Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 33-34 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 33/34 JÜDISCHE PRESSE Seite 205 den großen politischen Erfolgen, wenn schon nicht alle Probleme lösen, doch mindestens einen Weg weisen wird. Jedoch konnte selbst der Präsident der Organisation nichts Klares und Konkretes sagen. So äußerte sich Präsident Weizmann in seinem Schlußworte nach der politischen Debatte folgendermaßen: „So weit meine Person im Spiele ist, bin ich mit manchem Teil des Weißbuches ebenso unzufrieden, wie Sie alle; aber wir haben es akzeptiert und ich für meine Person werde loyal das halten, was ich mit meiner Unterschrift bestätigt habe. Eine Besserung erwarte ich von einer günstigeren politischen Konjunktur. Was den Punkt der Immigration betrifft, so kann ich nur wiederholen, daß wir genau so unzufrieden sind mit den Bestimmungen wie Sie. Es ist wahr, daß das Mandat anders aussieht als das, was das Judenvolk 1917 (immerhin nach der Interpretation von Herrn Weizmann und Herrn Sokolow) in die Deklaration hineingelegt hat. Daran ist nichts zu ändern, aber dem gegenüber gibt es nur einen u n z e r s t ö r b a r e n Glauben, daß, wenn man fortarbeitet und fortarbeitet, in Palästina eine Zeit kommen wird, wo noch einmal eine Möglichkeit sein wird, dem Mandat seinen wirklichen Wert beizulegen." Darauf Herr Grünbaum: „T u n müssen wir etwas, aber nicht glaube n." Und als Schluß der Weisheit blieb Herrn Weiziiiaiin zur Verteidigung seiner Politik nichts anderes übrig, als die Erklärung: „Wenn diese Jahreskonferenz das Statement der Regierung, welche wir akzeptiert haben, nicht annimmt, so werden wir, wenigstens ich, die Geschäfte der zionistischen Bewegung nicht weiterführen." Soweit die allgemeine Politik. Ueber die Araberfrage hat man ebenfalls bloß Bekenntnisse gehört, und die Erkenntnis, daß alles, was bisher auf diesem Gebiete geschah, verfehlt ist, daß man hier keinen Weg weiß, um zu einer realen Basis zu kommen. Es macht für alle Fälle Ehre für die politische Klarheit des Herrn Weizmann, daß, wenn man schon nicht weiß, was man tun soll, so soll man mindestens schweigen. Denn er findet, daß wir den Arabern zu viel Liebeserklärungen machten. Die arabische Schwierigkeit ist aber eine Tatsache, die wohl durch die marktschreierische, unüberlegte Politik der Exekutive verwickelt wurde, aber auch ohne diesen Fehler vorhanden war infolge des Umstandes, daß zu gleicher Zeit, wo die zionistischen Pläne zur Verwirklichung gelangten, auch eine gewaltige arabische nationale Bewegung einsetzte. Jedoch mehr als diese Schwierigkeiten gibt der zionistischen Organisation zu schaffen der Mangel an Geldmitteln, der jede politische Arbeit lahmlegte. So zum Beispiel die Ruthenberg-Konzession steht nach allen parlamentarischen Erfolgen bloß auf dem Papier, weil selbst für die Verwirklichung dieses aller populärsten Projektes nicht genügend Geldmittel da sind, von den anderen zionistischen Gründungen gar nicht zu reden. „Die Blütenträume des vorjährigen Kongresses" — schreibt die Berliner „Jüdische Rundschau", — „der über 1! 2 Millionen Pfund disponierte, sind nicht gereift und die Exekutive war gezwungen, statt eines Budgets von TV2 Millionen Pfund den Antrag auf 337.000 Pfund vorzulegen. Selbstverständlich sind die Finanzmänner gezwungen, die einzelnen Posten den tatsächlichen Eingängen anzupassen. Die Kabeltelegramme und sonstige Stimmungsmacherei in den zionistischen Zeitungen können noch nicht als gesetzliches Z a h 1 m i t te 1 weder im Gallith noch in Palästina, am allerwenigsten zur Besoldung der Lehrer, die am schwersten getroffen sind, verwendet werden. Die einzelnen Fraktionen, besonders Misrachi, deren Parteitreue stark im Verhältnisse der Subventionierung ihrer Institutionen steht, betonen bei so einem kargen Budget gleich mehr ihre Selbständigkeit und schädigen die Kraft der einheitlichen Organisationen unermeßlich. Nebst den Finanzproblemen sind aber noch andere schwerwiegende Probleme, die die zionistische Organisation in ihrer heutigen Form nicht lösen kann und daher die Führer nach Mitteln Umschau halten, die teilweise die zionistische Organisation kräftigen, andererseits einen größeren Kreis der Judenheit zur Arbeit für Palästina heranziehen könnten. Es ist dies das Problem der Jüdischen Agentur, um das schon seit Jahr und Tag so heiß gestritten wird. Nach der Bestätigung des Mandates hat die zionistische Presse, aber selbst die verantwortlichen Führer, so Sokolow in seiner Berliner Rede nachdrücklichst betont, daß nun die zionistische Organisation die Jewish Agency sei. Die Debatte über diesen Punkt hat gezeigt, daß die Sache nicht so einfach ist. Der zweite Absatz, Artikel 4 des Mandates, lautet nämlich: Die Zionistische Organisation soll so lange ihre Organisation und Verfassung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als solche Vertretung anerkannt "werden. Sie soll, im Einvernehmen mit seiner Britischen Majestät Regierung, Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen Nationalheimstätte zu helfen. Bei der Deutung und Anwendung dieses Absatzes konnte man drei Richtungen feststellen. Die heißblütigen Parteipolitiker betonen von dem ganzen Absatz bloß, daß: die Zionistische Organisation soll als solche Vertretung anerkannt werden. Jedoch wissen die Realpolitiker und die Kenner der Pläne der englischen Regierung, daß diese Deutung falsch sei. Vielmehr liegt das Schwergewicht auf der zweiten Hälfte des Satzes: Die Zionistische Organisation soll mit Einvernehmen seiner Britischen Majestät Regierung Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern. Um dies zu erreichen, empfiehlt sich der Weg mit den großen jüdischen Organisationen und den einzelnen Persönlichkeiten in Fühlung zu treten. Dieser Meinung gab Herr Weizmann in seiner Eröffnungsrede Ausdruck, indem er sagte: „Wir werden mit den großen jüdischen Organisationen, mit den großen jüdischen Gemeinden und mit den großen jüdischen Persönlichkeiten und Parteien verhandeln und ich glaube, wir werden Erfolg haben, wir werden ihre Kraft für den Aufbau Palästinas gewinnen und eine gemeinsame Plattform zwischen uns und ihnen schaffen." Dieser zweite Weg wäre geeignet, sowohl die großen Organisationen als die einzelnen prominenten Persönlichkeiten mit der zionistischen Organisation zu einer gemeinsamen Arbeit für Palästina zusammenbringen. Immerhin bedeutet diese Lösung das Ende des zionistischen Monopols auf die Vertretung des jüdischen Volkes, doch glauben sie als Verhandlungsleiter ihre Machtposition von vornherein sichern zu können. Die größten Gegner dieses Vorschlages sind die Mitglieder der linken Parteien, die durch diese Methode die Einnistung eines „Notablen Systems" befürchten. Die dritte Möglichkeit wäre endlich: die Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses. Die Amerikaner verlangen dies gebieterisch. Doch gerade Herr Sokolow, der kaum aus Amerika zurückgekehrt ist, opponiert am heftigsten gegen die Idee. Der jüdische Kongreß, der aus allgemeinen, demokratischen Wahlen hervorgehen soll, kann unter Umständen das Ende der zionistischen Organisation bedeuten. Es ist tatsächlich ganz unabsehbar wie die Resultate so einer allgemeinen Wahl ausfallen. Ueber diese Schwierigkeiten ist die Jahreskonferenz nicht hinausgekommen; man wartet scheinbar auf eine günstige Konjunktur, die auch diese Frage lösen wird. Was die Finanzfrage betrifft, konnte man auch zu keinem Beschluß kommen. Der Keren Hajesod hat sich unmöglich erwiesen, alle Bedürfnisse der zionistischen Organisation zu decken. Neue Fonde zu gründen für Spitalzwecke, konnte man sich wiederum nicht entschließen, denn da würden die alten Fonds geschädigt werden. Wie etwa durch die Keren Hajesod- Propaganda der jüdische Nationalfonds in Amerika schwer geschädigt worden ist. Da die Verhandlungen der Konferenz nicht öffentlich waren, und wir uns bloß aus Zeitungsnachrichten über die Verhandlungen orientieren können, bleibt uns nichts anderes übrig, als auf Grund dieser Quellen zum Schlüsse zu kommen, daß die Arbeiten und die Verhandlungen der zionistischen Jahreskonferenz in Karlsbad von einer Ratlosigkeit waren, wie dies einmal das Schicksal aller jener Versuche und Arbeiten sind, die mit Außerachtlassung des G-ttesgesetzes über das G-tteswerk verfügen, über das G-ttesland disponieren und im G-tteslancl Abfall von G-ttesgesetzen bewirken wollen. R. Infolge des Buchdruckerstreikes konnte unser Blatt nicht regelmäßig erscheinen, mit der gegenwärtigen stärkeren Nummer trachten wir das Versäumte einzubringen. Auch sind wir infolge der stark erhöhten Herstellungskosten gezwungen, die Bezugsgebühren für Oesterreich vom I. Oktober an auf K 48000 ganzjährig und entsprechend die Insertionspreise hinaufzusetzen. Die Administration. Deufscbfcurrekb. Jubiläum. Den jüngsten Sabbat waren es 25 Jahre, seit dem Herr Rabbiner Fürst sein Amt als Rabbiner der Schiffschul (Adas Jisroel) angetreten hat. Was unser unvergeßlicher Rabbi Salomon Spitzer gegründet, aus kleinen Anfängen in die aufsteigende Richtung gebracht hat, das hat sich unter Rabbiner Fürsts Amtstätigkeit zur imposanten Gestaltung entfaltet. Das Schulwerk hat an Ausdehnung und besonders an Tiefe gewonnen, die Kaschrus-Institutionen sind mustergültig, die Wohlfahrtsaktionen unbegrenzt. In der Flüchtlingsfürsorge hat Rabbiner Fürst Hervorragendes geleistet. Die Adas Jisroel hat sich während dieser 25 Jahre zu einer Korporation entwickelt, die nahezu alle Agenden einer wohlkonstituierten Khillah erfüllt und der nur die Autonomie zu einer Mustergemeinde fehlt. Die Liebe seiner Gemeinde, die allgemeine Hochachtung und Verehrung, deren sich Rabbiner Fürst erfreut, haben die Opferwilligkeit seiner Gemeinde so gesteigert, daß selbe den weitestgehenden Anforderungen für Thorah, Awodah und Gemiles Ghessed entsprechen kann und entspricht. Die zahlreichen Verehrer Rabbiner Fürsts begegnen sich in dem Wunsche, daß er noch viele, viele Jahre seine segensreiche Tätigkeit fortsetzen könne zur Ehre G-ttes, zum Ruhme seiner Gemeinde. Ueber ausdrücklichen Wunsch des Jubilars unterbleibt jede Feierlichkeit. R. Elia Hermann s. 1. Am 28. Ab wurde in Baden bei Wien R. Elia Herman aus Wien zu Grabe getragen. Sproße einer echt altjüdischen Familie, zeichnete sich der Verstorbene, der das 76. Jahr vollendete, durch tiefe Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Herzensgute aus. Ein musterhafter Gatte und zärtlicher Vater hatte er das Glück, seine Kinder ganz in seinem Geise zu erziehen. In der Marpe Lanefesch, deren Vorstand er durch Jahrzehnte angehörte, war er eines der tätigsten Mitglieder; Unglückliche und Bedrückte fanden bei ihm stets Hilfe und Schutz. Viele Freunde aus Baden und Wien gaben ihm das letzte Geleite und gab Herr Oberrabbiner Reich (Baden) in zu Herzen gehenden Worten der Trauer aller, die den Verstorbenen gekannt Ausdruck. Rabbiner Friedmann von Marpe Lanefesch beklagte tieferschüttert den Hintritt des alten Freundes, des echten Jehudi, des ausgezeichneten Mannes * Familiennachricht. Die Trauung des Fräulein Frida Herzog, Tochter des Herrn Oberrabbiners M. S. Herzog (Stupawa, Stampfen) mit Herrn Martin Friedländer aus Breslau fand am 12. Sept., um halb 2 Uhr, in der Schiffschul statt. Talniud-Thora-Volksschule mit Oeffentliehkeitsrecht, Wien, IL, Malzgasse 16. Mit dem Beginn des Schuljahres 1922/23 wird diese Anstalt durch die 1. Klasse der Bürgerschule erweitert. Es wird auch eine 1. und 2. Klasse für Mädchen eröffnet. Die Einschreibungen an der „Jesod Hathora" für Knaben und Mädchen finden Sonntag, den 17. Elut (10. September); Dienstag, den 19. Elul (12. September); Donnerstag, den 21. Elul (14. September); Sonntag den 24. Elul (17. September) von 9 bis 12 Uhr vormittags im Sehulgebaude, IL Nestroygasse 11, statt. Noueintretende Schüler haben in Begleitung der Eltern oder des Vormundes unter Mitbringung des Geburtszeugnisses für Schüler der ersten Klasse, oder des letzten Schulzeugnisses für Schüler der anderen Klassen, zu erscheinen. Spätere Anmeldungen zum Eintritt in die Schule können nur in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen entgegengenommen werden. Der Unterricht für Neueintretende beginnt am Sonnag, den 17. September 1922, wozu sich alle Schüler einzufinden haben. In dem ganztägigen Kurs für Knaben für Gemoroh und Meforschim und den Fortbildungskursen für Mädchen finden nur Schüler mit entsprechenden Vorkenntnissen Aufnahme und werden die p. t. Eltern auf diese Kurse, in denen Knaben und Mädchen jenes jüdische Wissen gelehrt erhalten, welches für das Leben unerläßlich ist, besonders aufmerksam gemacht. Der Vorstand. Ungarn. Todesfall. Frau Leopold v. Freudiger, ein hervorragendes Mitglied der orthodoxen Gesellschaft in Budapest, verstarb am 11. September. Rabbinerwahl. Rabbiner Josef Rubinstein, Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Kecskemöt, wurde einstimmig zum Oberrabbiner in Janoshaza gewählt. Deutschland. Spuren von Sowjetrußland in Deutschland. (J. G. B.) Das sächsische Kultusministerium gab eine Verordnung aus, laut welcher Lehrern wie Schiff1 Felzwapenhaus Eiigros und Erzeugung a!., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67-302 Detail verkauf s - Niederlage s I., Graben 28 Filiale: Karlsfoticl, Alte Wiese.