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Jüdische Presse · 1922-11-10 · 42 (10.11.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
42 (10.11.1922)
Date
1922-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 246 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4f Weizmann noch im Sommer freibleibend solch gewaltiges Kapital verlangt hat. Der Anfang Tehet zusammentretende Zentralrat hat über diese Frage endgültig zu entscheiden. Die politische Situation ist jetzt ziemlich klar und es ist zu hoffen, daß die Leitung der Agudas Jisroel für eine selbständige Erez Jisroel-Arbeit sich entschließen wird, ohne sich mit anderen Faktoren — auch mit der englischen Regierung nicht — zu binden. Sie hat sich zwei Tatsachen vor Augen zu halten. Erstens die Bedürfnisse des alten Jischubs, dessen Erhaltung, gesunde wirtschaftliche Förderung und Auabau Ziel und Aufgabe der Orthodoxie ist. Zweitens die Bedürfnisse breiter Schichten der ag-adistischen Orthodoxie, sich am Aufbau Eres Jisroel zu beteiligen. Wir glauben, daß die Irrungen der letzten drei Jahre klar zeigen, wie unnütz und unrichtig es ist, ewige Ideale an Augenblickserfolgen zu messen. Es ist immer das Richtigste den inneren wahren Triebfedern zu folgen und das ist die selbständige Aufbauarbeit in Erez Jisroel in organischem Zusammenhang mit dem alten Jischub. Kommt man zu diesem Beschlüsse, so erledigt sich auch die sonst überaus komplizierte und wichtige Frage des jüdischen Weltkongresses für Palästina. Es wird jetzt eifrig diskutiert über die Kongreßfrage. Es wird erwogen, ob er der zionistischen Partei nützt oder schadet. Der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Oberrabbiner Dr. Ghajes, meint nach einem im Ghilulschabos- Nummer der „W. M.-Z." veröffentlichten Interview, daß die Zionisten vom Weltkongreß nichts zu fürchten haben. Er weist auf den jüdischen Kongreß in Amerika hin. Trotz der weitgebenden Demokratie und der Teilnahme der Bevölkerung in Amerika, von den Assimilanten bis zu den Sozialisten, an den Wahlen, haben die Zionisten doch den Kern des Kongresses gebildet und die Leitung innegehabt. Also bedeutet der Kongreß keine Gefahr für die Z. 0. Und was soll die Aufgabe des Kongresses sein: die Bildung der Jewish Agency. Nun meint Oberrabbiner Chajes: Gefährlich könnte die Sache werden, wenn kulturelle und Erziehungsfragen in einer der unseren diametral entgegengesetzten Weise von der gemischten J. A., in der — angenommen, aber nicht zugegeben — die Nichtzionisten die Majorität haben würden, entschieden würden. Hiemit verhält es sich aber so, daß es heute keine ernste Gruppe im jüdischen Volke ist, die auf dem Kongresse gegen eine hebräische Kultur in Palästina auftreten würde. Und dies genügt. Schließlich erscheint der Kongreß nach Meinung des Herrn Oberrabbiners als der richtige Weg, um jene jüdischen Massen, welche sich mit dem Zionismus bisher noch nicht beschäftigt haben, für die zionistische Sache zu gewinnen. Selbstverständlich sprechen all diese Gründe gegen die Beteiligung der Agudas Jisroel an dem geplanten Kongresse, der nach dem amerikanischen Beispiel einen zionistischen Kern und eine zionistische Leitung haben soll, der der richtige Weg ist, die jüdischen Massen für die zionistische Sache zu gewinnen und der durch die Jewish Agency kulturelle und Erziehungsfragen lösen soll. Für Oberrabbiner Chajes genügt schon, wenn er die Sicherheit, hat, daß der Kongreß nicht gegen die hebräische Kultur sein wird. Nachdem aber für die Orthodoxie nicht so sehr die hebräische Kultur von heute als die jüdische Kultur der Thora und Tradition von vier Jahrtausenden von entscheidender Wichtigkeit ist, so hat sie von diesem Kongresse nichts zu erwarten als das Aufleben der zionistischen Politik, die trotz der großen Erfolge bankerott, in einer neuen Form zu Herrschaft gelangen will. P. (Fortsetzung folgt.) Freundliche Zeichen. Es berührt geradezu wohltuend, wenn man in diesen schweren Zeiten auch einmal registrieren darf, was freundliche Aussichten eröffnet. Vor nunmehr fast 150 Jahren begann, das läßt sich nicht leugnen, der sogenannte jüdische Liberalismus seinen wilden Eroberungszug, allerdings unter falscher Maske, denn es gibt in der ganzen Geschichte nichts so Intolerantes, nicht so Illiberales wie die Neologie. Tatsächlich müßte man diese ganze Richtung als den ausgesprochenen Individualismus bezeichnen, das heißt als das Bestreben, jede Bindung des persönlichen Wollens, des persönlichen Tuns und des persönlichen Denkens aus der Religion zu entfernen und die ganze Weltanschauung der Gutmeinung des Einzelnen zu überlassen, mit dem Anspruch, — hier ist die Quelle der Unlogik und der Intoleranz — diese einzelnen Meinungen als Norm für dit Gesamtheit aufzuzwingen. Daß bei den allermeisten die Meinung nicht etwa einer Ueberzeugung ihren Ursprung verdankt, sondern nur aus der sehr trüben Quelle der Feigheit, der Schwäche und der persönlichen Bequemlichkeit floß, braucht heute nicht mehr bewiesen zu werden. Alle Versuche ernster Menschen den Liberalismus etwa überzeugungsgemäß zu begründen und ihm einen logischen Inhalt zu geben, sind gescheitert. Hingegen fängt man endlich an, einen Ueberblick über die entsetzliche Verwüstung zu erhalten, welche diese schrankenlose Anbetung des eigenen Ich angerichtet hat. Man ist natürlich noch nicht so weit, daß man in jenen Kreisen sich zu der Erkenntnis durchgerungen hat, daß nur die in der Orthodoxie anerkannte Bindung des gesamten Lebens des Einzelnen sowohl, wie auch der Gesamtheit das Judentum erhält und das einzelne jüdische Individuum vor sittlicher und sozialer Entartung bewahrt. Aber, daß eine ist schon gewiß, daß man die Abwesenheit jeglichen Liberalismus bei der Neologie und Reform ahnt. Das kann eine Umkehr bedeuten. Einige Zeichen dessen sind zu verspüren; in Frankreich, also in dem Lande, in welchem die Religionslosigkeit am meisten vorgeschritten war, in welchem selbst die Betätigung der Pflichten der Menschenliebe sich geschickt maskiert in den Dienst der allgemeinen Politik gestellt hat (genau so wie der Zionismus und die nationale Richtung), in diesem Lande versucht man jetzt unter dem vielversprechenden Namen Schema Jisrael unter Führung des Oberrabbiners von Frankreich Isidor Levy dem Leben der Juden einen neuen, der Religion zugewandten Inhalt zu geben. In einem anderen Lande des Westens, in dem bisher zwar äußerlich synagogengemäß ausgeprägte Betätigung der Religion vorhanden war, in dem man aber gerade für die obenerwähnten Bindungen sehr wenig Verständnis zeigt und den Individualismus zur höchsten Blüte gelangen läßt, also in England, allwo man das frevelhafte Spiel mit der Gleichberechtigung aller Richtungen bis ins Unendliche sich austoben ließ, beginnt man gleichfalls den bedenklichen Charakter der bisherigen Methode einzusehen, allerdings vorläufig noch in sehr schwachem Umfange. Eine Aeußerung des Chief Rabbis in England mag dies beweisen. „Ich bin nicht erschreckt über offene Feinde, über offene „Liberale"; wenn ein Liberaler kommt und sagt, ich glaube nicht an die Thora, ich glaube an die Evangelien. Wenn aber derselbe Mann sich einhüllt in ein Tallis der Orthodoxie und sagt, ich bin wirklich traditionstreu, ich bin wirklich nicht so schlimm, komm zu mir, wenn sich die Heuchelei organisiert, dann wird es gefährlich. Das bedarf einflußreiche Gegenwirkung." Wir warten voll atemloser Spannung, wie diese Gegenwirkung gedacht und wie sie sich auswirken wird. Unsere Leser hätten ein Recht darauf, zu erfahren, wie es denn nun eigentlich mit dieser Frage in Wien bestellt ist; darüber dürften wir eigentlich unter der Ueberschrift, die wir dieser Darstellung gegeben haben, nichts berichten, denn von einem freundlichen Zeichen kann wahrlich hier nicht die Rede sein. Die Aufgabe der Kultusgemeinde, fördernd auf das religiöse Leben einzuwirken, wird hier noch immer vollkommen verkannt. Der Religionsunterricht liegt im Argen und gestützt auf die vom Staate geliehenen Krücken führt man so allmählich die zweitgrößte Kultusgemeinde der Welt hinüber in das Gebilde einer religionslosen, nationalen Gemeinschaft. Wenn aber ein Herr sich entschließt, dieses Bild klar zu zeichnen, dann kommt das Organ der Nationalisten und zetert über den Vorstoß der Trennungsorthodoxie. So sieht es in Wien aus. S. N. Asien und Europa. Man liest wieder einmal so viel von dem Bestreben Asiens, sich von Europa zu emanzipieren. Man hat schon einmal so gesprochen, als das japanische Inselreich sich auf seine Selbständigkeit besann. Man vergißt nur ebenso heute wie damals, daß es' lediglich die unaufhörlich intriguierende Politik der insgeheim sich grimmig befehdenden europäischen Großmächte ist, welche Asien in den Dienst ihrer Interessen stellt. Daß natürlich Arier und Neger, nachdem sie aktive Zeugen der europäischen Niedertracht geworden sind, das Bestreben haben, NACHRICHTEN. sich von der Vorherrschaft solcher Kulturlüge zu befreien, ist eine notwendige Erscheinung. Nun liegt auch Palästina in Asien. Politiker mit Jonglenrkünsten, die früher die Araber gewissenlos bis aufsjBlut gereizt haben und diese Kunststücke vom sicheren Port aus mit jüdischem Blut bezahlen ließen, Politiker, die in verbrecherischer Verblendung die Juden auf Gedeih und Verderb in den Dünkel europäischen Größenwahnsinns einzufügen versuchten, dieselben Politiker biedern sich jetzt an die Araber an. Aber man möge doch nicht glauben, daß eine solche Wendung über Nacht von irgend einem Erfolg begleitet sein kann, wenn man nicht wirklich einmal sich klarmacht, was denn nun eigentlich die grundlegenden Unterschiede zwischen Asien und Europa sind. Dann erst dürfte man fordern, so, wie es jene „Politiker* tun, daß auch die Judenheit sich wieder asiatisch orientiert, fordern oder — ablehnen. Man könnte, ohne ernsten Widerspruch befürchten zu müssen, behaupten, der Asiate lebt nach innen, der Europäer legt größeren Wert auf die Projektion nach außen. Es ist kein Zufall, daß fast alle Religionen mit ihren Wurzeln auf ' Asien weisen. Dort hat man die Fähigkeit, unbeirrt durch äußere Vorgänge, in seltener Bedürfnislosigkeit einen Gedanken in seinen letzten Konseqnenzen durchzudenken. Dort schafft man innere Werte, die man nicht für äußere Vorteile eintauscht. Dort und nur dort verstand man es, unter Kelten sich die innere Freiheit zu wahren. Auch die größten asiatischen Staatsgebilde hüteten sich wohl, in das Innenleben ihrer Bürger, ihrer Untertanen, ihrer Sklaven sogar, solche gewaltsame Eingriffe zu machen, wie es bei uns in Europa gang und gäbe ist. Oder meint man etwa, um ein nabeliegendes Beispiel zu wählen, im Lande des Confucius wäre es möglich, daß von Staats wegen Kindern ein Religionsunterricht aufgezwungen wird, der so, wie beispielsweise in den „Kulturzentren" Europas, die Religion höhnt? Nein, das geruhsame Leben ist letztes Ziel der Asiaten, ihm zu Liebe hat er staatliche Minderwertigkeit jahrhunderte lang auf sich genommen, ihm zu Liebe sträubt er sich gegen manchen technischen Fortschritt, ihm zu Liebe — ein seltsamer Wunsch — die blutigsten Kriege geführt. Asien ist die Heimstätte der Welt des Martyriums. Daß dieses Bild Asiens seit der Einmischung Europas fratzenhaft verzerrt ist, bedarf nicht des Beweises. Und das wirkliche Bestreben der oberwähnten Politiker ist ja tatsächlich die Europäisierung Asiens, im engeren Sinne Palästinas. Aenßere Werte will man schaffen, Macht und Handelsemporien, und weil gerade asiatische Mächte den Sieg an ihre Fahnen geheftet haben, kleidet man diese rein äußere Ziele in asiatisches Gewand. Da könnte man eine bittere Enttäuschung erleben. Merkt der „Asiate", welches Ziel die neueste Phase der Anbiederung verfolgt, dann werden *)Hn die Zeiten Timurs und Attilas wiederkehren; denn auch das gehört zu seinem Wesen, daß er in Verfolgung seiner Ziele rücksichtslos ist und leider hat er in den jüngsten Jahrhunderten von seinen europäischen Nachbarn entsetzlich viel gelernt. Wie wäre es aber, wenn die Judenheit mit dem Asiatismus im besten Sinne des Wortes wirklich ernst machen würde? Wenn die noch nie ganz gestillte Sehnsucht nach dem Ewigen, nach dem Ueberirdischen sich in einer Form Bahn brechen würde, die alle unzulänglichen Versuche vergangener Tage in den Schatten stellen müßte, und das mit einem für die Welt höchst bedeutsamen Erfolge. Was hat diese Sehnsucht schon für Blüten erzeugt! Teils waren es taube Blüten, wie der weltverneinende Asiatismus, die weltfremde absolute Entsagung, der weltverneinende Pessimismus. All diese Erscheinungen weisen auf Asien und sind verzerrte Aeußerungen jener Sehn sueht. Uns aber wäre es gegeben und geboten, mit der kraftvollen und zielbewußten Erfassung der Lebensaufgabe seitens des Europäers die allerzarteste und allerfeinste Seelenkultur der Asiaten zu verbinden, in das tolle Leben der armen Menschen die Spuren der Unsterblichkeit, in das Träumen der heißen Sonnenländer das Leben zu tragen. Nur wir Juden sind zu Meistern berufen an der Brücke, welche Asien und Europa verbindet. Aber nur als Juden, als Diener des Allmächtigen, als Träger seines Wortes. Alles andere vergeht wie Spreu. Wii haben es erlebt. Wenn wir nur wollten — —. P. K. Dcutscbösierreicb. Scheni-wechamischi-scheni. Nach Sukkos und Pessach werden an einander folgendem Montag, Donnerstng und Montag Fasttage gehalten. In manchen Gegenden schon Parschas Lech-lecho, in unseren Gemeinden erst Parschas Wajero. Am Sabbat vorher wird ein Mi-sche-berach für die Fastenden gemacht (Scheni Benschen). Wer Amen nachsagt, muß fasten. Pri Megodim fügt hinzu, nur in dem Falle, wenn er das Amen als Gelübde verstanden hat, wenn er es aber gleich mit dem Vorsatze, nicht zu fasten, gesagt hat, ist er nicht verpflichtet- Es ist daher unrichtig, wenn man meint, sich des Amens ent halten zu müssen, man soll vielmehr jedenfalls Amen sagen. Die Ursache des Fasttages ist. daß an den Jomimtowim im Wohlleben manches Vergehen geschehen sein konnte. Oder auch, da die Fraurn in Küche und Haus leicht gegen die Vorschrift verstoßen, daher fasten in manchen Gegenden vornehmlich die Frauen. Der Bal-Bris, Mohel und Gevatter dürfen bei der Sude essen, selbst wenn sie den Taanis auf sich genommen haben. Auch jeder andere, der den Taanis nicht auf sich genommen hat und doch aus Minhag fastet, darf und soll sogar bei einer Sudas Mizwo mitessen. In manchen Gemeinden wird, Wenn an diesem Sabbat ein Bris oder Hochzeitsvortrag ist, erst bei Mincha Scheni gebenscht. Beim Morgengebet werden an den drei Tagen in vielen Gemeinden Selichos eingeschaltet, nebst anderen Selichos wird am ersten Montag der Pismon: malache rachmim, am Donnerstag: Jisroel noscha und am zweiten Montag: Schiosch essre Midos gesagt. Für jedermann seien diese Tage aber Gelegenheit zur erhöhten Wohltätigkeit. Oeffentliche Plenarsitzungdes Vorstandes der israelitischen Kultusgemeine Wien. In der Sitzung des Kultusvorstandes vom 31. Oktober hat Kultusvorsteher Pappenheim nachstehende Erklärung abgegeben: Zu der beantragten enormen Erhöhung der Kultussteuer habe ich zu bemerken: Es ist schon vor Jahren von einer großen Anzahl bedeutendster Rahbiner (darunter der verstorbene Großrabbiner von Frankreich) entschieden worden, daß Juden, die der strengen Observanc huldigen (Orthodoxe) der Wiener Kultusgemeinde keine Kultussteuer zahlen dürften, weil deren sämtliche Funktionäre und Institutionen für orthodoxe Juden nicht in Betracht kommen können, als nicht dem Religionskodex entsprechend. Wir haben dieser Entscheidung seinerzeit Folge gegeben, in dem wir nur zwangsweise d. h. dem Exekutor Zahlung leisteten. Nachdem wir die Erhaltung der Kultusgemeinde für die Nichtorthodoxen — wir wollen heraus — für wichtig halten, und ihren Zusammenbruch verhüten wollen, müssen wir die Erhöhung der Kultussteuer bewilligen. Außer den erwähnten religiösen Bedenken haben wir noch einen triftigen Grund für den anzustrebenden Austritt aus der 'Gemeinde; Die Art wie wir behandelt werden. Wie erwähnt, bietet uns die Kultusgemeinde nichts. Eine Einrichtung existiert, die Mikwah, die nur die Orthodoxie braucht, die wir bauen wollten und nur dem Bitten und Drängen des seligen Oberrabbiners und des hier als Zeuge sitzenden Herrn Vizepräsidenten Rat Kauders nachgebend auf den Bau verzichteten um das Prestige der Gemeinde zu wahren. Dieser Bau existiert seit 15 Jahren und da es nur für die Orthodoxie bestimmt wurde dort gar nichts in Stand gehalten, so daß sich dieses Institut in einem Zustande befindet, der dem letzten Dorfe nicht zur Zierde gereichen würde. Durch Jahre habe ich die größten Anstrengungen gemacht, die Mikwah unter die Verwaltung der interessierten Kreise zu bringen, die die Adaptierungen auf eigene Kosten vornehmen und das Defizit decken wollte. Ich wollte, um die Gegnerschaften zu vermeiden, die Namen Schiffschul, Aguda, nicht genannt haben, da es mir um die Sache zu tun war und wurde drängender, da wurde im Oktober 1921 ein Kosten Voranschlag gemacht auf einen Betrag von 1,800.000. Endlich Ende August 19 2 2 erhielten wir die Erlaubnis, die Reparaturen zu machen und das Defizit zu decken. Die Reparaturen betragen jetzt Dutzende Millionen, die wir aufbringen müssen, weil eine j üdische Gemeinschaft ohne Mikwah nicht denkbar ist, Ich veranschlage unsere Beiträge für die Institutionen der Orthodoxie in so ungeheure Beträge, daß wir selbe zum Ausbau unserer Institutionen nicht entbehren können, entbehren für ein Gemeinwesen, daß uns gar nichts bieten kann und will. Der Kampf um den jüdischen Weltkongreß in Wien. (J. C. B.) Hier wird erwartet, daß der kommende zionistische Parteitag in Oesterreich im Zeichen einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den Anhängern und den Gegnern des jüdischen Weltkongresses stehen wird. Während die Mehrheit des zionistischen Landeskomitees, mit Ing. Stricker an der Spitze, gegen den Kongreß ist, versucht der Präsident des Aktionskomitees Oberrabbiner Dr. Ghajes die zionistische Partei in Oesterreich mit allen Mitteln für den Kongreßgedanken zu gewinnen. In einem dem „Neuen Wiener Journal" gegebenen Interview sowie in mehreren Versammlungen in österreichischen Provinzstädten nahm Prof. Chajes den Kampf für den Kongreßgedanken öffentlich auf; er gedenkt, auf dem vom 24. bis 27. November in, Wien tagenden Parteitag der österreichischen Zionisten mit einem konkreten Antrag zugunsten des jüdischen Weltkongresses hervorzutreten. Mitteilungen der Aguda-Jugendgruppe Wien. Melawo Malko. Mozze Schabboth P. Wajero 7 Uhr abends Melawo Malko. Schiurim. Wir bringen den p. t. Mitgliedern hiemit zur Kenntnis, daß es dem Unterrichtsausschuß gelungen ist, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Pinkas Kohn zu einem jeden Sonntag und Dienstag stattfindenden Mischnajoth-Schiur zu gewinnen. Im übrigen verweisen wir auf den in der heutigen Nummer veröffentlichten Winterlehrplan. Fresse- und Propagandaausschuß. Dienstag, den 7. November (16. Marcheschwan), fand hier die Hochzeit unseres verdienstvollen Sektionsleiters, des Herrn Schabse Schönfeld mit Fräulein Manja Ochsenhändler statt. Es ist uns eine angenehme Pflicht, Herrn Schabse Schönfeld aus diesem Anlasse unsere besten Wünsche auf seinem ferneren Lebenswege mitzugeben und ihn zu bitten, wenn auch der Form nach außerhalb unseres Kreises, auch ferner stets mit uns zu arbeiten. Mit dem Danke für seine bisherige selbstlose and erfolgreiche Tätigkeit bleibt die Hoffnung verknüpft, daß er gemeinsam mit uns zu neuen Taten schreiten wird im Interesse unserer heiligen Ziele. Talmud-Thora-Kalender, II. Auflage. Auch die zweite Auflage des heurigen Talmud-Thora-Luachs ist gänzlich ausverkauft. Der rasehe Absatz des Kalenders ist ebenfalls ein erfreuliches Zeichen des wachsenden Interesses für das orthodoxe Schulwerk in Wien. Das allenthalb mit warmer Sympathie aufgenommene Titelbild des Kalenders, das ein Porträt vom akademischen Maler David Kohn s. A. darstellt, ist die Arbeit eines seines Lieblingsschülers Schaul Tischlers.

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