Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 37-38 (6.10.1922)
- Date
- 1922-10-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 38 JÜDISCHE PRESSE Seite 225 DeutscDöstcrreicb. Erez Jisroel. Seit mehr cils hundert Jahren gedenkt jeder gläubige Jude, jede gläubige Jüdin bei jedem Anlasse unserer Brüder in Erez Jisroel, die darben. Die vielfältige Inanspruchnahme durch die allgemeine Not ist schuld, daß die Rabbi Meir Baal Hanes-Büchsen nicht in gleichem Maße mehr bedacht werden, als der Geldentwertung entspricht. Spendet für unsere Talmide Chachonim, Alten, Witwen und Waisen in Erez Jisroel. Kassa bei Herrn Ignatz Klein, II. Schiffamtsgasse 17, allwo auch Sammelbüchsen zu haben sind. In keinem Hause fehle die pin *?sd tkb Büchse! Der Vortrag von Frau Ejldy Goldschmidt fand programmgemäß statt. Der Andrang der Damen war trotz des schlechten Wetters so groß, daß die Räume der Mädchengruppe sich für zu klein erwiesen. Der Vortrag selbst hat alle Erwartungen weit übertroffen. Frau Goldschmidt selbst tief religiös gestimmt, ergriff ihre Zuhörerinnen mit ihren aus dem Herzen dringenden Worten so elementar, daß nach kurzen Augenblicken aus den Neugierigen Andächtige wurden,- die mit tränenfeuchten Augen den ebenso klaren wie originellen Gedanken der Vortragenden folgten. Das orthodoxe Schulwerk im Aufbau. Dank der Energie und Tatkraft der Leitung * funktionieren die neu eröffneten Abteilungen klaglos. Die zwei unteren Klassen der Mädchen volkschule sind in vollem Betrieb. Die erste Klasse der Knabenbürgerschule ist mit 30 Schülern besetzt. Auch werden die Kurse für die zweite und dritte Klasse der Bürgerschule weiter fortgesetzt. Oberkantor Jakob Bauer. Nach mehr als vierzigjähriger Tätigkeit hat Jakob Bauer sein Amt als Oberkantor der türkischen Gemeinde niedergelegt und feiert am Schabbos Berechis in vollster Rüstigkeit seinen siebzigsten Geburtstag. Seine Freunde, und das sind alle, die ihn persönlich kennen, lassen seinen Lebenslauf an ihrem geistigen Auge vorübergehen und rinden einen Mann, der, abgesehen von einer erstrangigen Berufsleistung: herrliche Stimmmittel, vollendete Kunst, ergreifender Vortrag, als Mensch und Jude ein Muster ist. Seine Menschenliebe, seine Hilfsbereitschaft, sein heißes Gefühl für Juden und Judentum haben ihn uns allen lieb und wert gemacht und alle Freunde und Bekannte vereinen sich in dem Wunsche, daß er noch Jahrzehnte gesund und froh und glücklich auf Erden walle, als St<5lz seiner Familie, zum Wohle der Menschheit, zur Freude seiner Familie-- Talmud Thora-Kalender zweite Auflage. Die erste Auflage des mit dem Bildnis des großen Förderers der Talmud Thora Prof. David Kohn s. 1. geschmückten Talmud Thora-Kalenders ist bereits vergriffen. Die zweite Auflage — wesentlich verbessert — erscheint dieser Tage. Bestellungen im Sekretariat der Talmud Thora, II. Malzgasse 16, und durch die Administration, II. Malzgasse 12a. Druckfehler. In der jüngsten Nummer unseres Blattes hat sich ein sinnstörender Druckfehler eingeschlichen. In dem Berichte über den Rosch- Haschonoh in den verschiedenen orthodoxen Bethäusern soll es heißen: Auch hier war die Stimmung eine tschuwohmäßige. Ueberall zum Herzen sprechende Baal-Tfilaus. Polen. Großer Erfolg der Aguda in der Chederfrage. Das Zentralbureau der Agudas Schlaumei-Emunei- Isroel erhielt vom ' Ministerium für' Kultus und Unterricht ein Zirkular zugesandt, das an die Kuratorien der Warschauer, Lodzer, Bialistoker, Polesier, Wolhynier und Wilnaer Schulrayonen gerichtet war und das die genannten Behörden imwies, Ansuchen um Befreiung der Cheder- Schüler vom Schulzwange günstig zu erledigen. Die Cheder-Schule nämlich, wie sie jetzt auf Grund des Schulprogrammes der Aguda reformiert werde, stelle ein den allgemeinen Volksschulen gleichzustellendes Lehrinstitut dar. Im Cheder werden nämlich — so wird im Zirkular ausgeführt — nun auch die profanen Unterrichtsgegenstände berücksichtigt und insbesondere wird die polni- NACHRICHTEN. sehe Sprache in genügendem Maße gepflegt werden, das die Cheder-Schule, die früher lediglich eine Religionsschule war, auch zu einem Bildungsinstitut macht. Dieser jüngste Erfolg der Aguda ist von einer ungeheuren Wichtigkeit für das jüdische Kultur- und Erziehungswesen und nicht genug hoch einzuschätzen. Immerhin ist er ein würdiges Glied der Kette der unzähligen Siege der Aguda im Kampfe für jüdisches Recht und jüdischen Gauben!- Gründungs Versammlung der „Poale -Enninei Jisroel" in. Lodz. Die Organisationsbewegung in den Kreisen der religiösen jüdischen Arbeiter drang auch in Lodz durch und führte zur Gründung des Verbandes der ,,Poale/-Emunev-Jisroel", welche sich vor kurzem unter Enthusiasmus der religiösen jüdischen Arbeiterschaft bei einer Massenversammlung vollzog. Die jüdischen Arbeiter waren der Einladung zur Versammlung mit Begeisterung gefolgt und lauschten den Reden ihrer Führer bis 1 Uhr nachts, um welche Zeit nämlich die für die Lodzer jüdische Arbeiterschaft historische Versammlung unter gehobener Stimmung der Anwesenden geschlossen wurde. Neuwahlen in die Warschauer jüdische Gemeinde. (J. G. B.) Bekanntlich sind die Mitglieder der jüdischen Gemeindeverwaltung in Warschau noch vor dem Kriege auf Grund eines nichtdemokratischen Wahlsystems gewählt worden. Wie nun der J. C. B. Korrespondent erfährt, hat die polnische Regierung Neuwahlen in die Warschauer jüdische Gemeindeverwaltung angeordnet, zu welchen sämtliche in Warschau seit mindestens einem Jahre wohnenden Juden, Steuerzahler und NichtSteuerzahler, das Wahlrecht haben. Die Frage des Frauenwahlrechtes zu den jüdischen Gemeindewahlen ist noch nicht entschieden; die Anhänger der Agudas Jisroel treten sehr energisch gegen die Gewährung des Wahlrechtes an die Frauen auf. Die Geldsammlungen der Agudas Jisroel für die Bußlandhilfe. Bekanntlich wurde in der letzten Zeit in der jüdischen Presse in Polen gegen die Leitung der Agudas Jisroel der Verdacht ausgesprochen, sie habe für die russische Hilfsaktion gesammelte Gelder für andere Zwecke verwendet. Wie nun seitens der jüdischen Gemeinde mitgeteilt wird, hat die eingesetzte Kontrollkommission festgestellt, daß dieser Verdacht hinfällig ist, da die Rechnungen für die Ausgaben mit den diesbezüglichen Einnahmen übereinstimmen. (J.G.B.) Vorläufige Schließung der jüdischen Mittelschulen in Polen. (J. G. B.) Mit Rücksicht auf die überhandnehmende Teuerung, hat der judische Lehrerverein erhöhte Gehaltsforderung für das neue Schuljahr gestellt. Die Inhaber der Schulen erklärten, die Forderungen der Lehrer nicht erfüllen zu können und beschlossen eine Generalaussperrung der Lehrer. Der Unterricht in diesen Schulen ist deshalb auf unbestimmte Zeit unterbrochen worden. Rußland. Die kommunistischen Maßnahmen gegen die Chedarim. (J. C. B.) Die Kampagne der jüdischen Kommunisten gegen die Chedarim wird in allen Teilen Sowjetrußlands fortgesezt. In vielen Orten wurden die Leiterder Chedarim vor ein lokales Revolutionstribunal gestellt. Wegen Nichtausführung des Befehles zur Schließung der Chedarim sind bereits mehrere Lehrer zu Zwangsarbeiten von verschiedener Zeitdauer verurteilt worden. Allein in der Stadt Mosir wurden sieben Lehrer jüdiscler Religionsschulen zu Zwangsarbeit verurteilt. Sie wurden aber später amnestiert und unter Kontrolle gestellt. Eine neue Epidemie in der Ukraine. (J. C. B.) Nach den in Berlin eingegangenen Meldungen breitet sich unter den jüdischen Kindern in der Ukraine eine neue Epidemie aus. Die Kinder leiden an verschiedenen sehr schmerzhaften Hautkrankheiten, deren Natur noch nicht ganz festgestellt werden konnte. Besonders die in Waisenhäusern und Internaten wohnenden Kinder werden von der Epidemie ergriffen. Der Hungertod unter der jüdischen Bevölkerung in Odessa. (T. 0. B.) Nach den bei der Exekutive der jüdi- % sehen Welthilfkonferenz eingetroffenen Nachrichten ihres ukrainischen Vertreters haben in Odessa im Jänner 1922 auf dem zweiten jüdischen Friedhof 500 Begräbnisse stattgefunden, im Februar jedoch schon 2093, im März 2059, im April 2488, im Mai 2525 und im Juni 2273. Ueberdies wurden während der letzten sechs Monate 5G80 unbekannte jüdische Verstorbene, die in einem sogenannten aligemeinen Brudergrab beerdigt wurden. Dagegen finden im dritten jüdischen Friedhofe zwischen 10 und 15 Beerdigungen täglich statt. Diese Ziffern umfassen nicht die an Cholera massenhaft verstorbenen, da sie bis in nie ler/te Zeit zusammen mit den Christen auf dem christlichen Fiiedhofe bestattet wurden. Erst im Juli gelang es, die Ausscheidung der an Cholera verstorbenen Juden und deren separate Beerdigung. Immerhin wird die Zahl der jüdischen Toten im ersten Halbjahre 1922 mit mindestens 20.000 angenommen, was 10 Prozent der jüdischen Bevölkerung Odessas ausmacht. Von diesen 10 Prozent erliegt nahezu die Hälfte dem Funger, wahrend die übrigen verschiedenen Epidemien, irishesonüere dem Flecktyphus zum Opfer fallen. Für die Gleichberechtigungder Jnden in Palästina. (J. C. B.) Das Memorandum des palästinensischen Oberrabbinats an d,en High Cornmissioner betrifft die Rechte der jüdischen religiösen Gerichte in der palästinensischen Verfassung. Das Oberrabbinat erhebt dagegen Protest, daß die diesen jüdischen Gerichten zuerkannten Rechte vielfach geringer sind als die der moslemischen religiösen Gerichte und urgiert beim High Cornmissioner die Notwendigkeit, den Juden in dieser Hinsicht die gleiche Behandlung zuteil werden zu lassen. Der antijüdische Boykott unter den Arabern. (J. G. B.) Wie jetzt bekannt wird, hat der arabische Kongreß in Nablus, der in einer feierlichen Resolution den Boykott der jüdischen Waren proklamiert hat, den Beginn des Boykotts als nationalen Feiertag erklärt und sofortige Schritte empfohlen, um in allen Städten arabische Konsumgenossenschaften zu gründen und auf diese Weise den jüdischen Handel zu stören. Es sollen schwarze Listen derjenigen Personen reröffentlicht werden, die den Boykott durchbrechen. Der Kongreß hat eine zweigliedrige Abordnung zu Emir Abdallah entsandt, um von ihm wegen seiner Haltung in der letzten Zeit Aufklärung zu verlangen. Die du*ch die Abhaltung des arabischen Kongresses in Nablus geschaffene Stimmung macht es den Juden unmöglich sich in Nablus zu zeigen. Drei jüdische Kauf- ' leute, deren Geschäfte sie oft nach Nablus führen, wurden dort letztens mit Steine beworfen und hinausgejagd. Dci einzige jüdische Einwohner in Nablus (Sichuni) Mr. Hillei erhielt Zuschriften von freundlicher arabischer Seite, die Stadt zu verlassen, wenn ihm sein Leben etwas weit ist. Der Eindruck der türkischen Siege in Palästina. (J. C. B.) Der Siegeszug der türkischen Nationalisten in Kleinasien rief in Palästina große Erregung hervor, die in den letzten Tagen sich womöglich noch verstärkt hat. Namentlich in Nablus, wo jüngst der arabische Köngreß stattgefunden hat, haben diese Siege große türkenfreundliche Manifestationen zufolge gehabt. In den Straßen wurden öffentlich türkische Fahnen zur Schau getragen. Die arabische Bevölkerung bekundet volle Sympathie für die türkisch-nationalistischen Bestrebungen. Viele Araber behaupten, daß auch Palästina in Kürze unter türkische Suzerenität zurückkehren wird. Die geographischen Grenzen Palästinas. (J. C. B.) Der Rat des Völkerbundes bestätigte die ihm vom Vertreter Großbritanniens Lord Balfour unterbreitete Entschließung in bezug auf Artikel 25 des Palästina-Mandats, wonach die Bestimmungen für die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes auf Transjordanien keine Anwendung finden. Der Grenzzug wurde bestimmt zwei Meilen im Westen von Ababa oberhalb der Mitte des Waady Araba längst des Toten Meeres und am Jordan-Fluß bis zu jener Stelle, wo sich der Jordan mit dem Yarmuk vereint. Der Kampf um die Klagemauer. (J. C. B.) Bekanntlich ereigneten sich vor der Klagemauer wiederholt Zwischenfälle '/wischen Arabern und Juden, da die Moslems die jüdischen Betenden belästigten und die zum Ausruhen für die betenden jüdischen Greise angebrachten Bänke immer wieder gewaltsam entfernt wurden. Die Regierung bestimmte daher eine Kommission, um diese Angelegenheit zu untersuchen und Mittel und Wege für die Sicherheit der vor der Klagemaucr betenden Juden zu finden. Die Regierung lud von den Juden zwei Vertreter in diese Kommission ein. AVAVAVATATOTATATAVAVirATCTlTATOVWAT* Helfet den Hungernden! VkVAYAVAfAfAVAMATAVATAVAVAWrAVAVAr Die „Subotniki" in der Ukraine wollen nach Palästina. (J. C. B.) „Gazeta Warschawska" meldet, daß in Sowjetrußland eine messianische Sekte, welche die Prinzipien des jüdischen Glaubens mit einem gewissen christlichen Einschlag anerkennt, immer mehr Verbreitung findet. In der letzten Zeit hat eine Gruppe von 1800 Russen und Weißrussen beschlossen, aus Rußland nach Palästina auszuwandern. Die Gruppe wandte sich an die polnische Behörde in Skala am Zbrucz mit der Bitte, ihr die Ueberschreitung der polnischen Grenze zur Weiterwanderung nach Palästina zu erlauben. Die Bitte wurde abgelehnt. Eine zweite Sekte Subotniki (Anhänger der Sabbatruhe), die gleichfalls den jüdischen Glauben angenommen hat. wandte sich ebenfalls an die Behörde in Skala mit der Bitte, 150 russischen Bauern, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind, Grenzpassierscheine zu erteilen. Diese Bauerngruppe gedenkt nach Warsehauu zu kommen, um sich mit den dortigen Poale Zion wegen der Reise nach Palästina zu verständigen. Auch diesem Ansuchen wurde nicht entsprochen. Lettland. Abweisung jüdischer Studierender an der Rigaer Universität. (J. C. B.) In die medizinische Fakültät der lettischen Universität in Riga wurde in diesem Jahre kein einziger der 75 jüdischen Aspiranten aufgenommen. Die wenigen Juden, die Aufnahme fanden, waren bereits Absolventen medizinischer Fakultäten im Ausland, bei denen es sich bloß um die Erlangung des Staatsdiploms gehandelt hat. Die jüdische Zeitung „Das Volk" kommentiert diese Tatsache in dem Sinne, daß die Rigaer Hochschule gegen die jüdischen Studierenden eine Art maskierter Prozentnorm praktiziert. Die Genieindewahlen in Dünaburg. (J. C. B.) Die Wahlen in die Stadtgemeinde von Darinsk ergaben 20 jüdische Stadtverordnete auf eine Gesamtzahl von 58 Stadträten. Von den jüdischen Gewählten sind sieben Zionisten, Agudisten und Unparteische, vier Bundisten, vier Mitglieder anderer sozialistischer Fraktionen, acht Kaufleute, ein Zeire-Zionist und ein Vertreter der Hausherren. chiff Pelzwarenhaus Engros und Erzeugung8 I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :•: Telephon 67-302 Detailverkaufs -Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese.