Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 44 (24.11.1922)
- Date
- 1922-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 256 JÜDISCHE PRESSE Nr. 44 wirksam sein konnte. Wenn erst einmal diese Vorfrage der Kenessio Gedaulo in der Breslauer Tagung gelöst sein wird, so hat Agudas Jisroel eine moralische Instanz geschaffen, die ihr neuerlich die Legitimation geben wird, an alle Jereim der Welt heranzutreten, um sie an ihre Pflicht gegenüber dem Klall zu mahnen. Alle diese Probleme schweben in der Luft. In jeder Konferenz werden sie auf die Tagesordnung gebracht, erörtert und in Schwebe belassen. Es ist ja nicht zu leugnen, daß die Natur der Sache es erfordert, hiebei sehr vorsichtig zu Werke zu I gehen. Auch die moralische Rigorosität laßt die Führer von der endgültigen Verwirklichung der Sache immer wieder zurückschrecken. Es könnte vielleicht ein Fehler geschehen, vielleicht wird die Zusammensetzung oder der Verlauf der KenesÄ) Gedaulo nicht allen Erwartungen entsprechen, die daran geknüpft wurden. Wenn ein Privatmann Fehler begeht, so kann das verzeihlich sein, aber man muß sehr behutsam sein, wenn man im Namen von Klall Isroel und im Namen der Thora spricht. Sie warten eine Konstellation ab, welche alle diese Fehler vermeiden läßt. Aber die breiten Agudamassen und besonders die Jugend denkt anders. Sie sind der Ansicht, daß kein menschliches Werk ohne Fehler und Makel ist, und wenn die Kenessio Gedaulo oder der Rabbinische Rat in 5 oder 10 Jahren zusammentreten wird, so werden doch immer noch Fehler unterlaufen müssen. Dagegen wird die praktische Wirkung dieser Institutionen von selbst am besten etwa unterlaufene Fehler ernennen und korrigieren lassen. Man muß nur den Mut haben, einmal den Anfang zu machen. (Tortsefaraoc folgt.) Nach den Wahlen in Polen. Die Wahlen in Polen sowohl in den Sejm wie in den Senat sind zu Ende. Die Schlome Emune Jisroel (Agudas Jisroel) zieht in den Sejm mit fünf, in den Senat mit drei Vertretern ein, Oberrabbiner Aron Lewin, der in Ostgalizien in den Sejm gewählt wurde, nicht mitgerechnet. Er ist wohl Mitglied der Agudas Jisroel, aber da Agudas Jisroel in Ostgalizien sich an den Wahlen offiziell nicht beteiligt hat, wurde er nicht auf Grund des Agudaprogramms gewählt. Diese Nichtbeteiligung der Agudas Jisroel an den Wahlen in Ostgalizien geschah aus prinzipiellen Gründen. Sie hat es nicht für richtig gehalten, mit den anderen Minderheiten und auch nicht mit den Jüdisch-Nationalen einen eigenen Wahlblock zu bilden. Anders war der Beschluß der polnischen Schlome Emune Jisroel. Trotz schwerster Bedenken glaubten die Führer der Partei gezwungen zu sein, an der Bildung des Minderheitsblocks Anteil zu nehmen. Dieser Schritt der polnischen Orthodoxie hat großes Aufsehen, ja vielfach Befremden hervorgerufen sowohl bei den politischen Faktoren Polens, wie auch in den Aguda- Kreisen des Auslandes. Obwohl wir der Ansicht sind, daß die politischen Führer der polnischen Orthodoxie reif genug sind, die Tragweite ihrer Schritte und Handlungen zu beurteilen und die Auswirkung ihrer Entschlüsse und Maßnahmen auf die Orthodoxie der anderen Länder zu ermessen, glauben wir doch, unserer journalistischen Pflicht zu genügen, wenn wir einige Zuschriften, die die Politik der polnischen orthodoxen Führer scharf kritisieren, veröffentlichen: Sehr geehrter Herr Redakteur! i Ich will mich bemühen, Ihnen einige kurze charakterii stische Züge zu geben, die mir eine sehr ablehnende! Haltung gegenüber der Wahlpolitik der polnischen Aguda diktieren. 1. Vor mir liegen die detaillierten Ziffern des Wahlergebnisses und ich finde, daß die Juden mit Hilfe des Minoritätenblocks nicht einmal fünf Mandate gewonnen haben. Fast sämtliche Mandate haben sie im eigentlichen Polen, wo es keine Minoritäten gibt, erhalten. In den Randgebieten, wo die Deutschen, Weißrussen, Ukrainer usw. in Massen leben, haben die Juden nur d i e Zahl Mandate bekommen, die ihnen ohnehin zugefallen wären. Die ostgalizischen Mandate haben sie erhalten infolge der Abstinenz der Ukrainer, wodurch die auf jeden Wahlkreis entfallenden Mandate bloß zwischen der polnischen und der jüdischen Minorität aufgeteilt wurden. Vom jüdischen Gesichtspunkte war daher die Bildung des Minoritätenblocks vollkommen überflüssig. 2. Hingegen haben die Juden mit ihren Stimmen den Deutschen, Weißrussen und Ukrainern zu mannigfachen Erfolgen verholten. In Lodz, wo bei den Wahlen im Jahre 1919 zwei Juden, Rabbiner Halpern und Dr. Rosenblatt, gewählt wurden, ist diesmal das zweite Mandat den Deutschen überlassen worden. In Posen, Pommern, Oberschlesien, Teschen-Bielitz usw., wo es tausende jüdischer Wähler gibt, haben sie kein einziges Mandat erhalten, haben also bloß im Interesse der nichtjüdischen Minoritäten, die im allgemeinen antisemitisch schillern, auf sich den Haß der Polen gelenkt. 3. Denn dieser Haß lodert bereits in der schärfsten Form auf und die Rechtsblätter spielen bereits mit dem Gedanken eines Boykotts. Wer die Folgen des Boykotts im ehemaligen Russiselipolen im Jahre 1912, nach der Wahl Jegiellos, vor Augen hat, der weiß, was das für Tausende und Abertausende Juden zu bedeuten hat. Und mögen Sie mich einen Fanatiker nennen, ich sage: Sämtliche jüdische Mandatare, diejenigen der Aguda eingeschlossen, sind nicht die Knochen eines einzelnen alten Juden, oder die Parnosso eines einzigen jüdischen Kleinkrämers wert! 4. Es droht in Polen eine Koalition zwischen den Nationaldemokraten und der bäuerlichen Witos-Partei, die nicht weniger antisemitisch als die erste ist (im Wiener Parlament war Witos einer der gemeinsten Judenhetzer im Polenklub), obwohl sie sich zur Linken zählt. Eine solche Koalition wird einen Kampf gegen die Juden in Stadt und Land bedeuten, und der wesentlichste Beweggrund für die Bildung einer solchen Koalition ist eben die Tatsache, daß der Minoritätenblock in solcher Stärke in den Sejm einzieht und nach polnischer Auffassung alle „Feinde Polens" umfaßt. 5. Sollte eine solche Koalition nicht Zustandekommen, so müßte eine Mehrheit aus den Linksparteien und dem Minoritätenblock entstehen. Die Juden werden also gezwungen sein, mit der antisemitischen Bauernpartei, mit nicht der weniger antisemitischen Sozialdemokratie (diese ist jetzt vollständig judenrein, da sie die bisherigen Abgeordneten Diamand, Liebermann und Perl an solchen Stellen placierte, daß ihr Durchfall gesichert war), und den Irredentisten der Deutschen, Weißrussen, Ukrainer in einen Topf geworfen und, wie üblich, für alles Unheil verantwortlich gemacht zu werden. Diese Parteien dürften aber, um nicht in den \ erdacht zu geraten, als „Judenschutztruppe" verschrieen zu werden, kaum geneigt sein, die jüdischen Interessen zu schützen. Die Juden würden also bleiben koreach mikaan umikaan" ... 6. Und nun zur Orthodoxie. Statt der zugesagten sechs Mandate hat sie bloß fünf erhalten, wogegen die Zionisten statt sechs Mandate sieben bekommen haben, der Misrachi vier statt der vereinbarten-drei. Die Orthodoxie ist also klar bemogelt worden als Lohn dafür, daß sie den Herren Grünbaum und Konsorten auf den Leim gegangen ist. Die polnischen Blätter verweisen bereits auf diesen Umstand und verhöhnen die Orthodoxie, die in ihren Forderungen der Regierung gegenüber so standhaft ist, aber von den Zionisten jeden Fußtritt feige hinnimmt. Dieser Hohn ist gerechtfertigt, denn unter anständigen Parteien Wirde man der Orthodoxie das versprochene Mandat unter allen Umständen zulassen, selbst vielleicht auf Nimmerwiedersehen, vielleicht gar einem Undankbaren, jedenfalls einem von denen, die uns verachten, hassen, quälen, höhnen — das war hart, und Bela sprach es aus. Sanft, ernst, liebevoll antwortete Mordechai; und seine Ueberzeugungskraft versagte auch hierin nicht. Bela fühlte, daß ihr wahrer, großer Reichtum dieser unsäglich geliebte, großherzige Mann war, neben dem ihr auch ein armes Kämmerchen zu einem Paradies auf Erden würde. Sie sprach es leise aus und in gehobener Stimmung rüsteten die beiden für einen schönen, geweihten Schabbos. * * * Es war in der ersten Pessachnacht des Jahres 1559 der bürgerlichen Zeitrechnung. Der Abendg-ttesdienst war zu Ende und aus den Bethäusern der Prager Judenstadt strömte eine Menschenmenge. Die Baale battim, fast alle gleich gekleidet, trugen seidene Mäntel, kurze Tuchbeinkleider, Schuhe mit silbernen Schnallen und auf dem Kopfe ein breites Barett, alles schwarzfärbig. Nur der Ravv und die Dajonim sowie einige besonders hervorragende Thoragrößen trugen andere, nämlich polnische Kleidung: hohe zylindrige Mütze aus feinem Pelzwerk, langen seidenen Kaftan, bei manchen an der Brust mit Silberstickerei reich verziert. Alles eilte zum Seder nach Hause. Bald waren die Straßen menschenleer. Aus den Fenstern drang der Schimmer festlicher Beleuchtung und Sangesvveisen der hochgestimmten Festteilnehmer. Nicht leicht konnte diese „Nacht vielfältiger Huth8 (lejl schimurim) erhebender, feierlicher, verständnisinniger und gefühlsreicher begangen werden als bei Reb Mordechai Zemach. In blendendem Lichterglanz erstrahlte das große Wohnzimmer. Oben an der Tafel, auf einem durch Polster, Kissen und Seidendecken zu einer Art Thron gewandelten Sessel saß Reb Mordechai, neben sich auf einer Seite Bela und drei Töchter, auf der anderen der Hausbochur und die drei Söhne sowie zwei Orchim. An einem Seitentisch hatten die beiden Dienerinnen und der „Meschores" Platz genommen. Reich war der Schmuck der Sederschüssel und silberne und goldene Becher und Schalen zierten den Tisch in stattlicher Zahl. Lebhaft beteiligten sich alle an dem unerschöpflichen Thema des Abends. Gedankenreich ging Frage und Antwort vor sich; immer neue Erklärungen und Auslegungen der Pessach-Hagada traten, selbst zwischen den Gängen des Nachtmahles, zutage und lange saß man in angeregter Unterhaltung und mit den köstlichen Sedergesängen zusammen. Lange nach Mitternacht unterbrach ein Klopfen an der Haustür die traute Familienfeier. Während das jüngste Töchterchen entschieden äußerte, das könne nur der Prophet Elia sein, fragte einer der Söhne durchs Fenster nach dem Begehr des Klopfenden. Der wünschte sofort Herrn Mordechai Cohen Zemach zu sprechen, um ihm etwas Wichtiges mitzuteilen. Leise wurden diese letzten Worte gesprochen. Erschreckt und geängstigt harrten die Anwesenden, während der Hausherr öffnen und den späten Gast heraufführen ließ. Dieser hatte den Mantel so hoch geschlagen, daß das Gesicht verdeckt war und bat Reb Mordechai um eine Unterredung unter vier Augen. Der Fremde war nach Kleidung und Sprache kein Jude, das merkten alle sofort. In seiner Stimme war ein Zittern. War es verhaltener Grimm, war es Schmerz, wars Rührung? Bebend fragten sichs Bela und die älteren Söhne, während Reb Mordechai dem Ankömmling in ein Nebenzimmer folgte, das er hinter sich abschloß. Sofort warf der Fremde Hut und Mantel ab, umarmte bebend den erstaunten Reb Mordechai und sprach heiße Dankesworte in dessen Ohr. Da wußte Reb Mordechai, daß er denjenigen bei sich hatte, den als jungen Mann er vor Schande und Selbstmord gerettet hatte. „Das Geld — ich sandte es vor einigen Jahren, ihr habt es doch erhalten?" und als der Gefragte bejahend nickte: „Erschien ich euch undankbar, weil ich es nicht selber brachte, um euch zu danken? Ich versichere euch, es war mir nicht möglich; es hat mir weh getan. Doch bei meiner wenn irgend ein Zionist oder Misrachist zurücktreten müßte. 7. Ursprünglich hieß es, es handle sich bloß um eine Aktion für die Wahlen, nachher wird der Block aufgelöst. Jetzt sind aber zionistischerseits Bemühungen im Zuge, den Block für weiter aufrecht zu erhalten, damit Grünbaum der Präsident eines großen Klubs sei. Die Orthodoxie kann sich diesen Bemühungen um so weniger entziehen, als für dieselben ebendieselben Argumente ins Treffen geführt werden, die das Zustandekommen des Wahlblocks, herbeiführten. Wer A sagt, muß B sagen. Ich habe Ihnen das in meinem letzten Brief vorausgesagt. 8. Infolge der gemeinsamen Wahlarbeit ist die orthodoxe Masse für die zionistische Agitation gewonnen worden. Leute, denen man zu Mandate verhalf, können ja schwerlich bekämpft werden. Diese Demoralisation dürfte der Orthodoxie mehr schaden, als die Mandatare nützen könnten. Die Zionisten rühmen sich auch dessen. J. K. * Nach den Sejmwahlen in Polen. Ein klarer Bericht über die Wahlen liegt uns zurzeit noch nicht vor. Aber aus dem Material, das uns vorläufig zur Verfügung steht, läßt sich ersehen, daß unser Mangel an Zutrauen zu dem nationalen Minderhitsblock vollauf begründet war. Laut dem Berichte des J. C. B. sind bisher ."15 jüdische Deputierte zum Sejm gewählt worden, von welchen 5 der Aguda, die anderen 30 dem gegnerischen Lager angehören. / Bei den ursprünglichen Verhandlungen mit der Aguda wegen ihres Beitrittes zum nationalen Minderheitsblock war davon die Rede, daß insgesamt 20 bis 22 jüdische Deputierte gewählt würden, hievon der Aguda sechs Mandate zufallen sollten, das heißt mehr als ein Viertel der Gesamtsumme. Die Tatsachen aber haben ergeben, daß 35 jüdische Mandate geschaffen wurden, von welchen nur fünf, das heißt ein Siebentel auf die Aguda entfallen. Wir hatten von vorneherein die Nachricht von der Gründung des nationalen Minderheitsblockes mit Mißtrauen entgegengenommen. Erstens war es uns klar, daß die Zionistische Organisation, von welcher die Initiative zur Gründung des Minderheitsblockes ausging, die Fäden schon so leiten würde, daß die Aguda benachteiligt würde. Zweitens hegen wir noch starken Zweifel, o b der Schaden, den das System des nationalen Minderheitsblockes für das polnische Judentum anstiften wird, durch den Nutzen, den die erhöhte Anzahl der jüdischen Mandate hervorbringen wird, aufgewogen wird. Die polnische Judenheit hat es sicher noch in ihrem Gedenken bewahrt, wie das Judentum während der Zeit der letzten Pogrome ausgesehen hat. Man muß nicht einmal ein besonderer Kenner der polnischen Verhältnisse sein, um zugeben zu müssen, daß damals, als die Instinkte des Pöbels von unverantwortlichen Hetzern und Demagogen aufgewühlt waren, auch hundert jüdische Mandate und selbst der ganze Sejm nichts gewirkt hätten. Mit großer Mühe und nachdem unzählige Opfer gefallen waren, wurde von auswärts Ruhe geschaffen. Jetzt hat die Proklamierung des nationalen Minderheitsblockes auf die polnischen Massen wie das rote Tuch auf den Stier gewirkt. Die gesamte polnische Presse von ultra-rechts bis ultra-links hat ein großes Kriegsgeschrei erhoben, daß die Gründung des Minderheitsblockes nur zur Bekämpfung des polnischen Staatsgedankens geschehen sei. Es ist leicht verständlich, wie sehr dieser Alarm geeignet ist die Massen aufzureizen und daß die Folgen davon ganz unabsehbar sind. Um die Hintanhaltung dieser Folgen ist niemand so sehr besorgt wie die Aguda. Denn auf wem noch liegt in dem Maße die Sorge für Klall Jisroel, wie auf Agudas Jisroel? Die Pflicht zu dieser Sorge für Klall obliegt vielleicht in größerem Maße jenen Parteien, welche den Klall für ihre Zwecke auszunützen wissen, aber unser heiliges Pflichtgefühl für den Stammesbruder, unsere Anwesenheit in Prag hielt mich der Dienst ununterbrochen in der unmittelbaren Nähe einer hohen Persönlichkeit, und so konnte ich nur einen ergebenen Diener mit der Rückgabe des Geldes betrauen. Doch ich habe wichtiges mitzuteilen. Damit ihr meinen Worten glaubt, laßt mich vorausschicken, daß ich in ungeminderter Dankbarkeit mit ganzer Seele an euch hänge. An jenem verhängnisvollen Tage, der düster für mich begonnen und durch euren Beistand glücklich geendet hat, trat die Prüfungskommission in mein Arbeitszimmer. Sie bestand aus mehr Mitgliedarn als sonst und wurde von einem hochgestellten Beamten geführt, der sich nie um solche Prüfungen gekümmert hatte. Als der Kassebestand ohne Fehlbetrag festgestellt wurde, umarmte mich dieser Chef der Kommission, der mich kurz vorher noch barsch angeredet und durchbohrende Blicke auf mich gerichtet hatte. Jetzt sprach er lebhaft seine Freude darüber aus, daß eine ihm zugegangene Anklage gegen mich offensichtliche Verleumdung sei. Dabei entnahm er seiner Tasche ein Papier, das die Handschrift meines ehemaligen Freundes Albert trug und gab es mir zu lesen. Albert bezichtigte mich der Veruntreuung von Staatsgeldern. Sein Plan war teuflisch angelegt, aber er scheiterte durch euren Großmut und das Ende war, daß ich zu einem höheren Posten berufen wurde, und zwar nach Wien, wohin ich am selben Tage abzureisen hatte. Nicht nur das überquellende Dankgefühl für euch nahm ich mit, sondern auch den Vorsatz, schnell weiter vorwärts zu kommen, um meine Geldschuld an euch so bald wie denkbar zu tilgen. Fleiß und glückliche Zufälligkeiten halfen mir. Ich gelangte in die Nähe des Monarchen, der meinen Vater gekannt hatte und Wohlgefallen an dem Sohne fand, und ich wurde der Geheimsekretär des Königs und nunmehrigen deutschen Kaisers. Ueberallhin begleitete ich ihn, hatte ständig seiner Befehle gewärtig zu sein und sogar des Nachts in einem an des Monarchen Schlafgemach anstoßenden Räume zu schlafen. (Fortsetzung folgt.)