufweisen, ist die numerisch viel schwächere ungarische Orthodoxie zu ungeahnter Stärke angewachsen. Es hat sich die weise Voraussicht jener Führer, die vor 55 Jahren die Trennung in Ungarn durchgeführt haben, vollkommen bewährt. Das Neue an der heutigen Bewegung der Orthodoxie ist, daß der Kampf nicht mehr zwischen den Führern entschieden wird, sondern weil durch die Gegner in die Gasse getragen, durch die Masse. Wie ehedem zur Zeit des weisen Königs streiten heute die zwei jüdischen Müller um das lebende Kind und nur die natürliche Zugehörigkeitsempfindung kann entschieden, in welchem Lager das Leben und die Zukunft ist. Die Frage ißt heute eine Gewissenfrage für jeden Mann und jede Frau und jedem jüdischen jungen Manne: Gehöre ich ins Lager der jüdischen Traditionstreuen oder in jenes der jüdischen Modernen. Wollen wir den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Judentums durch die geistige Wiederaufrichtung einleiten, oder ohne Rücksicht auf Vergangenheit, losgelöst von den tausendjährigen Zusammenhängen ein Judentum, begründet auf die schwachen Voraussetzungen unserer Zeit begründen. Die Frage ist heute für jeden Mann, für jede Frau und jede Gemeinde, um so mehr eine Gewissensfrage, als sie in dem großen Ringen den Ausschlag geben kann. An Hand von Beispielen aus der Erfahrung unserer jüngsten Zeit, insbesondere jenen des russischen Hilfswerkes, bewies Redner, daß der Zusammenschluß aller Gleichgesinnten heute nicht minder Gewissenssache als wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Als Nächster sprach Herr Leopold Lederer eindringliche Worte an seine jungen Ortsfreunde, die den auch von vollstem Erfolg begleitet war, wodurch die Bemühungen dieses Herrn um die Gründung dieser Jugendgruppe reichlich gelohnt waren. Die durch Herrn Schey in glänzenden kurzen informativen Ausführungen eröffnete Debatte, nahm einen übraus anregenden Verlauf, und beteiligten sich an ihr, nebst einigen Herren der Gäste die Herren Beinhacker, Kohn und Schey eifrig und kam in allen Ausführungen die Sympathie der Anwesenden für die Idee der „Agudas Jisroel" zum Ausdruck. Schließlich dankte Herr David Baumgarten den Freunden aus Lackenbach, insbesondere den Herren Kraus, Kamin und Schey für ihre liebenswürdige Einladung und versicherte die Anwesenden der vollsten Unterstützung seitens der Wiener Jugendgruppe. Es erübrigt sich wohl nicht zu betonen, daß der von der gegnerischen Presse als bestehend erklärte Misrachi nicht existiert, sondern im Gegenteil alle Versuche zur Gründung einer solchen Gruppe an den gesunden Sinn und der aufrechten Haltung der Ortsbewohner und insbesondere der Jugend scheiterten. Ungarn. Eine jüdische Schulkrisis in Ungarn. (J. C. B.) Der Unterrichtsminister Graf Cuno Klebelsberg hat eine Verordnung erlassen, laut welcher 75 jüdischen Schulen die staatlichen Subventionen entzogen werden. Da gerade diese Schulen in den ärmeren jüdischen Gemeinden zu liegen kommen, werden sie gezwungen sein, ihre Tätigkeit einzustellen. Eine große Anzahl Lehrer wird dadurch brotlos gemacht werden. Die Zahl der von der ungarischen Regierung subventionierten jüdischen Schulen beträgt im ganzen 223. Man befürchtet, daß die Regierung noch weiteren jüdischen Schulen die Subvention entziehen wird. In Anbetracht der gegenwärtig schwachen finanziellen Lage der jüdischen Gemeinden kann dieses Vorgehen der Regierung zu einer Kulturkatastrophe für die ungarische Judenheit werden. Rumänien. Ausdehnung der antijüdischen Exzesse auf Bessarabien. (J. C. B.) Die antijüdischen Exzesse, die sich im Laufe der letzten Wochen in verschiedenen Städten Altrumäniens ereignet haben, haben sich nun auch auf Bessarabien ausgedehnt. Der Herd der bessarabischen antisemitischen Bewegung ist das Lizeum in Kischenew. Wie es heißt, haben sich auch die in Kischenew stationierten Militärkräfte an den Exzessen beteiligt. Eine sehr intensive antijüdische Propaganda entfaltet der Erzbischof Gurij. Entnationalisierung der Minoritäten*Scholen in Beflarabien. (J. G. B.) Die Regierung hat eine Verordnung erlassen, laut welcher vom Beginn des kommenden Schuljahres (September 1923) an, in allen nationalen Minoritätenschulen Beßarabiens die rumänische Sprache als ausschließliche Unterrichtssprache eingeführt werden soll. Bloß Religion darf in der Sprache der betreffenden Nationalität erteilt werden. Außerdem darf eine Stunde täglich die Nationalsprache als besonderer Gegenstand gelehrt werden. Italien« Piume. Auf Einladung der Fiumaner orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde und der sich jüngstens gebildeten Jugendgruppe weilte Herr Rabbiner Dr. Pollak über Schabboth Schiro in unserer Mitte. Er hat sowohl Samstag wie . Sonntag nachmittags in der Synagoge einen Vortrag gehalten, in welchem er die Grundlagen der Zusammenfassung und der Arbeit der thoratreuen Judenheit erörterte. Der Vortrag Sonntag nachmittags war speziell für die Jugend bestimmt und mit Freude können wir es feststellen, daß auch die orthodoxe Jugend in Fiume mit ganzer Begeisterung in die Reihe jener Jugendgruppen treten will, die in den letzten Jahren für Limud Hathora so ersprießlich gearbeitet haben. Sowohl der Vorsteher der Gemeinde, Herr Berger, wie die Vertreter der Jugund haben dem Vortragenden versichert, daß sie für die in seinem Vortrage entwickelten Ideale mit voller Energie arbeiten werden. Vorbereitungen zn den Wahlen in den gesetzgebenden Eat Palästinas. (J. C. B.) Die Regierung Palästinas hat soeben in Jerusalem, Jaffa, Haifa und anderen Städten Palästinas, die Wählerlisten für die Wahlen in den gesetzgebenden Rat Palästinas auslegen lassen. Aenderungen und Verbesserungen können nur bis zum 9. Februar vorgenommen werden, an welchem Tage die Listen abgeschlossen werden. Man nimmt an, daß die Wahlen Ende Februar stattfinden werden. Die Bank der Brandeis-Gruppe in Palästina. (J. C. B.) Die von der amerikanischen Brandeis- Gruppe in Palästina gegründete Bau- und Darlehensbank hat bis zum heutigen Tage 70.000 ägyptische Pfund an verschiedene Baugesellschaften verliehen. Allein in Jerusalem werden mit Hilfe dieser Bank 150 Häuser gebaut. Die Auswanderung aus Palästina. (J. G. B.) Nach einer offiziellen Mitteilung, sind im Laufe des Monats September aus Palästina 2708 Personen abgereist, von welchen der größte Teil Touristen und Kaufleute waren, aber auch Emigranten, die nicht mehr ins Land zurückzukehren gedenken. Es handelt sich um 131 neu« eingewanderte und 91 dem alten Jischub angehörende Juden, von denen der größere Teil sich nach Amerika begibt. Vereinigung der jüdischen Parteien Karpathorußlands? Unter dieser Aufschrift lesen wir in den nachfolgend angeführten Tagesblättern eine Anzahl von Notizen, die uns deshalb wert scheinen, im Originaltext wiedergegeben zu werden, weil die darin angeführten Fakten geeignet sind, einiges Licht in die verworrenen jüdischen Parteiverhältnisse des Ländchens zu bringen, dem sich angesichts gewisser Vorgänge der letzten Zeit reges Interesse zuwendet. So schreibt die „Bratislaver Zeitung am Abend" unterm 20. Jänner folgendes: Vereinigung der jüdischen Parteien in Podkarpatskä Bas. 80.000 jüdische Wähler rechnen anf zwei Mandate bei den Parlamentswahlen. Mukaßevo, 19. Jänner. Auf die Nachricht über die bevorstehenden Parlamentswahlen in Karpathorußland wurde bereits mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen. In Karpathorußland gibt es zwei jüdische Parteien: die eine ist die jüdisch-konservative Partei, die zweite, größere, die jüdisch-bürgerliche Partei, welche mit Hilfe des Prager jüdischen Nationalrates gebildet wurde und zionistisch gesinnt ist. Emanuel Guttmann, der Präsident der letzteren Partei, führt gegenwärtig in Prag sowohl mit der Regierung als auch mit dem jüdischen Nationalrat Verhandlungen, bei welchen der Wunsch zum Ausdruck kam, daß sich beide Parteien bei den Parlamentswahlen vereinigen mögen. Im Interesse der Verwirklichung dieser Idee wird in den nächsten Tagen eine Versammlung in Mukaöevo stattfinden. Wenn die Vereinigung zustande kommt, können nach der Meinung gut informierter Kreise die 80 000 jüdischen Wähler von Karpathorußland auf zwei Mandate rechnen. Das «Prager Tagblatt" schreibt etwas vorsichtiger am gleichen Datum: Die jüdischen Parteien Karpathorußlands. Aus Preßburg wird uns gemeldet: Der Präsident der jüdisch-bürgerlichen Partei Karpathorußlands, Guttmann, welche mit Hilfe des Prager jüdischen Nationalrates gebildet wurde und daher zionistisch gesinnt ist, führt gegenwärtig in Prag Verhandlungen, welche die Vereinigung dieser Partei mit der jüdischkonservativen Partei Karpathorußlands bezwecken. Der Verwirklichung dieser Idee wird eine Versammlung in Munkacz dienen. Man hofft dadurch bei den Wahlen in Karpathorußland 80.000 Stimmen und zwei Mandate zu erlangen, während dasselbe Blatt, daB einen ständigen Zuspruch von bezahlten zionistischen Reklamenotizen hat (siehe die jeweils mit Insertionsnummern versehenen Notizen) und nicht gerne jüdisch-konservativen Richtigstellungen Raum gibt, gleich am nächsten Tage, am 21. Jänner, wie folgt berichtet: Die jüdischen Parteien Karpathorußlands. Zu der Notiz unreses gestrigen Blattes wird uns von jüdisch-konservativer Seite gemeldet: Die schon wiederholt von interessierter Seite verbreitete Nachricht, als ob sich die »jüdisch-konservative Partei'Karpathorußlands auch mit der zionistisch orientierten jüdisch-bürgerlichen Partei* vereinigen wolle, beruht auf Erfindung, ebenso wie die Angabe, als ob in Karpathorußland mit 80.000 jüdischen Stimmen zu rechnen wäre, eine offensichtliche Uebertreibung ist. Ein Blick in die offiziellen Daten des statistischen Amtes belehrt darüber, daß in Karpathorußland nur 98.000 jüdische Seelen leben, davon zirka 20 Prozent andersnational orientierte, während der Rest, von dem ein jüdisches Wahlbekenntnis zu erwarten ist, im besten Falle 80.000 bis 35.000 Wähler darstellt. Zum tatsächlichen Stande der Angelegenheit wird uns berichtet: Der sogenannte Prag er Nationalrat, über dessen ganzes Wesen man in Prag vom Anfang an nicht in Unklarem war und um den sich heute, zumal seitdem die beiden orthodoxen Vertreter U. und Dr. L., die das bischen Ansehen dieser Körperschaft repräsentiert haben, ausgetreten sind, niemand, weder Juden noch Behörden — welch letztere ihn übrigens niemals anerkannt oder bestätigt haben — kümmert, nimmt die bei den letzten Wahlen verlorene Liebesmühe unter dem Eindrucke der zu erwartenden Wahlen wieder auf. Er möchte gerne die in der Slowakei abgetanen und durch den Wegfall der Orthodoxen vollkommen illusorisch gewordenen „Vereinigten jüdischen Parteien* nunmehr in Russokarpathien wieder zum Leben erwecken und auf diese Weise, sei es durch direkte Kandidaturen oder durch ein eventuelles Zusammengehen als „Vereinigte* bei allgemeinen Wahlen, sich die so lange ersehnten Mandate für seine „Führerschaft* sichern. Er hat zu diesem Zwecke, nachdem doch offen bekannter Zionismus in Russokarpathien eine ganz unmögliche Marke ist — wie es aus den vorangeführten Zeitungsnachrichten auch ersichtlich ist — unter Zuhilfenahme einiger verkappter Zionisten Karpathorußlands die „jüdisch-bürgerliche Partei* begründet, welche sich auch alsbald dem Nationalrat und auch den „Vereinigten" angeschlossen hat. Die Hauptaufgabe der Neu-Schöpfung, die noch nicht das allergeringste im Interesse des Klalls oder zur Wahrung von Einzelinteressen unternommen hat, besteht darin, daß sie ununterbrochen unter dem Rufe nach Einigkeit (lies richtig: Anschluß an den Prager Nationalrat) gegen die mit größter Energie und vielfachen Erfolgen in Karpathorußland und in Prag arbeitende konservative Partei hetzt. — Nichtsdestoweniger hat die konservative Partei schon wiederholt die Hand zum Frieden bieten wollen, zumal sicher auch in der bürgerlichen Partei eine Anzahl irregeführter Jereirn und achtbare Leute sind. Aber sie hat als erste und unabänderliche. Bedingung die Forderung aufgestellt, daß jeden Zweifel ausschließende Garantien dafür geboten werden müssen, daß nicht etwa nur im Au gen blick des Zusammenschlusses der beiden Parteien, sondern ein für allemal und für jede Eventualität ein Zusammengehen mit jenen Leuten ausgeschlossen bleibt, deren ganzes Sein und Wesen dem der karpathorussischen Judenschaft vollkommen und nach jeder Richtung entgegengesetzt ist. Dies bezieht sich aicht etwa nur auf religiöse Momente, wo doch jeder weiß, wie es diesbezüglich in Böhmen aussieht — wo 80 Prozent der Knaben unbeschnitten bleiben und (wie die offiziellen Zählungsdaten nachgewiesen haben) das herangereifte Geschlecht auch dann sich als Jüdisch-national'1 bekennt, wenn es bereits den katholischen Glauben angenommen hat, sondern vor allem auf das politische Programm, welches hier zu Lande mit einer Minoritätspolitik die Juden direkt dem wirtschaftlichen Ruin und dem schärfsten Antisemitismus zu überliefern geeignet ist. Die Juden wollen hier keine Prozentnorm riskieren und verwahren sich gegen jede Minoritäts- oder Sonderrechte, sondern verlangen — wie es auch vor kurzem in einem Memorandum an den Ministerpräsidenten gesagt wurde — die absolute volle und ganze Gleichberechtigung, und zwar nicht nur auf dem Papiere, sondern in jeder Beziehung des öffentlichen und privaten Lebens. Darüber mit dem Aufgebote der ganzen Kraft zu wachen, ist die Aufgabe des konservativen Elementes sowohl in Russokarpathien als auch in der Slowakei! Vor einigen Wochen erschienen nun in dem Prager tschechischen Wochenblättchen des Nationalrates einige mit E. W. (der verantwortliche Redakteur dieses Blättchens ist der sattsam bekannte Emil Waldstein) gezeichnete fortlaufende Artikel, die an Beschimpfung der Orthodoxie, ihrer Einrichtungen, Yor allem aber der Rabbiner — welche kurzweg und ohne eine vorgebrachte Ausnahme als Charlatane und noch ärger beschimpft werden und deren Maßnahmen und Enunziationen kurzweg als „Gassenbübereien* bezeichnet werden — welche — und das ist eigentlich der Hauptzweck der Artikel —- die Regierung aufgefordert wird, nicht zu dulden!!! Gleichzeitig wird das Unifikationsministerium angerufen, welches eine allgemeine Kultusgemeinde-Wahlordnung für die ganze Republik einführen soll!! Einmal wurde auch unter Wiedergabe des gefälschten Berichtes des Wiener gesinnungsverwandten Zionistenblattes, die „Agudas Jisroel" und anschließend daran die Zentralkanzlei und die ganze Orthodoxie denunziert, daß sie gegen die Entente und somit antistaatlich gesinnt sei. Um Wert und beabsichtigte Wirkung dieser Enunziationen richtig einzuschätzen, muß man wissen, daß dieses in tschechischer Sprache geschriebene Nationalratsblättchen selbst gar keine Abonnenten hat, jedoch den Behörden, Ministerien usw. auch nach der Slowakei und Karpathorußland gratis zugeschickt wird. Uebrigens dürfte eine Vorbringung des Blattes auch den Gegenstand der Einleitung einer Strafuntersuchung bilden. Mit diesen Leuten nun sollen die russokarpathischen Juden, die schon einige böse Erfahrungen privater Weise mit den Advokatenkanzleien der Herren Führer in Prag gemacht haben, Hand in Hand gehen, und es finden sich wirklich Leute von Namen und einem gewissen Ansehen, die sich von diesen Leuten in Prag kortegieren lassen und ihnen zusichern, daß sie zumindest ein Zusammengehen in „Vereinigten" mit ihnen zu Hause durchsetzen werden. Es sind verläßliche und eidesbereite Zeugen dafür da, daß Herr Guttmann durch ebendenselben Waldstein in ein Prager hohes Amt vorführen und vorstellen ließ und mit ihm, als Sekretär des Nationalratei und zugleich einzigen „Machers* desselben, in Verbindung steht. Einen weiteren Kommentar zu solchen Vorgängen soll sich nun jeder Unbefangene und Ehrliche selbst machen ...!!