Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 40 (27.10.1922)
- Date
- 1922-10-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 236 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4t und einen jüdischen Nationalismus zu prägen, der den einzigen Ehrgeiz hat, sich innerhalb der Ziegel- und Mörtel-Partei zu betätigen. Doch Gaon Saadjah sagte, das Einzige, was die jüdische Menschheit zusammenfügte, sei nicht der verwitternde Mörtel und nicht der plumpe Stein, sondern die Beziehung zum Allmächtigen, wie wir es heute nennen die Religion. Bedarf es weitere Worte? ... P. K. Zur Frage des Weltkongresses. Wir eröffnen die Diskussion und werden uns bemühen auch dabei möglichst klar, nüchtern und objektiv zu bleiben. Die Idee ist nicht neu; daß sie jetzt wieder aktuell geworden ist liegt in der Tatsache, daß der Zionismus nicht länger mehr mit der Fiktion arbeiten kann, als wäre er die Vertretung des Volkes. Anderseits verlangt das Mandat, daß tatsächlich die Judenheit insgesamt zu der Palästinafrage auch in politischen Beziehungen Stellung nehmen soll; um die Führung nicht aus der Hand zu lassen, wagt also der Zionismus den Versuch, sich die Legitimation der gesamten Judenheit zu erholen. Es heißt natürlich, daß diese Legitimation nur gewünscht wird in bezug auf Palästina. Aber so rasch vergißt die Welt denn doch nicht, daß selbst der schlichteste Mann an diese Beschränkung glaubt, denn wer wüßte nicht, daß man die Palästinaidee zum Vorwurf nahm, um fast in allen Siedelungen der Juden jene nationale Leidenschaft zu entfachen, die mit der bittersten logischen und geschichtlichen Notwendigkeit als Gegenstoß den Judenhaß in niemals noch erlebter und geahnter Heftigkeit entzündete. Und wir klagen hier öffentlich an jene erbärmlichen Führer aus dem Westen, welche die Judenmassen aus dem Osten zur Anmeldung nationaler Forderungen aufpeitschten, um sie dann schutzlos allen jenen Verfolgungen und Erniedrigungen preiszugeben, welche mit der unausbleiblichen starren Konsequenz der Prozentnorm verknüpft sind. Wir klagen in diesen Zusammenhang auch an die vielleicht wohlmeinenden Theoretiker, welche in seltener Verkennung des geschichtlichen Ablaufes das absolute materialistische, nationalistische Wollen als vereinbar mit dem Geiste der Judenheit beweisen zu können glaubten. Es ist nun gar keine Frage, daß diese Weltkonferenz, wenn sie zustande käme, als eine unzweideutigste Manifestation für den Nationalismus angesprochen wird. Gewiß man könnte mit Leichtigkeit irgend eine andere gemeinsame Plattform aufstellen, so zum Beispiel gemeinsame wirtschaftliche Interessen, daß gemeinsame Interessen an dem Wirtschaftlichen aufbaut, aber niemand wird es glauben und das mit Recht. Man mag über die Bedeutung der Emanzipation des jüdischen Individuums, welche sich im 19. Jahrhundert vollzog, denken wie man will, über eines muß man sich aber klar sein, die Weltkonferenz würde den Anfang der Aufhebung derselben bedeuten. Allerdings würde wahrscheinlich die Wirkung sich erst geltend machen nach dem Abflauen und Abebben der nationalistischen Ekstase in der ganzen Welt, dann aber umso furchtbarer in Erscheinung treten. Von jenem groben Irrtum an, mit dem sich entgegen dem Religionsgesetze und bar jeder Spur eines historischen Feingefühls die Juden nicht etwa aus verletztem Rechtsgefühl, sondern aus Mandatshunger und dergleichen Motiven sich auf Seite der nationalen Minderheiten stellen, ist es um so mehr unmöglich geworden, je durch Wahlen zu einer Weltkonferenz die Leidenschaften der ganzen Welt zu entzünden. Neue andere Erwägungen müssen angestellt werden. Selbst wenn die Weltkonferenz ganz ehrlich gemeint war, und nicht nur zur Auffrischung des zurzei etwas notleidenden zionistischen Prestige gedacht ist, und dann erst recht würde man es nicht verhindern können, daß die ganze Palästinafrage noch einmal aufgerollt wird. Man würde es nicht verhindern können, wenigstens die Frage zu stellen, ob diese ganze einseitige Einstellung auf die Wünsche der englischen Politik, die man jetzt zum Teil allerdings bereits bitter bereut, gegen die arabische und türkische Politik ob ferner diese ganz perfid eingeleitete und perfid durchgeführte Entwurzelung der Juden in der Diaspora den Interessen der Judenheit entsprechen. Wohlgemerkt, wir sprechen jetzt noch gar nicht von den Erfordernissen und von den Postulaten des Judentums. Aber gerade im Sinne derjenigen Kreise, die eine Weltkonferenz erstreben, oder aus schwächlichen Erwägungen mit einem lächelnden und einem nassen Auge der Weltkonferenz zustimmen, halten wir es für unsere Pflicht, auch diese Seite der Angelegenheit zur Diskussion zu stellen. Ein zweiter Artikel folgt. Abschloß oder Anschluß?* (Von M. W. Lipschütz, stud. phil., Basel.) Ist auch über Palästina noch nicht das letzte Wort gesprochen worden, so steht doch schon soviel fest, daß der zionistische Traum von einem jüdischen Palästina, das nach den Worten Weizmanns so jüdisch werden sollte, wie England englisch, für lange Zeit ausgeträumt ist. Das englische Weißbuch über Palästina und die letzte Rede Churchills vor der Ratifizierung des Mandats müssen auch den verblendetsten Fanatiker im zionistischen Lager den weiten Weg von der gehegten Hoffnung bis zur rauhen Wirklichkeit erkennen lassen. Nicht ein jüdisches Land ist dem jüdischen Volke zurückgegeben, sondern lediglich das Recht eingeräumt worden, in einer englischen Kolonie mit einer überwiegend arabischen Bevölkerung sich ansässig zu machen. In dieser Kolonie sollen die Juden allerdings nicht bloß „geduldet", sondern von „rechtswegen" zugelassen werden. Es soll damit den Juden die Möglichkeit gegeben sein, ungestört ihrer Religion zu leben, die Eigenart ihrer Geisteskultur zu pflegen, überhaupt die geistige Entwicklung, die in der Diaspora gehemmt ist, erst zu fördern und zu entfalten. Mit anderen Worten das zu schaffen, was nüchterne und vernünftige jüdische Denker, denen die nur allzu eng gezogenen Grenzen wirtschaftlicher Erschlicßungsmöglichkeiten Palästinas stets vor Augen standen und die nur zu gut wußten, daß in materieller Hinsicht Palästina nur einem kleinen Bruchteile des jüdischen Volkes Existenzmöglichkeit bieten kann, stets ausgesprochen haben: die Schaffung eines „jüdischen Kulturzentrums". Eine Idee, die man mit scheinbarem Recht Achad Haam zuschreiben möchte, der sie in einer Reihe von Aufsätzen .behandelt hat, für deren Verbreitung in weite jüdische Kreise jedoch der bekannte jiddische Schriftsteller Hillel Zeitlin sich stark verdient gemacht hat, die aber weit älteren Datums, ja f vielleicht prophetischen Ursprungs ist. Denn haben nicht schon unsere Propheten Zion und Jerusalem ais einstige Hochstätten der G-tteslehre geschaut, als leuchtendes Geiateszentren, die allen Völkern ihre mächtigen Strahlen zusenden werden! Nicht also zum Aufbau eines politischen „National Home" ist dem jüdischen Volke die Möglichkeit gegeben worden, sondern zu einer geistigen und kulturellen Heimstätte. Ungehemmt und unbehindert soll der hohe jüdische Geist sich entfalten und zeigen, welch kühnen Geistesflug er zu nehmen vermag, und was er noch der Menschheit an ewigen Kulturwerten zu bieten hat. Doch hier schon tut sich die große Frage auf, wie nämlich ein solches Geisteszentrum angelegt und aufgebaut werden müsse, wenn ein spezifisch jüdischer Geist zur Entfaltung gelangen soll, und die Geistesprodukte jüdisches Gepräge nicht entbehren sollen? In einer richtig formulierten Frage ist die Antwort gewöhnlich schon im Keime enthalten. Sie muß demnach lauten: Die Institution muß so eingerichtet sein, wie sie dem jüdischen Geiste am adaequatesten ist! Aber was ist dem jüdischen Geiste adaequat? Geben die Geisteserzeugnisse der Diaspora einen Maßstab ab zur Beurteilung jüdischen Geistes? Ist die immense rabbinische Literatur — die einzige Art, in der sich der jüdische Geist in den letzten zweitausend Jahren gegeben hat — ein wahrer Spiegel der jüdischen Seele? Bedeutet diese Literatur wahres Leben und produktives Schaffen des jüdischen Geistes oder bedeutet ihr Sichbewegen im ewigen Kreislauf religiöser Probleme, im einmal vorgeschriebenen Rahmen, den * Zur Diskussion über die Frage Palästina und Orthodoxie waren, blieben hier oder gingen nach Afrika und bleiben vielleicht für alle Zeiten getrennt. Was die religiöse Erziehung in Amerika, Kanada und in Afrika betrifft, so steht es damit gewiß nicht besser als in Wien. Es muß befürchtet werden, daß Hunderte von Kindern auf diese Weise dem Judentum verloren gehen, von Kindern, deren Väter fürs Judentum gestorben sind. Hätten die Eltern den Weg gewählt, auf. den man jetzt ihre unmündigen Kinder zwingt, sie wären noch am Leben und die Kleinen wären keine Waisen. Nun gibt es noch einen dritten Weg der Kinderhilfe : die Ueberführung der Waisen nach Palästina, dem Beikind auf Grund der Ussischkin'schen Vorschläge in Karlsbad sehr das Wort redet. Daß wir im Prinzipe uns für eine Erziehung und Versorgung der Kriegswaisen in Palästina aufs wärmste einsetzen möchten, bedarf wohl$ keiner Erwähnung. Nur sehen wir weder die Möglichkeit einer rationellen Waisenversorgung in Palästina zur Zeit gegeben, noch sind uns im Rahmen der Karlsbader Beschlüsse und der nationalen Verwaltung in Palästina Garantien geboten für eine wahrhaft jüdische Erziehung in unserem Sinne. Gewiß werden sie dort nicht nach Wiener und kanadischem Muster der Assimilation unmittelbar in die Arme geführt, wir geben sogar zu, daß sie dort gut hebräisch lernen werden, aber die Aussichteu einer hebräischen und nationalen Assimilation sind nicht minder unerfreulich. Sollte in Palästina für die jüdischen Waisen des Ostens etwas geschehen, dann müßte es unter Mitwirkung aller Faktoren sein, die absolute Gewähr für jüdisches Judentum bieten. Es gibt ja Ansätze genug dafür in Jerusalem, wir denken etwa an das Diskin'sche Waisenhaus, wo doch dieses Problem in Kleinem in einer Weise gelöst ist, wie sie uns hier im Großen nur sehnlichst erwünscht sein kann. Uebrigens gibt es noch einen vierten Weg, den Beikind nur streift, die Errichtung von gut und jüdisch geleiteten Waisenhäusern an ruhigen Stätten in den Ostländern selbst, wie dies von Seiten des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel in Kaiisch und anderswo geschehen ist. Die bisherigen Unternehmungen der Aguda können nur als erste Versuche betrachtet werden. Sie sind bisher in den Anfängen stecken geblieben infolge der großen deutschen Valuta-Not und der Zersplitterung der amerikanischen Spenden. Hier ist ein Weg zur Hilfe, der in Amerika nicht übersehen werden sollte. Denn es darf in der Tat nicht sein, daß die Kinder erstens ihrem Milieu entrissen, zweitens dem Judentum entfremdet, drittens von ihren Angehörigen getrennt in der Welt als irrende Seelen herumfliegen. Hoffentlich kommt bald die Zeit, da der von der mitteleuropäischen Orthodoxie eingeschlagene Weg entsprechend ausgebaut werden kann. (»Israelit*.) sie trotz geänderter Forderungen des fortschreitenden Zeilgeistes nicht zu sprengen und so zu einer lebendigen »Reformation" der jüdischen Religion zu führen vermochte, nur „Stagnation" und „Erstarrung* jüdischen Geistes? das heißt, kann oder soll an die Vergangenheit angeknüpft oder müssen andere Wßge beschritten werden? Kurz formuliert lautet die Frage: Ist Anschluß an die Vergangenheit oder Abschluß mit der Vergangenheit die Forderung der Stunde? Man sollte meinen, die Forderung nach dem Abschlüsse mit der Vergangenheit sei ein barer Unsinn, da man dann aus der jüdischen Geistesgeschichte einen Zeitraum von zweitausend Jahren als nicht produktiv streichen müßte. Und dennoch ist dieser Unsinn ausgesprochen worden, und zwar von Klatzkin in seinen „Problemen des modernen Judentums*. Für ihn hat das Judentum im Galut nur vegetiert, nicht gelebt, nur von Altem gezehrt, nichts Neues produziert. Den jüdischen Historikern vom Schlage eines Graetz, Klatzkin usw., wie überhaupt nachweißlich allen größeren jüdischen Dichtern und Denkern, ist der jüdische Geist so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie ihm undankbar wurden, weil sie gar nicht mehr wissen, wieviel sie ihm verdanken! Sollte es nach deren Plänen gehen, so müßte unter die Vergangenheit ein dicker Strich gezogen und von neuem begonnen werden. Von diesen „Jung-Juden", für die die Vergangenheit nur da ist, daß sie überwunden und nicht, daß an sie angeknüpft wird, gilt das Wort unserer Weisen: „Das Bauen der Jungen ist ein Einreißen." Die zionistischen Pflanzstätten des Geistes, ihre Schulen in Palästina, in denen jungen jüdischen Seelen, im Alter von kaum 14 Jahren das Gift der Bibelkritik eingeträufelt wird, zeigen eine nur allzu deutliche Tendenz des oben gekennzeichneten Strebens nach einem Bruch mit der jüdischen Vergangenheit. Muß nicht da angesichts eines solchen Treibens die Agudas Jisroel, die Vertreterin des historischen Judentums, das mit berechtigtem Stolz auf seine Vergangenheit zurückblickt und der es sich als würdiges Glied einer ruhmreichen Kette anzuschließen sucht, in scharter Kampfstellung zum Zionismus stehen. Und wie wäre doch ein Zusammenarbeiten des ganzen jüdischen Volkes von nöten, um die Idee eines jüdischen Kulturzentrums zu verwirklichen. Wir historischen Juden sind zwar Erben des alten jüdischen Geistes, aber keineswegs bloße blutleere Schemen und Gespenster unserer Altvorderen, vielmehr Erben, die das ererbte Gut zu erweitern suchen. Auf geistigem Gebiete gibt es keine Wiederkehr, sondern nur Fortschritt. Das Leben ist immer neu, doch immer zugleich neuer, je älter es ist, um so fortschrittlicher, je historischer es ist, um so höher steigend, je höher es sich auf denSchultern der Vergangenheit erhebt. Auf die Alten zurückgehen, heißt fortschreiten, an sie anknüpfen, heißt Führer finden, auf sie sich zurückbesinnen, heißt eine Renaissance des Geistes vorbereiten. Zurück zur Thora heißt zurück zum lebendigen Quell des Lebens. Denn nicht nur eine Norm ist sie uns, sondern auch ein Same, und zwar dann, wenn sie uns „Erlebnis" wird. Erlebnis wird sie uns aber, wenn wir uns bewußt werden, wie tief wir in ihr leben. Ob wir unsere Altvorderen erneuern sollen oder nicht? Ist dies nicht eine müßige Frage? Hängen wir doch mit tausend Fasern an ihrem Geiste, zehren wir doch beständig von ihrem Erbe! Wir schauen mit ihren Augen und sprechen mit ihren Ausdrücken. Und so werden wir ewig in der jüdischen Wissenschaft und Welterkenntnis ihre Schuldner bleiben. Oder glauben die „Neuen" nicht an das Alte anknüpfen zu müssen? Schöpfen doch die „neuhebräischen" Literaten aus dem unversiegbaren Born altjüdischen Geistes, den sie in ihrer Jugend reichlich aufgenommen. Sind doch alle samt und sonders im Beth-Hamidrasch aufgewachsen, ihm aber auch entwachsen. Man denke sich eine jüdische Hochschule, ohne die von unseren Weisen geprägten Termini, eine medizinische Fakultät, die nicht an die Medizin des Talmuds und Maimonides, eine philosophische, die einen Kusari und More Nebuchim unberücksichtigt ließe, eine juristische Fakultät, die nicht den Choschen Hamischpot zum Ausgangspunkt und gar eine theologische, die nicht das ganze Gebiet der rabbinischen Literatur zu ihrer Grundlage erheben würde. Nein, das geht nicht! Der Weg zur Zukunft geht nun einmal über die Vergangenheit, denn nur der Barbar kommt aus dem Nebel, in dem keine Vergangenheit leuchtet. Aber mehr! Der iüdische Geist ist der Erstgeborene der Welt, er hat Europa die Emanzipation von Heidentum und Barbarismus gebracht, ihm eine Erhöhung des Bewußtseins gegeben und damit zu seiner wahren Geburt verholfen. Und Europa gab ihm eine Form, die europäische Form zum jüdischen Inhalt. Und der Inhalt ist geistig. Europa über Palästina siegen lassen, hieße der Form vor dem Inhalt den Vorzug geben. Wollen wir eine jüdische Kultur schaffen, die diesen Namen verdient, so muß der Anschluß an die Vergangenheit gefunden werden, denn Kultur haben, heißt geistiges Kapital haben, heißt Geschichte haben, die das stärkste, bewußteste Band ist, das Jahrtausende zusammenhält, die Grundlage einer jeglichen Kultur und damit unbedingte Voraussetzung und Grundlage eines „jüdischen Kulturzentrums" ist und sein muß. Jüdisch es Volk! In Deine Hand ist es gelegt, auf dem Wege über die historische Vergangenheit der glorreichen, von unserem Propheten verheißenen Zukunft entgegenzuschreiten: dwtö ,hi -im min *an fwa Jüdische Gedanken. x. Der Historiker Johannes Müller nennt das jüdisch« Volk „das Wunder der Weltgeschichte". Auf natürlich« Weise"Wißt sich in der Tat die Erhaltung eines Volke» unter so ungeheuerliehen Verfolgungen nicht erklären. Die grimmigsten Judenfeinde haben sieh seit jeher vor dem Gelde reicher' Juden verbeugt und nur die armen ihren Haß und ihre Geringschätzung fühleu lassen. Und dabei machten sie den Juden stets den Vorwurf, daß bei ihnen nur das — Geld geschätzt werde. Die A 1) f a 11 s u c h t ist gegenwärtig m eine leider unter den Juden stark grassierende Krankheit. Die ,.frommen" Fürsten im Mittelalter und noch viel später hielten es für ein religiöses Verbot Geld gegen Zinsen zu verleihen. Das blieb den Juden überlassen, di» keine andere Erwerbmöglichkeit hatten. Dann aber wurde den reich gewordenen Juden das Geld wieder unter einem beliebigen Vorwand abgenommen. Das erlaubte nämlich den „frommen'1 Fürsten ihr religiöse* Gefühl. Maleachi.