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Jüdische Presse · 1922-08-04 · 28 (4.8.1922) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
28 (4.8.1922)
Date
1922-08-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 176 JUDISCHE PRESSE Nr. 28 orthodoxe Judentum hat dadurch schwere Schäden erlitten. Es war selbstverständlich eine der wichtigsten Aufgaben der sich organisierenden Orthodoxen in Polen, diese Schäden nach Möglichkeit auszugleichen und einem Umsichgreifen des Uebels vorzubeugen. Was die Aguda-Organisation in wenigen Jahren seit Kriegsschluß anf diesem Gebiete geleistet hat, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Eine der wichtigsten Institutionen zur Verbreitung und Vertiefung der Thorakenntnis in der polnischen Jugend, ist die „Mesiwta" in Warschau. Es ist dies eine Jeschiwah, in der Talmud und talmudische Disziplinen systematisch gelehrt werden. Das Kuratorium besteht aus den hervorragendsten und bekanntesten orthodoxen Männern des Landes. Ein rabbinisches Komitee, als Präsidium der Anstalt, übt die Aufsicht in religiöser und geistiger Beziehung über die Anstalt aus. Diesem Komitee gehören die Gaonim von Polen, Rabbi Meir Don Plotzki (Ostrow), Rabbi Menachim Sembo (Praga), Rabbi Meir Warschawjak (MonkatoW) und der bekannte Redakteur des „Degel Hathora", Herr M. N. Kascher, an. In einer soeben erschienenen instruktiven Broschüre werden das Programm der AVistalt und ihre bisherigen Erfolge dargelegt. Am Schlüsse der Broschüre sind begeisterte Anerkennungsbriefe von Autoritäten ^veröffentlicht, die die „Mesiwta" besucht haben und die religiöse unfl geistige Richtung der Anstalt genau kennen. Es sind dies Briefe außer den oben genannten vom Rabbi von Gor, Rabb;i M. J. E. Leiner (Radzin), Rabbi I. S. Morgenstern (Sokolow), sowie auch Rabbi A. Z. Perlmutter (Warschau), Rabbi S. J. Schkop (Grodno), Rabbi I. M. Gordon (Lomsa), Rabbi I. Schuster (Sokolka), Rabbi S. Jagil (Slonim), Rabbi Ch. Schapiro (Horadna). Da in jüngster Zeit über diese „Mesiwta" die abenteuerlichsten Nachrichten in Umlauf gesetzt werden, wird es gut sein, sich über die Anstalt eine Meinung erst zu bilden, nachdem man diese Broschüre gelesen hat. Sie ist vom Direktorium der Anstalt in Warschau S-to Jerska 18 zu beziehen. > y Amerika. Der Hißerfolg der zionistischen Delegation in Amerika. Die Abreise der zionistischen Delegation aus Amerika wird selbst in zionistischen Kreisen angenehm empfunden. Fast acht Monate weilte die Delegation in Amerika und hat alles in allem für den Keren Hajesod nicht mehr als eine Million Dollar bar zusammengebracht; ein Ergebnis, das auch ohne die kostspielige Delegation, in der sich namentlich Jabotinski als überaus schädlich erwiesen hat, zu erzielen gewesen wäre. Palästina. Dir neueste Deklaration Sir Herbert Samuels. Sir Herbert Samuel rief den palästinensischen Rat gleich nach seiner Rückkehr zusammen und las dort eine wichtige Deklaration vor, die die scheinbar erregte Stimmung im Lande beruhigen wollte. Sir Herbert Samuel hat sich veranlaßt gesehen, nachdrücklichst zu erklären, daß durch die Bestätigung des Mandates in der politischen Leitung des Landes, besonders was die Einwanderung betrifft, gar keine Aenderuhg eintreten wird. Die Regierung wird nach der Bestätigung des Mandates Schritte unternehmen, um eine gesetzgebende Körperschaft einzusetzen, deren Majorität von dem Volke gewählt werden soll. Die Einwanderung wird sich immer nach den wirtschaftlichen Verhältnissen richten. Daß im Monate Juli trotz der wirtschaftlichen Krise 474 (darunter 300 Frauen und Kinder) neue Einwanderer in das Land kamen, kommt daher, weil die Emigranten ihre Visa schon Monate früher bei den verschiedenen englischen Konsulaten qesorgen, so daß die Sperrmaßnahmen sich immer erst nach einigen Monaten fühlbar machen. Durch die Annahme des Mandates wird die Regierung in die Möglichkeit versetzt, eine innere Anleihe zu machen, auf deren Notwendigkeit Sir Samuel nachdrücklichst aufmerksam gemacht hat. Oberrabbiner Kuck im Kampfe. Gegen die Verfasser der Broschüre Kol Gadol, Hoffmann und Schemnitzer, haben bereits zwei Verhandlungen vor Gericht stattgefunden. Die Angeklagten haben sich beharrlich geweigert, vor einem anderen, als nach Din-Thora urteilenden Gerichtshofe zu verteidigen. Der Richter war gezwungen, die Verhandlung wieder zu verschieben. Nach neueren Nachrichten wurden die zwei Verfasser in Haft genommen. Cscbecboslowakci. Ein zionistisches Beth-Hamidrasch in Hast. Aus Hust wird uns gemeldet: Die hiesige Gemeinde hat in der Person des heuen Oberrabbiners Duschinsky nicht nur einen großen Gaon von Weltruf, sondern auch einen Mann, der seine Ueberzeugung unerschrocken und mutig vertritt, als Führer bekommen. Dieser Umstand ließ eine kleine, unansehnliche Schar von jüdisch-nationalistisch-zionistischen Misrachisten nicht ruhen und sie setzen jetzt ihr immerhin erfolgloses Bemühen daran, Zerklüftung in der Gemeinde hervorzurufen und das Ansehen des Oberrabbiners zu unterwühlen. Sie haben jüngstens beschlossen, für sich ein eigenes zionistisches Beth- Hamidrasch zu bauen. Der Oberrabbiner versuchte in einigen Reden, sie von der Unjüdischkeit ihres Vorhabens zu überzeugen, doch vergebens. Jedoch der Bauplan gedieh nicht über die Grundsteinlegung, zu welcher angeblich auch ein Dr. Rabbi erschienen sein soll, der es aber vorgezogen hatte, sich noch vor der Feier englisch zu empfehlen. Presov. Die' Presover Jugendgruppe hat, wie alljährlich, auch heuer eine „Kinder aufs Land8-Aktion eingeleitet. Zwanzig schwache und unterernährte Preßburger Kinder wurden in Presov und Umgecung bei folgenden Familien untergebracht. Presov: Ludwig Preiß, A. Roth. Bardiov: A. Selmanowitsch, B. Zweigel, M. Guttmann, H. Schöndorf. Sovar: Balkanyi, Großmann, Diossy. Raslovica: Atlas, Braun, Grünwald. Kapi: Rubin. Hethars: Ablöser, Safran. Ujfalu: Herz. V. Sares: Klein. Die Leitung der Jugendgruppe war mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bemüht, das Gelingen dieser schönen Aktion zu sichern. Preßburg. Der wegen seiner großen Gelehrsamkeit berühmte, dem Preßburger Rabbinat angehörende R. David Wessely wurde in Budapest einstimmig an Stelle des jüngst verstorbenen Rosch- Besdin Rabbiner Schreiber gewählt. Rabbiner Wessely ist Vortragender an der Preßburger Jeschiwah und der hiesigen Schas-Chewra. Sein Weggehen würde hier mit großem Bedauern aufgenommen werden. Erfreulicherweise hat sich Rabbiner Wessely noch nicht entschlossen, die Budapester Wahl anzunehmen. Mit der Instandsetzung des Beth-Hamidrasch von R. Meschulem Tischmenitz, wie es in der vorigen Nummer berichtet wurde, soll auch die Renovierung der Mikwah des Genannten in Aussicht genommen werden. Diese Mikwah ist unterhalb des Beth-Hamidrasch gebaut und ist eine höchst interessante Sehenswürdigkett. Aus einem Felsen ergießt sich eine Quelle in die Mikwah, über welcher ein bewunderungswertes Gewölbe, aüf einer ägyptischen Säule ruhend, sich zieht. Dem Vorstande und der Repräsehtanz gebührt die besondere Anerkennung, daß sie diese historische Stätte der Nachwelt retteten. Herr Josef Grünsfeld, Wirtschaftsleiter der Kultusgemeinde, der die Initiative zur Restaurierung gab, leitet den Bau mit großem Verständnis. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". Rein Gedanke kann sich sieghaft durchsetzen, wenn ihm nicht eine gute Presse zur Verfügung steht! Keine Presse kann bestehen, wenn ihr nicht in dieser schweren Zeit die inaaller Verterielle und ideelle Gesinnungsgenossen zur fttgung steht! Gesinnungsgenossen, denkt an eure Presse! Unterstützt unseren Preisfonds! #

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