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Jüdische Presse · 1922-07-07 · 24 (7.7.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
24 (7.7.1922)
Date
1922-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 24 JÜDISCHE PRESSE Seite 155 Rund am das Palästinamandat. Die Gegnerschaft gegen das Palästinamandat in seiner jetzigen Form, verdichtet sich mit Rücksicht auf den nahen Termin seiner Behandlung in Genf durch den Völkerbundrat, immer mehr und mehr. Wenn auch die ungünstige Abstimmung im Oberhause seitens der englischen Regierung nicht als Kabinettsfrage aufgefaßt wird, so ist sie sicherlieh sehr geeignet, die arabischen und vatikanischen Gegner des Mandates zu ermutigen und in weiten Kreisen der englischen öffentlichen Meinung gegen die prozionistische Palästinapolitik der Regierung Stimmung zu machen. Es ist charakteristisch für den Wandel der Gesinnung in England, daß eine Gesellschaft von der Bedeutung des Anglo Ottoman »Society, sich mit einem Schreiben an Loyd George wendet, in welchem verlangt wird, daß selbst die Sicherung eines nationalen Heimes für die Juden nur mit den Mitteln gelöst werde, die nicht den moslemischen Besitz und Aufsicht über Palästina beeinträchtigen. Bonar Law, der Führer des englischen Unterhauses während der Kriegszeiten, der früher auf dem Standpuntke der Balfour-Deklaration stand, wendet sich in einer öffentlichen Ansprache gegen das Mandatssystem im Orient, das für England viele Lasten und wenig Vorteile bedeutet. R o in arbeitet auch mit wachsender Energie gegen die Bestäigung des Mandates. Eingeweihte Kreise wollen wissen, daß der englische Gesandte am päpstliche Hofe die Ansichten des Kardinal-Staatssekretärs Gaspari vollauf billigt. Infolge der päpstlichen Stellungnahme nun hat die zweite größte-Partei im italienischen Parlament, die Katholische Volkspartei, von deren Mitgliedern fünf dem Kabinett angehören, den Beschluß gefaßt., daß sieh der italienische Vertreter beim Völkerbund gegen das Mandat von Syrien und Palästina aussprechen soll. Angesichts dieser Schwierigkeiten, die von Tag zu Tag wachsen, tritt die kurzsichtige, rein von Prestigegründen geleitete zionistische Politik in ihrer vollen Erbärmlichkeit zutage. Verblendet von der Macht, welche sie infolge ihrer irrigen und oberflächlichen Deutung (Wie viel künstlich aufgebauschte Hoffnung geht durch den jüngsten Regierungskommentar, mit welchem dieselbe zionistische Leitung sich einverstanden erklärt, verloren.) der Balfour - Deklaration inne zu haben glaubte, hat sie zustande gebracht, die Araber, die nun schon zwei selbständige Königreiche im Orient besitzen, zu den erbitterten Feinden der jüdischen Sache zu machen. Und nicht nur die mohammedanischen und christlichen Einwohner dieser Reiche, sondern auch die .luden, die in diesen arabischen Königreichen leben, nehmen, wie Emerich Abadi, ein genauer Kenner des Orients, in einigen sehr beachtenswerten Aufsätzen, welche in den Februar-, März-, April- Heften einer ungarischen Monatsschrift (,,Függetien Szemle") erschienen, ausführt, selbst versländlich gegen den Zionismus, da er doch staatsfeindlich wirkt. Stellung. Die Araber erblicken nun einmal infolge der falschen Politik der zionistischen Leitung in der zionistischen Bestrebung einen staatsfeindlichen Akt. Somit hat man die Judenheit der arabischen Fi eiche, jenes Element, welches als Verbmdungsbrüeke zwischen den Bestrebungen des jüdischen Volkes nach Palästina zurückzukehren und den arabischen Machtfaktoren dienen sollte, infolge der kurzsichtigen, auf raschen Erfolg rechnenden zionistischen Politik verloren. Dank dieser KurRsichtigkeit, ist es den radikalen zionistischen Führern ebenfalls gelungen, die jüdische Einheitsfront in Palästina selbst zu zerstören, da sie geblendet von Machtdünkel die ureingesessene palästinensische orthodoxe Judenheit statt zu gewinnen, in unerhörter Weise provozierten, beleidigten. Durch ihre a- und antireligiösen Institutionen, durch die öffentliche Entheiligung des Sabbattages, durch den Lebenswandel der Ohaluzim, auf die die zionistische Leitung so stolz ist, hat sich die Kluft zwischen der alten Bevölkerung und der Neuangekommenen immer tiefer und tiefer gestaltet. So findet die steigende Kraft der Araber und die wachsende Sympathie für die Sache der Araber in der politischen Welt eine zerissene Judenheit, weil die so viel gefeierten, weitblickenden zionistischen Führer, die man so eilfertig mit den biblischen Getalten eines Esra und Nehemia verglichen hat, ihre Parteisache höher gestellt haben, als die ehrliche, aufrichtige Berücksichtigung der Forderungen der glauben»- treuen Judenheit, für welche die Erfüllung dieser Forderungen nicht Prestige und Parteisache bedeutet, sondern eine Existenznotwendigkeit, auf welche sie nirgends in der Welt, am allerwenigsten im Heiligen Lande, verzichten können. Eine einschränkende Interpretation der Balfour-Deklaration. Die englische Regierung erließ als Resultat der vielfachen Verhandlungen mit den verschiedenen jüdischen, arabischen und vatikanischen Faktoren eine Erklärung in offizieller Form, die vor allem die von zionistischer Seite so stolz verkündete Deuturig des Sinnes der Balfour-Deklaration, nach welchem Palästina so jüdisch werden solle, wie England englisch, als unautorisiert und unausführbar ein für allemal abtut. Ebenso findet die Erklärung es für nötig, darauf hinzuweisen, daß die zionistische Kommission in Palästina, jetzt Palestine Zionist Exekutive genannt, nicht gewünscht hat, irgendeinen Anteil an der allgemeinen Landesverwaltung zu besitzen und auch nicht besitzt. Auch die besondere Stellung, welche der zionistischen Organisation in Artikel 4 des Mandatsentwurfes für Palästina zugesichert wird, enthält keinerlei solche Funktionen. Diese besondere Stellung bezieht sicli auf die Maßnahmen, die in Palästina hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung zu treffen sind, und sieht vor, daß die Organisation bei der allgemeinen Landesentwicklung bloß Hilfe leisten soll, ohne aber an der Re-. gierung teilzunehmen. Es ist ferner vorgesehen, daß die jüdische Gemeinschaft in Palästina in der Lage ist, ihre Zahl durch Einwanderung zu vergrößern. Der Umfang dieser Einwanderung kann nicht so groß sein, daß er das ökonomische Fassungsvermögen des Landes zur Absorbierung neuer Ankömmlinge in dem jeweiligen Zeitabschnitt überschreite. Es ist wesentlich, Sicherheit dafür zu schaffen, daß die Immigranten nicht der Gesamtbevölkerung Palästinas zur Last fallen und daß sie nicht irgend einen Teil der jetzigen Bevölkerung ihrer Beschäftigung berauben. Es ist auch notwendig, Sicherheit dafür zu schaffen, daß Personen, die politisch unerwünscht sind, von Palästina ausgeschlossen werden und zu diesem Zwecke ist von Seiten der Administration jede Vorsichtsmaßregel angewendet worden und wird angewendet werden. Es ist beabsichtigt, in Palästina ein besonderes Komitee einzusetzen, welches vollständig aus Mitgliedern des neuen gesetzgebenden Rates, die von der Bevölkerung gewählt werden, bestehen soll, um mit der Verwaltung über Angelegenheiten zu beraten, die sich auf die Regelung der Einwanderung beziehen. Sollte irgend eine Meinungsverschiedenheit zwischen diesem Komitee und der Verwaltung entstehen, so wird die Angelegenheit an Seiner Majestät Regierung geleitet werden, welche ihr besondere Beachtung widmen wird. Ferner wird gemäß Artikel 81 des Veitassunsentwiirfes für Palästina jeder religiösem Gemeinschaft oder jeden erheblichen Bevölkerungsanteil Palästinas ein allgemeines Recht gewahrt, durch den High Gommissioner und den Staatssekretär an den Völkerbund zu appellieren in jeder Angelegenheit, in welcher sie meinen, daß die Bestimmungen des Mandats von der palästinensischen Regierung nicht erfüllt werden. Ferner ist die Absicht Seiner Majestät Regierung, die Selbstverwaltung in Palästina in weitem Umfange zu fördern. Aber die Regierung ist der Meinung, daß unter den besonderen Bedingungen dieses Landes dies allmählich und nicht plötzlich vollzogen werden sollte. Der erste Schritt wurde getan, als mit der Einrichtung einer Zivilverwaltung der jeztt bestehende Advisory Council ernannt wurde. Kritische Rundschau. Der Belser Rabbi schl, und der Zionismus. Folgende Darstellung, an sich genug interessant, soll gleichzeitig ein Schulbeisipel für die Bluff-Methoden der zionistischen Parteipresse bilden. Der Belser Rabbi schl. war bekanntlich genötigt, seinen provisorischen Aufenthalt in Munkaceve zufolge einer, allerdings mit der denkbar größten Schonung seines Prestiges, ausgeführten behördlichen Verordnung zu verlassen. Dabei haben alle jüdischen maßgebenden Faktoren in Prag, in Preßburg zu seinen Gunsten interveniert; darunter augenscheinlich auch der Nationalrat. Schließlich hat der Belser Rabbi Munkacevo verlassen. Der „Wiener Morgenzeitu;ig,\ von Amrazim borssekim geleitet, passierte hier ein Malheur. Sie berichtet, anderen Tagesblättern nachschreibend, triumphierend über die Verweisung des „Wunderrabbi Rokach", ohne zu ahnen, daß der ,,Wunderrabbi Rokach" mit dem Belser Rabbi schl. identisch sei. Als der Plutzer erkannt wurde, schrieb die „Wiener Morgenzeilung" eine um so begeisterte Schilderung von dem enthusiastischen Empfang, den der Heiser in Polen genossen hat. So taucht in den zio- Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Brati$lava (Pre(bnrg) Erstklassige Uitiversalheilanstalf für Nerven- und iniaere Krankheiten Abteilungen für Chlrurgii, Gynäkologie Geburtshilfe, Orthopädie, Urologie, Augen-, Ohren-, Kehlkopf- und Nasenkrankheiteo. Täglicher Pauschalpreis von 6K83 aufwärts Freie Arxtewahl Wasserkuren, Freiluft und Sonnenkuren auch für Auswärtige Streng rituelle "KP^ Küche unter Aufsicht des PrelJburger Oberrabbinates nistischeu Blättern die Mär auf. daß der Belser sich Für die Zionisten begeistere, weil der Nationalrat für ihn in Prag interveniert hätte, und daß er die Agudisten, die nach der verbreiteten Mär gegen ihn gearbeitet hätten, bekämpfe. Im Zentralorgan der amerikanischen Zionisten ..Das yiddische Folk" erschien gar ein Feuilleton über die Bekehrung des Belser Rabbi schl. zum Ziouismus, verbunden mit der zweiten Erfindung, daß der Munkaeser Rabbi schl. ein eifriger Vorkämpfer der Aguda geworden wäre. Allerdings brach die ..Wiener Morgenzeitung" bald darauf in die bittere Klage aus, daß der Belser, trotzdem die Zionisten für ihn interveniert hätten, sich neuerdings scharf gegen den Zionismus ausgesprochen hätte. (Welche Inkonsequenz!) Ein hochinteressanter Bericht des Warschauer „Jud" teilt hierüber Näheres mit. Nachdem der Berichterstatter, Raw Seira, den großen Einfluß, den jetzt der Belser, mehr als je, auf das glaubenstreue Judentum ausübt, schildert, bemerkt er unter anderem, daß der Rabbi beinahe in keiner Sabbatderoscho verabsäumt, die Zionisten aufs Schärfste zu verutreilen. Der ,,Jud"' zitiert einen Ausspruch des Belser: „Für die Zionisten ist es ,Palästina', für die Misrachim ,Erez JisroeP, für uns ,Erez hakedoseha'." Rabbi Hager aus Lemberg, ein misrachischer Führer, kam unter den Besuchern. Der Belser lehnte es ab,\ihn zu begrüßen, und äußerte sich in überraschend scharfer Weise über seine Tätigkeit. Als ihn Rabbi Hager über die Ursache einer solch heftigen Befehdung des Misrachi, der doch auch strengreligiöse Juden r.u Anhängern habe, befragte, antwortete der Belser „newelos vv-trefos sind derselbe Laaw wie chasir, man ist aber chasir mehr memaas weil es einen simon tahara hat.*' Wohl das schärfste Urteil, das je über Misrachi gefällt worden ist. Später kam eine Delegation der Aguda, bestehend aus dem Sokolower, Bendinor und Pelzowisna Rabbiner schl., die der Belser freundlichst empfangen hat und denen er sagte: „Wer in meinem Namen gesagt hat, daß ich ein Feind der Aguda bin, ist ein Lügner." In diesem Beispiel sei die Wahrheitsliebe der zionistischen Parteipresse demonstriert; während der Belser Rabbi die schärfste Absage an den Misrachi kundgibt, erzählt das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten ihren Lesern in einem Feuilleton mit breiter Behaglichkeit die Mär, wie der Belser Rabbi — Zionist geworden sei. Das heißt wohl eifrige Propaganda für den Keren hajessod"! Undankbar. Wer? Der Heizer Rabbi. Warum? Er hat in den letzten Tagen eine Kampagne gegen den Zionismus begonnen und das wäre nach dem „Lemberger Tagblatt" der nackte Undank, hat doch der jüdische Nationalratin Prag für den Beizer Kabbi, als sein Aufenthalt in der Tschechoslowakei gefährdet war, interveniert. Nun kommt er nach Hause und agitiert gegen den Zionismus. Wenn er mindestens neutral geblieben wiire im Kampfe der Orthodoxen und Zioniaten. Diese heftige Anklage des „Lemberger Tagblattes" gegen den Beizer Kabbi, wirft ein grelles Streifleicht auf die Arbeitsmethode der zionistischen Presse, die bestrebt ist, die tief ernsten prinzipiellen Auseinandersetzungen von Weltanschauuugsfragen auf persönliches Gebiet hinüber zu spielen. Zwischen der Orthodoxie und dem Zionismus liegt eine ganze Weh. Der erstoren ist das jüdische Volk, ein Volk, welches, von G-tt erkoren, mit dem Diadem der Thor«, geschmückt, ein einzigartiges eigenes von G-tt bestimmtes Lehen, unter den anderen Völkern fürlit. Nach der Ideologie des Zionismus ist das jüdische Volk ein Volk, wie die übrigen Völker. Der Kampf zwischen Orthodoxen und Zionisten ist daher der Kampf der Thora gegen ihre Leugner, der Kampf von Mensehen, die von einer in der Thora verankerten Weltanschauung erfüllt sind, gegen jene, die die Thora nicht mehr als die g ttliche Verfassung des jüdischen Volkes betrachten. Der Heizer Kabbi ist der Führer von mehreren tausenden Gläubigen, er ist eine Leuchte der Thora, ist eine der #

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