Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 3 (19.1.1923)
- Date
- 1923-01-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 JÜDISCHE PRESSE Nr. 3 Deut$cD$$temicl). Die Maßnahmen der Adas Jisroel (Schiffschul) gegen die Leichenverbrennung. Ueber Anregung des ehrw. Habbinates der Adas Jisroel hat der Vorstand der Adas Jisroel in seiner Sitzung vom 6. Jänner d. J. den Beschluß gefaßt: Die Adas Jisroel übernimmt grundsätzlich keinerlei Widmung oder Stiftung für das Seelenheil (Haskarah, Kadisch) für Personen, deren Leichen zur Verbrennung gebracht werden. Gleichzeitig wird die Erwartung ausgesprochen, daß kein Mitglied der Adas Jisroel sich an einer Leichenfeier oder Bestattung einer zur Verbrennung bestimmten Leiche beteiligen wird. Einbruch. In der Nacht vom 10. auf den 11. Jänner wurde in den Bureauräuinen der Agudas Jisroel ein politischer Einbruch verübt. Es wurden dabei sämtliche Akten nach Erbrechung der Schränke zu Boden geworfen. Gestohlen wurde die Aktenmappe des Leiters des Bureaus und eine Schachtel Zigaretten. Wir bitten unsere Korrespondenten deshalb um gütige Nachsicht, wenn bis zur Wiederordnung der Akten die Beantwortung früher, eingelaufener Korrespondenzen etwas langsam erfolgt. Die gesinnungsgenössische Presse ersuchen wir um Abdruck dieser Zeilen. Die europäische Joint-Aktion 1922. (J. C. B.) Das amerikanische jüdische Joint Distribution Committee hat im Jahre 1922 für das Hilfswerk in den europäischen Ländern außerhalb Rußlands die Summe von 13.271.000 Dollar ausgegeben. Diese Summe verteilt sich auf die Einzeldepartements wie folgt: Wiederaufbau 1,023.000, Flüchtlingswesen 704.000, Sanitäre Hilfe 575.000. Kinderhilfe 552.000, Kulturarbeit 125.000 Dollar. Um die Jahreswende fand in Wien eine Konferenz der Joint-Direktoren aus Konstantinopel, Rumänien, Polen, Ungarn, Tschechoslowakei, Litauen, Lettland und Oesterreich statt, in welcher der Tätigkeitsbericht für 1922 erörtert und der Arbeitsplan für 1923 festgestellt wurde. Die „Jüdischen Lehrwerkstätten." Die Leitung des „Jüdischen Hilfswerk der Agudas Jisroel" hat Herrn Hirsch Eisner aus Kaiisch zum Direktor der Lehrwerkstätten ernannt. Er hat seiner Berufung Folge geleistet und bereits am 1. Jänner seine Tätigkeit begonnen. „Das Internat für verlassene Knaben" ist derzeit überfüllt, so daß sich schon jetzt die Not- Die Verbreitung des Handwerkes anter den Juden. Von Astro. In jedem Bemfszwoige, der den Juden im Laute der Jahrhunderte zugänglich gemacht wurde, brachten diese es zu einer Entwicklungsstufe, die in neunzig von hundert Fällen die ihrer Lehrer überragte. In der Erkenntnis dieser Sachlage liegt auch zum großen Teile bis zum heutigen Tage der Beweggrund antisemitischer Exklusivität der verschiedenen Ständo und Schichten. Da Logik nie die starke Seite Antisems war, wurde die durch gewaltsame Absperrung erzwungene Unmöglichkeit der Erlernung bestimmter Arbeiten als „typisch jüdische Unfähigkeit" gestempelt. So wurden die Juden als Volk von „Schacherern" bezeichnet, Aveil man ihnen weder zum freien noch zum Handwerksberuf Zutritt gewährte. Als nach Beginn der Emanzipation die sogenannten freien Berufe auch den Juden eröffnet waren, die sich diese in einer Art Massenflucht vor dem verpönten Kaufmannsstande binnen kurzer Zeit zu eigen machten, wurde das Schlagwort von der „jüdischen Arbeitsscheu" geprägt und eine Clique prononzierter Vertreter europäischer Zivilisation — Universitätsprofessoren und Studenetn — fordern heute eindringlicher denn je die Einführung des „numerus clausus". Die Zunft der Handwerker verstand es, sich länger dem Grundsatze, dem Tüchtigen gebühre freie Bahn, zu verschließen und es war daher um so schwieriger den Vorwurf „jüdischer Arbeitsscheu" an der Hand der Tatsachen zu widerlegen. Schließlich mußten selbst die Handwerker ihr Prinzip der „Judenreinheit" fallen lassen. Daß. seit diesen wenigen Dezennien nicht eine bedeutend größere Anzahl von jüdischen Handwerkern zu verzeichnen sei, irritierte gar manchen oberflächlichen Beobachter. Alle Kenner der polnischen Verhältnisse wissen, wie kurzsichtig daraus auf Arbeitsscheu gezogene Schlußfolgerungen sind. Das O. 1. unerschöpfliche Reservoir des Ostens kann oinzig und allein für jüdische MaßSenerscheinungen maßgebend sein und gerade dort war es für jeden Vater praktisch unmöglich, sein Kind dem jüdischen Milieu zu entziehen und einem christlichen Meister anzuvertrauen, wodurch sich die christliche Monopolstellung, trotz ihrer juridischen Aufhebung, eigentlich faktisch bis zur Stunde erhalten hat und die Zahl der jüdischen Handwerker sich nur spärlich durchsetzen konnte. Am prekärsten gestaltete sich d'w Lage naturgemäß für die Orthodoxen, weil für diese selbst die längsam zum Vorscheine kommenden Einzelfälle nicht in Betracht kamen, da es sich meistens um solche Juden handelte, die wohl Handfertigkeiten gelernt aber ihren Sabbat vergessen hatten. Sie durften nicht NACHRICHTEN. wendigkeit eines Ausbaues ergibt, zumal die Anzahl der verlassenen Kinder, welche ihrer Aufnahme harren, erschreckend groß ist. Alle Besucher dieses neuen Institutes sind voll des Lobes über die mustergültige Führung, die insbesondere in pädagogischer Hinsicht schwere Probleme zu lösen hat. Polen. Auch in Polen ist der jüdische Nationalrat nur zionistisch/ Wie uns berichtet wird, sind die Verhandlungen, welche bezweckt haben, die Orthodoxen und die Vertreter der Kaufmannschaft zum Eintritte in den jüdischen National rat zu bewegen, erfolglos verlaufen. Sowohl die Orthodoxen, als auch die Vertreter der Kaufmannschaft, haben eine endgültige Absage gegeben. Somit bilden die Zionisten allein nicht nur in Oesterreich, sondern auch in Polen den jüdischen Nationalrat. Es ist zu hoffen, daß sie nun ihre ergebnislosen Versuche aufgeben, unter jüdischnationaler Maske eine Vertretung der Allgemeinheit zu ursupieren. Przemysl. Sonntag, den 19. Tebeth, hat die Jugendorganisation Zeire Emune Jisroel in Przemysl eine D"tWl DVD Feier veranstaltet, an welcher auch Sejmdeputierter Oberrabbiner M. Schapira (Sanok), Rabbiner J. U. Jolles (Stry) und Vertreter der Jugendorganisation des Distriktes teilgenommen haben. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden, hat der Sekretär der Jugendorganisation die Bedeutung der Arbeit von der Jugendgruppe gewürdigt. Am Schlüsse ergriff Sejmdeputierter M. Schapira das Wort, um von der Bedeutung einer Siumfeier ausgehend die großen jüdischen Probleme unter starkem Beifall der Anwesenden zu besprechen. M. B. Rumänien. Kongreß der Gemeinden Alt-Rumäniens (J. C. B.) Mitte Dezember fand in Bukarest eine Beratung der geistlichen und weltlichen Führer der rumänischen Gemeinden über die Organisation der Gemeinde in Rumänien statt. Der Kongreß wurde von dem Gemeindebund, den das Ministerium offiziell anerkannt hat, einberufen. Der Kultusminister Banu begrüßte den Kongreß. In seiner Rede betonte er die Absicht der Regierung, den jüdischen Kultus dem griechisch-orthodoxen gleichzustellen und die Gemeinde mit Hilfe der Vertreter der Juden zu organisieren. Auch hob der Minister den Patriotismus der Juden hervor, die Opfer, die sie im Kriege gebracht hätten und die Verpflichtung des rumä- Meister fromm erzogener Burschen werden. Nichtsdestoweniger sah sich eine nicht unbeträchtliche Zahl durch die Not der Zeit zum Handwerk gezwungen, nur konnten sie es, da sie gewissermaßen Autodidakten waren, nicht zu hochwertiger Tätigkeit bringen. Analog liegen die Verhältnisse in Erez Jisroel, wo fast sämtliche ansässigen Juden orthodox sind, die zwar ein Kontingent von Landarbeiternaber nahezu keine Handwerker stellen. In den letzten drei Jahren brachte die zionistische Agitation eine Schar von Professionisten, die bedauerlicherweise fast ausnahmslos areligiös sind, ins Land. Auch sie kommen somit für die Ausbildung palästinensischer Knaben soviel wie gar nicht in Betracht. Ja noch, weit mehr: Das geschulte Arbeitsmaterial schafft sich, begünstigt durch die momentane politische und ökonomische Lage, sozusagen eine geistige Konjunktur, die auf ihrer unreligiösen Grundlage eine enorme Gefahr für das dortige jüdische Kulturloben bedeutet. Im Laufe der kommenden Jahre worden voraussichtlich Tausende von Juden Gelegenheit haben sich in Erez Jisrool anzusiedeln und es ist anzunehmen, daß diese große Gefahr paralysiert werden kann, wenn es gelingen wird, den vorhandenen orthodoxen Block durch geschultes und erfahrenes Arbeitermaterial zu verstärken. Die großzügigen vom „Jüdischen Hilfswerk der Agudas Jisroel Wien" errichteten Lehrwerkstätten werden auf diesen Gebieten durchaus umbildend wirken, denn sie geben dio Möglichkeit, getreu der Aguda-Devise, alle Fragen des Heiligen Landes und des Golus im Geiste der Thora zu lösen, dawie dorthin alljährlich Hunderte geprüfter Handwerker zu entsenden, die ihrerseits stets neue Selmbboshalteude Kräfte ausbilden werden. Rusisnsko gegen eine separate Zentralkanzlei. Das in Ungwar erscheinende Blatt ,,Uj Kozlöiiy" bringt einen ausführlichen Bericht über die mit großem Aplomb eingesetzte und am {). Dezember stattgefundene Versammlung in Munkacs, die die Notwendigkeit einer separaten Zentrnlkanzlei für Hussinko ausgesprochen hätte. Genanntes Blatt meldet, daß die Versammlung mit einem vollständigem Fiasko geendet hatte. In der Munkacser Gemeindekanzlei, die als Ort der Versammlung bestimmt war. hatten sich von den vierundzwanzig Muttergemeinden Russinskos bloß zwei (Munkacs und Szeredne) tungefunden, außer diese waren noch einige Vertreter von Dorfgemeinden erschienen, die teils aus Neugierde, teils um zu opponieren gekommen sind. Der Voi- , nischen Staates, die Rechte der Juden zu schützen. An dem Kongreß nahinen 5i> von 67 vorhandenen Gemeinden teil. Die Zahl der Delegierten war 120. Es wurden sechs Sitzungen abgehalten. Auf diesen wurde ein Vorentwurf einer Organisation für die jüdischen Gemeinden, ein Projekt des Gemeindebundes für Altrumänien, Vorschläge in Schulfragen, die Herausgabe eines Lehrbuches der jüdischen Geschichte und die Regelung des Unterstützungswesens gründlich durchberaten. Der Kongreß hat den Willen kundgegeben, daß in jeder Stadt nur eine jüdische Gemeinde bestehen, daß diese in der Bukarester Gemeinde ihr Zentrum haben soll, ferner daß die Gemeinden nicht nur Kultusaufgaben zu erfüllen, sondern für die religiösen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen haben, daß die Gemeinden eine vollständige staatliche Anerkennung anstreben, andererseits aber ihre Autonomie in jeder Beziehung wahren sollen. Im Verlauf der Verhandlungen nahm der Kultusminister nochmals Gelegenheit, auf die Pflichten des Staates in bezug auf die Juden hinzuweisen, was besonders dadurch einen gewissen konkreten Ausdruck fand, daß auch der Generalsekretär des Ministeriums und der Generaldirektor an den Arbeiten beratenden Anteil nahmen. Palästina* Ein beachtenswerter Artikel im „Kol Jisroel", Jerusalem. Herr Levi Jizchock Kahane, der durch seine hingebungsvolle und eifrige Arbeit sowohl in Erez Israel wie in Wien in Agudakreisen bestens bekannt ist, veröffentlichte in der jüngsten Nummer vom „Kol Jisroel" einen Leitartikel unter der Marke „Agudas Jisroel in der Diaspora und ihr Einfluß auf Erez Israel". Nachdem er die bedeutendsten Leistungen der Agudas Jisroel m der Diaspora schildert, gibt er folgende drei Anregungen zu weiterer Förderung der Aguda-Arbeit: 1. In Erez Israel selbst eine Konferenz aller Charedim einzuberufen, um den Wünschen der Ghaderim in Erez Israel autoritativen Ausdruck zu geben. 2. Daß die orthodoxe Judenheit der Diaspora eine von bedeutenden Persönlichkeiten bestehende Delegation nach Erez Israel sende, die zur Aufgabe hätte, aus eigener , Anschauung die Lage der Orthodoxie in Erez Israel zu beurteilen. 3. Daß Agudas Jisroel von all ihren Mitgliedern einen Beitrag etwa einen Schilling für das Jahr fordere, der Agudas Jisroel in Erez Israel zur Durchführung von praktischen Arbeiten zur Verfügung gestellt werde. (Wir kommen auf diese wertvollen Anregungen noch zurück. D. R.) sitzende wollte der peinlichen Situation damit abhelfen, daß er die Zusammenkunft als eine bloße Besprechung deklarierte und eine briefliche Erklärung des Oberrabbiners Spira vorlegte, wonach er an eleu Konstituieningsarbeiten der Zentralkanzlei keinen Teil für sieh beansprucht und auf deren Gründung gar keinen Einfluß ausüben will. Nach der Debatte hatte der Vorsitzende einen Beschluß verkündet, wonach die Notwendigkeit einer selbständigen Zentralkanzlei ausgesprochen wird und entsendet eine Vorbereitungskommission, die in zwei Monaten wieder in dieser Angelegenheit eine Besprechung eiuzirberufen hat. Ish Jehudi. . . Wir, Entronnene eines bitteren Schicksals in Sibirien, finden keinen anderen Weg und keine mehr geeignete Mittel, um unseren innigsten Dank auszusprechen Herrn jur. et phil. Dr. Jakob Weiß in Bratislava für all seine unermüdliche Tätigkeit in fernem feindlichen Lande 51 DJ? nvnrft als im Wege dieser Zeilen. Es widerspricht gewiß der anspruchslosen Bescheidenheit unseres geliebten Freundes, der es imstande war ohne jede Mittel, ohne Freunde, verlassen nur auf seine eigene Kraft, in Sibirien und in China die Anerkennung und Bewunderung der englischen und amerikanischen Konsuln und sogar der amerikanischen Flotte sich zu erringen, von seinen Leistungen, die selbstlos geschehen sind und nie Dank beanspruchten, viel zu erzählen. Jetzt aber, wo er am t03Ü rT""l in Galanla seinen irttinn UV feiert, ist es unsere Pflicht, unseren echt jüdischen 3110 9tÖ zuzurufen, unseren innigst empfundenen SIE 5ltt dem lieben alten jüdischen Lehrer, der nun nach unzähligen Leiden seinen einzigen Sohn zur nSirt begleitet. Dr. Feledi J. (Bratislava). K'SH roityn: Unter diesem Titel erscheint demnächst der zweite Teil der iTUtf von dem berühmten Gaon Ii. Joel Ungar. Da die Drucklegung des Werkes mit großen Kosten verbunden ist, bittet der Herausgeber — ein Enkelkind des Verfassers — auf das Werk zu pränumerieren. Es kostet cK 20—. Die Administration des Blattes ist bereit, Pränumerationen entgegenzunehmen. TSCHECHOSLOWAKEI. \MM¥M¥M #