Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1922-12-29 · 49 (29.12.1922) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
49 (29.12.1922)
Date
1922-12-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2629953-2629998--0805-2632489
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Se!te 292 > >:)-• r-rn -^t^T TtTDTSCHtt PRESSE 6* Nr. 4« welchem der Zeutralrat den Gesehäftsausschttß beauftragt' hat, die Kenessio Gedaulo für den kommenden .Sommer vorzubereiten. Schon der Beschluß wurde in ungeheurer Begeisterung seitens der Zentralräte auf- ■ genommen. Wir sind aber sicher, daß die agudistischen Massen diesen Beschluß als eine erlösende Tat empfinden werden. Seit Ellul 1914, für welchen Termin die Kenessio Gedaulo bereits einmal einberufen war. seif diesem Termin haben die Anhänger der Aguda darbeklemmende Gefühl, daß man in einem Zustande des Provisoriums, der Unsicherheit, der t'nvollkommenheit sich befindet, wobei zu bedenken ist, daß die Einberufung der Kenessio Gedaulo nebst technischen Vorbedingungen die grundsätzliche Voraussetzung hat, daß bis dabin der Rabbinische Rat. konstituiert werden muß. Die gegenu-ärtige Tagung des Zentralrates bezw. de* provisorischen Rabbini'schcii Rates wird ja nach alier Wahrscheinlichkeit auch diese Voraussetzung " /schaffen. Wenn einmal nun der Rai »Iiinische Rat konstituiert ist, so hat sich Agudas jisroel ein Organ gegeben, das durch die Thor,".großen, die es umfaßt" ein weithin .leuchtendes Beispiel und Vorbild für die gesamte Orthodoxie bilden wird. Wir.werden mindestens, was .da« Wesen der Agudas Jisroel betrifft, nicht von der .'Aeußeruug und Stellungnahme Einzelner abhängig sein, '•sondern eine Körperschaft, wird richtunggebend sein, ' die gemäß der ihr innewohnenden Autorität spontan Anerkennung und Befolgung finden wird. Nach diesen Voraussetzungen werden nun all jene die das Wesen :des Judentums in der unverbrüchlichen Treue zu Thorah und Tradition erblicken, die die Einheit und Ewigkeit des jüdischen Volkes nur auf Grundlage dieses Bekenntnisses sich vorstellen, all diese werden mit Be- ^geistenmg die Opfer bringen, die ebenfalls eine un- •bedingte Voraussetzung für die Existenz von Agudas Jisroel bedeuten. Auf Grund dieser Opfer werden sie .ihre Vertreter legitimieren, die, so hoffen wir, mit Gottes : Hilfe im nächsten Sommer die bisherige Arbeit unserer : unermüdlichen, aufopferungsvollen Führer mit der Vollendung des Baues an Agudas Jisroel krönen. Der neue Geschäfts-Ausschuß. Rabbiner J. Baumgarten, Wien.; / „ Beer Friedmann, „ Ab. Hornstein, „ Dr. P. Kohn, „ Wolf Pappenheim, „ . „ A. Katz, Nitra. J. M. Lewin, Warschau. „ M. Schapira, „ Jakob Trokenheim, . Dr. Jsaak Breuer, Frankfurt a. M, Drf S. Ehrmann, . M » ... Jakob Strauss, „ « ". •;' * ... Jakob Rosenheim, „ „ Leo Wreschner, „ „ i ■ „ M. M. Epstein, Slobodko (Litauen). ,» J. Zierelsohn, Chisinau (Bessarabien). Außerdem gehört dem Geschäfts-Ausschuß, dessen 'Sitz in Wien ist, Rabbiner S. Fürst, Oberrabbiner der - Adas Jsroel, Wien, an. Die Beratungen des Zentralstes der Agudas Jisroel in Breslau. Breslau, den 26. Dezember 1922. ' Der geschafisführende Ausschuß der Agudas Jisroel 'hat die zweite Sibung des Zeniralrates für Breslau auf 'den 7. bis 9. Tewes d. l. der 26. bis 28. Dezember 1922 einberufen. Da der gesamte G. A. und ein groBer Teil der Mitglieder des Zeniralrates bereits schon Montag nachmittag in Breslau eintrafen, konnte eine inoffizielle Beratung bereits Montag abends stattfinden. Bei dieser Beratung wurde der Bericht des G. A. über seine Tätigkeit seit der jüngsten Zentralratssifcung seitens des Leiters des Zentralbüros, Herrn Rabbiners Dr. P. Cohn, erstattet, wobei aber mit Rücksicht auf die Abwesenheit der polnischen und litauischen Delegierten : über die Tätigkeit in diesen Ländern nicht gesprochen wurde., lrh allgemeinen konnte der Berichterstatter mit Genugtuung feststellen, da& die Idee der A. J. eine -...'glückliche Verbreitung und Vertiefung gefunden hat. 'Dos Bewußtsein, dafe man /ur Vertretung der Interessen einer Organisation bedarf, hat auch in den orthodoxen Kreisen Raum gewonnen und da war es überall Aufgabe der Leitung, dieses Organisalionsbedürfnis in die richtigen Formen zu kleiden. Nebst dem Erwachen des Organisaf ionsbedürfnisses hat auch erfreulicherweise die Liebe zum Thoralernen die Herzen unserer Jugend er- •:?aßt,; und überall hat die Jugend es verstanden, diese ' :,/\veil Momente zu verbinden, und die ersten Organisa- '.. lionskeime der Jugendgmppen waren eben die Lern- . Gemeinschaften, die sich zu Limmud Halhauro zu- •sammengefunden haben. Dali die Leitung hob dieser günstigen Voraussebungen nicht grÖ&ere Erfolge aufweisen kann, ist dem furchtbaren Geldmangel und noch •mehr dem Mangel an Menschen zuzuschreiben. Die Orthodoxie versteht gewaltige Opfer zu bringen dort, wo es um Thoralernen oder um Gemillus Chassodim "sich-handelt, ober die Idee, da& für Organisation und Propaganda ebenfalls gewallige Summen benötigt werden, hat noch nicht durchgegriffen. Mit dieser ••Schwierigkeit hat der G. A. immer schwer zu kämpfen gehabt. Was nun den G. A. selbst betrifft, bestand er aus sieben Herren und zwar vier in Wien, das sind . Rabbiner Dr. P. Cohn, Wollt Pappenheim, A. J. Hornw.stfcin, David Schreiber und in dessen Verhinderung Herrn Rabbiner ß. {"riedmann, Sohn des Czordkower ftebben, und drei in Frankfurt: Jakob Rosenheim, Leo Wreschner, Jacob Sträufc. Den sieben Herren standen Ersabmänner mit beratender Stimme zur Seile. Das Verhältnis zwischen Wjen und Frankfurt war immer ausgezeichnet und es ergab sich immer auch eine gute Beralungsmöglichkeit. Die Arbeit war im gro&en Ganzen so verteilt, daß; die Initiative in Organisationsfragen mehr in Wien war. in politischen Angelegenheiten in Frankfurt a. M., wobei betont werden muri, da?; selbstverständlich Schritte nur im Einverständnis des gesamten G. A. unfernommen wurden. Was nun die reine Org'anisations arbeit be- Iriffi. so waren Delegierte des G. Ä. und zwar Herr Wolff Pappenheim in Paläslina. in Bessarabien, in Polen, in Transylvanicn. in Wiinu, ferner des öfteren in der Tscliecho-SIovokei. Sowohl in L'rez Jisroel, wie in den •ihrigen Ländern v.--.<vd.en gute Erfolge erzielt, über welche Länder noch die Vertreter der einzelnen Landesorganisafiontn ausführlich berichten werden. Eine Deleorjiion, besicherte' avs hervorragenden Persönlichkeiten, war in Amerika, die coentalb der Idee der A.!. in Amerika eine rcsicr^ Organisotionsform gegeben hat, als es früher der!"'al! war. Nach verläßlichen Berichlen warten unsere amerikanischen Gesinnungsgenossen und jene gro&en orthodoxen Massen Amerikas, die förmlich eine Sehnsucht nach wahrer Frömmigkeit haben, om? eine geeignete Delegation, die die Erfüllung ihrer "Wünsche bringen möge. Auch aus Süd-Amerika und von anderen überseeischen Ländern sind viele Einladungen an die. Leitung ergangen, dahin Sendboten zu schicken, jedoch der furchtbare Mangel .an Menschen hat es der Leitung bis nun verwehrt, diesen Einladungen Folge zu leisten. Was die politische Tätigkeit des G. A. betrifft, so möchte die Leitung vor allem Wert darauf legen, da& ihreSchritte der jüdischen Oeffentlichkeit im weitesten Umfange bekannt werden. Es würden dadurch viele Ausstreuungen und Verdächtigungen aus der Welt verschwinden. Als Grundcharakter der politischen Schritte der Exekutive, soweit sie nach au&en gerichtet waren, kann das Motiv angegeben werden, dafs sie nur dann vorgenommen wurden, falls es nach sorgsamster Ueberlegung des G. A. notwendig war, um lebenswichtigen Interessen der auf Grund der unverbrüchlichen Treue zu Thora und Tradition stehenden Judenheit bei jenen Mächten zu vertreen, welcfie durch Gottesfügung einen Einfluß auf die Gestaltung der Geschicke des jüdischen--Volkes gewonnen haben. Das war vor allem geboten \\\ der Frage der Jewish Agency. In dieser Angelegenheit ist der G. A. strikte nach dem Beschluß des Zeniralrates der Wiener Sibung vorgegangen. Dieser Beschluß wurde in lebter Instanz von dem Rabbinischen Rat und besonders von seinen Mitgliedern in Palästina gutgehei&en. Die Wünsche und Förderungen der A. J. in dieser Angelegenheit hat eine spezielle Delegation beim Kolonialem! ..YeH1^*^ Die Aufnahme der Delegation war wohl sehr freundlich, aber in der Sache selbst konnte seitens der englischen Regierung keine Zusage gemacht werden. Ueber diese Angelegenheit wurde überdies die Oeffentlichkeit durch eine offizielle Verlautbarung des G. A. unterrichtet. Einen zweiten politischen Schritt in London unternahm der G. * A. anläßlich der Anwesenheit des High Kommissionärs Sir Herbert Samuel in London. Auch dieser Schrill hat keine wesentliche Förderung der politischen Wünsche der A. J. gebracht, jedoch wurden die Wünsche der palästinensischen A. 1. bei der Neuordnung der inneren Verhältnisse in Palästina der Aufmerksamkeit Sir Herbert Samuel teilhaftig. Einen drillen politischen Schritt unternahm die Leitung der A. ). in London anläßlich der Beratrng des Völkerbundsrates über das Palästina-Mandat. Bekanntlich hat hier die Leitung ebenfalls auf Beschluß des Zeniralrates und des rabbinischen Rates eine Abänderung des § 4 des Mandaisentwurfs angestrebt. Zur Vertretung der Wünsche der A; J. ist ebenfalls eine Delegation nach London entsandt worden. Es mu& hervorgehoben werden, daß zu jenem Zeitpunkt das politische Weltbild schon eine wesentliche Aenderung erfahren hat, und nachdem der Delegation seitens der Mandatskommission mitgeteilt worden ist, da& das unbedingte Bestehen auf die Forderung der Umbildung des § 4 unter Umständen mii sich, bringen würde, dalj das Mandat überhaupt nicht bestätigt werden könnte, stand die Delegation vor einer neuen Tatsache. In diesem schweren Augenblick hat der Delegation als Richtschnur gedient, dalj die Tatsache des Mandates vom Agudas Jisroel stets als erfreulich und notwendig bezeichnet wurde. Auf Grund dieser Erwägung hat die Delegation in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortung die Forderungen der A. }. zurückgezogen und sich damit begnügt, in einem Schreiben an die Völkerbundskornmission die Mitteilung zu machen, da& A. J. keinesfalls die Bestätigung des Mandates verhindern und verzögern will, sie bittet aber den Völkerbundsrat, die Anträge der Ä. J. in betreff der Jewish Agency bei der englischen Regierung vertreten zu wollen. Soweit von der äu&eren Politik der A. J. Was die innerpolitischen Schritte betrifft, so sind da die einzelnen Landesorganisationen, die die weitgehendste Autonomie haben, wohl nach Beratung mit der Leitung jedoch im großen Ganzen selbständig vorgegangen. Was die soziale Arbeit betrifft, so hebt der Berichterstatter besonders die grobe russische Hilfsaktion hervor, in welcher die Leitung die Initiative ergriffen hat. Alle Landesorganisationen, besonders aber die palästinensische, die polnische, die deutsche, die schweizerische und die slowakische, haben sieh hervorragend an der Aktion beteiligt, so dal; unseren hungernden Brüdern eine, wesentliche Hilfe geboten werden konnte, was unzählige rührende Briefe zum tleberfluk bestäticien. Der Berichterstatter legi aber | Wert darauf, festzustellen, dafj die religiöse und geistige Not unserer Brüder in Rufsland, die materielle und physische bei weitem übersteigt, und es ist Aufgabe von Agudas Jisroel. den Bitten unserer tinglücklichen Brüder nach Tcfillin. Chumoschim und Siddurim ebenso ein mitleidsvolles Ohr und Herz zu schenken, als ihrem Flehen nach Brot und Kleidungsstücken. Zum Schlufj möchte der Berichterstatter die Bedeutung der Agudas lisroel etwa so richtig messen, indem er die Frage aufwirft, wie nun die jüdische Well ausschauen würde ohne A. 1. Wie die Versuchungen. Leiden und die Kämpfe der orthodoxen judenheit sich gestaltet häHen, falls do keine Organisation gewesen wäre, deren Existenz und einziges Bestreben ist, Kiall Jisroel auf Grundlage der Thora und Tradition zusammenzufassen und zu vertreten. Es freut den Berichterstatter, festzustellen, dab A. I. ein Faktor geworden ist. Die jüdische Welt kann nicht mehr ohne A. |. vorgestellt werden. Selbst wenn alle Führer durch ein unerforschliches Schicksal verhindert wären ihre Tätigkeit fortzuseber, würde die Idee, die heute im Herzen von Hunderttausenden, besonders aber in unserer lugend in solch gewaltiger Städte lebt, die Männer hervorbringen, welche dieser Idee eine richtige organisatorische, bleibende Gestalt und Geltung erkämpfen würden. Nachdem Herr Rosenheim über die morgige -Tagesordnung Mitteilungen machte, wurde die Beratung geschlossen. Die Delegierten blieben im gastlichen Hause von Herrn B r e s 1 a u e r, dessen Studierstube mit einer überaus reichhaltigen Bibliothek besonders auf die Tahnide Chachomim eine besondere Anziehungskraft ausübte, in zwangsloser Besprechung bis tief in die Nachtsiunden beisammen. Argentlen. Bessarabien. Benderk Deutschland; Berlin: Präsenzliste. Dr. Nathan Birnbaum. Berko Abelmann, Dr. Moses Auerbach. Moritz A. Löb. Frankfurt a. M.: Rabb. Dr. S Breuer. Dr. Isak Breuer. „ S. Ehrmann, Zahnarzt. „ Siegfried Oppenheimer. Jakob Rosenheim. . Leo Wreschner. Halberstadt: Rabb. Dr. Auerbach. Nürnberg: „ „ Klein. Dänemark. Kopenhagen: Rabb. Dr. Winkler, Vertreter von Skandinavien. Engfand. London: Rabb. Bromberg. Litaue . Aletfod: Rabb. Boruch Hurwitz Kuptscheck: „ E. M. Feiwelsohn. Kowno: « Note! Lipschütsch, Slobotko: * M. M. Ebstein. Oesterreich. Wien: S. Bondi. Rabb. S.Fürst. n Beer Friedmann. Dr. Pinchas Cohn. Karmann Pappenheim, Wolff Pappenbeim. David Schlesinger. Palästina. Jerusalem: Rabb. J. Horwitz, Polen (Ost?aIiz!en-Wilna). Jaworow; Rabb. Frankel. Krakau: Senator Moses Deutscher,. - David Kurzmann und Beer Frankel. Lemberg: Meyer Wander. I. B. Horn. Ostrowo: Rabb. M. D. R. Plotzki. Przeszow: Tobias Horowitz. Rakow: Rabb. Kalmanowitsch. Stiie (Ostgat): Osias A. Jolles. Tarnow: Rosenzweig. Warschau: S. W. Arach. * Chaiim Bialler Rabb. J. J. Lew. J. M. Lewin. Abgeordneter EliasKirschbraun. S'adtrat Jakob Troekenheim. Dr. Leon Niemcewitsch. Schweiz. Basel: N. Sternbuch und Sally Guggenheim. Zürich: Chaj m Jisroel Eis; Rabb. Dr. Löwenstein. Tschechoslowakei. Kirch^rauf: Rabb. Oseher Lern. Spitzer. Mähr Ü.strau: Dr. Max Beer. Modra: Rabb. S. Hirschler. Neutra: „ A. A. Katz, PUUn: „ K, Weber. Tirnau: , Schm. David Unga*. Internat. Jugendorg. . Bratislawa: Heinrich Kollmann. Franz Frischhoff, Cöln: Dr. Max Cohen, Kowno; Wölk Pressow: Salomen Reinits Wien: Phillip F«idh«im. Siegmund Stern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.