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Jüdische Presse · 1923-01-12 · 2 (12.1.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
2 (12.1.1923)
Date
1923-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 JUDISCHE PRESSE Nr. 2 Sprecher sofort in freier und schöner Rede erwiderte. Durch die Beteiligung aller hiesigen Kreise an dieser Festlichkeit gestaltete sich dieselbe zu einem kidusch haschem, der in den Annalen der jüdischen Gemeinden mit goldenen Lettern verzeichnet werden wird, um späteren Generationen zu verkünden, zu welchem Ansehen es eine so verhältnismäßig junge jüdische Gemeinde, wie es die in Baden ist, unter der Führung eines so weise und verdienstvoll wirkenden Oberrabbiners bringen kann, die unter seiner Amtswirksamkeit zu einer Mustergemeinde ganz Oesterreichs geworden ist. Die Gemeinde empfindet die Ehrung ihres Oberhauptes mit Stolz, Genugtuung und Freude. Außer den persönlichen Gratulanten hat der Jubilar noch viele schriftliche Beglückwünschungen empfangen, und zwar unter anderm von Herrn E. Kielmannsegg, von der Bezirkshauptmannschaft Baden, vom Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, vom Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes, von der Zentralleitung der Agudas Jisroel, vom Herrn Wolf Pappenheim, Prof. Dr. Schwarz, Rabbiner Dr. Grunwald, Rabbiner Dr. Bauer, vom Verein „Einheit'", Konsenior und Pfarrer Robert Fronius, von der Waisenfondsabteilung der Agudas Jisroel, vom Oberkantor Jakob Bauer, Prof. Dr. Samuel Kraus, Schulrat Dr. H. Pollak, Lyzeal-Direktrice Frau Prof. Buberl, von der Direktion der Volks- und Bürgerschule, von der Kultusgemeinde Neunkirchen, von der Vorstehung der Gemeinde in Neunkirchen und von vielen anderen. Im Laufe des Tages sind 23 Ansprachen an den Jubilar gerichtet worden, auf welche derselbe in formvollendeter Sprache und mit bedeutungsvollem Inhalt zur Bewunderung aller Anwesenden antwortete. Zum Schlüsse überreichte der Präses der Ohewra Kadischa Herr Adolf Raab mit einer launigen Ansprache das von der gesamten jüdischen Mitgliedschaft Badens und #den zahlreichen auswärtigen Freunden desselben zustande gebrachte Ehrengeschenk. Der Empfang dauerte von halb 4 Uhr bis 7 Uhr abends und mußte durch das am Ausgange des Sabbats gebotene Abendgebet und Hawdalah unterbrochen werden. Während dieser ganzen Zeit war die Wohnung des Jubilars voll von Besuchern und bewundernswert war die Ausdauer geistiger und körperlicher Frische des Jubilars. Junge Damen der hiesigen Gesellschaft Frl. Grete Engel, Frl. Ninna Spitzer, Frl. Helene Kohn, Frl. Hilda Löwinger, Frl. Grete Austerritz reichten von dem bereitgestellten Büffet Erfrischungen herum. Möge es der hiesigen Gemeinde vergönnt sein, unter Führung des verehrten und angesehenen Oberhauptes, noch viele derartige Feste begehen zu können. Frau Netty Hofbauer s. A. Eine wahrhafte Esches Ghail ist mit Frau Netty Hofbauer von uns gegangen. An der Seite ihres ihr im Tode vorausgegangenen Gatten fltPÖH Hofbauer TTy hatte sie ihr Leben stets nur anderen gewidmet. Ihr Sinnen und Trachten galt nur der Pflege ihres Gatten, der Erziehung ihrer Kinder zu strenggläubigen Juden und dem Wohltun an Armen. Im Hause ihres Sohnes Dozent Dr. Ludwig Hofbauer, wo sie die letzten Tage ihres g-ttgefälligen Lebens verbracht hatte, sprachen namens der Kinder Dozent Hofbauer und namens der übrigen Familie Herr Bernhard Hofbauer bewegte Worte des Dankes und des Abschiedes. Auf dem Zentralfriedhof sprachen der Sohn Professor Dr. J. Hofbauer (Dresden) und der Neffe der Verschiedenen, Rabbiner M. Flesch, ergreifende Hespedim. Die allgemeine Wertschätzung, deren sich die Verschiedene allseits erfreute, zeigt sich auch in der regen Teilnahme, welche der Tod der verdienstvollen Frau hervorgerufen hat. 'iTS'SWfi Die Resolutionen des Parteitages der österreichischen Zionisten. (J. C. B.) Der Parteitag der österreichischen Zionisten sprach sich in einer Resolution für die Einberufung des jüdischen Weltkongresses für Palästina aus. Gleichzeitig wurde aber die Forderung aufgestellt, daß der Kongreß sich ausschließlich mit dem wirtschaftlichen Aufbau von Palästina beschäftigen solle und daß die zionistische Organisation weiter bestehen und sogar noch ausgebaut werden soll. Da sich Ingenieur Stricker konsequent geweigert hat, das Präsidium weiter zu^ übernehmen, wurde der Vizepräsident der Wiener israelitischen Gemeinde Dr. Desider Friedmann zum Präsidenten gewählt. Generalversammlung der Talmud Thora. Die diesjährige Generalversammlung des Talmud-Thora- Schulvereines, findet Sonntag, den 4. Schebat (21. Jänner), um 3 Uhr im Turnsaale der Schule, II., Malzgasse 16 statt. Im Rahmen der Generalversammlung wird auch eine Gedenkfeier nach Akademischen Maler David Kohn s. A. — sein erster .lahrzeitstag fällt auf den 2. Schebat — stattfinden, wobei Rabb. Dr. P. Kohn, die Gedenkrede hält. Der Blternvereiu der Talmud-Thora Volks- und Bürgerschule, Wien, II., Malzgasse 16, veranstaltet Samstag, den 18. Jftnner 1928 (25. Tebetlt 6688), um halb 7 Uhr, einen Elternabend mit der Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes, 2. Vortrag des Herrn Religionslehrers Wilhelm Toch: Der moderne Religionsunterricht, 3. Anfragen nnd Anregungen. Gäste herzlichst willkommen! Deutschland. Große Agudaversammlung in Berlin. pwiö am 11. Tebet fand im großen Saale des Hotel Atlas in Berlin eine imposante Agudaversammlung zu Ehren der Zentralräte, die den Samstag in Berlin verbrachten, statt. Rabbiner Dr. Münk eröffnete die Versammlung und gab der Freude Ausdruck, solch würdige Gäste in Berlin begrüßen zu können. Nach ihm ergriff der Slobodkaer Raw M. N. Epstein das Wort und hob die Bedeutung der Breslauer Tagung hervor. Besonders begrüßte er jene Beschlüsse des Zentralrates, die eine praktische Erez Jisroel-Arbeit der Orthodoxie fördern. Auch freue es ihn feststellen zu können, daß die Notwendigkeit und Bedeutung der Organisierung auch innerhalb der Orthodoxie erkannt wird. Organisation bedeute Kraft und Lebenswillen. Mehr denn je bedürfe man heute einer Organisation, deren Organisationsprinzip die Thora ist. Auch in früheren Jahrhunderten gab es verschiedene Strömungen und Bestrebungen im jüdischen Volke, aber sie alle hatten irgend ein Verhältnis zu unserer Religion. Heute, wo Strömungen herrschen, welche die Religion als Privatsache ausschalten wollen, ist unsere Arbeit besonders , wichtig. Es erfülle ihm mit großer innerer Befriedigung, daß die Idee der Agudas Jisrc/el in unserer Jugend so feste Wurzel geschlagen hat. Die erste praktische Auswirkung dieser Idee ist, daß die deutsche thoratreue Jugend sich erfreulicherweise in größerem Maße dem Thorastudium 'widmet, als es früher der Fall war. Er übermittle dieser deutschen Jugend die Grüße der berühmten Slobodkaer Jeschiwa, wo dreihundert Bachurim ihr Leben ausschließlich dem Thorastudium widmen. Nach ihm sprach Rabbiner Feiwelsohn fcupitschik. Er hob den Wandel der Zeit hervor. Einst war Berlin der Ausgangsort der Reform im Osten verachtet. Nun sehe er aber den großen Andrang zu einer Agudaversammlung, zur Begrüßung der Thoragrößen aus dem Osten und er sei glücklich, diesen Wandel feststellen zu können. Wenn wir, führt Redner weiter aus, in unseren Heimatländern für Agudas Jisroel arbeiten, so schwebt uns nicht etwa eine Partei vor Augen, sondern Klall Jisroel, das sich seine Seele nicht entreißen lassen will. Derselbe Gedanke schwebt vor uns, wenn wir die Notwendigkeit der Erez Jisroel-Arbeit betonen. Rabbiner Dr. Hermann Klein, Berlin, begrüßt besonders die Tatsache, daß die Aguda, die so viele junge Leute in Berlin begeistert und zum Thorastudium bringt, diese Tatsache verwandelt die einstige „Schande von Berlin" in einen Ruhm, welcher in der Geschichte verzeichnet sein wird. Danach sprach Rabbiner Kalmanowicz aus Rakow; er beschäftigte sich hauptsächlich mit der Lage der Judenheit in Rußland. Der größte Feind des jüdischen Volkes war Bileam, der ihm die Thora nehmen wollte. So genügt uns auch heute Land, Sprache, Handel und Gewerbe allein nicht. Wir brauchen zu unserer Existenz die Thora. Jene Kreise in Rußland, die im Beth Hamidrasch erzogen und der Thora treu geblieben sind, halten noch immer trotz Hungersnot Pessach und lassen ihre Kinder Thora lernen, wenn es noch so gefährlich ist. Leider herrscht in Rußland nicht nur eine große Hungersnot, sondern auch ein großer Mangel an Seforim und Ritualien. Dies nach Rußland zu schaffen sei vielleicht nötiger als Brot. Nachdem noch Rabbiner Jolles, Stryi, gesprochen hatte, schloß Rabbiner Dr. Münk die würdige Versammlung mit einem warmen Appell an die Anwesenden, mit erhöhtem Eifer zu arbeiten. Polen. Flüchtlingsausweisungen in Polen. (J. G. B.) Die letzte Tat des Innenministers Kamienski vor seiner erzwungenen Demission, war der Erlaß eines Zirkulars an alle Wojwodschaften und an den Warschauer Regierungskommissär, daß alle nach dem •12. Oktober 1921 in Polen eingetroffenen Flüchtlinge aus Rußland bis spätestens l. März 1923 aus Polen zu entfernen sind. Das Zirkular Kamienskis betrifft auch solche Flüchtlinge, die sich auf Grund der Verordnung des Innenministeriums vorschriftsmäßig registriert haben, aber erst nach dem I.März 1923 ihr Amerika-Visum erhalten. Die Wohnungsnot in Warschau ist so groß, daß 30 jüdische Deputierte, welche sich zur Eröffnung des Sejms und des Senats jüngst nach Warschau begeben haben, in keinem Hotel übernachten konnten. Die auswärts wohnenden Deputierten, die während 'der Sejmtagung sich in Warschau aufhalten müssen, wenden sich an die jüdische Bevölkerung Warschaus mit der Bitte, ihnen Privatzimmer zu vermieten (JPZ). / Rußland. Kredithilfe der JCA in Rußland (JPZ). Der Vorsteher der JCA in Rußland, Leon Zack, hat 3 Mill. Frcs. zur Organisierung der Kredithilfe für das nächste Jahr bekommen. In den nächsten 6 Monaten wird geplant, zumindest 100 Kreditkassen, hauptsächlich in der Ukraine, zu eröffnen und die bereits bestehenden sollen subventioniert werden. Die Leitung der Kredithilfe wird aus einem Komitee von drei Personen bestehen, einem Vertreter der JCA, einem Vertreter der Sowjetregierung, der wahrscheinlich von dem jüdischen Kommissariate vorgeschlagen wird, und einer neutralen Person, wahrscheinlich einem jüdischen Finanzmann. Die Abmachung, die in Berlin vom Vertreter des russischen Kommissariates für den Außenhandel unterzeichnet wurde, ist bereits nach Rußland dem Komitee zur Bewilligung örtlicher Konzessionen überschickt worden. Sobald die Abmachung von Lenin unterschrieben sein wird, wird die JGA mit der Arbeit beginnen. Das amerikanische JDG beabsichtigt, sich an der Kredithilfe der JGA und die JGA an der Aufbautätigkeit des JDC zu beteiligen. Rumänien. Antijudenstreik an der Czernowitzer Universität. (J.C.B.) Da der Senat der Gzernowitzer Universität das Memorandum der rumänischen Studentenschaft wegen der Einschränkungen gegen die jüdische Studentenschaft nicht beantwortet hatte, haben die Studenten als Protest dagegen den Streik proklamiert. In Durchführung dieses Beschlusses erschienen sie am 29. Dezember 1922, morgens, in geschlossenen Reihen vor der Universität, besetzten die Eingänge und hinderten die Studenten nichtrumänischer Nationalität am Betreten der Universität. Der Senat der Universität hat sich in einer außerordentlichen Sitzung mit dein Studentenstreik befaßt. Ein Stellung „der Zeitung „Uj Kelet". Die in Klausenburg erschienene ■ zionistische Tageszeitung Transylvaniens „Uj Kelet", deren Druckerei vor einigen Tagen von den antisemitischen Studenten zerstört wurde, kann nicht weiter erscheinen, weil die Versuche, die Zeitung in einer anderen Druckerei herzustellen, mißlungen waren. Die Redaktion teilt mit, daß der Zeitpunkt des Wiedererscheinens noch gar nicht feststeht. England. Gerüchte über Dr. Weizmanns Rücktritt. (J. C. B.) Da» Londoner Wochenblatt „Jewish World" verzeichnet in seinem Leitartikel Gerüchte über die Absicht Dr. Weizmanns, von seinem Posten als Präsident der zionistischen Weltorganisation zurückzutreten. Das Blatt, fügt den folgenden Kommentar bei: „Daß Dr. Weizmann den Wunsch empfindet, auszuruhen, kann niemanden überraschen. Er hat die Verantwortung der Führerschaft während acht Jahren der spannendsten und schwersten Arbeit ohne Pause getragen; während der acht für die Lebensinteressen der zionistischen Bewegung bedeutungsvollsten Jahre. Wenn wir jetzt die Meinung äußern, daß es gut wäre, wenn Dr. Weizmann seinen Posten wenigstens zeitweilig niederlegt, so tun wir es keinesfalls, weil wir alles das unbeachtet lassen, was Dr. Weizmann für den Zionismus getan hat und noch mehr, was er ohne Erfolg zu tun bemüht war. Es ist für keine Organisation gut, wenn ein Mann oder immer dieselben Männer ohne Unterbrechung die Führung in Händen behalten." In ihren weiteren Ausführungen schreibt die genannte englischjüdische Zeitschrift, daß als der geeignetste Nachfolger Dr. Weizmanns der Baron James de Rotschild erscheint, obwohl die Zeitung selbst mit seinen Ansichten sonst nicht einverstanden ist. Der Artikel schließt mit der Frage: „Würde aber auch Rothschild den Posten annehmen und wird Dr. Weizmann zurücktreten?" Die Jubiläumsfeier des Colonel Storrs. (J. G. B.) Vorige Woche beging der Gouverneur von Jerusalem Ronald Storrs das fünfjährige Jubiläum seiner Tätigkeit auf diesem Posten. Aus diesem Anlaß fand ein Festdiner statt, welchem Sir Herbert Samuel präsidierte und dem Vertreter judischer und muselmannischer Kreise sowie höhere englische Beamten beiwohnten. Am Tage darauf trat Sir Storrs seine Ferienreise nach Eng» land an. Das Palästina-Budget 1923. (J. G. B.) Zur Festsetzung des Budgets für das kommende Jahr wurde eine Sonderkommission eingesetzt, welcher der Finanzsekretär der Regierung. Mr. Davis, ferner als Vertreter der Ratsversammlung (Advisory Goncil) drei Araber und ein Jude (David Yellin) angehören. Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (PrePurg), tiefer Oltg Erstklassige diagnostische, diätetische und physikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe, Orthopädie. Abteilungen für AuQon-, Ohren-, Kohlkopf- und Hautkrankhelten, Röntgenbehandlung. Chemische und bakteriologische Laboratorien. Täglicher Pauschalpreis von öK 55 aufwärts Pauschalpreis für Entbindung von cK 1100 bis ÖK 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige 5K 15. Freie Aerzftewahl. Rituelle Itf^ Verpflegung unter Aufsicht des Preßbuitfer orthodoxen Rabbinates.

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