Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 6 (9.2.1923)
- Date
- 1923-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 32 JÜDISCHE PRESSE Nr. 6 wie ror Jahrhunderten der Punkt, von wo aus die Lehre und das Leben des jüdischen Volkes bestimmt werden. Es muß noch viel Arbeit geleistet werden, um einen würdigen Rahmen für die Kenessio Gedaulo zu schaffen. Die agilen Führer der Wiener thoratreuen Judenheit nehmen mit Freude diese Bürde auf sich in richtigem Ermessen der großen Würde, die damit der Wiener thoratreuen Judenheit vor den Augen der ganzen Welt zuteil wird. Rundschreiben an alle Orts- und Jngendgruppen der Agudas Jisroel. Durch die Breslauer Zentralratssitzung der Agudas Jisroel ist, wie durch die Presse bereits bekannt, der wichtige Beschluß der Einberufung des Kenessio Gedaulo für den Sommer dieses Jahres gefaßt worden. I. Zu der Vorbereitung gehört in hervorragendem Maße die Ausführung der Breslauer Beschlüsse bezüglich der praktischen Erez Jisroel-Arbeit, an welcher teilzunehmen Ehrenpflicht eines jeden Agudisten sein müßte. Wir stehen bereits in Verhandlungen, um für die Gesamtaguda einen größeren Landkomplex in Erez Jisroel zu kaufen, den wir dann in einzelnen Parzellen an Private abzugeben beabsichtigen, so daß jeder Agudist die Möglichkeit hat, ein Stück Land in Erez Jisroel sein Eigen zu nennen. Die Bedingungen, welche an den Besitz dieses Bodens geknüpft, sind folgende: a) Es darf auf diesem Boden nichts geschehen, was der Thora widerläuft. b) Solange der Boden nicht selbst vom Besitzer bewirtschaftet wird, hat die Aguda das Recht der Bewirtschaftung. c) Wenn der Besitzer seinen Bodenbesitz wieder veräußern will, hat die Aguda das Vorkaufsrecht. Der Preis des Bodens ist verschieden, je nach dem, ob es sich um Stadtboden oder um Ackerland handelt. Als Mindestanteil, ist ein Stück Land gedacht, welches dem Wert von ein Viertel Pfund entspricht (1 Dunam 900 Quadratmeter — 1600 Quadratellen ein halber Hektar, kostet vom Ackerboden 5 bis 6 Pfund, vom Stadtboden 25 bis 30). Um einen Ueberblick über die Größe des zunächst zu erwartenden Landkomplexes zu haben, bitten wir in Ihrer Gruppe die Interessenten für den Bodenkauf zu sammeln und auf beiliegendem Fragebogen uns das Ergebnis baldmöglichst mitzuteilen. II. Ein weiteres neuerdings in Angriff genommenes Betätigungsgebiet in unserer Palästina-Arbeit, ist die Beteiligung einer Reihe von agudistischen Firmen an einer Import- und Exportgesellschaft für Palästina. Diese Gesellschaft hat ihren Sitz in Berlin und Jerusalem und hat bereits ihre Tätigkeit begonnen. Der Zweck dieser Gesellschaft ist, dem palästinensischen und später auch dem syrischen und ägyptischen Kaufmann Gelegenheit zu geben, seine Importware von vertrauenswerter und möglichst aus erster Hand zu kaufen, andererseits soll aber auch der europäische Exporteur mittelst dieser Gesellschaft seino Waren an diese zuverlässigen und vertrauenswerten Firmen Palästinas, später Syriens und Aegyptens einbringen. Die Palästina-Handelsgesellschaft will* in dem Berliner und Jerusalemer Bureau ständig eine Musterausstellung der Waren unterhalten, deren Import für Palästina in Betracht kommt. Wir bitten Sie, uns diejenigen Firmen namhaft zu machen, welche eventuell bereit wären, sich an den Aguda-Konzern innerhalb der Export- und Importgesellschaft zu beteiligen. Wir werden uns dann mit denselben in Verbindung setzen. III. Der derzeitige Stand der deutschen Valuta voranlaßt uns dazu, die Golder der valutaschwachen Länder für Palästina auch zu solcher Tätigkeit zu verwenden, welche in deutschen Werten ausführbar ist. Hierzu rechnen wir in erster Linie den Ankauf wirtschaftlicher Geräte, Baumaterialien, insbesondere Holzhäuser für Palästina in Deutschland sowohl in Form von Einzelstiftungen (Häuser auf den Namen der Verstorbenen), als auch in Form von durch die Aguda zu verwaltenden Besitztum der Einzelnen, und sind wir bereit, diesbezüglich detaillierte Vorschläge für Interessenten auszuarbeiten. IV. Ein weiterer wesentlicher Punkt in unserer Palästina-Arbeit besteht in der fachmännischen Ausbildung geeigneter junger Leute für landwirtschaftliche Arbeit, wie auch als Handwerker. Dioso Ausbildung, die bereits begonnen hat, findet bis jetzt in Wien und Frankinden, muß es entweder an der erforderlichen Redlichkeit oder ganz an gesunder Vernunft gefehlt I haben." Von den Fällen, die den Marquis zu dieser Ansicht brachten, sei hier nur einer mitgeteilt samt den Bemerkungen, die er an ihn knüpft: Wenn man einem italienischen Bischöfe Glauben beimessen darf, so sind die Juden unter Philipp dem Schönen großer Verbrechen wegen aus Frankreich verbannt worden. Diese Beschuldigung wollen wir einmal genauer untersuchen, so werden wir finden, daß sie unbegründet und "bloß um den Geiz und die Habsucht Philipps des Schönen zu bemänteln, ersonnen worden ist. Erst wollen wir hören, was dieser Bischof sagt: „Im Jahre 1306 wurden die Juden aus Frankreich verbannt und all ihr Vermögen fiel der öffentlichen Kasse anheim. Es ging dies so weit, daß man ihnen weiter nichts als einen alten, abgenutzten Rock ließ und um dieselbe Zeit starben gewiß noch einmal so viele Juden, als ehemals aus Aegypten gezogen sind. Die Ursache, warum Philipp also mit ihnen vorfuhr, bestand darin: Er hatte erfahren, daß sie alle Jahre an dem Leidens- und Sterbenstage unseres Heilands, den Christen ein Kind wegstehlen und es hernach in einer unterirdischen Höhle auf grausame Art hinrichteten." Wer sieht nicht sogleich — fährt d'Argens fort — daß die Begierde, den Juden das Ihrige zu nehmen, mehr als zu hinreichend gewesen, um ihnen ein Verbrechen aufzubürden, woran sie nimmermehr furt a. M. statt. Auch hier möchten wir um Mitteilung darüber bitten, ob und wieviel junge Leute — selbstredend — Agudisten in Ihrem Kreise gewillt sind, sich für Palästina-Arbeit vorzubereiten. Die hierzu erforderlichen Geldmittel werden dem S'tam-Erez Jisroel-Fonds entnommen. V. Zu den wichtigsten Aufgaben unserer Palästina- Tätigkeit gehört die Sorge für die Erhaltung der Erziehungsstätten, wie überhaupt aller orthodoxen, kulturellen Institutionen in Erez Jisroel. In höchst dankenswerter Weise hat die tschechisch-slowakische Landesorganisation für das laufende Jahr es übernommen, 400 Pfund für diese Zwecke beizutragen. Um bo mehr ist es unsere Ehrenpflicht, auch hier unser Möglichstes zu leisten. Es ist unbedingt notwendig, eine minimale Summe festzusetzen, welche jeder Agudist für Erez Jisroel-Zwecke zu geben sich verpflichtet und zwar möchten wir hier einer Anregung der palästinensischen Landesor^anisation Erwähnung tun, welche vorschlägt, daß von jedem Mitglied der Aguda jährlich ein Schilling (ein Zwanzigstel Pfund) gezahlt wird. Diese Summe würde ausreichen, um zunächst dem größeren Teil unserer Aufgabe gerecht zu werden. Wenn jede Gruppe es sich angelegen sein läßt dementsprechend ihre Mitglieder zu bearbeiten, dürften wir in der Lage sein, den so oft gehörten Klagen über die Untätigkeit der Aguda in Erez Jisroel ein Ende zu machen. Wir erwarten zuversichtlich, daß die Rausch-Chaudesch-Spend e n entsprechend dem Stand der Mark erhöht werden, daß ferner mehr als bisher ein lebendiger Konnex zwischen den einzelnen Gruppen und der Palästina- Zentrale bestehen werde. Wir würden Ihnen vorschlagen, den Inhalt dieses Rundschreibens baldmöglichst zum Gegenstand einer Besprechung in Ihrer Gruppe zu machen, und uns dann als Ergebnis dieser Besprechung beiliegenden Fragebogen zu beantworten. Mit Aguda-Gruß Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. * Fragebogen. I. Wirtschaftliche Tätigkeit. A. Wieviel Boden wünschen die Mitglieder Ihrer Gruppe in Erez Jisroel zu kaufen? a) Ackerboden. b) Landboden. B. Welche Firmen in Ihrer Gruppe sind bereit, sich an der Epxort- und Import-Gesellschaft zu beteiligen? C. Welche Mitglieder Iherr Gruppe sind bereit ein Holzhaus in DeutschJannd zu kaufen und nach Palästina zu versenden? a) Auf eigenen Namen? b) Zu Ehren Verstorbener? D. Sind Mitglieder von Ihnen bereit, unserem Keren Hajischuw Gelder zum Ankauf von landwirtschaftlichen Maschinen und Baumatierialien für Palästina zur Verfügung zu stelen? E. Sind in Ihrer Gruppe junge Leute, welche geeignet und gewillt sind, sich als Handwerker oder Landwirte für Palästina ausbilden zu lassen? a) Auf eigene Kosten? b) Auf Kosten der Aguda? F. Ist an dem Ort Ihrer Gruppe eventuell Ausbildungsmöglichkeit für die unter E genannten jungen Leuten vorhanden und in welcher Art? II. Kulturelle Tätigkeit. A. Wie hoch belaufen sich die Rausch-Chaudesch- Spenden in Ihrer Gruppe bis jetzt? B. Wie hoch glauben Sie dieselben für das kommende Jahr einschätzen zu können? C. Wieviel Ihrer Mitglieder sind bereit, jährlich einen Schilling für die Palästina-Arbeit der Agudas Jisroel zu schaffen? D. Besitzt Ihre Gruppe unsere hebräische palästinensische Wochenschrift „Kol Isroel"? Wenn nicht, wie viele Exemplare wünschen Sie (Abonnementspreis jährlich ein Viertel Pfund)? E. Welche Informationen über Palästina wünschen Sie für Ihre Gruppe? Offener Brief an Universitätsprofessor Dr. Nievard Schlögl. Ihren „Offenen Brief in der „Reichspost" vom 24. Jänner endigend in der Ritualmordverleumdung, basieren Sie auf ein gefälschtos Zitat: „Sie logen in Ihrem Streit mit den Christen" (Buch Juchasin). Im weitern Verlaufe auf diese „Stelle" zurückkommend, schreiben Sie: „Daß die jüdischen Rabbiner gedacht hatten? Denn was haben die Juden davon, daß sie am Todestage des Gesetzgebers der Christen ein Kind opfern? Wo ist unter ihren Büchern eines, in welchem man auch nur die geringste Spur von einer solchen Gewohnheit findet? Wie kommt es, daß man ihnen in den Ländern, wo sie eine große Freiheit genießen, als in Holland, in England und in allen Staaten des türkischen Kaisers niemals etwas dergleichen nachgesagt hat? Was hat überdies ein so lächerliches Opfer für einen Endzweck, .welches durch die vornehmsten Gebote des mosaischen Gesetzes verboten ist? Ist es wohl jemals erhört worden, daß die Juden zu der Zeit, da es ihnen frei stand, in dem Tempel zu Jerusalem zu opfern, irgend einen Heiden geopfert haben? Und nun sollten sie heutzutage Menschenblut vergießen, da es ihnen sogar Tiere zu opfern, vermöge ihrer Religion verboten ist, worin ihnen ausdrücklich verordnet wird, daß sie außerhalb Jerusalems durchaus nicht das Blut der Opfertiere vergießen sollen? Man muß in der Tat entweder blödsinnig oder von Vorurteilen eingenommen sein, wenn man sich vorstellt, daß dergleichen Erzählungen einigen Grund haben. Marquis d'Argens hat sicherlich mit diesen Worten in der denkbar schärfsten Weise die gehässige, blutrünstigeRitualmord-Verleumdung gebrandmarkt. Man möchte fast glauben, daß sie nicht übertroffen werden könnte. Aber Marquis d'Argens findet in seiner leidenschaftlichen Empörung über die ungeheuerliche Beschuldigung, die tatsächlich so viel — iüdisches die den Messias betreffnden chronologischen Angaben wertlos machen wollen, steht fest. Denn Im Sefer Juchasin (Buch der Abstammungen) heißt es nach der Londoner Auegabe vom Jahre 1857, Seite 14: „Darum schrieben die israelitischen Gelehrten in ihrem Streite mit den Nazarenern (Christen): Der Naearener, von dem im Talmud geschrieben steht, sei nicht der, den dies« meinen. Auch besteht nach den geschichtlichen Büchern der Nazarener unter ihnen eine „Uneinigkeit" darüber, in welchem Jahre er (J.) geboren sei." Nach der Amsterdamer Ausgabe* (Folio 7) vom Jahre 1717 soll es am Anfang heißen: „darum logen: Kazebu nicht Kathebu (beides Kosebu gesprochen) usw. Diese Leaart paßt allein in dem Zusammenhang. Auch soll es in dieser Ausgabe am Ende des ersten Satzes heißen: „Dtae Lüge erlaubten Sie sich um des Friedens willen." In diesem Zusammenhange wagen Sie es von Fälschern und Fälschungen zu sprechen und die letzten Reste wissenschaftlichen Ansehens aufs Spiel zu setezn. Mir liegt nun die Amsterdamer Ausgabe vom Jahre 1717 Oj?"h) yor und ich kann erklären: 1. Auch in dieserAuBgabe (und zwar Folio 9b nicht Folio 7) steht Kathebu "OHD »sie schrieben" und nicht Kasebu « „sie loge^'n/ 2. Ihre Behauptung „diese Lesart paßt allein in dem Zusammenhang" ist eine dreiste Verkehrung der Wahrheit. 3. Der Satz „diese Lüge erlaubten Sie sich um des Friedens willen'4 ist frei erfunden. Sollten Sie sich nun nicht bemüßigt fühlen, „der Wahrheit" die „Ehre zu geben" und die Fälschungzu widerrufen?! Mit Uebersetzungsdrehkünsten gleich Ihrem „berühmten" „Josef holid es Jes. Holid: ließ in die Geburtsregister eintragen", werden Sie hier nicht herumkommen. Und trotz den Bullen der Päpste ** schreiben Sie abschließend: „Und welchen Zweck haben die vielon Ritualmorde? Doch nur den, damit sich die Juden fall» Jes. doch der verheißene Christus war, durch Genuß von Christenblut von ewiger Verdammnis bewahren?" Hiezu nur eine bescheidene Anfrage. Ist nur römischkotholisches Christenblut seligmachend oder besitzt auch Blut von Indexketzern: Anglikanern, Lutheranern, Calvinisten usw. die gleichen Eigenschaften? Wäre es nach Ihnen nicht angezeigt, wenn all diese Konfessionen durch organisierten Blutaustausch „dann vielleicht" sich vor Verdammnis bewahrten; am Ende war die „Blutbruderschaft" der alten Germanen auch nichts anderes als eine wechselseitige Seligkeitsversicherüng und Verdammnisbewahren? Kannibalen, die Ihr Missionäre freßt, wie beneide ich Euch! „Denn vielleicht..." Gabriel Fürst. * Ebenso in der Krakauer Ausgabe 1583, Königsberg 1858, Salkowa 1719, Londoner 1857. Die Amsterdamer Ausgabe des Juchasin vom Jahre 1717 liegt im Bureau der „Agudas Jisroel", II. Malzgasse 12a, auf. ** Vergl. hiezu die Bullen der Päpste Clemens III. vom Jahre 1190, Honorius III. vom 7. November 1217, Urban V. vom 7. Juni 1365, ferner die Ep. Gregor IX. vom 3. Mai 1235, Innocens IV., Calist, Eugen, Alexander Coelestin, Honorius, Gregor X. die gegen diese Mär entschieden auftreten. Zur Charakteristik Ben Jehudas. Geehrte Redaktion! Sie bringen in Ihrem geschätzten Blatte die Nachricht vom Tode des berühmten Gelehrten Ben Jehudah. Das orthodoxe Judentum anerkennt jedermanns Bedeutung, auf welchem Gebiete immer, also auch die Ben Jehudahs auf lexikalischem Gebiete. Wenn man aber dessen Arbeiten erwähnt und vollauf würdigt, darf man ea nicht unterlassen, seine ebenso hervorragende, weit jedes Maß übersahreitende Tätigkeit zu erwähnen, die er auf dem Gebiete des fYn DVn m Jerusalem entwickelte. — Er ging nach Jerusalem um dort am Sitze des hriligen, g-ttgeweihten Lebenswandels, den Weinberg des Herrn der Heeracharen zu verwüsten. Seine Art nach dieser Richtung war abstoßend und was in Erez Jisroel an Aufgeben jüdischen Tuns und Denkens geleistet wurde, ist sein Werk. Zur Charakteristik seines Wesens diene, daß er vor wenigen Jahren, Talmud Thora- Schüler in Jerusalem zu einer Jause einlud und ihnen Butterbrot mit Wurst anbot. Er war der größte Brunnenvergifter in Erez Jisroel. Dasjmußte seinem Mischeberach angeschlossen werden. W. Blut gefordert hatte, noch unendlich härtere Worte. Marquis d'Argens beleuchtet im Weiteren noch an einer langen, langen Reihe von Fällen, in denen Juden wegen angeblicher Hostienentweihungen furchtbare Verfolgungen zu erdulden hatten und schließt dann mit folgenden bemerkenswerten Worten: .Wenn ich über die grausamen Geschichten, die ich jetzt erzählt habe, ein wenig nachdenke, so fehlt nicht viel, daß ich mich ärgere, daß ich ein Mensch worden bin. Beinahe möchte ich wünschen, das unvernünftigste Tier worden zu sein, weil ich mich schäme, daß ich solche Leute, wie gewisse Europäer, unter meine Gattung zählen muß." Natürlich hat Marquis d'Argens diesen Ausruf, wie alles übrige, seinem Chinesen in den Mund gelegt; aber es war seine Ansicht, seine Meinung. Wie grenzenlos wäre das Staunen des Marquis gewesen, wenn er, der so im Jahre 1739 schrieb, geahnt hätte, daß es noch im Jahre 1923 Menschen geben würde, die sich nicht scheuen, öffentlich zu erklären, daß fie an den Ritualmord glauben! Ja, daß es dann noch Männer geben könnte, die zwar wissen, daß den Juden durch ihre Religion der Genuß von Tierblut verboten ist und doch die Anklage erheben, die Juden benötigen zu religiösen Zwecken Menschenblut! Zwei Jahrhunderte sind seit der Geburt des Marquis d'Argens verflossen, der angesichts der grauenhaften Judenverfolgungen erklärt hatte, er schäme sich fast ein Mensch zu sein; aber das grauenhafte Lügenmärchen vom Ritualmord lebt noch immer... G. E.