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Jüdische Presse · 1923-02-02 · 5 (2.2.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
5 (2.2.1923)
Date
1923-02-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 JUDISCHE PRESSE Seite 87 Dr. Nievard Schlägel und das Bitaalmordmärchen. Universitätsprofessor Dr. Nievard Schlögel h«it, nachdem er einsah, daß sein Name nicht durch wissenschaftliche Leistungen verewigt werden kann, mindestens die Lorbeeren, die der Straßenantisemitismus bieten kann, pflücken wollen. In einer antisemitischen Tageszeitung gibt er bekannt, daß er an Ritualmorden, mit denen das jüdische Volk seit acht Jahrhunderten beschuldigt wird, glaubt. Seit acht Jahrhunderten haben Dummheit und Aberglaube, die meistens gemeinsam marschieren, die dumpfen Volksmassen mit dieser abscheulichen Beschuldigung gegen das jüdische Volk gehetzt, ohne sie nur einmal bewiesen zu haben. Wenn nun nach den mißlungenen Versuchen des Universitätsprofessors Ro h 1 i n g und des Pfarrers Decker, die wegen ihrer Verleumdung gerichtlich belangt wurden, wiederum ein Universitätsprofessor die Beschuldigung aufgreift, werden viele entrüstet sein ob dieses kulturwidrigen, lügenhaften Beginnens. Wir bitten unsere Leser, uns nicht übel zu nehmen, wenn wir in dieses Entrüstungsgeschrei nicht einstimmen. Im allgemeinen halten wir den Kampf gegen den Antisemitismus für nutzlos. Aber in diesem besondern Falle möchten wir sogar der Genugtuung Ausdruck geben, daß trotz aller Fortschritte, welche auch die> Verbrechertecbnik der Massen Vergiftung in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, dem Antisemitismus auf dem Gebiete der Ritualmordbeschuldigung nicht gelungen ist, etwas Neues zu produzieren. Sie kommen über die niedrige Stufe des 13. Jahrhunderts nicht hinaus und es bleibt ihrer geistigen Kapazität unbenommen, im 20. Jahrhundert ihre Gefolgschaft mit den plumpen Erfindungen des finsteren Mittelalters zu füttern. Humanitäre Arbeit nnd Politik. Das amerikanische Central Relief Comitee hat anläßlich seiner Konferenz schwer getadelt, daß das Joint seine große Hilfsarbeit für die russischen Juden durch die jüdisch-kommunistische Gesellschaft „Idgeskom" leistet. Das Central Relief Comitee befürchtet, daß durch die Anspruchnahme der Dienste von sIdgeskomu die russischen Juden gezwungen werden, auch die sozialen und religiösen Ansichten der Vertreter dieser Gesellschaft in Kauf zu nehmen. Es ist ungemein wertvoll, daß nun unsere amerikanischen Brüder diese Erkenntnis gewonnen haben. Wir haben es seit Jahren mit Schmerz beobachten müssen, daß die Verwalter der amerikanischen Hilfsgelder ihre Vertrauensstellung mißbraucht und mit den amerikanischen Geldern nicht nur indirekt, sondern auch direkt Propaganda für ihre politischen Absichten getrieben haben. Sowohl in Polen wie Litauen, wie in Rumänien, aber auch in Oesterreich hat die Verwaltung der amerikanischen Hilfsgelder einen üblen politischen Beigeschmack gehabt, ganz wider den Willen der Amerikaner. Bei der Einstellung der Joint-Täligkeit im Sommer 1921 haben diese Kreise die schwere Gefahr für ihre dunkle Arbeit erkannt, und sie waren die Ersten, die gegen die Sistierung der Joint-Tätigkeit förmlich protestiert haben. Es ist nun zu erhoffen, daß unsere amerikanischen Brüder die Gesohichte der letzten Jahre ihrer Hilfstätigkeit nicht ganz vergessen haben und sie bei der nun neu begonnenen konstruktiven Arbeit, darauf achten werden, daß jede Destruktion femgehalten und ihr großes humanitäres Werk nicht zu politischen Zwecken mißbraucht werde. Die syrischen Zeitungen melden, daß Frankreich und Großbritannien nichts gegen den Gedanken haben, daß Syrien und Transjordanien unter der Herrschaft des Königs Abdullah vereinigt werden. Die kommunistische Gruppe in Palästina läßt ein Flugblatt in jiddischer Sprache zirkulieren, das sich gegen die englische Okkupation in Palästina ausspricht und die englische Behörde auffordert, das Land zu verlassen. In Minsk standen 15 Schüler der Jeschibah vor Gericht. Sämtliche Angeklagte wurden zum Verlassen Weißrußlands verurteilt. Die Wahlen in die palästinensische Gewerkschaftskonferenz erbrachten einen durchschlagenden Erfolg der radikalen „Achduth Haawodah" und eine Niederlage des gemäßigten „Hapoel Hazair". Der Oberrabbiner der Türkei hat an Mustafa Kemal Pascha ein Telegramm gerichtet, in welchem er dem türkischen nationalen Führer für die Unterstützung und den Schutz der jüdischen Bevölkerung dankt. Die Petersburger Akademie der Wissenschaften wählte in ihrer letzten Sitzung Professor Albert Einstein zum Ehren mitgHede. Der berühmte österreichische Historiker Prof. Dr. Pribram wurde zu einer wissenschaftlichen Vortragstour nach Amerika eingeladen. Dr. Feitlowitsch bereist gegenwärtig die italienischen Städte, um eine Unterstützungsaktion für die Falaschas zu arrangieren. In Paris erscheint ein jiddisches Wochenblatt, herausgegeben von N. Blumental, unter der Redaktion von N. Frank und unter dem Namen .Pariser Leben". •yy* •ws Zum Wochenabschnitt. (Aus Talmud und Midrasch.) Rabbi Nechemia sagte: Der Glaube an G-tt hat Israel den Schwung gegeben, mit Moses ein Lied zu singen, denn also steht geschrieben: Sie glaubten an den Ewigen und an seinen Knecht Moses; da sang Moses und Israel. * HlPtt *W TK Damals sang Moses. Vom Tage, da der Heilige, gelobt sei er, die Welt erschuf bis zu dem Tage, da Israel am Meere stand, finden wir nicht, daß dem Ewigen ein Lied gesungen wurde, nur Israel sang es. Adam der erste Mensch wurde erschaffen und sang kein Lied. Abraham wurde aus dem Feuerofen und aus Königengewalt errettet und sang kein Lied. Isaak war dem Messer entronnen und sang kein Lied. Jakob war von dem Engel befreit und von Esau und den Leuten von Sichern nicht mehr bedroht, er sang kein Lied. Aber als Israel zum Meere kam und das Meer sich spaltete, da sangen sie sogleich dem Ewigen ein Lied, wie es heißt: Das sang Moses und die Kinder Israel. * Ausspruch des Rabbi Berachia: Wirksamer als hundert Fasttage und Gebete war das Anrücken Pharaos für Israel. Warum? Als sie sahen, daß Pharao ihnen nachsetzte, fürchteten sie sich sehr und erhoben ihre Augen zum Himmel, gelobten Buße und beteten, wie es heißt: Und die Kinder Israel schrieen zum Ewigen. * rDu?n DlD^ IH3 'H 'O IX"! Sehet, der Herr hat euch den Sabbath gegeben. Hätte, hier nicht stehen sollen wisset, warum steht sehet? Da sprach zu ihnen der Heilige, gelobt sei er: Wenn die heidnischen Völker kommen und euch fragen werden, warum beobachtet ihr den Sabbathtag, da sollet ihr ihnen sagen: Ihr sehet doch, am Sabbath fällt kein Manna herab. Worte des Rabbi Lewi: Wenn Israel den Sabbath richtig beobachtet, sei es auch nur ein einziges Mal, kommt der Messias. Warum? Wei der Sabbath allein alle übrigen Gebote aufwiegt?;J; p^lüj? fcO^I Da kam Amalek. In Hiob, Cap. 8 heißt es: Ich'hatte nicht Frieden und nicht Ruhe und Rast, da kam das Verhängnis. Ich hatte nicht Frieden von Babel und von Medien, keine Ruhe und keine Rast gab mir der Grieche und Edom ward unserfVerhängnis. DetmcbösurrcicD. Einberufung der Kenessio gedaulo. Auf Grund der ihm vom Plenum des Zentralrates erteilten Ermächtigung hat der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel beschlossen, die Kenessio gedaulo der agudistischen Weltorganisation auf den 4. Elul 5683 (16. August 1923) nach Wien einzuberufen. Wr.-Neustadt. Am 24. Jänner fanden hier die allgemeinen Kultuswahlen statt. Zionisten, Fortschrittliche standen den Orthodoxen gegenüber. Vor einem Monat setzte schon der Kampf ein und bestätigte sich der Ausspruch unserer Weisen Dp^Hb % WXft KW da die Orthodoxie mit großer Mehrheit siegte. Von den 19 Mandaten erhielten die Orthodoxen 16. Gewählt wurden die Herren: Gustav Ungar, Jakob Jaul, Harry Schiff, Hugo Reininger, Sam. Mandl, Jakob Blum, Sal. Gewing, Aron Weiß, Emil Koppel, Leop. Hacker (Erlach), Adolf Sidon (Lanzenkirchen), Sigm. Löwy sen., Samuel Frankl, Karl Gruber, David Löwy und Jakob Aldor von den Orthodoxen; die Herren Dr. Leopold Bauer, Samuel Kluger und Adolf Mayer sen. von der zionistischen Partei. Die Beteiligung an der Wahl war eine derart rege, daß von sämtlichen hiesigen Wählern bloß sechs nicht zur Wahlurne schritten, weil sie verreist waren. Jung und Alt wartete im Tempelhof spät nachts — es war schon halb 10 Uhr — das Ergebnis der Wahl ab und war der Jubel der Orthodoxen unbeschreiblich, als sie sahen, daß die g-ttliche Hilfe sie zum Siege führte. Lackenbach (Burgenland). Am 11. Sehewat, nachmittags, fand hier eine imposante Versammlung statt, in welcher Herr Rabbiner Dr. Joel Pollak, der zur Besprechung der Lage der burgenländischen israelitischen Kultusgemeinden mit unserem Herrn Rabbiner hier weilte, und Herr Leopold Lederer aus Wien über das Programm der Aguda referiert haben. Die Versammlung, an der fast die ganze Gemeinde mit Präses Löbl an der Spitze teilnahm, wurde von Herrn Oberrabbiner Krauß eröffnet, der mit seinem Erscheinen seine Zugehörigkeit zur Adas Jisroel dokumentieren wollte. Die zündende Rede des Herrn Dr. Pollak, die uns allen den Grundgedanken der Agudas Jisroel ins Herz prägte, hat es bewirkt, daß sich sofort eine Orts- und Jugendgruppe gebildet haben. Herr Oberrabbiner Krauß schloß die Versammlung mit dem Versprechen, eine aktive und agile Arbeit für Agudas Jisroel entfalten zu wollen. Jahrzeit des Prof. Maler David Kohn s. A. im Aguda-Waisenhans, Baden. Am 2. Schebat wurde das Jahrzeit des unvergeßlichen Förderers Herrn Prof. Maler Kohn feierlichst abgehalten. Der Direktor lernte im Kreise seiner Zöglinge einen Perek Mischnajos, worauf die Kinder, denen noch das Bild des großen Menschenfreundes vor Augen schwebt, die T'filoh nach dem „Lernen" mit größter Andacht sagten. Zu Ehren des Verstorbenen wiederholten NACHRICHTEN. die Kinder auswendig die ganze Gemoroh, die sie bis jetzt gelernt hatten. Krankenfiirsorge des Jüdischen Hilfswerks der Agudas Jisroel. Der Referent der Krankenfürsorge des „Jüdischen Hilfswerk der Agudas Jisroel" ist Herr Jakob Adler. Zu sprechen: Dienstag und Donnerstag von 6 bis 8 und Montag von 10 bis 12 Uhr im Vereinslokale der Agudas Jisroel, II., Malzgasse 12a. Nur in dringenden Fällen in seiner Wohnung, IX., Pelikangasse 4. V. J. A. Im Verein Jüdischer Akademiker (II., Am Werd 13) findet jeden Freitag, 7 Uhr abends, eine Besprechung merkwürdiger Stellen von Ihn Esra und Ramban, zum Wochenabschnitte, jeden Samstag, 2 Uhr nachm., ein Talmud-Schijur (Baba Mezia) statt. Klarstellung. Mit größtem Befremden höre ich, daß die Berliner „Jüdische Presse" schreibt, ich hatte mich sympatisch für die Misrachi geäußert, was absolut unwahr ist, da ich im Gegenteil gesagt habe, solange die Misrachi Sokolow und Weizmann als ihre Führer bezeichnet, darf sich kein frommer Jehudi derMisrachi anschließen, und da die Misrachi auf den Zionismus keinen Einfluß hat, müßte sie sich vom Zionismus lossagen. Rab. Krauß (Lackenbach). Ein üniversitätsinstitut für Statistik der Minderheiten. Am 20. Jänner ist in Wien das Universitätsinstitut für Statistik der Minderheitsvölker mit einer Feier eröffnet worden, bei der der Vorsitzende, der frühere Notenpräsident Spitzmüller,' die Entpolitisierung der Minoritätenfrage als die eigentliche Aufgabe der neuen Schöpfung bezeichnet. Es soll streng sachlich und objektiv vorbereitetes Material für die Behandlung der Minoritätenfrage geliefert werden. Das Institut wird Privatdozent Wilhelm Winkler leiten. AVArAVArATOTAVAVATAVirÄVAVATAVATAWTA Gedenket des „EISERNEN FONDS" nö-p pp für das WAISENHAUS IN BADEN Auskünfte: IL, Malzgasse 12a VAVATAVAVAfAfAtATAVAVAVAVAfAVAVAVAVAr Deutschland. Nachklänge. Sammeltätigkeit. Die Feststimmung der Zentralratstagung ist verrauscht, aber die Arbeitsfreudigkeit ist geblieben. Die Sammeltätigkeit für die verschiedenen Fonds der Agudc hat mit neuem Eifer eingesetzt uud dank der Opferfreudigkeit hat sie einzelne Ergebnisse erzielt, die alle Erwartungen überstiegen. Mehr als Mk. 500.000 wurden von der Breslauer Orts¬ und Jugendgruppe seit der Zentralratstagung für Agudazwecke gesammelt, fürwahr ein schöner Erfolg, der manche Schwestergruppe zu einer erhöhten Sammeltätigkeit anspornen sollte. Bedenkt, liebe Brüder und Schwestern! wenn etwa 50 größere Ortsgruppen es sich zur Aufgabe stellen würden, den gleichen Betrag bis zum 1. Adar aufzubringen und als Schkolimspende auf D^p^'B abzuliefern! Walch Riesenschritt wäre die Aguda mit einem Male in wenigen Wochen weiter gekommen! Was wäre damit nicht alles gewonnen! Und daß es geht, wenn nur ein wenig guter Wille und ein kleines Quäntchen Begeisterung für unsere Sache und — daran darf es nicht fehlen — Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit vorhanden ist — das hat die Ortsgruppe Breslau gezeigt. Man muß nicht immer warten, und das „Geben" verschieben, bis sich eine Gelegenheit, freudiger oder trauriger Art findet und dann erst reichlich geben! Das ist nicht der richtige Weg, den Agudas Jisroel weist. Agudas Jisroel ist keine politische, keine Parteiorganisation, Agudas Jisroel ist Erziehungsorganisation, die den einzelnen auf höhere sittliche Stufe heben will. Darum ihr Ortsgruppen ahmt Breslaus Beispiel nach und ihr werdet eure Selbstbefriedigung in der auszuübeadon Tat finden! * Propaganda. Als überaus wirksame Anregung für eine stärkere Beteiligung der Mitglieder an der Ortsgruppenarbeit haben sich in Breslau auch die Rausch-Ghaudesch- Versammlungen erwiesen. Im Mittelpunkt der Rausch- Ghaudesch-Versammlung des Monats Kislew stand ein fesselndes Referat des Herrn Rabbiner Dr. Hamburger, der eine Parallele zwischen den Juden der Zeit Esras und Nechemias und den heutigen Juden zog, daran knüpfte sich eine rege Aussprache, die ihrerseits wieder eine Reihe von Anregungen brachte. Die dieswöchentliche Schebath-Zusammenkunft stand noch z. T. im Zeichen der Zentralratssitzung, z. T. wies sie schon wieder auf neue Zukunftsarbeit hin; ohne besonderes Referat fand eine allgemeine Aussprache über die Forderungen des Tages statt, die von einem der Vorstandsmitglieder geleitet wurde. Dieses müßte natürlich seinerseits über die geleisteten und zu leistenden Arbeiten erschöpfend berichten und in der Lage sein, etwaigen Einsprüchen sicher entgegenzutreten. Warum ich euch das alles berichte, ihr Ortsgruppen? Weil ich euch zeigen will, wie es gemacht werden muß, damit Aguda Jisroel „die" Bewegung der Judenheit werde, für unsere Alten und für unsere Jungen, damit der Befreiungsmonat ein Geschlecht finde, das bereit ist, den Idealen des Judentums hingebungsvoll zu dienen. Freyhan. Georg Hermann Loewy s. A. Mit Georg Hermann Loewy ist eine der markantesten Persönlichkeiten der deutschen Orthodoxie dahingegangen. Der Feuergeist eines v^Jf jSPHin1 Loewy begnügte sich nicht mit den Leistungen wissenschaftlicher Theorie und wirtschaftlicher Tüchtigkeit, er mußte die sofortigen Erfolge seines Schaffens sehen und da war es das Gebiet aller judischer Bestrebungen, auf deren Boden er seine Fähigkeiten betätigen konnte. Es ist bezeichnend für die Logik seines Denkens, daß seine gesamte jüdische Tätigkeit ausnahmslos dem orthodoxen Judentum geweiht war. Diesem war er mit seiner ganzen Seele ergeben. Daher konnte er auch mit ungeschwächter Kraft für die orthodoxe Weltorganisation der Agudas Jisroel in einer Weise eintreten, daß die Wellen der Bewegung nicht ihn trugen, sondern, daß umgekehrt er der Bewegung Stoßkraft und Ansehen verlieh. Hier konnte sich Loewys echt jüdischer Geist entfalten, hier setzte er seine urjüdische Gesinnung in die Tat um. Wer diesen rastlosen Streber im edelsten Sinne dieses Wortes bei der Arbeit um die Erhaltung des orthodoxen Judentums sah — ob er Mitkämpfer oder Gegner war — wird bewundernd zu diesem Kämpfer um das jüdische Gesetz aufgesehen haben. Ja, eine Kampfnalur war Loewy, eine echte Lewitennatur, die, wo es sich, um das überlieferte Judentum handelte, getreu dem Vorbilde der großen Ahnen für die heilige Sache, ohne irgendwelche Rücksichten zu kennen, für ihre Ideale kämpfte. Ob es im engen Kreise seiner Heimatsgemeinde oder der Breslauer Gemeinde, wohin er in den letzten Jahren sein Domizil verlegt hatte, ob es hier die jüdische Schule oder die Durchführung einer rituellen Institution war oder ob im größeren Kreise des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes — überall trat Loewy als der unerschrockene Führer und Vorkämpfer auf, der keine Kompromisse kannte, so oft er die Rechte der Orthodoxie gefährdet glaubte. Dieser Tätigkeit war wohl der Hauptinhalt seines Lebens gewidmet! Und dennoch fand er noch die Zeit für die Armen und Bedrängten im einzelnen zu sorgen. Er

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