Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 3 (19.1.1923)
- Date
- 1923-01-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 JUDISCHE PRESSE Seite 16 Judentums gegeben, die mit all diesen Bräuchen gründlich aufräumen wollten, was ihnen auch gelungen wäre, wenn ihnen nicht aus ihren eigenen Kreisen Gegner in den Arm gefallen wären? Warum sind ihnen nun diese Gegner in den Arm gefallen? Warum hat sich das» liberale Judentum nicht so entwickelt, wie es nach den ihm eingeborenen Gesetzen der religiösen Entwicklung" sich hätte entwickeln müssen? Nun, es war die „Besorgnis vor allzugroßer Angleichung an eine außerjüdische Umgehung", die hier retardierend wirkte. Im Erez Jisroel aber, prophezeit uns der Keren Hajessod, da wird der lästige Hemmschuh dieser Besorgnis fortfallen, da wird sich die religiöse Entwicklung völlig ungehindert ausleben können. Denn was bedarf es in Erez Jisroel der Beschneidung und des Jörn Kippurs, um ein — frommer Jude zu sein? Das alles sind alte verstaubte Galuth-Bräuche, Diaspora-Requisiten, die der Vergangenheit angehören. Im Palästina der Zukunft wird „die Unbedingtheit. ernster Religiosität der ausschließliche Maßstab alles religiösen Lebens sein1'.--Ahnst du, lieber Leser, warum den Aufruf des Keren Hajessod auch eine ganze Reihe von namhaften Vertretern des liberalen Judentums unterzeichnet haben? Es war der „Segen religiöser Ganzheit", der sie lockte. III. Der „Segen religiöser Ganzheit*, den sich der Keren Hajessod von einer Verbannung der Thora aus dem Mittelpunkt des künftigen palästinensischen Judentums verspricht, wird im Heiligen Lande eine neue jüdische Kultur erstehen lassen, von der der Keren Hajessod ganz freimütig gesteht, daß sie ihren geistigen Inhalt auf dem Wege der „Rezeption fremden Kulturguts" aufbauen wird, was ja ganz selbstverständlich sei, denn „die überlieferte jüdische Bildung gehört ausschließlich der religiösen Sphäre an", und wenn es nun einmal im Erez Jisroel der Zukunft so etwas wie eine als „Selbstzweck betriebene Wirtschaft" und eine „als eigener Wert anerkannte Kunst" geben soll, dann bedarf es doch nicht eines weiteren Nachweises, daß man mit der überlieferten jüdischen Bildung allein nichts Gescheites anfangen kann. Im besten Falle wird dieser alte jüdische Geist in Erez Jisroel als jüdische „Geistigkeit" auferstehen, um den Lieblingsausdruck unserer Modernen zu gebrauchen, als jüdische Abtönung und Formgebung eines seinem ganzen Inhalt nach rein europäisch oder (was freilich erst von der künftigen Entwicklung des orientalischen Kulturkreises abhängt, der sich noch in unentschiedener Auseinandersetzung mit dem Okzident befindet) vorderasiatisch orientierten Kulturideals. Was für ein konfuses Ding diese jüdische „ Geistigkeit" ist, die der Keren Hajessod zum palästinensischen Asyl der obdachlosen Thora erhebt, zeigt am besten der interessante Widerspruch, in dem sich der Keren Hajessod selber verstrickt im Augenblick, wo er dazu übergeht, in das Wesen des jüdischen Geistes hineinzuleuchten. Einerseits sucht er mit fast ermüdender Weitschweifigkeit die „Europäisierung" des jüdischen Geistes nachzuweisen: im talmudischen Scharfsinn lebt die „indirekte Einwirkung griechischer Wissenschaft" weiter, die Gedankenwelt des Maimonides ist ein Erzeugnis des Islams, die moderne Kultur hat das jüdische Wesen „bis zur zartesten Innerlichkeit des Selbstgefühls", „bis in den Kern des Menschentums hinein" ergriffen und was dergleichen Ergötzlichkeiten mehr sind. Auf der anderen Seite schwingt sich derselbe Keren Hajessod zu folgender Diagnose auf: „Die Eigenart der jüdischen Seele aber, die besondere Richtung jüdischen Fühlens und Empfindens entstammt dem Leben jüdischer Religiosität. Als Ergebnis jahrtausendelanger religiöser Tradition hat sich eine Lebensgesinnung herausgebildet, welche die Stellung zu allen Gütern und Werken beherrscht, die Maßstäbe der Lebensgestaltung bestimmt, in allem Bejahen und Verneinen wrksam ist, auch wo wir uns ihrer nicht bewußt sind. Diese iLebensgesinnung erfüllt auch d i e jüdischen Kreise noch, welche dem unmittelbaren Einfluß des religiösen Lebens seit langem entrückt sind. Besonders sichtbar in der Gestaltung von Haus und Familie „ist dieses Ethos doch auch in allen anderen Lebensäußerungen des Juden dem nüchternen Blick erkenntlich. In ihr bringt das Judentum nach Palästina die Kraft mit, aus der eine jüdische Kultur mit eigener Prägung erwachsen kann.* Diesen Widerspruch löse, wer kann. Wenn die Thora so mächtig ist, daß sie für ewige Zeiten in allen jüdischen Kreisen, auch in solchen, die ihrem uumittelbaren Einfluß eutrückt sind, eine aus ihr, der Thora. hervorgehende „Lebensgesinnung" erzeugt, die schlechterdings unzerstörbar ist, so offenbart, hier der Keren Hajessod einen Respekt vor der Allmacht der Thora, zu dem wir uns in all unserer Orthodoxie nur mit einiger Skepsis zu bekennen vermögen. Denn so richtig es auch ist, was schon die Weisen lehrten: D^tt H3tt" PJp""} I^SK WÖHS mSCÖ daß aucn die der Thora Entfremdeten ihre Abkunft aus einer den Mizwoth geweihten Sphäre nicht verleugnen können, daß auch in ihnen eine Fülle von Mizwoth- Spuren den Weg bezeichnet, auf dem sie sich von der Thora nach und nach entfernten, so müssen und werden wir uns doch hüten, die „L e b e n s g e s i n n u n g" dieser der Thora Entfremdeten als eine nach wie vor von der Thora beherrschte zu bezeichnen. Denn für uns ist jüdischer Geist etwas anderes als jüdische Geistigkeit, und jüdische Frömmigkeit etwas anderes als jüdische Mentalität. Wenn es aber für den Keren Hajessod, der hier offenbar gläubiger ist als wir, eine unzerstörbare religiöse Lebensgesinnung gibt, dann kann doch wahrhaftig die Europäisierung des jüdischen Geistes nicht so radikal umgestaltend gewirkt haben, daß von ihr das jüdische Wesen „bis zur zartesten Innerlichkeit' des Selbstgefühls, bis in denKem des Menschentums hinein" ergriffen wurde 1 In einen ähnlichen Widerspruch verstrickt sich der Keren Hajessod, wenn er in seinem weiteren Gedankengang das Verhältnis des künftigen Palästina zur Diaspora darstellt. Einerseits meint er: „Die dem modernen Judentum entschwindende Geschlossenheit patriarchalischer Lebensform kann sich nirgends leichter wiederherstellen als in einem Leben, das ganz von dem Gedanken beherrscht ist, alte Väterüberlieferungen wieder aufzunehmen und aus den tiefsten Quellen der Vergangenheit zu schöpfen." Wenn aber das Leben im künftigen Palästina ganz von dem Gedanken der Anknüpfung an die religiöse Vergangenheit des jüdischen Volkes beherrscht sein wird, wie vereinigt sich damit, wenn auf der anderen Seite derselbe Keren Hajessod verkündet: „Während in Palästina an Stelle der religiösen die nationale Gemeinschaftsform tritt, wird das Diaspora-Judentum religiöse Gemeinschaft bleiben und auch seine innere Kraft aus religiösen Quellen schöpfen." Auch diesen Widerspruch löse wer kann. — Oder sollte es am Ende gar nicht so schwer sein, diese Widersprüche zu lösen? Wir haben oben konstatiert, daß und warum prominente Vertreter des liberalen Judentums den Aufruf des Keren Hajessod unterschrieben haben. Diesen Aufruf zieren aber auch eine Anzahl Namen — konservativer Juden. Sollte am Ende der Gedankenstrom des Keren Hajessod nur mit Rücksicht auf diese konservativen Förderer seines Zweckes ein paar konservativ gefärbte Nebenflüsse in sich aufgenommen haben? Dann hätte er freilich nicht bedacht, daß es leichter ist, widerstrebende Menschen als widerstrebende Gedanken auf einer gemeinsamen Plattform zu vereinen. Denn im Reiche des Geistes gebietet nicht die „Taktik", sondern die Wahrheit. Die Wahrheit aber, und zumal die jüdische, ist immer eindeutig. Sie löst die Maske des Keren Hajessod und zeigt uns sein wahres Gesicht. Die Methode Simris! Es ist eine in der Kriegsgeschichte bekannte Tatsache, daß geniale Feldherrn stets wenig Nutzen aus der Spionage ziehen wollten und konnten, es blieb immer nur Stümpern vorbehalten, sich dieser Mittel zu bedienen, wenn die Idee versagte. Nichtsdestoweniger sitzt in irgend einem Winkel immer ein Spion, der seine Erdichtung gegen gutes Geld verkauft und diejenigen Stümper, die sich seiner bedienen, zur Verbreitung von Unwahrheiten veranlaßt. Wenn dieser Spion nun gar noch die Dinge durch die getrübte Brille des Hasses ansieht, so wird der Stümper zum Pfuscher. Daran mußten wir denken, sowohl bei der von wundersamer talmudischen Gelehrsamkeit Achers strotzenden Berichterstattung über ein Chanukavergnügen einer Mädchengruppe, als auch bei den Nachrichten über eine Resolution, die niemals eingebracht wurde; denn das Referat über den Weltkongreß, welches übrigens nach dem Urteile anständiger Menschen sehr objektiv gehalten war, hatte gar nicht die Absicht Stimmung zu machen oder gar durch eine Abstimmung sich bestätigt zu sehen, sondern es sollte nach dem Wunsche verschiedener Kreise lediglich der Orientierung dienen, was übrigens zum Beginn des Referates klar festgestellt wurde. Diesem ganzen ekelhaften Spionagesystem, das wie wir deutlich feststellen müssen, nicht der zionistischen Gesamtpartei, sondern lediglich den Simri-Mitgliedern derselben (denen, die tuen wie Simri und Lohn verlangen wie Pinchas) zu eigen ist, setzten die Krone auf die Berichterstattung des J. G. B. über die Breslauer Tagung. Diese Tagung war eine geschlossene; solange uns nicht das Gegenteil bewiesen wird, halten wir alle Mitglieder dieser Tagung für anständige Menschen, die zunächst diskret sind, zumindest aber, wenn sie etwas erzählen, bei der Wahrheit bleiben. Demnach beruht der ganze Bericht des J. C. B. auf vollkommener, objektiver Unwahrheit einer Erdichtung. Damit in der ganzen Situation die Komik nicht fehle, zitieren 1. „Morgenzeitungvom 3. Jänner: »Die durch Dr. Birnbaum und Dr. Pinchas Kohn (Wien) repräsentierte Richtung, die gegen die wachsende palästinazentrische Tendenz in der Agudas Jisroel ankämpft, machte gar nicht einmal den Versuch, sich durchzusetzen." 2. J.G.B., 3. Jänner: „Die eine, durch Dr. Birnbaum und Dr. Pinchas Kohn (Wien) repräsentierte Richtung, versuchte gegen die palästinafreundliche Tendenz innerhalb der Aguda anzukämpfen und fand besonders unter den Delegierten aus der Tschechoslowakei starke Unterstützung, die alle Berührungspunkte mit den Zionisten vermieden wissen wollten.* Wir überlassen es dem Zentralrat in einer sicher zu erwartenden offiziellen Feststellung, die Wahrheit der Welt bekannt zu machen und können getrost dieses ganze System der erdichteten Spionagen und ihrer Helfershelfer der allgemeinen Achtung überlassen, die sie verdienen. Der Zweck, der mit diesem System verfolgt wird, ist sehr durchsichtig. Man will Differenzen innerhalb der Aguda konstatieren, die nicht vorhanden sind und hofft dabei im Trüben fischen zu können. Die Stümper und Pfuscher werden damit kein Glück haben. Nicht M. W. und nicht W. M. Das Dogma des Herrn Grünbaum. Herr I. Grünbaum ist der politische Führer der Zionisten in Polen. Er hat «ein großes Talent hauptsächlich in den Dienst der Bekämpfungder jüdischen Religion im Allgemeinen und der Vernichtung der Orthodoxie im Besonderen gestellt. Also hat er bis heute den Dogmen der jüdischen Religion und den Vorschriften der Thora und der jüdischen Tradition seine Anerkennung versagt. Um so mehr hat uns seine jüngste Aeußerung, die er in'Berlin dem Vertreter des J. C. B, gegenüber getan hat, überrascht. Er glaubt, daß der zu Wahlzwecken gebildete Block der jüdischen Organisationen dauernd bestehen muß, denn das Bestehen dieses Blockes wird als Dogma angesehen. Wir sind wohl dahin unterrichtet, daß dieser Block bloß zu Wahlzwecken geschaffen wurde und daß er sich nach den Wahlen aufgelöst hat, doch freut es uns, von Herrn Grünbauni zu hören, daß er an Dogmen glaubt und daß er sie für unantastbar hält; denn, wenn Herr Grünbaum schon in politischen Dingen unverrückbare Satzungen feststellt, so können wir doch mit bedeutend größerem Recht Respekt vor den ewigen Satzungen unserer heiligen Thora und Tradition verlangen. Sind doch politische Dogmen seinstark einem Wandel unterworfen. Herr Grünbaum selbst rühmt sich ja, auf politischem Gebiet eine neue Entdeckung gemacht zu haben, die zur Schaffung des allgemeinen Minderheitsblockes geführt hat. Er verwarf die alten Methoden der jüdischen Politik, die die Anlehnung an das Staatsvolk gesucht hat, mit der Motivierung, daß dadurch die Juden zur Unterdrückung anderer Nationalitäten sich mißbrauchen ließen. Er geht aber in seiner Originalität noch weiter. Er verwirft auch die zionistische Praxis anderer Länder, die in der Neutralität anderen Nationalitäten gegenüber das Heil des jüdischen Volkes bringen soll. Das Griinbaumsche Dogma lautet eben, sich mit den anderen Minderheiten zu vorbinden und so die Befriedigung der eigenen Bestrebungen zu erlangen. Es scheint dies uns ein wenig heilbringendes Dogma zu sein. Wir glauben auch kaum, daß unsere orthodoxen Gesinnungsgenossen in Polen auf dieses Dogma schworen möchten. Trotzdem hoffen wir daß Herr Grünbaum seine großen Talente von nun an nicht zur Befehdung unserer religiösen Grundsätze verwenden wird. Wir werden miteinander gut auskommen. Wir lassen Herrn Grünbaum nach seinen Dogmen seli<>- werden, wir nehmen aber auch für uns in Anspruch nach den eigenen Grundsätzen zu leben, zumal diese noch nie jemand in Gefahr gebracht haben, was von dem neuesten Dogma Herrn Grünbaums nicht behauptet werden kann. Die Frage der Leichenverbrennung im Wiener Qemeinderate. Die Frag;© der Feuerbestattungwurde in der Gemeinderatssitzung vom 9. Jänner behandelt. Die Stellungnahme der großen Parteien ist von jeher bekannt. Die sozialdemokratische Mehrheit, war für, die christlichsoziale Minderheit dagegen. Die Sitzung hat uns insoferne eine peinliehe Ueberraschung gebracht, daß der Vertreter der Jüdischnationalen für die Feuerbestattung eintrat, selbstverständlich ohne Rücksicht darauf, wie sich jüdische Rabbiner und die jüdische Religion zur Leichenverbrennung verhalten. Wir haben ja diese Rücksichtnahme von den Jüdischnationalen nie erwartet, aber daß sie nicht soviel Schamgefühl haben und dies vor der großen niehtjüdischcn Oeffentlichkeit verkünden, ist selbst bei den Manieren dieser Pierren überraschend.« Der Jüdischnationale Vertreter unterließ selbstverständlich die Forderung nicht, daß auch die jüdische Kultusgemcinde Vorkehrungen treffen soll, die Feuerbestattung zu ermöglichen. Wir erlauben uns hierzu bloß zu bemerken, daß die jüdische Kultusgemeinde einstweilen noch nicht die ausschließliche Domäne der Jüdischnationalen ist und sie somit auf die Meinung der jüdischen Religion und Rabbiner Rücksicht nehmen wird, die die Feuerbestattung nicht gutheißen werden. DietUocbe. |||| Die ukrainische Regierung hat eine Statistik der Hungeropfer in der Ukraine im Jahre 1921 veröffentlicht. In dem genannten Jahre sind in der Ukraine 126.000 Personen Hungers gestorben. Eine Million Erwachsene und S00.000 Kinder in der Ukraine sind noch gegenwärtig hilfsbedürftig. Das Gebiet der Halbinsel Krim ist neuerdings von einer schweren Hungerkrisis betroffen worden. Unter den Folgen der Hungersnot leidet die Hälfte der gesamten Bevölkerung. Die Regierung hat bloß eine viertel Million Pud Getreide für Hilfszwecke zur Verfügung stellen können. Am 28. Dezember 1922 starb in Alexandrien der populäre Hauptrabbiner Aegyptens Rudolph Gampagnano. Die Nationalsozialisten verübten in München mehrere Ueberfälle auf jüdische Studenten, von denen eine Anzahl Verletzungen davontrugen. Auch ein rituelles jüdisches Speisehaus wurde überfallen und die Gäste mißhandelt. Wie verlautet, hat der Leiter des Freien Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt Dr. phil. Franz Rosenzweig einen Lehrauftrag zur Vertretung der jüdischen Religionswissenschaft und der jüdischen Ethik an der Universität Frankfurt erhalten. Nach 'langer schmerzvoller Krankheit ist in New-York der bekannte jüdische Arbeiterführer Wladimir Medem im Alter von 14 Jahren gestorben. Am i). Jänner fand vor dem Warschauer Standgerichte der Prozeß gegen Josef Wensik, dem Sohn eines reichen polnischen Grundbesitzers, statt, der den jüdischen Händler Mendel Stalik ermordet und beraubt hat. Der -ndliche' Mörder wurde zum Tode verurteilt. %fe£ Zum "Wochenabschnitt. (Aus Talmud und Midrasch.) In Kohelet Cap. 3 heißt es: Und ich sah mich um Weisheit zu erkennen, es ist Wahnsinn und Torheit. Diese Bibelstelle findet Anwendung auf Salomo und Moses. Auf Salomo folgendermaßen. Als der Ewige für Israel die Thora gab, gab or darin Gebote und Verbote, unter ihnen solche nur für den König bestimmt, wie es heißt: Er soll sich nicht viel Pferde halten; er soll nicht Gold und Silber anhäufen; er soll sich nicht viel Frauen halten, damit sein Herz nicht abtrünnig werde. — Da war der König Salomo, der wollte überklug sein und sagte: Warum hat Gott die Verfügung gesezt fD"P N1? er soll sich nicht viel Frauen halten, damit sein Herz nicht abtrünnig werde; POIK ich werde mir viele Frauen halten und werde doch nicht abtrünnig werden. — Dazu sagen unsere Weisen. In dieser Stunde Btieg der Buchstabe * Jod, welcher durch die Aenderung von FQT in n31X entfällt zum Ewigen auf, beugte sich vor Ihm und sagte: „Herr der Welt, hast Du nicht also gesprochen: Für alle Zeiten soll kein Buchstabe der Thora geändert werden." Siehe, da ist Salomo der ändert heute mich, morgen etwas anderes, bis die ganze Lehre geändert sein wird. Da sprach der Herr: Salomo und Tausende ihm gleich, werden verschwinden, aber auch das Strichelchen eines Jotas lasse ich nicht ändern. Da sprach Salomo: Ich wollte klüger sein als die Worte der Thora, nun muß icht bekennen, daß ich deren Sinn nicht verstanden. Bei Moses findet dieso Bibelstelle folgendermaßen Anwendung. Der Ewige hatte Moses schon bekannt gegeben, daß Pharao nicht einwilligen würde, sie ziehen zu lassen, wie es heißt: Und ich weiß, daß der König der Aegypter euch nicht erlauben wird wegzuziehen, denn Ich werde sein Herz hart machen. Und Moses hatte auf des Ewigen Wort nicht Acht, sondern wollte klüger als des Ewigen Beschluß sein und frug ungestüm: 0 Ewiger, warum läßt Du es diesem Volke so schlecht ergehen und fing mit dem Herrn zu rechten an. Und deshalb heißt es, daß diese Art Weisheit Wahnsinn und Torheit ist. •!•• Da sprach G-tt zu Moses? „Sage dem A a r o n : Nimm deinen Stab und neige deine Hand über die Gewässer Aegyptens, über die Ströme, die Flüsse, die Teiche und über jede Wasseransammlung, und sie sollen zu Blut werden...'; Warum wurde das Wasser nicht von Moses geschlagen'? Weil G-tt zu Moses sprach: Als du ins Wasser geworfen wardst, da zeigte es sich dir barmherzig und wollte dich nicht verschlingen, darum' soll ea jetat *u«h nicht durch deine Hand geschlagen werden. A