Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 33-34 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 204 JÜDISCHE PRESSE Nr. 33/34 ihrer ausgezeichneten Tagespresse, mit ihren Sejmdeputierten und Gemeinderäten Angriffe, welche gegen sie gerichtet waren, Kräfte und Bestrebungen, die die religisöe Grundlage des Judentums schwächen wollten, zu paralisieren, und endlich, wie die große Aktion zugunsten der Hungernden in Rußland zeigt, auch die Kräfte aufzubringen über die Bedurfnisse der engeren Heimat hinaus, bereit zu stehen und zu helfen, wo die Hilfe am dringendsten ist. Dieselben Probleme, welche die polnische Judenheit beschäftigten, haben auch unseren Brüdern in Litauen zu tun gegeben. Wenn auch dieses Gebiet bedeutend kleiner, ja durch die Wegnahme Wilnas, ganz unverhältnismäßig klein geworden ist, es hat die historische Entwicklung, wie die eigenartige Stellung der litauischen Juden dazu beigetragen, die Ereignisse, welche innerhalb der litauischen Judenheit sich abgespielt haben, interessant und lehrreich für die Gesamtheit zu gestalten. Litauen kann aber schon aus dem Grunde Anspruch auf aufmerksame Beachtung hegen, weil es der erste Staat ist, wo den Juden eine vollkommene nationale Autonomie versprochen wurde. Ihre Interessen sollen im Kabinett durch einen jüdischen Minister vertreten sein, sie regeln ihre Angelegenheiten durch einen jüdischen Nationalrat, der von den einzelnen jüdischen Gemeinden gewählt wird. Dieses Versprechen wurde in dieser Form nicht eingelöst, ja es wurden vom litauischen Sejm ernste Versuche gemacht überhaupt das ganze Versprechen zurückzuziehen, jedoch gelang es am Ende unseres Jahres die Minderheitsrechte der verschiedenen Nationalitäten und so auch die der Juden im Sejm durchzubringen: immerhin mit Einschränkungen und Kürzungen. Viel wichtiger als diese Tatsache scheint uns aber die Tagung der jüdischen Gemeindedelegierten in Kowno in der ersten Hälfte des Jahres. Diese Tagung hat klar gezeigt, welche Strömungen innerhalb der litauischen Judenheit um Geltung kämpfen. Es verdient festgehalten zu werden, daß abgesehen von dem kurzen jüdischen Parlament in der Ukraine nach der Revolution, dieser Gemeindetagung vorbehalten blieb, sich ernstlich mit der Frage zu beschäftigen, ob die jüdischen Gemeinden eine rein weltliche Körperschaft darstellen wie eine Kommune in der ganzen Welt, oder ob dieser Gemeinde doch etwas von der alten Heiligkeit einer jüdischen Gemeinschaft anhafte. Die Linksparteien bei dieser Tagung haben mit zäher Energie ihren Standpunkt verteidigt und keinesfalls zugeben wollen, daß das Gesetz über jüdische Autonomie und die Statuten der einzelnen Gemeinden etwas über religiöse ..Belange" aussagen. Aufgabe der jüdischen Gemeinde wäre nach dieser Anschauung die Sorge für Sanitäre und Sicherheitsmaßnahmen eventuell auch für ökonomische und kulturelle Dinge, aber durchaus für keino Religiöse. Die religiös orientierten Parteien Agudas Jisroel und Misrachi haben für ihre Anschauung mit bewunderungswürdigem Mut und staunenswerter Geschicklichkeit gekämpft, und es gelang ihnen auch mit Hilfe einiger „bürgerlicher Zionisten" eine kleine Majorität für die Religon zustande zu bringen. Noch mehr als diese Religionsfragen haben die Kulturfragen diese Tagung beschäftigt und allem Anschein nach ist der Kulturkampf innerhalb der litauischen Judenheit im vollem Gange. Dieser Kampf ist selbstverständlich ein erfreuliches Zeichen der Erstarkung der religiösen Richtung, die während der Kriegsjahre, wo die Rabbiner, die religiösen Führer und Talmudgelehrten verschleppt wurden und alle religiösen Institutionen der Gemeinden zerstört und ungeheuerlich geschwächt wurden, arg gelitten hat. Heute gibt es in Litauen ein ziemlich dichtes Netz von Schulen, Anstalten und anderen Institutionen mit vielen ausgezeichneten Rabbinern, welche die Jugend auf Grundlage der alten Tradition erziehen wollen. Es ist aus organisatorischem, wie aus moralischem Standpunkt sehr wohl zu bemerken, daß sowohl in Polen wie in Litauen die Rabbiner in einem eigenen Verband zusammengeschlossen sind und so die positiven Kräfte im Judentum immer mehr zu größerer Geltung gebracht werden. Auch darf nicht außer Beachtung gelassen werden, daß sowohl Polen wie Litauen Sowjetrußland zum Nachbar haben und die dort herrschenden Ideen besonders auf die Jugend eine starke Wirkung ausgeübt haben. Selbstverständlich haben diese Ideen sehr viel von ihrer Schlagkraft eingebüßt und heute zeigt sich der Zusammenhang insofern, daß in Polen und Litauen sich sehr großes Interesse für das Schicksal der so furchtbar getroffenen russischen Juden, mit denen sie auch viel- Satan übergeben. Ich gehöre ihm — so wurde entschieden — er könne mit mir verfahren nach seinem Belieben. Da ging ein Brausen durch alle Welten und Himmel und alle Zaddikim eilten herbei: die Erzväter, unser Lehrer Moses und der Baal-Schern und all die Engel der Gnade riefen stürmisch: „Levi Jizchak, der Fürsprecher Israels darf nicht in Satans Hände geraten." Die Sache kam vor den Allmächtigen selber. Der himmlische Ankläger verlangte meine Bestrafung, man darf im Rechte, sagte er vor G-tt, keine Partei nehmen; Levi Jizchak habe die Schuld des Diebstahls auf sich geladen und das Urteil des Gerichtshofes sei zu bestätigen." Der Allmächtige aber erhob sich und sprach: „Gewiß hat der Gerichtshof recht: „Levi Jizchak, mein treuer Knecht, hat sich Israel annehmen wollen und beging einen Diebstahl; er gehört daher gesetzmäßig dem Satan. Doch: auch der Satan ist mein Knecht und es ist doch gelehrt worden: „Was dem Knechte gehört, ist Eigentum des Herrn. Somit gehört Levi Jizchak mir; ich aber schenke ihn wieder dem Volke Israel." Und nun sagte er mit großer Innigkeit und süßer Melodie: „Der seine Diener beim Gerichte erkauft" und setzte die Hymne fort. Streit mit G-tt. Einige Tage vor Rosch-Haschanah kam ein Mann zu Rabbi Levi Jizchak, weinte kläglich und jammerte, er habe sein Vermögen verloren und er sei der bittersten Not preisgegeben. Er habe bereits alles verkauft, was er sich seit vielen Jahren durch schwere Mühsal erworben hätte. fach durch Familienbande verknüpft sind, zeigt. Es soll hier hervorgehoben werden, daß der Kampf um das religiöse Judentum, der in Polen und Litauen zwischen den einzelnen jüdischen Parteien mehr oder minder parlamentarisch ausgefochten wird, in Sowjetrußland selbst einseitig seitens der Sowjetmacht gegen die jüdische Religion geführt wird. Es ist geradezu unmöglich, heute die Größe der Katastrophe unserer Brüder in Rußland zu überblicken, der sie sowohl körperlich wie geistig ausgeliefert sind. Es dringen zu uns Nachrichten, nach denen das Martyrium und der Heldenmut der russischen Juden, alles bisherige übertrifft. Es' kann hier bloß der Wunsch ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß sie bald von ihren Qualen erlöst werden, und sie wiederum ihre Stellen in der jüdischen Welt einnehmen, die ihnen gemäß ihrer ausgezeichneten Charaktereigenschaften und geistigen Fähigkeiten gebührt. Es ist rühmlichst hervorzuheben, daß die religiösen Führer der russischen Juden selbst in dieser bitteren Zeit nicht den Mut sinken ließen und zu schöpferischer Arbeit Kraft fanden. Es gelang dem L u b a w i t s c h e r R a b b i im Kaukasus und in Georgien Thoralehranstalten zu gründen und so diese Gebiete in die jüdische Kultur einzuschalten. Er hat jetzt seinen Wohnsitz nach Petersburg verlegt und somit wird er die russische Judenheit von einer zentralen Stelle aus beeinflussen. Nicht unerwähnt darf die Tätigkeit von R. Isroel Meir Hakohen (Chofez, Chajim) bleiben, der sieben Jahre in Rußland verbrachte in unermüdlicher Arbeit für Thora und Tradition. In diesem Jahre kam er nach seiner Heimat nach Radin zurück, wo er ebenfalls eine ebenso energische wie segensreiche Tätigkeit zur Wiederaufrichtung eines echten jüdischen Lebens entfaltet. Der wirtschaftliche Zusammenbruch Mittel- und Osteuropas, wie die beispiellose Katastrophe unserer Brüder in Rußland haben nicht nur die materielle Lage unserer Brüder in Mittel- und Osteuropa geschwächt, sondern auch einen großen Teil der Leistungsfähigkeit unserer amerikanischen Brüder gebunden. Dies allein genügt schon, um verständlich zu machen, warum das jüdische Volk so wenig Geldmittel für den Aufbau von Palästina aufgebracht hat. Selbstverständlich reicht dieses Motiv allein nicht hin, um restlos zu erklären, warum die großen politischen Erfolge das jüdische Volk to wenig aufgerüttelt haben, es so wenig bewogen haben empfindliche Opfer für die Besiedelung des Heiligen Landes zu bringen. Es ist dies allein durch den Umstand zu erklären, daß die Politik und Vorgangsweise, die ganze Methode und Grundlage der Zionistischen Organisation der Psyche des jüdischen Volkes nicht entspricht. Palästina ist und bleibt das Heilige Land „Erez Jisroel". Wenn das Volk instinktiv fühlt, daß unter dem Aufbau Palästinas ein rein mechanischer wirtschaftlicher Aufbau verstanden ist, der für die alte geheiligte jüdische Kultur nicht nur keine würdige Stätte gibt, sondern in das Heilige Land eine abendländische Kultur bringen will, welche nach dem Urteil der Besten zum Tode geweiht ist, wenn das jüdische Volk fühlt, daß statt des Herannahens der mesianischen Zeit und der Verbrüderung und. Aussöhnung unter den Nationen und Völkern mit dem Aufbau von Palästina eine unverantwortliche Hetze gegen die Araber eingesetzt hat, so ist es nicht wunderlich, wenn dieses Volk, daß seine Existenz hauptsächlich seinem Konservatismus (auch im politischen Sinne) verdankt, so wenig für eine Idee übrig hat, welche nach gewissen Propheten heute ihre Blüte und Vollendung erreicht haben soll. Solche Motive haben die Judenheit der Diaspora zur Untätigkeit gezwungen, die Juden Palästinas selbst konnten sich aber diesen Tatsachen nicht entziehen. Für sie ist es ein bitteres Erlebnis gewesen, daß der Aufbau von Palästina mehr in Erscheinungen einer schlecht, kopierten europäischen Kultur zutage trat, als in wirklichen Schöpfungen. Die Politik, die in Palästina selbst geführt wurde, hat vielfach zur Verhetzung der Araber geführt, die Kulturarbeit hingegen, die religiös gesinnte Schichte und diese ist G-tt sei Dank die breitere Schichte der jüdischen Bevölkerung in Palästina, erbittert, ja zur Verzweiflung geführt. Geschichtliche Formen des Kulturkampfes wie sie sich in Europa vor Jahrhunderten abspielten, haben in Palästina eine Intensität gewonnen, die in Bannstrahlen, Schlägereien, Angebereien und Prozessen sich zeigten. Um die äußerst geschwächte Front der glaubenstreuen Juden zu stärken, um die alte Siedelung, die Schöpfung des frommen nationalen Sinnes der früheren Jahrhunderte zu erhalten, mußte sich die Diaspora aufraffen, diese Siedelung Und aus der Bitterkeit seines Herzens rief er: „Rabbi, von wo wird nun meine Hilfe kommen?" Der Rabbi Levi sagte: „Komme am Rosch- Haschanah in mein Bethaus und wenn ich bei Tkiat-Schofar stehen werde, dann bringe deine Klage nochmals vor. Der Mann kam zur bestimmten Zeit und trug seine Klage vor. Der Rabbi, von dem man weiß, daß er in seinen Forderungen an G-tt gar nicht bescheiden war und zuweilen mit G-tt derbe und kühne Sprache führte, sprach darauf: „Herr der Welt! Du kamst und sprachst: „Mein ist das Silber und das Gold und als Du um das Volk Israel warbest und mit ihm einen Ehebund schließen wolltest, glaubte es Dir und es hoffte, Du wirst Deiner Getrauten und Deinen Kindern Geld und Geschmeide geben, wie es denn zwischen Gemahl und Gefährtin Gepflogenheit ist. Das Volk ging mit Dir den Bund ein, Du machtest das jüdische Volk zu Deiner Gemahlin, wie es in der Schrift heißt: „Und ich traute Dich für ewig an!" Und nun frage ich Dich: Wie erfüllst Du denn Deine Gemahlpflicht? Wo ist das Silber und das Gold, das Du Dein nanntest? Willst Du aber Deine Zusage nicht erfüllen — mit welchem Rechte forderst Du von Deinem Volke Israel, daß es Dir Treue bewahren soll?" Sprach's, atmete schwer wie nach einem Ringkampf und verharrte eine gute Weile in tiefem Schweigen. Dann aber wandte er sein Antlitz dem verzweifelten Manne zu und sprach: „Mein Herz, G-tt wird seine Pflicht wohl erfüllen, besinne aber auch Du Dich, Deine Treue zu bewahren." Und nun stimmte er den Psalm „Lamnazeach" an. wirtschaftlich zu unterbauen, damit sie nicht ganz verschüttet wird. Unter diesem Zeichen vollzog sich di» palästinensiche Arbeit der glaubenstreuen Judenheit und ihrer Organisationen der Agudas Jisroel im verflossenen Jahre. Die Bestätigung des Mandatsentwurfes und die Proklamierung der palästinensischen Verfassung scheint eine gewisse Beruhigung gebracht zu haben, obwohl die Araber noch immer eine heimtückische Feindseligkeit gegen diese englisch-jüdische Politik zeigen. Die glaubenstreue Judenheit hat noch nicht die Geltung erlangt, die ihr gemäß der ihr innewohnenden moralischen Kraft und gemäß ihrer in wunderbaren Werken durch Jahrhunderte betätigten Anhänglichkeit zum Heiligen Lande gebühren würde, so ist es doch zu hoffen, daß die bescheidene Autonomie, welche der frommen aschkenasischen Gemeinde unter Führung von Rabbi Chaim Sonnenfeld, der mit einzig dastehender Energie und solbstloser Opferfreudigkeit für die religiösen Interessen der Heiligen Stadt gekämpft hat, gewährt wurde, durch die Hilfe und Kraftanstrengung der glaubenstreuen Judenheit der Welt weiter ausgebaut und somit der religiöse Charakter des Heiligen Landes mehr in den Vordergrund treten wird. — Von den Ereignissen, die das jüdische Volk in dem verflossenen Jahre ergriffen haben, wurde die Judenheit der Zentraleuronäischen Staaten schon infolge ihrer geographischen Lage weniger erfaßt, doc hunberührt blieb sie nicht. In Rumänien, Tschechoslowakei, Deutschland, in Oesterreich hat die glaubenstreue Judenheit ebenfalls einen schweren Kampf zu bestehen, um ihre Existenz zu behaupten. Der mächtige Ausbau der Vertretung der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde in Bratislava wie das wachsende Interesse der slowakischen Judenheit an den Problemen der Weltorthodoxie, wie die Gründung einer Jüdischkonservativen Partei sind erfreuliche Anzeichen eines Umschwunges zum Besseren. Falls die viel berühmten Stätten einer unverfälschten; wahren jüdischen Kultur weiter in Blüte erhalten werden, falls die Einigkeit unter den religiösen Führern eine friedfertige Arbeit zur Schaffung von religiösen Institutionen ermöglichen wird, wird die slowakische Orthodoxie in der Welt würdig das Prinzip der Glaubenstreuen vertreten können, wie es früher Ungarn, daß jetzt ebenfalls von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht wurde und isoliert dasteht, vertreten hat. Derselbe Prozeß vollzielt sich in Rumänien, wo die orthodoxe Judenheit der vier Länder, die heute im Königreich Rumänien vereinigt sind, noch nicht die gemeinsame Linie gefunden hat, die so notwendig ist, um das Uebemommene zu erhalten und Neues zu schaffen. Im Deutschen Reiche hat die glaubenstreue Judenheit, infolge verschiedener Versuche neutrale Gesamtorganisationen zu schaffen, Gelegenheit gehabt, nebst ihren alten bewährten Organisationen neue öffentlich anerkannte Vertretungen zu bilden, wie der Preußische und der Allgemeine Bund gesetzestreuer Gemeinden. Trotz des wirtschaftlichen Niederganges blieben die deutschen Juden ihren Traditionen treu und nahmen an den Hilfsaktionen für die ukranischen Pogromkinder wie für die russischen Hungernden hervorragenden Anteil. Zuletzt aber nicht als Letztes erwähnen wir in der Reihe der Länder Oesterreich. Dieses Land, dem durch den Frieden das Grab geschaufelt wurde und das in dem letzten Jahr wirtschaftliche Eeschütterungen sondergleichen erlebt hat, die nach vielen Propheten unheilbar sind, in diesem kleinen Lande hat die glaubenstreue Judenheit Großes wirken können. Das kleine Häuflein der Glaubenstreuen bringt unerhörte Opfer um ihre Institutionen nicht nur zu erhalten, sondern auch auszubauen. Besonders erfreulich ist es, daß nach einer langen Untätigkeit die thoratreue Judenheit in Wien sich energisch zum Ausbau eines orthodoxen Schulwerkes in Wien entschlossen hat. Wenn auch keine finanzielle Besserung, so doch eine moralische Stärkung brachte für die glaubenstreue österreichische Judenheit der Anschluß des Burgenlandes, daß nach langen Jahrhunderten wiederum Rabbiner alten Schlages, Schulen und Lehrhäuser, Jeschiwots und Botemidroschim nach Oesterreich gebracht hat. Die österreichische Judenheit hat aber nicht nur für ihre eigenen schwer geprüften Institutionen Opfer gebracht, sondern sie hat innige Anteilnahme gezeigt für jene, die noch schwerer als sie selbst getroffen waren. So hat Agudas Jisroel in Oesterreich ein Waisenhaus für die Progromwaisenkinder in Baden bei Wien errichtet und zur Linderung der Not unserer hungernden Brüder in Rußland durch Organisation eines Hilfswerkes durch das Zentralbureau der Agudas Jisroel, das zurzeit in Wien ist, und durch Geldmittel beigetragen. Auch sie hat sich nicht entzogen der Pflicht, für Palästina das zu leisten, was sie in dieser schweren Zeit leisten konnte. Wir haben versucht, in kurzen Umrissen zu zeigen, wie die glaubenstreue Judenheit in den einzelnen Ländern gelebt und gestrebt hat, um das von den Vätern vererbte Gut zu retten, zu erhalten und wenn es möglich war zu mehren. Dieser Ueberblick zeigt uns, daß das Jahr 5682 voll Tränen und schwerer Prüfungen für das jüdische Volk war, doch wurden diese von Lichtstrahlen durchbrochen, die zu einer besseren Zukunft berechtigte Hoffnung geben. _ J. P. Die zionistische Jahreskonferenz. Oberrabbiner Chajes hat am Schluß der achten Sitzung der Jahreskonferenz zur Ermutigung seiner Genossen das Wort geprägt, daß die Nicht- Zionisten unsere Erfolge höher einschätzen als wir selbst. Oberrabbiner Chajes hat recht. Der Außenstehende, besonders der auf der Grundlage der Thora und Tradition stehende orthodoxe Jude, ist geneigt, in der Befürchtung der Gefahr, welche die Idee des politischen Zionismus und Nationalismus für das religiöse Judentum bedeutet, die Leistungen und die Erfolge der zionistischen Organisation bedeutend höher einschätzen als die Eingeweihten, ja selbst die Führer auf Grund guter Kenntnisse der Verhältnisse es tun. Es ist außer Zweifel, daß die politischen Erfolge der zionistischen Organisation außerordentlich groß sind. Jedoch bloß nach außen hin. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Beschlüsse des amerikanischen Kongresses, des Völkerbundes sehr hoch zu werten sind, doch räumen diese Besclüsse die realen Schwierigkeiten der Verwirklichung der politischen Ziele der Zionisten nicht aus dem Wege. Man hoffte, daß die Jahreskonferenz nach