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Jüdische Presse · 1922-11-10 · 42 (10.11.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
42 (10.11.1922)
Date
1922-11-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. JUDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, n., MalHgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Irscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich E 48.000, Ungarn K 1000, Tschechoslowakei K6. 70«-, Deutschland Mk. 1000--, Schweiz Frcs. 10'-, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 5000*—. Einzelnummer d.-ö. K 1000, E6.1*50. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkasaenamt Wien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkasaenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 80.170; ffir Tschechoslowakei: Postsparkasaenamt Prag, Konto Nr. 68.386; für Jugoslawien! Postsparkasaenamt Agram, Konto Nr. 40.217; für Rumänien: Banca Karmarosoh Blano * Co. für Josef Florena A Co., Bukarest. Mr. 42 | Wien-Brati« slava, f 0. November 1922 ♦ra-in fron to< maoomB - nm ,Tpa | 8. Jahrg. Zur Frage der Weltkonferenz.* in. Daß schon die vorbereitenden Ereignisse uns so bald und so rasch ins Recht setzen würden, das haben wir wirklich selbst nicht befürchtet. Aber es ist um so besser, je schneller man auf der anderen Seite die Maske fallen läßt und es so auch den Kurzsichtigsten klar erkennen läßt, daß die ganze Komödie der Weltkonferenz vom Anfang an als nichts anderes gedacht war, denn als ein Versuch, dem Zionismus oder besser gesagt, der zionistischen Organisation neue Kräfte zuzuführen, neuen Nimbus zu ergattern, die usurpierte Volksvertretung mit einem Schein der Berechtigung zu umkleiden. Man fühlt sich sehr sicher, denn nur so kann man es verstehen, daß der bisherige jüdische Minister in Litauen, nachdem dort das Terrain so ziemlich abgegrast und die alte Festigkeit des religiösen Wollens genügend erschüttert ist, um einen freien Tummelplatz für alle möglichen Konzeptionen des Judentums zu gewähren, nachdem dort glücklich durch das frevelhafte Spiel der inhaltslosen, reinpolitischen Nationalisierung die Judenheit am Vorabend allerschwerster Existenzkämpfe steht, nun endlich seinen Wohnsitz nach London verlegt, um dort die Vorbereitungsarbeiten für die Weltkonferenz zu übernehmen. Da sind nun zunächst allen zionistischen Organisationen Fragebogen übermittelt worden, damit sie ihre Ansichten über den Wahlmodus und auch über den Wert der Konferenz mitteilen. Gut, daß man dies weiß. Denn, wenn es wirklich darum zu tun gewesen wäre, die gesamte Judenheit objektiv zu einer Stellungnahme zur Palästina-Frage zu veranlassen, so hätte man doch zumindestens, nachdem einmal der Karlsbader Beschluß-,,ge£ajßi-, war, die übrigen Spitzenorganisationen fragen Vergleiche Nr. 40 und 41. müssen und wir glauben, wenn wenigstens der Schein der Objektivität gewahrt worden wäre, so hätte das ganze Projekt bedeutend größere Aussichten auf Erfolg gehabt. Aber man fühlt sich bereits so sicher, daß man auf diesen Luxus verzichten zu können glaubt. Die Methode ist sehr durchsichtig; wenn man in den vorbereitenden Arbeiten die Gewißheit geschaffen hat, daß der rein zionistische Charakter der Konferenz gewahrt bleibt, dann kann man es schon riskieren, die nichtzionistischen Organisationen in das Schlepptau zu nehmen. Es ist dieselbe Methode, die man sicher nicht ohne Erfolg bei der sogenannten, innerlich vollkommenen unwahren Neutralisierung des Keren Hajessod angewendet hat. Nachdem man die englandfreundliche Stimmung der führenden Kreise Deutschlands dazu benützt hat, um etliche Größen Deutschlands für den Keren Hajessod einzufangen und ihnen dabei sogar gnädiglich gestattet hat sich antizionistisch zu gebärden, hat man jetzt einen neuen Sieg zu verzeichnen. Es ist dem Nichtjuden Colonel Wedgwood, der ein strammer Anhänger des extremsten englischen Imperialismus ist, auch gelungen, die Reformrabbiner für den Keren Hajessod zu gewinnen; das kann uns weiter nicht verwundern. Nun haben die Herrschaften endlich einander gefunden, nachdem ihre Ziele schon längst die gleichen waren, die Religion aus dem Judentum auszuschalten. Dann ist es ganz einerlei, ob man, wie es die Keform ursprünglich wollte, die jüdische Einzelnpersönlichkeit, einem, wie man hoffte, durch die Aufklärungszeit seines wesentlichsten religiösen Inhaltes entkleideten Christentum! zu .assimilieren ver w-hmmr-jow»t-mmme*t%>, Uli «UTiTMi ' yiWjSWfcHrtWll 1^1»1 VtWjft*ijrtfl 1 UjULllflj|DI<L.' sucht, oder od man,^W6 *es' "derrEöfj Zionismus erstrebt, die jüdische Gesamtheit in das. Gefüge einer rein materiellen, ideele vollkommen inhaltlosen Machtpolitik einfügt. Die Weltkonferenz aber soll der Pfaffe sein, welcher diese Ehe einsegnet. P. K. (Fortsetzung folgt.) Die Zentralratssitznng der Agudas Jisroel. Mehr als anderthalb Jahre sind seit der jüngsten Tagung des Zentralrates der Agudas Jisroel verflossen. Anderthalb Jahre, die in der jüdischen Geschichte tiefe Spuren hinterlassen. Jene Tagung in Wien im Adar 5682 war die erste Tagung des auf Grund der Preßburger Beschlüsse gebildeten Zentralrates, deich bei dieser ersten Tagung mußte der Zentralrat zu den wichtigsten Problemen des jüdischen Volkes Stellung nehmen. Im Mittelpunkt der Debatte stand selbstverständlich Erez Jisroel. Nach tagelangen Debatten, die oft eine dramatische Höhe erreichten, wurde unter Mitwirkung der Gaonim und Zadikim des rabinischen Rates die Entschließung gefaßt, die Umbildung der Jewish Agency zu verlangen, um der in der Agudas Jisroel organisierten selbständigen Orthodoxie die Möglichkeit zu geben, am Aufbau Palästinas ihren Prinzipien gemäß sich beteiligen zu können. Dieser Entschluß hat nach außen nicht jene Wirkung gehabt, die sie ihrer Tendenz entsprechend füglich hätte erzielen sollen. Die zionistische Leitung und ihre Presse, betäubt von dem allein erzeugten Siegesrausche, hat nicht nur kein Verständnis gehabt für die Möglichkeiten, die im obigen Beschluß lagen, sondern gestärkt im Monopolwahne hat sie eine Campagne begonnen gegen Agudas Jisroel, die an Gehässigkeit und Niedrigkeit beispiellos war. Heute ist die Situation ganz anders. Bei der Mandatsberatung ist die Forderung der Aguda, ist die Stimme der Orthodoxie nicht gehört worden. Die Monopolstellung der Z. 0. wurde völkerrechtlich sanktioniert. Doch wie die Karlsbader Konferenz gezeigt hat, ist die Z. 0. keinesfalls der Aufgabe gewachsen, bei deren Lösung sie auf ihre Monopolstellung so eifrig bedacht war. Aber selbst nach der vollen Erkenntnis ihrer Unfähigkeit, selbst nach der Proklamierung des Weltkongresses konnten Führer und Presse sich die kleinliche Großmannsucht nicht versagen in allerlei Wendungen zu behaupten, daß die Jewish Agency sind sie r^ffilfe^l'ft^ werden die Herren am Ende noch Recht behalten. Nach dem fast völligen Bankerott ihrer Palästinapolitik werden sie jetzt ) schwer Kompagnons zum Geschäft finden, zu welchem Herr Rabbi Mordechai Cohen. Erzählung aus dem Mittelalter. Von Dorothea Ebner. (Fortsetzung.) Nur mit Mühe konnten sich Reb Mordechai und sein Begleiter den Weg durch dieses Drängen und Wogen bahnen. Während der Aeltere frohen Blickes auf dieses geschäftige Treiben blickte, betrachtete der andere es finsteren Auges. Diese auf Genuß strebende Rührigkeit stand im krassen Gegensatz zu seinem Vorhaben, das durch Unrecht verwirkte Leben abzuwerfen. An Zemachs Haus angelangt, führte der Hausherr den Gast eine schmale Stiege hinauf zur Wohnung, wo die Täigkeit der Straße sich im Kleinen fortsetzte. Es wurde gekocht, gebacken, gescheuert; Frau Bela Zemach putzte selber ihre achtzackige Sabbatlampe blank, wie auch die Wandleuchter ringsum. Zwei rotbackige Kinder sprangen dem Vater entgegen und küßten ihm die Hand. „Ach, Reb Mordechai," rief Frau Bela, „heut bist du lange ausgeblieben, was ist geschehen?" — „Ich bin unterwegs aufgehalten worden. Hier bringe ich einen fremden Herrn mit." Bela grüßte leicht und öffnete ein zweites Zimmer, das Mordechai hinter sich und dem Gaste schloß. „Gebt schnell Papier und Schreibzeug, ich habe Eile,," mahnte der junge Mann. — „Aber nein, ich kann selber so gut schreiben wir Ihr und bedarf Euerer Hilfe nicht," versetzte Reb Mordechai. — „Weshalb denn habt Ihr mich hergeholt?" — „Um Euch zu retten," sprach Reb Mordechai in tiefem Emst. „Bleibt sitzen," fuhr er fort, als jener aufsprang, „bleibt sitzen und bewahrt die Ruhe. Ich hatte das Glück, Euch zu belauschen, kenne also Euer Vorhaben, kenne die Ursache und hoffe, es ist Hilfe möglich. Wie viel ist erforderlich, um Euch Namen, Ehre, Leben und Glück zu retten?" Ein Spielball seiner Gefühle, stierte der Fremde ihn an. War es teuflischer Hohn, mit dem der Jude ihn narren wollte, aus Rache vielleicht für die Verfolgung und Bedrückung seiner Glaubensbrüder durch die Staatsbeamten? War es ein Traum? Hatte er sich verhört? Reb Mordechai las die Gedanken im heftig arbeitenden Gesichte seines jugendlichen Gegenüber.- „Blicket doch nicht so entsetzt; es ist doch alles so klar und einfach. Ich sah Euch am Ufer verstört an mir vorüber stürzen, konnte mir leicht denken, was Euch so früh zum Wasser führte, eilte Euch nach und konnte Euch durch g-ttliche Gnade rechzeitig einholen. Von Euerem Selbstgespräch erlauschte ich den wesentlichsten Inhalt, erkannte daraus, daß Ihr aus edlem Motiv, wohl leichtsinnig, aber nicht verbrecherisch gehandelt habt und will nun hören, ob Euch zu helfen ist." Und der junge Mann erzählte; zuerst in abgerissenen Sätzen, dann zusammenhängend und klar: Tatsächlich hatte er das Geld einem Freunde geliehen. Der hatte bei seinem Seelenheil versprochen, die Summe gestern zurückzuzahlen und ließ den vertrauenden Freund im Stich. Heute, am Monatsletzten, mit dem neunten Glockenschlage, wird die Kassa revidiert, der Fehlbetrag entdeckt, der Dieb verhaftet. Die Stimme brach in namenlosem Schmerz. Obwohl von altem freiherrlichen Adel, leben die Eltern in dürftigen Verhältnissen. Vater hatte lange im Heere gedient, war alt geworden, Wunden erzwangen den Abschied, verschafften ihm Staatsanstellung, bis er nicht mehr arbeiten konnte und durch Beziehungen den einzigen Sohn an seine Stelle brachte, ihn, den Erzähler. Dessen Jugendfreund Albert hatte treu zu ihm gehalten, ihm wahre Freundschaft durch mancherlei Liebesdienst bewährt, ihm manche Summe vorgestreckt, oft am Krankenbette des Vaters den Sohn vertreten und die Freundschaft so hoch gestellt, daß er die Liebe zu Helene aus blutendem Herzen riß, um vor dem Freunde, der dasselbe Mädchen liebte, zurückzustehen. Eine ungeheuere Schuld der Dankbarkeit hatte Albert damit auf des Freundes Schulter geladen, und dieser lechzte dem Augenblick entgegen, Treue mit Treue zu zahlen. Dieser Augenblick kam. Fünftausend Gulden heischte Albert; sein Lebensglück stand' auf dem Spiele. Außer sich vor Angst schob er alle Einwände zur Seite, die Höhe der Summe, anvertrautes Geld, Pflicht, Ehrlichkeit, nichts ließ er gelten. Es "gings ums Leben. Und nur um wenige Tage handelte es sich, vor dem Monatsletzten wird es zurückgebracht — bei dem Seelenheil der heimggeangenen Mutter! Acht qualvolle Tage folgten. Reue, Furcht vor vorzeitiger Kassenprüfung, Gewissensbisse, der Gedanke an den Vater, das alles ließ ihn tags erzittern und raubte ihm nachts den Schlaf. Gestern abends kam endlich ein Brief von auswärts von Alberts Vater. Der Inhalt war das Entsetzlichste, was Menschenphantasie ersinnen konnte: Albert könne über seine unglückliche Liebe nicht hinwegkommen und vermöge nicht an dem Orte zu verweilen, wo der Räuber dieses Glückes sei. Also Verrat, Rache, verübt vom teuersten Freunde, verübt, weil Albert den Edelmut der Entsagung bereute; und angesichts der nahen Hochzeit Helenes mit dem Freunde wandelte sich die glühende Freundschaft in tödlichen Haß zu Helenes Verlobten, den er mit Schmach bedecken und unmöglich machen wollte. Der Erzähler schwieg und barg sein in Tränen gebadetes Gesicht voll peinvoller Scham in den Händen. (Fortsetzung folgt.) Schiff' Pelzwarcnhaus Engros und Erzeugung e l„ Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt);-: Telephon 67-302 Detailverkaufs -Niederlage: lM Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese.

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