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Jüdische Presse · 1922-09-29 · 35-36 (29.9.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
35-36 (29.9.1922)
Date
1922-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35/36 JÜDISCHE PRESSE Seite 217 thihe. von der tiefgründigen Gelehrsamkeit und Klugheit, die aus jedem Worte dieses großen Mannes sprachen, aufs tiefste erfaßt. Auf diese Weise wuchs der Kreis seiner Anhänger von Tag 7,u Tag. l*m so schmerzlicher empfindet man es. daß nun auch er Wien verlassen und zu seinem Amte in Brody zurückkehren mußte. Die Brodyer wollten ihr geistiges Oberhaupt nicht mehr an der Spitze ihrer Gemeinde missen. »Selbstverständlich war er während' der letzten Tage seines Wiener Aufenthaltes Gegenstand vielfacher Ovationen. Vereine. Körperschaften, Rabbiner und einzeln»' Personen in Menge erschienen in seiner Wohnung, um ihm zum Abschiede Grüße zu entbieten. An letzten Sabbate des Jahres hielt er im Beth-Hamidraseh der „Schiffschur einen Vortrag von glänzender Geistesschärfe, der den nach hundertfn zählenden Anwesenden lange Zeit im Gedächtnis Ideiben wird. Am Vorabend, zur ..dritten Sabbatmahlzeit", fanden sich zahlreiche Verehrer und Freunde beim Rabbiner ein und erfreuten sich abermals an den geistreichen Thoraworten des Meisters. Nach Ausgang des Sabbat veranstaltete die Agudas Jisroel-Jugendgruppe zu seinem Ehren eine Melawe demalko-Feier. Viele führenden Persönlichkeiten der Aguda waren aus diesem Anlasse in der Jugendgruppe erschienen, und blieben bis nach Mitternacht mit dem Rabbi beisammen. Herr Oberrabbiner Samberg benutzte diesen Anlaß, um im Rahmen einer großangelegten halaehischen Erörterung in rührenden Worten der Gastfreundschaft zu gedenken, die er in Wien genossen hat. und richtete an die Aa-uda-Jugend ergreifende Worte der Ermutigung und der Aneiferung, auf dem Wege weiter zu gehen, den das Agudaideal ihr zeigt. Herr Rabbiner Katz aus Borczow richtete an den Rabbi eine warme Ansprache, worin er den Dank aller Thoratreuen in Wien für all die Lehren zum Ausdruck brachte, die sie von Oberrabbiner Steinberg genossen hatten. Mit Absingen der üblichen Tischlieder und der Versteigerung des Benschen nahm die schöne Feier ihren Abschluß. Am Bahnhofe fanden sich die gesamte Leitung der Agudas Jisroel und viele Freunde ein, um dem Rabbi abermals einen Abschiedsgruß zu widmen. Von der Siebzig-Millionen-Spende, die Herr Kommerzialrat Julius Neumann zur Verteilung gebracht hat, sind für Anstalten, die in ihrer Führung orthodox sind, folgende Beträge gewidmet worden:" Israelitisches Blindeninstitut „Hohe Warte" K 5,000.000; Allgemeines österreichisches israelitisches Taubstiimmenmstitut, III. Juchgasse 22,- K 3,000.000; Verein zur Erhaltung von Horten, XX. Denisgasse 33; „Einheit", II. Malzgasse 12, je K 1,000.000; Knabenwaisenhaus Baden bei Wien, Germergasse 48 (Wien, II. Malzgasse 12a); Talmud Thora, II. Malzgasse 16, je K oOO.OOOi Herr Kommerzienrat Neumann, der das Aguda-Waisenhaus in Baden schon einigemal mit munifizenten Spenden bedacht hat, hat auch diesmal unserer Wohlfahrtsanstalten nicht vergessen. Vortrag von Frau Edith Goldschmidt. Der Mädchengruppe der Agudas Jisroel ist es gelungen, Frau Edith Goldschmidt aus Hamburg, die zur Zeit in Wien weilt, für einen Vortrag, der diesen Schabos Vormittag, präzis 11 Uhr im Lokal der Mädchengruppe, Nestroygasse 11, stattfindet, zu gewinnen. Frau Edith Goldschmidt ist eine der führenden jüdischen Persönlichkeiten Hamburgs. Als Schriftstellerin nimmt sie in Deutschland eine sehr geachtete Stellung ein und als Meisterin des Wortes gehörtsie zu den eloquentesten Rednerinnen Deutschlands. Sie steht auf dem Boden des ■gesetzesthoratreuen Judentums und kämpft für Thora und Tradition mit Wort und Schrift. Der Schulverein „Jesod-Hathora" teilt mit, daß der Unterricht an sämtlichen Abteilungen bereits begonnen hat. Wegen des Buchdruckerstreikes konnten die Einschreibungen nicht rechtzeitig in den Zeitungen mitgeteilt werden, weshalb Schüleranmeldungen noch vom 11. bis 14. Tischri (3. bis 5. Oktober) zwischen 3—5 Uhr nachmittags im Sehulgebäude, II. Malzgasse 10, Zimmer 14, entgegengenommen werden. Der Vorstand bittet alle Gönner und Freunde der Schule während der Feiertage die „Jesod-Hathora" mit Spenden zu bedenken. Eisenstadt. Beim Ausgange des Rosch-Haschonohfestes starb in Eisenstadt nach vollendetem 91. Lebensjahre der langjährige Bürgermeister der jüdischen Gemeinde Unterbergeisenstadt und Kultusobmann Herr Georg Breyer. Einer vornehmen Familie, der. aus Mattersdorf stammenden Breyer, die dort die Brauerei betrieb und dem sie auch den Namen verdankt, entsprossen, betätigte er sich im Vereine mit seiner edelherzigen, verewigten Gattin, Netti geborenen Pollak, für das Wohl der Gemeinde. Mehrere Söhne und Töchter betrauern ihn. Sigmund Breyer, der Bürgermeister der Gemeinde Eisenstadt, verliert in ihm den Onkel und Schwiegervater; die Familien Isidor Schiff in Kreuz, König in Raab den Großvater. Gabriel Engelsmann, Rabbiner in Rechnitz, war sein Onkel. Das Begräbnis fand am 20. d. M. unter großer Beteiligung in Eisenstadt statt. Berichtigung. In dem Spendenausweis für das Badener Waisenhaus in der vorigen Nummer ist die Mattersdorfer-Spende irrtümlich als Sammlung durch Herrn Adolf Steinhof bezeichnet worden. Die große Widmung ist das Ergebnis von Thoraspenden. Ungarn. Tempelweihe und RabbinerinstaUierung in Kunszent- Miklos. Am 12. September wurde Rabbiner Jakob Fischer, Sohn des Rabbiner in Gyönk, ein vorzüglicher Schüler der Preßburger Jeschiwa, in sein Amt eingeführt. Zu diesem Anlaß hat die aut. orth. isr. Kultusgemeinde in Kunszent-Miklos ihre Synagoge, die infolge der Unruhen der letzen Zeit viel gelitten hat, mit großen Opfern wieder hergestellt. Der neu gewählte Rabbiner ist ein vorzüglicher Redner und hat\ mit seiner Antrittsrede alle Zuhörer tief ergriffen. Großzügige Widmung. Die aut. orth. israel. Kultusgemeinde in Budapest hat sämtliche Lokalitäten des gewesenen Schaschewra dem Selbstbildungsverein der orthodoxen Jugend übergeben. Durch diese Widmung gelangt die thoratreue Jugend von Budapest zu einem großartigen Heim, das sicher dazu beitragen wird, die thoratreue Jugendbewegung in Budapest vorwärts zu bringen. Babbinerinstalliertwg. Jänoshaza. Am 26. Elul war die feierliche Installation des neuen Oberrabbiners Josef Rubinstein, der bisher in der orth. Gemeinde zu Kecskemet wirkte. Eine Deputation der Janoshäzer Gemeinde fuhr dem Oberrabbiner bis Györ entgegen und eine Damendeputation empfing die Rabbinerin bei der Bahnstation in Celldömölk. Von hier aus fuhr die ganze Gesellschaft in einer großen Wagenreihe nach Jäuoshäza, der Rabbiner in dem blumengeschmückten Wagen der Stadt. Vor dem Tempel bildete die städtische Polizei und Feuerwehr ein Spalier. Hier wurde der Oberrabbiner vom Gemeindepräses Sändor Spitzer begrüßt. Hierauf bestieg Oberrabbiner Rubinstein die Kanzel. Er dankte zunächst für den begeisterten Empfang und entwickelte sein Programm: Die Gemeinde in strengtraditioneller Weise zu leiten, damit die Mitglieder treu zum orth. Judentum, treu zur Stadt und Staat leben und wirken sollen. Hierauf folgte der Empfang der Deputationen. Es erschienen beim Oberrabbiner die Vertreter der Stadt, der r. kath. und evangelischen Gemeinde und der Feuerwehr. Bei der Rabbinerin die Vertreter des Frauen- und Mädchenvereines. Nach „Mincho" hielt im Tempel B. Fuchs, Oberrabbiner von Großwardein, der anläßlich der Feier herkam, eine inhaltsreiche Rede und installierte den neuen Rabbiner in sein Amt. Dann hielt Oberrabbiner Rubinstein eine gediegene ,"K2?*H m welchen er seiner Vorgänger in der orth. jüd. Gemeinde in Jänoshaza pietätsvoll gedachte und versprach ihre Tätigkeit in ihrem Sinne und Geiste fortzusetzen und bat um tatkräftige Unterstützung des Vorstandes und der Mitglieder. Die HEHl machte einen tiefen Eindruck. Zu Ehren der Gäste gab die Gemeinde am Abend ein Bankett, bei welchem viel rnin 'HS'l gesprochen wurde. Den Anfang machte der Oberrabbiner von Großwardein, B. Fuchs, dann sprachen noch Abraham Grünberger, Rabb. verw. von Celldömölk, Herroan Lövy aus Noveiffiämky, Sändor Singer, Präses und Oberrabbiner Rubinstein. Begüßungstelegramme liefen ein von Adolf Frankl, Präses der Landeskanzlei in Budapest, Orth. Gemeinde Großwardein, Orth. Gemeinde Nove Zämky, S. Klein, Rabbiner Großwardein u. a. m. Es war auch eine Deputation der Kecskemeter orth. Gemeinde erschienen, damit dokumentierend, wie schwer .hnen das Scheiden ihres bisherigen geistigen Oberhauptes -aut. H. L. Belgien. Antwerpen. Direktor S. M. Slagter von der Israelitischen Knabenschule Jesaudei Hattauro hat eine Berufung nach seinem früheren Wirkungskreis Folge geleistet und übernimmt die Leitung der Israelitischen Religionsschule in Rotterdam. Polen. Irreligiosität und Demoralisation. Unter dem Titel „Die Samstag-Frage und die Zwangsschulen" erörtert in der 215. Nummer des Warschauer ,.Jud" Ben-Schmuel das skandalöse Vorgehen der polnischen Beamtenschaft in dieser Frage. — Er erklärt, daß die Art, wie die religiösen Gefühle der jüdischen Kinder seitens der polnischen Volksschul-Lehrerschaft verletzt und mit Füßen getreten werden, unbedingt demoralisierend und auf das psychische Leben des Kindes in schlimmster Weise deprimierend wirken müsse. Das jüdische Kind, das den unüberwindlichen Abscheu und Ekel seiner Eltern vor jeder Art C h i 11 u 1- Schabbos kennt, wird, hat es einmal zwangsweise am Schabbos geschrieben und ihn entweiht, ihm entfremdet und — welche Tragik! — so zwischen zwei Welten hineingez'wängt. Allmählich greift in ihm eine schreckliche Indifferenz gegenüber seinen Eltern Platz, die sich bald in Geringschätzung und Mißachtung wandelt, aus der sich dann der berüchtigte Haß der Renegaten gegen ihre Eltern und deren Welt, die sie nun nicht mehr verstehen und begreifen können, heraus entwickelt. Diesem erschütternden Schicksal sind nun die jüdischen Volksschulkinder in Polen und insbesondere in Galizien preisgegeben. Es erscheint somit das eigenmächtige Vorgehen der polnischen Beamten- und Lehrerschaft, die in willkürlichen Handlungen das religiöse Gefühl der jüdischen Bürger zu verletzen und das ihrer Kinder völlig zu untergraben versucht, als unausdenkbar katastrophal. Ben-Schmuel stellt fest, daß die Zwangsschul-Verordnung, wie sie seitens der zuständigen Behörden gehandhabt, wird, einen Feindseligkeitsakt gegen die breite Bevölkerung der polnishcen Republik, die ja durchaus religiös und die allein von dieser Verordnung betroffen ist, darstellt. Da muß man wohl der Regierung die Frage vorlegen, ob sie geneigt ist und ob es denn wirklich in ihrem Interesse liegt, die Irreligiosität in der Bevölkerung zu verbreiten! — Endlich führt er aus, daß die Regierung, will sie zaristische Bureaukraten-Willkür und -Eigenmächtigkeit vermeiden, dem skandalösen und katastrophalen Vorgehen der polnischen Beamten- und Lehrerschaft, ein Ziel setzen müsse, denn unmöglich können deren Schikane gegen die religiöse jüdische Bevölkerung als dem Geiste der staaltichen Volksbildungsintentionen, dereh Produkt ja auch dieser Volksschulerlaß ist, als diesem bildungsfreundlichen Geiste nun entsprechend aufgefaßt werden. Schließung einer Joint-Abteilung in Baranowitsch. (J. G. B.) Wie der Vertreter des J. C. B. erfährt, hat die Regierung die Schließung des Joint-Bureaus in Baranowitsch anbefohlen. Die Gründe hierfür sind noch unbekannt. Häuserbau des Joint in Ostgalizien. (J. C. B.) Der Joint hat durch seine Wiederaufbausektion den Aufbau von zweitausend Häusern für obdachlose jüdische Familien Ostgaliziens in Angriff geommen. Diese Bauaktion soll mit aller Raschheit durchgeführt werden. Man hofft, daß ein großer Teil noch vor dem Kälteeinbruch fertiggestellt werden wird. Proklamierung der palästinensischen Verfassung. (J. C. B.) In Anwesenheit zahlreicher Gäste, unter denen auch Marschall Allenby und Emir Abdullah bemerkt wurden, fand hier vorigen Montag die feierliche Proklamierung' der palästinensischen Verfassung statt. Die Araber fanden sich nur in sehr geringer Zahl ein, da das Gros der arabischen Bevölkerung dem Aufrufe der palästinensisch-arabischen Exekutive, auch diese Zeremonie zu boykottieren, gefolgt ist. Die meisten arabischen Geschäfte waren zum Zeichen der Trauer und des Protestes geschlossen, ohne daß es jedoch zu irgend welchen Unruhen oder Zwischenfällen gekommen wäre. Die Feierlichkeiten wurden durch eine siebzehnfache Salve eingeleitet, worauf die Neuordnung im Lande namens des Königs von Großbritannien verkündet wurde. Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel leistete, die Hand auf der Bibel haltend, als erster Beamte im neuen Staate den Eid auf den König und auf die Verfassung, daß er das Land unparteiisch ohne Begünstigung einer Rasse oder eines Glaubens regieren werde. Nachher hielt der Oberkommissär eine glänzende Ansprache, in welcher er den Marschall Allenby als den Befreier Palästinas und den Emir Abdullah als den Verbündeten Englands begrüßte. Er drückte die Hoffnung aus, daß nach Verlauf von 25 Jahren, da die englische Mandatarmacht Palästina verlassen werde, sich hier im Lande eine in Wohlstand und Freundschaft lebende Bevölkerung befinden werde und daß die arabische und jüdische Kultur nebeneinander blühen werden. Wie verlautet, wird die Feder, mit der Herbert Samuel seinen Namen unter das Verfassungsdokument setzte, dem jüdischen Nationalmuseum in Jerusalem zum Geschenke gemacht werden. Die Parlamentswahlen in Palästina. (J. C. B.) Die palästinensische Verfassung ist auch hier amtlich sowie in den Zeitungen kund gemacht worden. Die Wahlen zum Legislativen Rat Palästinas werden nach sechs Monaten stattfinden. Bis dahin wird eine Volkszählung vorgenommen werden. Die Registrierung der Wähler wird bereits in den nächsten Tagen beginnen. Bin Bürgerschaftsdekret in Palästina. (J. G. B.) Der High Gommissioner für Palästina, Sir Herbert Samuel, erließ ein Dekret über das Bürgerschaftsrecht in Palästina, demzufolge jedem Einwohner Palästinas auf Grund seines Ansuchens innerhalb der nächsten zwei Monate die vollen Bürgerrechte verliehen werden. Dieses Dekret ist von besonders wichtiger Bedeutung, indem, es die Bürgerschaftsfrage der jüdischen Einwanderer entgültig fixiert und ihnen die Teilnahme an den bevorstehenden Wahlen in den Legislativen Rat ermöglicht. Die palästinensische Verfassung nnd die Araber. (J. C. B.) Wie die „Morning Post" meldet, bereitet die Exekutive des arabischen Kongresses eine Reihe von besonderen Maßnahmen zur Verhinderung des Erwerbes von Boden durch Juden vor. Ueberdies soll demnächst eine arabische Bank eröffnet werden, die den arabischen Landwirten die erforderlichen Kredite erteilen wird, damit sie nicht genötigt sind, von jüdischen Kreditinstitutionen Geld zu borgen. In keinem Hause fehle die q»fra-m» Büchse! Schiff' Felzwarenhaus Engros und Erzeugung i I., Bauernmarkt 24 (Ecke F/elschmarkt) :-: Telephon 67-302 Detail Verkaufs -Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese.

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