Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 47 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2629953-2629996--0788-2632470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
Nr. 47 JÜDISCHE PRESSE Seite 277 Chanuka. Im Fenster der Stube Brennen mit hellem Schein Acht kleine Lichtelein. Sie erzählen ganz leise, Von Judas großer Vergangenheit, Von Judas stolzer und herrlicher Zeit, Da Juden für G-ttes Lehre gelitten, Und durch Ihn den herrlichsten Sieg erstritten. Im Fenster der Stube Brennen mit hellem Schein Acht kleine Lichtelein. Sie klagen ganz leise Ob Judas trauriger Gegenwart, Judas Schicksal ist bitter und hart, Muß leben zerstreut unter fremden Sitten, Mißachtet, Terfolgt und ungern gelitten. Im Fenster der Stube Brennen mit hellem Schein Acht kleine Lichtelein. Sie trösten sich leise, Daß Judas Zukunft reich an Ehre, So es glaube an G-tt und An seine Lehre. Geeint durch die Lehre wird Juda stets siegen, Uneinig und glaubensfremd, stets unterliegen. A. M. Der Hohepriester und der Ankläger. Zu rOIDri- Von Rabbiner Dr. Hermann Klein (Berlin). Es gibt keine Lehre, die so wirksam und überzeugend wäre, als die uns unsere Vergangenheit bietet, kein Argument ist so zwingend, als das Beispiel, das uns die zagenden Gestalten unserer Vergangenheit geben, wenn sie im Dienste hoher Ideale ihr Gut und B.ut opfern. Darum vergegenwärtigen wir uns so gerne die Zeit der Hasmonäer, die edlen Männer, die in einer Zeit des feigen Verrats, als so viele sich von dem glänzenden und farbenschillernden Scheine der griechischen Weltanschauung blenden lassend, ihren Glauben und ihr Volk verleugneten, ihre Vergangenheit und Zukunft begruben, nicht wandten, sondern sich an die Spitze einer wohl kleinen aber begeisterten und ausdauernden Schar stellten und mit Löwenmut und Todesverachtung den Kampf gegen die Gewalt der kriegsgeübten und erbarmungslosen Scharen der Syrer aufnahmen. Sie kämpften und siegten und schritten von Triumph zu Triumph und reinigten das entweihte und geschändete Heiligtum von den Götzen des Heidentums und retteten so die Idee des einen, einigen und einzigen G-ttes und das Ideal der reinen Sittlichkeit für alle kommenden Geschlechter. Auch diese Helden hatten ihre Vorbilder in der Vergangenheit, /auch ihre Lehrmeisterin war die Geschichte ihres Volkes, ans der sie ihre Bestimmung erkannten und aus der sie Mut und Begeisterung schöpften für die große, rettende Tat. Es ist kein Zufall, daß uns die weisen Ordner unseres synagoalen Lebens am Chanukoh die Weissagungen und Geschichte des Propheten Scharjah Vorführen, die Geschichte jener zwei Männer, die ihr Volk aus Babylon in die Heimat führten und den jüdischen Staat zum zweitenmal begründeten, die Geschichte des geistigen Führers, des Hohepriesters Josua und des weltlichen Leiters Zerubabel. Der Prophet schaut den Hohepriester Josua, wie er vor dem Engel steht und Satan steht zu seiner Rechten um ihn zu hindern. Und G-tt spricht zum Satan: der Ewige verscheuche dich Satan, der Ewige, der Jeruscholajim erwählt hat, scheucht dich zurück. Ist ja dieser ein aus dem Feuer gerettetes Scheit! Und Josua war mit unreinen Gewändern bekleidet und stand vor dein Engel. Die Zeit des babylonischen Exils war vorüber, die Pforten des Kerkers öffneten sich. Mit hochfliegenden Plänen und himmelstürmenden Hoffnungen betraten die Heimkehrer den heiligen Boden ihres Vaterlandes. Aber die rauhe Wirklichkeit enttäuschte ihre Hoffnungen! Was sie vorfanden, blieb weit weit hinter ihren Erwartungen zurück. Der Tempel lag in Trümmern, das Land war aufgewühlt, die Ureinwohnerschaft war verarmt, das Land von Heiden besetzt. Sie fühlten sich heimatlos in ihrer eigenen Heimat. Sie hätten nun daran gehen müssen, die alte Heimat wieder zu erobern, alle vorhandenen Kräfte zu sammeln, den Tempel aufzubauen, dem religiösen Leben neuen Aufschwung zu verleihen, mit einem Worte: der Hohepriester hätte seinen Dienst beginnen müssen, hätte das Volk belehren müssen, hätte ihm den eigentlichen Zweck seiner Heimkehr deuten, die Bedeutung des G-ttesstaates in ihrer ganzen Tiefe und Weite klarstellen müssen, aber der Hohepriester war schwach, war mit unrefnen Kleidern bekleidet. Er wehrte nicht seinen Söhnen, fand kein tadelndes Wort , für die Verirrung seiner Getreuen, sieht ruhig mit an, wie seine Intimen heidnische Frauen heimführen und so das Heiligtum der jüdischen Familie besudeln und damit das Fundament des noch so zarten Gemeinwesens untergraben. Der Hohepriester schweigt zu allem, denn Satan, der Erzfeind des Judentums, steht zu geiner Rechten. Im Satan glaubt der Hohepriester seinen Helfer zu sehen, der ihm den neuen Staat aufbauen helfen soll. Satan betört ihn, wie er jeden täuscht, der in ihm seinen Beistand sieht. Satan kennt kein Ideal, Satan ist nichts heilig, Satan will niemandem wohl, Satan heuchelt Freundschaft und Liebe nur dem, den er vernichten will, leistet Beistand nur zu dem Zwecke, um die Arbeit zu hindern. Jt5tt?m 13tötP^ Wfo*' Satan steht zur Rechten des Hohepriesters, um ihm zu gegebener Zeit in den Arm fallen zu können, um ihnan der Ausübung seines hohepriesterlicben Berufes hindern zu ,können. Nie wird der Hohepriester das rechte Wort zur rechten Zeit finden, nie seine warnende und aneifernde Stimme erheben können, so lange Satan, der kalte und zynische, dem alles Heilige ein Abscheu ist, sein Gehilfe ist. Was bedeutet auch Satan das heilige Land? Ist es ihni das Land, wo die Schechinoh weilt? Dann wäre für Satan dort keine Stätte. Ist der jüdische Staat ihm die sichtbare G-ttesoffenbarung im jüdischen Volke, ein G-ttesberg, an dessen Spitze das G-ttesheiligtum in ragender Höhe steht? Ist Jeruscholajim ihm die Stadt, wo G-tt unser König, G-tt unser Richter, G-tt unser Gesetzgeber ist? Kann Satan dem Hobepriester helfen? G-tt, der Jeruscholajim erwählt, verscheucht Satan, will nicht, daß Satan dem Hohepriester helfe, denn dann würde aus dem Lande ein Land Satans, nicht aber ein Reich G ttes. Der Hohepriester durchschaut Satan nicht, oder glaubt selbst Satan in seinen Dienst bannen zu können, oder vielleicht selbst Satan überlisten zu können. G-tt dessen Siegel Wahrheit ist, der keinen Pakt mit der Lüge duldet, verwarnt den Hohepriester and kündet ihm gleich an, daß diese Erlösung keine endgültige sein könne, ja, daß sie nicht einmal einen Anfang bedeute. Hö2f V"Q$7 JTIK iratt "J3n- Siehe ich bringe meinen Diener dem Gewächse gleich. r\ÜV YTHiriÖl lÖttf Hfcit UTK fWl- Siehe HÜX heißt er und von unten, von seinem Standort aus wird er wachsen. Die G-ttespflanze bedarf keiner Nahrung von ihrer Umgebung, sie hat, wo sie sich auch befinden möge, in dürrster feindlichster Umgebung, unter sich den Quell ihres Wachsens und daher findet sie überall ohne jede fremde Beihilfe ihr Gedeihen. Dem Propheten wird ferner gezeigt, wie die Menorah ihre Oelquelle selber trägt HWlO 917 H^SI» ja wie sie selber Olivenbäume trägt, an welchen die Oelfrucht sieh zeitigt, deren goldener, lichtnährender Saftstrom in die Adern der Licht trägenden Kelche strömt Dem |"|ttlt dai* nichts zugesellt werden, sonst wird es D">|03 und mui der Vernichtung anheimfallen. Mit übermenschlicher Kraft snchten die Hasmonäer alles Fremde und Unjüdische aus dem Staatswesen, ans dem Leben ihres Gemeinwesens auszumerzen, rein und ungemengt durch fremdes Oel sollte die Menorah leuchten. Den Satan zur Rechten schüttelten die heldenhaften Söhne des Matitjahu ab. Sie wollten von Satan keine Hilfe, keine Macht und kein Amt. VnnHÖl nÖSt11' Von sich selbst sollte die Wahrheit emporwachsen und alle Wucherungen der Lüge vernichten. Sie lernten aus ihrer Vergangenheit und wurden so zu Lehrern der Zukunft. Ob wir von ihnen lernen wollen, hängt von uns ab. Weg mit den unreinen Gewändern, weg mit der Schwäche gegen alle Künste Satans. Rein und hell soll die HTUÖ jüdischen Geistes leuchten. Sie braucht keine äußere Beigaben. Jissroel trägt überall den Quell seines Lebens, die Nahrung seines Geistes, den Born seiner geistigen Entfaltung und Blüte unverwüstlich und von allen äuferen Bedingungen unabhängig mit sich, wohin es auch wandert n^?K*1 9j? (15131 seinen Quell trägt es mit sich n?33 Tin?W D33WÖ9 auch nach Babel.?H nTO K'l Dipö?D-DtfN-O Hl BiTJB? D3% ni3jn 7W*T\ Dnfty rWSü« Es hat nirgends die Unterstützung Satans nötig, denn überall ist G-tt, die Quelle seiner Kraft mit ihm, wenn es nur treu zu Ihm hält und nur von Ihm sein Heil erwartet. Die heroische Arbeit der Makkabäer rüttelte nur für kurze Zeit das Gewissen des Volkes auf. Die entarteten Söhne der großen Väter vernichteten mit frevelnder Hand das Lebenswerk der Väter. Aber sie haben nicht umsonst gekämpft und gesiegt. Leuchtend steht ihr gewalliges Lebenswerk vor den Augen einer treuen späten Nachkommenschaft, die, wenn sie auch klein an Zahl und schwach an Mitteln, sich an ihrem Beispiel stärkt und Satan in jeder Gestalt und Hülle von sich weist und als Kompaßzeichen für die lange Wanderung durch Jahrtausende sich das Wort erwählt flÖUf TTinnDl lÖtt? riÖ2£ Von uns allein muß uns Hilfe werden. Lasset den Sturm den Baum brechen, laßt ihn spalten, laßt ihn zersplittern, die zerstreuten Blätter und Reiser keimen aufs Neue und werden zu mächtigem Stamm und was ihn zu vernichten gedroht, hat ihn nur verbreitet und verjüngt. Ein einziges Reis genügt, um den Baum für die Ewigkeit zu retten! Die ehemaligen nnd heutigen Makkabäer. Ton E. Botschko in Montreux (Schweiz). Als vor 25 Jahren die Idee des Zionismus von einem Teil der Intellektuellen unter den Juden freudig und begeistert aufgenommen wurde, hat sich ihr die gesamte Orthodoxie ablehnend gegenüber gestellt. Alle Bemühungen der zionistischen Matifim aus Talmud und Midrasch Beweise für den Zionismus zu erbringen, waren vergebens und konnten die Herzen der orthodoxen Juden nicht erwärmen. Ueberall, wo ein zionistischer - Matif erschien,. wurde ihm das größte Mißtrauen entgegengebracht. Die größten D*31N3 jeuer Zeit, wie _zum Beispiel die Rabonim von Brisk, Lodz, Dwinsk, Grodno, Minsk und London usw., sprachen sich in schärfster Weise gegen den Zionismus aus. So Bchrieb zum Beispiel vor 23 Jahren der Lodzer Raw »inKT» *?3b)»Ü D"H "6* "1 vbn yw\ nnx tm t?v bx .dhö pm11 13373 orrnnTUö , ' ' „ . Dieser Mißerfolg m den orthodoxen Kreisen mußte den Zionisten unverständlich vorkommen. Wie sollte es möglich sein, daß Erez Israel, das Heiligste alles Heiligen, das Sehnen aller Sehnen, das Ziel .aller Ziele des jüdischen Volkes von den Orthodoxen abgelehnt wuräe. Wie sollte' man es verstehen, daß die Orthodoxie dem heiligen Lande, zu dem Moses sich sehnte, das der Psalmist besungen, dem die Propheten, Weisen und Dichter all' ihre Liebe geweiht hatten, dessen Bebauung der J3*£n und noch viele andere Geonim zu den 618 Geboten zählten, ferne bleiben würde, daß sie nieht begeistert mit in den Ruf der Zionisten einstimmen würde nach dem Lande, wo die Schechino und Israel Bich umarmen werden und wo das Licht der Thora aufstrahlen wird? Widersprach denn diese seltsame Handlungsweise der Orthodoxie nicht Ihren eigenen Tefilos und Wünschen? Trotz der mahnenden Appelle mancher Rabbiner, wie Kallischer, Mohilewer usw., denen p1»^ D3Tt seür stark am Herzen lag, blieb ihr Ruf in der Orthodoxie lingehört. Die Orthodoxie, welche sonst, wie uns die Geschichte lehrt, sich von jedem Weissager und „Geulo*- Verkünder verleiten ließ, schloß ihre Ohren hartnäckig vor den Lockungen und Mahnrufen der Zionisten. Traten auch wenige vereinzelte der neuen Bewegung bei, so blieb doch die große Masse ihr gegenüber völlig indifferent und ließ sich weder durch Politiker, noch durch Matefim und Rabbiner von ihrem Standpunkt abbringen. Dies war umso überraschender, als — abgesehen von dem religiösen Motiv des zionistischen Gedankens, das doch die historisch biblischen Hoffnungen Israels'verkörperte — gerade die prekäre politische und ökonomische Lage der Ostjuden eigentlich den besten Nährboden für die zionistische Idee bilden sollte. Der Zarismus, dessen Willkür über 6 Millionen Juden auf Gnade und Ungnade ausgeliefert waren, lastete wie ein schwerer Alpdruck auf der gesamten Judenheit des Ostens. In einer ^Tscberta* eingeschlossen, jeglichen Rechtes und jeglicher Möglichkeit einer höhern Bildung beraubt, suchten manche Juden ihr Heil in dem freien Amerika, doch von der zionistischen Erlösung wollten die wenigsten etwas »wissen. Was sind nun die Ursachen der schroffen Ablehnung der zionistischen Ideen von Seiten der Orthodoxie? Die frommen Elemente erkannten im Zionismus eine verlockende Frucht, die aber an ihrem Innern einen bittern, dem wahren, strengen Judentum verderbenbringenden Keim enthielt. War auch im Osten ihre materielle, ökonomische Lage eine schlimme, so konnte sich wenigstens ihr echt jüdischer Geist in Freiheit bewegen. Sie sammelten sich lieber dort im Osten als in Frankreich, Deutschland, England, Italien oder Amerika, eben weil dort ihre jüdische Seele ihre Flügel frei entfalten konnte. Rabbiner und Lehrer brauchten keine, profane Bildung zu besitzen, um ihr Amt ausüben zu können. Sie widmeten sich ausschließlich dem „Limudhathora", ohne wie ihre Kollegen im Westen den größten Teil ihrer Jugend in der Schule und auf der Universität zu verbringen, die dann kaum Zeit haben, 1—2 Jahre das Seminar zu besnehen, um etwas jüdisches zu lernen. Infolge des Fehlens des allgemeinen Schulzwanges im Osten, verbrachten die Kinder den ganzen Tag im Glieder oder in der Jeschiwo. Stets war dadurch der Osten erfüllt mit Thora und jüdischem Geist, der die ganze jüdische Welt mit seinem Licht bestrahlte, dort war die wahre Jüdischkeit und die Lebensader des jüdischen Volkes. Kennt doch der polnische oder litauische Jude kein höheres Vergnügen als in den Bethamidrosch zu gehen, ein Blatt Gemoro zu lernen und sich b'öbBÜ zu sein »PjDDl 3HT "S^KÖ -|'Ö IVYin 31fc* ist' stets üu Wahlspruch gewesen. Nie haben sie ihre reichen Brüder im Westen beneidet, im Gegenteil, sie betrachteten die Westjuden als eine für das Judentum niedrigeres und geistig ärmeres s Element. Gerade daß nun der Zionismus, der im Osten da- Westjudentum verkörperte, den Thorageist und die Thoraideale mit moderner Lebensart und modernen Idealen vertauschte, hatte zur Folge, daß er von den frommen Juden ab gelehnt wurde. Hätten die Zionisten aus rein ökonomischen und materialen Gesichtspunkten gehandelt, so hätte natürlich ohne Zweifel auch die Orthodoxie ihnen zur Seite gestanden, oder wenigstens ihr Unternehmen nicht bekämpft. So wenig wie die Orthodoxie das Uganda-Projekt oder die argentinische Kolonisation bekämpfte, ebensowenig wäre sie einer materiellen Besserstellung der Juden im eigenen Lande entgegengestanden. Die Tatsache aber,, daß die Zionisten Nationalismus und Religion von einander völlig getrennt haben wollten, welche^ der bisherigen durch Jahrlausende überlieferten heiligen Trad>- tion direkt zuwiderlief, veranlaßte die Orthodoxie den Kampf dagegen aufzunehmen. Niemals hat die Orthodoxie, wie ein Teil ihrer Gegner zu behaupten wagt, den Nationalismus bekämpft, so wenig wie sie in speziell allein betont hat. Für die Orthodoxie war der Nationalismus nur ein Teil ihrer Jüdischkeit, ohne die engste Verknüpfung mit der Religion wäre er aber undenkbar gewesen, das eine war die Ergänzung und Ausgestaltung des andern. Sie fühlte und dachte nationalistisch, ohne das auf einer Fahne zu erheben. So hat der Zionismus einen neuen Begriff des Judentums geschaffen. Nach ihr ist ein jeder Jude, wenn er nur national fühlte und dachte, mochte er auch kein einziges Gebot der Thora erfüllen oder auch kennen; die Religion wurde ab Privatsache betrachtet. So wurde also von Ihnen das Nationale in den Vordergrund all ihrer Bestrebungen gestellt, ein liberaler Fascismus. Sie verlangten Palästina nicht, um den Geist der Thora neu zu stärken, um den Jabneh in Jabneh auszubauen und um Thora und Mizwos restlos zu erfüllen, sondern ein Land wie alle andern Nationalen. Sie wollen ein neues Palästina errichten, wollen'aber nicht das alte in seiner Pracht und Herrlichkeit auferstehen lassen, wie es einst Srubabel, Esrea, Nehemia und die Makkabäer getan haben. Im Gegenteil, das Alte soll vielmehr gänzlich ausgemerzt werden nnd höchstens noch das Interesse der Archäologen und Historiker bilden.... Die Palästinafrage ist für die Zionisten nur eine rei» nationale, welche zu unserer glorreichen Vergangenheit mit keinerlei Fasern verbunden ist. Ein solcher Nationalismus ist aber für uns gleichbedeutend mit völliger Assimilation. Ob der Assimilant polnisch, englisch, französisch oder hebräisch und jüdisch spricht, ist für uns eins und dasselbe. Wir haben die Sprache geboren, aber die Thora hat uns geboren und «os in ihrem Schöße erzogen. Schon im ägyptischen Exil, als wir noch Knechte waren, haben wir uns verpflichtet, Juden zu sein und die Thora zu empfangen. Wir sollen unsere Sprache lieben, weil sie die Sprache unserer Thora, unserer Propheten und Weisen ist, aber nicht deshalb, weil sie die Sprache eine« Smolenski, Mapa, Gordon oder eines Bialiks ist. Diese Meister der Sprache gehören uns, aber nicht wir ihnen und wir sind nicht verpflichtet, in ihrem Geiste zu leben. Nicht sie sind unsere geistigen Vorbilder, sondern unsere Propheten und Weisen. Freilich in den letzten 20 Jahren mußte sich der Zionismus mit der Popularisierung seiner Ideen innerhalb der Judenheit begnügen, da Palästina noch in den Händen der Türken war. Diese fand besonders auch Anhänger in assimilatorische« Kreisen, die sich für die neuen Ideen begeisterten und dadurch teilweise den Weg zum Judentum zurückfanden. Es fiel ihnen leicht, bloß durch einen Schekel das Judentum wieder zu erkaufen. Der religiöse Jude aber, dessen Sehnen, Denken und Streben stets nur nach Zion gerichtet war, konnte in dem Zionismus nichts Neues finden, vielmehr mußte ihm die Art und Weise, wie der Zionismus seine Ideen verfocht und verbreitete, befremden und ihn beim besten Willen zwingen, den „modernen Messianismus", wie er von den Matifim verkünde! wurde, abzulehnen. Schließlich zwangen ihn die Gift und Hai speienden Hetzailikel in der zionistischen Literatur, die einerseits den Zionismus verherrlichen, anderseits den religiöses Juden um seines Glaubens Willen verspotten, im Zionismus seinen ärgsten Feind zu erblicken und mit ihm den Kampf aufzunehmen. Unüberbrückbar wurde die Kluft, als der Zionismus dem Bethamidrosch den Kampf ansagte und sein Bestreben darin lag, die Jeschivos, Chadorim und Talmud Thoras in profane Schulen umzuwandeln, um dem modernen Freigeist, der in ihren eigenen Schulen herrschte, auch dort Eingang zm verschaffen. Hierüber ist bekannt der eindringliche Appell des berühmten Gaons von Karlin J") 1H "1 »IjHD T1K So lange der Zionismus nur eine Idee darstellte, deren Verwirklichung noch in der Ferne lag und dessen Tätigkeit sich im großen und ganzen auf Schekelsammlungen beschränkte, dokumentierte die Orthodoxie ihre Gegnerschaft bloß durch ihre Passivität und durch ihr offizielles Verneinen des Zionismus, 'Da brach der Krieg aus, dessen Folgen das Leben der Gesamtheit und darunter auch das Leben der Juden neu formen, dem Zionismus einen großen Triumph brachten und ihn zu neuem Leben erweckten. Den traurigen Ereignissen im Osten, die so unsägliches Leid über die Juden brachten, konnte sich auf die Dauer kein Herz verschließen. Durch den Zusammenbruch der türkischen Herrschaft war das Palästinaproblem wjeder in die Nähe gerückt und schien greifbare Formen zu nehmen. Dadurch wurde der Zionismus wieder aktuell und löste eine neue starke Bewegung aus, die auch auf die frommen Kreise überging. England erließ durch Balfour die bekannte Deklaration, die den Juden eine Heimstätte in Palästina verspricht. Dadurch war für die Judenheit eine neue Aera gekommen. Schorn glaubten manche naive Juden, daß sich nun die Zeit der prophetischen Verheißung von der Wiedererlösung Isroeb erfülle. Durch diese Ereignisse begünstigt, gelang es den Zionisten, weitere Kreise für ihre Saclw zu begeistern und neue Anhänger zu gewinnen. Ihre Tätigkeit wurde immer ausgedehnter. In diesem kritischen Augenblick erachtete es die Agudas Jisroel als ihre dringendste P/licht, die gesetzestreuen Juden unter ihrem Banner zu versammeln, sie zur ruhigen Ueberleguug aufzufordern und sie vor dem gleisnerischen Glänze des Zionismus, der alles zu blenden und alles in seinen Bann zw ziehen bestrebt ist, zu warnen. Immer mehr erkannte die Orthodoxie im heutigen Zionismus die drohende Gefahr eines unter nationaler Maske verschleiertem Liberalismus. Die Anmaßungen des Zionismus, dieses oder jenes alt hergebrachte Gesetz aus dem Judentum zu verdrängen, grenzen ans Maßlose. Und all dies ereignete sich in Erez Isroel, demLande derThora! Sie begannen zuerst ihre schädliche Tätigkeit mit der Gründung eines freigeistischen Schulwesens in Palästina, trotz der starke» Proteste der Rabbiner führten sie das Frauenwahlrecht ein und verlangten schließlich die jüdischen Ehegesetze durch Verabfolgung von J^Hpl HÖin zu beseitigen und diese dureh Zivilehe zu ersetzen. Dies ist der größte Triumph und die höchste Sensation derjenigen, die sich so gerne .Jüdisch« Befreier» nennen, wohl deshalb, weil sie die Juden von Thora und Mizwos befreien wollen) Die Makkabäer aus der alten jüdischen Heldenzeit haben in ihrem ruhmgekrönten Kampf den verderbenden Geist des Hellenismus vom Judentum verdiängt, haben die Thora zu neuem Leben erweckt und ihr erlöschendes Licht zu hellauflodernder Flamme entfacht, so daß es uns die Leuchte war auf dem langen, schweren Galuthwege, uns durch alle Finsternisse hindurch mit be-