Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1922-12-22 · 48 (22.12.1922) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
48 (22.12.1922)
Date
1922-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2629953-2629997--0801-2632484
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 48 JÜDISCHE PRESSE Seite 289 TSCHECHOSLOWAKEI. Der Issur. Untnv diesem Titel widmet die „Jüdische Presse", Zentralorgan des Misrachi, Berlin, dieser Frage wiederum einen Leitartikel. Wir wollen gleich eingangs feststellen, daß das Alisrachiorgan der Ansicht ist, daß den Rabbinern nur dann zusteht ein Votum zu geben, wenn es sich um Kr.schrut der Küche handelt. In Weltanschauungsfragen «teilt ihnen dieses Recht nicht zu. Wir glauben, daß diese These von ihren Anhängern mit weit besseren Mitteln zu verteidigen wäre, als dies die „Jüdische Presse", Berlin, tut. Penn daß einzelne mit einer Sache Mißbrauch treiben, kann doch keinesfalls gegen die Sache sprechen. Ist doch alles, was für Menschen und durch Menschen gemacht wird, dem Schicksal ausgesetzt, von einzelnen Unverantwortlichen mißbraucht zu werden. Und daher ist es nun in der Angelegenheit des Issur in der Slowakei zurückstoßend, daß die „Jüdische Presse", Berlin, gewohnheitsgemäß ihre These nicht etwa mit sachlichen Argumenten, sondern mit Konfusion, Irreführung und bewußter Unterstellung erhärten will. Es liegt uns ferne, auf einzelne Verdrehungen einzugehen, wir wollen bloß unseren Standpunkt in dieser Angelegenheit noch einmal festlegen. Nach unserer Ansicht ist es nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Rabbiner, Weltanschauungafragen von dem Standpunkte der Thora aus zu beurteilen und hierüber die ihrer Führung Anvertrauten zu unterweisen. Wir geben es selbstverständlich restlos zu, daß solche Entscheidungen wohl erwogen und mit reinen Absichten leschem schomajim getroffen werden müssen. Das ist die prinzipielle Seite. Nun sehen wir die Tatsachen. Der angebliche Issur gegen den Zionismus und. Misvachi, über dessen Inhalt einstweilen bloß Vermutungen kursieren, wurde nach Erklärung der orthodoxen Lancleskanzlei in Bratislava vom Rabbinerkomitee beschlossen, also 1. nicht von der Aguda, 2. von einem Gremium, das sowohl moralisch wie nach dem Gesetz alle Rabbiner der Slowakei, soweit sie orthodox sind, umfaßt und vertritt. 3. Wurde von keinem einzigen Rabbiner der Slowakei dagegen Einspruch erhoben. Was nun den Munkaczer Issur betrifft, so wurde von den meisten unterzeichneten Rabbinern behauptet, daß sie nicht anwesend waren und daß sie dem Inhalte des Protokollen nicht zustimmen. Was die Behauptungen des Munkaczer Issur betrifft, so wird doch die „Jüdische Fresse ', Berlin, die erste sein, welche die Behauptung, daß die Aguda verkappter Zionismus und von geheimer Liebe zu Misrachi angekränkelt wäre, Lügen strafen. Ferner ist die Mesiftha in Warschau, wie es nun der polnische Rabbinerverband (also wiederum nicht dio Aguda) erklärt hat, durchaus kein Seminar und bei diesem Punkte können wir uns doch nicht zurückhalten, mit der „Judischen Presse", Berlin, zu polemisieren. Sie hat von uns erwartet, daß wir lieber der Wahrheit ins Gesicht schlagen und die Mesiftha für ein Seminar machon, um für die Berechtigung, Zulässigkeit, Notwendigkeit eines Seminars eine Lanze einzulegen. Einzig und allein aus dem Grunde, weil die „Jüdische Presse", Berlin, in einem Seminar die beste Form einer Rabbinerausbildung erblickt und weil Rabbi Esriel Hildesheimer, s'. z. 1. vor Dezennien in Berlin ein Seminar gegründet hat. Nun, wir wollen an dieser Stelle uns über die Notwendigkeit, Zulässigkeit und Berechtigung der seminaristischen Heranbildung der Rabbiner nicht diskutieren, es soll nur festgestellt werden, daß die ungarischen Gedolim die Verhältnisse und Zustände in Ungarn für nicht geeignet hielten, ein Rabbineraeminar zu errichten und hierüber haben sie Rabbi Esriel Hildesheimer s. z. 1. nicht im Zweifel gelassen, obwohl sie dio tiefe Frömmigkeit und edle Absicht von Hildesheimer vollauf anerkannt und gewürdigt haben. Die Hervorragendsten unter ihnen, wie der Kesab Sofer und Rabbi" Jehuda Assad, haben ihm zeitlebens innige Freundschaft bewahrt. Ebenso sind die polnischen Gedolim der Ansicht, daß in Polen die Heranbildung der orthodoxen Rabbiner nicht in Seminarien geschehen soll. Also ist es besser und ehrlicher, lieber der Wahrheit die Ehre zu geben und bei den Tatsachen zu bleiben, als Behauptungen aufzustellen, bei denen bloß der Wunsch der Vater der Gedankenlosigkeit ist. Zuletzt wollen wir noch 4 bemerken, daß unser Chefredakteur und Redakteur weder Schüler noch Kurator des Berliner Rabbinerseminars sind oder waren. Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prefiburg), tiefer ttleg Erstklassige diagnostische, diätetische und physihotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Ohren-, Kehlkopf- und Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische und bakteriologische Laboratorien. Täglicher Pauschalpreis von 5K 55 aufwärts Pauschalpreis für Entbindung von cK 1100 bis 6K 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige 5K 15. Freie Aerztewahl. Rituelle -flJO Verpflegung unter Aufsicht des Preßburger orthodoxen Rabbinates. Nach der Gemeindewahl in Preßburg. Diesmal ist der Kampf ein prinzipieller, es handelt sieh um Sein oder Nichtsein der Gemeinde, die Erhaltung* des von den Ahnen übernomenen Erbes steht in Frago... Dies und dem Aehnliches verkündeten diejenigen im Wahlkampfe, die nun seitens der Wähler neuerlieh mit der Leitung der Gemeinde betraut wurden. War dem richtig so? Haben nicht gewisse Kreise der eigenen Nützlichkeit und der Schädlichkeit der anderen eine über das Maß der Berechtigten steigende Bedeutung beigemessen? Nach Beendigung des Wahlringens, wenn sich die Erregung der Gemüter gelegt, können wir trotz der unveränderten Stellungname den Wahlkainpf und seine Losungsworte bereits mit dem objektiven Blicke des nunmehr nicht unmittelbar Berührten prüfen. Gegen die bisherige und nun neugewählte Leitung stürme der ..unabhängigen" Wähler, sein Programm: Erleichterung der Steuerlast, Demokratisierung der Gemeinde, Regelung der sozialen FürsorgetUtigkeit, strengere Kontrolle der Finanzgebarung und vor allem die Entpolitisierung der Gemeinde konnte doch sicherlich nicht so viel Gefahren in sich bergen, und gar die Männer, die das oppositionelle Programm verkündeten und an die Spitze der Gemeinde treten sollten, waren doch wohl für die Kehillo alles eher als gefährlich, sie sprachen doch nur von Frieden, Frieden und Eintracht, und durch diese ist ja das Bestehen der Gemeinde am besten gesichert. Und doch waren die Losungsworte der „Regierungspartei1-, der Partei der Traditionstreuen im Kampfe gegen die „Unabhängigen" vollauf berechtigt. Es hat der orthodoxen Kultusgemeinde tatsächlich Gefahr gedroht. Es handelte sich um die Beifügung „orthodox", welche verschwinden sollte, und um das „Kultus", aus dem Hauptworte, welches mit dem Worte „Volk" ersetzt hätte werden sollen. Hievon war wohl im Wahlprogramme der „Unabhängigen" keine Rede und wahrlich ein großer Teil der von der Opposition Kandidierten hatte dies auch sicher nicht ins Auge gefaßt, doch den Verkündigungen und Verheißungen der Opposition konnte nicht Glauben geschenkt werden, denn sie nannten sich nicht beim richtigen Namen, obwohl sie jeder kannte, und verleugneten ein Programm, daß sie in ihrem Zeitungsorgane von jeher verfochten haben. Nach der Wahl hätte sich das wahre Programm der Unabhängigen gezeigt, wenn es ihnen tatsächlich gelungen wäre in die Gemeindestube einzuziehen, so würden sie sich nur nach der Wahl beim wahren Namen genannt haben, „ein aus Zionisten, Misrachisten und anderen Elementen" bestehender Kreis, wie dies die „Jüdische Volkszeitung" so tatsachengemäß feststellt. Und die Angaben der „Volkszeitung" dürfen wir diesmal gelten lassen. Sie bestätigen nur, daß die Zionisten, Misrachisten und die als Hilfstruppen herangezogenen und teilweise auch vorgeschobenen „anderen Elemente" (der Ausdruck ist dem Organe der Elemente entlehnt) tatsächlich zur Eroberung der Gemeindestube ausgezogen sind und wer zionistische Gesinnun^streue kennt, der mußte es wissen, daß die wahren Absichten und Pläne betreffs der Gemeinde wohl im Wahlkampi'e aus taktischen Gründen verschwiegen und bemäntelt, doch nicht auf die Dauer verleugnet werden. Es handelte sich daher tatsächlich um die Erhaltung der Kehillo, die Traditionstreuen deckten auf das wahre Gesicht der „Unabhängigen", die Wähler erblickten es und sie brachten die Entscheidung. Es war ein hartes Ringen. Mit den zionistischen „Unabhängigen" zog diesmal auch ein Großteil der Assimilanten. Die „Juden von der Gass" gaben aber den Ausschlag. Die Wähler haben das ihrige getan, es ist nun Sache der Gewalten die orthodoxe Kultusgemeinde als solche für die Zukunft tatsächlich zu sichern, nicht nur die offenen und geheimen Angriffe sind abzuwehren, es sind Wälle zu ziehen, deren Stärke und Festigkeit dem Gegner die Angriffe für immer verleidet. rk. Chinuch-Sefer-Thora in der Preßbnrger Jeschiwa. Eine schöne und erhebende Feier konnte die Preßburger Jeschiwa am vergangenen Sehabos-Chanuka begehen, den Cliinuch einer Sefer-Thora, das von einem hiesigen Gemeindemitglied, Herrn Ignaz Wolf, Mitglied der Gemeinderepräsentanz, der Jeschiwa gespendet wurde. Die Feier begann mit der Ueberführung der Sefer-Thora vom Schulhof zur Jeschiwa, wo sie von einer vielköpfigen Menge empfangen wurde. Die Bachurim der Jeschiwa bildeten Spalier vor der mit Blumen schönstens dekorierten Jeschiwa. Vor der Tür derselben wartete Se. Ehrw. Oberrabbiner Schreiber n gefolgt von den Dajonim, die der Sefer Thora mit drei anderen Seforim entgegenkamen!. Bei der Einführung der Sefer Thora in die Jeschiwo begann der Chor der großen Synagoge unter Leitung des Chasans der Jeschiwa, Herrn Fettmann, mit der Absingung von Seü Scheorim. Darauf hielt Se. Ehrw. eine wundervolle, allen Zuhörern tief zu Herzen gehende Droschoh. Er beleuchtete an Hand des Symbols des Chanukaleuchters die Bedeutung der jüdischen Nation als Nation G-ttes, als Nation der Thora. Er hob ganz besonders hervor, daß im jüdischen Volke alles, selbst das, was uns außerhalb der Religion zu stehen erscheint, dem Machtgebote der Thora Untertan ist. Die gesamten Unternehmungen unserer Nation sowohl im Golus, als auch in Erez Jisroel müssen durchaus dem G-ttesgesetz unterstellt sein. Denn die jüdische Nation ist die Nation G-ttes, das Am Noscha Bahaschem, das Volk, das nicht aus eigener Kraft sich die Erlösung zu bringen vermag, sondern, das seine Hilfe lediglich bei G-tt findet. In diesem Geiste ist die Preßburger Kehila und Jeschiwa von den Geisteskoryphäen Ghasam, Kesaw und Schewet Sofer geleitet worden und soll auch weiterhin in diesem Geiste weitergeleitet werden. Seine Ehrwürden dankte sodann dem edlen Spender der Sefer-Thora und pries seine vorbildliche Opferwilligkeit. Er schloß mit dem Wunsche des Ghasam- Sofer D-n yv ns p^n ywp* pyian k?i Darauf beschloß der Ghorgesang mit der Absingung von Pisschu Ii die schöne Feier. Bei der im Anschluß daran erfolgten Verlesung der Sidra wurden namhafte Summen für die Jeschiwa gespendet. Das Resultat der Gemeindewahl in Preßburg: Präses: Krausz David; Vizepräses: Ungar Leopold Vorsteher: Benedikt Philipp, Pappenheim Isidor, Kalt mann Josef; Repräsentanz: Donnebaum Berthold, Fürst Markus, Engel Isidor, Goldmann Samuel, Grosz Eugen, Grünwald Juda, Guttmann Alois, Kämpfner Arnold, Kann Julius, Kastner David, Katz Heinrich, Kohimann Läzar, Kohn Wilhelm (Elisbethgasse), Koth David, Kunstadt Ben(i, Mayer Philipp, Neumann Philipp (Spitalgasse], Neumann Simon, Neurath Alexander, Pollak Max, Reif Abraham, Rosenbaum Dani, Rosenberger Julius, Rotter Salonion Dr., Schlesinger Bernhard, Sternfeld Samuel Spitz Ferdinand, Wasservogel Moritz, Winter Herman Wolf Ignatz. Eigentümer und Herausgeber: „Jüdischer Verlag G. m. b. H.' II., Rembrandtstraße 41. — Verantwortlicher Redakteur: Jakob Deutsch, IL, Franz Hochedlingergasse 8. Für die Tschechoslowakei: Heinrich Schwarz, Bratislava. — Druck: Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hernalser Gürtel 20. — Telephon Nr. 19.772. Für die entsprechend dem § 26 P.-G. mit * bezeichneten Artikel und Notizen übernimmt die Redaktion ausschließlich die preßgesetzliche Verantwortung. Die 8 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 2000«—. Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag:. Bei Wiederholungentsprechender Rabatt. Das Kuratorium des „Colel Schomre Hachomoth" zu Bratislava gibt hiermit bekannt, daß %W pK JJplp angelangt ist, welche an die einzelnen Lokalkomitees, resp. ffKM der D3H ty* n-KÖ HplSt je nach Bedarf verteilt wird, ffl^np die solche wünschen, mögen sich im Wege der dortigen D^iOH an das Kuratorium Bratislava wenden. Pootoin Pens,on Kokisch. Termalbäder32°R Udolülll zu jeder Tageszeit im Hause. Exklusive Küche. Sehr mäßige Preise.!!Wieder zu haben!! „Agudas Jisroel und Erez Jisroel", von Levi Jizchok Kahane, hebräisch. Zu beziehen durch den Jüdischen Verlag, Wien, II. Malzgasse 12. Die n"n Wr.-Neustadt, sucht einen Jeschlwaiibocher für v'ttH WiT] gegen auskömmliche Existenz. Zuschriften an Moses Rosenberg, Wr.-Neustadt, Herzog Leopoldstraße 20. KALE N DAR IU M. Tag Tebet Dezember Notizen Sonntag 5. 24. Nach Ansicht R. Simeon b. Jochajis Fasttag wegen Eroberung der Stadt Jerusalem, der von uns am lOten begangen wird. Montag 6. 25. Tod R. Jakob Rischer (Verv. Chok Jakob-Schewusz Jakob und Minchas Jakob) 6493 — Tod R. Jechezkel Schrago, Schinowo 5659 Dienstag 7. 26. Tod R. Mordchai Modil 5419 — Tod R. Dowbeer Schwertscharf, Lublin Mittwoch 8. 27. Tod R. Schimcha Bunem, Schüler R. Elia Wilna in Sokolow 5568 — Tod R. Chananja Lipman, Sohn R. Elia Meiseis, Krakau 5572 Donnerstag 9. 28. Tod R. Esra, Lehrer vom Ramban 4968 — Tod R. Abraham Chajim (Zon Kodoschim) Lemberg 5392 Freitag 10. 29. Fasttag-. Der einzige, der auch Erew-Sablosz gehalten wird — Tod vom Propheten Maleochi — Geburtstag von R. Nathan Adler, Frankfurt a./M. 5502 Samstag 11. 30. Wajigasch-Haftoro Wajhi Dwor — Kaiser Leopold vertreibt die Juden aus Wien und Oesterreich 6429 — Tod R. Salomo Eiger, Posen 5600

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.