Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 25 (14.7.1922)
- Date
- 1922-07-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 169 JÜDISCHE PRESSE Nr. 25 Mischkowski (Krink), Rabbiner Katz (Amdur). Gleichzeitig hat der neugegründete Rabbinerverband einen warmen Aufruf für die russischen Hungernden erlassen. Das Lodzer Oberrabbinat. Wie das „Lodzer Tagblatt" meldet, wurde der Radziner Rabbi als Kandidat auf die seit längerer Zeit vakanten Stelle eines Oberrabbiners nominiert. 17 Thorarollen gestohlen. Sabbatnacht, den 1. Juli, wurden in Lentsna (Gouvernement Lublin), 17 Thorarollen gestohlen. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die Tätigkeit der jüdischen Sanitätskommission. In Rowno hat bei Anwesenheit von 30 Delegierten eine Konferenz der jüdischen Sanitätskommission stattgefunden, deren Berichte zu entnehmen ist, daß aus den Mitteln des JDC (30.000 Dollar) und aus Privatmitteln der Bau von 7 Spitälern und 27 öffentliche Badeanstalten begonnen wurde. Diese Organisation hat vom JDC die ganze sanitäre Arbeit übernommen. Deutschland. Mordplan gegen 12 führende jüdische Persönlichkeiten. (Wolff.) Bei der Untersuchung der Hamburger Sprengstoffattentate ergab sich der begründete Verdacht, daß die Täter einer politischen Geheimorganisation angehörten, die sich über das ganze Reich erstreckt. Der verhaftete Warnecke, ein früherer Offizier, stand an der Spitze einer Abteilung der Organisation C, die ein Spreng- und Mord- Kommando hatte, das die Beseitigung politischer Persönlichkeiten auszuführen hatte und dem unter anderem auch die jetzt festgenommenen Mörder Rathenaus angehörten. Etwa zwölf führende jüdische Persönlichkeiten sollten beseitigt werden, darunter auch Theodor Wolf vom .Berliner Tagblatt" und der bekannte Hamburger Bankier Max Warburg. Der Anschlag auf Warburg war für Dienstag abends geplant. Der ebenfalls festgenommene Privatdetektiv Niedria sollte das Auto führen, das auch zum Morde Rathenaus benützt wurde. Das Auto sollte von auswärts geholt werden. Die Mörder sollten mit Pistolen und zwei Maschinenpistolen ausgerüstet werden. Auch das Attentat auf Scheidemann war von den gleichen Kreisen ausgeführt worden. Die Gründung des Preußischen Verbandes jüdischer Gemeinden. Die am 25. Juni in Berlin zusammengetretenen Vertreter jüdischer Gemeinden Preußens, beziehungsweise deren Bevollmächtigte, haben auf Grund des Entwurfes von Dr. Ismar Freund einen „Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden" gegründet. Rumänien. Aufbauarbeit des Joint. Der Joint hat 100.000 Dollar für die Aufbauarbeiten in Bessarabien und weitere 100.000 Dollar für dieselben Zwecke in der Bukowina assigniert. (JPZ) Für die Jeschiwa in Satumare. Die Verwaltung der berühmten Jeschiwa des jüngst verstorbenen Gaon Rabbi Juda Grünwald in Satumare (Szatmdr) entsendete nach England ihren Bevollmächtigten R. Gh. M. Braun, um für die Jeschiwa Förderer zu werben. Die Aktion wird auch vom englischen Oberrabbiner Dr. Herz sehr warm unterstützt und hat bereits gute Erfolge zu verzeichnen. Die Entscheidung des Besz-din in Angelegenheit der Klausenburger Gemeinde. Wir wir bereits berichtet haben, hat sich ein großer Teil der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde in Klausenburg infolge der zionistischen Agitation des seither pensionierten Oberrabbiner Glasner gezwungen gesehen, aus der Gemeinde auszutreten und eine neue orthodoxe Gemeinde zu ründen. Diese Neugründung hat zu vielfachen treitigkeiten mit der alten Gemeinde Anlaß gegeben und es hat lange gedauert, bis die alte Uemoinde sich entschlossen hat, den Urteilspruch eines Besz-din zu akzeptieren. Endlich kam es nun zur Konstituierung des Besz-din, welches von unparteiischen rabbinischen Größen aus Transylvanien zusammengesetzt war. Die Entscheidung fiel für die neue (sefard) orthodoxe Gemeinde günstig aus, indem das Besz-din ihnen das Recht zuerkannte, in Anbetracht der Gründe, welche sie zum Austritte aus der alten Gemeinde gezwungen haben, eine neue Gemeinde zu gründen, welche alle Institutionen, die in einer orthodoxen Gemeinde notwendig sind, selbständig errichten darf. Femer verfügte das Besz-din, daß die alte orthodoxe Gemeinde die Neubildung weder mit finanziellen, noch mit anderen Lasten erschweren darf. In dem vollen Bewußtsein der großen Verantwortung, hat das Besz-din das Gutachten von mehreren talmudischen Koryphäen, unter anderen von den Oberrabbinern Winkler (Hegyaljamad), Engel (Radomysl), Silberstein (Väcz) und Grtinfedl (B. Szentmihaly) eingeholt, die alle den Standpunkt des Besz-din billigten. Sowohl das Urteil, wie die rabbinischen Gutachten sind in einer Broschüre gesammelt erschienen. Jugoslawien. Ausweisung ausländischer Juden aus Jugoslawien. (J. C. B.) Das Ministerium des Innern hat unter Nr. 1738-922 einen Erlaß an den Obergespan vom Sombor gerichtet, wonach mit Rücksicht auf die große Zahl der sich in diesem Komitat ansässig gemachten Juden, die meistens Ausländer 3ind, alle in die Liste aufgenommenen Juden verpflichtet sind, binnen 30 Tagen ihren Heimatschein vorzuzeigen. Ausländische Juden oder jene, die seit dem 1. Jänner 1910 sich die Heimatberechtigung in einem Orte des S. H. S. Staates verschafften und nicht im Orte ihrer Heimatsberechtigung wohnen, sind im Sinne des Erlasses 8640-920 auszuweisen. — In mehreren Ortschaften wurden sofort alle Juden ausnahmslos unter Polizeiaufsicht gestellt. Amerika. Reise des Präsidenten der amerikanischen orthodoxen jüdischen Kongregationen nach Europa. Wie der JPZ vom „Central Relief Committee" aus New York mitgeteilt wird, hat sich Rabbiner Doktor B. Drachman, der Präsident der Vereinigung orthodoxer jüdischer Kongregationen Amerikas, einer der ersten und eifrigsten Organisatoren des JDC, das bisher 50 Millionen Dollar für Hilfszwecke verteilt hat, mit seiner Familie am 4. Juli auf der „ Aquitania* nach Europa begeben. Er wird England, Frankreich, die Schweiz, Deutschland und Zentral-Europa besuchen und mit führenden jüdischen Persönlichkeiten, mit denen er in Wien zusammenkommen wird, über die bisherigen und zukünftigen Hilfsmethoden beraten. Die jüdische Wohltätigkeits-Förderation in Philadelphia verausgabte letztes Jahr 1,026.000 Dollar für die ihr unterstellten 53 Institutionen. (JPZ) Palästinaarbeit der Brandeisgruppe. Wie der JPZ vom „Palestine Development Co." mitgeteilt wird, haben sowohl die Credit Unionbank und die JerusalemerBaukreditgesellschaftFilialen in Jerusalem aufgemacht. Auf Veranlassung von Mr. Rosenbloom wurde sofort eine bedeutende Ueberweisung, um die Geschäfte der Baukreditgesellschaft aufnehmen zu können, vorgenommen. Während der nächsten Monate werden unter anderem Rabbi Dr. Stephen Wise, Mr. S. S. Bloom aus Philadelphia und Mr. Joseph Polstein aus New York in Jerusalem eintreffen, um die Probleme zu studieren, an denen der Palestine Development Council interessiert ist. England. Das englische Unterhaus für das Palästina- Mandat mit 292 gegen 35 Stimmen. Das Unterhaus hat in der Abendsitzung vom 4. Juli das Palästina- Mandat und die Politik der britischen Regierung mit einer Majorität von 257 Stimmen gutgeheissen: 892 Stimmen waren für und 35 gegen. Das Resultat würde mit großen Beifall aufgenommen. Die neue Politik der zionistischen Organisation. (J. C. B.) Im Zusammenhang mit der neuen Erklärung der britischen Regierung über ihre Politik in Palästina teilte der Kolonialminister dem Verwaltungsbeamten der palästinensischen Regierung mit, die zionistische Organisation versicherte Sr. Majestät Regierung formell, daß die Tätigkeit der zionistischen Organisation im Einklang mit der in der neuen britischen Erklärung festgelegten Politik geführt werden wird. Israel Zangwill über die Oberhausresolution. Israel Zangwill erklärte dem J. C. B. gegenüber über die Oberhausresolution unter anderem: Der Verlauf der Geschehnisse sei eine Lehre für die schlechte Führung des Zionismus durch seine Lenker, indem sie immer unterstreichen, das nichts anderes als Geld und wieder Geld nötig sei. Die Wahrheit ist aber, daß in erster Linie eine solide politische Grundlage notwendig ist, und wenn diese gesichert sein wird, wird das Geld von selbst kommen. Hätte man für die Schaffung dieser Grundlage soviel Energie und Ausdauer wie für die Geldsammlung aufgewendet, so wären heute die Ereignisse ganz andere gewesen. Allein die zionistischen Führer haben wie Schwächlinge wegen oberflächlicher Erfolge die Grundsätze des Zionismus aufgegeben, während die Massen eine womöglich noch größere Demut an den Tag legten und jede Bedingung, mag sie noch wie erniedrigend sein, herunterschluckten. Der Versuch, eine politische Bewegung ohne Politik zu führen, mußte fehlschlagen. Nur glaubte ich nicht, daß die Strafe für die Führer und die Enttäuschung für die Massen so rasch folgen werden. Die Enttäuschung im Zionismus. (J. C. B.) In zonistischen Kreisen wird eine gewisse Angst bezüglich jenes Absatzes in der neuen Erklärung der britischen Regierung empfunden, der die Kontrolle über die Einwanderung behandelt. Er besagt, daß der zionistischen Exekutive die Aufsicht über die Immigration und sogar jede Art ihrer Beeinflußung aus. der Hand genommen wurde. Nichtsdestoweniger ist man in verantwortlichen zionistischen Kreisen der Meinung, daß die praktische Arbeit in Palästina durch die Erklärung der britischen Regierung nicht gehindert werden wird. Italien. Empfang Herbert Samuels beim Papst. (J. C. B.) Der Oberkommissär für Palästina Sir Herbert Samuel ist auf seiner Rückreise nach Palästina in Rom eingetroffen und wurde vom Papst in längerer Audienz empfangen. Griechenland. Der jüdische Friedhof in Saloniki, einer der ältesten jüdischen Friedhöfe des Orients, befindet sich seit jüngster Zeit in größter Verwahrlosung.' Die Hirten weiden dort das Vieh und Diebe stehlen die ältesten Grabsteine und kein Mensch kümmert sich darum. Es wäre Pflicht der dortigen jüdischen Gemeinden, sich der Pflege dieser heiligen Stätten mehr angelegen sein zu lassen. Rußland. Die jüdischen Kolonien in Südrußland. (JCB) Die Berliner Abteilung der Gesellschaft »Ort" erhielt eine telegraphische Mitteilung aus Rußland, daß vom 12. bis 15. Juni in Charkow eine Konferenz von „Ort", Delegierten aus Charkow, Odessa und Kiew stattgefunden hat. Auf der Konferenz, an der auch Delegierte der Kolonisten und Arbeiter teilgenommen haben, wurde festgestellt, daß die Saathilfe in den dortigen jüdischen Kolonien die Stimmung bedeutend gehoben hat. Die meisten Kolonisten sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt, der Rückstrom dauert an. Die Kolonisten machen große Anstrengungen, um ihre Wirtschaft wieder herzustellen. Damit die kommende Ernte realisiert werden kann, ist ein größerer Vorrat landwirtschaftlicher Geräte, Werkstätten und Zugtiere erforderlich, deren Anschaffung insgesamt 25.000 Dollar kosten würde. Die Konferenz sprach einstimmig ihr Urteil darüber aus, daß eine Sicherung der Erfolge der nächstjährigen Frühjahrskampagne nur dann möglich ist, wenn auch die Herbstkampagne sorgfältig durchgeführt und das Saatgut aus dem Ausland rechtzeitig geliefert wird. Die Pogrome in Weißrußland. Die Abteilung des Idgeskom in Berlin wandte sich auf Veranlassung des Berliner J. C. B. an das Moskauer Idgeskom : mit dem Ersuchen, um Bekanntgabe von Einzelheiten über die jüngst gemeldeten Bandenüberfälle auf jüdische Ortschaften in Weißrußland und erhielt die folgende Antwort aus Moskau: Nach hier eingegangenen Berichten handelt es sich ausschließlich um Unternehmungen kleiner Banden und einzelner Räuber, die es auch auf das Hab und Gut russischer Bauern abgesehen haben. Es sind nunmehr ausreichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Rückkauf konfiszierter Synagogenschätze. Der bekannte hebräische Publizist Benzion Katz begab sich im Auftrage einer Gruppe reicher Juden nach Rußland, um mit den Sowjetkreisen über den Rückkauf der in den Synagogen beschlagnahmten Wertgegenstände zu verhandeln. Verhaftung eines Rabbiners in Rußland. Der Homeler Rabbiner Bolischanski, den die jüdischen Kommunisten „Jüdischer Patriarchtichon" nennen, wurde wegen angeblicher gegenrevolutionärer Tätigkeit verhaftet. Diese Tätigkeit besteht darin, daß er die jüdische Bevölkerung zum Proteste gegen die Konfiszierung der Synagogenschätze aufgerufen hat. Litauen. Das jüdische Ministerium in Litauen. (J. C. B.) Im Zusammenhang mit den beim litauischen Staatspräsidenten stattgefundenen wiederholten Besprechungen der Vorsteher aller Landtagsfraktionen, hat der litauische Ministerpräsident ein Gesetzprojekt wegen Errichtung eines jüdischen Ministeriums seinem Kabinette vorgelegt. Dieser Gesetzentwurf ist nunmehr vom Ministerrate unverändert angenommen worden und wird dieser Tage dem Sejm zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Das Schicksal der Sabbatruhe. Am 12. Juni trat die Landtagskommission zu einer Beratung über das Sonntagsruhegesetz zusammen. Von jüdischer Seite beteligten sich die Herren Finkelstein, Dr. Rachmilewitz und Minister Soloweizik. Alle Mitglieder waren sich darüber einig, daß das Gesetz in seiner heutigen Fassung die jüdische Bevölkerung in ihrem Lebensnerv trifft und eine unklare Lage schafft, die der willkürlichen Auslegung und Handhabung Tür und Tor öffnet. Es wurde demgemäß beschlossen, ein neues ^Sonntagsruhegesetz auszuarbeiten und dem Landtag vorzulegen. Die Stimmung ging dahin, auffällige Arbeit am Sonntag zu verbieten, dagegen den Handel und die Arbeit in geschlossenen Räumen