Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 26 (21.7.1922)
- Date
- 1922-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2»i JÜDISCHE PRESSE Seite 167 Eines aber ist festzuhalten: Nur ein in Krise befindliches deutsches Volk ist Narren und Schulbuben ausgeliefert, nur eine halbgelähmte zionistische Bewegung hat nicht die Kraft ilie ins Jüdische karrikierte „Cu hinwegzufegen. Auch die Tat der „Aguda" könnte jenes notwendige Erlebnis werden. Wenn wir gleich Deutschland den Mutzum Wollen finden. * Wir kommentieren nichts, unterstreichen nichts, fragen auch nicht weiter, wo dieser Zionismus der Tat hinführen soll. Diejenigen, die seit Jahren das Volk betört und irregeführt haben, wissen, zu welchem Ende man den Tatendrang der Betörten von Zion — abzulenken sich bemüht. Es wird euch nichts nützen. G'ttes Volk hat einst auf dem Sinai vernommen : lau Tirzoch! Mewin. Die Liebe zn Zion in Bratislava. Der Verein .Almwath Zion" hatte an einem der letzten Sonntage ein vortrefflich gelungenes blau-weißes Kinderfest arrangiert. Zur Förderung der Ahawoh. zu Zion haben Mädchen und junge Leute gemeinsam in der Aufführung klassischer Bibelstücke sich übertroffen. Auch die Misrachi, — die ja bei solchen Anlässen nicht fehlen darf, da ihr Fernbleiben sehr leicht als Bedenken* aus religiösen Motiven ausgelegt werden könnte,'— glänzte mit ihrer Anwesenheit. Die Heiligkeit des Festes war übrigens bei den Herren Zionisten so hoch angerechnet, daß die Vorarbeiten sogar am Sabbat getroffen wurden. Wir wollen uns darüber gar nicht wundem. Aus dem Talmud ist zu entnehmen, daß die gewöhnliche Denkungsart das Bauen des Heiligtums am Sahbat für statthaft gefunden hätte, wenn nicht ein Possuk die Entweihung des Sabbat auch in diesem Fall ausdrücklich untersagt hätte. Die Zionisten haben keinen Possük. Die dürfen mechallel Schabes sein. B. Jüdische Gedanken. IV. Die Judenhasser haben an den Juden hauptsächlich sechs schmachvolle Eigenschaften zu tadeln. Die Juden, so behaupten sie, sind: 1. Von einer geistig minderwertigen Rasse. 2. Haben durch ihre geistige Ueberlegenheit sich die Völker, in deren Mitte sie leben, untefworfen. 3. Die Juden sind ein im Materialismus versunkenes Hausierer¬ und Schachervolk, das nur eines will: Geld durch Geschäfte zu verdienen. 4. Die Juden haben nur ein Streben : Wissenschaft, Literatur und Kunst zu ihrer ausschließlichen Domäne zu machen. 5. Seit jeher sind die Juden die fanatischesten Vertreter reaktionärer Ziele. 1 6. Umsturz und Revolution war zu allen Zeiten ausschließlich das Werk von Juden. * Das jüdische Volk, dem in seiner Gesamtheit die Forderung gestellt wurde: „Ihr sollt alle heilig sein!" konnte naturgemäß zu keinem Kultus einzelner Heiliger gelangen. * Man darf schon den Feind beschämen! Aber nur durch Edelmut. * Moses war nach dem Zeugnis der Bibel ein Mann von schwerer Zunge und schwerer Sprache. Und doch gab es noch keinen Menschen, dessen Worte von solch mächtiger Wirkung auf die Menschheit waren, wie die.des Moses! G1 e i c h b e r e c h t i g u n g: Der moderne Staat anerkennt bereits in der Theorie die Gleichheit aller. Auch in der Praxis sagt der Staat: Der Jude kann alles werden. Nur stellt man mit* unter eine kleine Bedingung: Der Jude muß erst aufhören — Jude zu sein. + * Bekenne dich charakterlos zu eine* heuchlerischen Lüge und die Hindernisse der Karriere fallen. Also Verleihung von Gehalt, Rang und Titel mit Nachsicht des — Charakters! " 0 Die Juden verlangten nie etwas anderes als: Gerechtigkeit'. Das ist das wenigste, das einer fordern kann, aber freilich das Höchste und Seltenste, das gewährt werden konnte . . . * Die Objektivität der Juden geht bis zur Selbstzerfleischung. Sie waren eben immer Angriffen ausgesetzt und mußten an ihre Verteidigung denken. We'r aber sich wirksam verteidigen will, muß zunächst darauf bedacht sein, zu wissen, was ihm der Gegner vorhalten könnte, damit er zu dessen Widerlegung vorbereitet sei. Das ist aber der zwingendste Weg zum objektiven Denken. Maleachi. An unsere Abonnenten! Wir bitten unsere Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände sind, wiederholt, um umgehende Ueberweisung der Bezugsgebühr. Die Administration. NACHRICHTEN. Demscftosttrreicb. Große Geld- und Naturalspenden für das Aguda- "Waisenhaus in Baden. Die Sympathie für das Badener Aguda Waisenhaus wächst von Tag zu Tag und jeder Besucher dieser schönen, echt jüdischen Anstalt geht mit größter Befriedigung t'ört. Anläßlich eines Besuches spendeten: Herr und Frau Schaje Silberpfennig, Tarnow, poln. Mk. 500.000 (über 2 Millionen Kronen): Herr Tobias G. Gutwirth, Antwerpen, eine Million Kronen für den eisernen Fonds des Kriegswaisenhauses; Herr Gutwirth spendete außerdem noch K lOO.OOÖlm Waisenhause; die Kultusgemeinde „Ez Ghaim", Straßburg, Frcs. 450 (zirka 1 Million Kronen); Herr J. Sonnenfeld, Baden, beschenkte das Waisenhaus mit. einer Naturalspende von einem halben Waggon Kohle. — Allen Spendern sei öffentlicher Dank gezollt und mögen sie anderen als Ansporn zur Nachahmung dienen. Geregelte wirtschaftliche Verhältnisse müssen eintreten, wenn Staat und Volk in einigem Zusammenwirken den Wiederaufbau stützen. Die Geldentwertung aufzuhalten ist unser nächstes Ziel. Schon arbeiten berufene Stellen an der Stabilisierung der Währung, die nicht ohne Einführung von Sparmaßnahmen durchzuführen ist. Sparen ist d'ft gemeinsame Losung aller Oesterreicher. Und wer hier d"|m Staate in seiner Bedrängnis dre Treue halten will, muß neue Schatzscheine der Emmission 1922 erwerben, die bei ungekündigtem Jahresbesitz 7'4 Prozent an Zinsen tragen. Alles Nähere über Rentabilität und Sicherheit geben das Postsparkassenamt, die Banken und Sparkassen bereitwilligst bekannt. Ungarn. >Dor Tisza-Eszlärer Schächter. Dieser Tage verstarb in Budapest der Papieragent Salomon Schwarz im Alter von 77 Jahren. Der kleine, weißhaarige, alte Mann war in Budapest eine gut bekannte Persönlichkeit und zahlreiche Freunde und Bekannte gaben ihm das letzte Geleit. Schwarz, der vor vierzig Jahren in der kleinen Gemeinde Tisza-Eszldr als'Schochet angestellt war, spielte die Hauptrolle in dem denkwürdigen Eszlarer Prozeß, in dem er beschuldigt wurde, die Solymossi ermordet zu haben., Selbstverständlich kam seine Unschuld zutage, v k Amerika. Rückgang des Zionismus ia Amerika.-Die vor kurzem gegründete einzige hebräische Tageszeitung „Hadoar" hat mangels an Mitteln ihr Erscheinen eingestellt. Erstarkung dor Brandeis-Gruppe. Die 23. Konferenz der amerikanischen Reformrab^iner beschloß mit der Brandeisgruppe ein Uebere in kommen wogen gemeinsamer Arbeit für den Aufbau Palästinas zu treffen. Der „Sidirr" abgeschafft. (JPZ). An der kürzlich abgehaltenen Jahreskonferenz der Reformrabhiner Amerikas wurde der ohnehin schon stark gekürzte „Sidur" (Gebetbuch) gänzlich abgeschafft. Es wurde beschlossen, daß auch Frauen als Rabbiner und Vorbeter fungieren können. Schweix. Sabbath-Dispens. Der Regierungsrat ermächtigte den Erziehungsrat zum Erlaß einer Weisung an die Schulpflegen und Lehrerschaft über den Sabbat- Dispens von Schülern israelitischer Konfession. Polen. Ausschreitungen gegen Juden in Wilna. Der antisemitische Agitationsklub Rozwoj hielt dieser Tage in Wilna Pilsudski-feindliche Vorlesungen ab, die mit wilden Aufreizungen gegen die Juden verbunden waren.,Die Regierung verbot die Vorlesungen, und als die Polizei die Saaleingänge sperrte, kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und dem aufgeputschten Pöbel, der den Saaleingang nicht erzwingen konnte und nach dem Judenviertel. strömte, wobei der Garnisonskommandant General Konarzewski voranritt. Die Juden wurden mißhandelt, vier erschlagen, mehrere verwundet. Viele Läden wurden geplündert und zum Teil zerstört. Die Regierung stellte strenge Bestrafung in Aussicht. gnalanl Lichtheim für eine rein zionistische Jewish Agency. Richard Lichtheim, Mitglied der zionistischen Exekutive, hielt im Londoner „Anglo Palestine Club" einen Vortrag über die „Jewish Agency". Er führte unter anderem aus, daß drfe Agency Wahrscheinlich aus den gegenwärtigen Mitgliedern der zionistischen Exekutive bestehen wird. Ob in der Agency auch Vertreter von nichtzionistischen Organisationen Platz finden werden, sei noch nicht entschieden. Jedenfalls müsse gefordert worden, daß in die Agency nur Vertreter solcher Organisationen zugelassen werden, die zum Aufbau Palästinas' mit Geld und Menschen beitragen. Er kenne aber keine n i c h t z i o n i s t i s c h e O r g a n i s a t i o n, d i e.d i e s e r Forderung entspräche. „Jewish Chronicle" in Opposition gegen die zionistische Leitung. „Jewish Chronicle" greift die zionistische Leitung in heftigster Weise an, weil sie die Erklärung der englischen Regierung, die zufolge der Ansicht des „Jewish Chronicle" eine Verleugnung der Balfour Deklaration darstellt, angenon#nen hat. Rußland bie Folgen der Jabotinskyaden. Auf der Konferenz der ukrainischen Juden, die dieser Tage in Kiew stattfand, benützten die Kommunisten das bekannte Abkommen Jabotinskys mit Petljura als Anlaß, um einen heftigen Kampf gegen die jüdische Bourgeoisie zu führen. Die traurige Lage der Juden in der Krim. Im Pariser „Jewry Tribuna" schildert Prof. Berenson, ein Delegierter der jüdischen Bevölkerung in der Krim, die schreckliche Lage der dortigen Juden. 85 Prozent der 70.000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung hungert. Die Handwerker, meistens Juden, haben keine Arbeit und sterben mit ihren Familienangehörigen buchstäblich vor Hunger. Die Zahl der Toten beträgt täglich mehrere Dutzend. Die jüdische Bevölkerung ist derart herabgekommen, daß sie nicht einmal die Reisespesen aufbringen konnte, um einen Delegierten nach Westeuropa zu entsenden. Prof. Berenson appelliert an die Judenheit der Westländer, die jüdische Bevölkerung in der Krim vom Untergang zu retten. Sir Herbert Samuel beim Papst. (JPZ). Auf der Rückkehr nach Palästina weilte der Oberkommissär von Palästina, Sir Herbert Samuel, einige Tage in Rom, wo er in Begleitung, des englischen Vertreters beim Vatikan, Graf Salis, vom Papst in einer mehr als halbstündigen Audienz empfangen wurde. Die Unterhaltung bezog sich auf das Palästina-Mandat und auf die Note des Vatikans, die soeben von der englischen Regierung beantwortet wurde. Sir Herbert war über seihe Aussprache mit dem Papst zufrieden, da ein% Verständigung über die angeschnittenen Fragen erzielt werden konnte. Sir Herbert hatte auch eine längere- Konferenz mit Kardinalstaatssekretär Gasparri über den gleichen Gegenstand. Die polnische Telegraphen-Agentur meldet aus Rom: Die Audienz Sir Herbert Samuels im Vatikan hatte einen derartig vertraulichen Charakter, daß nicht einmal „Osservatore Romano" die Einzelheiten angibt. Der Oberkommissär verließ Rom einige Stunden nach der Unterredung, deren Inhalt geheimgehalten wird. Nach Angaben maßgebenderKreise sei es sicher, daß der Papst erklärt hat, 1) daß In Palästina keine Situation geschaffen werden kann, die den Juden ein Uebergewicht über andere ethnische und religiöse Elemente geben soll, 2) müssen anerkannt werden alle Rechte der' Katholiken und das Sanktuarium des Heiligen Bodens, sowohl diese, die den Katholiken .unter der türkischen Regierung zuerkannt Tag Tamus Juli Notizen Sonntag 27. 23. Juden greifen Römer erfolgreich mit Schwefel und Feuey an 3830. — Tod R. Itzig, Ghanf. Mo mag 28. ~~24.~r Homer zerstören die Westseite Jerusalems. — Tod R. Moses Teitelbaum Ujhely 5599. Dienstag 29. 25. Erew Rosch-Chodesch — Jörn Kippur-Koton — Fasttag der Chewra in üubna wegen Killderepidemie 5489. Mittwoch Ab 1, 26. <A Rosch Ghodesch — Tod R. Elieser, Isserlisch, Bruder des Remo, Eidam des Marschall Wien 5388 — Tod R. Jossef — Dubna 5400. Donnerstag 2. 3. ti 4. 27. Titus stellt Sturmböcke auf — Mlirtyrertod R. Aron Thumim 5490 Pintschow. Freitag B 28. Epidemie in Saloniki zufolge Insultierung des Ri-ben-lew Saloniki 5305 — Märtyrer-Tod R. Samson Isterpol 5408 (riTl)- Sanistag 29. Deworiiu — Sabbat Chason — 2 Perek — Katastrophaler Brand in Saloniki wegen Ri-benlew 5305 — Tod R. Abraham (Commentar auf Rif) Lemberg 5382. TELEPHON 40.324 EN GROS ss EN DETAIL LEIBER-INDUSTRIE WIEH,l!.,Til50RSTRflS5E39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) GMRO&SUS AUSWAHL IIV HBRRBNKIvEIIDBRI« FERTIG lj:VI> NACH MASS