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Jüdische Presse · 1922-06-23 · 22 (23.6.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
22 (23.6.1922)
Date
1922-06-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 JÜDISCHE PRESSE Seite 145 mildern werde, damit es möglich wird, eine große Anzahl jüdischer Flüchtlinge auf einmal in diese Länder hinüber zu führen. Dem Oberkommissariat ist es außerdem gelungen, bei vielen Regierungen Erteilung von taxfreien Visen für diese meist mittellosen Flüchtlinge zu erwirken. Rumänien. Der Kampf gegen die Orthodoxie. Vergangviu' Woche sollte Rabbiner (Maser in einer Versammlung in (rrol.Hvanlein «las Propagandareferat für die Vereinigung der Orthodoxen und Reformer halten. Da er trotz Protestes des Morch de Asroh Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbinor Fuchs dort hin kam. widerfuhr ihm'das bemitleidenswerte Schicksal, gleich am Bahnhof den Wink bekommen zu haben, der stark genug war. ihn zur schleunigen Rückkehr zu bewegen. Die Großwardeiner Gemeinde für die russische Hilfsaktion. Durch Initiative der Aguda-Jugendgruppe in Orottwardein wurde eine großzügige Hilfsaktion für die russischen Hungerleidenden ins Leben gerufen. Der Ehrw. Herr Oberrabbiner Fuchs eifert in einer glänzenden Predigt, am vergangenen Sehewuoth-Feiertage seine Oemeinde an, das Möglichste im Interesse der ungeheuren Dringlichkeit raschester und ausgiebigster Hilfe zu tun. Kanada» Die jüdische Einwanderung nach Kanada. Zeitungen aus Toronto melden, daß unter 11.585 Emigranten, die während der letzten Wochen über Quebec in Kanada eingetroffen sind, nur 263 Juden waren. Die Zahl der jüdischen Einwanderer hat sich gegenüber der gleichen Zeitperiode des vergangenen Jahres stark vermindert. (J. C. B.) TSCHECHOSLOWAKEI. Der Bund der jüdischen Gemeinden. Zu dem in unserer vorigen Nummer bereits berichteten Zusammenschluß der neologen und status quo-Gemeinden in der Slowakei wird uns.noch aus Bratislava geschrieben: Wie die „Jüdische Volkszeitung", das Organ des Volksverbandes, meldet, sind in Piesfany Vertreter von 25 neologen und status quo Gemeinden zusammengekommen, und haben die Gründung eines nicht-orthodoxen Gemeindebundes ausgesprochen. Die orthodoxe Judenheit hat keinen Grund, dieser Neugründung gegenüber Stellung zu nehmen. Wir möchten bloß auf zwei erfreuliche Momente hinweisen. Erstens, daß siöh die Neologie nach langem Zögern endlich zur selbständigen Organisierung entschlossen hat, wodurch die von uns stets mit Nachdruck betonte Sonderstellung der Orthodoxie auf der ganzen Linie noch klarer in Erscheinung tritt. Zweitens, daß der Volksverband, der sich bis nun mit Vorliebe als Vertreter der Gesiamtjudenheit gelierte — faktisch aber die Orthodoxie mit demselben nichts gemein hatte — nunmehr sich endlich dazu bequemte, sich bloß auf die materielle und moralische Unterstützung dieser 25 neologen Gemeinden zu stützen. Unklar bleibt nur noch, welche praktische Folgen für die neologen Gemeinden sich von der Erklärung, daß sie sich in Hinkunft auf die Basis des Schulchan- Aruch stellen, ergeben. Scheinbar dürften die Ergebnisse dieselben sein, wie diejenigen der von der „Volkszeitung" mit Emphase aufgenommenen Umbenennung von israelitischen auf „jüdischen Gemeindebund*. Die Regelung der Sperrstunde an Sonnnnd Feiertagen in Bratislava. Die Sonntagsruhefrage, die seit Monaten die Gemüter der Schomre Schabboth in fortwährender Aufregung hielt und welche die Existenz der jüdischen Kaufleute bedrohte, wurde am 13. Juni in der städtischen Generalversammlung dahin geregelt, daß die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen von. 8 Uhr früh bis 10 Ubr Vormittags mit Ausschließung der Angestellten geöffnet werden können. Die Uebertretung dieses neuen Statuts ist mit großen .Strafsanktionen verbunden. Die erste Strafe beträgt CK 600, die zweite £K 2000 und im dritten Falle zieht die Uebertretung den Verlust des Gewerbescheines und der Konzession nach sich. In der Lösung dieser außerordentlich wichtigen wirtschaftlichen und religiösen Frage erwarb sich der Sekretär der Jüdisch-konservativen Partei Dr. Julius Diamant ein großes Verdienst, der seit Wochen als Vermittler zwischen den Gruppen der politischen Stadtverordneten fungierte, um die Existenzmöglichkeit der jüdischen Kaufleute zu sichern. Bemerkenswert ist das Verhalten _ des Herrn Stadtrepräsentanten Bernhard Weiß dieser wichtigen Frag« gegenüber, der sonst sehr oft in seinem Leibjournal, in der „Jüdischen Volkszeitung", das Mißlingen dieser Frage der Landeskanzlei in die Schuhe schieben will, Herr Stadtrepräsentant B. Weiß wohnte dieser wichtigen Sitzung nicht bei. Er hielt es nicht für notwendig, seinen jüdischen Brüdern zu Hilfe zu eilen. Tifereth Baehurim in Zborow. Die hiesige Chewrah Tifereth Baehurim, die vor zirka drei Jahren durch dessen Präses H. Alexander Seitanreich gegründet wurde, feierte Dienstag abends ihren ersten Mischnajot- Sijam, der einen schönen Verlauf hatte, wobei der Präses die Schlußrede hielt. Eine Jeschiwa in Brünn. In der „Jüdische Volksstimme" finden wir einen warmen Appell an die Judenheit Mährens und Böhmens, die Brünner Jeschiwah, die erst vor kurzem gegründet wurde, kräftigst zu unterstützen. Wenn wir den Indifferentismus und die Gleichgültigkeit, den man in Mähren und Böhmen jeder echt jüdischen Sache entgegenbringt, ins Auge Sassen und diesen Appell lesen, da müssen wir uns freuen, daß auch in diesem Lande, wo die Reformation alles, was jüdisch und wertvoll war, umwertete und die große Leere, die die Reformation hinterlies, man mit dem phrasenhaften Schlagworte des Jüdisch-Nationalismus auszufüllen bestrebt war, klare und nüchterne Worte gesprochen werden, die besagen wollen, daß das Judentum nur durch die Thora erhalten werden kann. Leiter der Jeschiwah ist Rabbiner Schattia, Schwiegersohn des Oberrabbiner Reich aus Batorkes. Es ist zu wünschen, daß es ihm. gelingen möge, seine Jeschiwah mit dem Geiste der alten großen Jeschiwos des Landes zu beleben. General Versammlung der orthodoxen Chewrah- Kadischa in Batislava. Sonntag1, den 8. Siwan, hielt die Chewrah-Kadischa unter Vorsitz des Präses David Kraus die ordentliche ■Generalversammlung' ab. Erst wurde das vorjährige l'rulokoll und der Jahresbericht vorgelegt. Nach einer Debatte zum Jahresbericht wurde dem alten Vorstand das Absolutorium erteilt. Aus dem Berichte geht hervor, daß auf dem Gebiete der Wohltätigkeit vieles geleistet wurde. Es wurden wieder gewählt die Herren: D. Kraus, Kunstadt, * Engel und J. Grünberg, neugewählt wurde Herr Fürst.' Seit dein jüngst erbrachten Beschluß der Chewni, daß einer der den Schabbos entweiht nicht Mitglied der Chewrah sein kann, hatte die Chewrah viel Ansehen gewonnen und eben dadurch ist das Bestreben bei den/Frommen wach-, gerufen worden, die Chewrah nach Möglichkeit kri.it ig' zu unterstützen. Die Rabbinerfrage in Presov. Aus Presov (Eperjes) wird uns gemeldet: Der vor einigen Wochen zum Oberrabbiner gewählte'' Rabbiner S. Freund aus Szäszregen (Rumänien) hat der Gemeinde seinen Verzicht auf die Stelle mitgeteilt, da sein Weggehen aus Szäszregen eine Spaltung in der Gemeinde hervorrufen würde, die er auf Verlangen zahlreicher Gemeindemitglieder verhüten möchte.' . |<%s^| Ciferatur. \^L^> Der internationale Jude. Ein Weltproblem. Das erste amerikanische <Buch über die Judent'rage. Herausgegeben von Henry Ford. Ins Deutsche übertragen von Faul Lehmann. Siebente .«Auflage, 21.—24. Tausend. Hammer-Verlag (Th.. Fritsch), Leipzig U)22. . ]);is vielbesprochene Buch hat hi der deutschen Uebersetzung schon die 7. Auflage erreicht. Dieser Umstand ist mit billiger Kritik, die sich leicht an dem heillosen Nonsens dieses Buches üben kann, nicht wettzumachen. Nicht weniger sinnlos, als das Buch, ist. die jüdischerseits geübte Methode der 'Bekämpfung. Ford kämpft einmal augenscheinlich bona fide, und die unsinnige Art der persönlichen Kampagne gegen den populären Philanthropen gießt nur Oel ins Feuer. Die Gefahr des Buches ist — trotz oder vielleicht wegen seiner phantastischen Widersinnigkeiten — nicht wegzulachen. Der (Seist des Naehkriegsmenschen ist für das Groteske, Unheimliche und Okkultistische so empfänglich geworden, die liätsek der Ursachen der Weltkatastrophe haben den Sinn derart dem Glauben an geheimnisvolle dämonische Mächte Untertan gemacht, daß dieses Buch, welches in der geisteshellen Vorkriegszeit überhaupt, nicht denkbar gewesen wäre, zu einem ernsten Problem des Judentums geworden ist. Nicht der Inhalt des Buches, das nur eine syneopated-Variation des bekannten Liedes von der geheimnisvollen internatioiialen jüdischen Welt mafl'ia ist, sondern der Verfasser ist das Wichtige. Alan erzählt, daß Ford aus Erbitterung über die Jüdin Kozsik a Schwimmer,' die ihn zur Ausrüstung der Friedensfahrt bewogen hatte, Antisemit geworden wäre. Da vertreibt er den Teufel mit Beelzebub, denn mit den ,,Protokollen von Ziyif ist er einem wirklichen politischen Schwindel aufgesessen. Der Antisemitismus wäre bei Ford sicherlieh nur ein vorübergehender politischer Spieen geblieben: er war ja Pazifist und Kriegsprediger und mul.'te sich einmal schon bei Gericht gegen den Anwurf verleidigen, dal.' er anarchistische Ideen verkünde. Mehr der Merkwürdigkeit als der Polemik halber soll als Muster der leichtfertigsten Beschuldigung angeführt werden, das als Beweis des älteren Datums der ..Protokolle" bezeichnet wird, daß darin der Ausdruck ,,Panama" vorkommt, was auf die Zeit des Panamaskandals schließen läßt. Da im „Judenstaat" ebenfalls* der Avisdruck .,Panama" für Korruption vorkommt, schließt Fords Buch auf die Gemeinsamkeif der Autorschaft.) In Amerika ist die bei uns noch täglich gehörte Bezeichnung „Panama-' wenig bekannt.) Fs ist typisch, daß gerade Her/1, der davor gewarnt hat. deirZionisnms als eine internationale landespolitische Vereinigung erscheinen zu lassen, durch die Torheit seiner Nachfolger zu einem der ,,Weisen von Zion" gemacht wird. Eine entsetzliche Verkennung —- wir sagen nicht bewußte Verdrehung — des' Judentums spricht aus dem Buche, das wir mit unserer gewöhnlichen, ajbernen Apologie nicht bekämpfen können. Es fehlt, uns jede systematische Aufklärungsarbeit. Was wir an jüdischen Verteidigungsschriften besitzen ist so süßlich, selbstberäuchernd. augenscheinlich mehr darauf angelegt, dem kaufkräftigen jüdischen Leser zu gefallen, als nach außen zu wirken, daß ihr Zweck ganz verfehlt, ist. Leider ist unsere eigene Presse,, so schrecklich subjektiv und parteiisch, daß nirgends ein klares Bild des jüdischen Lebens gewonnen werden kann. «Hat doch nicht nur der größte Teil der Judenheit keine genaue Vorstellung vom Wesen des Judentums, sondern es besteht gär der traurige Zustand, daß führende Kreise des aktiven Judentums in einer höchst einseitigen Kenntnis jüdischen Lebens erzogen und erhalten werden. Selbst eifrige Leser jüdischer Bücher und Blätter sind nicht imstande, sich eine klare llebersicht über die Lage und die Politik des Judentums, r/u machen. Jede Persönlichkeit, jede Aktion und jedes Werk ist derart von der jüdischen Parteien Haß und Gunst verzerrt, daß selbst der nach Information strebende Jude selten eine der Wahrheit entsprechende Vorstellung vom Ganzen erreichen kann. Was Wunder, wenn der Nichtjude in dieser verwirrenden Fülle von Widersprüchen und Streitigkeiten kein scharfumrissenes klares Bild jüdischen Wesens erlangen kann. Wie sollen wir von den 'anderen Wahrheit über uns fordern, wenn wir selbst nicht wahr zu einander sein wollen! Es fehlt uns an großem, überragenden Persönlichkeiten, die mit staatsmännischer Kunst und reiner Liebe zum Volke eine große- Aufklärungskampagne eröffnen würden. Mit Kritiken kleiner Wochenblätter, satyrischen Witten über 'Ford und Kufen nach Polizei und Staatsanwalt ist wenig gedient. Die Gefahr dieses Bilbuls' ist groß genug, um zu einer ernsteren Aktion zu führen. ^SLj Pmonalia. Trauung. Am 30. Mai fand in New York im Bethaus „Bikur Cholim* 685 Prospect Av, die Trauung des Herrn Ephraim Fiscuel mit Frl. Bachel Schlechter, Tochter des Rev. Aron Schlechter aus Preßburg, statt. Barmizwa. ühaim (Erich), Sohn des Herrn Dr. Gottfried Freiulmann (Wien, IX., Glasergasse 19), feiert am Sahhat, |"Hp'S 1- <h"h\ seine, Barmizwa. Todesfälle. Rabbi Leih Weingarten, berühmt unter den Namen der „Zaddik von Lubaschow", ist verschieden. Als Nachfolger wurde sein Sohn Rabbi lsaac Aron Weingarten bestimmt. W. G. Bruck, das ehemalige Dumamitglied, verschied am 11. Juni in Berlin. R. Schulem Tabak aus Marmaro-Sziget, Verfasser mehrerer balachischer Werke, ist im Alter von 71 Jahren in Faluslatina (Slowakei) verschieden. KALENDARIUM. Tag | Siwan Juni Notizen Sonntag 29. 25. Erew Rosch-Chödesch — Tod R. Samuel Isser (Lublin) 5442 — Tod R. Jhüde Assod (Dunaszerdahely) 5626 Montag 30. 26. Sosjji-Chodesch Tamraus I. — Tod R. Mose Nagara (Dama'skm) 5341 — Tod R. Ahron Aba (Lemberg) 5403 — Massakre in Sevilla 5130 Dienstag Tamuz 1. 27. Rosch-Chodesch Tamraus n. — Tod R. Noszen Nate Frankfurter (Nagymarton) 5528 — Tod R. Mosche Zwi Fuchs (Großwardein) »5671 ' ' Mittwoch 2 * 28. Märtyrertod R. Mose Aschkenes Konstatin 5408 — Tod R. Nante Zans Dayan in Preßburg 5532 Donnerstag 3. 29. Josua stellt die Sonne Freitag " 4 < 30. Tod Ii. Pinchas Horowitz (Hafloo) 5565 Samstag 5. Juli 1. Korsch. Haftoro i Wajomer Schmuel — 4 Perek — Kosaken massakrieren Juden in Wilna — Tossefas Jomtow wird eingekerkert (Fasttag seiner FamiUe) — Tod R. Josef Brezlauer (Bote Nef'esch) Stomfa, 5573

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