Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 29 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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<2 2. V. b. b. JUDISCHE P^SSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JL UMS. Redaktion and Administration: Wien, IL, Obere Donaustr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschlnfl: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K8000, Ungarn K 350--, Tschechoslowakei Kö. 70-—, Deutschland Mk.150«-, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 1500-—. Einzelnummer d.-ö. K 160 —, Kc. 1*50. Zahinngt .eh: Postapartassenamt Wien, Konto Nr. 13.45« n: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.40V ugarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; . Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 5S.38G; für Jugoslawien! Postsparkassenamt Agram, Konto Nr. 40.217; für Rumänien: Banca Harmarosch Blanc & Co. für Josef Florenz & Co., Bukarest. Nr. 29 Wien-Bratislava, 11. August 1922 csnn 2*t n rrDDDjna " nn jtjd | 8. Jahrg. Fersenwitz. (Zu apy 'S) Mit kleinen Kindern pflegte man in alten Zeiten so zu spielen, daß man eine glänzende Münze zu Boden warf und mit der Sohle darauf trat. Das Kind suchte die Münze vergeblich, denn der Erwachsene nahm die an die Sohle geheftete Münze bei jedem Schritt mit sich. Schließlich zeigte man dem Kinde die bei diesem Manöver beschmutzte Münze und fragte: Etwas so Häßliches willst du haben? Und manches kluge Kind antwortete dann: An dem Häßlichen bist du schuld, du hast die Münze zertreten und beschmutzt. Manches weniger kluge Kind aber glaubte, die Münze wäre nun wirklich von Anfang an häßlich gewesen. —-- Und dieses liebenswürdige Spiel wurde so oft von rücksichtslosen Frevlern in das Leben übertragen. Auch auf höchste Gedanken trat man mit der Ferse, begeiferte sie, beschmutzte sie, entehrte sie und rief dann mit dem grinsenden Hohnlächeln der korachidischen Entartung: So sieht dein Ideal aus. Und viele ließen sich täuschen. Der Allmächtige selbst wußte, daß dieses Geschick auch seinen Geboten widerfahren würde und daß nicht immer die klare Erkenntnis sich durchringen würde, an wem denn nun eigentlich die Schuld liege, daß Strahlendes geschwärzt wurde. Dies aber unseren Zeitgenossen wenigstens an einem Beispiel zu erklären, ist ernste publizistische Pflicht. Es gibt dank der den wahren Abrahamsenkeln noch innewohnenden Energie noch jüdische Menden,, welche in dy Thora den „Mittelpunkt ihres ffieS efBirekep'nncf'die es fai6hf dulden, däß rnirrrflai selbst für alles Gut der Welt diese Thora entthronen darf. Sie können sich opfern, niemals aber ihr Ideal preisgeben. In der ganzen Welt anständiger Menschen würde man derartige Erscheinungen als lebendige Zeugnis der Kraft des Idealen ehren. Aber jüdischer Mütter treulose Kinder, denen nichts zur Verfügung steht, als die Korruption des Geldes, die brutale Macht der Ferse, suchen den Kindern der Treuen zunächst das Ideal ihrer Eltern unerreichbar zu machen und sodann es mit ihrem Zerstörertritt unscheinbar und häßlich zu gestalten. Das ist die Methode des Kunpfes gegen rechts. In wem lebte und lebt die Liebe zu jedem Juden und zu allem wahrhaft Jüdischen heißer als in dem thoratreuen Kreise? Wer hat für unsere Ideale höhere und größere Opfer gebracht, wer für Erez Jisroel mehr geleistet? Aber wenn nun die entjudeten Kreise hingehen und unter bewußter Ausschaltung des „religiösen Bekenntnisses" ihren G-tt und sein Wort für ein Mandat, für irgend eine Machtstellung verkaufen und sodann mit dem verdrehten Augenaufschlag eines Pincheslohn heischenden Simri über die „Separatisten" schimpfen, die Treue mit dem Tritt ihrer Ferse beschmutzen, wer glaubt es ihnen. — Sie selbst, nein. Aber wenig weitschauende Menschen unseres eigenen Kreises lassen sich irreführen und rücken mit leisem Schauder von rechts ab. Gut, jeder sucht den Platz, der sich ihm eignet. Aber an uns ist es, stets wieder zu erkennen und zu betonen, was denn eigentlich psychologisch diesen Vorwürfen zugrunde liegt und wie wir unseren Zeitgenossen und der kommenden Generation die Mittel in die Hand geben können, sich vor diesem Irrtum zu bewahren. Die Lösung ist bereits in einer uralten Fabel ausgedrückt. Dort wird erzählt von einem schlauen Fuchs, welcher, in ein Fangeisen geraten, sich von demselben unter Preisgabe seines Schweifes befreit hatte, dann zu seinen freien Genossen in den Wald zurückkehrte und denselben zu suggerieren wußte, daß jeder echte Fuchs fortan schweiflos durch die Welt gehen müsse. Teils um sich vor sich selbst zu rechtfertigen, teils um die heißersehnte Geltung zu erringen, wagen es die Menschen, die selbst den Mut zu unbedingter Treue nicht aufzubringen vermochten und im Kampfe gegen links versagten, die rechts von ihnen Stehenden mit dem Vorwurf der Negation, des unfruchtbaren Beharrens auf starrem Standpunkt zu belasten. Aber spätere Geschlechter werden und müssen erkennen, daß gerade die vielverfemte Rechte einzig und allein den Bestand des Judentums in der Judenheit garantiert, und darum steht geschrieben, daß die Erhaltung des Bundes zwischen dem Allmächtigen und uns nur gewährleistet ist in den Menschen, die sich der Geboten und Gedanken annehmen, auf die die große Welt mit ihren Fersen trat und tritt. P. K. Für die Opfer der Hnngerkatastrophe in Rußland. Die Sammlung. Bisheriges Ergebnis: eine Milliarde und 235 Millionen Kronen. Leider bewahrheiten sich die jüngst in verschiedenen Zeitungen aufgetauchten Nachrichten über ein Nach- 1ä§3ierF~er^ die bei der Agudazentrale in Wien täglich einlaufen, geben noch unverändert zu der schwersten Besorgnis Veranlassung. Aus allen Gegenden Rußlands, aus Petrograd, Kiew, Mohilew a. Dnjester, Krementschug, Odessa, Nikolajew, Radomysl und zahlreichen kleineren und größeren Gemeinden lauten die Berichte übereinstimmend ungemein traurig. Neuerdings meldet sich die furchtbare Begleiterin aller J Hungerkatastrophen, die Cholera. Wer kann die Opfer übersehen, die die Seuche erfordern würde, wenn sie — G-tt behüte — wenn sie sich weiter ausbreiten sollte? Gegen die Cholera gibt es nur ein Mittel: Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der bedrohten Bevölkerung. Diese kann aber nur erreicht werden, wenn für reichlichere und kräftigere Nahrung gesorgt wird. Die Sammelaktion muß nicht nur fortgesetzt, sondern im beschleunigterem Tempo wesentlich energischer betrieben werden. Wir bitten alle diejenigen, die gegen menschliche Not und menschliches Leid noch nicht völlig abgestumpft sind, zu bedenken, wieviele Menschenleben täglich vom Hungertode bedroht sind. Ein großer Teil der Bedrohten kanngerettet werden. Sonntag Sammeltag Baden-Vöslau. Spendet und sammelt für das Badener Waisenhaus« Unsere Großen. Wer sind die wirklichen „repräsentativ men" unserer großen Vergangenheit, in deren Fußstapfen zu wandeln unser aller ernstestes Bestreben sein müßte? — Kein Volk der Weit läßt einen Zweifel über die hervorragensten Gestalten seiner Geschichte aufkommen. Im Judentum konnte bis in die allerjüngste Zeit hinein solch ein Zweifel erst recht nicht Wurzel fassen. Denn die geschichtlichen Leistungen seiner Großen waren zu jeder Zeit lebendig wirkende, von jedermann miterlebte Gegenwart. Wer kannte sie nicht, wer verehrte sie nicht, diese Größten der Großen? In welchem jüdischen Haus wurden die Werke dieser Männer nicht „gelernt", gelehrt und bei den verschiedensten Anlässen des täglichen Lebens nicht als Wegweiser zu Rate gezogen? — Es gab eben für „Größe" nur ein Kriterium, das im ganzen Volke volle Geltung hatte, nur einen Maßstab, an dem alles gemessen wurde, was im Judentum in Erscheinung trat. Unserer Zeit blieb es leider vorbehalten, auch darin Verwirrung einreißen zu lassen. Schon wächst eine Generation heran, die sich gewöhnt hat, unsere Vergangenheit und Männer der Vergangenheit im Lichte fremder Wesensart zu betrachten und an sie Maßstäbe anzulegen, entnommen einer fremden Welt, in die sie unter allerlei Vorwänden hineingelockt wurde. Einige Jahrzehnte bemühte sich die tendenziöse Geschichtsschreibung, der Personalassimilation (Reform), dann wieder die Propaganda der Kollektivassimilation (Nationalismus, Zionismus) unserer Jugend Augen von den wahren Großen unseres Volkes auf Nebengestalten abzulenken und so die Seelen unempfänglich zu machen für die Lebensideale, die sie hochgehalten haben. Glücklicherweise fängt das jüdische Volk in seinen gesund gebliebenen Teilen an, sich seiner selbst zu besinnet. Tausende und Abertausende sind in allen Ländern des Exils am Werke, um dem Verderben Halt zu gebieten. Das gesinnungstreue Judentum organisiert sich. Und je mehr diese Organisierung fortschreitet, je breiter und je tiefer sie sich ausdehnt, um so stärker wird in den weitesten Kreisen das Bedürfnis empfunden, sich an dem wahren Geiste der Vergangenheit zu orientieren und auf die tragenden Säulen dieser Vergangenheit sich zu stützen. Das Volk in seinen breitesten Schichten will sich abermals zu seinen wahren Führern bekennen, in deren Schatten es sich geborgen fühlt. Dieser Seelenregung unseres Volkes kommt der Wiener Maler Meier Kunstadt entgegen, indem er die Bilder der berühmtesten zwölf jüdischen Geistesfürsten des Mittelalters in Ansichlskartenform (bei Josef Schlesinger in Wien) erscheinen läßt. Der uns vorliegende Probedruck zeigt die bekannten durchgeistigten edlen Züge jüdischer Geistesheroen von künstlerischem Blick festgehalten. Es war ein guter Gedanke, die großen Meister, deren Werke zum festen geistigen Besitz unseres Volkes zählen und in jedem besseren jüdischen Hause, in jeder jüdischen Lernstube einen Ehrenplatz einnehmen, auch in ihrem äußeren Bilde uns stets gegenwärtig zu machen; wirnehmen nun zu unserem Erstaunen augenfällig wahr, wie der einheitliche Geist der Thora, der diese Männer — verschiedenen Jahrhunderten angehörend, aus verschiedenen Milieus hervorgegangen und in verschiedenen Ländern wirkend — zu einer einzigen geistigen Einheit vereinigt, so tief auf ihre Träger einwirkt, daß sie uns auch äußerlich fast wie gleichzeitig um einen Tisch versammelte Söhne einer Familie erscheinen. Wem wird es nicht zum Nachdenken über die Eigenart der jüdischen Einheit anregen, wenn er die Patriarchengestalten der hier abgebildeten Großen an seinem Auge vorbeiziehen läßt? Da sind Rabbi Jizchok Alfasi («rn), Rabbi Salomo Jizchaki (*Vf% Rabbi Jakob b. R. Meir (DD TOI), Rabbi Mosche b. Maimon (D'SfcH), Rabbi Mosche b. Nachman ('«20*1), Rabbi Ascher b. Jechiel (tf'iO), Rabbi Jakob b. R. Ascher (DniBiT3), Rabbi Josef Caro til'W O), Rabbi Mosche Isseries (N"tt"))f Rabbi Sabbataj Kohen (JtP), Rabbi Dawid Halewi (fto), Rabbi Abraham Gumbinnen (K"Ö O). In tiefer Demut saugen wir die von reinster Heiligkeit durchstrahlten Gesichtszüge dieser Männer in uns auf und freuen uns, nun auch Gelegenheit zu haben sie auch unserer Jugend vorzuführen. Man muß dem Künstler Dank wissen. Denn das sind die Männer, in deren Sonnenglanze wir wandeln und deren geistiges Schaffen uns Wege gebrochen hat zur wahren G-tteserkenntnis. Soker. Engros und Erzeugung8 I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67-302 Detailverkauf s - Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Schiff5 Pelzwarenhaus