Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 1 (5.1.1923)
- Date
- 1923-01-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 1 NACHRICHTEN. Deut$cbc$krrdcb. Aas dem Leben der orthodoxen Bethaasvereine. Am 12. Tewes (31. Dezember) fand die Generalversammlung des Tempel- und Schulvereines für den V. Bezirk (Stumpergasse) statt. Der langjährige Obmann Herr Moritz Felsenburg eröffnete die zahlreich besuchte Versammlung mit Begrüßung der Mitglieder und besonders der Vertreter von Korporationen wie Adas und Agudas Jisroel, Storchengasse, Schmalzhofgasse usw. Er warf einen Rückblick auf die gedeihliche Entwicklung des Vereines, der auf allen Gebieten jüdischer Tätigkeit stetige Fortschritte aufweist und Dank der Opferwilligkeit der Mitglieder und Förderer seinen Besoldeten endlich entsprechende Bezüge gewähren kann. Angesichts der finanziellen Schwierigkeiten der Kultusgemeinde, gelang es dem Vereine, auf deren Subvention zu verzichten. Redner hob besonders die großen Verdienste des Vereinsrabbiners Herrn N. Flesch hervor, der sein ganzes großes Können in den Dienst seiner Gemeinschaft stellt. Herr Schriftführer Zeisel verlas die Protokolle der letzten Generalversammlung und erstattete Bericht über das abgelaufene Jahr. Zum Bericht erhob sich eine längere Debatte, an der besonders die Herren Weiß, Hecht und Leib teilnahmen. Dem Vorstand wurde mit Akklamation das Absolutorium erteilt und die besondere Anerkennung der Mitglieder ausgedrückt; wobei die außerordentlichen Verdienste des Obmannes Herrn Felsenburg hervorgehoben wurden. Die austretenden Vorstandsmitglieder wurden wieder-, Herr Nathan Pollak neugewähit. Der Vertreter der Adas und Agudas Jisroel dankte dem Vorstande und speziell dem Obmanne auf das Wärmste für die stetige Mitarbeit an allen das religiöse Leben berührenden Fragen und die werktätige, großzügige Förderung aller humanitären Bestrebungen, speziell des Waisenhauses und der Aktion für die hungernden Brüder in Rußland. Adolf Leitner s. A. Am 7. Tewes starb hier Herr Adolf Leitner im 64. Jahre. Sohn einer angesehenen Familie in Mattersdorf, wo sein Vater durch Jahrzehnte als Rosch Hakohol zum Besten der Gemeinde wirkte, war er durch und durch ein Musterjude. Ausgezeichneter Sohn, bester Gatte und Vater, war er bestrebt, seine Familie in echter Frömmigkeit zu erziehen. Eine Zeit saß er im Vorstand der Schiffschul, dem jetzt sein ältester Sohn angehört. Der allgemeinen Trauer gab das zahlreiche Geleite Ausdruck. Rabbiner Baumgarten pries in einem warmen Nachruf die Tugenden des Dahingeschiedenen. In Mattersdorf, wohin die entseelte Hülle geführt wurde, nahm die ganze Gemeinde am Leichenbegängnis Teil. Der Oberrabbiner S. Ehrenfeld und Herr M. Hönigsberg widmeten dem Verblichenen tief empfundene Nachrufe. Agudas Jisroel- Jugendgruppe, „B"-Gruppe, Wien. Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltungen der „B"-Gruppe fand am Dienstag, den 19. Dezember 1922, ein Vortrag des Herrn Moritz Spitzer aus Trnava über das Thema: „Wofür kämpften die Makkabäer und was verhalf ihnen zum Siege?", statt. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vereinsobmannes Herrn Wilhelm Weiß, gab der Vortragende vor einem großen Auditorium zuerst einen weitholenden Ueberblick über den historischen Entwicklungsgang der großen makkabäischen Volksbewegung und zeichnete mit gewohnter Meisterschaft ein treffendes Bild von den politischen, religiösen und sozialen Zuständen des jüdischen Volkes während des hellenistischen Zeitalters. Zur Besprechung des eigentlichen Themas übergehend, erörterte der Vortragende in längeren Ausführungen die Bedeutung des großen makkabäischen Freiheitskampfes und kam auch im weiteren Verlaufe auf den großen Unterschied der Makkabäer von heute und derer der Vorzeit zu sprechen. Nach ungefähr einstündiger Dauer, schloß der Vortragende unter stürmischen Beifallskundgebungen seitens des zahlreich erschienenen Publikums seine äußerst eindrucksvollen Darlegungen, welche für die „B*-Gruppe in jeder Hinsicht großen materiellen und moralischen Erfolg bedeuteten. Agudas Jisroel-Jugendgrnppe, „B"-Gruppe in Mattersburg. Dank der in den letzten Wochen seitens der Wiener „B"-Gruppe äußerst intensiv betriebenen Propagandaarbeit, wurde in Mattersburg (früher Mattersdorf, Burgenland) eine Agudas Jisroel-Jugendgruppe „B"-Gruppe ins Leben gerufen. Der junge Mattersdorfer Bruderverein, welcher analog der Wiener „B"-Gruppe die Verbreitung der Thorakenntnis auf seine Fahne geschrieben hat, hielt bereits am Dienstag, den 26. Dezember 1922, seine gründende Versammlung ab, in welcher Herr- Hugo Deutsch als offizieller Vertreter der Wiener „B"-Gruppe das Wort zu längeren Ausführungen Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien. Saaleingang II. Floßgasse 1 Einladung zu der am Samstag, den 6. Jänner, 1,)"p'| 'Q p'^UE nm 7 Uhr abends stattfindenden 1 MITGLIEDERVERSAMMLUNG iii welcher Herr Dr. Joel Pollak über die BRESLAUER AGUDATAGUNG berichten wird. ergriff, in welchen er die Zwecke und Ziele der zu gründenden „B"-Gruppe in gemeinverständlicher Weise kritisch beleuchtete. Bei den hierauf durchgeführten Wahlen in den Vorstand wurden gewählt die Herren: Ludwig Sprinzeles, Präsident; Paul Steinhof, Schriftführer; Josef Deutsch, Eugen Schotten, Jaques Kohn, Vorstandsmitglieder. Eventuelle Zuschriften sind an Herrn Paul Steinhof, Mattersburg (Burgenland) zu richten. „Judenreines" Geld für die Wiener Hochschalen. (J. G. B.) Die von den antisemitischen Studenten, Rektoren und Professoren der Wiener Hochschulen inszenierte Numerus-clausus-Bewegung, die. von turbulenten antisemitischen Ausschreitungen begleitet wird, hat die wissenschaftlichen, wie philantropischen Institutionen dieser Hochschulen in eine Gefahr gebracht, indem die hauptsächlich von jüdischen Spendern fließenden Hilfsgelder allmählich versiegen. Auf Initiative des bekannten Antisemiten Dr. Ursin, berief der Rektor der Wiener Hauptuniversität Prof. Diener eine Konferenz der Rektoren aller Wiener Hochschulen ein, in welcher darüber beraten wurde, wie man „christliches* Geld zur Erhaltung der Institutionen schaffen könnte, um so den arisch-deutschen Charakter der Hochschulen zu sichern. Es wurden diesbezügliche Beschlüsse angenommen, die aber bis zum nächsten Hochschultag, den 20. Jänner 1924, geheimgehalten werden sollen. Die neuen Kalender der Talmud Thora. Der bürgerliche Kalender der Talmud Thora-Volks- und Bürgerschule wurde diese Woche versendet, um der Schule neue Freunde uud Förderer zu werben. Der Kalender ist mit einem Bildnisse des akadademischen Malers Prof. David" Kohn s. A. geschmückt. Das Bild selbst ist die Arbeit seines Schülers Saul Fischler. Manfred Weiß gestorben. Montag ist in Budapest der bekannte Großindustrielle Baron Manfred Weiß gestorben. Er war einer der Führer der ungarischen Industrie. Seine Munitionsfabriken in Gsepel galten als außerordentlich leistungsfähig und trugen im Weltkrieg einen großen Teil der Kriegsbestellungen der Mittelmächte. Nach dem Zusammenbruch geriet Weiß in Konflikt mit dem kommunistischen Regime, wurde enteignet, später aber wieder in die Leitung seiner Werke eingesetzt. Die seelischen Erschütterungen dieser Zeit untergruben seine Gesundheit. Er pflegte in pietätsvoller Erinnerung an sein frommes Elternhaus wahre jüdische Wohltätigkeit in großem Stile. Vor vielen Jahren besuchte er anläßlich einer Erholungsreise in der Tatra die berühmte Hunsdorfer Jeschibo. Der Hunsdorfer Raw machte auf ihn einen solch tiefen Eindruck, daß er seither Jahr für Jahr die Jeschibo in großem Maße unterstützte. TSCHECHOSLOWAKEI. Nochmals zur Preßburger Gemeindewahl. Die „Jüdische Volkszeitung" in Bratislava konstatiert in einem Artikel ihrer jüngsten Nummer die Bedeutungslosigkeit des Wahlausganges der Kultusgemeindewahlen in Preßburg und widmet derselben — den eigenen Standpunkt desavouierend — fast zwei Spalten und stellt noch ein weiteres Zurückkommen auf diesen so unbedeutenden Gegenstand in Aussicht. Wir haben wohl der Besprechung des Wahlkampfes in unserer vorwöchentlichen Nummer im Gegensatze zu der „Jüd. Volkszeitung8 recht wenig Raum gewährt, doch können wir nicht verschweigen, daß wir bei Beurteilung des Wahlergebnisses nicht ganz die verkündete Ansicht der Volkszeitung teilen; diesmal war die Genieindewahl in Preßburg tatsächlich ein Ereignis, welches über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung verdient. So sprachen ja übrigens auch die Führer der „Unabhängigen", als sie am Abende des „großen" Wahltages in ihrer Siegesgewißheit das vermeintliche Wahlresultat als für das Schicksal der Gemeinde entscheidend und auf die ganze Judenheit auswirkend feierten. Daß das Ergebnis der Wahl den allzufrühen Siegesjubel verstummen machte, kann doch an dar sachlichen Bedeutung des Wahlkampfes und der gefallenen Entscheidung nichts ändern. Das eine mag hier aber zur Ehre der Gegner festgestellt werden, zur verschiedenen Bewertung ist eis gut Stück Berechtigung vorhanden, denn der tatsächliche Erfolg der „Traditionstreuen" kann nie und nimmer — mag'er noch so aufgebauscht werden — die sensationelle Bedeutung haben, welche ein Wahlsieg der Zionisten gehabt hätte, wie es ja auch viel weniger Erregung erweckt, wenn der Angriff auf die Festung abgeschlagen wird und die alten Farben eben nur bleiben, als wenn die Festung fällt und neue Fahnen gehißj: werden. Vom Standpunkte des Publikums aus wäre es wohl ein Ereignis größerer Tragweite gewesen, wenn die unter den Namen „Partei der unabhängigen Wähler" operierenden zionistischen und misrachistischen Regimenter mit ihren „farblosen" und „verschieden-farbigen" Hilfstruppen in die alte Burg der Orthodoxie eingezogen wären. „Die Eroberung -i Preßburg" wäre wohl in der ganzen zionistisch i Welt mit Jubel gefeiert worden. Diese sensationelle Bedeutung der Preßburger Wahl vermissen wir recht gerne und nehmen wahrlich freudig damit Vorlieb, daß nun in zionistischen Augen — durch die Brille des Mißerfolges besehen — die ganze Wahl als ein kleines Lokalereignis zusammenschrumpft. Wir wissen es trotzdem, daß Preßburg für die Judenheit der Slowakei und der ganzen Welt noch immerhin etwas zu sagen hat> _ Die Versuche der „Jüd. Volkszeitung", die Bedeutung dos Wahlsieges der „Traditionstreuen" durch Anführung all der „verwerflichen" Mittel, welche der von einigen „Hintermännern" geführten „Clique" wieder die Herrschaft in der Gemeinde gesichert, der „Willkür" des „schrankenlosen Wahlterrors", „der Wahlmißbräuche", welche angewendet wurden, um „einer kleinen Zahl, nur von reinsten Absichten getragener Männer", welche „in die Gemeindestube Ordnung und etwas westliche Kultur hineintragen wollten", den Weg versperrten, werden wohl kaum über den Kreis der eigenen und sich selbst täuschen wollenden Wähler Eindruck erwecken. Vergeblich suchen die „Unabhängigen" die Gründe ihres Mißerfolges außerhalb der eigenen Partei, der Mißerfolg mußte kommen, weil sie als Zionisten und Misrachisten in die Gemeindestube der orthodoxen Kultusgemeinde einzuziehen versuchten und die Gemeindemitglieder die orthodoxe Gemeinde hingegen nicht autgeben wollten; daß man aber die Zionisten und ihre Gefolgschaft trotz des falschen Namen sofort fürchtete, ist wahrlich auch kein Wunder, man fürchtet auch den Wolf, der sich Lamm nennt. Wahrlich nicht als ein angebliches Märchen über die Errichtung eines Krematoriums führte die Jereim an die Partei der Traditionstreuen, es genügte der Anblick des wahren Gesichtes der Opposition, und offenkundig war die Gefahr, welche wohl nicht die Leichen der jüdischen Toten mit Feuerbestattung, wohl aber die jungen jüdischen Seelen mit Versengen durch das fremde, nichtjüdische Feuer, mit welchem man sich ihnen nähern wollte, bedrohte. Es darf da wirklich niemand wunder nehmen, daß die „Traditionstreuen" unter solchen Umständen auf einen sicheren Erfolg rechnen durften, wie es auch die Volkszeitung angibt, allerdings den kausalen Znsammenhang verkennend. rk. Schiff' Felzwarenhous Engros und Erzeugungi I., Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschmarkt) :-: Telephon 67-302 Detailverkauf s »Niederlage s I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese.