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Jüdische Presse · 1922-08-11 · 29 (11.8.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
29 (11.8.1922)
Date
1922-08-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 180 JUDISCHE PRESSE Nr. 29 Die Gefährdeten verlangen nichts als ein Stückchen Brot. Die Agudas Jisroel gibt einem jeden fühlenden Menschen Gelegenheit, an der Errettung zahlreicher Menschenleben Anteil zu haben. Ein Lebensmittelpaket kostet zehn Dollar, das,heißt, nach dem gegenwärtigen Kurs in Oesterreich zirka eine halbe Million Kronen. Tausende und Abertausende gesunder und lebenslustiger, satter Juden leben augenblicklich in Kurorten und freuen sich ihres Daseins. Mögen sie nicht vergessen, daß in demselben Au genblicke, da viele Millionen in Ueberfluß und Wohlgenuß verpraßt werden,hunderttausendeMenschenleiber in Hungerödem anschwellen und dahinsiechen. Mögen sie einige Brosamen von ihrer reichgedeckten Tafel den nach Nahrung lechzenden Hungernden zuteilen! Die Linderang der Hungersnot in Bußland ist eine Gewissenspflicht, der sich niemand entziehen darf. Noch ist die Zahl derer, die dieser Pflicht nicht entsprochen haben, sehr groß. Man prüfe genau unseren Spendenausweis und mahne rücksichtslos diejenigen, deren Namen vermißt werden, an ihre Pflicht. Man verlange Sammellisten und Erlagscheine im Bureau der Agudas Jisroel, Wien, IL, Malzgasse 12 a. Man notiere sich die Telephonnummer 49-0-54. Es ist höchste Zeit! j»; Die Sammlung der polnischen Landesorganisation hat zweihundert Millionen polnische Mark überschritten. *;I; In Wien hat sich ein Sonderkomitee der ehemaligen jüdischen Kriegsgefangenen in Rußland konstituiert, um in dieser schweren Zeit ihren russischen Wohltätern eine Dankesschuld abzustatten. Wir veröffentlichen im Nachfolgenden den Aufruf dieses Komitees. Er wird sicherlich bei all denen, die während des Krieges in Rußland gefangen waren, Beachtung finden. An alle ehemaligen jüdischen Kriegsgefangenen in Rußland! Der Zentralrat der Aguda veranstaltet seit Monaten eine allgemeine Sammlung zur Linderung der Hungersnot in der Ukraine und Sowjetrußland. Die Sammlung hat bereits mehr als eine Milliarde Kronen ergeben und eine große Zahl von Lebensmittelpaketen sind in die Hungergebiete gesandt worden. Zahlreiche Menschenleben konnten dadurch am Leben erhalten werden. Ihr, die Ihr die Leiden des Hungers kennt, Ihr, denen russische Juden während eurer Leidenszeit hilfreich beigestanden sind, Ihr werdet sicherlich gern die Gelegenheit ergreifen, um den _ russischen Brüdern gegenüber eure Dankesschuld abzustatten. Wir fordern euch daher auf, für die Sondersammlung „Jüdische Dankesschuld" reichlich zu spenden. Adresse: Wien, II. Malzgasse 12a. Komitee der ehemaligen jüdischen Kriegsgefangenen in Bußland: Otto Stern, Dr. Armin Kohn. Spendenansweis für jüdische Hungernde in Baßland. (Fortsetzung.) J. Lau K 26.000, Franz Fischhof 1000, Fräulein Rosalia Mannes (Baden) 100.000, Direktor David Schlesinger Reichsmark 100, Moses Frostig 1000, Jennö Müller 10.000, N. N. 51.000, Esra Ben David Don 50.000, Henny Schreiber durch Abraham Münz 1100, Jermes Kauftheil 500, N. N. durch J. M. Horowitz 1000, L. G. 5000, durch Aba Goldfeld (Schönherz, N. Tierhaus, N. N.) ä 1000, Katz, Adolf Neumann, Elkes & Co., H. Beriekamsky ä 500, Ebenspang, Kreitler, Armin Heim ä 800, Bass 250, Sport, M. Blau, R. Eissig Guttentag, Leibisch Derwitsch ä 200, D. Federer 150, Wassermann, Schächter, Schwarz, Landsmann, Samuell Fell, N. Surgel, Aron Ordower, Ghaim Ordower, Moses Zodier, Leon Ellenberg, Kleingesicht, Haas ä 100, Schleiderer 90, Schlome Ochs 50, Josef Parnetz 40, N. N., Scholim Neumann ä 20, Moses Ordower, B. Reiss ä 100; zusammen K 8720. Gruppen verband der Aguda in Deutschland, Halberatadt, Reichsmark 184.800, Dollar 871*20; durch Bethausverein in „Machsike Hadass" K 300, Oberrabbiner Emanuel Sofer, Targu Muras 832.000, Spiegel durch Gerstler 1000; zusammen K 1,325.125, Reichsmark 134.900, Dollar 871 20. Kinder für Kinder. Margit Chalfon durch Sperber K 2000, Hermann, Felix & Stetti Bondi 6535. Geschenk an Salomon Jehuda Braun 50.000, Margit, Karl & Gitta Adler 90.000, Akiba Pollak anläßlich seines Geburtstages 50.000. Tischoh beaw-Spende XJTjyrH 1 Thumini K 10.000, Abraham Heiselbeck (Zürich) Frcs. 10. Dankesschuld der jüdischen Kriegsgefangenen. Otto Stern K 10.000, Arthur Kessler durch Otto Stern 10.000. Waisenfürsorge. Dreiundvierzig kleine Knaben, Kriegs- und Pogromopfer, beherbergt das Aguda-Waisenhaus in Baden bei Wien. 43 Menschenknospen, die der große Sturm des Weltkrieges zu Boden geschmettert und fast dem Verderben preisgegeben hat. Als sie vor einem Jahre in Ostgalizien von den Beauftragten des Kriegswaisenfonds der Aguda Wien gesammelt wurden, konnte man das harte Schicksal, das ihnen widerfahren war, ohne jeden Kommentar aus ihren traurigen Augen lesen. Eine stumme Tragik, die kein Menschenherz ohne Rührung ließ. Ohne Wäsche, fast ohne Kleider wurden sie nach Wien gebracht, um hier die belebende Wärme jüdischer Wohltätigkeit auf sich wirken zu lassen. Zögernd haben sich die edlen Waisenväter in Wien an ihre Arbeit gemacht, denn kaum einer von ihnen war von der Hoffnung erfüllt, aus diesen geknickten Knospen gesunde Menschenblüten hervorzubringen. Es schadet nicht, diese traurige Erinnerung nach einem Jahre wieder aufzufrischen, denn keiner, der die 43 Kinder im Aguda-Waisenhaus in Baden sieht, würde es glauben, daß sie jene wären, die vor einem Jahre mit dem erschütternd traurigen Transport aus Ostgalizien kamen. Rotbackige Jungen mit strahlenden Augen begrüßen einen heute, wenn man das schöne Heim in der Germergasse besucht. In ihrem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Selbst das überaus schwierige Erziehungsproblem, das sonst jüdischen Eltern so viel Schwierigkeiten macht, wurde hier glücklich gelöst. Den größeren Teil des Tages beschäftigt man die Kleinen mit jüdischen Lehrfächern und der Rest wird dazu verwendet, aus den Kindern nützliche Menschen zu machen, damit sie einst produktive Arbeit leisten und einen Erwerb haben. Die Zahl 43 erscheint ja heutzutage, da die Welt von einem Zahlenwirbel erfaßt ist, freilich sehr gering. Sieht man aber einmal diese 43 in dem auch landschaftlich wunderschönen Waisenhause, so sieht man nicht die Zahl, sondern die wunderbare Leistung echt jüdischer Waisenfürsorge, wie sie so stilgemäß aus der Ideenwelt der Agadu entsteht, wo eine gerettete jüdische Seele eine ganze Welt aufwiegt. 43 solcher Seelen sind geborgen, doch unzählige schmachten noch am Rande des Verderbens und harren einer rettenden Tat. Dank der großzügigen Arbeit des schweizerischen Kriegswaisenfonds wurde ebenfalls in Baden ein neues Haus erworben, in welchem weitere 100 Kinder Aufnahme finden können. Dieser neue Kauf ist aber schon mehr der Ausdruck eines edlen Wollens, als eines in der Welt der Zahlen einzig wägbaren Könnens. Denn selbst die Erhaltung des ersten Waisenhauses ist ja bloß der übermenschlichen Anstrengung einiger Menschenfreunde zu verdanken, welche die hiezu nötigen Summen aufbringen. Und da erlauben wir uns einige Bemerkungen. Sonntag findet in Baden- V.öslau eine großzügige Veranstaltung zugunsten der Erhaltung des Waisenhauses statt und wir zweifeln nicht, daß der Erfolg den Anstrengungen und den Hoffnungen entsprechen werde, die man an diese Arbeit gesetzt hat. Man befindet sich jedoch in dem verhängnisvollen Irrtum, zu meinen, daß solche Sammeltage bloß um des Geldes halber da sind, damit man eine große Summe zusammenbringt. Solch ein Sammeltag soll zur Gewinnung von neuen geistigen Kräften und Mitarbeitern dienen. Denn durch die Geldentwertung in Oesterreich sind heute zur Erhaltung und zum Betrieb Summen nötig, die unmöglich aus einem kleinen Kreis durch wenige Menschenfreunde herausgezogen werden können. Viele, sehr viele neue Arbeiter und neue Spender müssen den heiligen Boden der Opferfreudigkeit betreten, um der Pflicht diesen armen Menschenkindern gegenüber zu genügen. Auch soll nicht verschwiegen werden, daß das Ausland nicht gleichmäßig für diese großartige Arbeit interessiert wurde. Man v#ar in der Propagandaarbeit zu sehr westlich orientiert. Wir müssen unser Augenmerk jetzt auf den Osten richten, der durch die Herkunft der Kinder an dem Bestand dieser großzügigen Fürsorgewerke interessiert ist und durch das allmähliche Steigen seines Geldes den Bestand dieser Fürsorgewerke auch ermöglichen könnte. Jeder, der einmal in der Germergasse war, ist entzückt und so oft man dort war, ist man immer wieder überrascht, was edle Menschenherzen und was g-ttgesegnete Menschenhände leisten können. Mögen diese Zeilen bewirken, daß viele anläßlich des Sammeltages dieses edle Heim besuchen, daß sie mit guten Augen sehen und daß viele neue Kräfte in der Heimat und in der Fremde erneute Anstrengung machen, um durch ihre Arbeit Erhaltung und Errettung schmachtender, unschuldiger, zu Boden getretener jüdischer Kinder zu bewirken. P. Eine bedenkliche Entgleisung. Daß das führende Organ der englischen Zionisten, die „Jewish Chronicle", es sich auch jetzt noch nicht versagt, gehässige Unrichtigkeiten über die Aguda zu verbreiten, darüber möchten wir keine Worte verlieren. Aber wir möchten energisch dagegen Protest einlegen, daß dieses Organ in seinem leitenden Artikel vom 28. Juli behauptet, es wäre der stille Wunsch aller Juden der Welt auch vor dem Krieg schon gewesen, daß Palästina unter die Botmäßigkeit Englands kommt. Wir glauben es nicht, daß Theodor Herzl, mit einem solchen Gedanken im Herzen, es vermocht hätte, unter dem Ausdruck der wärmsten Anerkennung für die türkische Herrschaft vor derselben seine Ideale zu Tertreten. Wir glauben es nicht, daß die Zionisten, die noch im Jahre 1918 in Konstantinopel mit den Türken Unterhandlungen gepflogen haben, dies mit einer gegen die Türkei erfüllten Gesinnung taten. Wir glauben es nicht, daß, entgegen der religiösen Auffassung, entgegen der einfachsten und vornehmsten Staatsbürgerpflicht irgend ein Jude mit diesen hochverräterischen Gedanken gespielt hat. Wir begreifen es, \venn „Jewish Chronicle" die Gewährung des Mandates als etwas Großes für England feiert, aber was in aller Welt zwang das Organ dazu, diesen Fleck der Gesinnungslosigkeit und der. Treulosigkeit allen Juden der Welt anzuheften. Gewiß, nachdem es der Allmächtige so gefügt hatte, daß Er das Land seines Volkes der Herrschaft Großbritanniens unterworfen hat — denn etwas anderes ist das Mandat nicht — ist es jüdische Pflicht, dieser Fügung gerecht zu werden. Um so mehr ist es notwendig, solche verwirrende Entstellungen, wie sie in den Aeußerungen der „Jewish Chronicle". enthalten sind, wirksam zu begegnen. Sorsef, daß die „Jüdische Presse" in Jedes ortiiddöxepaiis Eiiisäiis findet Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Preßburg), tiefer Oleg Erstklassige Universalheilanstaltfiir Nerven- Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Orthopädie, Urologie, Augen-, Ohren-, Kehlkopf- und Nasenkrankheiten. Täglicher Pauschalpreis von 5K 83 aufwärts Röntgen-Durchleuchfungen, -Photographie, -Bestrahlungen- Moderne Untersuchungs-Laboratorien, Laboratorium Dr. Sägi. Chemische, bakteriologische und serologische Untersuchungen der normalen und pathologischen Sekrete (Harn, Blut usw.). Blutu, Milchprüfung von Ammen, Empfangstunden 8-12,2-6. Wasserkuren, Luft- und Sonnenbäder auch für Auswärtige Freie Ärxlewahl Streng rituelle Küche unter Aufsicht des Preflburger orth. Oberrabbinates NACHRICHTEN. Deimcbösterreicb. Großer jüdischer Kinderhilfstag Baden-Vöslau. Der diesjährige Sammeltag, Sonntag, 19. Ab 5689 (13. August 1922), für die Badner Waisenhäuser des Kriegswaisenfonds der Aguda verspricht s. G. w. einen vollen Erfolg. Die erste Spende, die wir den Lesern melden können, ist ein Betrag von fünf Millionen Kronen. Aber diese Summe darf uns nicht die Lage rosiger erscheinen lassen, denn ein neues Waisenhaus wurde für 120 Kinder angekauft und ist zu installieren und einzurichten. Die Erhaltung des alten Waisenhauses erfordert heute ungefähr die hundertfache Summe seit seiner Gründung. Was vor einem Jahre mit K 10.000 zu richten war, bedarf jetzt einer Million. So ergeht daher an alle, welche für jüdische Waisenkinder ein warmfühlendes Herz haben, der dringende Appell: wer geben kann, soll mit vollen Händen geben, aber nicht nur das, sondern jeder, der Reichste und der Aermste, soll sich an dem Sammelwerk tatkräftig beteiligen. Alle Mitglieder der Jugend- und Mädchengruppe werden hiemit dringendst aufgefordert, vollzählig in Baden zu erscheinen. Es gilt die Stunde des Erfolges auszunützen. Wir benötigen dringend Sammler und Sammlerinnen. Großen Anklang findet die Wohltätigkeitsauktion und sind schon namhafte Warenspenden, Lebensmittel und auch Kunstgegenstände von Privaten und Geschäftsleuten eingelaufen. An die jüdische Geschäftswelt ergeht der Aufruf, diese Auktion durch Spenden zugunsten der Waisenkinder zu beschicken. Alle Teilnehmer des Sammelkomitees fahren mit den separierten Waggons der Südbahn diesen Sonntag mit dem Zuge* ab 6 35 Südbahnhof. Die Teilnehmer zur offiziellen Besichtigung des Waisenhauses fahren in Separat- Werdet Mitglieder des Waisenfonds! Sekretariat: Wien, IL, Malzsasse 12 a.

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