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Jüdische Presse · 1922-12-15 · 47 (15.12.1922) · page 7

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
47 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 47 JÜDISCHE PRESSE Seite 281 Der High Commissioner(in Rosch-Pinah and in Saffed. Nach Fertigstellung der Chanssee zwischen Rosch-Pina und Saffed hat sich der High Gommissioner Sir Samuel in Begleitung seiner Frau nach Rosch-Pina hegeben, um bei der feierlichen Eröffnung des neuen Verkehrsweges anwesend zu sein. Die Eröffnungsfeier war sehr imposant. Alle führenden Persönlickheiten des Landes, zahlreiche Delegationen und eine große Menschenmenge hatten sich eingefunden. Der High Gommissioner empfing die Vertreter der Mohamedaner, der Juden und der Christen in besonderen Audienzen. Nachher kehrte er zu einem Glase Tee in Begleitung seiner Familie im Gemeindehause ein, wo die Vertreter aller Konfessionen anwesend waren und in gehobener Stimmung, versöhnliche, ihre loyale Gesinnung kundgebende Ansprachen hielten, worüber der High Gommissioner seine besondere Zufriedenheit zum Ausdrucke brachte. — In Saffed war der Empfang des High Gommissioners und seiner Frau womöglich noch herzlicher. Beim Stadttor wurde er von den Vertretern der einzelnen Konfessionen und Schulen empfangen. Einen besonders tiefen Eindruck hat auf ihn die Ovation der großen Anzahl von Schülern der Talmud Thoras und Chedarim gemacht, die ihn und seine Erau mit Gesang empfingen. Hernach nahm er die Wünsche der verschiedenen Abordnungen entgegen. Bei dem Empfang der jüdischen Deputation gab er seiner besonderen Genugtuung über den guten Stand der Schulen und Schüler Ausdruck. Dr. Jakob de Hahn und seine Verleumder. Dr. Jakob de Hahn wendet sich in einer »Letzte Antwort" betitelten Zuschrift an Doar Hajom, in welcher er noch einmal gegen die gehässige Kampagne, die von bewußter Seite gegen ihn geführt wird, Stellung nimmt. Er beruft sich auf seine zionistische und literatische Arbeit sowohl aus früherer Zeit, wie in Erez Jisroel. Er betont, nochmals, daß er die volle Verantwortung für alles übernimmt, was er je in Zeitungen veröffentlicht und geschrieben hat. Hingegen weist er energisch die Verleumdungen zurück, die man in seinem Namen kolportiert, so zum Beispiel hat er nie behauptet oder geschrieben, daß die Chaluzim Bolschewiken wären. Er verpflichtet sich sofort 100 Pfund zu zahlen, wenn jemand ihm den Nachweis erbringt, daß er irgendwo etwas gegen die zionistische Idee oder gegen die Einwanderung geschrieben habe. Die Jerusalemer Stadtverwaltang and die Jaden. „Doar Hajom" beschäftigt sich in einem ausführlichen Artikel in der Nummer vom 2. November mit dem Verhältnis der Jerusalemer Stadtverwaltung zu den Juden und weist auf Grund statistischer Daten nach, daß unter den ungefähr 200 Beamten\der Jerusalemer Stadtverwaltung bloß 9 jüdische Beamte vorhanden sind und daß die hebräische Sprache bloß theoretisch die Gleichberechtigung mit den zwei anderen Landessprachen hat. In der Praxis wird sie aber kaum benützt. Vermißt. Herr Max Guggenheim, der seit Sommer mit seiner jungen Frau in Palästina wedt und in Pessach Tikwah als Agronom beschäftigt war, hat Montag, den 1. Gheschwan, seine Wohnung in Jerusalem verlassen, um in einem Auto nach Jaffa zu fahren. Er hat seiner Frau mitgeteilt, daß er Donnerstag nach Jerusalem zurückkehren wird. Da seit diesem Tennin bereits eine Woche verstrich und er noch immer nicht zurückgekehrt ist, ist man um ihn besorgt. Bis jetzt fehlt jede Spur sowohl von ihm, wie von dem Auto, das ihn von Jerusalem nach Jaffa geführt hat. Herr Max Guggenheim ist der Sohn des rühmlichst bekannten AVohltäters Snlly Guggenheim in der Schweiz. (Wie wir soeben erfahren, ist derselbe in Kairo.) Die syrische Delegation in Angora. Durch den Sieg der Kemalisten ist auch die Hoffnung der syrischen Araber, sich gauz von der englischen Herrschaft losmachen zu können, erheblich gestiegen. Um die diesbezüglichen Aspirationen zu fördern, ist eine Syrische Delegation nach Angora entsandt worden, um mit Mustafa Kemal Pascha zu unterhandeln. Mustafa Kemal Pascha ist ja seit jeher bekannt als Propagator der Idee von Schaffung eines selbständigen arabischen Reiches, das alle jene Länder umfassen soll, die von dem türkischen Kaiserreich abgetrennt worden sind. Die freundliche Aufnahme der Delegation hat in den syrisch-arabischen Kreisen tiefen Ein druck gemacht. Eine neue Zeitung. Nach der Einstellung des großen zionistischen Tagblattes „Haarez* haben die Mitarbeiter und Setzer desselben beschlossen, eine neue Zeitung unter dem Namen „Erez Jisrael* herauszugeben. Das Schicksal der gemaßregelten 5 arabischen Lehrer. Wie „Palesüne" mitteilt, hat der High Gommissioner Musa Kasim Pascha vor seiner Abreise nach Lausanne mitgeteilt, daß er die Angelegenheit der 5 arabischen Lehrer, die bekanntermaßen wegen der Verweigerung der Mitarbeit an der Volkszählung entlassen worden sind, einer neuerlichen Prüfung unterziehen werde. Die Doresch-Zions-Schule in ihrem neuen Heime. Die unter der Leitung der Amsterdamer Pekidim und Amarkelim stehende Doresch-Zion Schule wurde in dem neuen Schulhause, daß sich neben dem Rathause in Jerusalem, auf dem Wege nach Sichron Mosche befindet, untergebracht. Für Schemira Schabbos in Palästina. „Kol Jisroel". das tüchtige Organ der Palästinensischen Orthodoxie widmet seine jüngsten Nummern hauptsächlich der Frage, wie man in Palästina und besonders in Jerusalem dem Ghillul Schabbos steuern könnte. Es wurde bereits eine größere Drskussion über 5 diese Frage im genannten Organe veröffentlicht, über die wir demnächst berichten werden. Ausweisung eines jüdischen Kommanisten aas Palästina. (J. C. B.) Der jüdische Kommunist Katz, der schon einmal aus Palästina ausgewiesen worden war, aber auf illegalem Wege wieder zurückkam, wurde nun zum zweiten Male des Landes verwiesen. Katz befand sich bis zur Entscheidung über seine abermaiige Ausweisung 12 Tage in Polizeigewahrsam. TSCHECHOSLOWAKEI. Chanuka. <■ In Zeiten Matisjahüs, als das Frevlerreich Jowon aufstand gegen dein Volk Jisroel, um es vergessen zu machen deine Lehre, um es abzubringen von der Beobachtung deiner Gesetze, da standest du ihnen bei und nach erfolgter Rettung, wo das kleine Häuflein Juden gegen die gewaltige Uebermacht gesiegt, kamen die Sieger und reinigten dein Heiligtum. So lautet unser mehr als zweitausendjähriges Ohanukah-Gebet. Kein Wort vom politischen Siege, kein Wort von der Wiederherstellung des jüdischen Staates. Dem seiner ethischen Höhe, die ihm die G-tteslehre gibt, seiner hohen Mission, die Erkenntnis G-ttes und seiner heiligen Lehre zu verbreiten bewußten Juden ist Staat und Land nur Mittel zum Zweck. Gewiß ist Erez Jisroel und die staatliche Selbständigkeit eine wichtige Vorbedingung zur Erfüllung des G-tteswortes, aber während der nahezu zweitausendjährigen Verbannung hat Jisroel im Besitze seiner Thora nie verzagt, war immer stolz und glücklich seine Sendung als Diener G-ttes erfüllen zu können. Die harten Verfolgungen und Bedrückungen ertrugen wir heldenmütig,' das Panier der Thora hochhaltend. Der geächtete, verfolgte, vertriebene Jude schöpfte aus der Thora die Kraft, sich und sein Volkstum zu erhalten. Dieses kleine Volk sah mächtige Reiche spurlos verschwinden, Völker und ßassen untergehen, es erhielt sich, weil seine Religion, sein G-ttesglaube und seine noch heute unübertroffene Ethik sein Selbstbewußtsein stärkte und es unüberwindlich machte. So sehr der fromme Jude mit jeder Faser seines Seins, besonders seines Gefühles mit Erez Jisroel verwachsen ist, gedenkt, er desselben doch im Gebete, in Freud und Leid, erhält er doch seit Jahrhunderten die Armen in Erez Jisroel, als Bne Ir, Söhne seiner Stadt, nimmt er doch gar ins Grab Erde von Erez Jisorel mit, bezieht sich den^ noch all dies nur auf das Heilige Land. Die erste, auch heute noch blühendste Kolonie in Erez „ Jisroel, Pessach Tikwoh, wurde von allerirömmsten Juden gegründet. Man braucht die orthodoxe Judenschaft nicht ermuntern, für den Jischuw Erez Jisroel zu arbeiten, es ist ihnen dies Pflicht und Herzensbedürfnis. Die Orthodoxie arbeitet allenthalben üür den Jischuw und trifft Vorbereitungen um kräftig am Wiederaufbau zu arbeiten. Diese Arbeit kann aber erst einsetzen, bis die Garantien gegeben sein werden, daß man in Erez Jisroel, im H e i 1 i g e u Lande leben wird, daß die fortschreitende Entjudung, die Intoleranz der leitenden jüdischen Kreise gegen die religiöse Judenschaft ihr Ende erreicht, und daß die Existenzniöglichkeiten vorhanden sind, um bescheiden und sicher zu leben. Das Chanukah-Fest möge in allen orthodoxen Kreisen der Anstoß sein, für den Jischuw zu sammeln, um Erez Jisroel zu einem blühenden Lande vorwärts zu bringen; besonders den alten Jischuw, die Zentrale des Thorastudiums zu erhalten. Zur Blüte wird Erez Jisroel erst gelangen, wenn es (J-tt gefallen wird, uns zu erlösen und die ganze Welt erkennen wird, daß Jisroel ein G-ttes Volk ist. -das der Welt die reine G-tteserkenntnis und die reinste Ethik gebracht hat. (Tnsere Jugend möge sich in das Wesen des Chanukah-Festes vertiefen und erkennen, daß die wirkliche Größe des Juden nur durch und in der Beobachtung des G-ttesgesetzes, wozu das eifrige Studium der Thora das eizige Mittel ist, liegt, und daß uns dies in Freud und Leid erhält und zu Mustermenschen macht. In unserer Zeit, wo der Antisemitismus die Krankheit des Jahrhunderts zu werden droht, wo die Rechtsverletzungen gegen Juden abstoßende Formen annehmen, kann uns nur das Bewußtsein unseres Wertes aufrecht halten und uns jene Zufriedenheit geben, die allzeit unsere Ahnen instandsetzte: G-tt in Freude zu dienen. P. Lamossrim w'lamalschinim. ii. Unter der Ueberschrift „Harikiri" veröffentlicht Dr. Brody, Oberrabbiner von Prag, einen spaltenlangen Artikel in der „Jüdischen Volkszeitung", der in der offenkundigen .Absicht, die orthodoxe Landeskanzlei nach unten zu kompromittieren und nach oben unmöglich zu machen, solche schwere Verdächtigungen und Verleumdungen gegen die Leitung des Zentralbureaus enthält, daß dieselben im Rahmen einer Zeitungspolemik nicht erledigt werden können, vielmehr erheischen dieselben eine gerichtliche Klarstellung. Die Landeskanzlei hat nun oegen die „Jüdische Volkszeitung" und gegen den Artikelschreiber die Ehrenbeleidigungs- und Verleumdungsklage eingereicht. Im Geriöhtsaale soll darüber geurteilt werden, ob man ehrenhafe Männer bloß darum, weil sie auch orthodoxe Rabbiner sind, ungestraft vor der breitesten Oeffentlichkeit in ihrer Ehre kränken darf. Seit Wochen, ja seit Monaten segelt Dr. Brody mit vollen Wimpeln in einem Meer von Haß und Feindseligkeit, Verspottung und Verhöhnung der Orthodoxie und deren Vertreter, bis er endlich in dem unreinen Hafen der Munkaezer Pamphlet-Literatur gelandet. Er taucht seine vergiftete und verrostete Waffe in den Schmutz Munkaczer Verdächtigung und greift mit Berufung auf eine Schmähschrift, die jeder gesittete Mensch mit Abscheu von sich weisen muß, die Träger der Thora und G-ttesfurcht . in der unnobelsten Weise an. Wir bitten die jüdische Oeffentlichkeit um Nachsicht, wenn gegen unseren Willen und gegen unsere bessere Erziehung harte Worte der Verurteilung gebraucht werden. Wir sind bemüßigt, schon mit Rücksicht auf unsere öffentliche Stellung, die Angelegenheit vor ein ordentliches Gericht zu tragen. Allein wir können nicht so lange warten, wir dürfen keinen Augenblick auf uns solche Verleumdungen kleben lassen, die, wenn sie wahr wären, uns tatsächlich unwürdig machen würden, auf jenern exponierten Posten zu verbleiben, auf dem das Vertrauen der Orthodoxie uns gestellt hat. Derselbe Dr. Brody, der im Interesse des Belser Rebben gegen *die ilunkaczei' Messires gewirkt, was wir auch heute ihm als Verdienst zuerkennen (wir können auch in diesem Moment, wo unsere jüdische Seele gegen böswillige Angriffe auf unsere Ehre vor sittlicher Entrüstung zittert, nichts anderes als die Wahrheit und nur die Wahrheit sagen). Also " derselbe Dr Brody, der mitgegangen, um an höchster Stelle gegen die von Munkacz geplante Ausweisung des Belser Rebbe zu protestieren und daher auch wissen muß, wie es um die Wahrheit aus solcher Quelle stammender Behauptungen bestellt ist, scheut sich nicht eines Pamphletes von jener Seite sich zu bedienen, um die Larideskanzlei anzuschwärzen und mit Kot zu bewerfen. Und es kann hier die Bemerkung nicht unterdrückt werden, soll wirklich Prag, die Metropole der Republik, der Zahl nach die größte Kultusgemeinde der Tschechoslowakei, auf das Niveau Munkacz herabsinken, wo das geistige Oberhaupt zur Erreichung unsauberer Ziele der Unwahrheit, der Verdächtigung und Denunziation sich bedienen darf? Es ist doch offenkundig, daß es sich hier um einen konzentrierten Angriff gegen die Orthodoxie handelt. Es scheint, die Extreme berühren sich, eine Allianz Brody—Spira ist im Werden. Wir gratulieren beiden Herren, sie sind einander würdig, ja wir glauben, sie sind völlig identisch. Spira in Munkacz ist nichts anderes als Brody in Stramel und Kaftan und Brody in Prag ist wieder Spira in Claque und Frack. Wer daran zweifelt, lese wenn er seinen Widerwillen zu überwinden vermag die Munkaczer Schmähschrift und die Harikiri-Auslassungen Brodys in der „Jüdischen Volkszeitung". Der Letztere beginnt seine Ausführung mit einer tiefen Verbeugung vor dem großen Lehrer und Meister der Verdrehungen und Fälschungen, Spira, erkennt in ihmflölb UTK und gesteht beschämt^ ein, daß dem Munkaczer gelungen ist, was er trotz größerer Anstrengungen nicht erreichen könnte, nämlich eine Aeußerang seitens der Landeskanzlei in der Issur-Angelegenheit. Nach dieser Vorstellung verirrt sich Dr. Brody auf der Suche nach Unwahrheiten in ein solches Labyrint, der glatten Erfindungen und bodenlosen Behauptungen, daß er den Ariadnefaden, der aus desem Gewebe der Fälschungeu nnd Entstellungen hinausführt, nicht mehr findet. Von Behauptung zu Behauptung, von Zeile zu Zeile, von Wort zu Wort enthält dieser Schmähartikel nichts als Verdächtigungen, Denunziationen und Verleumdungen. Selbst aus Irrtum unterläuft ihm kein einziges wahres Wort. Dr. Brody erweist sich hier als gelehriger Schüler des Munkaczer, ja in mancher Bezieung übertrifft er ihn, was noch niemanden gelang, wird vom Präger Oberrabbiner zustande gebracht. Der Munkaczer, respektive sein Schames behauptet, daß die Landeskanzlei einen einzigen Rabbiner mit den Entzug der staatlichen Zulage gedroht hätte. Dr. Brody wirft die Verdächtigung unter die Massen, daß die Leiter der Kanzlei sämtlichen Rabbinern gedroht hätten. Er ist im nK D'Oniön TttSn Während der Munkaczer so unvorsichtig war, den angeblich bedrohten Rabbiner in der Person des Kesmarker Raw zu nennen, wodurch ihm das Malheur passierte, daß er auf frischer Tat ertappt wurde, indem der Kesruarker Rabbiner in vollkommen korrekter Weise in einem an die Landeskanzlei gerichteten in der „Jüdischen Presse" veröffentlichten Briefe die auf ihm .bezughabende Bedrohung als unglaublich bodenlose Erfindung bezeichnet und mit der größten Entrüstung zurückweist, dehnt Dr. Brody die angebliche Bedrohung auf sämtliche Rabbiner aus, ohne aber einen Namen zu nennen. Da denkt sich nun das schlaue Männchen, da soll min die Landeskanzlei ihren Domentierungsappaiai aufbieten und alle Rabbiner zu einer Aeußerung auffordern, das müßte jedenfalls eine Weile dauern und nicht so rasch gehen wie im Falle Kesmark, bis dahin*wird sich 6

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