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Jüdische Presse · 1922-07-14 · 25 (14.7.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
25 (14.7.1922)
Date
1922-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 JÜDISCHE PRESSE Seite 161 ebenfalls eine Begünstigung der arabischen Majorität in Palästina bedeutet, sind aber Momente, welche die ganze Judenheit enttäuschen müssen und infolge dessen die finanziellen Kräfte nicht zu der gewünschten Entfaltung bringen werden. Selbst wenn der Mandatsentwurf in seiner ursprünglichen Form akzeptiert wird, wird ihre Bestätigung nicht mehr den günstigen Erfolg bringen, denn er noch vor einigen Monaten bewirkt hätte. Nachdem nun die Triebfeder der englischen Politik klar ist, nachdem die englische Regierung nur insoweit an dem Wortlaut und an dem Sinne der Balfour-Deklaration festhält, um eben nicht einen offenen Wortbruch begehen zu müssen, kann man von den jüdischen Massen nicht verlangen, daß sie in der von der englischen Regierung versprochenen Heimstätte, jenes Zentrum erblicken soll, welches die englische Regierung in ihrer jüngsten Erklärung immer noch als das auf den alten historischen Verknüpfungen des jüdischen Volkes zu Palästina beruhendes Zentrum bezeichnet. Denn wenn wir jene Teile der neuen Regierungserklärung kritisch prüfen, welche die Balfour-Deklaration noch einmal bestätigen, so müssen wir frage/i, was soll die schöne Wendung nach ungefähr vierjähriger Existenz der Balfour- Deklaration bedeuten, daß, „um dem jüdischen Volke die volle Möglichkeit zu geben, seine Fähigkeiten zu entfalten, ist es wesentlich, daß es wissen soll, daß es in Palästina von rechtswegen und nicht geduldet is t". Welchen Vorzug bietet demnach Palästina im völkerrechtlichen Sinne vor allen anderen Staaten und Ländern? Sind die Juden in allen europäischen Staaten, wo ihre bürgerlichen Rechte in den Staatsgrundgesetzen gewährleistet sind, bloß geduldet? Betrachtet die englische Regierung die Friedensverträge, welche die Rechte aller Konfessionen, Rassen und Nationalitäten, somit auch die Rechte der Juden auf Gleichberechtigung, auf kulturelle, nationale Entwicklung feierlichst versichern, als nicht existierend? , Wir sind der Ansicht, daß die neuen Erklärungen der Regierung bloß in dem einschränkenden Teile Klarheit bringen, aber die Unklarheit der Balfour- Deklaration, die bisher so viel Unheil angerichtet hat, durchaus nicht beseitigen. Die „historische Verknüpfung des jüdischen Volkes zu Palästina" lebt im Herzen des jüdischen Volkes in ganz anderer Form und in ganz anderer Intensivität, als es die englische Regierung in der neuen Erklärung ahnen und auswirken läßt. Dabei muß gerade vom Standpunkt der thoratreuen Judenheit darauf hingewiesen werden, daß auch jene Teile der Erklärung, welche auf die bisherigen Schöpfungen des jüdischen Volkes in Palästina hinweisen, nicht völlig beruhigend wirken können. Die Erklärung besagt, „daß während der letzten zwei oder drei Generationen die Juden in Palästina eine Gemeinschaft wieder errichtet haben, die jetzt 80.000 Köpfe zählt, von denen etwa ein Viertel Farmer oder Landarbeiter sind. Diese Gemeinschaft hat ihre eigenen politischen Organe, eine gewählte Versammlung zur Leitung ihrer inneren Angelegenheiten, gewählte Vertretungen in den Städten, eine Organisation für die Aufsicht über die Schulen, sie hat ihr gewähltes Oberrabbinat und den Rabbinerrat für die Leitung ihrer religiösen Angelegenheiten, ihre Gechäfte werden in Hebräisch als Umgangssprache geführt und eine hebräische Presse bedient sie. Sie haben ihr ausgesprochenes geistiges Leben, und entfalten erhebliche wissenschaftliche Tätigkeit. Diese Gemeinschaft also, mit ihrer städtischen und ländlichen Bevölkerung, ihren politischen, religiösen und sozialen Organen, ihrer eigenen Sprache, ihren eigenen Sitten und ihrem eigenen Leben, haben tatsächlich nationale Eigentümlichkeiten." So anerkennenswert es ist, daß die engliche Regierung und besonders der jüdische Gouverneur Palästinas in der richtigen Erkenntnis der Gegnerschaft gegen die jüdische Heimstätte die jüdischen Kräfte auf allen Gebieten zu organisatorischer Zusammenfassung veranlaßt haben, so muß es doch betont werden, daß die politische Vertretung nicht als tatsächliche Vertretung der gesamten Juden Palästinas betrachtet werden kann, weil gerade jene Teile der palästinensischen Juden, welche durch ihre Institutionen und durch ihren Lebenswandel die historische Kontinuität repräsentieren, aus prinzipiellen Gründen diese politische Vertretung nicht anerkennen können, da sie im jüdischen Volke, im Gegensatze zu dieser politischen Vertretung, ein von der historischen Verfassung des jüdischen Volkes von der Thora und den g-ttlichen Gesetzen gebundenes Volk erblickt. Ebenso bedeutet eine religiöse Zusammenfassung der palästinensischen Judenheit unter einem zionistisch gesinnten Oberrabbinat einen Gewissenszwang, gegen den seitens der orthodoxen Judenheit Palästinas feierlich protestiert wird und diesen Protest wird England, das viel bewunderte Land der Gewissensfreiheit, hören müssen. So also kann die neue einschränkende Deutung der Balfour-Deklaration trotz der überaus kraftlosen Zustimmung der zionistischen Exekutive keine Grundlage zu einer gesunden Entwicklung geben. Die Araber sind nach wie vor unzufrieden, die zionistisch organisierte Judenheit enttäuscht, die Orthodoxie, die das historische Recht und die historische Verfassung im Volke durch Jahrhunderte aufrecht erhielt, in ihrem Gewissen getroffen. So also muß eine neue Grundlage geschaffen werden, die zum wirklichen Aufbau des jüdischen Landes führt, diese ist die Anerkennung des historischen Rechtes und der historischen Verfassung des jüdischen Volkes, das ist die Thora, sowohl seitens unserer jüdischen Brüder, wie seitens der regierenden Mächte. Nur so kann Palästina, das Heilige Land, aufgebaut werden. Eine böse Erinnerung. Aus Sowjetrußland dringt ein Schrei der Not aus dem Munde Hillel Zeitlins aus Warschau des Inhaltes, daß die zur Führung gelangten jüdischen Kommunisten in Rußland ihre Macht gegen jede Aeußerung des Glaubens mißbrauchen. Wir sind sicher überzeugt, daß die eigentlichen Führer der Sowjetrepublik von diesen Treiben nichts wissen und gegebenenfalls es mißbilligen werden. Die Sicherheit dieser Ueberzeugung beruht auf einer geschichtlichen Erinnerung. Als das sogenannte Aufklärungszeitalter die seichteste Reform das Ohr des Staates auf Grund der perfidesten Denunziation gegen die „rückständige Altgläubigkeit" gewonnen hatte, da hub mit bewußter Absichtlichkeit ein Vernichtungskampf gegen diese Altgläubigen an. Unter schnödestem Mißbrauch der Staatsgewalt wurde das Studium der Thora verhindert, die Autorität der Thora gebrochen und unentbehrliche Institutionen außer Kraft gesetzt. Es ist ja auch bei uns im Westen dieser Kampf noch nicht abgeschlossen, nur mit dem ejnen Unterschied, daß nur noch in wenigen Kultui-staaten, wie zum Beispiel in Oesterreich, ein Staat seine Hand dazu leiht, Gewissenszwang auszuüben, und die Reform samt ihren Pfaffen mit seiner festen Hand schützt und stützt. Aber genau so wie im Westen die Orthodoxie zum Selbständigkeitsbewußtsein und zur Betätigung desselben sich aufgerafft hat, genau so wird es auch im Osten nicht gelingen, Religionstreue und Thorawillen zu vernichten. Wir glauben nicht, daß die verantwortliche Sowjetregierung ihre Hand dazu gibt, ein selbst nach ihrer Anschauung wertvolles Kulturgut der Menschheit den Sadismus entarteter jüdischer Seelen als freie Beute zu überlassen. Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Preßburg) Erstklassige Universalheilanstaltfür lierven- und innere Krankheiten Abteilungen für Chirurgie, fiynSkologle fiebortthllfe, OrtkopBdli, Urologie, Augen-, Ohren-, Kehlkopf- und Natenkraikhelten. Täglicher Pauschalpreis von ÖK 83 aufwärts Pr«l« Arxtawahl Wasserkuren, Freiluft und Sonnenkuren auch für Auswärtige Streng rituelle "IttfD Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates 35E= Jüdische Gedanken. in. Alle Völker der Welt waren darin einig, Israel als das aus* erwählte Volk anzuerkennen, das ihrem Hasse und ihrer Verfolgungssucht zur Zielscheibe dienen solle. Das Judentum anerkennt nicht die Möglichkeit, daß einer, der als Jude geboren wurde, aufhören könnte, Jude zu sein. Ein Jude kann seine Religion verleugnen, aber seine Religion verleugnet ihn nicht. # Das Grab Moses sollte kein Sterblicher kennen. Das Judentum ist eine Religion des Lebens, es will keinen Totenkultus. # In gewissem Sinne muß man den Judenhassern Recht geben. Das Beste hat Evangelium und Koran aus den Lehren Moses und der Rabbiner geschöpft und so ist wirklich, wohin Evangelium und Koran gelangt, alles — verjudet. Die jüdische Religion erlaubt den Verteidigungskrieg, verabscheut den Eroberungskrieg und hat niemals einen Religionskrieg gekannt. „ Man muß zugeben, daß die Judenhasser nur die volle Wahrheit bekennen, wenn sie behaupten, sie besäßen eine andere Moral als jene, die das Judentum lehrt. * Wenn es besser ist — wie es die jüdische Religion verkündet — zu den Verfolgten als zu den Verfolgern zu gehören, dann haben es die Juden wirklich Zeitlebens besser gehabt, als diö "•slker, in deren Mitte sie lebten und es ist undankbar von ihnen, daß sie dies immer vergessen und sich benachteiligt fühlen. # Im Jahre 1840 sagte ein evangelischer Geistlicher in einer Predigt gegen den Judenhaß, der sich angeblich auf religiöse Momente stützt: „.. . Wahrlich, wenn du Schuft bist, sei lieber Schuft ganz einfach, als Schuft im Namen G-ttes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes." Diese Predigt sollten nicht nur Laien, sondern auch — Geistliche beherzigen. * Die antimessianiaohe Zeit haben .wir alle schon genau kennen gelernt. Da führte schier jedes Volk gegen das andere Krieg. Alle lernten die Waffen führen ... die Sicheln machten sie zu Schwertern usw. usw. Haßt man einen Juden wegen seiner Fehler, so kann ihm noch geholfen werden. Wenn man ihn aber wegen seiner Vorzüge haßt?... „, Die jüdische Religion behauptet nicht: die alleinseligmachende zu sein. Sollte sie es vielleicht gerade deshalb sein? * Seltsam! Das Evangelium legt an vielen Stellen Zeugnis für die Wahrheit der Lehre Moses ab: ebeuso der Koran. Und die Söhne Israels sollten die Lehre Moses verleugnen? * Ein Historiker könnte mit gutem Gewissen schreiben: Wenn man — in mittelalterlichen Zeiten — die Juden mißhandeln und berauben wollte, dann mußten sie vorher ein christliches Kind gekreuzigt oder eine Hostie entweiht haben. * Viele haßten auch heute die Juden nicht darum, weil sie es verdienen, sondern bloß weil sie verdienen. Maleachi. NACHRICHTEN. DeutscMiferreicb. Für das Aguda-Waisenhaus in Baden gibt sich auch im Auslande ein lebhaftes Interesse kund. Im „Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz" und in mehreren jüdischen Blättern in Deutschland wird sehr wohlwollend über die segensreiche Tätigkeit dieser Wohlfahrtsanstalt berichtet und die Judenheit zur Unterstützung dieser Institution, die über 40 Pogromwaisen mustergültig verpflegt und erzieht, aufgefordert. Es ist zu hoffen, daß der Appell seine Wirkung nicht verfehlen wird. Heimkehr von Flüchtlingen aus der Bukowina. Aehnlich der Heimkehrtransporte nach Galizien wurde seitens des Bundesministerium auch für die Flüchtlinge aus der Bukowina Heimkehrtransporte bewilligt. Der erste Transport dürfte bereits in den nächsten Tagen abgehen. Ungarn. Rabbinerinstallation. Am 11. Juli fand in Satoraljaujhely die Installation des neugewählten Oberrabbiners, Rabbi Joel Fellner aus Beled, statt. Polen. Zusammenschluß der Rabbiner in Bialostoker Rayon. Als erfreuliches Zeichen des Zusammenschlusses der orthodoxen Rabbiner ist der neugegründete Rabbinerverband in Bialostoker Kreis zu begrüßen. Ungefähr 20 Rabbiner des Kreises Bialostok, Grodno, Suwalk, Slonin, Bielsk, x Nowogrodek, Neszwistz und Sokolka, haben unter dem Vorsitz des Rabbiner Pajansk aus Bialostok den Verband begründet. An der Spitze des Verbandes stehen Rabbiner Pajansk aus Bialostok, Rabbiner Unterman (Grodno), Rabbiner Schuster (Sokolka), Rabbiner En gros En detail Wasserdichte Regenmäntel 6UMMI-INDU5TME Wien, IL, TaboretraBe 39 Hotdl Bayrisoher Hoff. Taleph. 4032« -päppiPStimt***^"-?** ü s^sasmss^smsmmimmim

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