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Jüdische Presse · 1922-12-15 · 47 (15.12.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
47 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 JÜDISCHE PRESSE Seite 279 l Nudelbrett, 1 Hackbrett, 1 Tranchierbrett, 1 Nudelwalker, 10 Kochlöffel, 2 Passiersiebe, 1 Passierer, l Schüssel. S. Bondy und Bruder: 30 Kaffeelöffel, 1 Kohlenkübel, 1 Kohlenschaufel, 1 Schürhaken. Nathan Herzka: 30 Paar Eßbestecke, 60 Stück Löffel, milchig und fleischig, 2 Hackmesser, diverse Küchenmesser, 1 Reibeisen, 1 Küchenhacke, 1 Suppensieb, l Teesieb, 1 Fruchtpresse, 1 Tranchiergabel. Otto Wagenberg: 1 Wassereimer. Diverse Spenden: Firma Kunstadt: 2 Strohsäcke. Firma Denes: 2 Holzrahmen für Spiegel. Firma Hermann Denes: 2 Spiegel. Herbst und Gaon: 1 Dutzend Handschuhe. Richard Löwenstein: 1 Dutzend Hemden. Herrn. Feldheim: 1 Decke, 1 halbes Dutzend Taschentücher. Fünfzigjähriges Jubiläum des Blindeninstitutes auf "der Hohen Warte. Das israelitische Blind eninstitut begeht am 17. Dezember die Feier seiner fünfzigjährigen Tätigkeit. Direktor Heller, ein edler Menschenfreund und erstklassiger Fachmann von universellem Rufe, hat das Institut zu einer Musteranstalt gemacht. Zahlreiche arme Blinde, auch aus fernen Gegenden, haben dort eine Ausbildung genossen, die ihnen eine auskömmliche Ezistenz sichert. Die Not der Zeit lastet schwer auf diesem segensreichen Institut und es bedarf der Mithilfe aller Menschenfreunde, um es zu erhalten. Doppelt gibt, wer rasch gibt. Eltern Versammlung In der „Jesod Hathora". Mittwoch, den 16. Kislew, fand in der „Jesod Hathora" die erste Eltemversammlung statt. Nachdem Obmann-Stellvertreter, Herr Emu Kritzler, die zahlreich erschienenen Gaste begrüßt hatte, erstattete der Direktor der „Jesod Hathora", Herr Rabbiner 8. Neuwirth, sein Referat über die Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um unsere Jugend von dem Abfall durch die Mission oder Irrlehre zu retten. Seine Ausführungen gipfelten in folgenden Vorschlägen: 1. Es mögen die Eltern strenge darauf bedacht sein, wohin sie ihre Kinder zum Unterrichte ackicken und selben verbieten, selbst aus Neugierde jene,, Brutstätte, wo man sie von unserer heiligen Thora ablenkt, zu besuchen. Kein Vater und keine Mutter darf die Schuld auf sich laden, daß ihr Kind durch die Gleichgültigkeit der Eltern, die nicht darauf achten, wo ihr Kind seine freie Zeit verbringt, Opfer der Verführung geworden. — Die Sorgfalt der Eltern und der Schule müssen das Gemüt des Kindes vor dem Gift der Schundliteratur schützen. Für das allernotwendigste Mittel gegen Mission und Irrlehre hält Rabbner S. Neuwirth die Errichtung einer orthodoxen Heimstätte für Knaben und Mädchen, wodurch den Kindern, ganz gleichgültig ob sie eine jüdische oder eine andere Volks- oder Bürgerschule besuchen, die Möglichkeit geboten wird, in gut geheizten und beleuchteten Räumen von 3 bis 6 Uhr ihre Aufgaben zu machen, wo ihnen auch täglich eine Jause gegeben wird. — Die ärmeren Schüler erhalten dort Wäsche, Kleider, Schuhe, Teffalin und Zizzis. Wenn die jüdische Jugend unter bewährter Jüdischer Leitung ihre freie Zeit verbringt, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß diese vor fremden Einflüssen geschützt sein wird. Herr Religionslehrer Toch warnte ebenfalls die Eltern, die Gefahr, die unserer Kinder dront, nicht müßig und gleichgültig mitanzusehen, denn niemals war eine zielbewußte Jugenderziehung notwendiger als jetzt. Vorstand Herr Leopold Lederer machte darauf aufmerksam, daß, wenn auch in der „Jesod Hathora" ein Schulgeld eingehoben wird, die ärmeren Schüler hievon befreit sind, wodurch jedem die Möglichkeit gegeben ist, sein Kind der Erziehung der „Jesod Hathora" anzuvertrauen. Gemäß dem Antrage des Herrn Rabbiner S. Neuwirth setzte sich der Vorstand der „Jesod Hathora" mit dem Vorstande der Talmud Thora-Volksschule in Verbindung und es wurde gemeinsam beschlossen, eine Heimstätte für Knaben und Mädchen im Turnsaale der „Talmud Thora" demnächst zu eröffnen. — Da aber die Kosten eines solchen Unternehmens ganz bedeutende sind, wird jeder Jude, dem die Errettung unserer Jugend vor fremden Sitten und Lehren Herzenssache ist, aufgefordert, der Heimstätte größere Spenden zukommen zu lassen. — Spenden werden entgegengenommen täglich von 4 bis 5 Uhr nachmittags in der Kanzlei der „Jesod Hathora", II. Nestroygasse 11 und bei Herrn Leopold Lederer, I. Fischerstiege 5. Der Kindergarten der „Jesod Hathora" veranstaltet Samstag, den 16. Dezember, 6 Uhr abends, im Schullokale, II. Nestroygasse 11, ein Kinderfest. Gäste herzlich willkommen. Das segensreiche Wirken dieses Kindergartens unter der ausgezeichneten Leitung des Fräulein Sofie Bondi hat sich, allgemeine Anerkennung erworben und rechnet der Vorstand auf lebhaften Anteil an diesem Feste. Vortrag. Samstag, den 16. Dezember, Uhr nachmittags, findet in der Jugendgruppe ein Vortrag des durch seine bereits veröffentlichten Werke als Godaul bekannten Rabbi Chajim Gelernter aus Kuty statt. Wien. Zur Ausführung unseres geschätzten Mitarbeiters 0. N. in dieser Nummer unseres Organs soll nur eine kurze Illustration gegeben werden. In der ersten Klasse einer höheren Töchterschule in Wien, in welcher zumindestens 60 Prozent der Schülerinnen jüdische sind, wurde diese Woche das Aufsatzthema gegeben: „Der Nikoloabend". Als einige jüdische Schülerinnen bemerkten, daß sie über dieses Thema nicht schreiben könnten, verlangte die Lehrerin, daß sie mit Hilfe ihrer Phantasie etwas über dieses Thema ersinnen sollten. Ob diese Methode pädagogisch zu rechtfertigen ist, darüber wollen wir uns jetzt nicht unterhalten, es zeigt aber deutlich, welchen Gefahren wir unsere Kinder, noch dazu in pädagogischer und religiöser Hinsicht preisgeben und wie bitter notwendig eine von Jugend auf konfessionell aufgebautes Schulwesen uns Not tut. Wiener-Neustadt. Samstag fand eine schöne Bar- - mizwafeier im Hause des Herrn Adolf Hirschl statt. Die Kultusgemeinde war durch ihren Vorsteher Herrn Jakob Jaul vertreten. Der Barmizwa hielt eine gediegene, echt jüdische Derosche, wo er besonders seinem Großvater, Herrn Max Jaul, welcher als besonders großer Baal- Zedokeh bekannt ist, sein Versprechen gab, ihm nachzuahmen. Nach einem schönen kantoraJischen Vortrage des Oberkantors Herrn Moses Vogel, und nach einiger Diwre Thora des Herrn Rabbinerstellvertreter David Friedmann, fand die schöne Feier spät abends ihr Ende. Die Konferenz der thoratreuen' Lehranstalten und Lehrer In Wien. Der in der Versammlung der orthodoxen Hethausvereine Wiens vom 12. Kislew eingesetzte Erziehungürat für das thoratreue Schulwesen in Wien, vorläufig aus den Herren Oberrabiner S. Fürst und Kommerzialrat Siegmund Bondi, .Obmann der Adas Jisroel, bestehend, hat für den 29. Kislew und 1. Tebeth d. J., das ist Dienstag und Mittwoch, den 19. und 20. Dezember 1922, 7 Uhr abends, im großen Saale der Jessod Hathora, II. Nestroygasse 11, eine Konferenz der Wiener thoratreuen Lehrer und Lehranstalten einberufen. Das Programm dieser Enquete ist folgendes: a) Für den ersten Abend: Begrüßungsansprache durch Se. Ehrwürdeu Herrn Oberrabbiner. Fürst. Referat t: Unser Erziehungsideal. Referent Herr Rabbiner Benzion Katz, Leiter der „Or Thora". Referat 2: Organisation des thoratreuen Schulwesens Und der Jugendfürsorge in Wien. Referent Herr Rabbinor S. Neuwirth, Leiter der Jessod Hathora. b) Für den zwoiten Abend: Referat 3: Methode des Unterrichtes. Referent Herr Rabbiner M. Flesch, Leiter der Bibolschule im VII. Bezirk. Referat 4: Finanzielle Grundlage der Organisierung des thoratreuen Schulwesens. Referent Herr Leopold Lederer, Vorstandsmitglied der Jessod Hathora. Der Verein „Tmichu-ubikur-Cholim«, Wien XX., veranstaltet Samstag, den 16. Deezmber d. J., präzise 7 Uhr abends, im Cafe Magnet, II. Obere Donaustraße 1, eine Chanukahfeier mit reichhaltigem Programm, der sehr gehaltvoll zu werden verspricht. Freunde und Gäste sind herzlichst geladen. Die Jugendgruppen-Bibliothek. Keine Bewegung, am allerwenigsten aber eine rein geistige, kann des Buches als Mittler zwischen Gesinnungsfreunden entraten. Das geschriebene Wort ist immer eindrucksvoller und wirkt unvergleichlich nachhaltiger als das gesprochene. So ist das Buch ein unerläßlicher Behelf für jede Bewegung, Partei oder Gesinnungsgemeinschaft. Der „Agudas Jisroel" mangelt — und das mag vielleicht von organisatorischem Standpunkt von Nachteil sein, vom Standpunkt des Parteizieles ist es keinesfalls so — eine Jeeignete Partei-Propagandaliteratur. Die „Agudas isroel" hat von allem Anfang an, ohne auf kleinliche Versammlungs- und Parteierfolge zu sehen, direkt auf ihr hohes Ziel, die Anerkennung und Verbreitung der Thora hingesteuert. Sie hat also keine Partei-, sondern mehr Zweckspropaganda betrieben. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, ist die Schaffung einer Bibliothek und insbesondere einor Leihbibliothek, wie es der Jugendgruppe in %Wien gelungen ist, gleichzeitig Mittel und Ziel. Die Bibliothek umfaßt schon heute zirka 1000 Bände alter und neuer religiöser und orthodox-literarischer Werke. Insbesondere verdient hervorgehoben zu werden, daß die Seforim-Sammlung wertvolle und seltene Stücke enthält, wie sie große und angeblich komplette Bibliotheken vermissen lassen. Der nur annähernd einen Begriff davon hat, welchen Aufwand an Mühe und Kosten es erfordert, heute eine Bibliothek, die möglichst reichhaltig und — was für unseren Teil besonders wichtig ist — aus lauter einwandfreien Werken bestehen soll, wird das Voll- . brachte richtig zu schätzen wissen. Wohl weisen die FUcher noch Lücken auf, die angesichts der bestehenden Schwierigkeiten — materiell, wie moralisch — nur schwer zu erfüllen sein werden. Die aufopferungsvolle Tätigkeit der Jugendgruppe auf diesem Gebiete, sowie die nie versiegende Hilfsbereitschaft weiterer jüdischer Kreise läßt aber trotzdem die bestimmte Hoffnung zu, daß auch die letzten Schwierigkeiten mit G-tteshilfe und zu G-ttes Ehre überwunden werden. Ein neues Arbeitssystem des Joint. (J. C. B.) Der Direktoi der europaischen Jointzentrale Dr. Bernhard Kahn äußerte sich gegenüber dem J.-C.-B.-Vertreter, daß die Jointleitung nunmehr daran geht, ihre Büros zu verkleinern und überall ihre Ausgaben einzuschränken, um desto mehr für die Wiederaufbauarbeit tun zu können. Das neue Programm lautet: Weniger Verwaltungsausgaben, intensivste Administration und mehr Kapital für die eigentlichen Zwecke, die Joint verfolgt. Die ganze Wiederaufbauarbeit wird mit Hilfe der lokalen jüdischen Institutionen in allen Ländern durchgeführt werden. Bei allen Kreditinstitutionen könnet ihr achtprozentige Goldanleihe und Aktien der Nationalbank bis 81. d. M. zeichnen Ungarn. Aufhebung1 des Postverbotes gegen hebräische und jüdische Postsendungen in Ungarn. (JPZ) Das American Jewish Gommittee, welches seinerzeit gegen das Beförderungsverbot gegen hebräische und jüdische Druckschriften und Korrespondenzen bei dem ungarischen Gesandten in Washington interveniert hat, erhielt nun vom ungarischen Gesandten die Mitteilung, daß dieses Postverbot aufgehoben sei. In dieser Angelegenheit intervenierte auch der Präsident des amerikanisch-jüdischen Kongresses, Stephan Wise, zur Zeit seiner Europareise bei Horthy persönlich. Sonderbarerweise ist diese Aufhebungsverordnung auch bis zum heutigen Tage noch nicht im ungarischen Amtsblatt erschienen, obgleich sie, wie uns jetzt von zuverlässiger Seite aus Budapest berichtet wird, tatsächlich erfolgt ist. Es geht dies aus einer Note des ungarischen Handelsministeriums an die israelitische Landeskanzlei in Budapest hervor, in welcher mitgeteilt wird, daß das am 5. Jänner 1921 erlassene Verbot außer Kraft gesetzt wird. Trankreicl). Eintreffen der syrisch-palästinensischen Delegation in Lausanne. (J. C. B.) Nach einem Telegramm aus Lausanne ist dort am 28. November abends die vereinigte syrischpalästinensische Delegation eingetroffen. Die palästinensische Relegation wird bekanntlich von Kasim Pascha geführt und zählt außer ihm zu Mitgliedern: Emin Bey Tamini und Shibli Djemal. Syrien ist vertreten durch den früheren Abgeordneten des türkischen Parlaments und Vorsitzenden des Berliner Orientklubs Schekib Arslan Bey, der als das Haupt der Gesamtdelegation zu betrachten ist; die anderen syrischen Delegierten sind: der Bürgermeister von Aleppo, früher Privatsekretär des Sultans, Ihsan Bey Djabri und das frühere Mitglied des Libanon- Parlaments Soleiman Bey Kantan. Sofort nach dem Eintreffen in Lausanne gab die vereinigte syrisch-palästinensische Delegation nochmals die Forderungen bekannt, die sie gegenüber der Orientkonferenz vertreten will. Diese Forderungen sind': Völlige Unabhängigkeit für Syrien, den Libanon und Palästina, Abzug der englischen und französischen Truppen, freie Staatenbildung für Syrien und den Libanon einerseits und Palästina andererseits und Zulassung zum Völkerbunde. Für den Fall, daß die Konferenz mit diesen Forderungen nicht übereinstimmen sollte, so werden die Araber in den von der Delegation vertretenen Ländern keinen der Beschlüsse der Konferenz als für sich verbindlich anerkennen. . Polin. Eine Unterredung mit Abg. E, Kirschbraun. (Aus dem Warschauer „Kurjev Poloki".) Infolge des in einem zionistischen Organe erschienenen Dementis der Nachricht von der Auflösung des Minderheitsblockes, begab sich ein Mitarbeiter unseres Blattes zum Anführer der Orthodoxen (Aguda) Deputierten Herrn Elias Kirschbraun, der ihm folgendes erklärte: Der Minderheitsblock wurde ausschließlich auf die Dauer der Wahlen geschlossen. Er war ein Akt der Selbstwehr gegen die uns bekürzende Wahlordination und hatte einen rein technischen Charakter, aber keinesfalls einen programmatischen. Im Moment der Beendigung der Wahlen hörte der Block zu existieren auf. Keine einzige Partei, die zu diesem technischen Block gehörte, hat irgendwelche Verpflichtung übernommen. Sie werden daher separate unabhängige Klubs im Sejm bilden. Wie wird das Verhältnis dieser Klubs zueinander sein? fragte unser Mitarbeiter. Diese Frage wurde eben auf der Samstag- und Sonntagsitzung unserer Deputierten und Senatoren, die auf der Blockliste gewählt, wurden, besprochen. Es wurde projektiert eine Verständigungskommission auf die Dauer der Wahlen des Sejm- und Senatpräsidenten und des Präsidenten des Staates zu schaffen. Ein endgültiger Beschluß wurde nicht gefaßt. Es erhoben sich Stimmen „pro* und „contra*. Sind Sie Herr Abgeordnete für diese Kommission? Nein, ich bin gegen — erklärte Herr Kirschbaum. Befürchten Sie keine zionistische Hegemonie im Jüdischen Klubs, die doch beabsichtigt ist? Bisher habe ich keine Neigung in dieser Richtung seitens der Zionisten bemerkt. Sollte jedoch ein ähnlicher Versuch gemacht werden, so werden wir genug Kraft finden, um denselben zurückzuweisen. Wie wird die Politik der Orthodoxen im neuen Sejm sein? Unsere Politik wird in der Bahn unserer Tradition geführt werden mit dem Endziele: die Lösung der Judenfrage in Polen auf dem Wege der gegenseitigen Verständigung herbeizuführen. Wir werden im neuen Sejm eine Verständigungspolitik führen und zur Beseitigung der Mißverständnisse zwischen der polnischen und jüdischen Gesellschaft streben, was sicherlich viel zum Wohle unseres gemeinsamen Vaterlandes beitragen wird. Unsere parlamentarische Losung ist: die faktische Inkraftsetzung der Märzkonstitution. Wir erachten auch eine Novelle zum Sonntagsruhegesetz als unbedingt erforderlich, um den Juden, die am Samstag feiern, die Arbeit am Sonntag zu erlauben. Wir, jüdische Orthodoxen — behauptet Herr Kirschbraun — glauben, daß unsere Losung bei den maßgebenden Faktoren Unterstützung finden wird. Zum Schluß möchte ich bemerken, daß für uns — existiert der Minderheitsblock nicht mehr. W. Die dritte Session des Zentralkomitees der Schlojme Emuej Jisroel (Agudas Jisroel) in Polen. Vorige Woche Sonntag, wurde die dritte Session der polnischen Agudas-Organisation in Warschau •eröffnet. Bei der Eröffnungssitzung waren fast alle Delegierten anwesend, besonders war die Beteiligung der Provinz eine sehr lebhafte. Den Vorsitz hatte Sejm-Deputierter Oberrabbiner Schapira. Herr I. M. Lewin ergriff das Wort zum politischen Referat und setze noch einmal die Notwendigkeit der Teilnahme der Agudas Jisrqel an dem Minderheitsblock bei den Sejmwahlen auseinander. Selbstverständlich war4 diese Beteiligung rein technisch zu Wahlzwecken gedacht. Daß die Orthodoxie nicht die ihr gebührende Zahl von Abgeordneten und Senatoren errungen hat, ist eine Folge des bedauerlichen Urnstandes, daß die Vorgangsweise der selbständigen Orthodoxie nicht ganz einheitlich war. So haben sich die orthodoxen Juden in Ostgalizien und auch in Wilna an der Wahlkampagne nicht beteiligt. Hierauf referierte Herr Kirschbraun ausführlich über die politische Situation nach den Wahlen. An dieses Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion, an welcher der Sokolower Rebbe wie die Abgeordneten Oberrabbiner Spira, Minzberg, Stempel, ferner Herr Dr. Niemczewicz, David Weidenfeld, Abraham Wallerstein, Schalom Bialer und Henoch Berger und andere sich beteiligten. Es wurden Beschlüsse gefaßt über die Richtlinien der von der Aguda zu führenden Politik. Ein orthodoxer Klub wurde gegründet, der nebst den acht orthodoxen Mandataren noch aus neun Mitgliedern des Zentralkomitees, also 17 Personen besteht, die zusammen das politische Komitee der polnischen Landesorganisation der Aguda bilden. Es wurde ferner die Art der Zusammenarbeit des orthodoxen Klubs mit der allgemeinen jüdischen Fraktion im Sejm bestimmt. Einen wichtigen Gegenstand der Beratung bildeten die Beschlüsse in betreff der Zentralratsitzung der Agudas Jisroel in Breslau, bei welcher die polnische Landesorganisation durch zwölf Mitglieder vertreten sein wird. Die zweite Sitzung hat sich mit Problemen der Reorganisierung der Agudas und der Finanzen beschäftigt. Um die Propaganda richtig zu entfalten, wurde die gesamte Tätigkeit des Zentralkomitees einem Direktorium unterstellt. Dieses Direktorium besteht aus Senator Oscher Mendelsohn, Senator Deutscher und Ghaim Bialer. Außerdem wird eine Finanzkommission eingesetzt, bestehend aus sieben Herren: L. Minzberg und F. Stempel, Gemeinderat Jakob Trockenheim, Mendel Priewes, Aron Bialer, David Weidenfeld und Michael Rosenstrauch. Ferner wurde ein Aufsichtsrat aus fünf Mitgliedern bestehend, geschaffen, von denen ein Herr in Lodz, einer in Lublin, einer in Krakau und zwei in Warschau domizilieren. An der Spitze dieses Verwaltungsrates steht Obenabbiner Spira, der nun in die Lage versetzt wird, die führende Stellung, die er gemäß seiner hervorragenden Fähigkeiten und gemäß des letzten Beschlusses des Delegiertentages inne zu haben berufen ist, aktiv auszufüllen. Das neugewählte Zentralkomitee hat bereits einen warmen Appell an alle Mitglieder der Aguda er-

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