Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 49 (29.12.1922)
- Date
- 1922-12-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vt. 48 JÜDISCHE Scfte Oberrabiner Weber, Präses der orthodoxen Landeskanzlei der Bratislava über die Zentralratstagung. Unser Mitarbeiter hatte im Laufe der Tagung Gelegenheit gehabt, mit Oberrabbiner Weber, der an solch exponierter Stelle für die Interessen der orthodoxen Judenheit wirkt, über sein Urteil und seine Eindrücke, 'die er während der Beratungen gewonnen hat, zu sprechen. Wir halten noch inmitten der Tagung, antwortete er, können daher uns noch kein abschließendes Urteil bilden. Bs ist ein erhebender Anblick, festzustellen, wie trotz der großen Entfernungen und verschiedenartiger Gestaltung des jüdischen Lebens in verschiedenen Ländern inbezug der Erkenntnis der Gefahren, die dem traditionstreuen Judentume von den die Religion negierenden oder von denen, die stets zu Kompromissen neigen, drohen, alle einer Ansicht sind, selbst wenn bezüglich der Anwendung von Abwehrmitteln gewisse Nuancen vorhanden sind. Von unserem slovakischen orthodoxen Standpunkte aus können wir zwei Dinge mit Genugtuung konstatieren: erstens die demnächst einzuberufene?TD3D rDH5, die für ^2*Sn SlS* geplant, wird der prägnante Ausdruck der vollständig selbständigen Orthodoxie sein, wodurch die Auffassung der slovakischen Orthodoxie in aller Welt Anerkennung findet. Zweitens ist dementsprechend die Anteilnahme der Orthodoxie an einem Weltkongreß, wie er von den Zionisten gedacht ist, als abgelehnt zu betrachten. Die Palästinafrage auf der Zentralratstagung. Entsprechend der großen Bedeutung, die Agudas Jisroel der Palästinafrage widmet, hat die Erörterung dieses Problems fast den ganzen zweiten Tag der Konferenz für sich in Anspruch genommen. Wer die Seele des thoratreuen Juden kennt, der weiß es, in welchem Maße sie von Liebe für Erez Jisroel und vom Willen erfüllt ist, Mizwas Jischuvv Erez Jisroel zu erfüllen. Wer nun ferner eine Ahnung davon hat, wie kompliziert, wie schwierig die Situation der thoratreuen Judenheit im heiligen Lande ist, der wird sich eine richtige Vorstellung davon machen können, wie diese jüdische Seele nun anläßlich der Beratung der Frommen und Thoragrößen aus allen Ländern ringt, um ihre Ideale auf dem heiligen Boden zu verwirklichen. Man pflegt im allgemeinen zu behaupten, daß innerhalb der Agudas Jisroel zwei große Richtungen um Geltung ringen: Die eine, die für praktische Palästinaarbeit und die andere, die gegen dieselbe gerichtet ist. Wenn jemand nun die Möglichkeit hatte, den Beratungen über die Palästinafrage zu folgen, so wird er diese irrtümliche Bezeichnung verwerfen müssen. Ob man die sogenannten Palästinafreunde, die auf dieser Tagung ausgezeichnete Vertreter hatten, hörte, oder jene, welche mehr der tiefen Beklemmung der jüdischen Seele, die um die Heiligkeit des Landes zittert, Ausdruck gaben, so hatte man immer das Gefühl, daß hier nur Unterschiede in der Methode, aber keine Differenzen im Prinzip vorhanden sind. Die Sorge um die Unabhängigkeit und sichere Entwickelung der palästinensischen Orthodoxie hat gleichermaßen alle erfüllt, die über das Verhältnis Agudas Jisroel -zu Erez Jisroel gesprochen haben. In der Erkenntnis, daß die beste Waffe für die Verteidigung des heiligen Charakters des heiligen Landes die praktische Arbeit ist, die aber nicht nur beschlossen, sondern auch geleistet werden muß, haben die schweren Debatten über dieses Problem eine einstimmige und befriedigende Lösung gefunden. Als Vertreter der Palästinazentrale der einzelnen Landeszentralen hat Herr Dr. Oppenheim, Frankfurt a. M., den Bericht über die verflossene Periode erstattet; die Thesen für die zukünftige Arbeit hat wiederum Herr Dr. Ehrmann aus Frankfurt a. M. als Korreferent vertreten. Wir geben nun im Folgenden die einzelnen Referate. Referat Dr. Oppenheimer. Wenn wir es wagen Ihnen, sehr geehrte Herren, heute über die Arbeit der Palästina-Zentralen der einzelnen Länder, soweit diese uns bekannt geworden ist, zu berichten, so leiten wir das Recht dazu, von dem uns bei der ersten Sitzung des Zentralrates in Wien erteilten Auftrag das Ressort der wirtschaftlichen und kulturellen Arbeiten aller Palästina-Zentralen zu übernehmen. Wir mußten bemüht sein, trotz der dringenden Notwendigkeit alle Kräfte für den wirtschaftlichen Aufbau des Heiligen Landes zusammenzufassen, die Selbständigkeit unserer einzelnen Landes-Zentralen nicht allzusehr einzuengen. Gleich zu Beginn unserer Besprechung möchten wir auf den großen Mangel hinweisen, daß es uns bis heute leider nicht gelungen ist, alle in den einzelnen Ländern gesammelten Keren-Hajischuw-Gelder an einer Stelle zu konzentrieren. Trotz des in Wien gefaßten Beschlusses sind die einzelnen Palästina-Zentralen bis jetzt unserer Aufforderung, die Keren-Hajischuw-Gelder dem Vorstand des Keren- Hajischuw zur Verfügung zu stellen, noch nicht gefolgt. Es dürfte einleuchtend sein, daß eine wirklich großzügige Arbeit niemals von der Palästina-Zentrale eines einzelnen Landes allein geleistet werden kann. Dieses entspräche auch in keiner Weise dem Klall- Gedanken, der dem Programm unserer Agudas Jisroel zu Grunde liegt. Wenn trotzdem auf verschiedenen Gebieten einiges geleistet und geschaffen werden konnte, wenn fast jede Landes- Zentrale auf einem oder mehreren Gebieten wirkliche Aufbautätigkeit in den verflossenen 20 Monaten vollbringen konnte, so ist oies ein Beweis, wie tief die Chibbas Hoorez die Herzen aller wahren frommen Jehudim erfüllt, und wie selbst in den valutaschwächsten Ländern alle Hände sich regen, um der Agudas Jisroel die Mitarbeit am Aufbau von Erez Hakedauschoh zu ermöglichen. Lassen Sie mich zunächst mit unserer größten Landes- Organisation, den Schlome Emunei Jisroel, beginnen. Den Auftakt zu der aktiven Betätigung unserer polnischen Brüder bildeten die Reise des Ehrw. Rabbi Alter von Gor, welche er in Begleitung von angesehenen Fachleuten aus Polen kurz nach der Wiener Konferenz unternommen. Ich übergehe die politischen Ziele und möchte vor allem hervorheben den bei dieser Gelegenheit getätigten Ankauf eines größeren Grundstückes in Jaffa und die Begründung des Binjan-Hoorez. Es ist Ihnen bekannt, daß in Erez Jisroel eine ungeheure Wohnungsnot existiert, wodurch sowohl die Einwanderung als auch die Errichtung und Unterhaltung aller geschäftlichen Unternehmungen beeinträchtigt wird. Es war daher ein außerordentlich glücklicher Gedanke der Schlome Jisroel durch den Plan der Errichtung von Wohn- und Geschäftshäusern einen schweren Mangel in Erez Jisroel zu beheben, gleichzeitig aber den einzelnen Geldgebern eine gewisse Siehe- - heit für das in Erez Jisroel investierte Kapital zu biet n. Die Ausführung dieses Unternehmens allein, stellt, bereits eine große und wichtige Aufgabe dar, zu deren Durch'jnrung und Aufbau alle Teile unserer Organisation beitragen müssen. Außerdem hat die Palästina-Zentrale der Schlome Emunei Jisroel noch erhebliche Mittel für den Keren-Hajischuw gesammelt, worüber ihre Vertreter in der Aussprache weiterhin berichten werden. Ich darf ferner annehmen, daß auch die Wiener Palästina- Zentrale, welche in erster Linie für das Ressort der Emigration die Fürsorge übernommen hat, selbst hierüber berichten wird. Ich komme nun zu den Leistungen der Deutschen Palästina-Zentrale. Ich übergehe zunächst die Zeit vor der Wiener Konferenz, da damals unser Hauptaugenmerk auf die Erhaltung der orthodoxen Schulen der Pekidim und Amarkaleim gerichtet gewesen war. Die in Wien übernommenen Verpflichtungen glaubten wir nur dann in ausreichendem Maße befriedigen zu können, wenn wir uns direkt durch den Augenschein über die Lage in Erez Jisroel orientiert hätten. Wir baten daher unser verehrtes Mitglied Herrn Dr. Ehrmann eine Reise nach Erez Jisroel zu unternehmen, damit wir in die Lage versetzt seien, die dringendsten Notwendigkeiten festzustellen und die einzelnen Palästina-Zentralen über die Lage informieren zu können. Neben der Erkundung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Erez Jisroel ergaben sich für uns noch zwei wichtigeAufgaben. 1. Die Schaffung einer Palästinensischen Vertretung der Agudas Jisroel. 2. Reorganisation der palästinensischen Landesorganisation der Agudas Jisroel. Zu unserem lebhaften Bedauern war es bis jetzt nicht möglich, die Aufgabe der Schaffung einer Vertretung unserer Weltorganisation in Erez Jisroel zu lösen, da ein Mangel an hierfür geeigneten Persönlichkeiten besteht, andererseits es untunlich erschien, die bisher noch nicht allzu umfangreichen Mittel der Agudas Jisroel dazu zu verwenden, einen Vertreter für die Dauer von Europa nach Erez Jisroel zu delegieren. Dagegen dürfen wir mit Stolz darauf hinweisen, daß man nunmehr in der Tat auch in Erez Jisroel von einer Organisation der Agudas Jisroel sprechen darf, ganz besonders in Jeruscholaim. Dank den Bemühungen des Herrn Dr. Ehrmann ist eine außerordentlich rege und unermüdliche Orts- und Jugendgruppe entstanden, über deren Tätigkeit wir späterhin noch berichten werden. Nach der Rückkehr des Herrn Dr. Ehrmann und dem uns erstatteten Bericht, welcher auch den anderen Palästina- Zentralen zugänglich gemacht wurde, versuchten wir zunächst, als eine kleine kolonisatorische Probe, eine Tabak-Pflanzung in Gedera auf gepachtetem Boden ins Werk zu setzen. Bedauerlicher Weise mußte dieses Unternehmen infolge äußerer Umstände aufgegeben werden. Unserer alten Aufgabe, der Erhaltung der bestehenden Thoratreuen Schulen in Erez Jisroel, konnten wir wie auch andere orthodoxe Organisarionen infolge der rapiden Geldentwertung nicht im vollen Umfange nachkommen. Es ist Ihnen bekannt, daß sämtliche Schulen der Pekidim und Amakalim geschlossen werden mußten, von denen jedoch die Doresch Zion-Schule allerdings wiederum eröffnet werde konnte. Eine unter der ausdrücklichen Haskomo von Rabbi Chaim Sonnenfeld in Jeruscholaim eröffneten Mädchenschule wurde von uns in weitgehendstem Maße unterstützt und gefördert. Von dem Gedanken ausgehend, daß gerade in Erez Jisroel eine orthodoxe Presse unentbehrlich sei, haben wir in aller Welt Abonnenten für die Wochenschrift „Kol Jisroel" geworben. Wir erwähnten schon, daß wir es als eine Aufgabe aller Landeszentralen betrachten, an dem Häuserbauunternehmen des Binjan Hoorez teilzunehmen. Die Gesellschaft ist in Erez Jisroel mit einem Kapital von £ 15000 begründet worden und hat Aktien im Werte von je £ 10 ausgegeben. Die Deutsche Palästina-Zentrale hat hiervon Aktien im Werte von etwa £ 3000 übernommen. Wir hoffen, daß mit dem Bau bereits begonnen ist und das Unternehmen in die Lage versetzt wird, noch weitere Häuser in Erez-Jisroel zu errichten. In jüngster Zeit haben wir begonnen, Chaluzim, welche sich weniger für Bodenbearbeitung eigneten als für ein Handwerk in, Deutschland zunächst als Handwerker ausbilden zu lassen. Dieser Zweig unserer Tätigkeit stieß anfangs auf große Schwierigkeiten, da es sich bei den Chaluzim meist um Nicht- Deutsche handelt, deren Beschäftigung von den Behörden nicht zugelassen wird, so lange noch deutsche Arbeiter ohne entsprechende Arbeit sind. Atich gibt es in Deutschland nicht genügend Handwerksmeister, welche auf Schmiras Schabbos Rücksicht nehmen. Trotzdem ist es uns gelungen, einige Chaluzim bei Handwerkern unterzubringen, wobei die Palästina-Zentrale dafür Sorge tragen muß, die Geldentschädigung der Lehrherrn entsprechend zu ergänzen. Seit jeher war unser Streben darauf gerichtet, in Erez Jisroel eine Kolonie thoratreuer Chaluzim zu errichten. Wer die Berichte unserer Brüder in Erez Jisroel liest und die Erzählungen unserer Delegierten vernimmt, der begreift, was die Entsendung einer Kwuzo von Jereim und Schlemim in Eerez Jisroel bedeutet und was eine fest im Boden der Thauro wurzelnde Gruppe von Chaluzim durch ihr Beispiel wirken konnte. ieider hat es uns bis jetzt an Geld gefehlt, um den hierfür erfor&rlichen Boden zu kaufen, an Geld gefehlt, um eine solche Kolonie zu unterhalten und an der Möglichkeit, die hierfür geeigneten Menschen vorzubereiten und auszubilden. Schon war unsere Palästina-Zentrale nahe daran, wenigstens die Vorbereitung der Chaluzim in die Hand nehmen zu können. Stand uns doch bereits das für die Errichtung eines Lehrgutes erforderliche Kapital, ja sogar das Lehrgut selbst zur Verfügung. Leider ist auch die Ausführung dieses Projektes durch einen unglücklichen Zufall in letzter Stunde verhindert worden. Wir dürfen jedoch hoffen, daß es den vereinten Kräften aller Palästina-Zentralen nunmehr gelingen wird, diese eminent wichtige Aufgabe bald einer Lösung zuzuführen. Von dem Gedanken ausgehend, daß die Aguda Jisroel es keineswegs ablehnt, mit anderen Organisationen, insofern dieselben lediglich wirtschaftliche Interessen in Erez Jisroel zu fördern suchen und die Wahrung des Thoragesetzes sichergestellt ist, haben wir vor wenigen Tagen mit verschiedenen anderen derartigen Organisationen zusammen eine Gesellschaft begründet, welche den Export von Waren nach Erez Jisroel betreiben soll. Es soll hierdurch den Bewohnern von Erez Jisroel die Möglichkeit geboten sein, ihre Materialien, für deren Beschaffung sie sonst nach Europa reisen müßten, oder auf Fremde angewiesen wären, an Hand von Musterkollektioner in Jeruscholaim selbst bei der Vertretung der Export-Gesellschaft zu bestellen. Einige uns nahestehende Firmen haben sich bereits mit erheblichen Kapitalien beteiligt. Ich komme zum Bericht über die Tätigkeit def paläsii« nensichen Landesorganisation. Ich erwähnte bereits die Herausgabe des Kol-Jisroel, welche zunächst als Monatsschrift begründet, seit dem Monat Ador jedoch, einem dringenden Bedürfnisse folgend, allwöchentlich erscheint. Sie stellt»;djas einzelne Sprachrohr der unabhängigen Orthodoxie Erez Jisfofets dar und wird sozusagen vollständig aus eigenen Mitteln, der Aguda-Gruppe in Jeruscholaim erhalten. Die gesamte redaktionelle Arbeit wie übrigens auch die ganze organisatorische Arbeit der palästinensiehen Aguda wird lediglich ehrenamtlich geleistet. T'm die Papier- und Druekkostcn der ersten Nummer dos Kol-Jisroels aufzubringen, verpfändeten Frauen der Mit« glieder ihro Schmuckstücke. Die Begründung der Mädchenschule ist gleichfalls auf. das Konto der palästinensiehen Aguda selbst zu schreiben. Die leitenden Kreise der Jereim in Jeruscholoim konnten sich nicht länger der Einsicht verschließen, daß auch die Mädchenerziehung in ihren Aufgabenkreis einzubeziehen sei/wenn die Eltern nicht Gefahr laufen sollten, daß ihre Töchter sich anderen Schulen zuwenden würden, wo sie nicht im Geiste der Thauro erzogen würden. Den Hauptteil der Kosten dieser Schule trägt die Agudas Jisroel-Jugendgruppe in Jeruscholaim. Auch zu den Kosten der Doresch Zion-Schulo hat die dortige Agudas-Jisroel-Jugendgruppe beigetragen. Eine wichtige Aufgabe war, eine Aufnahmestation fürdie in Erez-Jisroel ankommenden orthodoxen Chaluzim zu gründen, um ihnen für die ersten Tage Unterkommen und'Verpflegung zu beschaffen, bis sie eine geeignete Stelle gefunden haben. Unsere Landesorganisation in Erez Jisroel begründete für diesen Zweck ihre Lischkas Hoalioh. Ferner war sie -bestrebt, den ankommenden Chaluzim die Erlernung eines Handwerks zu ermöglichen, sowie dieselben während ihrer Lehrzeit 2u unterstützen. Nach dem uns vorliegenden Bericht wurden etwa 20 Hand* werker ausgebildet und zwar als Maurer, Schmidee,... Maschi* nisten, Tapezierer und Sattler. Außerdem wurden eine Reihe derselben bei dem Neubau des Diskinschen Waisenhauses b;e* schäftigt und etwa 85 Arbeitern andere Arbeiten zugewiesen. Auch auf kolonisatorischem Gebiete darf unsere palästinensische Landesorganisation auf Erfolge hinweisen. Im Laufe des letjten Jahres wurden 2 Grundstücke in der Nähe: vq'h Jeruscholaim erworben, von denen das eine als Siedlungslanfd für Kleinbauern, das andere zum Bau von Häusern dienen soll. Trotz der in Erez Jisroel herrschenden Not und trotz der. Erfüllung mannigfacher Aufgaben, hat sich unsere palästinensische Landesorganisation es nicht nehmen lassen, an dem Hilfswerk für unsere Brüder in Rußland teilzunehmen. In der kürzen Zeit von 3 Monaten ist es ihr gelungen, — 800 für die Ukräieh- Hilfe zu sammeln, in Jerusalem allein — 500, ein Erfolg, wieder von keiner anderen Landesorganisation erreicht wurde. Auch die Wiener Palästina-Zentrale hat auf eine reich« Tätigkeit hinzuweisen. Besonders so lange in Wien ein tgroßer Teil der Palästina-Flüchtlinge sich befand, war die . Hauptaufgabe unserer Palästina-Aufgabe in Wien, diese Flüchtling« in ihre Heimat, zurückzusenden. 500 dieser Unglücklichen konnte man im Laufe der Berichtsperiode in ihre Heimat reparlouieren. Solange der Weg der Palästina-Emigration über Wien führte, hat unsere Palästina-Zentrale allen Petenten., die sich an sie wandten, wiederholt materielle Unterstützung und jede mögliche Hilfeleistung geboten. Ferner hat sie ungefähr zwanzig hCaluzim auf einem Landgute au&'gebildetu und nach Palästina gesandt, von denen der große Teil,'in Petacli Tikwah Beschäftigung fand. Die groß angelegte Werkstätte des jüdischen Hilfswerkes der Agudes Jisroel .in Wien hat ferner zwanzig Plätze für junge Leute aus dem Osten reserviert, die dort ein Handwerk erlernen, um dann in Palästina einen redlichen Erwerb finden zu können. •■ ..•'• Auch unsere Beßarabische Landesorganisation hat bereits eine lebhafte Tätigkeit entwickelt. Laut einem bei uns eingetroffenen Berichte hat dieselbe für den Keren Hajischüw bis jetzt 15 000 Lei gesammelt, und außerdem ein großzügiges Unternehmen in dio Wege geleitet, um mit einem Kapital von etwa 14 Millionen Lei ein Grundstück hinreichend für die Ansiedlung von 200 Familien in Erez Jisroel zu erwerben. Als Name dieser Kolonie ist ,,Gwul. Jehudo" zu Ehren1 d*es Oberrabbiners Zirelsohn vorgesehen. Die Gelder wurden mit Hilfe einer staatlich konzessionierten Lotterie aufgebracht. Meine Herren! Wenn wir dio bisherigen Leistungen der Palästinazentralen überblicken, so können wir uns ' allerdings nicht rühmen bereits große Erfolge auf wirtschaftlichem Gebiete errungen zu haben. Wir leiden bedauerlicher. Welse noch an einem Mangel an straffer Organisation, auf dessen Behebung zunächst unser Augenmerk gerichtet sein. muß. In allen Ländern herrscht ernster Wille zur Arbeit;.und'ich zweifle nicht, daß eine Zusammenfassung aller Kräfte^uns unserem Ziele, der Schaffung eines neuen Jischuw al Pi hatauro, näher bringen wird. ' n: Welche weiteren Aufgaben nun zunächst der Lösung harren, darüber wird Jhnen Herr Dr. Ehrmann Bericht ierstatten. , ' ' Im Anschluß an diese Ausführungen skizzierte ' ür. Ehrmann, Frm., den Rahmen, für die zukünftige Arbeit, der Agudas Jisroel für Palästina. Referent betonte einjoiterid, daß die Hauptursache für die bisherigen Mängel der praktisölten Palästina-Arboit der A. J. darin zu suchen sei, daß es ah einheitlicher Organisierung gefehlt habe, sondern vielmehr :jed!er Landesverband mit seinen unzureichenden Mitteln nicht allzu großes zu leisten imstande war. Es gilt daher vor allem eine Hauptzentrale für Palästina-Arbeit zu schaffet), weiche alle anderen Landesorganisationen unterstehen. Diese Haupt» zentrale, welche das Herz der Palästinatätigkeit der A. J. darzustellen hat, soll eine Blutkreislauf im ganzen Körper der Agudah bis zu letzten Ortsgruppe und von ihr wieder zurück zur Zentrale veranlassen, und dafür Sorge tragen, daß die agudistische Auffassung der Tätigkeit für Erez Jisroel immer mehr Allgemeingut aller Agudisten werde. Dies« Tätigkeit erstreckt sich im großen Ganzen auf drei Dinge: a) Förderung des Thorageistes im heiligen Lande duröh Stärkung der orthodoxen Erziehungsinstitutionen, der rabbinischen Autoritäten, der orthodoxen Presse und der dortigen Agudahgruppen, b) Gewinnung von Menschen, welcho - die physische und psychische Eignung haben, wahrhafte Pioniere des jüdischen Gedankens im jüdischen Lande zu werden. Die Bereitstellung dieser Menschen für Erez Jisroel muß chM der vornehmsten Aufgaben der Agudas Jisroel werden. o^Öi« Gewinnung von Geldmitteln sowohl zum Ankauf vc.i Land als auch für industrielle Betätigung in Erez Jisroel durch das Finanzinstrument der A. J. den Keren Hajischüw wira der Probierstein dafür sein, wie weit dio Erez Jisroel-Liebe der breiten thoratreuen Volksmasse stark und tragfähig genug ist, und durch sie Mizwas Jischuw Erez Jisroel im altjüdischen von der Thora gebotenen Sinne erfüllen zu können. Die Ge« winnung der Menschen für das Land und des Landes für die Menschen und beider für die Thora sei das Leitmotiv da» Palästina-Arbeit für Erez Jisroel. Als Grundlage für «ins Diskussion legte Redner folgende Thesen vor: Bezüglich der Palästina-Arbeit der Agudas Jisroel. I. Organisatorisches: Jedo Landesorganisation der Aguda* Jisroel hat eine Palästina-Zentrale einzurichten, die bei jeder Ortsgruppe ein Kommissar bestellt, welcher eventuell mit Zuwahl von dazu geeigneten Mitgliedern aus der lokalen Orts- und Jugengruppe die Tätigkeit für Palästina aufzunehmen und zu fördern hat.