Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 49 (29.12.1922)
- Date
- 1922-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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>kse Nummer wurde als Zentralratsnummer anläßlich der Tagung in . **e;s: V. b. fe.\ X („JUDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN « 4 » M "k h i hl i oi '• kmlc ffriv ' *:' ■ ' * ,~>r.ma*n<9ri<,-<u JWVEN I f#l*o«9 ■snssnnaiMB Redaktion nnd Administration: Wien IL'tfalzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, ffir Nachrichten Montag. Abonnemontspreise: Ganzjährig: Für Osterreich K 48.000, Ungarn K 1500, Tschechoslowakei K<*. 70.—, Dentschland Mk. 5000.-, Schweiz Frcs. 10.—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rnmänien 100 Lei. Jnsjoslawien 70 Dinar, Polen Mir. 10.000. Einzelnummer d.-ii. iOlOOO, K?. 1.50. HEHBSMraRHBSBSaSI Zahlanzen für Oestorrelch: Postsparkaesenaiut »ion, Konto Xt. 13.458: f3r Polen: Poatsparkassenamt Warschan, Konto Xr. 100.4UÖ; für Ungarn: Postsparfeassenamt Bndapest Konto 7fr. 50.170; fflr Tschechoslowakei: Postsparhassenamt Prag-, KoatoNr.53.8S6; für Jugoslawien: Postsparkasseoamt Aptram, Konto Nr. 40.817: f Br Bumfiiiten: BancaMarmaroscliBlaneiCo. fßr .Tosef Floren« & Co., Bukarest. Wien-Bratislava, 29. Dezember 1922 .renn man niw n^eons-,™ .v» j 8, Jahrg, Die Frage (es Weltkongresses auf der Zentralratstagung* Die Frage des Weltkongresses wurde nach einlebender Beiatung in der Kommission und im Rabbilischen Rat unter großer Spannung aller Delegierten in iefem Ernst erörtert. Es wurden alle Gesichtspunkte ingehend geprüft, alle Meinungen erwogen, jedoch einmütig war die Anschauung aller Vertreter, daß die unebeure religiöse Gefahr, die ein aus allgemeinen Wahlen ervorgehender Kongreß für das thoratreue Judentum edeutet, A. J. verbietet an einem solchen Kongreß teilunehmen. Ferner hatte die ungeheure Begeisterung, lit welcher die Delegierten die Einberufung der Kenesioh Gedauloh beschlossen hatten, gezeigt, daß die Ver- 'eter der Agudahbewegung vor allem die Vollendung ler Organisation erwirken wollen und erst nach der irönung ' der Arbeit die Bedingungen prüfen wollen, jie eine Teilnahme der Agudas Jisroel an einer prakjschen Zwecken dienenden allgemeinen Palästina-Wirthaftskonferehz der interessierten Weltorganisationen, eren Bedeutung durchaus nicht verkannt wird, ermögchen. Aus diesen Erwägungen heraus wurde einimmig folgender, Beschluß gefaßt: g „ Agudas Jisroel fühlt sich verpflichtet,- zunächst die gesammelten;Kräfte der Orthodoxie Mr die Kenes-; sioh Gedauloh einzusetzen. J Nach stattgehabter Kenessioh Gedauloh" ist Agudas Jisroel bereit, ein .Votum des inzwischen konstituierten Rabbinischen, Rates, darüber herbeizuführen, „..unter unabhängigen. Orthodoxie die Teilnahme .ah einer- Weltkonfereaz der an. Erez Jisroel interessierteh^'eltorganisationen für die wirtschaftp h*qhb Arbeit, in Palästina möglich ist." Im Anschluß an die Annahme dieser Resolution rklärt Dr: Pinchas Kbhn in einer persönlichen Bemerung, daß die Darstellungen über den Inhalt seines Ertrages in Wien über das Thema des Weltkongresses owohl in der Wiener Morgenzeitung als in den Nachichten des J. G.^B. und insbesondere im Warschauer HeintVder Wahrheit-ni cht entsprechen. Er habe in . Bezug auf politische Momente lediglich angeführt, daß es eine einheitliche außenpolitische Weltorientierung der Judenheit niemals gab, nicht gibt und nicht geben kann. Er habe dabei auf das Jahr 1914 exemplifiziert, in dem diese Einheitlichkeit sicher nicht vorhanden war. Es sei eine Verleumdung sondergleichen, wenn ihm jemand unterstelle, als hätte die Rede eine einheitliche außenpolitische Orientierung der Agudah beansprucht. Die anwesenden Herren aus Wien bestätigten vollinhaltlich diese Ausführungen. Stellungnahme zur Frage der Jewish Agency. 1. Agudas Jisroel legt erneut Verwahrung ein gegen die Öffentlich-rechtliche Anerkennung der zionistischen Organisation als Jewish Agency in dem Mandat für Palästina und fordert für die von ihr vertretenen jüdischen überlieferungstreuen Massen, auf deren wirtschaftfichen und moralischen Leistungen der Jischuw bis zum heutigen Tage fast gänzlich aufgebaut ist, zum mindesten paritätische Anerkennung. 2. Die Entsendung eines Vertreters oder mehrerer ' Vertreter in die Jewish Agency ist für Agudas Jisroel nur dann möglich, wenn a) gleichzeitig die im Mandat ■nur als vorläufig vorgesehene -Monopolstellung der zionistischen Organisation für' beendet erklärt wird, 'b) wenn jede Majorisierung in Angelegenheiten, die von den Vertretern der A. J. als religiöser Natur oder mit der Religion in Zusammenhang/stehend bezeichnet 'werden, ausgeschlossen wird. : in Breslau. . Nacluinderthalb Jahren sind dieVertreter'der Agudas Jisroel in Breslau .zusammengetreten. Bs waren dies bewegte anderthalb Jahre, wo das jüdische Volk wie auch Agudas . Jisroel wenig Erfreilliches und viel Schweres' mitgemacht hat. Es war daher ein J^rfreu-, liches und herzerhebendes Ereignis, nun die Vertreter! der thoratreüen Judenheit, ihre großen Rabbiner und Eührer wiederum versammelt zu sehen und an ihren Beratungen teilnehmen zu können. Die Breslaüer Tagung .'wird, nach aller Wahrscheinlichkeit einen Markstein bilden in der Entwicklung von Agudas Jisroel. Besonders zwei wichtige Beschlüsse wollen wir vor allem als Zeichen dieses Wendepunktes hervorheben. Erstens die Vergrößerung des geschäftsführenden Ausschusses. In dieser Körperschaft, die als Exekutive die höchste Gewalt besitzt, werden nun die Vertreter der größeren Landesorganisationen Sitz und Stimme haben. Diese Erweiterung ist vor allem ein erfreuliches Zeichen der organisatorischen Erstarkung von Agudas Jisroel. Besonders hat man mit Freude Rechnung getragen der Bedeutung der polnischen Landesorganisation, die nun mit drei ausgezeichneten Vertretern in der Exekutive den vollen Einfluß dieser größten und bedeutendsten Landesorganisation geltend machen kann. Hoffentlich wird die Arbeitsfähigkeit und Raschheit der Beschlüsse keine BehTriderting dadurch erfahren, daß nun einstweilen viele Mitglieder der Exekutive in verschiedenen Städten wohnen. Wien, als Mittelpunkt wird nun Frankfurt und Warschau verbinden und die Ueberbrückung der Verschiedenheiten zwischen Ost und West vollenden. Die Vertreter von Bessarabien und Litauen, z. Zt. Oberrabbiner Zirelsohn in Kischenew und,Rabbiner N. M. Epstein in Slobotko werden wohl nicht die Möglichkeit haben, infolge der Entfernung an den Beratungen immer teilzunehmen, doch als korrespondierende Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses werden sie indie Führung der Geschäfte Einblick und auf sie einen Einfluß gewinnen können: In beiden Ländern führt die Orthodoxie, wir möchten fast sagen, einen Verzweiflüngskampf für die ^Odtunea^Qß Dhoea und 'JDraditiöh und wir hoffen;;daß i * i iT^l ■fV--'(/«7----v- ••■v'rf^>,T™<to^;»>»^"-^«if^r«'*r^^^ . durch/ die* Mitaitat\iuch£ %^Ja^a^^ß^i^^f^^\ winnen t wird, .sondern daß' •'die-Kraft der Gesamtheit den ,scHwerkämpfenden orthodoxen Gruppen: in diesen Raridstaateh deseinstigen! großen Rußland zugute kommen. werde. Die Czecho-Slovakei, die aus dem alten Ungarn sine stramme, staatlich anerkannte orthodoxe Landesorganisation besitzt,-ist. durch den Eintritt eines hervorragenden Vertreters'im G. A. zur kontinuierlichen Mitarbeit berufen, "';'v '■'■ Noch-mehr- Bedeutung, als., der.;Erweiterung der •Exekutive muß dem1 Beschlüsse* zugemessen.^werden, in - Momeiifbilder aus der Zentralrafstagung. Die erste Sitzung. Es gibt,;Eindrücke, die erlebt:-werden müssen. )ieses Gefühl hatte man im ersten Moment, als man en Saal, in dem Dienstag vorm. die erste Sitzung des .-R. stattfand, betrat. Es müÖ erlebt seih, denn-Worte sie'hen nicht aus, um die Empfindungen wiederzugeben, ie wohl einen jeden überkamen, der das Glück hatte, n dieser Versammlung'..erlesener Geister Und .bewährter Tänner des wirtschaftlichen, politischen und geistigen ebens teilzunehmen. Männer, die aus aller Herren -ander zusammenkamen', umdie Probleme der Zeit mit em erforderlichen Ernst zu behandeln und ihrer Lösung iher zii bringen. Hier waren Worte, Werte, mit denen leinlich, gespart wurde und die dadurch umso schwerer trogen. Man h$rte es jedem Worte, ob es nun .pro der contra war, an, daß es von dem» Willen bestimmt rar, die zur Verhandlung stehenden Fragen einer Gott nd Menschen wohlgefälligen Lösung zuzuführen. Keine Vorte bezahlter Agenten und wohlfeiler Agitatoren oder leamteh.; die mit der Idee, für die sie streiten, auch ire persönliche Existenz verteidigen, sondern nur tiefe [Teberzeugung und der innige uneigennützige Wunsch, |er .hohen^-und-;hej|gen'Idee-sein Bestes zu geben, kam ier zum" Autedruck, Ob es nun . die aristokratische Ercheinung eines; polnischen Sejm-Abgeordneten:. oder die ußerlich schwächliche .Figur eines deutschen Deichten war. die sichT-ans Redherpult:stellte,, -es war nniei der gleiche klare Ton, den; rvür die . Wahrheit 7 er vorzubringen imstarrdei ist, der-gehört wurde. Die Mittwobh-V^ähicnlung. > . Ein vwahrer Hochgenuß war die Versammlung der: reslauer? Orts- und Jugendgrupi>e am Mittwoch tÄbe£d; ]en'Teilnehmern. Es war -die-^eiiönste 'Wm&fc*}; die die Delegierten des Zentralrates der. Breslauer Orts¬ und Jugendgruppe für ihre Mühe und'.-Gastfreundschaft reichen konnten, dass sie die Auslese ihrer Anwesenden zu dem .den Saal füllenden Publikum sprechen ließen. Herr. Rabbirier Dr. Hoffmann-Breslau, dor die yersamnilung eröffnete, setzte in ^geistreichen Worten Ziele und Zwecke der Agudas Jisroel auseinander, urrrdann-Herrn Dr. Pinchas: Cohn das Wort zu überlassen; •. Keine*: politische Frage und kein Parteiproblem . wollte Redner •in dieser feierlichen Stunde behandeln, : sondern ' wohl noch unter .-iem Eindrucke des in der' \ Nachmittags-' sifezung -erstatteten Berichtes des Rakpwer Raws,- der, wie Dr. Cohn, sagte,;an der Pforte dieser Hölle wohnt, sprach Referent erschütternde Worte über die; geistige und materielle Not in, Sowjetrußland. Mit Recht sagte er, .daß er für die Versammelten zu stolz se|,. um zu "Verlangen •„Gebet• sondern indem e'r ihnen ^zurief, Ä:Löset Etire'r^Öen; indem Ihr jene M*ensolie^:;vph: jder ■ geistigen Verkümmerung und dem körperlichen .Tod rettet!" Als nächster, Redner sprach. Rabbiner Lew- Warschau Worte vor*:'spornendem Geistunidibezwingertder Logik. Unter nicht enden wollendem Beifall .der; Anwesenden erschien;dann die markante Ersjcheinurig.des; Pistanyer Raw^> |m -Rednerpult, um deim unv.exfälschteh; und in schweren .Kämpfen zum Sieg'gefügten ..Gedanken der selbständigen Orthodoxie . das 'Wo'rt. zu •: reden, ^Nach": Atim nächsten Redner . F^ejpwlt'sch; I?owno. folgte riböh^ Jakob Rosenheim-Frankfurt -a.; Main i und Dr. Nathari,-Birhbaum und schließlich Rabbiner Dr.'Klfiin-Nümbergi ^um den Abend zu ehVem der'genuß-. reichstenj. der der^Breslauer Judenheit vergönnt war; ^zu; gestalten;.;Was; ^Wunder, daß das anwesende/' pu^e'Ädl zionistischer.;Jünglinge unter den Hieben, die hier*gegen" die'; tJp^i^x\}igk6f^l und den revolutionären?Gefstin; mancllw» -'-Kreisen;;p»t -Judenheit geführt wurden,,: l^t! aufschrieen. Diese; imposante. Kundgebung..der-Bres-;lauer Agudah für'ihre'Zwecke' auszuputzen,C Vereiterte an dem einheitlichen - Willen. der, ganzen Veream^lun^;: : die; sicherlich dauernde und < segensreiche' Eindrücke bei allen Anwesenden zurückließ.-'-• . . ' '.. y Hatikwah als Halßg^sähg..';/"v'_ '; - _ Ich; habe, als-Teilnehmer an der'Zenträlratssitzung, 'an . 'der imposanten Versammlung, welclie .die* .Ägüdafi Orts- und;Jugendgruppe Breslau zu Ehren des Zentralrates, veranstaltet hat, teilgenommen. Es sind da die bedeutendsten :Führer der; Agudahbewegung aus Ost und; West zu Worte .gekommenj die die.Agudisten mit einem .stolzen Gefü*nl der Größe/und Erhabenheit der Idee, für die sie kämpfen, erfüllt haben,;^Auch Anhänger anderer Richtungen _i)hd Bekehi?^e|f^rfän ''^l^is^hÄÜung mußten da-Jlespe^^kSrninefei [rvppM^r -Reinheit und Erhäbenhei^l^w^r der Idee als * \ auch''- ihrer Vertreter. Ich habe eih&'Jpdeutend; bessere Meinung über Gegner, als daß ich^ es , hätte, voraussetzen können, daß das .Sprichwort „De_r. Niedrige -erniedrigt alles", auch anläßlich dieser .Aimposanten; Versammlung sich bewahrheiten würde. . Ich habe schon oft bei Versammlungen •aus der Kehle von Zionismen ihren Nationalgesang mit ^Weihe imd'Inbrünst emporsteigen gehört. Daß sie aber ihre eigen'e^JLdee und 'ihre eigene;Nationalhymne- und .schließlich %i^; selbst so weit erniedrigenj-r^aß -s'jc ihre Hatikwah ^ü^ dem niedrigsten>Gefühl des Basses singen würden, istvein Erlebnis, daß ich aus. Breslau mit nach Hause nennte; Nebst dem w'imderbaren; jfcrlebnis ' der 'erhebende,!!'Momente dei- Breslauer Tagung wollen wir nun aucHdieses trübe Bild der Selbsterniedrigung aufbewahren," Ms eine bessere ^eit kommtv-wo Gegner' sich schärfen werden, die; Weltanschauung.;anderer und;besonders; dieeigene>so gfehä;sSig. zu besudelri.. wr i.;. Etigi«ö$ und. Er*K©äsc5usi«|5 r Ö9uqrnmarkf?4 (iEcke Ti'eiscltm-frkt), Telephon 67-302 W-Jl JL_ »■« ^■_^«_ _ 1 iWa.- w _'■ Defailverkaufs B.s Grabeif ti(^rl,»ba4;.:AIt'e Wiese