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Jüdische Presse · 1922-06-23 · 22 (23.6.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
22 (23.6.1922)
Date
1922-06-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 144 JÜDISCHE PRESSE Nr. 22 dorn Im- „Klerikalismus." Wir beglückwünschen den „Je\vish Chronicle" zur Erfassung eines genialen Schlagwortes, das allerdings einen bedenklichen Stich ins Demagogische hat. „Jewish Chronicle1 hat entdeckt, daß das Ziel der Aguda der Klerikalisnius sei. Ein so wunderbares Beispiel eines so waschechten Cant ist uns noch selten begegnet. Auf der einen Seite gebürdet man sich konservativ, auf .der anderen Seite lügt man, daß die Aguda sich gegen das Mandat gewendet habe. Das sagt man allerdings nicht gerade heraus, sondern man gehl zu Tartuffe in die Schule und sagt. Aguda befinde sich in (Jesellschaff der antisemitischen Körperschaften, die gegen das Mandat protestiert hätten, und der Beweis für den Klerikalismus: Rabbi Chaim Sonnenfeld habe gesagt, er verlange für Palastina die Herrschaft der Thora. Soweit wir iiiformiert, sind, ist dies auch die Forderung des Misrachi, der die größte Fraktion des Karlabader Kongresses darstellt. Wir linden es also zu mindestens deplaziert, wenn „Jewish Chronicle" einen so nennenswerten Teil der Partei, in deren Dienst er sich gestellt hat, in dieser Weise brüskierte. Aber wir gestehen, ein solches Schlagwori ist aueb eiue Entgleisung wert. Es ist der Weg zum religiösen Bolschewismus. . . . t Religionsgemeinde — Volksgemeinde. Wie wir hören, sind die Bestrebungen des deutschen jüdischen Gemeindebundes auf ein totes Geleise geraten. Es hat sieh deshalb die Berliner Gemeinde entschlossen, einen preußischen Bund der Gemeinden ins lieben zn rufen. Der Entwurf liegt uns vor. Es wird noch darüber zu reden sein. Wenn man aber weiß, daß der Inspirator der ganzen Angelegenheit ein zionistischer Wortführer ist, so entbehrt es nicht einer gewissen Pikanlerie, wenn man sogar liest, daß dieser hervorragende Vorschlag als Grundparagraphen enthält, daß die Gernemden Preußen eine Religions- Gesellschaft bilde. Man kann also auch anders und das sind dieselben Herren, die die Well aus den Angeln heben wollten, als man in Warschau die jüdische Gemeinschaft als „Religions-Gesellschaft" konstituieren wollte. Ach ja! Paris vaul bien une messe. NACHRICHTEN, DetmcDösterreicth Das Rabbinat in Mattersdorf. Nach dreißigjähriger Tätigkeit, die der Mattersdorfer Kehilloh und Jescbiwoh zum Segen gereichte, ,sah sich unser allverchrter Herr Oberrabbiner J. B. Ehrenfeld mit Rücksicht auf seinen erschütterten Gesundheitsstand gezwungen, um Enthebung von seinem Amte anzusuchen. Diesem Wunsche mußte die Gemeinde entsprechen und beschloß, seinen würdigen Sohn Rabbi Samuel zu seinem Nachfolger zu wählen. Auch der hochgeschätzte. Dajan der Gemeinde Rabbi Josef Preßburger n. j. hat aus Gesundheitsrücksichten nach vieljähriger Amtierung um seine Entlassung angesucht und in seinem Schwiegersohn Rabbi Israel Taussig einen würdigen Ersatz bestellt. Am Isru Ghag fand die Wahl statt, zu der sich die'ganze Gemeinde und die Filialen Neudörll, Sauerbrunn und Wiesen, sowie viele in Wr.-Neustadt ansässige Kultuswähler einfanden. Herr Kultusvorstefter Sprinzeles begrüßt tiefgerührt die Versammlung mit einem Rückblick auf die großen Verdienste, die sich der unvergeßliche Rabbi Samuel Ehrenfelds, z. l. und dessen würdiger Sohn um die Kehilloh erwarben. Er gab dem tiefen Schmerz der Gemeinde Ausdruck, daß sie auf die Tätigkeit.d$s geliebten Rabbiners verzichten müssen, dessen Rat Rabbiner und Gemeinde auch fernerhin erbitten. Die Wahl erfolgt mit Akklamation unter tiefgerüh.'.ter Begeisterung. Vorstand und Gesamtgemeinde begaben sich zum alten Raw, um ihm herzlichst Maseltow zu wünschen. Ebenso zu Rabbi Josef Preßbürger. Um 4 Uhr fand die Antrittsrede des neuen Rabbiners statt, die in formvollendeter Weise und tiefer Rührung gehalten, nachhaltigen Eindruck machte. Die Berufung auf den S'chus Owaus und den S'chus Hatauroh, dieser alten Ir w'em b'jisroel und berühmten Jeschiwoh ließ kein Auge trocken. Abends vereinigte ein Bankett die Gemeinde. Es sprachen im Namen des Vorstandes dessen Mitglied Herr Anm Neufeld, der neugewählte Dajan Rabbi Israel Taussig. Herr Rabbiner Mosche Joaw Weiß, ein Gewerbetreibender Herr S. Löbl, ein Vertreter der Filialgemeinden und zum Schlüsse Herr Emanuel Hönigsbeer aus Wien. Die tiefempfundenen Worte und ausgezeichneten Diwre Thora brachten eine freudige gehobene Stimmung hervor, die dieses herrliche Fest allen Teilnehmern unvergeßlich machen wird. Den neugewählten Oberrabbiner begleiten die Wünsche aller seiner Freunde und der ganzen Gemeinde auf seinem Lebenswege und Avünschen wir dem alten Raw n. j., sich noch viele Jahre an der Tätigkeit seines Sohnes zu erfreuen. Den gleichen Wunsch entbieten wir Rabbi Josef Preßburger und Rabbi Israel Taussig. Der Rabbi aus Zabno in Wien. Wie aus Tarnöw mitgeteilt wird, kommt der Zabner Rabbi diese Woche nach Wien, um sein schweres Leiden durch hiesige Professoren behandeln zu lassen. Seine Freunde, Verehrer und überhaupt sämtliche Talmide chachunim freuen sich, diesen großen Mann hier begrüßen zu können und wünschen ihm Refuoh schlemoh. Die Soziale Fürsorge der Aguda teilt mit, daß sie ähnlich wie; mit dum Sanatorium Low nach mit dum Sanatorium Hera eine Abmachung getroffen habe, wonach allen Patienten, diu auf rituelle Kost 'reflektieren, Prozent Nachlaß vom Zininierpreis '/u gewähren und außerdem ohne besondere Kalkulation Frühstück, (Jabelfrühstüek'inid Jause zu verabreichen sei. Sollten irgendwelche Schwierigkeiten gemacht wurden, so müßten diese sofort der Sozialen Fürsorge bekanntgegeben wen'-.n. Heberdies sind diese Abmachungen dem Kurtnil der Sanatorien mitgeteilt worden und wird es in jedem Einzelfalle unter Berufung hierauf möglieh sein, diese Ermäßigung zu erreichen. Bio Talmud Thora Knaben-Volksschule, IL, Malzgasse 16, . eröffnet mit Beginn des Schuljahres 1922/23 auch Mädchenklassen,'und zwar vorläufig die 1. und 2. Klasse. Damit ist in Verbindung mit der darangegliederten Bürgerschule der so notwendige Aushau des jüdischen Schulwesens in Wien realisiert. Die Notwendigkeit des strengreligiösen Schulwesens auch für unsere Mädchen, die künftigen Mütter, springt so in die Augen, daü es nicht erst eines Hinweises auf die Worte der Thora bedarf und auf die überall, wo man es mit dem Judentum^ ernst nimmt, bereits bestehenden Schulanstalten für beide Geschlechter. Eltern, welche das seelische Wohl ihrer 1 Knaben und Mädchen fördern und vor der überall lauernden VTerderbnis bewahren wollen, sie alle mögen auch ihre Mädchen der jüdischen Schule, in der das wahre Judentum waltet, ohne Zögern anvertrauen. Die Einschreibungen linden am 26., 27. und 28. Juni, von 2 bis 4 Uhr, in der Schulkanzlei, II., Malzgasse IG, statt. „Theologia", Verein jüd. Hochschüler an der isr.-theol. Lehranstalt Wien. In der letzten Vollversammlung wurden die folgenden Herren in den Ausschuß gewählt: Hirsch Teller, Präsident; Schalom LUienfeld, Vizepräsident; David Sonnenschein, Kassier; Josef Wahrhaftig, 1. Schriftführer; J. J. Levin, 2. Schriftführer und Josef Drommelschläger, Nationalfondskommissär. Ungarn. Der neue, Altofher jüdische Friedhof. Die Altofner Ghewrah-Kadischah hat dieser Tage im Rahmen einer intimen Feierlichkeit, der auch Vertreter der Altomer jüdischen Gemeinderepräsentanz unter Führung des Präsidenten Salamon Szekely und. der dortigen jüdischen Frauenvereine beiwohnten, den Grundstein zu einem neuen Friedhof gelegt. Die Festrede hielt Oberrabbiner Dr. Ignatz Schreiber. Jüdische Abgeordnete im ungarischen Parlament. Bis heute sind 5 Juden ins Parlament gewählt, und zwar Wilhelm Vasonyi als Nationaldemokrat, Paul Sandor als Mitglied der Rassay-Partei, Moritz Rothenstein und Alexander Propper als Sozialdemokraten und PaulBiro als Mitglied der Regierungspartei. (J. G. B.) Talmud Thora in Nyiregyhäza. Wir wir bereits vor einigen Monaten berichteten, entwickelt sich die hiesige Talmud Thora-Schule sehr schön. Der Zuwachs der Schüler ist beinahe auf das doppelte gestiegen. Schon damals plante man eine Vergrößerung" des Schulgebäudes. Nun gelang es bereits dem tatkräftigen Vorstand des Talmud Thora-Vereines, diesen Bauplan auch zu verwirklichen, indem ein Zubau von drei großen Lehrsälen,' welche schon am 5. September fertiggestellt werden sollen, aufgeführt wird. Die Baukosten betragen 1,050.000 ung'. Kronen. Die Talmud Tora hat sechs -Melamdim angestellt, welche 8000 ung.. Kronen Monatsgehalt bekommen. Deutschland. Der deutsch-polnische Vertrag und die Juden Oberschlesiens. In den deutsch-polnischen Vertrag betreffend Oberschlesien, ist gemäß dem Artikel 93 des Versailer Vertrages der folgende Artikel (Nr. 71) über die jüdische Minderheit aufgenommen worden: 1. Juden dürfen nicht gezwungen werden, irgend welche Handlungen vorzunehmen, die eine Verletzung . ihres Sabbats in sich schliessen, und sie dürfen keine Entrechtung erleiden, wenn sie sich weigern, am Sabbat vor den Gerichten zu erscheinen oder Rechtshandlungen vorzunehmen. Diese Bestimmungen befreien die Juden nicht von den Pflichten, die allen polnischen Staatsangehörigen im Hinblick auf die Notwendigkeit "des Heeresdienstes, ihrer nationalen Verteidigung oder Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung obliegen. 2. Jeder der Vertragsschließenden erklärt, daß er nicht beabsichtige, allgemeine oder örtliche Wahlen an einem Sonnabend vorzuschlagen oder zu gestatten; es dürfen keine obligatorischen Entscheidungen betreffend Wählerlisten und dergleichen an einem Sonnabend stattfinden. (J.G.B.) Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes. Am 28. und 29. Juni findet im Sitzungssaal der Israelitischen Keligionsgesellschaft Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 4, die < leneralversammhiug" des orthodoxen Kabbinerverbandes 'mit folgender Tagesordnung statt: 1. •Berichterstattung des Vorstandes. '2. Halaeliisches Referat: Herr Rabbiner Dr. S. Breuer, Frankfurt a. M. IJ. ilalaehisches Referat: Herr Rabbiner Dr. Schiffer, Karlsruhe: „Das Verhältnis der standesamtliehen Trauungen und Scheidungeux zum jüdischen Religionsgesetz.4. Rituelle Fragen der Gegenwart, a) Agunos: Herr Rabbiner Dr. Mannes, Schwäbach; b) Schochtim und Sofrini: Herr Rabbiner Dr. Bainberger, Kissingen, i). rhiuueh: Herr 'Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg. (>. Aussprache mit Vertretern orthodoxer Organisationen Uber jüdisch-politische Fragen der Gegenwart, a) Agudas Jisroel: Herr JaUob Rosenheim; b) Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und Bund gesetzestreuer Gemeinden: Herr Rabbiner Dr. ,j. Breuer: cj l'alüstinaverwaltuii"": Herr Dr. S. Ehrmaiiii. Polen. Ein polnisches Gymnasium auf einem jüdischen Friedhof. Eine mit dem Aufbau eines polnischen Gymnasiums in Luck betraute Regierungskommission faßte den Beschluß, das neue Gymnasium auf dem alten jüdischen Friedhof der Stadt errichten zu lassen, auf welchem sich die Gräber bekannter jüdischer Gelehrter und Gaonim befinden und der von den Juden der ganzen Umgebung als Heiligtum verehrt wird. Die Juden der Stadt protestieren gegen die Entweihung des Ortes, allein die Kommission berücksichtigte diese Proteste nicht und ordnete an, den Bauplatz mit einer Holzplanke zu unigeben. Sobald mit diesen Arbeiten begonnen wurde, versammelte sich eine vieltausendköpfige jüdische Menge, welche die Fortsetzung^der Arbeit mit Gewalt hindern wollte, worauf eine Polizeiabteilung gegen die Menge heranrückte. Die versammelten Juden wählten an Ort und Stelle eine Delegation, die sich zum Wojwoden begab und ihn über die Sachlage aufklärte. Inzwischen wurden die weiteren Arbeiten eingestellt. (J. C. B.) Dansia. Seelenfang der Missionäre unter den jüdischen N ' Emigranten. Die in den letzten Jahren in Danzig eröffnete Abteilung der Hamburger Missionären- Logen versucht in der letzten ^Zeit ihren Seelenfang unter den unwissenden jüdischen Emigranten aus Osteuropa zu betreiben. In den Straßen von Danzig sowie in den Emigrantenlagern werden massenhaft Broschüren' und Belehrungen sowie schriftliche Zusagen auf materielle Hilfe verbreitet. Die hiesigen jüdischen institutionell haben einen intensiven Aufklärungsdienst gegen die Missionäre-Kampagne eingeleitet. (J. O. B.) > frankrekl). Das Flüchtlingskommissariat des Völkerbundes für die jüdischen Flüchtlinge aus Bußland. Das „J. G. NB." entnimmt einem Berichte des Oberkommissariats für russische Flüchtlinge beim Völkerbunde einige Mitteilungen über die bisherigen Unternehmungen dieses Oberkommissariats für die Verteilung und. Unterbringung der in einigen Ländern konzentrierten Flüchtlinge aus Rußland. Diesem Berichte zufolge konzentrierte das Oberkommissariat seine Haupttätigkeit auf die Transferierung dieser Flüchtlinge in solche Länder, wo sie Arbeitsgelegenheit und Beschäftigung finden könnten. Das Oberkömmissariat stellte in seinem Belichte an den Völkerbund fest, daß sein Aufruf an die Regierungen der im Völkerbunde vertretenen Länder und an verschiedene Flilfsorganisationen günstigen Widerhall gefunden hat. Die auf Grund dieses Widerhalls eingelaufenen Zuwendungen ermöglichten die Abwanderung von zirka 1500 russischen Emigranten aus Konstantinopel, deren Zahl sich dort auf 15000 beläuft. Bezüglich der jüdischen Flüchtlinge in Konstantinopel drückt das Oberkommissariat seine Hoffnung aus, daß die palästinensische und argentinische Regierung die Einwanderungsbestimmungen für diese Flüchtlinge in einer Weise" Grand masscrixilanstalt Bratislava (PrePurg) Erstklassige Universal-Heilanstalt für Spezialbchandlung »ler inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-, Darm-, Herzum! Blutgefällkrankheiten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und KenIkoptkranke. Täglicher Pauschalpreis von cK 83 aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebt) auch für Auswärtige. Streng rituelle ""flyb Küche unter Aufsicht des Preliburger Überrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARAN Y I.

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