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Jüdische Presse · 1922-08-04 · 28 (4.8.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
28 (4.8.1922)
Date
1922-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 174 JUDISCHE PRESSE Nr. 28 G-ttes Wort und Verheißung, denen das Geschick der Juden nocli eine ernste Sorge ist, klipp und klar folgendes gesagt werden. Wir protestieren gegen die Unwahrheit, daß die Zionistische Organisation eine legitime Vertretung des jüdischen Volkes ist. Wir werden es stets ablehnen, die Führung der Angelegenheiten in Palästina durch die Zionistische Organisation anzuerkennen. Wir protestieren dagegen, daß das Mandat ein „jüdisches Palästina" geschaffen habe. (Es ist traurig, daß zionstische Organe es sich auch heute noch nicht versagen können, trotz der Zustimmung der Zionistischen Exekutive zu dem „white paper" der englischen Regierung, die ausdrücklich ein jüdisches Palästina ablehnte, mit diesem Ausdruck zu spielen und so Sand in die Äugen zu streuen sich bemühen.) Wir erklären, daß ein nationales Heim, welches die jüdische Religion schmäht und verletzt, ein unjüdisches ist. Wir erklären nochmals, daß wir ablehnen, das Mandat etwa als einen Lohn für die im Krieg geleisteten Dienste zu betrachten. Wir erachten es, jetzt mehr wie früher, als einen verhängnisvollen Irrtum, wenn religionstreue Kreise den Keren hajesod subventionieren. Denn es hat sich gezeigt, daß die Mächte und der Zionismus moralische Kräfte nicht diskontieren. Sie tun das zu ihrem eigenen Schaden. Uns aber obliegt die Aufgabe, unseren Keren hajischuw so auszugestalten, daß wir denen, die Rechte in Erez «Tisroel gegen Pfund Sterlinge zu verschachern sich bereit erklärt haben, auch mit materiellen Dingen imponieren. Wer jetzt noch eine Peruta für Keren hajesod gibt,1 stärkt Religionslosigkeit und Säkularisierung von Erez Jisroel. * * * Die zionistische Politik und die Wahrheit. Tiefe Wunden, unermeßlichen politischen und finanziellen nochmehr aber moralischen Schaden haben Zügellosigkeit und die unverantwortliche Reklamepolitik der zionistischen Organisation dem gesamten jüdischen Volke während der letzten Jahre zugefügt. Die zionistischen Führer gaben vor und geben weiter vor, bevollmächtigte Vertreter des jüdischen Volkes zu sein. Abgesehen davon, daß „das jüdische Volk" als ganzes weder die Zionistische Organisation noch irgend eine andere Körperschaft mit seiner Vertretung nach außen betraut hat, erfordert doch selbst eine eigenmächtige Handlungsweise zu mindestens ein gewisses Maß von geistiger Anpassung an das Wesen und den Charakter derjenigen, in deren Namen man aufzutreten sich bemüßigt sjeht. Diese elementare-Forderung einer jeden öffentlichen Moral hat die Zionistische Organisation unausgesetzt verletzt. Sie, die assimilierteste' Gruppe unter den aktiven Teilen des jüdischen Volkes, hat sich niemals auch nur die geringste Mühe gegeben, den Geist und die Moral dieser jüdischen Gemeinschaft zu erfassen. Was Wunder, wenn ihre politische Taktik nach außen und ihre gesamte Propagandatechnik nach innen durch und durch unjüdisch, von dem Geiste der Thora entfremdet und ganz nach Art von fAssimilierten den Stempel fremder Wesensart an sich tragen? Man sollte denken, die schlimmen Erfahrungen der letzten Jahre hätten die zionistischen Agitatoren eines besseren belehrt und der Abschluß der internationalen Verhandlungen wegen der Uebertragung des Mandates über Palästina an England würde nunmehr die zionistischen Wortführer zu einer gewissen Vorsicht in ihren Enüntiationen und zu einem Mindestmaß von Verantwortungsbewußtsein in ihren öffentlichen Kundgebungen veranlassen. Wir , müssen mit tiefstem Bedauern konstatieren, daß die Zionisten immer noch nichts gelernt und noch nichts vergessen haben. Kaum hat der Völkerbund gesprochen, und schon begegnet man abermals der gefährlichen und schädlichen, auf Täuschung des Volkes und Herausforderung der Gegner berechneten Taktik, die bereits für das gesamte Judentum so unheilvolle Resultate gezeitigt hatten. Das jüdische Volk muß demgegenüber rechtzeitig gewarnt werden. Keinerlei Demagogie und kein Terror der Welt kann eine ihrer Pflicht bewußte Presse davon abhalten, e& unumwunden auszusprechen, so laut und vernehmlich, daß es die ganze Welt hört, daß das jüdischeVolk dieser herausfordernden Politik absolut fern steht und sich mit der unehrlichen, auf augenblickliche finanzielle Erfolge e i ngestelltenAgitationderZionistenkeineswegs identijfiziert. Das jüdische Volk hat zwei Jahrtausende hindurch bewiesen, daß es Erez Jisroel liebt und auch gezeigt, wie es die Anhänglichkeit zu diesem Lande praktisch betätigt wissen will. Der Uebergang der Herrschergewalt über Palästina von der Türkei an England hat — wie auch in früheren Jahrhunderten jeder Besitzwechsel des Heiligen Landes — das gesamte jüdische Volk in eine fieberhafte Spannung versetzt. Es war leicht, Schlagworte und Illusionen populär zu machen und dem Volke Hoffnungen zu suggerieren, die von der Wirklichkeit sehr weit entfernt waren. Diese Volksbetörung konnte noch bis zu einem gewissen Grade gerechtfertigt werden; vielleicht handelten die zionistischen Führer dabei nicht gegen besseres Wissen und Gewissen. Jetzt nachdem eine absolut klare Situation geschaffen ist, nachdem die zionistische Organisation in bindender Form sich der englischen Regierung gegenüber schriftlich verpflichtete, sich von jeder Illussionspolitik endgültig loszusagen und die Versicherung abgab — ob sie dazu berechtigt war, oder nicht, ist eigene Sache der zionistischen Organisation — daß die Ziele der zionistischen Organisation sich von der Politik, die in der neuen und endgültigen Interpretation der Balfourerklärung niedergelegt ist, sich nicht unterscheidet, nachdem also von einem „jüdischen Palästina" in zionistischem Sinne zumindest, realpolitisch nicht die Rede sein könne, das politische Programm Theodor Herzls daher als gescheitert betrachtet werden muß, und nachdem in Palästina in allerbestem Falle — soferne die zionistische Organisation dafür in Betracht kommt — Rur eine intensive geistige Kolonisation inauguriert werden kann, sollte man erwarten, die zionistische Organisation werde mit ihrer bisherigen Methode der Volksverführung brechen und dem Volke endlich die Wahrheit zu sagen, den Mut aufbringen. Leider ist das Gegenteil davon Wahrheit geworden. Die zionistischen Leitungen strotzen wieder von Uebertreibungen der schlimmsten Art. Reklameüberschriften „Das jüdische Palästina" und überschwängliche Leitartikeln bemühen sich, unserer in politischen Dingen immer noch nicht genügend erfahrenen Masse Dinge vorzutäuschen, für die in der realen Politik und in der Welt der Wirklichkeiten keine Spur zu entdecken ist. Das führt zu neuen Enttäuschungen innerhalb des Judentums und — was noch viel schlimmer ist — zu erneutem Haß und verschärfter Gegnerschaft der Völker und Gemeinschaften, bei denen der Widerstand gegen den Zionismus sehr leicht zu einem gefährlichen Haß gegen das gesamte jüdische Volk und namentlich gegen die jüdische Bevölkerung des heiligen Landes ausarten kann. Was nützt es, daß der High-Commissioner Ii e r b e r t Samuel am Tage der Ratifizierung des Mandates in einer offenherzigen Erklärung der jüdischen und nichtjüdischen'Bevölkerung Palästinas über die Bedeutung dieser Ratifizierung klaren Wein einzuschenken sich -bemüht hat, wenn die Herren Dr. Weizmann und Nahum Sokolow gleichzeitig in einer Art stelbstüberhebenden Proklamation „An das jüdische Volk* ^als ob „das jüdische Volk" in ihnen jemals etwas anderes gesehen hätte oder in Zukunft erblicken würde, als die Präsidenten der Vereinigten zionistischen Gruppen und Institutionen!) genau das Gegenteil von dem verkünden, was Herbert Samuel im Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit vor G-tt und Menschen unzweideutig ausgesprochen hat. Ist auch nur ein Splitter von Wahrheit daran, wenn in der zionistischen Kundgebung gesagt wird, der Völkerbund hätte „das Recht des jüdisch-en Volkes auf die Wiedererrichtungseinernationalen Heimstätte in Palästina anerkannt"? Ist nicht genau das Gegenteil davon wahr? Hat nicht England diese Formulierung des „Historical Rigth" von vornherein ausdrücklich abgelehnt und bloß eine „Historical Gonnexion" gelten lassen und hat Die Sammlung. Bisheriges Ergebnis: eine Milliarde und 140 Millionen Kronen. Die Sammlung der Aguda Jisroel hat die erste Milliarde überschritten. Zum Zustandekommen dieser hohen Summe haben viele tausend Spender und eine große Anzahl von Sammlern beigetragen. Ihnen allen gebührt Dank und Anerkennung. Dringende und erneute Mahnung muß aber an die vielen Tausenden Bemittelten und Satten gerichtet werden, die ihr Herz vor den Bitten der Hungernden immer noch verschließen. Die Hungersnot fordert täglich unzählige Menschenopfer. Alle-diese Opfer hätten gerettet werden k ö n n e n, wenn jeder Jude die Pflicht, zu helfen, erfüllt haben würde, Viele Tausende, Männer, Frauen und zarte Kinder, können noch am Leben erhalten werden. Jüdische Brüder und Schwestern, tut eure Pflicht! Ihr, die ihr am Tischobeaw gefastet und die Kinos gesagt habet, vergeßt nicht, ihr erlebt jetzt abermals jene traurige Zeit. Ihr könnt viel Unheil abwenden, wenn ihr, gemäß dem Wunsche von vielen hundert Rabbinern in Polen und Erez Jisroel, euren Lebensbedarf für die zwei Fasttage an die Aguda Jisroel zur Linderung der Hungersnot in Rußland zur Verfügung stellt. ßrand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prcftburg) Erstklassige UniversalheilanstaltfQr Neruen- und innere Krankheiten Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Orthopädie, Urologie, Augen-, Ohren-, Kehlkopf- und Nasenkrankheiten. Täglicher Pauschalpreis von 5K 83 aufwärts Röntgen-Durcflleuchtungen, -Photographie, -Bestrahlungen Wasserkuren, Luft- und Sonnenkuren auch für Auswärtige Freie Ärxtewahl Streng rituelle Küche unter Aufsicht des Preßburger orth. Oberrabbinates sich der Völkerbund überhaupt je mit der „Wiedererrichtung der nationalen Heimstätte" (also eines jüdischen Palästina) beschäftigt? Bedeutet eine so unverantwortliche b e w ü ß t falsche Formulierung des Völkerbundbeschlusses nicht eine Herausforderung der Araber und aller anderen Gegner einer intensiven Besiedlung des heiligen Landes durch Juden? Wir dachten, die zionistische Organisation "werde, nachdem sie es erreicht hat, daß ihr Name in einem öffentlichen Staatsakt genannt wird, sich der Verantwortung ihrer Handlungen mehr bewußt werden als bisher und hofften, daß es auch den orthodoxen Judentum nunmehr abermals möglich werden würde, die Besiedlung Erez Jisroels irn Geiste der Thora zu pflegen. Wenn aber die zionistischen Führer fortfahren, jede zielbewußte Arbeit in Erez Jisroel durch ihre „Tollheiten" (wie sich Lord Gurzon ausdrückte) zu gefährden, so wird das orthodoxe Judentum gegen diese herausfordernde Politik schärfsten Protest einlegen müssen. Das orthodoxe «Judentum betrachtet die zionistische Organisation nicht als Bevollmächtigte des jüdischen Volkes. Die Tatsache allein, daß dasMandat der zionistischen Organisation — vorläufig — den Auftrag erteilt, als „Jewish Agency" na ch Innen für die Gewinnung der an Palästina interessierten Kreise des Judentums Schritte zu unternehmen, beeinflußt das orthodoxe Judentum keineswegs, seine ^bisherige Stellung der zionistischen Ideologie gegenüber zu ändern. Die Art jedenfalls wie die Zionisten-Führer die neue Epoche in ihrer Entwicklung einleiten, ist kaum dazu angetan auch nur einen einzigen orthodoxen Juden dem thor a fremden Zionismus näher zu bringen. Die erste Voraussetzung für ein Zusammenwirken des historischen jüdischen Volkes mit seinen entfremdeten zionistischen Söhnen, ist und bleibt: Wah rhaftigkeit. Solange die zionistischen Wortführer fortfahren, das Volk zu täuschen und seine Widersacher zu mehren, versagt das orthodoxe Judentum der zionistischen Organisation jedes Vertrauen. A. Mitai. '.x.np-ia «rpapm xnss Man fordere bei Bekannten und Unbekannten KJVJym Kein Jude wird eine solche Aufforderung zurückweisen, aber gefordert muß werden! Ein jeder betrachte sich als Sendbote der Aguda Jisroel und mahne und fordere! Spendenausweis für jüdische Hungernde in Bußland. (Fortsetzung.) Eva Frankel K 3000, E. Grünberg K 1000; durch Rev. W. R. Wyseheik Germiston, Transvaal (S. Schmidt und N. AI. Harris im Namen des Brautpaares Moses Rom und Minna Goldberg £ 2/8/6, Rev. Wyseheik 18/—) * 3/6/6: durch Josef Stern, Illok (Sandor Stern, Illok Jugo K 500, Hermann Stern, Illok Jugo K 244, Fischer Petrowesselo Jugo K 200, Phillip Lang, Illok Jugo K 100, A. Wortmann, Illok, Pollak Petrowesselo, Galandauer, Illok;'i Jugo K 100, diverse Spenden Jugo K 256) Jugo K 1600; durch Aha Gold/eld (Jacob Schächter, Meier Rqsenblüh ä K 200, Julius Spitzmann K 150, Juer Mann, Schmetterling, Srul Berdach, Glaser, Adolf Wiener, Chaim Knebel ä K 100, Moses Zimmet K50) K 1200; Rethaus Talmud Thora K 8450; Kastner, Bratislava durch Jugendgruppe Wien K 50.000; Gruppenverband der Agudas Jisroel in Deutschland. Halberstadt Reichsmark 150.000, Dollar 10; Hugo Hirsch, Salzburg, durch Daniel Bonhady, Salzburg K 10.000. Zusammen: K 183.600, Reichsmk. 150.000, Jugo K 1600, £ 3/6/6, Dollar 10. Tischali be-aw-Spende. Familie D.awid Schlesinger K 50.000. Berichtigung. In den vorwöehtlichen Ausweis soll es richtig heißen: Dr. Joseph Chapiro, Salzburg durch Dätiiel Bonhady K 5000. Für die Opfer der Hungerkatastrophe in Rußland.

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